Farewell, Neil Armstrong

BLOG: Mente et Malleo

Mit Verstand und Hammer die Erde erkunden
Mente et Malleo

Am Sonnabend ist Neil Armstrong, der erste Mensch, der jemals einen anderen Himmelskörper als unsere gute alte Erde betreten hat, gestorben. An die erste Mondlandung selber kann ich mich eigentlich nicht mehr erinnern.

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Neil Armstrong im Landemodul Eagle auf dem Mond, 20. Juli 1969. Credit: NASA

Ich weiß, das meine Eltern mich damals (wie auch bei den späteren Mond Missionen) geweckt hatten, als zum ersten mal ein Mensch einen fremden Himmelskörper betrat, aber für einen noch nicht einmal 2-jährigen ist das etwas schwer nachzuvollziehen. Ich hab die Bedeutung des Augenblicks wohl nur sehr schwach erfasst. damals jedenfalls. Spätere Missionen sind mir etwas mehr im Gedächtnis haften geblieben.

Es ist sicher nicht übertrieben zu behaupten, dass sein Name bekannt bleiben dürfte, solange es Geschichtsbücher gibt. Vieles, was uns heute so groß und wichtig erscheinen mag, wird sich im laufe der Geschichte und im fernen Rückblick wohl als nichtig und klein herausstellen. Vermutlich aber wird Apollo 11 überdauern. Denn es war wohl ein uralter Menschheitstraum, seit der Mensch zum allerersten mal den hellen Himmelskörper bewusst wahrgenommen hat, einmal, und sei es auch nur ein einziges Mal, da ober herumzulaufen. Ich ahne nicht einmal, wie viele Generationen davon geträumt haben mögen. Und hier war ein Mensch, mit dem dieser Traum in Erfüllung ging. Wir, meine Generation und die meiner Eltern, sind dabei Zeugen geworden. Zeugen, zu welch großartigen Taten wir Menschen fähig sind, wenn wir uns nur besinnen möchten. Und irgendwie war die Crew von Apollo 11, war Neil Armstrong das Sinnbild hierfür. Sicher, der Zufall hat ihn wohl ausgewählt, und alle die anderen Mitwirkenden an dem Abenteuer sollen nicht vergessen werden.

Wollen wir hoffen, dass wir noch oft Zeuge von so großartigen Taten werden. Und wenn ich irgendwann wieder einmal zum Mond aufblicke, werde ich sicher an Neil Armstrong denken und ihm zuzwinkern. Und eine Träne vergießen.

 

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

18 Kommentare

  1. nicht vergessen

    “Sicher, der Zufall hat ihn wohl ausgewählt, und alle die anderen Mitwirkenden an dem Abenteuer sollen nicht vergessen werden.”

    Na – dann doch die Namen:
    Buzz Aldrin – der zweite Mann im Mond
    Micheal Collins – der Mann, der in den Mond guckte

  2. All my mem’ries gather round you …

    @Gunnar

    Die Apollo-11-Mondlandung, bzw. die Fernsehübertragung und das ganze Drumherum sind die erste wirklich detaillierte Erinnerung meines Lebens. Es ist mir heute noch so präsent, als wäre es gestern passiert. Das Gequengel, damit ich ausnahmsweise mal spät aufbleiben durfte. Die Stimmung ringsumher, als abends noch alle Lichter in den Nachbarhäusern brannten, alle Fenster auf und alle draußen waren. Die tiefe Müdigkeit, die mich gerade sieben jahre alten Bengel zu übermannen drohte. Der heroische Kampf gegen den sich unerbittlich anpirschenden Schlaf, weil ich meinen Eltern nicht gönnen wollte, mit ihrem “Das ist zu spät für dich!” Recht zu behalten. Allerhand krächzende Stimmen und das Gepiepe, mit dem jeder Funkspruch quittiert wurde. Ich habe noch wochenlang danach selbst immer so geredet und bin damit allen auf die Nerven gegangen.

    Es war ganz fantastisch. Wir brauchen mehr davon.

    Übrigens:

    Vieles, was uns heute so groß und wichtig erscheinen mag, wird sich im laufe der Geschichte und im fernen Rückblick wohl als nichtig und klein herausstellen.

