Worum es in Paris geht

KlimaLounge

Als Ozean- und Klimaforscher habe ich in den letzten Jahrzehnten viele alarmierende Trends verfolgt: steigende Temperaturen, steigenden Meeresspiegel, schwindende Eismassen, zunehmende Ozeanversauerung und vieles mehr. Aber ich bin überzeugt, dass die Menschheit die Fähigkeit und Mittel hat, um den Anstieg der globalen Temperaturen unterhalb der potenziell fatalen Linie von 2 Grad zu stoppen. Und ich bin vorsichtig optimistisch, dass der jetzt beginnende Klimagipfel in Paris eine substanzielle globale Vereinbarung zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen erreichen wird.

Es ist genau ein halbes Jahrhundert her, seit der erste offizielle wissenschaftliche Bericht im November 1965 den damaligen US-Präsidenten Lyndon B. Johnson davor warnte, dass steigende Treibhausgasemissionen eine globale Erwärmung verursachen würden, die “aus der Sicht der Menschen schädlich sein könnte”. Die Vorhersagen dieses Berichts der Präsidentenberater haben sich als zutreffend erwiesen, denn sie beruhten auf der Grundlage solider Naturwissenschaft. Und trotz der zähen Gegenwehr unzähliger Partikularinteressen weltweit kommen wir endlich voran mit der Abkehr von fossilen Brennstoffen, der Ursache der sich entfaltenden Klimakrise.

mygissplotGlobale Temperatur (Jahreswerte der NASA sowie deren geglätteter Langzeittrend) relativ zum Mittelwert der Jahre 1880-1900. Der Wert für 2015 enthält Daten bis einschließlich Oktober. Die Messdaten stehen in scharfem Kontrast zu der von “Klimaskeptikern” gerne verbreiteten Behauptung, die Erwärmung habe 1998 aufgehört.

Deutschland begann früher als viele andere mit einer Transformation zu einer modernen, nachhaltigen Energiewirtschaft. Heute sind unsere Emissionen 27 Prozent unter dem Niveau von 1990, während unsere Wirtschaftsleistung sich seither nahezu verdoppelt hat. Auch die Wirtschaft der Europäischen Union als Ganzes ist um rund 45% gewachsen, während die Emissionen um etwa ein Fünftel gesunken sind. Wir haben den Mythos widerlegt, dass Emissionsminderung der Wirtschaft schadet. Einfallsreichtum und Innovation tun das selten.

Und dies ist nicht nur eine europäische Geschichte. Weltweit kommen inzwischen über 19 Prozent unserer Energie aus erneuerbaren Quellen, und das Wachstum in diesen Branchen ist exponentiell, nicht linear. Im vergangenen Jahr war bereits die Hälfte der weltweit zugebauten Stromerzeugungskapazität in erneuerbaren Energien, allen voran in China. Diese Dynamik legt nahe, dass die Investitionen in fossile Energieträger in den nächsten Jahren weltweit zusammenbrechen werden, da die Anleger erkennen, dass sie damit massive verlorene Vermögenswerte riskieren. Großinvestoren wie die Allianz steigen bereits aus.

Wir können uns die Energiewende leisten

Aus zahlreichen Studien kennen wir auch die Kosten der Umstellung auf erneuerbare Energien weltweit. Wir können sie uns leisten. Das Global Energy Assessment, eine in jahrelanger Arbeit von 500 Experten unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen erstellte, 2.000 Seiten starke Bestandsaufnahme, kam zu einem sehr interessante Ergebnis. Danach müssten die jährlichen Investitionen in das Energiesystem lediglich um 50 bis 100 % erhöht werden, um die globale Erwärmung unter 2 Grad zu halten. Das entspricht jährlichen Investitionen von 500 bis 1000 Milliarden US$ pro Jahr.

Ist das viel? Einige Zahlen zum Vergleich: Über 500 Milliarden US$ pro Jahr werden derzeit noch vergeudet auf der Suche nach neuen Lagerstätten fossiler Brennstoffe. Obendrein gibt es heute noch rund 500 Milliarden US$ an staatlichen Subventionen für fossile Brennstoffe, die umgelenkt werden könnten. Und das sind nur die direkten Subventionen: nach einer Studie des Internationalen Währungsfonds (nicht gerade ein Verein grüner Aktivisten) liegen die Gesamtsubventionen (die nicht durch Steuern abgedeckte Schäden für die Allgemeinheit beinhalten, etwa die Gesundheitskosten durch die Kohleverbrennung) sogar beim Zehnfachen, also bei rund 5 Billionen US$ oder 6,5% der globalen Wirtschaftsleistung. „Beseitigung dieser Subventionen im Jahr 2015 könnte Regierungseinnahmen um 2,9 Billionen US$ (3,6% Prozent des globalen BIP) erhöhen, die globalen CO2-Emissionen um mehr als 20 Prozent reduzieren und vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung um mehr als die Hälfte verringern“, schreiben die IWF-Autoren.

IPCC_costEin Szenario mit “business as usual” Wirtschaftswachstum (global 2,3 % pro Jahr, rote Kurve) und im Vergleich dazu mit um jährlich 0,06 % geringerem Wachstum (blaue Kurve). Der hellblaue Bereich zeigt die Unsicherheit in den Klimaschutzkosten laut IPCC. Nicht eingerechnet (da kaum kalkulierbar) sind Kosten durch Klimaschäden, die wahrscheinlich die rote Kurve ohen Klimaschutz deutlich unter die blaue Kurve drücken würden.

Die vielen wirtschaftlichen Studien, die vom „Weltklimarat“ IPCC in seinem letzten Bericht ausgewertet wurden, werden von diesem so zusammengefasst: Die Kosten für die globale Erwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen würde das Weltwirtschaftswachstum um nur 0,06 Prozent pro Jahr zu reduzieren. Die typischen 2,3 Prozent jährliches Wachstum würden also auf 2,24 Prozent reduziert, und damit der erwartete rund achtfache Anstieg der globalen Wirtschaftsleistung bis zum Jahr 2100 lediglich zwei Jahre später erreicht (siehe Grafik). Noch nicht berücksichtig sind dabei die Kosten des Nichtstuns: die menschlichen und wirtschaftlichen Kosten des “business as usual”, wie die Versauerung der Weltmeere, häufigere und intensivere Wetterextreme, Ernteausfälle und steigender Meeresspiegel. Diese Kosten sind nahezu unberechenbar – aber mit hoher Sicherheit wesentlich höher als die Kosten eines geordneten Umstiegs auf erneuerbare Energien. (Eine kürzlich in Nature erschienene Studie schätzt z.B. die ökonomischen Schäden durch die globale Erwärmung auf einen mittleren Einkommensverlust von 23% im Jahr 2100.)

Was steht im Wege einer vernünftigen Klimapolitik?

Wenn es also technologisch und wirtschaftlich möglich ist, die globale Erwärmung zu stoppen, dann hapert es nur noch an der Politik. „Nur noch“ ist allerdings untertrieben, denn die nötige Große Transformation politisch zu organisieren ist extrem schwierig und in der Geschichte ohne Beispiel. Die Aufgabe erscheint fast unlösbar, über 190 Staaten mit völlig unterschiedlichen Interessen zu einer Einigung im Konsensverfahren zu bewegen. Und dass jeder einfach für sich das Richtige zum Klimaschutz tut, aus Eigeninteresse, ist kaum zu erwarten. Denn das Klimaproblem hat die Struktur der „Tragedy of the Commons“: von einer Emissionsminderung profitiert nicht der, der sie durchführt, sondern alle. Das lädt „free riders“, Trittbrettfahrer, geradezu ein. Deshalb sind die globalen Verhandlungen unter dem Dach der UN so wichtig.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAKing Coal. Skulptur von Louis Pratt

Aber auch innerhalb der einzelnen Staaten ist es selbst bei gutem Willen der Regierung schwierig, die nötigen Maßnahmen zum Klimaschutz umzusetzen. Denn bei einem Strukturwandel gibt es immer auch einflussreiche Verlierer (z.B. die fossile Brennstoffwirtschaft), die sich mit Macht dagegen wehren. Hinzu kommt der große Zeitdruck: mit jedem Jahr, in dem die Emissionen steigen statt zu sinken, wird die Einhaltung der 2-Grad-Grenze rapide schwieriger und teurer. Zudem ist die globale Erwärmung praktisch irreversibel: heute ausgestoßenes CO2 bleibt zu großen Teilen viele Jahrhunderte in der Atmosphäre und entfaltet dort seine aufheizende Wirkung.

Angesichts der existenziellen Bedrohung durch die globale Erwärmung darf die große Schwierigkeit der Herausforderung aber kein Grund sein, einfach aufzugeben und sich etwa mit 2,5 °C oder gar 3 °C Erwärmung abzufinden – das wäre verantwortungsloser und feiger Defätismus. Die einzig vertretbare Antwort kann nur sein, die Anstrengungen zu verdoppeln und verdreifachen.

Da wir kaum Strukturen für eine „Weltinnenpolitik“ haben, geschweige denn eine Weltregierung, gibt es letztlich nur zwei Kräfte, um Staaten zum Handeln für das Gemeinwohl aller Erdenbürger zu bewegen: die Kraft der rationalen Einsicht in die Notwendigkeit und die gemeinsamen ethischen Werte der Menschen. Die Grundlagen für den ersten Teil, die sachliche Einsicht, hat die Wissenschaft bereits seit langem gelegt, und es gibt (außer bei den Republikanern in den USA) kaum noch relevante politische Kräfte, die sich dieser Einsicht verschließen. Für den zweiten, moralischen Teil ist es nicht unwichtig, dass spirituelle Führer  verschiedener Religionen (u.a. der Papst) sich eindeutig zur dringenden Notwendigkeit von Klimaschutz bekannt haben. Und um genügend moralischen Druck auf die politischen Entscheider aufzubauen spielt die Zivilgesellschaft eine entscheidende Rolle. Deshalb sind große Demonstrationen wie an diesem Wochenende so wichtig, oder die Divestment-Bewegung, bei der Bürger und Institutionen ihr Geld aus der fossilen Wirtschaft abziehen. Und die vielen weiteren Aktionen, die in der Summe bereits eine Weltbürgerbewegung zur Stabilisierung des Klimas darstellen.

Die Erfolgsaussichten des Pariser Gipfels sind nicht schlecht, weil schon im Vorfeld wichtige Grundlagen zu einer Einigung gelegt wurden. Fast alle Staaten der Erde haben ihre „INDCs“ (Intended Nationally Determined Contributions) zum Klimaschutz auf den Tisch gelegt – mehr als 90% der globalen Emissionen werden von diesen Klimaschutzversprechen erfasst. Allerdings werden diese Emissionsreduktionsziele alleine noch nicht ausreichen, um die globale Erwärmung unter 2 Grad zu halten – sie bringen nur etwa die Hälfte der nötigen Emissionsminderung. Das muss kein fataler Fehler einer neuen globalen Vereinbarung über Emissionsreduktionen zu sein, so lange in Paris eine klare Struktur etabliert wird, auf deren Grundlage die Anstrengungen später noch verstärkt werden können. Dies war auch das Verfahren beim Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht, das ursprünglich viel zu schwach war, in den Folgejahren dann aber so verschärft wurde, dass die Ozonschicht sich langsam wieder erholen konnte.

Ob der Pariser Gipfel erfolgreich war wird sich daran messen, ob er gerade noch rechtzeitig die Trendwende zu weltweit fallenden Emissionen gebracht hat. Voraussichtlich werden wir das auch in zwei Wochen, am Ende des Gipfels, noch nicht wissen, sondern erst nach Jahren im Rückblick erkennen. Doch auch wenn es gelingt, die globale Erwärmung auf 2 °C zu begrenzen (was aus heutiger Sicht als großer Erfolg der Klimapolitik zu werten wäre): man darf dabei nicht vergessen, dass auch 2 °C Erwärmung massive Folgen haben und für sehr viele Menschen zuviel wären.

Stefan Rahmstorf

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

95 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen Blogpost, der auch für Nicht-Klimatologen sehr gut zusammenfasst, was jetzt auf der COP21 in Paris an- und auf dem Spiel steht. Der Hinweis auf das Allmendeproblem mit unserer Atmosphäre (globale Müllhalde für Abgase) ist sehr wichtig. Wie in anderen Teilen unseres Zusammenlebens auch (denken Sie z.B. an achtlos weggeworfene Flaschen, Dosen, Kaugumiis), wird es immer a-soziale Akteure geben, die niemals zu einer vernünftigen Einsicht über die Deponierung ihrer Abfälle kommen werden – bis man mit Preisen arbeitet und der homo oeconomicus in diesen Leuten geweckt wird.
    Ich denke daher, dass es für einen Erfolg vor allem notwendig ist, dass man die notorischen Blockierer durch backstage-Gespräche (und meinetwegen Kuhhandel) zur Akzeptanz eines weltweiten CO2-Preises bringt. Das ist bei allen globalen oder internationalen Verhandlungsrunden so – man wird nie alle Verhandlungspartner weltweit mit Sachargumenten oder moralischen Argumenten überzeugen können (leider!). Aber weil das Thema Emissionsminderung aktuell für uns alle wirklich entscheidend ist, müssen wir mit allen Mitteln zu einer global funktionierenden Bepreisung von CO2 (und Äquivalenten) kommen. Ich wünsche uns entsprechend leidenschaftlich starke Verhandlungen, Geschick und das Quäntchen Glück.

  2. Können wir nach dem Begriff “Pause” oder “Stagnation” jetzt bitte auch den Begriff “Skeptiker” ad acta legen? Selten wurde ein Begriff dermaßen ins Gegenteil verkehrt.

    Ich bin dazu übergegangen von “Abstreitern” oder (etwas rhythmischer 😉 von “Abstreitern und Abschüttlern” zu reden.

