Satellitenbild vom Tasman Gletscher

BLOG: Mente et Malleo

Mit Verstand und Hammer die Erde erkunden
Mente et Malleo

 Der Tasman Gletscher

Falschfarbene Aufnahme des Tasman Gletschers am 2. März 2011. Image: NASA

Das falschfarbene Satellitenbild oben zeigt den Tasman Gletscher, den mit rund 27 Kilometern längsten Gletscher Neuseelands. Er gehört zu einer Gruppe von Gletschern und liegt in den Neuseeländischen Alpen auf der Südinsel, im Mount Cook Nationalpark. In der Aufnahme zeigt sich mit Vegetation bedecktes Land in roten Farben, während der mit Schutt bedeckte Gletscher die gleiche dunkelbraune Farbe aufweist wie die vegetationslosen Hänge der Südalpen. Der Tasman See und unbedecktes Gletschereis zeigen sich bläulich bis weiß wie die schneebedeckten Berggipfel.
Bekannt wurde der Tasman Gletscher in den letzten Tagen dadurch, dass bei dem Magnitude 6,3 Erdbeben von Christchurch am 22. Februar 2011 ein rund 30 Millionen Tonnen schweres Stück Eis vom Gletscher abbrach und in den Tasman See fiel und einen kleinen Tsunami dort auslöste. Das Gletscherstück ist zwischenzeitlich in mehrere kleinere Eisberge zerbrochen, die sich in der zum Zeitpunkt der obigen Aufnahme durch das Advanced Spaceborne Thermal Emission and Reflection Radiometer (ASTER) vom Satelliten Terra am 2. März 2011 am Südende des Tasman Sees befanden. Der Tasman Gletscher befindet sich auf dem Rückzug. Seit 1975 hat er rund 5 Kilometer an Länge eingebüßt. Einer der Hauptmechanismen des Schrumpfens ist das Kalben des Gletschers in den See. Dabei hat der Impuls des Erdbebens vom 22. Februar nur den letzten Anstoß gegeben, um größere Eismengen vom Hauptgletscher zu trennen.
Durch den Gletscherrückzug kann man wunderbar die Morphologie des Zungenbeckens erkennen. Das Schmelzwasser des Gletschers wird durch die Endmoränen aufgestaut und bildet den Tasman See. Durch einen kleinen Durchbruch am Stirnende des Zungenbeckens fließt der Tasman River. In den Tasman See mündet der Murchison River. Oben am Gletscher kann man auch die hochgelegenen Schneefelder und Kare erkennen, aus denen Seitengletscher durch steile Täler fließen, um sich mit dem Hauptgletscher zu vereinen. Wenn der Tasman Gletscher eines Tages sich bis zu diesen Stellen zurückgezogen hat, kann man hier ein so genanntes „hängendes Tal“ sehen. Die Erosionsbasis der Seitengletscher liegt meist höher als die des Hauptgletschers, daher liegt der Talboden des Hängetales weit über dem Boden des Haupttales. Derartige Täler kann man in den europäischen Alpen sehr häufig finden.

Zungenbecken des tasman Gletschers

Zungenbecken des Tasman Gletschers. Image: NASA

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

Schreibe einen Kommentar