Gedanken über die Liebe

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Das menschliche Miteinander auf der Couch
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Die Liebe ist ein mächtiges, aber unordentliches Gefühl. Die Buchhandlungen sind gefüllt mit Ratgebern über die Mutter aller Gefühle. Nur wenig Sachbücher haben sich an das große Thema herangewagt, das die Menschen an- und umtreibt. Die Liebe lässt sich schwer konkretisieren, schlecht kategorisieren oder schon gar nicht sezieren. Glaubt man Richard David Precht ist es auch nicht möglich, sie zu legitimieren, zumindest nicht biologisch: "Ich glaube, das ganz Unordentliche an der Liebe liegt daran, dass sie biologisch so wenig sinnvoll ist." … weiter


Rezension zu "Liebe – ein unordentliches Gefühl" von Richard David Precht (2009), München: Wilhelm Goldmann Verlag. 379 Seiten

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

8 Kommentare

  1. Ist Liebe “biologisch”?

    Liebe scheint mir alles andere als “biologisch wenig sinnvoll”! Und die Titulierung “Menschliches Bindungsverhalten” ist ein Kandidat zum “Unwort” des Jahres. Sicher, immer häufiger wird bei in „Gemeinschaften“ lebenden Tieren gegenseitiges, uneigennütziges Verhalten beobachtet … und schon geht die Suche nach einem Empathie-Gen los. Das findet sich dann sicher auch. Genauso scheinen auch unsere weitläufigen und in Kleingruppen lebenden Vorfahren (zumindest bis zur aufkommenden Landwirtschaft und der daraus resultierenden Vergesellschaftung) weitaus friedlicher miteinander umgegangen zu sein und eher dem gegenseitigen Nutzen des Miteinander (der Emergenz, dem Mehrwert einer Gemeinschaft) Vorrang gegeben zu haben als Rivalität und Wettbewerb! Das alles klingt mir mehr nach Darwin und den offenen Fragen der Evolution. Uneigennützigkeit (Sozial, Barmherzig, Edelmütig … „Ritterlich“?) als „Vorteil“ gegenüber (vom Menschen so klassifizierten) Konkurrenzkampf …?

    Ich mag der Liebe keinen gesunden Menschenverstand unterstellen? Wozu auch? Und Liebe “nur” auf Zweierbeziehungen zu beschränken halte ich für Kurzsichtig. Liebe, auch wenn es noch so abgedroschen klingen mag, ist universell! Liebe kann ich nur absolut bedingungslos verschenken … Liebe ist immer ein Geschenk. Ohne Anspruch auf Gegenliebe oder gar sonstiger Gegenleistung. Liebe benötigt ein reifendes Bewusstsein, denn ich muss mich zuerst einmal selbst bedingungslost lieben (lernen), bevor ich sie weiter schenken kann. Und genau damit haben Menschen wohl auch ihr größtes Problem. Dem gegenüber ist es sicher eine leichte Übung, Liebe als Notwendigkeit einer gesunden Zweierbeziehung zu akzeptieren. Aber, resultiert daraus z. B. auch so etwas wie eine Unmöglichkeit meine Liebe in gleicher Weise auch noch jemand Anderen zu schenken? Wäre dies gleich das Ende der Beziehung …? Habe ich wirklich so etwas wie ein Anrecht auf (wohl möglich alleiniges) Geliebt werden? Gibt es ein (moralisches) Recht auf „eheliches“ Geliebt werden als eheliche Pflicht, in der Weise, wie kürzlich (wenn auch nur in einem totalitären gesellschaftlichen System) ein Recht auf regelmäßigen ehelichen Beischlaf (also das eheliche Recht auf „körperlichen“ Liebe) einklagbar tituliert wurde?

    Und … bin ich gleich ein religiöser oder transzendenter „Spinner“ wenn ich (das Gefühl) Liebe als Ausdruck der Reife des Bewusstseins interpretiere? Gegenüber einem gesunden Menschenverstand (den ich für absolut erstrebenswert halte) ist Liebe besser ein (universeller) gesunder und darüber hinaus auch heilender Bewusstseinszustand … im Sinne von miteinander „Eins“-Sein und „Ganz“ werden, mit sich selbst, mit einem „Gegenüber“ und wer mag vielleicht auch mit dem ganzen Universum …