    Reinhard Mey: “Über den Wolken”. Absicht?

    @Helmut Wicht:

    “Alle die anderen Mitwirkenden an dem Abenteuer”, das sind nicht nur Aldrin und Collins, sondern Zehntausende Menschen, die einen mehr oder weniger großen Beitrag zu diesem größten Abenteuer aller Zeiten leisteten.

  3. @ Khan

    (Zitat) “Alle die anderen Mitwirkenden an dem Abenteuer”, das sind nicht nur Aldrin und Collins, sondern Zehntausende Menschen, die einen mehr oder weniger großen Beitrag zu diesem größten Abenteuer aller Zeiten leisteten. (/Zitat)

    Das ist wohl wahr. Allerdings müsste man dann auch der Zwangsarbeiter gedenken, die unter der Ägide von von Braun die V2 zusammenschraubten, Oberth müsste dazu .. letztlich solle man als sagen: “WIR waren auf dem Mond.”

    Ob das nun das “grösste Abenteuer aller Zeiten” war – das wage ich zu bezweifeln. So etwas abzuschätzen ist natürlich schwierig bis unmöglich. Aber wenn: dann würde ich versuchen, die “Grösse” des Abenteuers an seinen Folgen zu messen.

    Und, nichts für ungut – was die Folgen angeht, war die Entdeckung der Neuen Welten im 15. und 16. Jhdt. dann sicher das grössere Abenteuer. Das Bild von der Welt, das wir in Kopfe haben, und die Art, wie wir sie bewirtschaften, ist damals, so denke ich, nachhaltiger umgekrempelt worden als unser heutiges durch die Mondlandung.

  4. @ Helmut

    Michael hat es ja bereits geschrieben. ich meinte nicht nur die Männer in der Kapsel, sondern auch die vielen, ungenannten und auch unfreiwilligen. Unsere Mondrakete hatte tatsächlich Blut an ihren Flügeln. Man liest ja immer wieder die Behauptung, dass “Wissenschaft uns zum Mond und Religion nur ins nächste Gebäude fliegen” würde. Das mag auf den ersten Blick richtig erscheinen, aber Wissenschaft hat uns auch die Möglichkeit gegeben, millionenfachen Tod in entfernte Städte zu senden. Und der technologische Fortschritt baut oft genug auf dem Leben und den Knochen unglücklicher Menschen auf. In diesem Fall der NS Zwangsarbeiter, die wir ebenfalls nicht vergessen sollten. Nein, das soll hier jetzt nicht der Wissenschaftsskepsis dienen, aber uns auch deutlich machen, dass jedes Ding seine dunklen Seiten haben kann. Und dass es an uns liegt, was wir daraus machen. Ob wir großartiges damit tun, oder vielfachen Tod verursachen. das liegt alleine an uns Menschen.

    Klar kann man über die Größe eines Abenteuers streiten. Ich habe mal die (wenn auch hypothetische) Länge eines Menschheitstraumes genommen. Amerika wurde zwar entdeckt, aber es war wohl kaum der Traum vieler Menschen, dies zu tun.

    @ Michael
    Reinhard Mey: “Über den Wolken”. Absicht?

    Gut erkannt. 🙂

  5. @ Gunnar

    Ich wollte nicht moralisieren.

    Ich war 11 Jahre alt, als Armstrong den Mond betrat, ich kann mich vage an die Fernsehbilder erinnern.

    Ich kann aber nicht sagen, dass mich dieses Ereignis geprägt oder mein Weltbild verändert habe. Rückblickend ist es eher das erbitterte “Rennen zum Mond”, in dessen Kontext ich die Bilder einbette, der kalte Krieg also, der seinen Ausdruck in eben diesem Rennen fand. Ich selbst wollte nie zum Mond und der Mars ist mir – ehrlich – auch ziemlich egal.

    Das ist übrigens etwas, was ich in den Eu- und Nekrologen angelegentlich von Armstrongs Tod vermisse – da ist immer von “Menschheitstraum” die Rede, aber die Unternehmung hatte auch eine ganz handfeste politisch/ökonomische Dimension. Womöglich gab es ja sogar (nach der Kuba-Krise und der Festschreibung der atomaren “Abschreckungs-Strategie”) einen (unbewussten?) Konsens, den auf der Erde unmöglich gewordenen “Kampf der Systeme” in’s All zu verlagern.

