Bildung macht glücklich

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Das menschliche Miteinander auf der Couch
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Ein Jahr nach Start des Heidelberger Pilotversuch Glück als Schulfach zu lehren, berichtet Ernst Fritz-Schubert, Direktor der Willy-Hellpach-Schule, im Interview mit der Gehirn & Geist über die ersten Erfolge. Glücksschüler berichteten über ein besseres Gemeinschaftsgefühl und steigende Selbstwirksamkeit. Sie „haben gelernt, sich zu hinterfragen" resümmiert auch Wolfgang Knörzer. Der Heidelberger Professor begleitet das Experiment mit seinem Kollegen Robert Rupp und untersucht auf Grundlage der "Konsistenztheorie" den Erfolg. In diesem Rahmen basiert das Kleeblatt des Glücks auf den folgenden vier Aspekten:

  • starke Bindungen
  • Orientierung und Kontrolle
  • Lustgewinn
  • Selbstwerterhöhung

Im Grunde geht es in den meisten theoretischen Ansätzen um Selbstakzeptanz, persönliches Wachstum und sinnerfüllte Beziehungen. In Amerika und Großbritannien stehen "Happiness" & "Well-being" bereits seit zwei Jahren im Stundenplan von Schülern und Studenten. Ab dem Frühjahr 2009 können die Heidelberger Gymnasiasten in diesem Wahlfach die Abiturprüfung ablegen. Der Lehrplan im Wahlfach „Glück“ umfasst pro Schuljahr 80 Stunden zu fünf Themen:

Es wird natürlich nicht der "individuelle Glücksbarometer" der Schüler zensiert wird, sondern die Auseinandersetzung mit den fachlichen Inhalten. 

Anleitung zum Glücklichsein

Kann man glücklich sein lernen? Was braucht man, um glücklich zu sein? Was kann man tun, um glücklich zu sein? Kann man glücklich sein fördern? Kann man glücklich sein lehren?

"Es ist schwer, das Glück in uns zu finden, und es ist ganz unmöglich, es anderswo zu finden." (Nicolas Chamfort)

Quellen:
(1) Spiegel: „Macht Glück wirklich glücklich?
(2) Gehirn & Geist: „Ein seelisches Polster aufbauen“. Ein Interview mit dem Schulleiter Ernst-Fritz-Schubert
(3) ntv.de: "Kompetenz für das Leben. Lernen im Glück"

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

18 Kommentare

  1. Glück? Solange diese Welt existiert gibt es kein Glück und Liebe schon gar nicht. Es sind bloße Begriffshülsen. Die Welt ist falsch -und das vom Grunde aus!

    gez.
    Schopenhauer

  2. Als Riese klein sein.

    Halo,
    Anleitung zum Glücklichsein, ich würde es als alter Legastheniker lieber, lieber als glücklichSein schreiben.

    Vor allen Dingen erst mal Sein nicht im Sinne von haben zu betrachten.
    Nicht als etwas zu arbeiten, eine Berufsbezeichnung zu sein. Ich denke wenn jemand es schafft an der Arbeit zu Leben, dann hat man 8 Stunden Leben pro Tag gewonnen. Ich denke Glück ist ein Zustand, nichts das erlernbar wäre. Aber man kann wohl lernen mit offenerren Augen und Herzen zu Leben. Denn es liegen viele große und kleine Gründe für Glücksempfinden, an dem Rand des Weges den Wir gehen.
    Wenn das Empfinden verstärkt wird, bedeutet dies, das dies nicht nur für Glücksempfinden gilt, sondern die Intensität von Leben zunimmt. Glück kann man sich nicht verdienen und nicht kaufen. Man muss gerade noch so dumm bleiben (naiv, kindlich, neugierig ohne Gier sein, nie fertig sein mit dem Welt(Mensch, Mitmensch, Partner)erklären.). Die Welt ist wie ein Adventskalender, lauter kleine Türchen und zum Glück nicht immer Schokolade.
    Einen schönen Abend noch.

