Wo Kachelmann irrt

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO), die die Sammlung von Wetterdaten weltweit koordiniert, veröffentlichte diesen Monat ihren vorläufigen Klimabericht für 2017. WMO-Generalsekretär Petteri Taalas sagte dazu:

Wir waren Zeuge außerordentlichen Wetters – das beinhaltet Temperaturen, die in Asien 50 °C überschritten, rekordbrechende Hurrikane in schneller Abfolge in der Karibik und im Atlantik, die bis nach Irland reichten, verheerende Überschwemmungen aufgrund des Monsuns, die viele Millionen Menschen betrafen, und unbarmherzige Dürren in Ostafrika. Viele dieser Ereignisse – und detaillierte wissenschaftliche Studien werden ermitteln wie viele genau – tragen den Fingerabdruck des durch die menschlichen Treibhausgasemissionen verursachten Klimawandels.

Dagegen behauptet Jörg Kachelmann, Unternehmer und TV-Persönlichkeit in Sachen Wetter, die Zunahme der Wetterextreme sei nur Medienhype, ein Problem der veränderten Wahrnehmung, und es gebe gar keine Trends bei den Wetterextremen – so z.B. in der Talkshow von Sandra Maischberger und jüngst in einem Interview mit Spektrum.de. Was stimmt? Wirkt sich die globale Erwärmung bereits auf Wetterextreme aus oder nicht?

Kurze aber notwendige methodische Vorbemerkungen

In meiner Arbeitsgruppe erforschen wir diese Frage seit vielen Jahren. Man sollte dabei zunächst zwischen den verschiedenen Typen von Wetterextremen unterscheiden. Es liegt auf der Hand, dass die Häufigkeit von extremer Hitze zunimmt während die von extremer Kälte abnimmt – beides nicht unbedingt an jedem Ort der Erde aber doch im Allgemeinen. 2012 haben wir in der Fachzeitschrift Nature Climate Change in einem Übersichtsartikel den Stand der Forschung zum Zusammenhang von Klimawandel und Wetterextremen diskutiert (1). Bevor ich auf einige Typen von Extremen konkret eingehe, noch einige Anmerkungen zur wissenschaftlichen Methode.

Will man wissen, wie sich der Klimawandel auf Wetterextreme auswirkt, gibt es verschiedene Typen von Evidenz:

  1. Physikalische Grundprinzipien, wie die Tatsache, dass wärmere Luft mehr Wasserdampf speichern kann und wärmeres Wasser leichter verdunstet. Vorteil: Diese physikalischen Gesetze sind zweifelsfrei gültig. Nachteil: Sie sind nur eine Teilbetrachtung, andere Veränderungen im Klimasystem könnten diesen Effekten entgegen wirken.
  2. Simulationsrechnungen mit Klimamodellen. Vorteil: Die Modelle können im Prinzip alle bekannten physikalischen Effekte und Rückkopplungen abbilden. Nachteil: Modelle können die Realität nur annähern, denn Rechenzeit und Auflösung sind begrenzt und noch unverstandene Mechanismen werden möglicherweise nicht erfasst.
  3. Beobachtungsdaten. Vorteil: Messungen bilden die Realität ab. Nachteil: Messdaten sind nur recht begrenzt verfügbar, häufig sind die Daten aus der Vergangenheit inhomogen, ungenau oder reichen nicht sehr weit zurück.

Klimaforscher kombinieren alle drei Methoden, um den Einfluss der globalen Erwärmung auf Wetterextreme zu verstehen, denn aus einer alleine kann man kaum belastbare Schlüsse ziehen.

Was verraten beobachtete Trends?

Die Schwächen und Grenzen der Beobachtungsdaten sind bei Extremereignissen besonders gravierend. Denn Extreme sind – per Definition – selten. Um statistisch signifikante Änderungen zu belegen, braucht man aber viele Daten. Außerdem gibt es bei Extremen immer eine große Zufallskomponente – denn extrem wird das Wetter ja gerade dann, wenn mehrere Faktoren zusammen kommen. Die Diagnose „kein signifikanter Trend“ wird zudem häufig missverstanden als „kein Trend“. Dabei bedeutet „nicht signifikant“ ja lediglich, dass man nicht mindestens 95% sicher sein kann, ob der beobachtete Trend nicht einfach ein Zufallsprodukt sein könnte. Bei der Beurteilung, ob ein Trend zufällig ist oder nicht, ist die Evidenz von Typ 1 und 2 wichtig. (Fachlich prägt letztere unsere physikalische Erwartung und damit die Wahl der ‚Nullhypothese‘, die anhand der Daten geprüft werden soll.) Nicht vergessen sollte man auch, dass Zufallsschwankungen einen Klimatrend nicht nur verstärken, sondern ihn ebenso wahrscheinlich auch abschwächen können. „Kein Trend“ kann also auch bedeuten, dass ein Klimatrend zeitweise durch zufällige Schwankungen kaschiert wurde und beweist damit nicht, dass der Klimawandel keinen Einfluss hatte.

Ein häufiger Fehler ist auch, von Trends in mittleren Werten auf die Trends in den Extremen zu schließen. Diese unterscheiden sich meist deutlich. Häufig ist die Zunahme in den extremsten Werten am größten. Ein typisches Beispiel ist in Abb. 1 gezeigt, die einer Fallstudie entstammt, die wir zu den Rekordfluten auf dem Balkan im Mai 2014 gemacht haben (2).

