Sterne in Neuseeland

Wenn schlechtes Wetter auf die die Feiertage zwischen den Jahren trifft, heißt es mal wieder Urlaubsbilder zu bearbeiten.

Der Familienurlaub ging dieses Mal nach Neuseeland, ein sehr dünn besiedeltes Land. Lichtverschmutzung ist dort fast schon ein Fremdwort und man bekommt die Aufhellung des Himmels nur in der Nähe der wenigen großen Städte wie Auckland, Wellington, Invercargill oder Dunedin mit.

Ein reiner Astronomieurlaub, wie man ihn in Afrika machen könnte, ist in Neuseeland trotz eines großen Lichtschutzgebietes um Mt.Cook/Aoraki und vieler weiterer sehr dunkler Gebiete allerdings nicht möglich, da sich das Wetter wirklich minütlich ändert. Uns ist es erstaunlich oft passiert, dass es trotz strahlendem Sonnenschein stark geregnet hat. Andererseits gab es trotz Sturm auch immer mal wieder die Möglichkeit, die Milchstraße in voller Pracht zu beobachten. Hierbei stellt sich das Fotografieren derselben mit Reisestativ allerdings als fast unmöglich dar, da die Windböen doch sehr an der Kamera ruckeln.

 Was macht man also nachts bei bewölktem Wetter, wenn man aufgrund des Jetlags nicht schlafen kann? Richtig: Man erkundet die Umgebung der Campingplätze in Form kleiner Nachtwanderungen. Immer hofft man doch mal auf einen Kiwi zu stoßen, doch dieses Glück hatten wir leider nicht. Dafür gab es diverse andere interessante Begegnungen, wie folgende Sterne, die man sogar bei Regen und voll bedecktem Himmel beobachten kann:

Credit: Kevin Gräff Glühwürmchen unter einer Brücke im Waipoua Wald

Hierbei handelt es sich um die berühmten neuseeländischen „Glowworms“ – die Larven der Pilzmücke Arachnocampa luminosa. Wen  man im Internet nach „Glowworms New Zealand“ oder ähnlichem sucht, findet man zwangsläufig unzählige Einträge zu den Höhlen in Waitomo. Man bekommt quasi vorgegaukelt, es gäbe die Glühwürmchen nur dort. Das stimmt allerdings überhaupt nicht. Zugegebener Maßen haben wir auch die Höhlen in Waitomo besucht und waren sehr zufrieden, doch Fotografieren war bei unserer Tour nicht drin.

Bei der von uns gebuchten Tour fährt man unter anderem mit einem Boot durch einen abgelegenen Teil einer Kalksteinhöhle in völliger Dunkelheit. Über einem hunderttausende Glühwürmchen, die den Eindruck eines (sehr blauen) Sternenhimmels erwecken. Das hier Fotografieren verboten ist, ist wirklich eine gute Sache! Man stelle sich vor auf dem Boot seien mehrere Touristen, die keine Ahnung vom Fotografieren haben. Sie packen die Kamera (natürlich im Automatikmodus) aus und knipsen los. Neben der Tatsache, dass man auf dem Foto dieser Touristen durch den Blitz bestimmt kein blaues Leuchten der Pilzmückenlarven erkennen kann, wurden auch noch alle anderen Personen auf dem Boot geblendet.

Selbst der etwas versiertere Fotograf, der mit Stativ auf das Boot gekommen ist, hätte durch das Schwanken des Bootes keine reale Chance ein verwacklungsfreies Bild zu erzielen. Und in der (abgesehen vom Leuchten der Glühwürmchen) stockfinsteren Höhle stört schon das geringste Leuchten eines Displays.

Das Bild oben ist also nicht in Waitomo entstanden, sondern unter einer Brücke irgendwo im Waipoua-Wald in den Northlands.

Um auch den Hintergrund darzustellen und nicht nur die blaue Biolumineszenz habe ich allerdings nicht den Blitz verwendet. Ich habe viel mehr eine schwache Taschenlampe für ca. eine Sekunde auf mich selbst gerichtet, als die 30 sekündige Langzeitbelichtung startete. Die Reflexion auf der Jacke reichte für die Hintergrundbeleuchtung völlig aus.

Die nächste Aufnahme zeigt etwas mehr Details. Die Pilzmückenlarve mit ihrem leuchtenden Hinterleib versteckt sich in einem Gewirr aus bis zu 30 Fäden, auf denen in regelmäßigen Abständen ein klebriger Flüssigkeitstropfen angebracht ist. Durch das Leuchten werden fliegende Insekten angelockt (oftmals Pilzmücken), die sich dann in den Fäden verfangen und dann verspeist werden. Die Fäden auf dem Bild sind circa 3 cm lang.