    Gruß Uwe Kauffmann

  3. @Hilsebein

    Hallo,
    ich sehe das eher als Kulturkritik. Auch er hat wohl sein Glück in der Kultur und Philosophie des Unglücks, Glück gefunden und straft sich damit selbst der Lüge. Denn der einfachere Weg ist es wohl sich baldigst aufzuhängen.

    Gruß Uwe Kauffmann

  4. Ergänzend

    Ergänzend,
    das Glück nach (Philosophie des Unglücks,)
    muss natürlich raus. War früh heute 04:40 Uhr.

  5. @ Kauffmann

    “Denn der einfachere Weg ist es wohl sich baldigst aufzuhängen.”

    Nun, man muß nicht Schopenhauer folgen. Er selbst lehnte den Selbstmord ab, da der Selbstmord nur die Erscheinung liqudiert, aber nicht den Willen, der eine neue Erscheinung ins Leben ruft. Es ist die Hoffnung selbst, die als letztes Übel aus der Büchse der Pandora entweicht und uns leben läßt mit den Worten: und wenn es doch ganz anders ist?
    Wie lange soll diese Welt, die die schlechtestes aller denkbaren Welten ist noch bestand haben?

  6. Die Schulfächer klingen buddhistischer Natur.Obwohl ich bisher kein Anhänger dieser Richtung bin – hat was und ich finde das ganz gut. Allerdings dies mit der Überschrift “Glück” zu bezeichnen, finde ich etwas “unglücklich” gewählt. Gewinnt einer im Lotto, heißt es: Man, hast du ein Glück. Die oberen Fächer zielen aber auf eine innere Welt, unabhängig des Lottogewinns. Ich würde das Fach “Purei” nennen.

  7. @Hilsebein

    Hallo,
    klar es ist der Weg der Feiglinge. Aber irgendwie gehört auch Mut dazu. Ich denke mal Überleben ist eine Option. Es ist sicher man findet nichts wenn man das Leben abgegeben hat. Mann muss sich nicht trauen zu Leben, man muss aber auch nicht die Option auf Glück abweisen.
    Sie lieben scheints die schwere rechte Gewissheit, es gehört aber Mut dazu die unbestimmten Leichtigkeiten zu akzeptieren und zu nutzen. Man sollte die Freude an beidem empfinden können.
    Es ist ein Leichtes den Kopf aus dem Dunkel zu erheben und sich gelegentlich dem Licht des Lebens entgegenzustrecken.

    In diesem Sinne ein schönes Wochenendede.

    Gruß Uwe Kauffmann

  8. Persönlichkeitsbildung

    Es ist gut, dass man die positive Persönlichkeitsbildung junger Menschen fördert; statt sie einseitig nur mit Lernwissen vollzustopfen. Selbstbewusste Menschen werden es ihr ganzes Leben lang leichter haben.
    Ob man das Schulung in `Glück´ nennt ist zweitrangig.

    Wenn jemandem zum Thema ´Glück´ nur das pessimistische Zitat von Schopenhauer einfällt, dann zeigt dies, wie notwendig ein solcher Unterricht ist

  9. @ KRichard

    “…dann zeigt dies, wie notwendig ein solcher Unterricht ist”

    Schauen Sie sich die Fächer des “Glücks” noch einmal genau an, dann werden Sie merken, daß sie einem Ziel dienen: der Mensch soll bei Laune gehalten werden, damit der Mist und die Absurdität des Lebens in Form eines Hamsterrades weiterlaufen kann. Schopenhauer ist noch gar nicht angekommen. Es bedarf einer Kritik der Hoffnung. Sie muß noch als Gaukler und Possenreißer, als Fata Morgana, als Luftnummer entlarvt werden. In der Wüste gibt es so manche Trugbilder!

  10. Pessimismus?

    Was ist denn Pessimismus?
    Das ist doch auch nichts anderes als ein (sehr negatives) Trugbild.
    Es ist gut, dass Schüler mit brauchbaren Tipps versorgt werden. Dann haben sie selbst die Möglichkeit, zwischen den Trugbildern ´Glück´ oder ´Pessimismus´ zu wählen.