    Die Leute streiten mit weißen Knöcheln alle Fakten ab. Und wenn man sie widerlegt hat, schütteln sie das einfach ab und fangen von vorne an…

    • “Klima-Skippies”, vom erratischen, zwanghaften Rumhüpfen von einer Anti-Begründung zur nächsten?

      Oder ist das jetzt blöd?

  3. Wirtschaftswachstum und CO2-Emissionen sind für sich gerade industrialisierende Länder immer noch gekoppelt. Dass die CO2-Emissionen in Europa und den USA leicht zurückgehen, ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass 1) die Industrie hier nur noch wenig wächst und 2) die Ausgaben für Energie relativ zum BIP gering sind.

    Tatsächlich ist der Strompreis in Deutschland im Gefolge der Energiewende deutlich gestiegen. Doch Deutschland kann das gut verkraften, denn die Ausgaben beispielsweise im Gesundheitsbereich betragen ein Mehrfaches der Ausgaben im Energiebereich. Ganz anders ist die Situation in Indien. Ehrlich gesagt glaube ich nicht daran, dass Indien und Afrika sich entwickeln können ohne ihre CO2-Emissionen deutlich zu erhöhen.

  4. Herr Rahmstorf, Sie verkennen die Lage.

    Im Jahr werden ca. 37 GtCO2 durch die Menschen freigesetzt… (Diese verursachen ca. 3 ppm CO2-Anstieg pro Jahr in der Atmosphäre).

    Ca. 3 GtCO2 davon durch die Stahlindustrie/ Koks, ca. 3 GtCO2 davon aus der Betonherstellung/ Karbonatgestein/ Kalkgestein und ca. 4 GtCO2 davon aus der veränderten Landnutzung/ Brandrohdung/ Palmölanbau …

    Zusammen ergeben sich so 10 GtCO2 aus diesen drei Sektoren…

    Selbst wenn wird den Energiesektor komplett auf Erneuerbare Energien, weltweit umstellen… verbleiben wir bei ca. 10 GtCO2-Ausstoß durch die Menschen, welcher fast 1 ppm weiteren CO2-Anstieg pro Jahr in der Atmosphäre verursacht … So schaffen wir also das 2°C-Ziel, oder unter den verbleibenden 600 GtCO2 zu bleiben, um dieses zu halten, nicht!

    Das geht nur, wenn wir neben den Energiesektor auch auf Stahl und Beton verzichten und die Wälder in Ruhe lassen ……………. Wir müssten also wieder in Lehmhütten ziehen und Windräder und Wasserräder als Holz bauen …

    Ein Leben wie im Mittelalter. Denn auch Windparks und Solarparks und Pumpspeicher brauchen viel Stahl und Beton für Beton-Fundamente, Strommasten aus Stahl, Fabriken zur Herstellung, etc…… die über Stahl und Beton und veränderte Landnutzung sehr viel CO2 und Treibhausgase freisetzen. Also ein Fass ohne Boden.

    Warum sagen Sie den Leuten nicht einfach die Wahrheit? Selbst mit 100% Erneuerbaren, weltweit geht es nicht, schon alleine wegen der Stahl und Beton Herstellung und Nutzung und des immensen Flächenbedarfes und Materialbedarfes für die Erneuerbaren. Zumal Energiepflanzen auch nicht CO2-neutral sind, sondern teils sogar mehr Treibhausgase freisetzen als fossile Brennstoffe. U.a. über Stickstoffdüngung und dadurch freigesetztes Lachgas, dass ca. 200mal stärker wirkt als CO2 und 10mal stärker als Methan.

    • Sie verweisen völlig zu Recht darauf, dass die Treibhausgasemissionen nicht nur aus dem Energiesektor kommen. Mein kurzer Kommentar konnte darauf nicht näher eingehen, aber auch diese weiteren Emissionsquellen sind natürlich Teil der Verhandlungen in Paris. Seien Sie versichert, es gibt auch für die Landnutzung und die Stahl- und Betonherstellung Lösungsansätze, die uns nicht ins Mittelalter zurückwerfen werden.

      • Ist es nicht möglich, Koks bei der Rohstahlerzeugung durch Wasserstoff oder (synthetisches) Erdgas zu ersetzen? Holzkohle wäre ja auch eine Möglichkeit, die viele Jahrtausende lang erprobt ist, aber im 2. Drittel des 19. Jahrhunderts durch die Kokstechnik ersetzt wurde. Der Wiederumstieg auf Holzkohle würde aber Anpassungen der Verfahrenstechnik erfordern, da Koks und Holzkohle nicht die exakt gleiche Materialeigenschaften haben. Am sinnigsten wäre jedoch die Umstellung auf Wasserstoff oder andere gasförmige Energieträger zur Reduktion des Eisenerzes. Gibt es hierzu Forschungen?

        • Das ist schon längst ein ganz alter Hut und Stand der Technik in vielen Ländern. Die Firma Lurgi, eine Tochter der Metallgesellschaft hat in den 70er und 80er Jahren den Zementdrehrohrofen auf die Rohstahlerzeugung modifiziert. Als Reduktionsmittel kann man hier alles mögliche benutzen, von Kohlenstaub über Erdgas bis hin zu Sägemehl, je nach Zugang zu Rohstoffen. In Schweden werden die Erze dafür speziell konfektioniert und zusammen mit Zuschlagstoffen in Pellets auf den Markt gebracht. Die Zeiten sind längst vorbei in denen das Eisenerz als Roherz in den Hochofen geschüttet wurde. es wird auch für die Hochöfen vermahlen und komplett mit Zuschlagstoffen zu Pellets verpresst. Da ist es prozesstechnisch kein Problem, die Pellets für unterschiedliche Prozesse zu konfektionieren.

    • Na, Herr Otto, klingt ganz so, als wären Sie der Meinung, dass die Brandrodung ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Zivilisation wäre.

      [Das geht nur, wenn wir neben den Energiesektor auch auf Stahl und Beton verzichten und die Wälder in Ruhe lassen ……………. Wir müssten also wieder in Lehmhütten ziehen und Windräder und Wasserräder als Holz bauen …Denn auch Windparks und Solarparks und Pumpspeicher brauchen viel Stahl und Beton für Beton-Fundamente, Strommasten aus Stahl, Fabriken zur Herstellung, etc…… die über Stahl und Beton und veränderte Landnutzung sehr viel CO2 und Treibhausgase freisetzen… “]

      Ein Windrad mit einem Stahl/Betonturm und einem Fundament aus Beton spielt bei den derzeit herrschenden Bedingungen die produktionsbedingte CO2 Emission nach einigen Monaten wieder ein. Dazu gibt es eine Reihe Studien.
      Darüberhinaus werden zurzeit Windräder der Multimegawattklasse mit Holztürmen entwickelt und gebaut, die Nabenhöhen von 100m überschreiten (“Timbertower”), weniger wegen der hier rel. unbedeutenden CO2 -Emission als wegen der besseren Transportierbarkeit in unzugängliche Regionen.

      • @Bleyfuss: Stefan Ottos Überlegungen bleiben richtig auch wenn der Energieeinsatz für die Herstellung eines Windrads in Stahlbau durch die Windstromproduktion schnell wieder hereingeholt wird. Folgendes stimmt nicht und ist schlichtweg falsch (Zitat):

        Ein Windrad mit einem Stahl/Betonturm und einem Fundament aus Beton spielt bei den derzeit herrschenden Bedingungen die produktionsbedingte CO2 Emission nach einigen Monaten wieder ein.

        Sie können die produktionsbedingten CO2-Emissionen nie mehr “einspielen”, denn technisch erzeugtes CO2 bleibt sehr lange im System. Was sie wieder einspielen können ist lediglich die verbrauchte Energie.

        Fazit: Noch in diesem Jahrhundert muss die Menschheit vollkommen auf die Produktion von CO2, welches nicht in einen natürlichen Kreislauf eingebunden ist, verzichten. Nur so kann die atmosphärische CO2-Konzentration konstant gehalten werden. Auch die Herstellung der Windräder der Zukunft darf kein CO2 mehr erzeugen.

        • @M. Holzherr
          Die Erzeugung von elektrischer Energie mittels WindKA substituiert Strom der unter den derzeitigen Bedingungen (hauptsächlich noch) fossil erzeugt würde. Diese Windkraftnutzung führt dazu, dass schon nach einigen Monaten in Bezug auf die WKA eine “CO2-Parität” erreicht wird, d. h. die CO2 Emissionen durch die WKA-Hestellung und Aufstellung und die durch die fossile Stromerzeugung sind dann gleich (hoch).

          So ist meine Entgegnung auf den Einwand von Herrn Otto gemeint. Es ist ja nicht etwa so, dass ab sofort kein einziges Kilo an fossilen Brennstoffen mehr verfeuert werden dürfte. Diese Darstellung wäre ebenso verkehrt und überzeichnet und wird gerne genutzt, um die Energiewende zu diskreditieren. Kein Mensch möchte und muss ins Mittelalter zurück!
          Allerdings muss die Gesellschaft nach meiner Meinung unverzüglich mit dem Aufbau einer regenerativen d. h. letztendlich auf Sonnenenergie beruhenden Energieversorgung beginnen.

          • “Kein Mensch möchte und muss ins Mittelalter zurück!”
            In diesem Forum diskutieren hauptsächlich Naturwissenschaftler wie mir scheint. Dabei werden die notwendigen kulturellen und sozialen Veränderungen die wesentlich größere Herausforderung darstellen. Mit dem eingangs zitierten Satz wird suggeriert, dass die bestehenden Gesellschaftsformationen erhalten bleiben können und wir uns alle nur mehr anstrengen müssen und technologische Neuerungen vorantreiben müssen, um ein bestehendes Gesellschaftsmodell an das AGW zu adaptieren. Das aber ist eine Illusion, denn das Verhalten von Menschen und Menschengruppen unter den sich verschärfenden Bedingungen des Klimawandels kann nicht in Modellen abgeschätzt werden. Soziale und politische Verwerfungen können jetzt schon- natürlich nur unter anderem- auf die Folgen des Klimawandels bezogen werden. Menschliche Reaktionen auf die Auswirkungen des Klimawandels orientieren sich auch nicht an einem klimawissenschaftlich begründeten Schwellenwert von 2 Grad Celsius.
            Ein zurück in der Geschichte gibt es nicht und glauben Sie mir, ich wäre als Archäologe der erste, der gerne freiwillig im Frühmittelalter leben würde.
            Indigene Gesellschaften in Südamerika verweisen aber auf zu Recht auf ein von ihnen diskutiertes Gesellschaftskonzept, das des “sumak kawsay”. Spanisch übersetzt lautet es buen vivir, meint aber eher ein den jeweiligen Verhältnissen angepasstes Leben, das für alle ein menschenwürdiges Auskommen sichert. Die Forderung nach globaler Umverteilung ist dabei genauso explizit wie eine umfassende Mitweltethik, wie sie der deutsche Physiker und Naturphilosoph Meyer-Abich in ganz ähnlicher Form bereits umrissen hat. Das wäre nichts weniger als eine echte globale Revolution, ein umfassender Paradigmenwechsel, vor dem sich noch zu viele fürchten.
            Solange diese gesellschaftliche Diskussion nicht mit aller Transparenz und Radikalität geführt wird, bleiben die Erkenntnisse der Klimawissenschaft seltsam isoliert.

    • Das Beton-Haus, in dem ich u.a. wohne, hat noch eine Lebensdauer von mindestens 150 Jahren. Warum also sollte ich demnächst in eine “Lehmhütte ziehen” und “wie im Mittelalter” leben müssen?

      Mir gehen solche undifferenzierten “Analysen” zunehmend auf die Nerven. Muss eigentlich jedes strukturkonservative Statement ideologisch motiviert, grotesk verzerrt und übersteigert sein? Geben Sie sich mal etwas Mühe und legen Sie belastbare und nachvollziehbare Zahlen vor!

      Gerade als Aktionär eines großen Stahlunternehmens (ja, ja, ich weiß, dass die auch Fregatten und U-Boote bauen!) möchte ich auf die leicht googelbare Stahl-Imagekampagne “Die-Zukunft-beginnt-mit-Stahl” verweisen. Die Unternehmen machen sich mittlerweile mehr klimatisch vernünftige Gedanken als große Teile des Bürgertums.

  5. Neulich hatte Anja Reschke, die wie Maggi eine überzeugte AGWlerin ist, einen Fernsehbericht
    (ich glaube es war Monitor) zu Absprachen zwischen Unternehmen und Politiker*innen im Vorfeld des Klimagipfels gemacht, in der sie enttäuscht feststellte, dass Klimaschutzziele nur der offizielle Aufmacher der COP21 für die Öffentlichkeit sind. Dies hatte ich auch nicht anders erwartet. Viel mehr ärgert mich, dass kein(e) Teilnehmer*in dieser Konferenz über die spektrale Verteilung der von der Sonne eingestrahlten Energie(Solarkonstante : 1367 W/m^2 ) in Hinblick auf Treibhauseffekt und Erwärmung von Luft und Wasser berichtet hat. Das ist grobfahrlässige Schlamperei. Z.B. hat UV-Strahlung zwar viel Energie, führt aber nicht zur Erwärmung der Atmosphäre sondern z.B. .zur Spaltung von Sauerstoffmolekülen, wodurch Ozon entsteht
    und bei Menschen zu Sonnenbrand durch Zerstörung von Zellen in der Haut und nicht durch Erwärmung der Haut ! Infrarotstrahlung regt Schwingungen von Wasser und CO2 Molekülen etc. in der Luft an aber dringt nur einige Mikrometer in flüssiges Wasser ein . Da 71 % der Erdoberfläche von Wasser bedeckt sind, wäre es wohl interessant, näher auf die spektrale Verteilung beim Treibhauseffekt einzugehen – dies ist essentiell und die Unterlassung unverzeihlich. Sollte ich mich geirrt haben, dass es doch diese Untersuchungen gab, werde ich dies wohl demnächst hier lesen können !