  6. Politik

    Womöglich gab es ja sogar (nach der Kuba-Krise und der Festschreibung der atomaren “Abschreckungs-Strategie”) einen (unbewussten?) Konsens, den auf der Erde unmöglich gewordenen “Kampf der Systeme” in’s All zu verlagern.

    Sicher, der ermordete Kennedy hat die Expedition für die Sechsziger angekündigt und die Sache war politisch von höchster Bedeutung. So wie auch das Ausscheiden der SU vom gleichen Unternehmen.

    Der “Menschheitstraum” war amerikanischer Bauart, das war die Nachricht in politisch unruhiger Zeit, viele Ältere haben das auch genau so verstanden.

    MFG
    Dr. Webbaer

  7. @Helmut Wicht

    »… der Zwangsarbeiter gedenken, die unter der Ägide von von Braun die V2 zusammenschraubten,«

    Das ist eindeutig unfair. Im Gegensatz zu vielen anderen Profiteuren des Nazi Regimes war Wernher von Braun sogar zeitweilig von der Gestapo inhaftiert worden.
    http://en.wikipedia.org/…ease_by_the_Nazi_regime

    Wenn wir an den August 1945 denken und die Opfer der beispiellos inhumanen Bombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki, betonen wir dann auch, dass diese Bomben unter der Ägide von J. Robert Oppenheimer zusammengeschraubt wurden? So einfach und bequem sollten wir uns das nicht machen.

  8. La Le Lu

    @Helmut Wicht:
    “Und, nichts für ungut – was die Folgen angeht, war die Entdeckung der Neuen Welten im 15. und 16. Jhdt. dann sicher das grössere Abenteuer.”

    @Gunnar:
    “Amerika wurde zwar entdeckt, aber es war wohl kaum der Traum vieler Menschen, dies zu tun.”

    Ganz sicher wurde Amerika nicht im 15. oder 16. Jahrhundert entdeckt. Da haben wir (Europäer) nur entdeckt, dass wir (Menschen) das Land schon entdeckt hatten – und die Indianer haben Kolumbus entdeckt. Eine ähnliche Überraschung hat Neil Armstrong auf dem Mond nicht erlebt.

    Bilder wie diese, http://de.wikipedia.org/wiki/Erde#Mond, könnten nachhaltig unser Bewusstsein für Umweltschutz beeinflusst haben. Auch die Aussagen von Augenzeugen, die den Eindruck bestätigen, wie klein und verletzlich die Erde vom Mond aus wirkt, dürften dabei wohl eine gewichtige Rolle gespielt haben.

  9. @ Joker Mond und Umwelt

    Erde – Mond – Umweltbewusstsein

    Aber das ist doch an den Haaren herbeigezogen. Das Apollo-Programm und seine Vorgänger und (sowjetischen) Konkurrenten sind doch geradezu der Ausdruck einer “Hau-Ruck-und-Weg”-Technologie, die nun auf Ressourcen (und auf das Leben von Laika etc.) keine Rücksicht nahm. “To the moon or bust.” Die Vermüllung des Weltraumes begann mit dieser Technologie, die der Erde endete mit ihr keineswegs.

  10. @ Chrys

    Nochmal: ich hab’ nicht vor, zu moralisieren. WIR sind auf dem Mond gewesen. WIR haben die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki geworfen, und – aus der Ferne zwar, aber immerhin – auch Demokrit ist einer der Väter der Atombombe.

  11. Klingt

    … aber schon ein wenig relativ(istisch):

    Nochmal: ich hab’ nicht vor, zu moralisieren. WIR sind auf dem Mond gewesen. WIR haben die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki geworfen, und – aus der Ferne zwar, aber immerhin – auch Demokrit ist einer der Väter der Atombombe.

    Zuvörderst könnte man sich auch an die US-amerikanische Leistung und an einen Namen erinnern.