    Und das ist das gute an diesem Glücks-Unterricht; er ist eine brauchbare Hilfe, um dem Schüler auch positive Alternativen für seine Lebensgestaltung zu vermitteln.
    Ich hätte mich als Schüler darüber gefreut, wenn ich einen solchen Unterricht gehabt hätte.

  11. Wie altes Kaugummi?

    Hallo,
    warum soll man sich auf unsicheres Glück bauen, dummes, kleines, emotionel beladenes Glück, tauschen gegen das doch so sichere durchdachte und von Generationen von gestörten Menschen, entwickelte Prinzip der schwarzen Philosophie.

    Ich möchte deren Lohn nicht schmälern, für mich ist und bleibt aber Erich Fromm ein gesunder Widerpart.
    Herr Hilsebein wird wohl denken:”…..,ha der Gummibärchenphilosoph,…….”.

    Aber seis drumm. Ich kann mit den Superhirnen, die die Gesellschaft auf links gedreht haben, weil sie Ihnen Leid angetan hat nichts mehr anfangen.

    Es geht darum die Gesellschaft zu ändern.
    Sie ist voller alter Vorurteile, struktureller Gewalt und Menschen die Rollen spielen,Rollen anpreisen oder Rollen verkaufen.

    Sich mit dem Argument davonzustehlen, das der Mensch an sich schlecht sei, halte ich für Feige und auch nicht konsequent durchgedacht.

    Ich glaube nicht daran das der Mensch schlecht ist und will auch nicht daran glauben. Wenn aber jede Entscheidung der Situation angemessen und richtig ist,
    muss man sich dann nicht fragen: Wie sicht es mit den Grundlagen für Entscheidungen aus?

    @KRichard,
    ich stimme Ihnen ganz und gar zu, vielen Dank für Ihre Beiträge.

    Gruß Uwe Kauffmann

  12. “Herr Hilsebein wird wohl denken:”…..,ha der Gummibärchenphilosoph,…….”

    Oh, da würden Sie mir Unrecht tun. “Haben oder Sein” und die “Kunst des Liebens” habe ich mit Begeisterung gelesen.

    “Generationen von gestörten Menschen, entwickelte Prinzip der schwarzen Philosophie.”

    Der Mensch ist gestört, sonst würde er nicht Mensch, sondern Gott heißen.

    “Es geht darum die Gesellschaft zu ändern”

    Hat schon Marx postuliert. Wer soll es jetzt machen? Wagenknecht oder Lafontaine?

    “Ich glaube nicht daran das der Mensch schlecht ist und will auch nicht daran glauben”

    Ich auch nicht, da ich mich ja sonst selbst als schlecht bezeichnen müßte.
    Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: es geht nicht darum eine Philosophie der Verzweiflung zu begründen. Aber eine Philosophie des Zweifels, des Unbehagens und der Skepsis muß erlaubt sein, gerade in einer Zeit, wo Gurus aus dem Bible Belt uns wieder mit ihren Offenbarungen be*glück*en wollen.

  13. @Hilsebein

    Hallo,
    ja es ist zum verzweifeln, die Gesellschaft zu ändern ist wie in Honig zu schwimmen, verdammt zäh. Und die Herren Politiker werden wohl daran am wenigsten änderen, denn sie wollen ja wiedergewählt werden. Gerade jetzt die große Koalition, weißt sich durch populistische Entscheidungen, auf dem kleinsten Nenner aus. Scheinst braucht die Demokratie den Konflickt, zur Hebung
    der Qualität. Menschen dennen Milionen auf die Finger schauen, werden sich hüten, die Allgemeinheit wirklich gegen den Strich zu bürsten. Erliche und qualitativ hochwertige Infomationen gibt es nur in Minoritätenmedien.
    Es gibt zwei Varianten des Bild/Zeit-Lesers die Person und die Geammtheit der Konsumenten. Nun sind es mehrere Aspekte, die da zum tragen kommen. Ich bin Mitglied einer Gruppe. Wir sind uns einig(haben grundlegend die selben Informationen). Gleichzeitig wird der Drang nach Individuallität befriedigt.
    Allerdings unterwerfe ich mich aber einem Gruppenzwang, der selten wirklich konkrete feste Grundlagen hat.