    • Selbstverständlich wird in den Klimamodellen seit jeher die spektrale Verteilung der Strahlung – sowohl der ankommenden Sonnenstrahlung als auch der abgehenden Wärmestrahlung – berücksichtigt. Das ist zur Berechnung des Strahlungstransfers in der Atmosphäre notwendig, weil die verschiedenen Absorber (wie Treibhausgase und Wolken) selektiv in ganz bestimmten Spektralbereichen absorbieren. Ich zeige diese Absorbtionsspektren häufig in meinen Vorträgen.
      Solche wissenschaftlichen Fragen werden selbstverständlich bei der COP21 nicht diskutiert, denn das ist ja keine Fachkonferenz von Klimawissenschaftlern sondern ein politischer Gipfel, wo sich Klimadiplomaten und Politiker treffen, um ein internationales Abkommen zu verhandeln! Das Forum zur Diskussion der Wissenschaft ist dagegen der IPCC.

  6. Ich glaube, dass in Paris relevante Fortschritte erreicht werden. Allerdings nicht, weil die Regierenden endlich auf die Umweltorganisationen oder die Klimaforscher hören, sondern weil die Militärs es von Ihnen verlangen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Peak Oil (geologisch + finanziell) heuer war, ist nämlich sehr groß. Dies wird sehr rasch zu noch größeren Konflikten führen. Das sind zwar keine erfreulichen Aussichten, aber Hauptsache beim Klimaschutz geht etwas weiter.

  7. In dem Artikel wird angegeben, dass der Anteil der erneuerbaren Energien 1914 (gemeint ist die Gesamtenergie, also nicht nur Strom) über 19% erreicht habe. Als Quelle wird der RENEWABLES 2015 GLOBAL STATUS REPORT angegeben. In demselben Bericht wird als Anteil der Erneuerbaren an der Gesamtenergie mit 22,8 angegeben. Ich zweifle diese Zahlen an. Den Anteil der Erneuerbaren verdankt man stark Wasser, Sonne und Wind. Diese tragen im Großen und Ganzen nur zur Stromgewinnung bei. Der Unterschied der beiden Zahlen muss viel größer sein. Tatsächlich findet man in anderen Quellen andere Zahlen. So zum Beispiel im Energiebericht Oktober 2015 des Bundeswirtschaftsministeriums. Nach diesem
    Bericht liegt der Anteil der Erneuerbaren weltweit Ende 2013 bei ca 12%. Verfolgt man die Daten über die Jahre hinweg genauer, so stellt man fest, dass dieser Anteil schon 1990 erreicht war, Er ist sogar ein wenig (zugegebenerweise mariginal) zurückgegangen. Übrigens liegt der Anteil Deutschlands mittlerweile in derselben Größenordnung. Er ging allerdings von einem viel niedrigeren Level aus. Etwas gehässig könnte man sagen, dass Deutschland mittlerweile Anschluss gefunden hat. Auch die sehr bejubelte imposante Zahl von 27% Reduktion der CO2-Emissionen in Deutschland muß relativiert werden. Ein wesentlicher Anteil dieser Reduktionen hängt mit dem Zusammenbruch des Ostblocks zusammen. Wer sich die Mühe macht und recherchiert, wie die Emissionen in Staaten des ehemaligen Ostblocks zurückgegangen sind, wird auf ähnliche Werte kommen. Aus diesen und anderen Gründen vermag ich in das “wir schaffen die 2 Grad”-Hurrageschrei nicht mit einzustimmen. Ich halte den Artikel von Herrn Rahmstorf für viel zu zweckoptimistisch.

    • Zustimmung: Nach IEA waren 2013 17% der Primär-Energie nichtfossilen Ursprungs, nach BP waren es 13%. Aufgeschlüsselt nach Brennstoff waren nach BP Statistical Review die Neuen Erneuerbaren 2013 für 2.2% der erzeugten Gesamtenergie verantwortlich, Wasserkraftwerke für 6.7% und AKW’s für 4.3%.

      Auch sonst stimme ich ihnen zu: Die 27% Reduktion der CO2-Emissionen in Deutschland (relativ zu 1990) sind zu einem wichtigen Teil dem Zusammenbruch der DDR anzurechnen.

      Fazit: Die Erneuerbaren spielen im Jahr 2015 weltweit noch keine wichtige Rolle und auch in Deutschland ist ihr Anteil noch nicht dominierend.

      • Der Anteil an der Primärenergie ist irreführend, es geht um den Anteil an der Endenergie (also an der, die wir wirklich nutzen). Um in einem Kohlekraftwerk mit 50% Wirkungsgrad (nur für ein einfaches Zahlenbeispiel) 1 kWh Strom zu erzeugen brauchen sie 2 kWh Primärenergie. Mit einem Windrad aber nur 1 kWh Primärenergie – der Strom ist dabei ja die Primärenergie, Strom wird direkt erzeugt. Deshalb sieht der Anteil der Erneuerbaren an der Primärenergie immer unrealistisch klein aus.
        Der Anteil des Zusammenbruchs der DDR an der Emissionsreduktion in Deutschland liegt ca. bei einem Drittel.

        • Herr Rahmstorf,, Sie haben recht, dass die Primärenergie als Berechnungsgrundlage Erneuerbare wie Windenenergie benachteiligt. Es ist aber eine solide gut definierte Größe, während Begriffe wie Endenergie oder neuerdings Bruttoendenergie interpretiert werden müssen. Keineswegs vergleichen darf man aber diese neuen Kennzahlen mit älteren Daten aus Zeitreihen, die sich immer auf den Anteil der Primärenergie bezogen haben. Nehmen wir als Beispiel den Anteil der Erneuerbaren an der Primärenergie, den ich mit 12%, ein anderer Kommentator mit 13% angegeben hat. Das entscheidende an dieser Zahl ist, dass sie seit 1990 konstant geblieben ist und daran änderte die Berechnungsgrundlage nichts. Vielleicht können wir uns auf folgende Formel einigen: Der Anteil der fossilen Energien liegt seit 1990 unverändert bei über 80%

        • Leute, die unsere Erfolge mit den Erneuerbaren Energien klein reden wollen, benutzen gerne den ungeeigneten Maßstab Primärenergie. Atomkraftwerke geben beispielsweise zwei Drittel der gewonnenen Energie als Abfallwärme in die Umwelt. Und so wird eine Kilowattstunde Atomstrom mit drei kWh Primärenergie verrechnet.
          Die Kohlekraftwerke in unserem Land haben einen Wirkungsgrad von knapp unter 40 Prozent. https://www.energie-lexikon.info/kohlekraftwerk.html [2.12.15]
          100 kWh Kohlestrom werden also mit 250 kWh Primärenergie gerechnet. Hinzu kommt noch, dass Gewinnung und Transport der Kohle energieintensiv sind und bis zu 10 Prozent der im Kohlekraftwerk gewonnenen Energie beanspruchen.
          Bei Photovoltaik wie Windkraft wird jede gewonnene kWh Strom mit auch einer kWh Primärenergie verrechnet. Man könnte ja auch die Energie des Lichts bzw. des Windes ansetzen, die dann nur zum geringeren Teil in Strom umgewandelt werden. So käme man auf beeindruckende aber unsinnige Primärenergiezahlen für diese beiden Erneuerbaren Energien.
          Und PV wie Windkraft verbrauchen im Unterschied zu Atom, Erdgas und Kohle keine eigene Energie, um ihren Treibstoff zu den Kraftwerken zu bringen.
          Raimund Kamm

    • Aus diesen und anderen Gründen vermag ich in das “wir schaffen die 2 Grad”-Hurrageschrei nicht mit einzustimmen.

      Man nennt das, glaube ich, “Zweck- Optimismus”^^

      Ich schliesse mich Ihrem Pessimismus uneingeschränkt an. Ich werde einfach das dumpfe Gefühl nicht los, dass die Kandidaten in Paris der harten Wirklichkeit um schlappe 40 Jahre hinterherschlendern… Wollten die in Paris der Wirklichkeit tatsächlich gerecht werden, dann würden sie, ganz bescheiden ein echtes Zeichen setzend, auf Pferden, Eseln, Fahrrädern oder zu Fuss dahin pilgern… stattdessen tanzen wie gewohnt die Polizeiknüppel… Allerdings wird sich Mutter Natur kaum von derlei Strategie beindrucken lassen 🙂

      Trotzdem:

      “Ganz fest Daumen drück”

  8. in Paris geht es weniger um das globale Klima, viel mehr um die Anhängigkeit von fossilen Energieträgern.

    Das Klima und dessen Änderungen ist doch nur ein Trittbrett, um ein Bewusstsein zu schaffen, welches die Unterstützung dieser teils gravierenden Maßnahmen sichern soll. Schon heute zahlen viele europäischen Haushalte pro Jahr mehrere hundert Euro für “CO2 Abgaben”, welche fälschlich als Umweltschutz deklariert werden und versteckt bei Strom oder PKW genau genommen einfach eine zusätzliche Steuerbelastung darstellen.

    Diese Ideologie wird offensichtlich, wenn man sich die globalen CO2 Emissionen ansieht, welche nach jeder Klimakonferenz und auch nach den so “erfolgreichen” Kyoto Beschlüssen immer weiter angestiegen sind. Seit Dekaden versucht man, eine Regelung zu finden, welche sich entwickelnden Ländern die Nutzung von Kohle, Öl und Gas möglichst unmöglich machen soll.. Weil die Industrienationen kaum nachkommen, den steigenden Energiebedarf sicher zu stellen, darf das auch was kosten und man sichert sich damit die knapper werdenden Ressourcen zum Eigenverbrauch.
    Das durchblicken freilich einige und somit kam bislang kein Abkommen zustande. Da die allermeisten Menschen keine Ahnung vom Klimasystem haben, glauben sie fast alles, was massenhaft über die Medien transportiert wird. Vieles davon sind maßlose Übertreibungen, kein gebildeter Menschen macht sich ernsthaft Sorgen wegen dem Klimawandel, viel berechtigter ist die Sorge um eine sichere Energieversorgung und eine sichere Gesellschaft im Allgemeinen. Das das PIK das Klima dramatisieren muss ist klar, aber bitte verstehen sie, wenn es Menschen gibt, welche den Klimawandel weit unaufgeregter betrachten.

    • Wenn ich Sie recht verstehe, geht es bei den Klimagipfeln also darum, dass die Industriestaaten sich die fossilen Ressourcen sichern wollen, indem sie den Entwicklungsländern deren Nutzung verbieten? Interessante Verschwörungstheorie – fragt sich nur, wieso beim Kyotoprotokoll nur die Industriestaaten zu Emissionsminderungen verpflichtet wurden (die sie übrigens in der Summe nicht nur eingehalten, sondern um 100% übertroffen haben)? Auch in jedem neuen Abkommen werden die Industriestaaten stärkere Emissionsreduktionen schultern.

      • Sind sie sicher das die Zahlen nicht nur auf dem Papier stehen? Warum sieht man in der CO2 Messung auf Hawai keine Delle durch unsere Einsparungen? Handelt es sich nicht eher um Rechentricks, wie ein Atrikel im Guardian nahelegt? Ich neige ja zum Pessimismus, denn die Menschheit, und gerade wir Deutschen, haben mit zwei Weltkriegen eindrucksvoll bewiesen wie dämlich, verantwortungslos und korrupt die Menschen und ihre Regierungen sind. Stimmt es übrigens das die nicht unwesentlichen Emissionen des Militärs garnicht betrachtet und erfaßt werden?

        • Der CO2-Gehalt der Atmosphäre zeigt natürlich keine Delle, weil die globalen Emissionen ja bis heute immer weiter gestiegen sind. Deshalb brauchen wir ja dringend die Wende, die Paris bringen soll. Was in den Industriestaaten eingespart wurde, wurde durch das rapide Wachstum in den Schwellenländern mehr als ausgeglichen.

          • Genau! Und so wird es ja wohl auch bleiben, denn eine Entkopplung von Wachstum und Energie sowie Rohstoffverbrauch ist ja nicht ernsthaft zu erwarten. Auch wird der Energieaufwand pro Tonne Rohstoffe in Zuknft anwachsen, da die ertragreichsten Lagerstätten längst geplündert sind. Aber alle paar Monate wird in Finanzblättern und der FAZ die Entkopplung gefeiert, wobei nur eine relative und keine absolute herbeigeschrieben werden kann ohne sofort unglaubwürdig zu wirken. Wir brauchen also bis 2050 einen kompletten Ersatz aller fossilen Brennstoffe und müssen noch ein Wirtschaftswachstum von 3..5% ermöglichen? Und das ohne den privaten Konsum zu begrenzen und das Militär zu verkleinern? Unmöglich.

          • Sehr geehrter A.Debus, eine Entkopplung zwischen Wachstum und Energie können wir heute schon in Industrieländern beobachten. Das Beispiel Deutschland in den letzten 25 Jahren wurde schon genannt. Je größer das wirtschaftliche Wachstum umso größer der Energieverbrauch, ist kein Naturgesetz. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Energieeffizienz, was eigentlich im ökonomischen Interesse jedes Unternehmen liegt.

            Übrigens denke ich nicht, dass man darüber diskutieren muss, OB der Verzicht auf fossile Brennstoffe kommen wird, sondern wann. Denn bliebe es beim Status Quo, dann geht die Schere zwischen Bedarf an Brennstoffen und Angebot immer weiter auseinander. Die Folge ist klar, eine Verteuerung der Brennstoffe, was jede alternative Technologie wieder ein stückweit attraktiver macht. Man kann sich eher fragen, ob man den Umstieg zu den Erneuerbaren Energien öffentlich beschleunigen sollte oder nicht.

