Römerbergwerk Meurin

In der Vulkaneifel nahe der Ortschaft Kretz bei Mendig findet sich ein kleiner archäologischer Schatz: ein echtes Römerbergwerk. Hier wurde zur Zeit des römischen Imperiums der so genannte Trass unter Tage bergmännisch gewonnen.

Römerbergwerk Meurin

Die Bildsäule zeigt, wie hoch der Bims über dem römischen Bergwerk lag. Da weite teile der Stollen eingestürzt sind, sind sie heute quasi über Tage. Eigenes Foto.

Trass, ein idealer Baustein

Das Römerbergwerk Meurin liegt in der Nähe des Laacher Sees, und das ist kein Zufall. Dieser heute so idyllisch anmutende See stellt eine Caldera dar. Hier fand vor rund 12 000 der verheerendste Vulkanausbruch der jüngsten Erdgeschichte in Mitteleuropa statt. Doch die gewaltigen pyroklastischen Ströme hinterließen nicht nur Tod und Zerstörung, sondern auch einen wertvollen Baustoff. Ihre Ablagerungen sind das, was hier in der Gegend als Trass bezeichnet wird.

Als die Römer vor rund 2000 Jahren in diese Gegend vorstießen, benötigten sie einen guten Baustoff. Trass war ihnen bereits aus dem Kernland ihres Imperiums bekannt. Dieser vergleichsweise leichte und gut zu bearbeitende Stein ist getrocknet fest und stabil genug, um daraus Städte zu erbauen. Er war quasi das antike Pendant zum heutigen Leichtbaustein. So finden sich auch heute noch Steine, die aus vergleichbaren Bergwerken hier in der Eifel stammen, in vielen antiken Bauten der Römerzeit in Xanten oder zum Beispiel Köln wieder.

Römerbergwerk Meurin

Tonscherben wie diese hier wurden im Mittelalter als Grubenleuchten genutzt. Die Funde zeigen, dass das Bergwerk im Mittelalter zumindest Zeitweise wieder angefahren wurde. Eigenes Foto.

 

Freigelegte Unterwelt

Die römischen Bergleute haben den Tuff zwar unter Tage gefördert, aber sie gingen selten tiefer als 4 bis 6 Meter. Dieser Umstand führte dazu, dass die meisten römischen Bergwerke insbesondere durch die zunehmende industrielle Gewinnung von Vulkangestein zerstört wurden. So war auch das Bergwerk Meurin noch in den 1960´er Jahren von einer rund 5 Meter hohen Bimsschicht bedeckt.

Dieser Bims wurde in den folgenden Jahren abgebaut, und die dabei eingesetzten schweren Maschinen ließen zahlreiche Schächte und Stollen der römischen Bergwerke einstürzen. An manchen Stellen des heutigen Museums sind die Spuren dieser industriellen Abbauzeit noch gut erkennbar.

Wieder entdeckt wurde dieses Bergwerk um 1996 und schon 1998 begann die systematische Erforschung. Es glückte, das betreffende Gelände vom Landkreis zu erwerben und in den bereits bestehenden Vulkanpark zu integrieren. Um den weiteren Verfall durch eindringendes Wasser aufzuhalten und die Stollen zugänglich zu halten, wurde im Jahr 2000 eine rund 45 x 55 m große Halle über den Resten des ehemaligen römischen Bergwerkes errichtet und die Stollen weitgehend abgestützt.

Das Römerbergwerk Meurin wurde 2003 von der Denkmalorganisation Europa Nostra mit einem der höchsten europäischen Kulturpreise in der Kategorie Archäologische Fundstätten ausgezeichnet.

Römerbergwerk Meurin

Unterhalb der symbolisierten Schaufel sind die Spuren rezenter Bagger zu erkennen. Das Gewicht dieser Maschinen ließ viele antike Stollen einbrechen. Eigenes Foto.

 

Im Römerbergwerk

Im Museum selber kann man die Stollen sowohl aus der Vogelperspektive von einer Besucherbrücke aus betrachten, als auch direkt in die Stollen eintauchen. Wobei „unter Tage“ jetzt mit den meist freigelegten Stollen etwas seltsam klingen mag, aber ursprünglich war hier ja nicht nur eine Decke auf dem Stollen, es befand sich auch noch rund 5 Meter Bims darüber. Dieser heute abgetragene Bims wird durch eine hohe Säule mit aufgedrucktem Foto symbolisiert. Wenn man in die ehemaligen Stollen geht, so kann man sehen, wie Versatz zur Verfüllung der alten Stollen verwendet wurde. In man kann an den Wänden immer wieder Spuren der Arbeit der alten, römischen Bergleute finden. Diese Spuren zeigen, wie es ihnen gelang, den Trass als Werkstein abzubauen.

Zuerst wurde der zukünftige Stein an drei Seiten frei gelegt. Anschließend wurden an der vierten Seite eiserne Keile in den Trass getrieben, so dass der Stein aus der Wand brechen konnte. Anschließend wurde er auf ein transportables Maß zerkleinert und durch Schächte gefördert.

Römerbergwerk Meurin

Reste eines Steines, der aus dem Trass herausgebrochen werden sollte. Man kann sehr gut die drei gelösten Seiten oben, unten und rechts erkennen. Auf der linken Seite sieht man noch Spuren der eisernen Keile, die den Stein endgültig lösen sollten. Eigenes Foto.