    MFG
    Dr. Webbaer (der gerne auch mal einordnet, kategorisiert)

  12. @Helmut Wicht

    Sicher kann man auch die Mondlandung auf die Nutzbarmachung des Feuers durch den Menschen zurückführen. Ohne Feuer keine Rakete. Ich meinte aber mit den Zehntausenden von Menschen die, die dediziert am Projekt Apollo (und meinetwegen auch noch seinen Vorgängermissionen Mercury und Gemini) beteiligt waren.

    Volle Zustimmung aber zum Fazit: “Wir waren auf dem Mond”. Es ist gerade eine der wichtigen Konsequenzen des Apollo-Programms, dass dies weltweit so gesehen wurde. Apollo-Astronauten berichten, dass ihnen bei ihren vielfältigen, weltweiten PR-Aktivitäten auch in Nationen, die in keiner Weise am Apollo-Programm beteiligt waren, dauernd Leute sagten: “When we went to the Moon …” und nicht “When you went to the Moon …”.

    Es ist dieses Wir-Gefühl, das da erzeugt wurde, das das Abenteuer Mondflug auszeichnet.

    Es mag sehr wohl sein, dass es andere historische Ereignisse gab, die das Leben von mehr Menschen beeinflusste. Ich bezweifele allerdings, dass diese Ereignisse auch wirklich als großes Abenteuer wahrgenommen wurden und nicht vielmehr als großer Raubzug oder großes Verbrechen – falls sie überhaupt weithin bekannt waren.

    Die Entdeckungsreisen an der Bruchstelle zwischen Mittelalter und Neuzeit veränderten ja nicht wirklich etwas im menschlichen Handeln. Im Grunde genommen exportierte man nur die bereits überlieferten Handlungsweisen in die eroberten Gebiete. Versklavung, Raubbau, Piraterie, Genozid – alles das waren nicht Dinge, die erst mit den Entdeckungsreisen über die Welt kamen. Diese Dinge vervielfachten sich allerdings blitzartig aufgrund der reichen Beute, die in der neuen Welt zu holen war.

    Mit den ersten zaghaften Schritten des Menschen ins Weltall ist es allerdings anders. Da begeben sich einige Menschen in eine bisher dem Menschen vollkommen unzugängliche Umgebung und damit in große Gefahr, und dieses Abenteuer wird von Menschen in der ganzen Welt zeitnah verfolgt, wobei die Zuschauer in der überwiegenden Mehrheit auf derselben Seite stehen – egal, woher sie kommen, sie wünschen den Abenteurern Erfolg und eine sichere Heimreise, und sie identifizieren sich mit ihnen.

    Das hat eine völlig neue Qualität. Sowas hat es in der Menschheitsgeschichte noch nicht gegeben, allein schon deswegen, weil es zuvor nicht die technischen Möglichkeiten gab, die man braucht, um so eine Reise durchzuführen und um die Allgemeinheit daran teilhaben zu lassen.

  13. Der Effekt ist nicht immer planbar

    @Helmut Wicht:

    Das Apollo-Programm und seine Vorgänger und (sowjetischen) Konkurrenten sind doch geradezu der Ausdruck einer “Hau-Ruck-und-Weg”-Technologie, die nun auf Ressourcen (und auf das Leben von Laika etc.) keine Rücksicht nahm.

    Das mag sein, aber die Auswirkung einer Handlung ist nicht immer zuverlässig planbar. Insbesondere, wenn es sich um Auswirkungen solcher Art handelt wie die Antwort auf die Frage, wie man sich als Lebewesen sieht und wie man die Menschheit als soziales Konstrukt versteht.

    Der Wettlauf ins All wird oft nur als reine Demonstration militärischer und technischer Stärke verstanden. Sicher war er auch das, aber er immer auch mehr als nur das, selbst in der Intention seiner Protagonisten. Er war ein Wettstreit der Systeme, und dieser Wettstreit wurde in vielen Disziplinen ausgetragen, nicht nur in der militärischen. Ein Feld, in dem die USA ins Hintertreffen zu geraten fürchteten, war die Ausbildung von Naturwissenschaftlern. Ein großes technisches Projekt wie Apollo wurde als Weg gesehen, auch hier Abhilfe zu schaffen – durchaus mit Erfolg.