      • vielleicht haben sie mal die Chance, mit den großen politischen Spierlern darüber zu sprechen. Glauben sie ernsthaft, es ginge denen mehr ums Klima, als um die Verteilung der fossilen Ressourcen bzw. der Gelder. Bitte, wenn sie meinen.
        Was bitte soll zu über 100% übertroffen worden sein? Die CO2 Emissionen der EU, USA sind seither in etwa gleich geblieben, gerade der Anteil an den globalen Emissionen ist etwas gesunken, klar, wenn andere wie China quasi explodieren.
        Da ja weniger die Staatskassen selbst geleert werden, sondern die der Bürger, kann man dort wo dies noch möglich ist auch zugreifen, bis zu einer gewissen Grenze freilich, welche in Deutschland bald erreicht sein wird.
        Viel Erfolg in Paris, mir ist es auch lieber, wir zahlen den ärmeren Ländern einige Milliarden und dafür müssen die dann so hohe Nebenkosten für Öl & Co zahlen, dass sie lieber darauf verzichten und wir den Rest verfeuern, denn wir können uns das ja leisten…
        http://www.vernunftkraft.de/globale-co-2-emissionen-nuchterne-zahlen/

        • Ich kenne die deutschen Verhandler seit vielen Jahren und konnte (da ich auf mehreren COPs dabei war) auch Verhandler aus einigen anderen Ländern kennenlernen. Und ja, denen geht es ernsthaft um Klimaschutz. Das sind auch Menschen, und ich denke jeder verantwortungsbewusste Mensch, dem die Zukunft seiner Kinder und Enkel nicht egal ist, wird versuchen diese existenzielle Bedrohung abzuwenden.
          Die 42 Kyoto-Unterzeichnerstaaten haben in der Summe 5% Emissionsreduktion versprochen und 10% erreicht (SZ vom 22.10.2014). Die Zahl für die EU steht oben in meinem Artikel.
          Wenn Sie Ihre Informationen von einer Website der Windkraftgegner holen sollten Sie vielleicht einmal darüber nachdenken, woher ihre Verschwörungstheorien kommen und was seriöse Informationsquellen sind?

    • Mich würde einmal interessieren, mit welcher Berechtigung Sie mich als “ungebildet” abqualifizieren und warum und in welchem Ausmaß Sie selbst eigentlich eine “Ahnung vom Klimasystem” oder energiepolitischen Fragen haben?

      Ich weiß nach zweimaligem Durchlesen Ihres Beitrags zwar immer noch nicht genau, was Sie eigentlich wollen, aber der Physik-Nobelpreisträger Robert Laughlin (Google: “Laughlin SPIEGEL Rostbraten”) hat sich zum Beispiel in seinem Buch “Der Letzte macht das Licht aus” weitgehend “klimafrei” sehr fundierte Gedanken über eine globale “Zukunft der Energie” und von Energiesystemen gemacht.

      Lesen Sie das jetzt mal ganz unideologisch, dann sind Sie eine zeitlang sinnvoll beschäftigt!

      Vermutlich werden Sie dann auch bald zur Erkenntnis gelangen, dass rein energiepolitisch vernünftige Zukunftsmaßnahmen sich kaum von solchen unterscheiden, wie sie etwa der Herr Rahmstor aus klimatologischen Gründen vorschlägt.

      • Daß jetzt kein falscher Eindruck entsteht. An Laughlin`s Thesen habe ich viel auszusetzen, zum Beispiel unterschätzt er den Faktor Klimawandel geradezu dramatisch. Aber er ist ein sehr origineller Kopf! Und er hat Humor!

        Bezogen auf Deutschland ist die AKW-Diskutiererei zum Glück für immer erledigt, international betrachtet, wird man die Auseinandersetzung aber führen müssen.

        Ich lebe gerade mal 180 Kilometer von einer ehemaligen Kernschmelze entfernt, da macht man sich schon seine kritischen Gedanken über diese Technologie.

        Welche Kernschmelze? Waren die nicht alle so beruhigend weit weg? Na, ich meine den Atomunfall vom 21. Januar 1969 in Lucens, im Schweizer Kanton Waadt! Ich finde es bedauerlich, daß solche Fakten allgemein zu wenig bekannt sind!

  9. Manchmal denke ich das der Klimawandel ein Mechanismus sein kann, eine dominierende aufstrebende Spezies zu vereinen, oder auch nicht. Der Mensch entwickelte sich im Holozän, nun haben wir die Rahmenbedingungen der Eem-Warmzeit (https://de.wikipedia.org/wiki/Eem-Warmzeit) wiederhergestellt, und drehen das Rad der Erdgeschichte aber immer weiter zurück, bis irgendwann wieder Bedingungen herrschen die das überleben unmöglich erscheinen lassen. Der Ausgang von unserem Experiment ist schon lange unberechenbar geworden, speziell wegen dem Tempo der Veränderungen.

    Der Natur ist es egal was in Paris beschlossen wird, was am Ende zählt ist der Kohlenstoffdioxid Gehalt in der Atmosphäre.

  10. @Rahmstorf

    Sie verweisen völlig zu Recht darauf, dass die Treibhausgasemissionen nicht nur aus dem Energiesektor kommen.

    Richtig, ca. 1/4 kommt aus der Stahl-, Beton-Herstellung und veränderten Landnutzung und nicht aus der Energieerzeugung…

    Wir emittieren derzeit soviel CO2 wie noch nie, ca. 37 GtCO2 pro Jahr. Rund 600 GtCO2 verbleiben nach Ihren Forschungsinstitut, dem PIK, um das 2°C-Ziel halten zu können.

    In 15 Jahren haben wird diese Schwelle überschritten.

    Dann wird es zu einer globalen Erderwärmung von über 2°C kommen.

    2°C global bedeuten ca. 8°C mehr in der Arktis, wie Eisbohrkerne aus Grönland aus der letzten Eem-Warmzeit zeigen, wo es global um ca. 2°C wärmer war und 8°C wärmer in der Arktis. Dann schmilzt der grönländische Eisschild unweigerlich ab … und der Meerespiegel steigt damit langfristig um 7 Meter an.

    Und auch das Eis in der Westantarktis ist dann nicht mehr zu halten und der Meerespiegel steigt um weitere 5 Meter an…

    Das Meereis in der Arktis verschwindet im Sommer dann auch ganz, ebenso viele Gletscher.

    Es gibt weniger Eis, welches die einfallende Sonneneinstrahlung reflektiert, die Erdalbedo sinkt und es wird unweigerlich dadurch noch wärmer, auch wenn kein CO2 mehr freigesetzt wird…

    Herr Rahmstorf, dass sind Ergebnisse des PIK… die Sie auch so auf Ihren Internetseiten darstellen.

    Es ist also klar, dass 2°C-Ziel ist nicht mehr zu halten, alleine dadurch das 1/4 der CO2-Emissionen aus der Stahl-, Beton-Herstellung und veränderten Landnutzung kommen … und diese Klima-Folgen werden nicht mehr aufzuhalten sein, wenn die Klimafolgenforschung Recht hat.

    Die Frage ist also, wann endlich stellt man die Strategie auf Anpassung um und forscht am Geoengeneering, wie z.B. den Eintrag von Schwefel in die Stratosphäre gemäß Paul Crutzen, um die Erde abzukühlen?

    Klimaschutz ist Zeitverschwendung und Geldverschwendung, wie die letzten 25 Jahre aufgezeigt haben.

    • Sie haben hier zumindest einen wichtigen Punkt falsch verstanden: ein CO2-Budget gilt immer für eine gewisse Wahrscheinlichkeit, unter 2 Grad zu bleiben – häufig wird eine Wahrscheinlichkeit von 2/3 angenommen. Wenn dieses Budget überschritten wird, wird es nicht unbedingt zu einer globalen Erwärmung von über 2 °C kommen, sondern dann liegt die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, bei mehr als 33%. Das Budget für eine Wahrscheinlichkeit von 50%, unter 2 °C zu bleiben, ist schon wesentlich größer als das für 66%. Und wenn man dieses 50:50 Budget emittiert hat und Pech hat (also die 50% Wahrscheinlichkeit eintritt, dass man über 2 °C landet), dann werden es 2,1 oder 2,2 °C sein, was ein gradueller Unterschied zu 2,0 °C ist. Also nicht alles zu schwarz sehen! Eine vernünftige Geoengineering-Option, die keine schlimmen Nebenwirkungen haben wird, gibt es nicht und wird es vermutlich auch nicht geben.

      • @Rahmstorf

        Das Budget für eine Wahrscheinlichkeit von 50%, unter 2 °C zu bleiben, ist schon wesentlich größer als das für 66%. Und wenn man dieses 50:50 Budget emittiert hat und Pech hat (also die 50% Wahrscheinlichkeit eintritt, dass man über 2 °C landet), dann werden es 2,1 oder 2,2 °C sein, was ein gradueller Unterschied zu 2,0 °C ist.

        Herr Rahmstorf, aktuell bleiben ca. 600 GtCO2, um das 2°C-Ziel mit 66% Wahrscheinlichkeit zu halten. Bei CO2-Emissionen von derzeit 37 GtCO2 pro Jahr haben wir das in 15-16 Jahren erreicht. Für ein 2°C-Ziel mit 50% Wahrscheinlichkeit sind es vielleicht etwas über 600 GtCO2… Wie viel genau, Sie müssten die Zahlen doch nennen können?

        Und bei 1.000 GtCO2, also in 25 Jahren hätten wir doch sicher mit einer Wahrscheinlichkeit von nahezu 100% die 2°C zu erwarten?

        Und dann tritt gemäß der Klimafolgenforschung genau das ein, was ich beschrieben habe ….. Eisschmelze in Grönland, der Westantarktis und der Gletscher mit 12 Meter und mehr Meeresspiegelanstieg und weiterer Erwärmung da das Eis die Sonneneinstrahlung nicht mehr reflektiert …..

        Die CO2-Emissionen steigen unterdessen weltweit weiter an und nehmen trotz aller Bemühungen der letzten 25 Jahre nicht ab ……..

        Ihr Kollege und Nobelpreisträger Paul Crutzen hat die Geoengineering-Option ausgearbeitet Schwefel in die Stratosphäre zur “Abschattung” und Kühlung einzutragen. Das das funktioniert ist durch die Vulkanausbrüche Agung, El Chichon und Pinatubo gut belegt …. und auch relativ kostengünstig zu machen… U.a. über einen Schlauch, der mit einen Wetterballon von der Erde in die Stratosphäre reicht und über den der Schwefel in die Stratosphäre eingetragen wird …

        • … was dann nach diversen Studien auf kaum vorhersehbare Weise die Niederschlagsverteilung ändert und durch Abschattung der Sonne die Photosynthese beeinträchtigt und Ernteerträge senkt, usw.
          Die Budgets für unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten hab ich nicht zur Hand und müsste ich jetzt auch erst suchen – vielleicht machen Sie’s selbst? Oder einer unserer Leser?

          • So ich habe jetzt die Zahlen nach Meinshausen 2009 (PIK) nachgeschlagen.

            Im Jahr 2009 waren 1.000 GtCO2 bis 2050 übrig, um die 2°C mit 75% Wahrscheinlichkeit zu halten… und 1.440 GtCO2 um die 2°C mit 50% Wahrscheinlichkeit zu halten. Bei über 1.600 GtCO2 wird es unwahrscheinlich die 2°C noch zu halten.

            Seit dem Jahr 2000 wurden schon 500 GtCO2 freigesetzt. Es verbleiben also nur noch 500 GtCO2 bis 2050 für ein 25% Risiko. Bei derzeit 37 GtCO2 pro Jahr haben wir das in 13 Jahren erreicht. 940 GtCO2 verbleiben für ein 50:50 Risiko. Das haben wir in 25 Jahren erreicht. 1.100 GtCO2 verbleiben, damit es unwahrscheinlich wird die 2°C zu halten. Das haben wir in 30 Jahren erreicht.

            Im Jahr 2045 ist also der Ofen an brennen …….

            Alleine seit Beginn der Klimaschutzverhandlungen vor 20 Jahren sind die CO2-Emissionen von 25 GtCO2 auf 37 GtCO2 angestiegen ………… Tendenz weiter steigend…

            Somit wird die 2°C-Grenze vermutlich noch früher überschritten ………..


          • Paper zu Geoengineering (SRM und andere Methoden):

            Fighting global warming by climate engineering: Is the Earth radiation management and the solar radiation management any option for fighting climate change?

            2.2. Sulfate aerosols

            The two main problems are acid rain creation and probable damage of the ozone layer…

            Among several other critics to the use of sulfates in the stratosphere, there is the need to deliver every year at least one million ton of SO2 using thousands of balloons, planes or rockets, costing between $25 and $50 billion annually and having to be maintained continuously. Also a change in overall rain patterns and a non-uniform cooling effect obtained over the entire Earth with winners and losers is among the drawbacks, together with the non-resolution of the problem of ocean acidification.
            The addictive character of this techno-fix will not encourage decreasing our CO2 emissions and if stopping this geoengineering scheme was mandatory for whatever reason (unexpected effects, financial crisis…), the stratospheric sulfate sunshade would rapidly lift and several decades’ worth of warming would hit the Earth and all living organisms with no left time for adaptation.

            One of the greatest fears for the opponents to CE comes from the fact that due to the relatively low cost of SRM (compared to CDR) and potential to act quickly (e.g. like after the Pinatubo eruption), SRM may be adopted by some governments without consulting other countries, as in this particular case national policies have international effects. GE attempts made by some countries may conduct their neighbors to perceive them as rogue states…

            http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1364032113008460

            Siehe zB auch:

            NASA: Geoengineering and Climate Inervention: What we need to know

            https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=EsKfD0-sFzA

            http://www.srmgi.org/

            http://tinyurl.com/kkt78f9

          • “Greenhouse-gas emission targets for limiting global warming to 2° C”, Nature Letters, Meinshausen et al. (2009):
            Wahrscheinlichkeit, + 2°C einzuhalten / CO2-Emissionsbudget ab 1. Jan 2000 / 2007 in Gt CO2 / Jahr der Budget-Ausschöpfung bei hypothetisch konstant bleibenden 2000-2006 Emissionsraten
            80% / 890 / 656 / 2024
            75% / 1000 / 766 / 2027
            50% / 1440 / 1206 / 2039

        • @Stefan Otto

          “Eisschmelze in Grönland, der Westantarktis und der Gletscher mit 12 Meter und mehr Meeresspiegelanstieg und weiterer Erwärmung da das Eis die Sonneneinstrahlung nicht mehr reflektiert …..”

          leider sind solche Angaben ziemlich sinnlos, wenn keine Zeitperspektive genannt wird – was allerdings meinem Eindruck nach in fast allen populären Darstellungen der Presse allerdings ebenfalls nicht geschieht.
          Bitte antworten Sie nicht “das kann man nicht genau sagen”, – klar kann man das nicht, eine wie ungenau auch immer einzuschätzende Abschätzung (worst case) genügt völlig.