Abb. 1 Der Niederschlagstrend in der Balkanregion im Frühling in Abhängigkeit von der Niederschlagsmenge, ausgedrückt als Quantil. (Zum Beispiel sind 90% der beobachteten Niederschläge schwächer als das Quantil 0,9 und 95% schwächer als das Quantil 0,95 usw.) Die stärkste Zunahme beobachtet man in den extremsten Niederschlägen. Quelle: Stadtherr et al. 2016 (2).

Schon wenn man einfach eine Normalverteilung (wie man sie z.B. bei Temperaturdaten häufig findet) einfach unverändert zu höheren (wärmeren) Werten verschiebt, nimmt die Häufigkeit der wärmsten Extreme dadurch prozentual am stärksten zu.

Nach diesen Vorbemerkungen nun ein kurzer Überblick über drei Typen von Extremwetter.

Hitzewellen nehmen stark zu

Am eindeutigsten sieht man die Auswirkungen der globalen Erwärmung bei der Zunahme der Hitzeextreme. Dass es in einem wärmeren Klima mehr Hitzewellen gibt dürfte wohl auch den Laien nicht überraschen, und die weltweiten Messdaten zeigen dies auch sehr klar (Abb. 2).

Abb. 2 Anteil der Landfläche unseres Planeten, deren Monatstemperaturen eine, zwei oder drei Standardabweichungen über dem Mittelwert 1951-1980 liegt. Zwei Standardabweichungen entsprechen schon einer seltenen Hitzewelle, drei Standardabweichungen kommen in einem stabilen Klima fast nie vor. Nach Coumou und Robinson 2013 (3).

Die Anzahl von Hitzerekorden bei den Monatsmittelwerten liegt heute schon beim fünffachen der Zahl, die in einem stationären Klima durch Zufall auftreten würde, wie wir in unserem Artikel Klimarekorde (Spektrum, Februar 2014) näher erläutert haben (4). Derartige Hitzewellen sind für uns Menschen keineswegs harmlos – der „Jahrhundertsommer“ 2003 hat in Europa 70.000 Hitzetote gefordert.

Extreme Niederschläge: ein komplizierterer Fall

Nicht ganz so klar sieht es bei Extremniederschlägen aus. Zwar erwartet man auch hier generell eine Zunahme, weil wärmere Luft mehr Wasser aufnehmen und dann abregnen kann. Niederschläge sind aber räumlich und zeitlich sehr heterogen. In manchen Gegenden nehmen die mittleren Niederschläge zu, in anderen ab – auch abhängig von der Jahreszeit. Die mittleren Niederschläge können abnehmen, die Extreme dennoch zunehmen – diese beiden Dinge hängen von verschiedenen physikalischen Prozessen ab. Die Fähigkeit von Klimamodellen, regionale Niederschlagsveränderungen – insbesondere am extremen Ende der Skala – korrekt wiederzugeben sind ziemlich begrenzt. Zum Beispiel, weil einzelne Wolken nicht explizit aufgelöst werden können, sie sind schlicht zu klein für das Modellgitter.

Signifikante Trends in den Messdaten zu finden wird auch dadurch erschwert, dass die Schwankungen im Vergleich zum erwarteten Trend groß sind, das Verhältnis Signal zu Rauschen also ungünstig. Da hilft es, über möglichst viele Datenreihen zu aggregieren, wie bei der in Abb. 3 gezeigten weltweiten Analyse der Anzahl von neuen Rekorden bei der Tagessumme der Niederschläge.

Abb. 3 Graue Balken zeigen die Anzahl der Tagesrekorde bei den Niederschlagssummen weltweit, relativ zu der Anzahl, die durch Zufall bei unveränderlichem Klima auftreten würde (Zuwachs in Prozent). Im Jahr 2010 lag die Anzahl dieser Rekordregen 88% höher als ohne Klimawandel zu erwarten wäre. Diese Zahl schwankt von Jahr zu Jahr stark; will man den klimabedingten Trend erfassen, muss man also glätten. Diesen Klimatrend zeigt die rote Linie. In einem stationären Klima sollte die rote Kurve sich innerhalb des blauen Konfidenzintervalls bewegen. Seit 1990 ist der Anstieg signifikant. Quelle: Lehmann et al. 2015 (5).

Kachelmann (Anzahl Fachpublikationen laut Web of Science: 0) bezieht sich in seinem Interview auf eine Statistik für Deutschland, die die Zahl der Tage mit Niederschlägen über 30 mm zeigt. Hier sind zwei der eingangs erwähnten Dinge relevant. Erstens widerlegen diese Daten keineswegs eine Zunahme, sondern sie zeigen eine Zunahme um 8 Prozent seit 1951 – nur dass diese nicht signifikant ist, also auch Zufall sein könnte. Und zweitens sind dies zwar Tage mit Starkregen, aber nicht wirklich extrem – bei den Unwettern im Frühjahr 2016, bei denen u.a. Braunsbach überschwemmt wurde, gab es Niederschläge von über 100 mm pro Stunde. In Berlin fielen diesen Juni in 18 Stunden bis zu 150 mm Regen. Über die Veränderungen bei derart extremen Niederschlägen, die schwere Schäden verursachen können, sagt diese Statistik daher kaum etwas aus (vgl. Abb. 1).