    Wahrscheinlich nicht geplant und vielleicht noch nicht einmal ansatzweise vorhergesehen, aber dennoch erreicht wurde eine veränderte Sicht der Welt, wie sie eben nur der Blick aus einer ganz andere, viel höheren Perspektive gestattet.

  14. Der Mann im Mond

    Neil Armstrong wird uns für immer im Gedächtnis bleiben. Besonders seine Aussage, dass er die Chance, beim ersten Versuch auf dem Mond zu landen, bei 50 Prozent ansah, faszinierte mich. Er war sich also durchaus darüber im Klaren darüber, dass er sterben könnte und trotzdem strahlte er so viel Mut und Zuversicht aus. Später zog er sich aus der Öffentlichkeit weitgehend zurück und hatte nicht das Bedürfnis den Helden zu spielen, was wohl auch damit zusammenhing, dass er die Rolle, die er bei der Mondlandung spielte, nicht mehr toppen konnte.
    Bei all den Jubelarien darf man allerdings nicht vergessen, dass die Mondlandung ein Kind des kalten Krieges war. Auch in Sachen Umweltschutz hat sie uns nicht weitergebracht. Zitat von Helmut Wicht: “Das Apollo-Programm und seine Vorgänger und (sowjetischen) Konkurrenten sind doch geradezu der Ausdruck einer “Hau-Ruck-und-Weg”-Technologie, die nun auf Ressourcen (…) keine Rücksicht nahm. “To the moon or bust.” Die Vermüllung des Weltraumes begann mit dieser Technologie, die der Erde endete mit ihr keineswegs.” Insofern sehe ich die Eroberung und künftige Ausbeutung des Weltraums durchaus mit gemischten Gefühlen und ich fände es traurig, wenn diese in einem weiteren Ressourcenvernichtungs-Feldzug enden würde, der zum Schluss nur Müllhalden hinterlässt. Dann müsste Reinhard Mey singen: “Über den Wolken muss der Dreck wohl grenzenlos sein… “.

    Nun ja, vielleicht bin ich da zu pessimistisch. Neil Armstrong hat sich jedenfalls zeitlebens für eine weitere Erkundung des Weltraums eingesetzt, wahrscheinlich war er ein Romantiker, wie alle Leute die den Weltraum aus purer Neugier erforschen wollen und nicht nur dessen Ausbeutung im Sinn haben, das macht ihn für mich sympathisch.

  15. Kind der 60er

    So, erst einmal diese Schrägschrift wieder abgestellt.

    Das Rennen ins Weltall war ein Kind der 60er, so wie vieles Anderes, Gutes wie Schlechtes. Umweltschutz war damals viel weniger ein Thema als heute. Das kann man aber doch nicht Allem und Jedem vorwerfen, das aus jener Epoche stammt. Mit ebenso wenig Berechtigung könnte man der Bürgerrechtsbewegung vorwerfen, dass sie dem Umweltschutz zuwenig Priorität einräumte.

    Die Raumfahrt hat auch den Umweltschutz vorangebracht. Zum einen offenkundig auf technischem Wege – denn die Erkennung von Umweltschäden und die Ausarbeitung von Konzepten zu ihrer Beseitigung ist eine Wissenschaft, Wissenschaft basiert auf Daten und die weltraumbasierte Erdbeobachtung liefert Unmengen wesentlicher, anders nicht zu erhaltender Daten hoher Qualität.

    Zum Anderen aber auch über eine geänderte allgemeine Einstellung. Es gibt das Sprichwort “Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß”, und das ist sehr zutreffend. Wenn ich nun aber weiß, wie klein und empfindlich unsere kleine Erde da im schwarzen Himmel hängt und wie dünn und verletzlich ihre Lufthülle ist – und ich meine damit nicht “wissen” wie in “irgendwo gelesen haben”, sondern “wissen” wie in “wirklich kapiert haben”, weil man nämlich ein Bild gesehen hat, das einer von uns – ein lebender, atmender, denkender Mensch – vom Mond aus von der Erde gemacht hat und das sie so klein und unbedeutend zeigt, wie sie nun einmal objektiv gesehen ist, dann ist das nicht etwas, was man schnell wieder vergisst. Dieses Wissen verändert das Denken. Es beeinflusst, welche Prioritäten man setzt, was man akzeptiert und was man nicht mehr zu akzeptieren bereit ist.