        • Geoengineering war auch ein Thema in dieser arte-doku: http://www.arte.tv/guide/de/051152-000/die-klimagoetter

          Da wurde auch die Sache mit dem Schwefeleintrag in die Stratosphäre diskutiert. Es wurde gezeigt, daß es laut den Modellen tatsächlich klappen würde. Man hat, wenn ich mich recht erinnere, das über einen Zeitraum von 50 Jahren simuliert.
          Der Pferdefuß: Man kann nicht mehr mit dem Schwefeleintrag aufhören. Denn dann würden die Temperaturen sofort steil ansteigen und innerhalb kürzester Zeit wesentlich höher liegen, als wenn man nichts gemacht hätte.

      • Die 66% bedeuten aber auch, daß wir mit einer Chance von 1:3 über die 2 Grad hinüber rutschen, selbst wenn wir das Budget einhalten…

    • @Stefan Otto

      “Dann schmilzt der grönländische Eisschild unweigerlich ab … und der Meerespiegel steigt damit langfristig um 7 Meter an.

      Und auch das Eis in der Westantarktis ist dann nicht mehr zu halten und der Meerespiegel steigt um weitere 5 Meter an…”

      hier fehlt allerdings (wie in populären Darstellungen meinem Eindruck nach so gut wie immer) eine Angabe darüber, wie die Zeitperspektive für eine solche Entwicklung (worst case) aussehen könnte.

      Bitte nicht antworten “kann man nicht genau sagen” – klar kann man es nicht genau sagen, aber sagen sie es dann eben sehr sehr ungenau.

  11. Danke für die optimistische Perspektive. Aber was halten Sie von Kevin Anderson’s Kritik?
    http://kevinanderson.info/blog/duality-in-climate-science/

    (Meine Kritik an Anderson wäre, das CO2-Sequestrierende Landwirtschaft seit der Steinzeit bekannt war: Terra Preta. Man könnte die Emissionen der Landwirtschaft also leicht umdrehen. Ganz einfach indem man jede Biomasse-Heizung auf Pyroylse umstellt, dabei auf 15% der Energie verzichtet, und die gewonnene Holzkohle in Gülle mariniert und dann verbuddelt. Holzkohle verrottet nicht, voila: CO2 sequestriert. Ich halte das für die einzige Chance, die unumgängliche Landwirtschaft der Zukunft – falls der Homo Sapiens an einer Zukunft interessiert ist.)

    • Interessante Idee, aber wenn man das in der erforderlichen Größenordnung tun würde (einige oder sogar Dutzende Gt / Jahr), dafür gäbe es nicht mal annähernd genug Lagerstätten und das “Verbuddeln” dass sie Ansprechen wäre seinerseits sehr energieaufwändig. Also was tun, die Kohle im Ozean verklappen oder Kohledeponieberge auftürmen, die das Risiko potentiell unlöschbarer Brände (vgl. brennende Kohleflöze) beinhalten?

      • Las gerade dass bei Terra Pretta die Kohle in den Ackerboden gemischt wird. Allerdings führt das zumindest laut Wikipedia nur zu einer Netto-Kohlestoffaufnahme in tropischen, mageren Böden mit 190 t C / ha gegenüber dem vorigen Zustand. Damit könnten wir unsere Emissionen mehrerer Jahrzehnte binden, könnte man das auf sämtlichen tropischen landwirtschaftlich genutzten Flächen umsetzen. Das ist ja schon was.


  12. Auch RWE reiht sich nun, wie im letzten Jahr bereits E.ON, in die Riege der Ökostrom-Nutzniesser ein- Zufall?

    1.12.2015 – Vorbild E.ON? RWE will Konzern aufspalten

    RWE spaltet sich in zwei Teile auf: Der Mutterkonzern soll weiterhin konventionell Strom erzeugen, eine Tochtergesellschaft wird in das Geschäft mit Ökostrom, Stromnetzen und de Vertrieb einsteigen. Vor einem Jahr hatte Konkurrent E.ON einen ähnlichen Schritt vollzogen…

    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/rwe-115.html

    Doublethink-Strategy- ein mutiger Spagat 🙂

  13. Hier eine aktuelle Diskussionsrunde im Rahmen der Klimakonferenz Paris 2015 mit Fritz Vahrenholt und Jürgen Trittin. Herr Varenholt (ehemals RWE) demontiert sich hier in unnachahmlicher Weise selbst:

    30.11.2015 – Der Klimawandel: Das VERDRÄNGTE Risiko

    https://www.youtube.com/watch?v=Junh1nqw95U

    Der Ansatz von Herrn Vahrenholt lautet in etwa:

    CO2 ist nicht böse, nein, weil die Sahelzone ergrünt… aber die bösen Chinesen, die blasen unerhört viel CO2 in die Luft… ja, auch ich bin der Ansicht, die CO2-Emissionen sollten reduziert werden, aber die Kohlekraftwerke müssen weiterlaufen usw usw usw…

    🙂

    • Phönix hielt ich bisher für einen der seriösesten Sender, mit vergleichsweise guten Journalisten und Moderatoren. Was die sich aber dabei gedacht haben den begnadeten Verkäufer Vahrenholt, einzuladen ist mir ein Rätsel. Immerhin gab es mit Jürgen Trittin den passenden Widerpart, der alle Verkäufertricks schon kennt.

        • Warum geht einer unvorbereitet in eine solche Diskussion, lässt sich rhetorisch verprügeln und erträgt dabei ohne Gegenwehr auch noch Trittins unpassendes sardonisches Grinsen?

          Vahrenholt ist ja durchaus von seiner ganzen Biografie her ein ernstzunehmender Mann. Der kann was, der hat etwas geleistet, der hat im Unterschied zu den Eike-Leuten ein Verständnis für komplexe Systeme, größere Zusammenhänge und für die wissenschaftliche Methode. Ich hatte durchaus das Gefühl, dass Herr Vahrenholt mittlerweile nach einer Art Exit-Stategie sucht, dass der sich in seinem selbstgebastelten Kalte-Sonnen-Gefängnis nicht mehr so wohl fühlt. Er anerkennt ja immerhin die Folgen von anthropogenem CO2 und ist bei seiner Schätzung der Temperaturwirkung gar nicht so weit von der Untergrenze des IPCC entfernt.

          Man müsste zumindest ernsthaft mit Vahrenholt diskutieren, dann würde der sich vermutlich weiter auf die seriöse Klimaforschung zubewegen. Die “Kalte Sonne” habe ich (als gelernter Ökonom und ausgeprägter Kritischer Rationalist) von Anfang an als eine Steigerung von “Kalter Kaffee” und “Kalte Fusion” empfunden. Ich habe das Buch bereits nach fünf Minuten Blättern zurückgelegt, ich habe keine Zeit zu verschwenden, über die Website zum Beispiel des Kiepenheuer-Instituts für Sonnenphysik habe ich sofort (von Fachleuten erstellte) solidere und bessere Informationen bekommen.

          Eine zentral bedeutende Motivation menschlichen Handelns ist das Streben nach Anerkennung! Das, und die spezifische Ausgestaltung des limbischen Systems unseres Gehirns, führen leider oft dazu, dass Menschen sich ganz schnell in irgendwelche Glaubenssysteme oder Ideologien verrennen. Manchen gelingt es aber auch, sich davon wieder zu befreien!

          Ich war bisher ein großer Vahrenholt-Basher, eigentlich ist er mir nach der Sendung jetzt etwas verständlicher und sympathischer geworden!

          • Das mit dem “als gelernter Ökonom” würde ich gerne streichen, ich habe eigentlich “occams razor” als ein letztlich “ökonomisches” (i.S. einer fundamentalen Eigenschaft der Natur) Beurteilungsprinzip gemeint.

        • Herr Vahrenholt beruft sich in der DIskussion auch auf Herrn von Storch. Wie ist es möglich, dass zwei, drei solcher Figuren eine derartige Auswirkung in den Medien bzw auf die öffentliche Meinung haben? Vahrenholt ist Chemiker und hat nie auch nur ein einziges wissenschaftliches Paper zum Klimawandel veröffentlicht, stattdessen beruft er sich immer wieder auf sein Buch “Die kalte Sonne”, in dem er angeblich “nachgewiesen hat”… witzig auch das hier:

          29.9.2015 – German Scientists: Models Showing Bitter Winters Are Ahead For Europe …Current Solar Cycle Weakest In 200 Years

          By P Gosselin on 29. September 2015
          The sun in August 2015 and the climatic UV amplifier in the stratosphere

          By Frank Bosse and Fritz Vahrenholt

          http://tinyurl.com/n9zqcrz

          Der Mann widerspricht sich in jeder seiner Aussagen selbst. Wenn ich mir die letzten beiden “Winter” vergewärtige und einen Blick auf die aktuellen Temperaturen (3.12.) werfe, dann kann ich nicht wirklich bittere Kälte erkennen:

          http://www.bernd-hussing.de/TT03.jpg

          Wieder alles Lila, eine Abweichung um +6.87K vom Mittel! Ich wäre dafür, Herrn Vahrenholt auf eine Bananenplantage nach Nordgrönland zu schicken 🙂

    • @Nemesis
      Ich sehe es auch so, Vahrenholt demontierte sich selbst, sofern da noch etwas zu demontieren ist. Dem Mann ist, seitdem er öffentlich als Klima- und Energiewendeskeptiker in Erscheinung tritt also seit mehreren Jahren, außer den üblichen Kampfbegriffen nicht neues eingefallen, so faktenorientiert er sich auch gab: alsda waren die Erwärmungspause, die Sonne, der kleine Mann und last not least die Kugel Eis…

      • Tja, ich weiss wirklich nicht, ob ich lachen oder heulen soll, angesichts der Tatsache, dass es solche Leute sind, denen es jahrzehntelang zugunsten ihres schnöden, pekuniären Vorteils gelungen ist, jede vernünftige Klimapolitik im Keim zu ersticken. Am Ende werden auch die Profieure, Leugner, Skeptiker usw realisieren, dass auch sie und ihre Nachkommen für diese Strategie teuer bezahlen werden.

        • Nö, die werden das nie realisieren. Die haben nämlich längst mit der Realität abgeschlossen.
          Bei Vahrenholt gehts sicher nicht mehr ums Geld. Das war vielleicht am Anfang so. Aber keiner will ja ein schlechter Mensch sein. Also schafft man sich eine neue Realität.
          Diese Leute glauben wirklich dran!

          P.S.: Bei Vahrenholt und den meisten anderen besteht schon rein altersmäßig kaum eine Gefahr, der Realität zumindest theoretisch jemals ins Auge sehen zu müssen. Bei Lüning allerdings sieht das anders aus. Der hat ja auch Kinder, die ihm das womöglich mal um die Ohren hauen könnten.

  14. @Nemesis: ja, ich glaub auch, dass wir etwa 25-40 Jahre zu langsam sind.
    An die gewaltigen, aber notwendigen Paradigmenwechsel in unser aller Köpfen und ein rechtzeitiges, entschlossenes, global orchestriertes Handeln glaube ich nicht. Aber natürlich müssen wir alles daran setzen es zu versuchen.
    Parallel sollte es eine art Manhattan Projekt für Fusionsreaktoren geben. Mit genügend nicht fossiler Energie hat man – mit viel Glück – vielleicht die Chance Athmosphäre und Meere wieder zu dekarbonisieren.


    • @ralph

      Tja, der nötige Paradigmenwechsel wurde leider mit aller Gewalt von der Wirtschaft verdrängt, verunmöglicht. Alleine wenn ich an den VW Skandal denke, wird mir schwindelig- zu den Auswirkungen der Diesel- Emissionen siehe ua:

      Scents and sense ability: Diesels fumes alter half the flower smells bees need

      http://www.sciencedaily.com/releases/2015/10/151019085821.htm

      Oder die Methan- Lecks der Fracking-Industrie in den USA. Die haben ihren Kontinent regelrecht PERFORIERT mit Fracking. Wie wollen die Amerikaner angesichts der horrenden Methan- Emissionen in Ihrem Land ihre CO2- Ziele erreichen?!

      Wer wissen will, wie es um das Paradigma des modernen Menschen in den Industrieländern steht, der braucht nur einen Blick in die Glotze werfen (ich habe seit Ewigkeiten keine Glotze, sehe es aber bei Bekannten):

      Da wird Hyperkonsum gefeiert, als gäbs kein Morgen.