Die Fachzeitschrift Nature titelte übrigens zu unserer und einer neueren australischen Studie mit ähnlichen Ergebnissen im März: Global warming already driving increases in rainfall extremes. Mehr zum Thema in meinem Artikel Warum die globale Erwärmung mehr Extremregen bringt.

Tropenstürme: Was Forscher erwarten und was die Messdaten zeigen

Die Energiequelle von Tropenstürmen ist das warme Meerwasser – daher treten sie nur in den Tropen auf und nur im wärmeren Halbjahr, wenn die Wassertemperaturen über 26 °C liegen. Daher liegt es nahe, dass Tropenstürme durch die globale Erwärmung stärker werden oder sich auf weitere Regionen verbreiten. Der US-Hurrikan-Experte Kerry Emanuel vom Massachusetts Institute of Technology ist der Vater einer Energiegleichung, die die maximale Stärke eines Tropensturms unter idealen Bedingungen beschreibt – und diese „potenzielle Intensität“ nimmt mit der Meerestemperatur zu. Mit andern Worten: der „Deckel“, der die Tropensturmstärken nach oben hin begrenzt, wird angehoben.

Nun könnte es natürlich andere Veränderungen im Klimasystem geben, die dem entgegen wirken – z.B. eine Zunahme von Scherwinden, die die Wirbelstürme auseinander reißen, oder Veränderungen in höheren Luftschichten. Diese Frage wird seit vielen Jahren mithilfe von Modellsimulationen erforscht. Die Ergebnisse zahlreicher solcher Studien lassen sich kurz und knapp so zusammenfassen: durch die globale Erwärmung rechnen wir nicht mit mehr Tropenstürmen insgesamt, wohl aber mit einer zunehmenden Zahl von besonders starken Stürmen der Kategorien 4 und 5, insbesondere auch mit Stürmen von bislang nie beobachteter Stärke. Dieser Sachstand ist spätestens seit dem 4. IPCC-Bericht von 2007 weitgehend Konsens und wurde seither immer wieder bestätigt und erhärtet. So folgerte ein aktueller Review-Artikel in Science 2016 (6):

Wir erwarten daher, dass die Intensität von Tropenstürmen mit der Erwärmung zunimmt, sowohl im Mittel als auch am oberen Ende der Skala, sodass die stärksten zukünftigen Stürme die Stärke aller früheren übertreffen werden.

Modelle lassen übrigens auch erwarten, dass die Aerosolverschmutzung der Atmosphäre Tropenstürme schwächt und den Effekt der globalen Erwärmung jahrzehntelang kaschiert haben dürfte, was die Entdeckung von Trends in Messdaten weiter erschwert.

Und was zeigen die Messdaten? Es gibt zwei Hauptdatenquellen. Die erste sind die sogenannten Best Track Daten – es sind die Daten, die die Vorhersagezentren (wie das National Hurricane Center der USA) im operationellen Betrieb über den Pfad und die Stärke eines jeden tropischen Wirbelsturms sammeln. Die zweite sind Satellitendaten. Die Best Track Daten reichen im Nordatlantik bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Sie zeigen seither einen Anstieg in der Zahl von Tropenstürmen sowie der „major hurricanes“ (Kategorie 3, 4 und 5) um rund das Dreifache. Allerdings leiden sie unter einem der oben genannten Probleme: sie sind inhomogen, weil in früheren Zeiten, vor der Satellitenära, eine unbekannte Anzahl von Stürmen draußen auf dem Meer schlicht von niemandem registriert wurde. Es gibt eine Reihe cleverer Versuche, diesen sogenannten „undercount bias“ zu korrigieren. Sie reichen von einer moderaten Korrektur, die den ansteigenden Trend weitgehend intakt lässt (7) bis hin zu massiven Korrekturen, durch die der Trend fast beseitigt wird (8). Allerdings spricht einiges dagegen, dass der ansteigende Trend komplett ein Artefakt der Daten ist, z.B. die gute Korrelation mit der Größe der Wasserfläche, die wärmer als 26 °C ist (9).

Die zweite Datenquelle sind die Satellitendaten. Diese zeigen eine Zunahme der starken Tropenstürme in den meisten Meeresbecken. Auch diese Daten sind allerdings nicht homogen sondern stammen von einer Vielzahl von Satelliten. Die allgemein als sehr sorgfältig anerkannte Homogenisierung dieser Daten durch (10) reduziert die Trends etwas, beseitigt sie aber nicht (Tabelle 1). Die stärkste Zunahme findet man im Nordatlantik, sie ist mehr als 99% signifikant.

Tabelle 1 Beobachtete lineare Trends 1982-2009  in der Stärke von Hurrikanen (Tropenstürmen mit mindestens 119 km/h Windgeschwindigkeit) Quelle: Kossin et al. 2013 (10).

Kerry Emanuel hat kürzlich eine Analyse der linearen Trends in den Best Track Daten über 1980-2016 durchgeführt (Abb. 4). Eine signifikante globale Zunahme (95% Signifikanzniveau) findet sich bei allen Stürmen mit maximalen Windgeschwindigkeiten ab 175 Stundenkilometern (in Übereinstimmung mit der Satellitenauswertung von Kossin et al. ist der Trend für alle Hurrikane, also Stürme ab 119 km/h, nicht signifikant). Emanuel argumentiert, dass seit 1980 aufgrund der Existenz der Wettersatelliten keine Stürme übersehen wurden, schon gar keine der stärksten, dass aber die Messungen der Windgeschwindigkeit in den Best Track Daten genauer sind als die Bestimmung vom Satelliten aus, u.a. weil für die ersteren Flugzeuge Messungen im Sturm durchführen. Der Zeitraum ab 1980 ist auch der, in dem drei Viertel der globalen Erwärmung stattfanden.

