Der Boden des Jahres 2018: Alpiner Felshumusboden

Wie in jedem Jahr seit 2005, so wurde auch für das Jahr 2018 ein „Boden des Jahres“ ausgewählt. Am Weltbodentag am 4. Dezember 2017 wurde er bekanntgegeben: der „alpine Felshumusboden“.

Mit der Wahl des „Boden des Jahres“ soll auf die enorme Bedeutung von Böden für den Menschen hingewiesen werden.Für 2018 wurde der „Alpine Felshumusboden“ ausgewählt. Dieser Bodentyp ist in Hochlagen der Gebirge und Mittelgebirge verbreitet. Er reagiert sehr sensibel auf Veränderungen in der Umwelt und auf verändertes Klima. Das macht den Felshumusboden enorm wichtig für als zeigerboden für den Natur- und Kulturraum Alpen.

Entstehung des Felshumusbodens

Die Anfangs noch freien Felsflächen werden durch Moose und Flechten besiedelt. Deren Ausscheidungen lösen das Gestein zusätzlich an und verstärken die Erosion. In den so gebildeten Spalten und Mulden kann sich im Laufe der Zeit organisches Material ansammeln. Von höheren Pflanzen aus der Umgebung kann noch Blattstreu hinzukommen.

Felshumusboden2

Moose besiedeln einen Felsen. Der erste Schritt auf dem Weg zum Felshumusboden .Begonia (Eigenes Werk) [Copyrighted free use https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Felshumusboden2.JPG?uselang=de], via Wikimedia Commons.

Wenn die Zersetzung langsam abläuft, weil die Umweltbedingungen entsprechend hart sind – kurze Vegetationsperiode, kaum Bodenleben, häufige und hohe Niederschläge sowie niedrige Temperaturen – wird die Streu nur sehr langsam zersetzt. Dies führt zu deinem typischen dreischichtigigem Aufbau.

An der Oberfläche sind die Pflanzenreste meist nur wenig zerkleinert und zersetzt. Darunter liegt Rohhumus. Hier ist die Zerkleinerung schon weiter fortgeschritten.und der Gehalt an Feinhumus nimmt nach unten hin zu. Zuunterst kann eine dünne Schicht aus Feinhumus direkt auf dem Felsen aufliegen.

Sobald sich Humus gebildet hat, wird er auch von höheren Pflanzen besiedelt. Nach Moosen kommen die ersten Gräser und Zwergsträucher. Diese Pflanzen tragen dann wieder selber zur weiteren Bildung von Humus bei.

Wenn sich die Umweltbedingungen nicht ändern, kann die Humusauflage weiter wachsen, bis sie auch Bäumen genug Halt und Nährstoffe bietet. Dann kann dort letztlich ein Bergwald entstehen.

Welche Eigenschaften haben Felshumusböden?

Die Eigenschaften des Felshumusbodens hängen sowohl von der Dicke der Humusauflage als auch vom Gestein ab, auf dem sie sich befinden. Daneben spielen auch das lokale Kleinklima, das Relief und das Bodenleben eine Rolle. So können die Felshumusböden zum Beispiel eine sehr variable Feuchtigkeit aufweisen. Der pH-Wert kann stark zwischen sauer und neutral schwanken, sogar innerhalb des Bodens. Die Stickstoff- und Kohlenstoffgehalte der Böden können sehr stark schwanken.

Felshumusböden zählen, ähnlich wie die Moore, zu den organischen Böden. Das bedeutet, sie haben wenig bis keinen mineralischen Anteil aus Sand, Schluff, Lehm oder Ton.

Felshumusböden können sich im Laufe der Zeit durch Verwitterung zu Syrosemen, Rendzinen (auf Kalksteinen) oder Rankern (auf kalkfreien Gesteinen) entwickeln. In diesen Böden kommt ein humoser mineralischer Oberboden vor, der Felshumusböden noch fehlt.

Felshumusboden

Felshumusboden auf Basalt in den Kasseler Bergen. Begonia (Eigenes Werk) [Copyrighted free use https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Felshumusboden.JPG?uselang=de], via Wikimedia Commons

Wo kommen Felshumusböden vor?