      Alleine der alljährliche Weihnachts- Konsumrausch hat mir schon vor Jahrzehnten jedwede Weihnachstanwandlung vergrault. Wirklich:

      Wer wissen will, wie es um unsere Welt bestellt ist, der braucht bloss einen Blick in die Glotze oder in die Supermärkte werfen. Und die Autoschlangen vor unserem Haus werden immer krasser und man sieht immer mehr SUV, hahaha ;-D , ich halt das nicht mehr aus! Meine ehrliche, ungeschminkte Meinung zur Zukunft des modernen Menschen:

      FINITO.

      http://abreathofsimplicity.com/wp-content/uploads/2012/10/Consumerism1.jpg

      • “der nötige Paradigmenwechsel wurde leider mit aller Gewalt von der Wirtschaft verdrängt, verunmöglicht”
        Das triffts nicht ganz.
        Gerade in Demokratien müssen Paradigmenwechsel zuerst in den Köpfen der Wähler stattfinden. Erst dann kann Politik nachhaltige Rahmenbedingungen für Wirtschaft vorgeben ohne sofort abgewählt zu weden.
        Es gibt ja schon die These, dass demokratische Prozesse zu langsam sind um den Klimawandel aufzuhalten. Pech gehabt.
        Ansonsten teile ich Ihre Stimmungslage zum absurden Konsumwahn allenthalben. Schlimmer noch finde ich den gar nicht als ùbertrieben wargenommenen “normalen” westlichen Lebensstil. Ich fürchte, dass in Mitteleuropa selbst ein bescheidener nicht autofahrender Veganer, der niemals mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegt immer noch auf zu grossem Fuss lebt:
        http://www.footprint-deutschland.de

        • Tja also wenn ich trotz massivsten Konsumverzicht, trotz der Tatsache, dass ich am untersten Rand der Konsumgesellschaft lebe (während andere lustig weiter SUV fahren und Hyperkonsum betreiben) und keine weiteren Konsumenten in die Welt gesetzt habe, wenn ich also trotzdem noch zuviel konsumiere, dann bleibt mir wohl nur noch der Selbstmord. Allerdings bezweifle ich, dass dann die Konsumherde aufhören wird mit ihrem Hyperkonsum. Ich habe vor wenigen Tagen einen SUV Fahrer auf der Strasse auf den Klimawandel angesprochen, der empfand das als Beleidigung und hat mich übelst beschimpft ! Da draussen gibt es jede Menge Leute, die sich einen Dreck um die Umwelt scheren und mich frei raus AUSLACHEN wegen meines Konsumverzichts ! Fangen SIe doch bitte dort an, aufzuklären 🙂 …

          Doppelmoral beim Klimawandel

          https://www.youtube.com/watch?v=aibXTtdO274

          • Die Diskussionen um die Emissionen des eigenen Lebensstils kann man durchaus sinnvoll und quantitativ führen: in dem man etwa den CO2-Rechner des Umweltbundesamtes nimmt. Man kann da viel erreichen, wird allerdings alleine durch Lebensstil-Entscheidungen die Emissionen nicht auf Null bekommen. Dazu sind auch politische Entscheidungen notwendig, was unser Energiesystem, Verkehr und Landwirtschaft angeht.

          • @Stefan Rahmstorf

            Ich stimme Ihnen zu, alleine wird man die Emissionen nicht auf Null bekommen. Für mich persönlich war und ist allerdings die Eigenverantwortung sehr wichtig, denn da kann ich selbst entscheiden, während ich auf die Politik leider nur sehr wenig Einfluss habe,

        • @ralph

          Ich fürchte, dass in Mitteleuropa selbst ein bescheidener nicht autofahrender Veganer, der niemals mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegt immer noch auf zu grossem Fuss lebt…

          Übrigens:

          Wenn wir ohne Auto, ohne Fliegerei. ohne Fleischkonsum ect immer noch zuviel konsumieren, dann bleibt aber noch VERDAMMT VIEL zu tun in Europa, nicht wahr? Worauf könnte ich denn Ihrer Ansicht nach noch verzichten? Ich habe kein Auto, ich fliege nicht, mein Fleischkonsum beschränkt sich auf etwa 100gr die Woche, ich besitze eine Hose, ein paar Schuhe, kein Haus, kein TV, ich feiere kein Weihnachten, kein Ostern, kein Geburtstag, rein garnichts. Ich benutze einen einzigen Heizkörper in meiner kleinen Wohnung. Und Kinder, also weitere Konsumenten, habe ich auch nicht in die Welt gesetzt. Und ich bin auch noch so unverschämt, mich FREI und wohl dabei zu fühlen^^ Und das, wohlgemerkt, während andere zum Teil zwei Autos besitzen und zwei- dreimal im Jahr in Urlaub fliegen. Es gibt Leute in Deutschland, deren Kleidungsausstattung allein mehrere tausend oder zigtausend Euro wert ist, deren Haus so gross ist, dass meine winzige Wohnung zigmal hineinpasst usw usw usw^^… Merken Sie was? Wie soll das alles aufgehen? Wohin wird das alles führen?

          Also, was schlagen Sie vor? Worauf könnte ich noch verzichten?

    • @ralph

      Ich würde ja übrigens gerne an Fusionsreaktoren glauben, aber diese Technologie ist nun schon derart oft angekündigt worden, ohne dass ernsthaft dabei heraus kam.

      Ich sehe das Problem wirklich im modernen, kapitalistischen Paradigma. Ich bin gewiss kein Kommunist oÄ, ich sehe das rein technisch, abstrakt. Das Wirtschaftssystem ist so ausgelegt, dass der gnadenlose, nach kurzfristigem, schnödem, monetärem Gewinn strebende Einzelne belohnt, privilegiert wird. Das kann in einer globalen Gesellschaft, die vollständig von den begrenzten Ressourcen abhängt, die der Planet zur Verfügung stellt, einfach nicht funktionieren. Das gersamte System müsste vom Kopf auf die Füsse gestellt werden. Das jedoch erfordert unter anderem dringenst globale, wirtschaftliche, soziale Gerechtigkeit. Es geht um eine gleichmässige Verteilung der Güter, insbesondere der Energie, die DEzentral produziert werden müsste. Das Energiemonopol liegt jedoch in den Händen der Multinationalen Energiekonzerne, es liegt letztlich in den Händen des “militärisch-industriellen Komplex”, wie es Eisenhower vor vielen Jahrzehnen mahnend formuliert hat. Es geht um Macht, globale Macht, es geht um die gesamte Pyramidenstruktur der globalen Ökonomie und Gesellschaft. Und es fällt mir leider genauso schwer, da an eine 180° Kehrtwende zu glauben, wie an den Weihnachtsmann oder an den Osterhasen zu glauben.

      Wenn da wirklich, wider meine Erwartung, die dringend notwendige 180°- Kehrtwende stattfinden sollte, dann bin auch bereit, an den Weihnachtsmann und den Osterhasen zu glauben, vorher nicht. Die Technik allein wird uns da sicher nicht aus dem Schlamassel helfen. Es geht letztlich um ethische Fragen und die lassen sich nunmal nicht mithilfe der Technik lösen. DIe Propheten der Technik verkünden seit weiss ich nicht wie lange das Mantra der technischen Lösungen, der technischen Kontrolle, aber wenn man genau hinsieht, bewegen wir uns immer weiter weg. vom wirkichen Fortschritt des Menschen, hin zu einem alles verschlingenden, globalen Monster. Die Technik wird im Grunde missbraucht, um ethische Fragestellungen zu umgehen. Und das geht auf Dauer böse nach hinten los.

      • Hallo Nemesis, ich kann ihre Skepsis, dass ein marktwirtschaftliches System einen solchen Wandel hinbekommt, durchaus nachvollziehen. Ich würde aber trotzdem etwas Optimismus in den Tee schütten. 😉 Alles was Sie sagen, kann man auch auf die Umweltproblematik übertragen. In einem Wirtschaftssystem, wo es nur um den kurzfristigen, schnöden, monetären Gewinn geht, ist eine umweltschonende Nutzung der Ressourcen nur schwer vorstellbar. Trotzdem haben es viele Industrieländer vorgemacht und haben heute eine saubere Umwelt, als noch vor 20-30 Jahren. Wir sind nicht völlig von den Launen der Marktwirtschaft abhängig, sondern wir können die Rahmenbedingungen gestalten. Wie oft wurde 1-2 Generationen vor uns gesagt, dass wir uns einen größeren Umweltschutz nicht leisten können und das zig Millionen Arbeitsplätze kosten wird. Irgendwann wurde den Akteuren klar, ohne Umweltschutz laufen wir erst recht in eine Kostenfalle hinein. Es fand ein Umdenken statt.

        Ich würde den gewachsenen Umweltschutz in vielen Bereichen als Mutmacher sehen, weil viele Problemstellungen ähnlich dem zum Klimaschutz sind.

        • @S. Hader

          Ich würde Ihren Optimismus nur zu gern teilen. Angesichts der globalen, bisherigen Realpolitik gelingt mir das jedoch leider nicht. Ich verweise an dieser Stelle auf meine Antwort vom 7.12.2015 an ralph (weiter unten in diesem Thread)…

  15. Krykonit und Gletscherschwund :
    dieser Kommentar richtet sich nicht an die Experten in diesem Forum, die teilweise jeden Meereswassertropfen persönlich kennen, sondern an mit unterschiedlichem Wissen über Klimaphänomene ausgestatteten Laien wie Jürgen Bucher, Nemesis, Maggi und Sabine M. (gute
    Kommentare von Ihnen, Frau M.). Jürgen Bucher, Nemesis und Maggi sind mir bei aller Sympathie zu unwissenschaftlich. Damit meine ich, dass Sie zur Erklärung von Phänomenen wie übrigens auch die meisten Journalist*innen nur CO2 als Grund alles Übels ansehen und über andere Ursachen nicht einmal Bescheid wissen und nicht einmal nachdenken . Dies finde ich bedenklich, selbst wenn die AGW Theorie 100 %ig richtig sein sollte. Daher folgende Information an Sie zum Nachdenken :
    In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die durch den Ausbruch des Tambora noch um einige Jahre verlängerte Kleine Eiszeit zu Ende. Gleichzeitig mit der dann beginnenden natürlichen Erwärmung ging die Industrialisierung Europas stark voran . Das Fatale daran waren in Bezug auf Gletscherschwund nicht primär CO2 – Emissionen sondern die verstärkte Freisetzung von Russpartikeln (Teil von Krykonit), die sich z.B. zunächst auf den Alpengletschern niedergeschlagen haben. Deshalb erfolgte auch dort der erste Gletscherschwund. Als man eine gute Filtertechnik einführte, ging der Gletscherschwund zurück. Durch verstärkten Verkehr durch Fahrzeuge mit Russemissionen verstärkte sich das Problem allerdings wieder. Langer Rede kurzer Sinn : Selbst ohne verstärkte CO2 – Emissionen hätte also die Reduzierung von Gletschern stattgefunden. Und nun würde ich mich sehr freuen, wenn Sie zumindest über Krykonit und Gletscherschwund einmal nachdenken ohne gleich zu überlegen, wie Sie mich vom Gegenteil überzeugen können ! Herr Stefan Rahmstorf, tun Sie mir bitte den Gefallen, erst dann auf diesen Kommentar zu antworten, wenn die anderen sich schon geäußert haben – Sie können meinen Kommentar dann, wenn Sie es für nötig halten, in der Luft zerreißen aber ich möchte , dass zumindest die anderen Kommentatoren ihre eigenen Überlegungen darüber anstellen ! Danke !!!!
    An die anderen : Ich habe eine gute Meinung von Ihnen und will Ihnen helfen : Herr Bucher will z.B. der Alexander von Humboldt des 21. Jahrhunderts werden – damit dies überhaupt den Hauch einer Chance auf Erfolg hat, sollte er sich über diesen Kommentar von mir besonders freuen !
    MfG, Horst Denzer

    • Der Zusammenhang Kryonit-Gletscherschwund ist zwar interessant. Aber der Gletscherschwund scheint mir im Kontext der gegenwärtigen Klimaerwärmung nur ein Randproblem zu sein. Er ist eines von sehr vielen Symptomen.

    • @Horst Denzer

      : Selbst ohne verstärkte CO2 – Emissionen hätte also die Reduzierung von Gletschern stattgefunden. Und nun würde ich mich sehr freuen, wenn Sie zumindest über Krykonit und Gletscherschwund einmal nachdenken…

      Sehr geehrter Herr Denzer,

      Sie bringen hier ein typisches Denier/Sceptic- “Argument”. Folgender Verweis möge Ihnen als wissenschaftliche Antwort genügen:

      http://www.skepticalscience.com/soot-global-warming.htm

      Bezüglich etwaiger weiterer Denier/Sceptic- “Arguments” siehe bitte hier:

      http://www.skepticalscience.com/argument.php

      MfG,
      Nemesis

    • “Damit meine ich, dass Sie zur Erklärung von Phänomenen wie übrigens auch die meisten Journalist*innen nur CO2 als Grund alles Übels ansehen und über andere Ursachen nicht einmal Bescheid wissen und nicht einmal nachdenken .”

      Woher wollen Sie das denn eigentlich so genau wissen, Herr Oberlehrer?

  16. “Auch die Wirtschaft der Europäischen Union als Ganzes ist um rund 45% gewachsen, während die Emissionen um etwa ein Fünftel gesunken sind. ”

    Dabei muss faier Weise darauf hingewiesen werden, dass durch die Produktion im Ausland Emissionen verlagert werden.

    • Das ist richtig; umgekehrt exportiert die EU Produkte, die dadurch emissionsärmer hergestellt werden, als es ansonsten außerhalb der EU der Fall gewesen wäre. Beides sollte man berücksichtigen, also die Import- und Exportströme von Produkten und die damit zusammenhängenden Emissionen. Eine Studie in Nature Climate Change hat das diesen Mai getan. Nach Berücksichtigung dieser Import-/Exportbilanz der Emissionen steht die EU etwas günstiger da, als wenn man einfach nur die innerhalb der EU entstehenden Emissionen rechnet.

  17. @Nemesis
    Keiner Ihrer Sichtweisen möchte ich direkt widersprechen.
    Aber wie schon angedeutet, sehe ich das Problem nicht im Wirtschaftssystem, sondern in der Natur des Menschen und des Lebens an sich, als vorläufiges Ergebnis evolutionärer Prozesse.

