Flaschenbotschaft

Psychologieblog

Die Psychologie der Weinflaschen

Habt Ihr auch noch keine kleine Aufmerksamkeit für den Gastgeber der Sylvesterparty? Keine Zeit, keine Zeit – aber ein schöner Wein findet sich immer im Regal.

Mit einem teuren Tröpfchen als Mitbringsel liegt man nie falsch. Helene Karmasin, Leiterin des Instituts für Motivforschung, bescheinigt mir mit dieser Wahl des Geschenkes „erstens den Nachweis finanziellen Kapitals, zweitens den Nachweis kulturellen Kapitals und (…) drittens soziales Kapital.“ Ja, das hört sich gut an. Nur was tun, wenn gerade das Kapital knapp ist?

Man schenke:

Aldi-Wein mit Angabe eines Château (Tradition! Würde!) in einer schweren Holzkiste (Pretiose, braucht Schutz!) mit Holzstreben (sehr wertvoll, braucht Extraschutz) an einen Freund, der sich nicht auskennt (und dessen Freunde sich auch nicht auskennen).

Denn das Auge trinkt mit. Sehen wir die bauchigen, eleganten mit praktisch nutzlosen Messingdraht verpackten Flaschen sprühen unsere kortikalen Areale in Vorfreude auf den Genuss. Und das Beste ist schließlich gerade gut genug. Es werden gerne metallische Farben, Gold und Silber verwendet, weil sie Hochwertigkeit suggerieren. Die häufige Konturierung der Buchstaben gaukelt den Charakter eines Siegels vor, erklärt der Psychologe Bernd Reuschenberg.

Wer sicher gehen will, dass er auch in den Genuss des edlen Tropfens kommt, der gerade den Besitzer wechselte, sollte Klassik statt Pop auflegen. Denn der steigert laut einer Studie die Lust auf Wein. Mit dem kleinen betrügerischen Trick aber lieber auf Spears, Aguilera und Co bestehen. Bleibt dann nur die Frage, was das geringere Übel ist: schlechter Wein- oder schlechter Musikgeschmack.

Quelle: Zeit, Trinken ist psycho

(kat)

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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