Felshumusböden können eigentlich überall dort vorkommen, wo die Klimabedingungen einigermaßen harsch sind und zudem Gesteine in Form größerer Blöcke an der Oberfläche vorkommen. Das bedeutet für Deutschland hauptsächlich in den Mittelgebirgen und den Alpen. Aber auch in Schottland oder Finnland als Beispiel können Felshumusböden in tieferen Lagen entstehen.

In den deutschen Mittelgebirgen kommen Felshumusböden relativ selten vor. In den Alpen hingegen sind sie verbreitet. Sie sind oft mosaikartig mit benachbarten Böden verzahnt und bilden inselartige Kleinstflächen von 10 bis eventuell 100 m². Die Übergänge zu den benachbarten Böden sind fließend.

Wie wird der Felshumusboden genutzt?

Natürlich unterliegen auch die alpinen Felshumusböden einer menschlichen Nutzung. Meist dienen sie als Standorte für Almen oder naturnahe Wälder, ob Fichten- oder Bergmischwald. Dabei sollte stets auf eine humusschonende Nutzung geachtet werden, um den Boden nicht zu schädigen.

Viele Felshumusböden trugen bis ins Mittelalter ursprünglich Bergwälder oder Zwergstrauchheiden. Große Gebiete der ursprünglichen Bergwälder wurden zur Gewinnung von Brennholz gerodet. Sie werden seither häufig als Almen genutzt. Diese artenreichen Wiesen und Weiden sind heute als Lebensräume unverzichtbar. Sie müssen allerdings bodenschonend bewirtschaftet werden. Ansonsten degradieren die Böden und es droht zunehmende Erosion.

Wodurch sind Felshumusböden gefährdet?

Als sensible Böden reagieren die Felshumusböden sehr stark auf Veränderungen der Umweltbedingungen. Als so genannte Zeigerböden dienen sie auch als Kronzeugen der Umweltveränderungen durch den Menschen. Durch die Rodung und anschließende Nutzung als Almen verschwand ein großer Teil der waldtypischen Humusauflage.

Auch die übermäßige Waldnutzung durch Kahlschläge kann die Humusschicht dauerhaft verkleinern.

Die verringerte Humusschicht schädigt die Felshumusböden in ihrer Fähigkeit, Niederschläge zu speichern. Damit erhöht sich die Gefahr von Hochwasser. Zusätzlich sind die zunehmend vegetationsarmen Böden der erhöhten Gefahr der Erosion ausgesetzt. Dazu zählt auch der steigende Gefahr von Hangrutschen und im Winter Lawinen.

Ein gesunder Felshumusboden ist ein guter Kohlenstoffspeicher. Bei schwindendem Humusvorrat wird der darin gespeicherte Kohlenstoff wieder als Kohlendioxid an die Atmosphäre abgegeben. Der Boden wandelt sich von einer Kohlenstoffsenke zu einer Quelle.

Auch durch der besonders in den hochmontanen Stufen der Alpen deutlich spürbaren Klimawandel und die damit einhergehende längere Dauer des biologischen Humusabbaus zielen in die selbe Richtung.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Gemäss Carbon Cycle speichern alle Böden zusammen 1500 Gigatonnen Kohlenstoff, wobei die Böden jetzt mehr CO2 in die Atmosphäre abgeben als sie aufnehmen – wahrscheinlich weil sich mit steigenden Temperaturen organisches Material schneller zersetzt. Dies zu folgendem aus obigem Artikel (Zitat):

    Ein gesunder Felshumusboden ist ein guter Kohlenstoffspeicher. Bei schwindendem Humusvorrat wird der darin gespeicherte Kohlenstoff wieder als Kohlendioxid an die Atmosphäre abgegeben. Der Boden wandelt sich von einer Kohlenstoffsenke zu einer Quelle.

    Und das tut er ja, sowohl der Felshumusboden als auch die meisten anderen Böden.