  2. Schnick-Schnack

    Es gibt keine Liebe, es gibt nur eine religiöse Worthülse. Nicht umsonst wird es nur schwer gelingen, eine Definition dieses kitschig-romantischen Konstruktes zu liefern. Was es aber gibt, ist ein Markt für Bücher, Rezensionen und Blogs – und da zieht ein Schlagwort wie “Liebe” immer. Wer meint, “Liebe” wäre etwas wie “Selbstlosigkeit”, der verkennt, dass “Selbstlosigkeit” zuerst einmal “Selbstlosigkeit” ist, da braucht kein anderes Wort bemüht werden. Und ich denke außerdem, dass es echte Selbstlosigkeit nicht gibt, sondern immer nur einen gemeinsamen Nutzen. Und Bewußtseinszustände, welche “Eíns” mit dem ganzen Universum machen, sind tatsächlich religiöse Spinnerei. Was das konkretisieren und kategorisieren angeht, empfiehlt sich Erich Fromm mit “Die Kunst des Liebens”, welcher aber auch notgedrungen ins religiöse abgleiten muß, da es bei der Liebe, mangels Substanz, eben nichts zu sezieren gibt.

  3. Liebe ist (auch) nur ein Wort …

    Ok. – Liebe ist ein (auch) nur Wort und weder biologisch noch metaphysisch existent, sprich in der Welt (innen wie außen) zu konkretisieren und kategorisieren. Wohl möglich, nein, ganz sicher sind es die „Ursachen, Wirkungen und Konsequenzen“ biochemischer und bioelektrischer Vorgänge, die eben auch mittels menschlichen Bindungsverhaltens das Überleben der Art aufrecht halten oder das Zusammenwirken eines Paares, Gruppe oder Gesellschaft bestimmen.

    Tatsächlich gibt es „besseres“ als ausgerechnet „Liebe“ definieren zu versuchen. Dazu gehört sicher auch, ein anderes, aus biologische Sicht eher störendes „Beiwerk“ dieser elektrochemischen Vorgänge außer Kraft zu setzten: unser Bewusstsein! Verglichen mit dem, wie es in „freier Natur“ vor sich geht (und ohne wissen zu können, wie viel „bewusstes Sein“ dort existiert), macht uns offensichtlich dieses bewusste Dasein in der Regel nur Ärger. Ganz abgesehen davon, das es uns durchaus zum „Spinnen“ verleiten kann. Mit oder ohne religiöser Hilfe.

    Was „Nutzen“ betrifft, so bin ich überzeugt, dass Liebe oder das, was jeder für sich darin finden muss, hinsichtlich Evolution nützlich ist. Sicher bringt sie einen Mehrwert und Vorteil für das Überleben der Art, also im Zusammenhang mit „menschlichen Bindungsverhalten“. Und wenn das, was der ein oder andere Selbstlosigkeit, Barmherzig, Edelmut usw. nennt, keinen „Nutzen“ zeigt, d. h. im Zusammen (-) leben zu keinerlei Emergenz führt, dann wird die Evolution sicher etwas Besseres finden. Wenn ich mir die Menschheitsgeschichte so ansehe, bin ich mir sogar sicher, dass wir seit langem dabei sind, alles Mögliche (an uns selbst) auszuprobieren, gleich wie wir es anschließend konkretisieren und kategorisieren.

  4. Hallo,
    die Schwabulierkunst ist wirklich ein alzu süßer Begriff. 🙂
    Wie Sie ja wissen kann ich es nicht lassen, alles zu zerlegen. Bei der Liebe ist das auch nicht anders, für mich gibt es nur den Botenstoffzustand und den sozialen Hunger, der sich im Fall der Liebe wohl auch nicht ganz vom Thema Religion ablösen lässt.

    Das Buch ist wohl so oder so ein muss und kommt jetzt gleich auf meine Wunschliste.

    Vielen Dank Ihr

    Uwe Kauffmann

  5. sehr prosaisch, aber was nicht ist, kann auch nicht können und so tun, als ob ist, eine wanne mit gedachtem wasser zu füllen – das bad wird nicht säubern.

  6. Leckerbissen

    Hallo,
    da möchte ich mich mal bei der klugen, schönen jungen Frau bedanken.
    Habe mir ein Exemplar als Hörbuch gekauft,
    Bin gerade mit der 3. Cd durch und bin schwer begeistert, werde das ganze dann wohl noch zwei bis dreimal hören.
    Vielen Dank für diese Besprechung und noch ein schönes Wochenende.

    Gruß Uwe Kauffmann

  7. @Schwab

    Hallo,
    vorläufiges amtliches Endergebniss:

    Der Gott und Die Liebe, sind Schimären, mit glauben und lieben, kann man aber eine Menge draus machen. 😉

    Danke, der Erstkonsum hat mich zwars fast umgebracht, habe aber in so kurzer Zeit, noch nie so viel fürs Leben gelernt.

    Gruß Uwe Kauffmann

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