Abb. 4 Prozentuale Zunahme 1980 bis 2016 (als linearer Trend) in der Anzahl von Tropenstürmen weltweit in Abhängigkeit ihrer Stärke. Nur 95% signifikante Trends sind gezeigt. Die stärksten Stürme nehmen auch am stärksten zu. Rote Farben zeigen die Hurrikan-Kategorie auf der Saffir-Simpson Skala. Grafik: Kerry Emanuel, MIT, mit freundlicher Genehmigung.

Zu dieser erstens erwarteten und zweitens beobachteten Zunahme gerade der stärksten Stürme passt die Häufung von Rekorden in den letzten Jahren. Sandy (2012) war der größte je im Atlantik beobachtete Hurrikan. Haiyan (2013) im Pazifik erreichte die höchste Windgeschwindigkeit weltweit, nur um 2015 von Patricia noch übertroffen zu werden (11). Pam (2015) war der stärkste je im Südpazifik beobachtete Sturm, doch schon 2016 wurde ihm dieser Titel durch Winston wieder genommen. Der stärkste Sturm im südindischen Ozean war Fantala (2016). Ophelia (2017) war der erste Sturm der Kategorie 3, der je soweit nordöstlich im Atlantik auftrat – zum Glück drehte er vor Portugal entgegen erster Vorhersagen nach Norden ab, er erreichte dann abgeschwächt Irland. Der September 2017 brach den Rekord für kumulierte Hurrikanenergie im Atlantik. Irma (2017) hielt dort länger als je ein Sturm zuvor Windgeschwindigkeiten von 300 km/h durch (für 37 Stunden – der bisherige Rekord war 24 Stunden durch Haiyan 2013). Alles Zufall?

Weshalb Kachelmann meint, der Rekordsturm Irma passe in sein Bild, wonach es keine Zunahme der Intensität gebe, bleibt sein Geheimnis. Der Hinweis auf eine „Flaute“ vor 2017 ist ein non-sequitur – dass es starke natürliche Schwankungen von Jahr zu Jahr gibt ist allgemein bekannt, spricht aber nicht gegen eine langfristige Zunahme. Zumal es mit dieser „Flaute“ ohnehin nicht so weit her ist, traten doch zwei der drei teuersten Tropenstürme in der US-Geschichte just während dieser Flaute auf: Hurricane Ike 2008 und Sandy 2012 (der teuerste war Katrina 2005).

Viele Schäden durch Tropenstürme entstehen nicht direkt durch den Wind, sondern durch Wasser: Regen von oben, Sturmflut vom Meer. Harvey brachte die größten Regenmengen der US-Geschichte – die Wahrscheinlichkeit für ein solches Regenereignis hat sich durch die Klimaerwärmung in den letzten Jahrzehnten um ein Mehrfaches erhöht (12). Nicht zuletzt aufgrund der globalen Erwärmung steigt der Meeresspiegel und erhöht die Sturmfluten. Eine neue Studie (13) zeigt zum Beispiel, dass sich die Wiederkehrzeit einer bestimmten Sturmfluthöhe in New York City von heute 25 Jahre innerhalb der nächsten drei Jahrzehnte auf 5 Jahre verkürzen wird. In New York wird daher intensiv über Sturmflutbarrieren diskutiert (14).

Fazit

In über 25 Jahren öffentlicher Klimadebatte habe ich eines gelernt. Wer die Fakten nicht auf seiner Seite hat oder sie nicht so genau kennt, der kaschiert dies gerne mit markiger Rhetorik, mit allgemeinen statt spezifischen Aussagen oder mit persönlichen Angriffen auf Klimaforscher. Für eine private Wettervorhersagefirma mag dies ja auch zum Geschäftsmodell passen. Wissenschaftler im öffentlichen Dienst haben jedoch eine hohe Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit. Wir stehen in der Pflicht, konkrete, sachliche Auskünfte über die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Wetterextremen zu geben, die in der begutachteten wissenschaftlichen Fachliteratur nachvollziehbar belegt sind und deren Sachstand insgesamt realistisch wiedergeben. Der Sachstand dieser Forschung besagt: mit Sicherheit führt die anthropogene globale Erwärmung zu mehr Hitzewellen, und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zu mehr Extremregen und zu einer Zunahme der Anzahl und Intensität der stärksten Tropenstürme. Ähnlich sieht es z.B. bei Dürren und Waldbränden aus, die ich hier nicht weiter diskutieren konnte. Diese Zusammenhänge mögen für Manche unbequem sein. Den Kopf in den Sand stecken sollten wir angesichts des damit verbundenen menschlichen Leids und der Zukunftsrisiken jedoch nicht. Obamas Klimaberater John Holdren pflegte zu sagen, dass uns angesichts der globalen Erwärmung drei Dinge zur Wahl stehen: die Erwärmung begrenzen, uns an sie anpassen, oder leiden. Ich bin dafür, die ersten beiden entschlossen anzupacken, um das Dritte zu minimieren.