    Und irgendwie landen wir dann wieder hier

    Maturana, Humberto R./ Valera, Francisco J.: Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens.

    b.z.w bei Herr Luhmann, der das ganze auf soziale Systeme transporttiert.

    Wir haben den Anspruch das die Gesellschaft von oben geändert wird. Daran sind alle Marxverwender gescheitert. Von Engels bis Pollpot alle, gingen davon aus der Mensch im Sinne der Gesamtheit einer Gruppe, eine Individuallogik hat, aber denkste Puppe.

    Es geht mir natürlich nicht darum, unsere Klasiker runterzureden. Alle Philosophen haben uns das zu sagen, was sie zu sagen haben. Sie führen uns in ihre Gedankenwelten, sind kein Selbstbedienungsläden für Weltsichten.

    Aber was sage ich das Ihnen, der dann doch neben, neben dem roten schweren Wein der Erkenntnis, den Geschmack der Milch der frommen Denkungsart nicht ganz vergessen hat.

    Gruß Uwe Kauffmann

  14. “nicht das glücklichsein führt zur dankbarkeit, sondern die dankbarkeit zum glücklichsein.”

    – Brother David Steindl-Rast, Amerikanischer Benediktinermönch (1926) –

  15. Glück: Berufsschule im Aufbruch

    Glück ist das flüchtige Kind, das wir alle suchen – bisweilen wenigstens.
    Freuen wir uns, dass eine Berufsschule aus dem traditionellen Fächerkorsett ansatzweise aussteigt und “Glück” in den kleinen Fluchten wagt.Notwendige Illusionen gehören dazu.
    Freundliche Grüße vom
    Bildungswirt

  16. @Dietmar Hilsebein
    Wenn man sich nicht vor der Welt verschließt, merkt man auch wie schön sie sein kann. Die Welt ist nicht so schlecht, wie du es sagst. Klar ist sie nicht perfekt aber es gibt immer Höhen und Tiefen. Selbst viele alte Menschen, die den Krieg miterlebt haben sehen positiv auf ihr Leben zurück. Im Grunde ist dieses Fach doch sinnvoll, da es den Schülern zeigt, dass die Welt nicht so schlecht ist und das sie lernen zufriedener mit sich zu sein. Denk mal darüber nach.

    PS: Nicht zu viel Schoppenhauer lesen.

  17. Glücks-Unterricht? Her damit!

    Wie KRichard es am 27.09.08 ausgeführt hat: “Es ist gut, dass man die positive Persönlichkeitsbildung junger Menschen fördert; statt sie einseitig nur mit Lernwissen vollzustopfen. Selbstbewusste Menschen werden es ihr ganzes Leben lang leichter haben.”
    Genau dieser Ansicht sind wir auch. In diesem Fach wird nicht nur Wissen des Lehrers weitergegeben, sondern die Schüler lernen auch sehr viel über sich selbst und ihre Mitmenschen. Wir selbst sind auf einem Gymnasium und würden uns freuen, wenn wir auch so ein Fach hätten, das auch mal auf uns eingeht und nicht umgekehrt.

  18. Bildung macht glücklich

    Ja sicher, solange diese Bildung nur den zeitgeistlichen Intellekt der Bewußtseinsbetäubung betrifft / nicht verläßt – gutbürgerlich-gebildet zu “individualbewußter” Suppenkaspermentalität auf Sündenbocksuche, ignorant und arrogant im Konsum- und Profitautismus des “gesunden” Konkurrenzdenken des “freiheitlichen” Wettbewerbs um … 🙂

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