    Um die atmosphärischen CO2-Konzentrationen zu reduzieren wird heute ja immer häufiger über negative Emissionen nachgedacht, wobei die Einlagerung von Kohlenstoff in Böden oder Pflanzen eine solche negative Emission wäre. Eine Einlagerung von Kohlenstoff in Böden würde zuerst einmal eine Trendumkehr bedeuten (denn die Böden geben heute mehr CO2 ab als sie aufnehmen) und wäre in jedem Fall ein gigantisches Geoengineering-Projekt, gigantisch vor allem durch die nötigen grossen Bodenflächen, in denen die Trendumkehr angestossen werden müsste. Ein konkretes solches Projekt zur Sequestration von CO2 in Pflanzen und Böden wird im Forschungsbericht Irrigated afforestation of the Sahara and Australian Outback to end global warming vorgestellt. Bei diesem Vorhaben würden die Sahara und Australien mit entsalztem Meerwasser wiederbegrünt und die Bäume die dann wüchsen würden im Boden vergraben anstatt sie vermodern zu lassen. Damit könnte jedes Jahr soviel CO2 sequestriert werden wie heute technisch vom Menschen in die Atmosphäre abgegeben wird. Die Realisierungschancen eines solchen Projekts sind sicher klein, doch wenn schon Geoengineering im grossen Stil, dann wohl besser über die künstliche Begrünung der Sahara und des australischen Outbacks als über Sulfatärosole, die künstlich den Himmel weniger durchlässig für Sonnenlicht machen.

  2. ” Damit könnte jedes Jahr soviel CO2 sequestriert werden wie heute technisch vom Menschen in die Atmosphäre abgegeben wird.”

    Dafür hätte ich gern mal einen Nachweis.
    Welche Flächen von 1m dicken, 15 m hohen Bäumen müßten denn dann Jahr für Jahr die 10 Gt Kohlenstoff, die wir aus allen möglichen Rohren in die Luft blasen, wieder in biologische Massen umwandeln ? Wie können 10 Gt Kohlenstoff in Form von Bäumen (ich schätze mal 100 Mrd. m³ Bäume) unter der Erde so versteckt werden, daß sie nicht wieder in den Kohlenstoffkreislauf hineingelangen ? Wie soll das mit den 800 (?) Gt Kohlenstoff geschehen, die bereits in die Erdatmosphäre hineingeblasen wurden ? Und mit derselben Menge, die im Meer angekommen sind ?

    • Mit Biomass Burial auf einer Fläche, die die Sahara und den australischen Outback umfasst ist eine jährliche Sequestrierung von 30 Gigatonnen CO2 theoretisch möglich. BEECS, welches heute in aller Munde ist, verbrennt die Biomasse und sequestriert das dabei entstandene CO2, arbeitet aber sonst wie Biomass Buria. Zitat:

      The negative emissions that can be produced by BECCS has been estimated by the Royal Society to be equivalent to a 50 to 150 ppm decrease in global atmospheric carbon dioxide concentrations[9] and according to the International Energy Agency, the BLUE map climate change mitigation scenario calls for more than 2 gigatonnes of negative CO2 emissions per year with BECCS in 2050.[10] According to Stanford University, 10 gigatonnes is achievable by this date

  3. Lieber Herr Ries,
    danke für Ihre immer wieder interessanten Artikel!
    In der Gegend von Idar-Oberstein aufgewachsen, habe ich etwas Ahnung von Mineralien und Gesteinen.

    Die Bodenkunde ist mir aber immer noch ein Buch mit sieben Siegeln.
    Gibt es ein einfaches und kurzes Buch über dieses Thema?

    Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Jahr 2018!

    Bernhard Schröck

  4. Hallo Herr Schröck,
    Bodenkunde ist schon recht komplex: Hier durchdringen sich ja die Welt der Gesteine und Mineralien sehr stark mit der Biologie und der Atmosphäre, und alles spielt munter mit. Ich hab da auch lange noch nicht die Hälfte begriffen. Leider ist mir im Moment kein einfaches Buch auf dem Markt bekannt, das sowohl einfach als auch kurz und natürlich umfassend korrekt ist. Aber vielleicht hat ja der eine oder andere Leser da was im Regal, das er empfehlen kann.

Schreibe einen Kommentar