Credit: Kevin Gräff Nahaufnahme der Pilzmückenlarve

Kommen wir nun zum echten Sternenhimmel:

Wir waren mit einem Wohnmobil unterwegs und konnten somit an den abgelegendsten Orten campen. Ray’s Rest bei Kaiaua ist so ein abgelegener Campingplatz. Völlig ohne Kosten und ohne sonstiger Ausstattung. Dafür bekommt man aber einen fast perfekten Nachthimmel direkt am Meer. Da dann auch das Wetter fast perfekt war, konnte ich hier ein lang geplantes Projekt verwirklichen: Ein halbwegs vorzeigbares Milchstraßenpanorama:

Credit: Kevin Gräff Panorama der Milchstraße bei Kaiaua

Das Panorama wurde mittels Huggin erstellt und mit Lightroom bearbeitet.

Hier war es wirklich sehr dunkel, auch wenn die Lichtglocke von Auckland in der Mitte des Bildes einen anderen Eindruck aufzwingen will. Mit dem bloßen Auge musste man sich schon konzentrieren und nach Lichtglocken Ausschau halten, um sie zu bemerken.

Der große und Helle Bereich im Zentrum des Bildes ist keineswegs das Zentrum der Milchstraße. Das eigentliche Zentrum, um das sich alle Sterne der Milchstraße bewegen, also auch unsere Sonne, liegt hinter dem dunklen Bereich knapp rechts neben dem hellsten Areal. Der Blick auf das Zentrum wird nämlich durch eine Ansammlung von Staub, einer sogenannten Dunkelwolke verdeckt.

Ab circa der Hälfte des Bildes kann man eine gedankliche Linie ziehen. Sternbilder auf der rechten Seite sind auch von Deutschland aus teilweise beobachtbar, während Objekte links davon nur auf der Südhalbkugel zu sehen sind.

Die Magellanschen Wolken

Was noch auffällt sind die beiden Nebelfleckchen auf der linken Seite. Hierbei handelt es sich um die beiden Magellanschen Wolken. Die Magellanschen Wolken sind zwei Zwerggalaxien, die zu unserer Galaxie gehören. Die genaue Entfernung zu den beiden Zwerggalaxien ist noch Thema der aktuellen Forschung, doch kann man die Entfernung in der Größenordnung von 150000 Lichtjahren angeben.

Da man die Magellanschen Wolken von Deutschland aus nicht sieht, galt ihnen meine größte Aufmerksamkeit. Daher schraubte ich das Teleobjektiv auf die Kamera und richtete diese auf die Magellanschen Wolken. Durch die hohe Brennweite und die vergleichsweise lange Belichtungszeit werden die Sterne aufgrund der Erdrotation zu kleinen Strichspuren verzogen, die aber nicht so sehr auffallen, wenn man das Bild im kleinen Format anschaut. Aber wenn man gerade keine andere Möglichkeit (wie zum Beispiel eine Nachführung) hat, muss man sich damit zufrieden geben.

Credit: Kevin Gräff Große und Kleine Magellansche Wolke

Mit etwas mehr Brennweite kann man auch einige Details innerhalb der Magellanschen Wolken ausmachen.

Auf folgendem Bild der großen Magellanschen Wolke ist zum Beispiel ein sehr heller Emissionsnebel zu sehen (unten rechts in der Zwerggalaxie). Hierbei handelt es sich um den Tarantelnebel.

Credit: Kevin Gräff Große Magellansche Wolke

Das folgende Bild zeigt die kleine Magellansche Wolke und einen hellen Kugelsternhaufen, der selbst nicht zur Zwerggalaxie gehört. Dies ist 47 Tucane, nach Omega Centauri der zweithellste Kugelsternhaufen am nächtlichen Himmel.

Credit: Kevin Gräff Kleine Magellansche Wolke und 47 Tucane

Zu guter Letzt habe ich wieder mit weniger Brennweite die Region um Antares herum fotografiert. Das helle Objekt rechts entlang des Dunkelwolkenbandes ist übrigens Saturn. Bearbeitet wurden die Bilder mit Lightroom und Fitswork.

Credit: Kevin Gräff Region um Antares

Da das Bild schon einige Ähnlichkeit zu Feuerwerk nicht verleugnen kann, bleibt mir nur noch eines zu sagen: Guten Rutsch ins neue Jahr 2018!

Veröffentlicht von

Ich bin 1992 geboren und besuchte bis zum Abitur das “Gymnasium Gernsheim”.
Dort war ich in den Leistungskursen Mathe und Physik.

Zur Zeit studiere ich Physik an der Technischen Universität in Darmstadt.

Ich interessiere mich schon sehr lange für allerlei Wissenschaften, was wohl auch die Studienfachwahl begründen dürfte.

Seit Ende 2006 beschäftige ich mich aktiv mit der Astronomie, worauf bald die Mitgliedschaft bei der Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Weltraumtechnik Darmstadt folgte.

Kevin Gräff

Schreibe einen Kommentar