Weblinks

Die Replik von Kachelmann – ziemlich lang, daher für Eilige hier die Kernaussagen im Zeitraffer-Zitat:

“Heiliger Zorn der Gerechten … Hüter der Heiligen Klima-Inquisition … Hoheit über die Aufgeregtheit … unwissenschaftlich vortäuschend … völlig abseitig … Begeisterung bei den Klima-Ratzingers … einzelne Menschen bis zum Erbrechen zu agitieren … sich auf billigen Applaus aus den geschlossenen Reihen der Sturzbetroffenheit verlassen … selbstgewissen Verbissenheit … ideologischen Feind … heilige Inquisition des Klimas … religiöse Absolutheit … der kollektive Schaum vor dem Mund … leugnenden Verbrechers … steuergelderfinanzierten Erweckungsseminare … unerschrockenen Kämpfer gegen die verlorenen Seelen des Klimatheismus … Missionierung der mutmasslich menschenfressenden Leugner- und Skeptikerhorden … sachlich zu 95% mit den Rahmstörfern dieser Welt einig … Ausgrenzung, religiöse Überhöhung des eigenen Anliegens und Beharken von Leuten … Furor auf die Pachulkes und Tichys … heiligen Zorn.”

Literatur

  1. Coumou D & Rahmstorf S (2012) A decade of weather extremes. Nature Clim. Change 2(7):491-496.
  2. Stadtherr L, Coumou D, Petoukhov V, Rahmstorf S, & Petri S (2016) Record Balkan floods of 2014 linked to planetary wave resonance. Science Advances 2:e1501428.
  3. Coumou D & Robinson A (2013) Historic and future increase in the global land area affected by monthly heat extremes. Environmental Research Letters 8(3).
  4. Coumou D, Robinson A, & Rahmstorf S (2013) Global increase in record-breaking monthly-mean temperatures. Clim. Change 118(3-4):771-782.
  5. Lehmann J, Coumou D, & Frieler K (2015) Increased record-breaking precipitation events under global warming. Clim. Change 132(4):501-515.
  6. Sobel A, et al. (2016) Human influence on tropical cyclone intensity. Science 353:242-246.
  7. Mann ME & Emanuel K (2006) Atlantic Hurricane Trends Linked to Climate Change. Eos 87:233-244. Sowie Mann, M. E., T. A. Sabbatelli and U. Neu (2007) Evidence for a modest undercount bias in early historical Atlantic tropical cyclone counts. Geophysical Research Letters 34(22).
  8. Vecchi GA & Knutson TR (2008) On Estimates of Historical North Atlantic Tropical Cyclone Activity*. J. Clim. 21(14):3580-3600.
  9. Benestad RE (2009) On tropical cyclone frequency and the warm pool area. Natural Hazards and Earth System Sciences 9(2):635-645.
  10. Kossin JP, Olander TL, & Knapp KR (2013) Trend Analysis with a New Global Record of Tropical Cyclone Intensity. J. Clim. 26(24):9960-9976.
  11. Velden C, Olander T, Herndon D, & Kossin JP (2017) Reprocessing the Most Intense Historical Tropical Cyclones in the Satellite Era Using the Advanced Dvorak Technique. Mon. Weather Rev. 145(3):971-983.
  12. Emanuel K (2017) Assessing the present and future probability of Hurricane Harvey’s rainfall. Proc Natl Acad Sci U S A.
  13. Garner A, et al. (2017) The Impact of Climate Change on New York City’s Coastal Flood Hazard: Increasing Flood Heights from the Pre-Industrial to 2300 CE. Proc Natl Acad Sci U S A.
  14. Rahmstorf S (2017) Rising hazard of storm-surge flooding. Proc Natl Acad Sci U S A 114(45):11806-11808

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

52 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Insgesamt scheint es hier um statistische Fragen zu gehen (wie etwa die Unterscheidung zwischen dem Trend des Durchschnitts und dem Trend von Extremereignissen) und Wetterexperten wie Kachelmann können allgemeine Aussagen zu Wettertrends machen, die nicht völlig falsch sind, die aber die entscheidenden Kriterien nicht berücksichtigen, die bestimmen, wie sich die Häufigkeit von Extremwettern ändern.
    Eigentlich sollte man bei Fragen von so weitem Interesse wie dem Wetter und seinen Trends auch erwarten, dass man im Internet oder gar auf Meteoseiten auch statistisches Hintergrundmaterial findet, dass für solche Fragen wie die nach Extremwettern den Konsens der Meteorologen und eventuell der Klimawissenschaftler wiedergibt. Tatsächlich gibt es solche Trenddarstellungen auf Meteoseiten, doch meist nur gerade für die Temperatur und noch ein paar andere Grössen.
    Viele Verlaufslisten findet man in der Wikipedia, beispielsweise die Liste der atlantischen Kategorie-5-Hurrikane. Und da findet man eine Zunahme seit 2000, wobei ein Laie allerdings nicht beurteilen kann ob das statistisch signifikant ist.

      • Weiß nicht, ob die Suchmaschine nur nach Publikationen des Elsevier-Verlags sucht? Habe gedacht, nicht. Den Tipp habe ich von Klimafakten.de.

        Auszug aus einen Interview dort:

        Frage: Mit Veröffentlichungen meinen Sie Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften – nicht Artikel oder Kommentare in Tageszeitungen oder Blogbeiträge. Aber wie finde ich heraus, was jemand publiziert hat?

