Weit weg für den nächsten AGN

Promotion mit Interferenzen

Ein halbes Mal rund um die Welt, soweit musste fliegen wer sich für die nächstgelegene aktive Galaxie interessiert: Centaurus A. In Sydney, Australien, geht heute die Konferenz "The Many Faces of Centaurus A" zu Ende. In Sydney ist die Konferenz unter anderem deswegen, weil diese Galaxie hier vor etwa 60 Jahren das erste Mal mit einem Radioteleskop so genau lokalisiert werden konnte, dass man sich sicher sein konnte, dass die empfangenen Radiosignale tatsächlich von dem merkwürdigen "Nebel" kamen, den man mit optischen Teleskopen schon kannte. Das Problem bei Radioaufnahmen ist noch extremer als bei Herschel im fernen Infrarot: selbst die größten Radioteleskope, z.B. das in der Nähe von Bonn befindliche Radioteleskop Effelsberg, haben nur eine Auflösung von etwa einer Bogenminute bei typischen Radiowellenlängen — also gerade mal so gut wie das menschliche Auge! Kleinere Radioteleskope haben entsprechend schlechtere Auflösungen und das damals in Syndey verwendete "Teleskop" war eigentlich eine Radarantenne, die im zweiten Weltkrieg zur Absicherung der Küste gegen Fliegerangriffe gebaut worden war.

Dover Heights

Das ‘cliff observatory’ auf den Dover Heights bei Sydney (Quelle: ATNF Outreach)

Deshalb haben sich drei Astronomie-Tüftler, darunter Joe Pawsey, der als einer der Gründer der modernen australischen Astronomie gilt, etwas ziemlich raffiniertes überlegt: Da die Radioantenne auf einer Klippe steht, war es möglich zeitgleich nicht nur die Radiowellen zu empfangen, die direkt von der Galaxie kamen, sondern auch diejenigen, die von der Meeresoberfläche reflektiert wurden — es war also eine sehr frühe Form der Radiointerferometrie! Um zu verstehen, wie das funktioniert, schaut man sich am besten die Schema-Zeichnung dazu an:

  Dover Heights

Das Radiointerferometer mit dem in Sydney vor etwa 60 Jahren Centaurus A mit NGC 5128 identifiziert worden ist. (Quelle: ATNF Outreach)

Man stelle sich also einfach vor, der Strahl (das sind die eingezeichneten Linien), der am Meer reflektiert wird, würde durch das Meer durchgehen und unter dem Meer aufgefangen werden: Dann sieht man sofort, dass es sich hier um ein Interferometer handelt, wo die Basislinie doppelt so groß ist wie die Höhe der Klippe. Dank der so verbesserten Auflösung, konnte Centaurus A als erste extragalaktische Radioquelle identifiziert werden.

Auf einer eigens eingerichteten Website ist mehr über die Geschichte des Klippen-Observatoriums Dover Heights zu finden.

Ist es nun also reine Nostalgie oder wieso beschäftigt man sich 60 Jahre später immer noch mit dieser Galaxie?

Dover Heights

Centaurus A (NGC 5128) im optischen (dunkles Band, heller ‘Fleck’ im Zentrum, Sterne), bei Radio-Wellenlängen (in orange: Staubband, die äußeren Bereiche des hier sichtbaren inneren Jets) und im Röntgen-Licht (blau): Man sieht den Jet der nach links oben (Nordosten, aus der Bildebene heraus) geht und eine deutliche Schockfront im Südwesten. Diese Asymmetrie von Centaurus A wurde auf der Konferenz mehrfach diskutiert. Bild: ESO/WFI, APEX, Chandra