    Ganz wie Sie, bin ich der Meinung, dass es darum geht, Ressourcen und Arbeit global gleichmäßiger zu verteilen. (Ich schreibe ganz bewusst “gleichmäßiger” und nicht “gerechter”, denn ethische Debatten halte ich angesichts der drängenden Probleme – und nicht nur deshalb – überhaupt nicht für zielführend.)
    Mit Ressourcen meine ich insbesondere auch die Inanspruchnahme und Belastung der gemeinsamen, begrenzten Ressourcen wie Atmosphäre, Ozeane, Regenwälder, Flüsse, Agrarflächen usw.
    Das gegenwärtige Wirtschaftssystem halte ich durchaus für geeignet, um eine gleichmäßigere Verteilung zu erreichen. Ökonomie und Ökologie als Antagonisten zu begreifen halte ich für völlig verfehlt.
    Versteckte Kosten müssen aber (irgendwie) in jedes Produkt, jede Dienstleistung eingepreist werden. Vom Prinzip her muss eine Art Nachhaltigkeitssteuer oben drauf. Nur wenn beim Verbraucher ALLE versteckten Kosten ungebremst ankommen, macht es für ihn Sinn nachhaltig einzukaufen und zu leben. Andersherum lohnt es sich dann für die Industrie nachhaltig zu produzieren um konkurrenzfähig zu bleiben.
    Diese Nachhaltigkeitskosten wären von Anfang an sehr hoch und müssten jährlich steigen. Das müssten die Menschen erstmal einsehen. Hilfreich dafür wäre es, zu begreifen was man alles NICHT brauch und vor allem nicht braucht um glücklicher und besser zu leben. Ich schätze das ist erstaunlich viel.
    (Jemand der gerade mit dem nacktem Leben aus einem armen Land oder einem Kriegsgebiet geflohen ist, mag das deutlicher sehen als Unsereiner. Aber dann kommt unser unflexibler Behörden und Verwaltungsapparat aus dem 18. Jahrhundert mit all den Vorschriften, Regelungen und Mindeststandards….)

    Gerade die Globalisierung und die neueren technischen Trends, Vernetzung, Automatisierung, Verlagerung von Arbeit und letztlich das Verschwinden nicht nur traditioneller Arbeitsplätze, sondern auch immer mehr höher qualifizierter Arbeitsplätze bergen durchaus jede Menge Chancen und zugleich Zwänge für eine vernünftigere Verteilung von Ressourcen und Arbeit. Sehr vieles muss sich dafür zuerst in den Köpfen von uns allen ändern.
    Mir ist es völlig schnuppe wie optimistisch oder naiv das klingen mag, ich halte es da mit Luther.

    • @ralph

      Das gegenwärtige Wirtschaftssystem halte ich durchaus für geeignet, um eine gleichmäßigere Verteilung zu erreichen

      Das wäre erst noch zu beweisen. Bisher jedenfalls belegen die Tatsachen jedoch das genaue Gegenteil:

      In developed and developing countries alike, the poorest half of the population often controls less than 10% of its wealth. This is a universal challenge that the whole world must address.
      While it is true that around the world economic growth is picking up pace, deep challenges remain, including poverty, environmental degradation, persistent unemployment, political instability, violence and conflict. These problems, which are reflected in many parts of this report, are often closely related to inequality…

      http://tinyurl.com/lc6dw7v

      2.12.2015 – World’s richest 10% produce half of global carbon emissions, says Oxfam
      But poorest half of world’s people contribute to just 10% of emissions, says British charity as negotiators work on UN climate change deal in Paris

      http://tinyurl.com/qgxkxdq

      5.12.2015 – Paris climate summit: Developing countries angry over financial plan

      http://tinyurl.com/z8obn6b

      Genau diese globale, ökonomische Ungleichheit verhindert eben bisher auch eine wirklich konstruktive Übereinkunft zwischen der sog. 1. Welt und der sog. 2. und 3. Welt. Siehe zB:

      7.12.2015 – … Die schwächsten Länder brauchen Unterstützung, wenn sie ihre Klimaschutz-Ziele erreichen wollen. Bubu Jallow aus Gambia ist einer ihrer Chefverhandler. Er muss den Industriestaaten klar machen, dass sie mit dem Vertrauen derer spielen, die Hilfe brauchen…

      http://www.tagesschau.de/ausland/parisprotokoll-115.html

      Sehr interessant auch, was einer der international renommiertesten Klimaforscher, James Hansen, im Rahmen von Paris/COP21 zu sagen hat:

      James Hansen Talks Climate (In)Justice and Governmental (Dis)Honesty #COP21

      https://www.youtube.com/watch?v=eRUrKB3XKXA

      Um es möglichst kurz zu formulieren:

      Ich fürchte, es wird noch eine ganze Weile dauern, bis sich jeder einen Tesla und Sonnenkollektoren auf dem Dach wird leisten können- und so lange werden die Armen dieser Welt eben weiter billige CO2- Schleudern fahren und mit Kohle heizen bzw Energie erzeugen. So gesehen haben die benachteiligten, um nicht zu sagen, ausgebeuteten Länder die reichen Länder in Geiselhaft:

      Entweder es wird eine globale, gerechte Lösung gefunden oder wir machen so weiter wie bisher.

      • Nemesis, Sie scheinen nicht zu differenzieren zwischen Wirtschaftssystem, Korruption, Lobbyismus und “Trägheit des Medianwählers”. Am Ende Ihrer Analyse gibt es gute und böse Menschen und Mächte – und Verzweiflung über die Macht der Bösen, gestärkt durch massenhaft naive oder opportunistische Mitläufer. Ein Weltbild, das zwar nicht Lösungsorientiert ist, in keinster weise konstruktiv ist, den Besitzer aber auf jeden Fall moralisch überlegen aussehen lässt. Zumindest kann er mit allen zehn Fingern auf andere zeigen egal wo er hinschaut. Nix für mich.

        • @ralph

          Ich erwarte nicht, dass hier irgendjemand mein Weltbild übernimmt, ich schildere lediglich Fakten. Ja, es gibt tatsächlich Verantwortung, Verantwortliche. Der Planet Erde wird regelrecht ermordet und die Täter haben Namen und Adressen. Derzeit laufen übrigens massive Anstrengungen in den USA, Exxon Mobil wegen Verbrechen gegen die Menschheit vor den internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen. Und das völlig zu Recht. Sie sprechen von “lösungsorientiert”. Wie bitteschön soll ich als Niemand die Probleme lösen, die zB Exxon Mobil, Shell, die Autoindustrie usw in die Welt gesetzt haben?! Schauen Sie doch zB mal nach Nigeria, was Exxon Mobil da angerichtet hat. Und nicht nur dort, sondern weltweit. Konzerne finanzieren seit Jahrzehnten Denial- Campagnen wider besseren WIssens. Die dadurch entstandenen Probleme werden die Konzerne schon selbst lösen müssen, wenn sie denn ein Interesse an einer Lösung haben. Mein carbon footprint ist so gering wie nur möglich, das ist mein persönlicher, lösungsorientierter Beitrag und genau dieser Beitrag lässt mich nachts sehr gut schlafen.

          Mit freundlichen Grüssen von Shell:

          http://imgur.com/yNpxpdp

          • “Mein carbon footprint ist so gering wie nur möglich.” Eben das bezweifle ich sehr stark, ohne irgendeine Schuldzuweisung. Es zwar schön gut schlafen zu können weil man vermeintlich die Bösen identifiziert hat und ein scheinbar “bescheidenes” Leben führt und daher glaubt wenig mit dem Klimawandel zu tun zu haben.
            Natürlich muss man an möglichst vielen Fronten kämpfen, dazu gehört auch Interessen geleitete Desinformationskampagnen zu identifizieren und Konzerne zu verklagen. Wenn sich aber in jüngsten Umfragen 70% der deutschen Bevölkerung über gesunkene Sprit- und Ölpreise freuen (wieder ohne jede Schuldzweisung), muss doch klar sein, dass man damit nur Symptome bekämpft. Oder glauben Sie ernsthaft Desinformationskampagnen würden hier großen einen Unterschied machen? Die Ursachen liegen in der menschlichen Natur: Bequemlichkeit, Trägheit, Gewohnheit, Gier. Daran Kann Politik nichts ändern. Man kann aber Rahmenbedingungen schaffen um ein hocheffizientes Wirtschaftssystem!!! FÜR, statt GEGEN Dekarbonisierung zu nutzen. Das gelingt aber nur wenn man eine Mehrheit der Menschen mitnehmen kann.
            Al Gore schrieb 1992 im Vorwort zu “Wege zum Gleichgewicht: Ein Marshallplan für die Erde” sinngemäß, dass er, falls er die umweltpolitischen Thesen die er für richtig hält im Wahlkampf vertrete, er politisch sehr schnell weg vom Fenster sei. Dabei fürchtete er aber weniger die Lobbyisten oder die politische Konkurrenz, als die öffentliche Meinung der potentiellen Wähler. Leider ändern erst drastische Wetterextreme in den USA allmählich das träge Meinungsbild.

          • Ein weiteres Klischee ist das von der alternativlosen dezentralisierten Energiegewinnung. Ich sehe da auch viel Potential. Aber wir können uns keinerlei Dogmen bezüglich der Energiegewinnung leisten. Offenbar haben Sie den Klassiker “Without the hot Air” Von David Mac Kay noch nicht gelesen. Schon älter, aber immer noch hochaktuell, leicht verständlich und nachvollziehbar.
            http://www.withouthotair.com/

    • Sollte hier in diesem Forum plötzlich eine Art Geistesverwandter von mir aufgetaucht sein? Ich bin mit den meisten Ihrer Aussagen einigermaßen einverstanden, gerade Ökonomie und Ökonomik haben aber auch eine bemerkenswerte theoretische Fundierung zu bieten, die kommt bei Ihnen dann doch (noch?) etwas zu kurz.

      Zum Beispiel die aus einem realistischen Menschenbild deduzierten Resultate der Neuen Politischen Ökonomie: Politiker optimieren nicht unbedingt das langfristige Gemeinwohl (Beispiel: Klimaschutz), sie denken an die nächsten Wahlen und wollen ihre Stimmen maximieren. Und die meisten Stimmen erhalten sie durch die Ausrichtung der Programme oder Handlungen am sog. “Medianwähler”. Das ist aber nicht unbedingt ein geistig beweglicher und klimatisch einsichtiger Menschentypus, ich habe hier ja schon öfter ganz gezielt die Begriffe “rationale Ignoranz”, “paläoliberal” und “strukturkonservativ” verwendet.

      Leider bin ich schon zu lange weg von der Forschung, um solche Gedankengänge konsequent fundieren und sinnvoll und praxisrelevant weiterentwickeln zu können!

  18. Hier ein Fazit zu COP21 in Paris:

    Chris Hedges’ latest: Apocalyptic Capitalism

    http://www.truthdig.com/report/item/apocalyptic_capitalism_20151206

    “The charade of the 21st United Nations climate summit will end, as past climate summits have ended, with lofty rhetoric and ineffectual cosmetic reforms. Since the first summit more than 20 years ago, carbon dioxide emissions have soared. Placing faith in our political and economic elites, who have mastered the arts of duplicity and propaganda on behalf of corporate power, is the triumph of hope over experience. There are only a few ways left to deal honestly with climate change: sustained civil disobedience that disrupts the machinery of exploitation; preparing for the inevitable dislocations and catastrophes that will come from irreversible rising temperatures; and cutting our personal carbon footprints, which means drastically reducing our consumption, particularly of animal products.

    Verlasst Euch nicht auf die Politik oder gar die Ökonomie. Wenn der Einzelne seine Lebensgewohnheiten nicht freiwillig und drastisch ändert, wird sich garnichts ändern.

  19. Seit Jahren verfolge ich die Klimadiskussion und habe früher auf diesem Blog meine Meinung kund getan. Auch heute wollte ich wieder eine sachliche Meinung abgeben zu Fragen wie
    – Verantwortlichkeit von Politikern
    – technische und ökonomische Probleme
    – gesellschaftliche Fragen
    Doch dann nahm ich mir noch einmal die Studie des Planungsamtes der Bundeswehr, Dezernat Zukunftsanalyse, vor:

    „Streitkräfte, Fähigkeiten und Technologien im 21. Jahrhundert
    Umweltdimensionen von Sicherheit, Teilstudie 2 Klimafolgen im Kontext
    Implikationen für Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten und Nordafrika“

    und plötzlich merkte ich, dass ich resigniere. Der Zug ist längst abgefahren. In Paris wird von deutschen Regierungsvertretern im Weltschaufenster schöne Klimapolitik verkauft, derweil in den Planungsstäben der REALEN Macht der Klimawandel längst als Tatsache hingenommen wird und die entsprechenden Szenarien für das Überleben unserer Wohlstandsinsel durchgerechnet werden und welche Rolle die Bundeswehr und die verbündeten Streitkräfte dabei spielen sollen (sic!). Das wird natürlich nicht klappen, aber es zeigt die Denkrichtung unserer Regierenden.
    Wetten das kein Parlamentarier das Papier kennt? Wurde es dem Parlament überhaupt vorgelegt? Übrigens wird in dem Papier dezidiert das Problem von Umweltmigranten behandelt. Wenn die kommen, staunen dann wieder alle und sind völlig überrascht. Die Studie stammt aus 2013!

    Ich schließe mich der Meinung von Nemesis an, wir werden es vergeigen.

    Vor einiger Zeit erzählte mir ein Freund folgenden Witz:

    Trifft die Erde nach mehreren hundert Millionen Jahren einen alten Planetenkumpel wieder.
    Sagt der: Mensch altes Mädchen, wie siehst Du denn aus? Hast Du Fieber?
    Sagt die Erde: Ich habe mir was Böses eingefangen – ich habe homo sapiens!
    Lacht der Kumpel: Keine Sorge, hatte ich auch mal. Das geht vorüber!

    Trotzdem – frohes Fest!

    • @Roland Blanke

      Trifft die Erde nach mehreren hundert Millionen Jahren einen alten Planetenkumpel wieder.
      Sagt der: Mensch altes Mädchen, wie siehst Du denn aus? Hast Du Fieber?
      Sagt die Erde: Ich habe mir was Böses eingefangen – ich habe homo sapiens!
      Lacht der Kumpel: Keine Sorge, hatte ich auch mal. Das geht vorüber!