        Antwort Professor Matthias Beller: Es gibt eine ganze Reihe von Datenbanken, ich möchte hier keine Werbung machen. Ich persönlich nutze sehr häufig Web of Science und Scopus [Elsevier] …

        Weiterführung des Interviewers: … wo man, zumindest bei letzterer, auch ohne speziellen Zugang und damit kostenfrei zumindest Namen recherchieren kann. Wenn ich dort zum Beispiel Ihren eingebe, sehe ich nach zwei Klicks mehr als 800 Publikationen mit mehr als 150 Co-Autoren seit 1989, die mehr als 20.000-fach zitiert wurden. Ich muss aber auch darauf achten, ob es sich um Veröffentlichungen in “begutachteten Fachzeitschriften” handelt, richtig?

        Antwort: Korrekt, in der heutigen Wissenschaft ist das sogenannte Peer-Review ein ganz wichtiges Kriterium. Dabei werden Aufsätze in wissenschaftlichen Zeitschriften vor der Veröffentlichung von Fachkollegen gegengelesen. Und wenn diese Gutachter Einwände haben, müssen die Autoren darauf eingehen.

        https://www.klimafakten.de/meldung/was-ist-wissenschaft-und-was-pseudo-die-mosaiksteine-um-wissenschaftliche-glaubwuerdigkeit

        Scheint aber tatsächlich nicht viel von zu halten sein, denn wenn ich “Stefan Rahmstorf” eingebe, kommt nur ein mageres Suchergebnis. Schade, denn gerne hätte ich nachgewiesen, dass hinter den oft geposteten Skeptikerseiten in den Threads auf Zeitonline null wissenschaftliche Reputation steht. Oder ich muss Geld investieren für Web of science. Oder Sie haben eine Idee.

        Danke und Gruß
        Wolf Niese

  2. Herr Rahmstorf Ihre Wortwahl klingt leider wie die eines verbitterten Mannes, der sich seiner Abneigung gegen Meinungsgegner hingibt, nicht wie die eines Wissenschaftlers.

    Global ist keine signifikante Zunahme der Extremwetterereignisse zu verzeichnen. Der IPCC weist in seinem letzten Klimabericht auf die große Variabilität von Extremwettern hin. Außerdem nimmt in einem wärmeren Klima der Temperaturgegensatz zwischen Tropen und Polen ab und damit die Sturmaktivität. Hochdruck-Tiefdruck-Gefälle. Und die Wüsten, wie die Sahara, schrumpfen in einem wärmeren Klima. Wie nach der Eiszeit.

    Es kommt auch nicht auf die Zahl der Veröffentlichungen an, ob jemand Recht, oder Unrecht hat. Herr Kachelmann ist Experte für Meteorologie, Sie hingegen Ozeanograph.

    • Sehr geehrter Gerd Schmidt,

      ich bin kein “Experte” für das Thema Klima, oder einer anderen Naturwissenschaft. Bestenfalls bin ich ein Laie, der sich in seiner Freizeit zum Teil für naturwissenschaftliche Themen interessiert.
      Entsprechend vorsichtig muss ich mit meinem Urteil sein, wenn ich die Meinung eines ausgewiesenen “Experten” bewerten möchte.
      Ein wesentlicher Indikator dafür ist selbstverständlich die Produktivität des Experten und sein Ansehen unter anderen “Experten”.
      Besitzt der “Experte” einen guten Ruf unter anderen “Experten” und werden seine Arbeiten häufig zitiert, veröffentlicht oder erwähnt, dann spricht das logischerweise für diesen “Experten”.

      Streiten sich zwei “Experten” kann ich als Laie die Stichhaltigkeit vieler Argumente nicht nachvollziehen. Manchmal denke ich sogar, das Halbwissen dazu verleitet, gerade aus dem Zusammenhang gerissenen Fakten und Halbwahrheiten eher glauben zu schenken, als der meist wesentlich komplexeren Argumentation bzw. Realität.
      Deshalb ist die Reputation und die Anzahl der Veröffentlichungen zum Thema X für mich wie schon erwähnt ein wesentlicher Indikator zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit des “Experten”.

      Ich habe Experte(n) übrigens in Gänsefüßchen gesetzt, weil ich mir nicht so sicher bin, ob Herr Kachelmann ein echter Experte für das Thema Klima sein kann.
      Er hat kein abgeschlossenes Studium vorzuweisen, wie im Blog erwähnt nichts zum Thema Klima veröffentlicht und offensichtlich einige “Fakten” falsch dargestellt oder schlicht nicht gekannt.

      Apropos Experte. Ich stellte Ihnen als (selbst) ausgewiesenen Experten in Sachen Küstenschutz ein paar Fragen, die sie immer noch nicht beantwortet haben.

      https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/von-inseln-stuermen-steigendem-meeresspiegel-und-klimaleugnern/#comments

      Darf ich noch mit Antwort rechnen und raten Sie den Bewohnern von Male immer noch zur Eindeichung ihrer Inseln?

      MfG

      • Die Anzahl der Zitate ist nur bedingt aussagekräftig, denn auch in kritischen Betrachtungen, Widerlegungen etc kann zitiert werden, um eben diese zitierten Aussagen einer kritischen Prüfung zu unterziehen.

