Das Gute Glück – wie wir es finden und behalten können

Michaela Brohm-Badry

Die Fragen nach Wohlbefinden und Glück sind zentrale Fragen des menschlichen Lebens. Wir alle sind permanent auf der Suche nach einem gedeihenden Leben und einer sinnvollen Existenz. Mein neuer Band „Das Gute Glück“ will die Leserinnen und Leser diesbezüglich stärken: für sich selbst, für ihre Arbeit in Organisationen und den positiven gesellschaftlichen Wandel.

Aktuelle Forschungsbefunde deuten darauf hin, dass das tatsächlich möglich ist. Früher nahmen wir an, Menschen hätten ein fixiertes Niveau an Glück in sich, einen stabilen Set Point, zu dem sie nach frohen Momenten oder Leid immer wieder zurückkehren: Einige sind eben unglücklich, einige wenige sehr glücklich und alle anderen irgendwo dazwischen. Und bleiben es ein Leben lang – dachten wir.

Heute wissen wir, dass das falsch ist. Die Positive Psychologie ist die Wissenschaft, die Bedingungen untersucht, unter denen Mensch, Organisation und Gesellschaft sich bestmöglich entwickeln und aufblühen. Diese neue Forschungsrichtung hat in internationalen Befunden nun klar erwiesen, dass zwar rund die Hälfte des Glücksempfindens genetisch durch den Serotoninspiegel angelegt zu sein scheint, 40 Prozent des Glücks aber in unserem Verhalten und zehn Prozent in unserer Umwelt liegen. Und auf beide haben wir Einfluss: Wir bestimmen über unser Verhalten und im privaten Bereich auch über unser Umfeld, wodurch wir unseren Set Point verändern können (Bruce 2010).

Und mehr noch: Neurowissenschaftliche Untersuchungen der letzten Jahre zeigen deutliche Hinweise darauf, dass wir Glück wie eine Fähigkeit erlernen können. Richard Davidson, US-amerikanischer Neurowissenschaftler an der University of Wisconsin-Madison, brachte es in einem Interview in der Huffington Post auf den Punkt: “Wir betrachten Glück nicht wirklich als eine Fertigkeit, aber alles, was wir über das Gehirn gelernt haben, legt nahe, dass es nicht anders ist, als zu lernen, wie man Geige spielt oder lernt, oder in einem komplizierten Sport aktiv zu sein. Wenn du es übst, wirst du besser darin werden.”

Und – die Sache lohnt sich, denn zentrale Erkenntnisse der internationalen, interdisziplinären positiv-psychologischen Forschung zeigen:

Glückliche Menschen

  • leben länger
  • haben ein stärkeres Immunsystem
  • einen besseren Schutz vor psychischen Belastungen
  • ein geringeres Stressempfinden und weniger Stresshormone im Blut
  • weniger Burn-out und Depressionen
  • haben längere und bessere Partnerschaften und Ehen
  • sind zufriedener mit ihrer Arbeit, produktiver und dadurch erfolgreicher
  • haben ein höheres Einkommen
  • helfen anderen mehr
  • haben mehr Freunde.

Glück ist kein Geschenk der Götter, sondern die Frucht innerer Einstellung, sagte der Psychoanalytiker und Philosoph Erich Fromm einst. Das stimmt, sagt die heutige neurowissenschaftliche, positiv-psychologische und Lehr-Lern-Forschung.

Letztendlich ist die Welt nicht so oder so, unsere Perspektive auf die Welt macht sie so oder so. Negative Menschen fokussieren sich auf das, was sie in ihrem Leben ablehnen. Frohe Menschen auf das, was sie an ihrem Leben lieben. Und die Freiheit, diese Perspektive selbst wählen zu können, ist eine innere Freiheit, die unabhängig vom Lebenskontext existiert.

Aus: “Das Gute Glück – Wie wir es finden und behalten können“ von Michaela Brohm-Badry, EcoWin 2019

Literatur

Brohm-Badry, Michaela (2019): Das Gute Glück. Wie wir es finden und behalten können, EcoWin 2019

Bruce Headey, Social Indicator Research (2010) 97. The Set Point Theory of Well-Being Has Serious Flaws: On the Eve of a Scientific Revolution?, S. 7–21. Zugriff 17. September 2018 unter https://doi.org/10.1007/s11205-009-9559-x, Springer Netherlands.

Website Brohm-Badry

Das Gute Glück (amazon)

Website Brohm-Badry Universität Trier


Michaela Brohm-Badry

Prof. Dr. Michaela Brohm-Badry ist Professorin für Empirische Lehr-Lern-Forschung sowie Dekanin an der Universität Trier. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Motivation, Positive Psychologie, Leistung. Im Kern geht es somit um Konzepte, Strategien und Effekte positiver Energetisierung von Mensch und Organisation. Sie ist Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Positiv-Psychologische Forschung (DGPPF).

1 Kommentar

  1. Bei den Inuit gibt es 48 Namen für die Farbe Weiß. Bei uns sind es höchstens 5 Namen.
    Für Glück gibt es im Deutschen nur sehr wenig Begriffe für Glück, im Spanischen sind es viel mehr.
    la buenaventura
    Glück
    la felicidad
    Glück, Glückseligkeit, Glücksgefühl, Seligkeit, Segen
    la dicha
    Glück, Glückseligkeit, Seligkeit
    la fortuna
    Schicksal, Geschick, Glück, Fortuna, Heil, Gut
    la suerte
    Schicksal, Geschick, Los, Glück, Glücksfall, Zufall
    la bienaventuranza
    Seligkeit, Glück
    la beatitud
    Seligkeit, Heiligkeit, Glück, Behagen
    la breva
    Zufallsgewinn, Glück
    la chiripa
    Fuchs, Zufallstreffer, Glück, Schwein
    la derechura
    Richtigkeit, Geradheit, Geradlinigkeit, Glück
    el zapallo
    Kalebassenbaum, Zufallstreffer, Glück
    Das bedeutet, dass Deutsch eine ganz ungeignete Sprache ist, dem Phänomen “Glück” auf die Spur zu kommen.
    Beim Glück kommt es auf die feinen Unterschiede an.
    Vielleicht sind deshalb so viele Deutschen unglücklich ? Man muss nur mal am Nachmittag durch eine Großstadtstraße gehen und den Leuten ins Gesicht schauen. Das Ergebnis ist erschreckkend.
    Die Südländer sind da viel glücklicher.

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