      Ich mag diesen “Witz”, den ich schon oft gehört habe, überhaupt nicht. Es ist ein zynischer “Witz”, der sich in äusserst ignoranter Weise über die Tatsache hinwegsetzt, dass es Täter/Profiteure und Opfer der von Ihnen so treffend geschilderten Politik gibt. Es ist ein Witz, den die Ober- und Mitteschicht erzählt und witzig findet. Fragen Sie mal da nach, wo ich herkomme, in der untersten Unterschicht, fragen Sie mal bei den Opfern dieser zerstörerischen, gierigen Politik nach, fragen Sie insbesondere in der sog. 3. Welt nach, da erzählt niemand solche “Witze”. Oder erzählen Sie diesen “Witz” mal den Kindern, die ihre Zukunft noch vor sich haben und mit dieser Zukunft werden leben müssen. Es geht um die VERANTWORTUNG jener, die sich über jede Ethik eiskalt hinwegsetzen, sogar auf Kosten Ihrer eigenen Nachkommen.

      Wie dem auch sei, die Rechnung jener Politik, die den Planeten und die Menschen vollkommen rücksichtslos ausbeutet, ist unterwegs. Die Natur, Mutter Erde gibt und sie nimmt auch wieder. Ich persönlich habe nie von den Machenschaften der Reichen profitiert. Und ich habe bewusst keine Nachkommen in diese zynische Welt gesetzt. Von daher bin ich vollkommen entspannt, was auch kommen mag. Und ich möchte nochmal betonen:

      Ich bewundere Herrn Rahmstorf (et al) für seine Unermüdlichkeit, gegen jene verfehlte, fatale Politik aufzuklären und Alternativen nicht nur aufzuzeigen, sondern sie tatsächlich auch zu leben. Auch Menschen wie Herrn Rahmstorf kann ein solcher “Witz” nur zynisch anmuten. Haben die Klimaforscher sich jahrzehntelang ihren A…. aufgerissen, nur um am Ende zu hören:

      “War alles nur ein schlechter Witz.” ?!

      • Ruhig Blut Nemesis. Zwischen Zynismus, den Sie mir unterstellen, und Resignation liegen Welten. Ich bin resigniert, weil ich die Arbeit von Wissenschaftlern wie den Professoren Rahmstorf und Schellnhuber so sehr schätze und sehe (glauben Sie mir: mit gehöriger Wut im Bauch), wie die selbsternannten Herren der Welt über deren Erkenntnisse und Mahnungen einfach hinweggehen. Ihnen ist sicherlich die Reaktion des US-Senats zu Klimafragen bekannt. Sie lassen die Versuche Obamas etwas Vernunft walten zu lassen ins Leere laufen, weil die Stromkosten steigen werden. Und glauben sie mir, die setzten sich durch. Ich muss ihnen sicherlich nicht Marx zitieren, was Kapital bei hohen Profiterwartungen zu tun bereit ist: 300% Profit und es existiert kein Verbrechen .. usw. Da sehe ich die brennenden Wälder Borneos vor mir, die versauten Ölsümpfe in Nigeria, die Kinder in den Kohlegruben Indiens. Und was die “Dritte Welt” angeht, ich habe in meinen jüngeren Jahren Lehrveranstaltungen in einem solchen Land gehalten und Laboranten und Chemiker in Praktika ausgebildet, damit sie unabhängig ihr Land entwickeln konnten. Ich erinnere mich sehr gut an unser herzliches Verhältnis und muss heute mit ansehen, wie sich an den sozialen Zuständen nur wenig geändert hat. Das ist hier zwar kein gesellschaftswissenschaftlicher Blog, ich habe aber hier schon vor längerer Zeit meine Meinung auch zu gesellspolitischen Verflechtungen der Klimaproblematik hingewiesen. Glauben Sie, ich lese Studien der Bundeswehr, weil ich Bellizist bin? Lesen Sie meinen Beitrag bitte noch einmal in Ruhe durch. Wir haben Geld für den größten Irrsinn, aber keines für langfristige Veränderungen unserer Industrie. VW stellt 8 Md. zurück für die Kosten seiner Manipulationen. Das Geld in die Forschung gesteckt, würde wirklich etwas bringen. Und da sie auf die “Unterschicht” verweisen (das ist z.B. für mich eine unverständliche Selbsterniedrigung), da gehe ich mal davon aus, dass Sie auch auf der Großdemo gegen TTIP in Berlin waren, vielleicht sind wir da nebeneinander gelaufen;)
        Meine Resignation bezieht sich auf das wahrscheinlich zu Erwartende, nicht auf meinen Einsatz gegen den Wahnsinn der Welt. Das habe ich meinen Söhnen weiter gegeben und hoffe, das meine Enkelschar das eines Tages weiter führt. Sie sehen, da bin ich optimistischer als Sie. Und was ein Witz soll; nun, er spitz zu, wirft ein hartes Schlaglicht und führt zu einem Aha-Effekt, so ist das.

        • @Roland Blanke

          Geehrter Herr Blanke, ich teile ja Ihre Ansichten. Ich hatte schon befürchtet, dass Sie meine Kritik an jenem “Witz” evt persönlich nehmen. Aber meine Kritik bezog sich allein auf den “Witz”, nicht gegen Sie persönlich. Ich denke schon, Sie verstehen in etwa meinen Kritikpunkt. Es sind halt nicht alle Menschen gleich, manche haben mehr, andere weniger Verantwortung. Bhutan zB hat gar eine negative CO2- Bilanz. Man kann also keinesfalls alle über einen Kamm scheren. Es gibt Leute, die sagen, Homo Sapiens sei ein “Krebsgeschwür”. Unter jenen Leuten (hard green) gibt es einige, die wünschen, dass die komplette Menschheit ausstirbt. Aber das ist sicher nicht Ihre Haltung.

          Ihnen ist sicherlich die Reaktion des US-Senats zu Klimafragen bekannt. Sie lassen die Versuche Obamas etwas Vernunft walten zu lassen ins Leere laufen, weil die Stromkosten steigen werden.

          Klar, ist mir bekannt. Ich denke das zB an die Koch Brothers oder auch Stephen A. Schwarzman usw. Unvorstellbar, welche Macht solche Leute haben. Die würden den Staat inclusive Steuern ect am liebsten komplett abschaffen. Und wenn das so weitergeht, dann schaffen die das auch noch. Die öffentliche Hand der USA ist vollkommen pleite, wie Sie sicher wissen und die Infrastruktur vollkommen marode (wir nähern uns auch in Deutschland diesen Verhältnissen immer mehr an) . Ich verstehe die Superreichen und insbesondere die Tea Party nicht. Wenn der Staat tatsächlich abgeschafft würde, dann würden auch die Superreichen garantiert schon sehr bald absolut nichts mehr zu lachen haben.

          Ich bin resigniert, weil ich die Arbeit von Wissenschaftlern wie den Professoren Rahmstorf und Schellnhuber so sehr schätze und sehe (glauben Sie mir: mit gehöriger Wut im Bauch), wie die selbsternannten Herren der Welt über deren Erkenntnisse und Mahnungen einfach hinweggehen.

          Da sind wir vollkommen einer Meinung. Und genau die Tatsache, die Sie hier nennen, nämlich dass es selbsternannte “Herren der Welt” tatsächlich gibt, belegt ja, dass man nicht alle Menschen in einen Topf werfen sollte. Es gibt eben Menschen mit viel politischem/finanziellem Einfluss und es gibt Menschen, die praktisch gar keinen politischen/finanziellen Einfluss haben. Somit sind nicht alle für den anthropogenen Klimawandel ect gleich verantwortlich.

          Meine Resignation bezieht sich auf das wahrscheinlich zu Erwartende, nicht auf meinen Einsatz gegen den Wahnsinn der Welt. Das habe ich meinen Söhnen weiter gegeben und hoffe, das meine Enkelschar das eines Tages weiter führt. Sie sehen, da bin ich optimistischer als Sie.

          Nun ja, Sie sagen ja selbst, Sie hätten in gewisser Hinsicht resigniert. Auch ich bin solange Pessimist, bis ich grundlegende Veränderungen sehe. Ein Pessimist kann immer nur positiv überrascht werden. ich kenne zuviele Leute in meinem Bekanntenkreis, die eben meiner Ansicht nach wiederum viel zu optimistisch sind und dementsprechend den Klimawandel bzw dessen Gefahren leugnen. Mein starker Pessimismus rührt aus vielen Konfrontationen mit solchen Leuten. Aber dennoch ist meine persönliche Grundhaltung eher positiv:

          Es ist nie zu spät, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Und diese Macht hat jeder Mensch, auch wenn er vielleicht keine politische Macht hat. Jede Tat zählt. Alles kommt irgendwann zu einem zurück- das ist meine Grundhaltung.

          Und da sie auf die “Unterschicht” verweisen (das ist z.B. für mich eine unverständliche Selbsterniedrigung), da gehe ich mal davon aus, dass Sie auch auf der Großdemo gegen TTIP in Berlin waren, vielleicht sind wir da nebeneinander gelaufen;)

          Nö, als “Selbsterniedrigung” sehe ich die Tatsache, dass ich zur Unterschicht gehöre und das erwähne, nicht. Irgendwie bin ich da unverschämter Weise sogar noch stolz drauf 😉 Ich muss übrigens gestehen, ich war noch nie auf einer Demo 🙂 Aber ich finds gut, dass Sie da waren. Ich habe Respekt vor Menschen, die Flagge zeigen!

          Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute!

  20. Die sog. Denier und Skeptiker behaupten ja auch hierzulande permanet, die Klimawissenschaftler seien von der “grünen Lobby” gekauft (solche Behauptungen sieht man zB im EIKE Web-Forum täglich). Allerdings habe ich noch nie auch nur einen einzigen konkreten Beleg für diese Anschuldigungen gesehen. Es ist jedoch kein Problem, Belege dafür zu finden, dass einfluss- reiche Konzerne massive Desinformationskampagnen oder versuchte EInschüchterung neutraler Klimawissenschaftler betreiben/betrieben, wie zB Exxon Mobil oder die Koch Brothers. Hier ein weiter Einblick in die Machenschaften der internationalen Öl- bzw Energiekonzerne. Manche Leute tun für Geld eben einfach alles:

    9.12.2015 – Greenpeace Sting Exposes Academics Hired as Climate-Change Deniers

    As climate change deniers face growing scrutiny and skepticism, a new undercover investigation by the environmental group Greenpeace shines new light on academics-for-hire, who are willing to accept secret payments from fossil fuel companies to sow doubt about global warming.

    The sting operation publicized Tuesday involved two Greenpeace UK employees posing as representatives of oil and coal companies, and asking U.S. academics to write papers touting the benefits of rising carbon dioxide levels and the benefits of coal use in developing countries.

    Professors from Penn State and Princeton University “agreed to write the reports and said they did not need to disclose the source of the funding,” according to reporting by Greenpeace Energydesk, a journalistic arm of the international environmental organization.

    Energydesk reporters Lawrence Carter and Maeve McClenaghan continue:

    Citing industry-funded documents—including testimony to state hearings and newspaper articles—Professor Frank Clemente of Penn State said: “In none of these cases is the sponsor identified. All my work is published as an independent scholar.”

    Leading climate-sceptic academic, Professor William Happer, agreed to write a report for a Middle Eastern oil company on the benefits of CO2 and to allow the firm to keep the source of the funding secret.

    Among the exposé‘s other findings:

    – US coal giant Peabody Energy also paid tens of thousands of dollars to an academic who produced coal-friendly research and provided testimony at state and federal climate hearings, the amount of which was never revealed.

    – The Donors Trust, an organization that has been described as the “dark money ATM” of the US conservative movement, confirmed in a taped conversation with an undercover reporter that it could anonymously channel money from a fictional Middle Eastern oil and gas company to U.S. climate septic organizations.

    – Princeton professor William Happer laid out details of an unofficial peer review process run by the Global Warming Policy Foundation, a UK climate skeptic think tank, and said he could ask to put an oil-funded report through a similar review process, after admitting that it would struggle to be published in an academic journal.

    – A recent report by the GWPF that had been through the same unofficial peer review process, was promoted as “thoroughly peer-reviewed” by influential columnist Matt Ridley—a senior figure in the organization…“.

    http://www.truthdig.com/report/item/greenpeace_sting_exposes_climate-denying_academics-for-hire_20151209

    Ich bin gespannt, wie lange die sog. Denier und Skeptiker ihre Strategie noch weiter durchziehen werden, angesichts des sich unverkennbar beschleunigenden Klimawandels und angesichts der Tatsache, dass sie mittelfristig auch sich selbst, bzw ihren eigenen Nachkommen schweren Schaden zufügen.

  21. Ein Ignorabimus im Sinne von Emil Heinrich Du Bois-Reymond’s Welträtseln, zu denen die Fragen gehören: Was ist Materie und Kraft? Woher kommt der Ursprung der Bewegung? Woher stammt der Zweck in der Natur? wird es auch nach meiner Auffassung immer geben.

    Denn ein Naturwissenschaftler kann keine Sinn- und Zweckfragen beantworten, mindestens nicht bis ins Letzte. Existenzfragen wie “Warum gibt es die Gravitiation oder warum gib es uns” sind besonders heikel und tendenziell unbeantwortbar.
    Zugänglicher ist dagegen die Frage ob es uns als denkende Geschöpfe in einer rein physikalisch erklärten Welt geben kann. Ja, uns Menschen kann es geben. Alles was in unseren Körpern und in unserem Geist passiert ist kompatibel mit dem Universum und den darin geltenden Gesetzen. Bis jetzt musste man noch nie etwas Metaphysisches, Ausserweltliches postulieren um das zu erklären, was in unserer Welt und in unseren Köpfen passiert.