    • Sie scheinen der Meinung zu sein, ein ungebremster Klimawandel hätte mehr Vorteile als Nachteile.
      Sie zitieren den letzten IPCC-Bericht, der dieser These in seinen Schlussfolgerungen und in seinen Empfehlungen an “policymaker” widerspricht (ab +1°C). Außerdem daraus:
      11.3.2.5.1 “[In AR4] it was considered very likely that heat waves would be more intense. These conclusions have generally been confirmed in subsequent studies.”
      11.3.2.5.2 “For the 21st century, the AR4 and the SREX concluded that heavy precipitation events were likely to increase in many areas of the globe
      (IPCC, 2007).” (Es folgt eine Auflistung von bestätigenden Studien).
      11.3.2.5.3 Tropical cyclones: “[…] mixed projections […]”
      Zu Ihrer These, der abnehmende Temperaturgradient hätte eher positive Wirkung, gibt es den wissenschaftlichen Befund, dass ein geschwächter Jet Stream mehr Blocking-Events mit gleichbleibenden Wetterlagen (lange Perioden mit extremem Niederschlag bzw. extremer Trockenheit) begünstigt. Außerdem behandelt der IPCC-Report noch viele weitere Punkte, wie etwa den verstärkten Abbau der Ozonschicht durch die reine Abkühlung der Hochatmosphäre und durch einige anthropogene Treibhausgase (nicht CO2). Zusammenfassend möchte ich darstellen, dass es durchaus große Risiken unseres Klimaexperimentes gibt, auch aus dem paläoklimatologischen Befund, der aufzeigt dass rasche (und zwar weniger rasch als die heutigen) Temperaturänderungen in der Erdvergangenheit ziemlich tödlich auf Flora und Fauna wirkten (vgl. z.B. PETM) und nebenbei die Erosion erhöhten (das weist nicht auf eine Abnahme von Extremwettern hin!).

  3. Vielen Dank für diese ausführliche Darstellung.
    Ich habe die Sendung gesehen und mir gedacht, kann doch nicht sein, wo ich kurz davor noch ein anderes Fazit zu den Extremwetterereignissen bei den Klimaforschern gelesen habe. Um einen Sachverhalt genauer zu beurteilen, braucht es eben eine längere Darstellung. Das können die Talkshows im Besonderen und das kann auch das Fernsehen im allgemeinen nicht leisten. Es gibt ja noch Bücher, Zeitungen, Zeitschriften und Fachveröffentlichungen. Außerdem führt der gute Ruf der Wissenschaften bei uns zu einer gleichbleibend hohen Überzeugung in der Bevölkerung, dass die globale Erwärmung eine menschengemachte Bedrohung ist und etwas dagegen getan werden muss. Die Menschen spüren selbst, dass sich in den letzten 30-40 Jahren etwas verändert hat, was jeder im Ping-Pong Verfahren erzeugten schnellen Talkshow-Bemerkung Stand hält.

  4. Diese Daten scheinen mir sehr aussagekräftig. Ich kann mir aber schon vorstellen dass “Skeptiker” sich davon nicht beeindrucken lassen. Da kommt dann ein Einwand in der Art: früher wurde halt weniger und nicht so genau gemessen. Folglich wurden auch viel weniger Extreme gemessen. Abbildung 2 nimmt zum Beispiel Bezug auf Messungen zwischen 1951 und 1980. Wurden für die Auswertung lediglich alle bereits 1951 vorhandenen Messpunkte herangezogen? In dem Fall wäre gäbe es kein Ausreden.

    • Herr Kachelmann ist kein Wissenschaftler (nach Wikipedia hat er noch nicht einmal sein Studium abgeschlossen), und nach Jahrzehnten beruflicher Tätigkeit im Medienbusiness hat er sich ein divenhaftes Schwadronier-Verhalten zugelegt.

      Die Fähigkeit zur Selbstreflexion und das kritische Hinterfragen des eigenen Kenntnisstands sind bei solchen Leuten eingeschränkt, notwendige fachliche Weiterbildungen werden vernachlässigt, vom Blickwinkel des Halbwissens her gesehen ist man ja sowieso allen überlegen.

      Kachelmanns larmoyante schriftliche Stellungnahme, aber auch der fachlich nicht überzeugende Auftritt bei Maischberger sind deutliche Hinweise auf die Gültigkeit meiner Feststellungen.

      • @Bucher: Dass hier jetzt kein falscher Eindruck entsteht. Ich finde Herrn Kachelmann als Person sehr sympathisch und vor seinen Fähigkeiten als Unternehmer nehme ich den Hut ab. Meine Ausführungen (v.a. im Mittelteil) möchte ich nun doch etwas stärker abschwächen, zu 20 bis 30 Prozent jedoch aufrecht erhalten.

        “Ich bin Jahrzehnte gut durchs Leben gekommen, indem ich mich aus der Klimadiskussion komplett rausgehalten habe – aus gutem Grund”, schreibt Kachelmann zu Beginn seiner Replik. Menschenskind, Herr Kachelmann, was glauben Sie eigentlich, dass in einer Sendung zum Thema “Kippt unser Klima?” über Kleingarten-Regentonnen-Tropfbewässerung von Erbsen diskutiert wird?