    Klar, das trifft nicht auf jeden zu. Wichtig ist halt, dass es genügend Menschen gibt, die ihr Bild von der Welt und ihr daraus resultierendes Verhalten in Frage zu stellen. Ich bin halt Optimist und werde es immer bleiben.

  16. @ Helmut Wicht: Müll

    “Das Apollo-Programm und seine Vorgänger und (sowjetischen) Konkurrenten [] Die Vermüllung des Weltraumes begann mit dieser Technologie, die der Erde endete mit ihr keineswegs.”

    Das stimmt natürlich. Überall wo der Mensch seine Fußabdrücke hinterlässt, hinterlässt er auch seinen Müll. Da muss ich meine Aussage zum gewachsenen Umweltbewusstsein der Menschheit relativieren. Aber was ist beeindruckender, dass Kolumbus Müll in Amerika hinterlassen hat oder dass Neil Armstrong dies auf dem Mond gelungen ist? Ich persönlich tendiere immer noch zu Neil Armstrong.

  17. Noch ein Romantiker @Michael Khan

    Ihre Vorstellungen von der Verletzlichkeit der Erde teile ich durchaus. Unsere Erde wird ja andauernd von Raumfahrzeugen beobachtet und man kann ihre Schönheit, aber auch den Raubbau, vom Orbit aus beobachten. Hier gibt es ein paar Filme darüber: http://www.dctp.tv/filme/blick-aus-dem-orbit/

    Obwohl das Bewusstsein bezüglich des Umweltschutzes seit den 1960er Jahren gewachsen ist, tritt man vielerorts auf der Stelle, weil jeder sparen will. Inzwischen dürfte überall bekannt sein, dass viele Firmen da produzieren lassen, wo die Löhne niedrig und die Umweltvorschriften lasch sind. Die Raumfahrt scheint da keine Ausnahme zu sein. Von dem ganzen Müll, der um die Erde zirkuliert, brauche ich nicht extra zu schreiben, da genügt ein Blick: http://de.wikipedia.org/wiki/Weltraumm%C3%BCll

    Sie haben kürzlich einen Vortrag über Asteroiden gehalten und wissen natürlich auch, dass man diese in Zukunft ausbeuten will. Auf SPON heißt es dazu: “Mit den Ressourcen der Erde sparsam umzugehen, ist in den Industriestaaten keine besonders angenehme Aussicht – denn deren teils verschwenderischer Luxus basiert zu großen Teilen auf der rücksichtslosen Ausbeutung des Planeten. Entsprechend verlockend ist die Aussicht, im Weltall neue Rohstoffquellen zu erschließen und das lästige Sparen auf Erden überflüssig zu machen.” Deshalb befürchte ich, dass die alten Umweltprobleme auch die neuen sein werden.
    Quelle: http://www.spiegel.de/…n-ausbeuten-a-828952.html

  18. @Mona: Nein, ein Optimist

    Ich will hier nicht eine Diskussion über Müll lostreten. Immerhin ist dieser Blog-Artikel ein Nachruf auf einen mutigen Mann, der in seinem Leben Großes geleistet hat.

    Nur ein abschließendes Wort zur Problematik Weltraummüll. Wir haben das ja schon an anderer Stelle diskutiert. Es ist eindeutig ein Problem, keine Frage. Aber auch da hat sich ein deutliches Umdenken eingestellt. Sicher sind noch Fortschritte erforderlich, aber es wurden auch große Fortschritte gemacht. Das jetzige unbestreitbare Problem ist großenteils eine Altlast.

    Man soll es gewiss nicht kleinreden, aber man soll auch nicht das erreichte Umdenken ignorieren und so tun, als sei die Menschheit nicht lernfähig. Was wir brauchen, ist realistischer Optimismus. Sonst könnten wir ja gleich einpacken. So sehe ich das.

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