Spuren der Vergangenheit

Im Bergwerk finden sich auch hin und wieder kleinere Stückchen Holzkohle. Vielleicht ist man schnell der Meinung, hier Reste der alten Bergleute gefunden zu haben, bzw. deren Fackeln. Bergleute verwenden aber keine fackeln, denn deren Ruß würde sich unter tage nicht gerade gut machen. Nein, die Holzkohle deutet auch eine weit fernere Vergangenheit hin. Es sind die Zeiten der Entstehung des Trass. Als der Vulkan des Laacher Sees ausbrach, wurden gewaltige pyroklastische Ströme über das umgebende Land geschickt. Alles, was noch stand, wurde von ihnen zerstört und verbrannt. Die Holzkohle deutet auf ehemalige Bäume hin, die durch die heißen Glutwolken verkohlten. In tatsächlich findet sich auch in den Stollenwänden an den jeweils gegenüberliegenden Seiten Holzkohle. An einer besonders auffälligen Stelle wurde symbolisch ein angekohlter Baumstamm quer durch den Stollen aufgehängt, um die Sache zu verdeutlichen.

Römerbergwerk Meurin

Verkohlte Reste ehemaliger Bäume im Trass zeigen auf die verheerende Gewalt der pyroklastischen Ströme. Eigenes Foto.

Dank an Dr.Schaaf RGZM Außenstelle Mayen für die interessante Führung.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Erstaunlich welchen Aufwand die Römer trieben, nur um Bausteine für ihre Bauten zu erhalten. Wenn man hier liest: Dieser vergleichsweise leichte und gut zu bearbeitende Stein [Trass] ist getrocknet fest und stabil genug, um daraus Städte zu erbauen., so würde der Bau einer ganzen Stadt aus solchen bergmännisch gewonnenen Trass-Steinen einen gewaltigen Arbeitsaufwand bedeuten, zumal nach dem bergmännischen Herausschälen des zukünfigen Bausteins dieser ja auch noch transportiert werden muss und das nicht etwa mit Lastwagen oder Schiffen, sondern mit den damaligen kleinen Wagen. Eigentlich macht solch ein Aufwand nur schon um Bausteine zu gewinnen, nur Sinn, wenn die römischen Architekten Gebäude bauen wollten, die viele Jahrzehnte bis Jahrhunderte stehen blieben, die also äusserst dauerhaft waren. Heutige Architekten denken dagegen eher in Zeiträumen von maximal 50 Jahren und viele Bauten aus den 1960 bis 1970er Jahren finden wir ja inzwischen so hässlich, dass wir sie liebend gern vorzeitig abreissen und für immer aus unseren Augen entfernen.

    • Ergänzung: eine Alternative zu massiven herausgemeisselten Bausteinen wären für die Römer Mauerziegel gewesen. Oft wurden Mauerziegel von den Römern aber nur als Verputz benutzt.

    • Der Transport ist nicht so problematisch, wie man vielleicht denken möchte. Der Rhein ist vom Bergwerk nicht so weit entfernt. Und von da lässt sich die Ware fast überall hin transportieren. Der Trass war den Römern aus der Heimat bekannt. In Italien gibt es sehr ähnliche Gesteine, die auch für Bauten genutzt wurden. Man darf auch nicht vergessen, dass die Städte in Germanien zumindest am Anfang auf dem Reißbrett geplante Operationen des Imperiums waren. Es waren folgerichtig auch zumindest wohl teilweise römische Legionäre, die quasi im Dienst Bergbau betrieben.

  2. Anmerkung: Die Römer haben den Trass aufgrund seiner Vergleichbarkeit zu ihnen bekanntem Puzzolan aus Italien abgebaut. Aufgemahlen und mit gelöschtem Kalk versetzt/angemacht ließ sich daraus ein hervorragender Beton herstellen (opus cementitium, heute als “Naturzement” oder “roman cement” bekannt). Im Prinzip ist alles was heute noch an römischen Bauwerken existiert aus derartigem Beton errichtet (Colloseum, Pantheon, Palastaula des Konstantin und Porta Nigra in Trier, römischer Turm in Köln, Aquädukte, wasserfester Verputz etc.). Vorallem römische Hafenanlagen konnten schnell und direkt im Meer errichtet werden, da der Beton auch im Meerwasser problemfrei aushärtete und damit sogar heutigem Zement überlegen erscheint (siehe auch recht aktuelle Forschungsergebnisse in “American Mineralogist”). Selbst im Mittelalter wurde Trass aus der Eifel daher immer noch nach Holland verschifft. Erst die Entdeckung des Portlandzementes führte zum Ersatz. Es gibt aber immer noch Zementvarianten mit Trassanteil aufgrund der wasserabdichtenden Fähigkeiten.

    • Ich bin mir nicht sicher, ob hier auch Trass zur Herstellung röischen Zements abgebaut wurde. Aber weite Bereiche aus den damaligen römischen Städten entlang der Rheinachse waren aus Trassbausteinen erbaut.

      Prinzipiell ist es richtig, dass man mit dem Trass guten, wasserbindenden Zement herstellen kann. Und die Eigenschaften des alten, römischen Zements gingen auch gerade durch die Presse.Der Hinweis auf Holland ist gut. Weite Bereiche der ehemals riesigen Trassvorkommen im Brohltal (dazu eventuell noch ein späterer Blogbeitrag) sind heute längst abgebaut. Sie wurden in den Niederlanden gerne genutzt, Neben den guten Eigenschaften zum Wasserbau kamen noch die verkehrsgünstige Lage in der Nähe des Rheins hinzu. Davon haben hier Generationen von Menschen ganz gut gelebt.

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