Natürlich hat es keine nostalgischen Gründe warum man sich heute noch mit Centaurus A beschäftigt: Centaurus A ist einfach ein Paradebeispiel einer sehr interessanten Galaxie und sie ist extrem nah (für so eine Galaxie): "nur" etwa 12 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Wenn man beispielsweise die Radiostrahlung von dieser Galaxie mit bloßem Auge sehen könnte, würde man eine riesige Doppel-Keule sehen, die etwa 20 mal so groß wäre wie der Vollmond! Da die Galaxie außerdem die nächstgelegene Galaxie ist, die ein sehr aktives sehr massereiches schwarzes Loch hat (eine "Aktive Galaxie") kann man an dieser Galaxie beispielhaft sehr viele Dinge untersuchen, die man bei weiter entfernten Galaxien nicht mehr räumlich auflösen kann, etwa wie der Jet (siehe Bild) den Rest der Galaxie beeinflusst oder welchen Einfluss die Kollision einer ‘staubigen’ Spiralgalaxie vor ein paar hundert Millionen Jahren (das dunkle Band in der Galaxie) auf den Rest der Galaxie hat.

So, hier ist es derzeit acht Stunden später als in Heidelberg und gleich gehen die Vorträge für heute los… Später mehr über diese faszinierende Galaxie… 

Syndey Opera House 

Dieses Bild darf wohl nicht fehlen, wenn man aus Sydney berichtet… 🙂 Die gigantische Oper in Sydney ist natürlich das Wahrzeichen schlechthin. Das Dach aus Segeln hat nicht nur ästhetische Gründe: Für die Akustik war es auch wichtig, das Gebäude in einer besonderen Form zu bauen.

Leonard Burtscher

Veröffentlicht von

www.ileo.de

Nach dem Studium der Physik in Würzburg und Edinburgh, habe ich mich in meiner Diplomarbeit mit der Theorie von Blazar-Spektren beschäftigt. Zur Doktorarbeit bin ich dann im Herbst 2007 nach Heidelberg ans Max-Planck-Institut für Astronomie gewechselt. Von dort aus bin ich mehrere Male ans VLT nach Chile gefahren, um mithilfe von Interferometrie im thermischen Infrarot die staubigen Zentren von aktiven Galaxien zu untersuchen. In dieser Zeit habe ich auch den Blog begonnen -- daher der Name... Seit Anfang 2012 bin ich als Postdoc am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching im Norden von München. Dort beschäftige ich mich weiterhin mit Aktiven Galaxien und bin außerdem an dem Instrumentenprojekt GRAVITY beteiligt, das ab 2015 jeweils vier der Teleskope am VLT zusammenschalten soll.

2 Kommentare

  1. Down under

    Hey Leo!

    Dat iss ja ne schöne Ecke, um sich über Cen A zu unterhalten. Toll!

    Genießt Syndney, die Oper und Darling Harbour. Ich war 2007 bei der GRG18 dort und kann die Reise wärmstens empfehlen.

    Abgefahren auf der Südhalbkugel ist der Lauf der Sonne von rechts nach links und natürlich der ungewohnt andere Sternenhimmel (gut, den kennst Du ja aus Chile).
    Einziger Wermutstropfen: In Sydney ist jetzt Winter, hehe

    Eine schöne Zeit noch in Down Under!

    Ciao,
    Andreas

    p.s.: Hast Du Zeit, um in den Outback zu reisen?
    p.p.s.: Grüße an Nadine!

  2. Downunder!

    Hi Andreas,

    ins Outback werde ich es diesmal wohl nicht schaffen, aber ich bleibe noch ein paar Tage hier um mir wengistens Sydney etwas anzuschauen. Ja, das ist wirklich ein schöner Ort, um sich über Cen A zu unterhalten! Aber es ist auch tatsächlich so, dass doch ein nennenswerter Anteil der Cen-A-Leute an australischen Universitäten sind, also lohnt es sich auch in diesem Sinne die Konferenz hier zu veranstalten. Ja, die Südhalbkugel hat schon ein paar lustige Dinge zu bieten. Der Winter hier ist aber nicht so schlimm: Als ich ankam war es wärmer als in Heidelberg, wo ja eigentlich gerade Sommer sein sollte…

    Viele Grüße aus Sydney!
    Leo

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