  5. Herr Kachelmann muss sie wohl hart getroffen haben wenn sie ihm einen ganzen Artikel widmen. Aber genau so einen Artikel hatte ich erwartet und entspricht genau dem was Kachelmann (der übrigens ihren Aussagen kaum widerspricht) festgestellt hat: der Klimawandel hat schon fast religiöse Züge. Eine jede kleine Abweichung gilt als Ketzerei und wird auch so a la kath. Kirche des Mittelalters bearbeitet. Viel Spaß in ihrer trüben Welt, ich fahre jetzt ne Runde mit meinem SUV, esse dann ein Steak und lasse zu Hause die Heizung auf 5 😛

    • Ich widme nicht Herrn Kachelmann einen Artikel, sondern der eingangs formulierten Frage: Wirkt sich die globale Erwärmung bereits auf Wetterextreme aus oder nicht? Die wird mir gerade dieses Jahr wieder so häufig gestellt, dass ich dazu etwas schreiben wollte – Kachelmann war einfach nur ein guter aktueller Anlass für diese Darstellung.

      • Wo Kachelmann recht hat:

        “Und ich bin wirklich zu unwichtig, als dass Sie sich mit mir befassen sollten, Herr Rahmstorf.”

        “Ich habe in unserer Firma meinen Kollegen Dr. Roland Schrödner gebeten, der noch ein bisschen näher an Herrn Rahmstorf ist als ich, einen Kommentar zu diesem Text zu schreiben – hier ist er:”

        “… Schwächen von Rahmstorfs Text in Bezug auf das, von dem ich weiß, dass du dich dazu geäußert hast …”

        Die durchwegs angemessene Sachlichkeit von Kachelmanns Reaktion auf den vorliegenden Artikel hat mich überrascht (Das Geseiere über “Inquisition” usf. habe ich nicht gesehen).

        Dem vorliegenden Text hätte es gut getan, den Aspekt der Häufigkeit der extremen Regenfälle für Deutschland und deren Relevanz anschaulicher darzustellen: Zu viel Kachelmann und zu wenig Schilderung der Auswirkung echter Problemfälle.

        Ich bin jeden Tag zu Fuß unterwegs und weiß, dass 30mm Regen/Tag kombiniert mit Sturm auch unangenehm sein können. Problematisch sind sie nicht.

        Anders sah es vom 20. -23. August 2005 aus, als wir von Oberstdorf ins Pitztal wanderten. Die Regenbekleidung blieb im Rucksack. Es herrschte Windstille und unter dem Schirm blieb es trocken. Für die Bewohner der engen Alpentäler war die Jährlichkeit von bis zu 5000(!) Jahren katastrophal: https://de.wikipedia.org/wiki/Alpenhochwasser_2005

    • Sehr geehrter “Jochen”,

      ein wissenschaftlicher, politischer und/oder gesellschaftlicher Diskurs ist im Idealfall ein Austausch von Fakten, Argumenten und Daten.
      Rede und Gegenrede sollen letztendlich dazu führen, das wir uns besser verstehen, Lösungen für bestehende Probleme erarbeiten und die richtigen Antworten finden.

      Herr Kachelmann hat an sehr prominenter Stelle seine Meinung bzw. Argumente vorgetragen. Professor Rahmstorf hat auf die Argumente eine entsprechende Antwort verfasst.
      Das ganze trägt keine religiösen Züge. Es ist schlicht ein wesentlicher Bestandteil, einer aufgeklärten Gesellschaft, die zum gegenseitigen Vorteil Meinungen und Ideen austauscht.

      Religiöse Züge trägt in meinen Augen lediglich Ihr Kommentar.
      Denn Sie schaffen es offenkundig nicht, eine “Diskussion” anhand der ausgetauschten Argumente zu bewerten, vielmehr ist die Tatsache das jemand bei diesem Thema überhaupt eine “Gegenrede” verfasst, für Sie zwangsläufig ein Beleg für die heilige Inquisition von Klimaforschern, gegen Ketzer der reinen Klima-Lehre.

      Der Vergleich ist auch relativ geschmacklos. Aber da Sie sich offenkundig keine Mühe gegeben haben, einen einigermaßen sachlichen Kommentar zu verfassen, dürfte Ihnen das äußerst egal sein. Richtig?

      MfG

    • Richtig, Jochen! Hau richtig rein! Wenn schon Untergang, dann bitte schnell! Und nimm einen Diesel! Ich hasse Siechtum!
      Mal im Ernst: ob Klima hin oder her, man benutze seinen Verstand, insofern vorhanden (in Anlehnung an Hardenberg). Dieser Planet war eine glühende Gaskugel. Über hunderte Millionen Jahre erschufen Einzeller, Mehrzeller, Pflanzen den schmalen Grad, welcher höheres Leben überhaupt zulässt. Alles “giftige” wurde fein säuberlich so abgelagert, dass es nicht mehr schaden konnte. Bis die Inkarnation des Bösen die Bühne betrat: der “moderne” Mensch! Lebensziel: Bequemlichkeit, Spiel und Spaß. Naturvölker haben heute noch andere Visionen! (Möglicherweise werden sie überleben!). Da in der Summe immer alles ausgeglichen ist, benötigt man für die Realisierung derartiger, aus psychischer Verwerfung resultierenden Lebensziele, Ressourcen. Um an diese zu kommen, gräbt der “moderne” Teufel den halben Planeten um und verstreut all die fein säuberlich abgelagerten Gifte wieder in alle drei Dimensionen (Wasser, Erde, Luft). Ob nun das Klima uns Deppen hinwegrafft oder schwefelsaure Ozeane oder ausgelaugte und vergiftete Böden oder eine mit Giftgasen angereicherte Luft oder harte Strahlung aus Endlagern oder Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall usw. usf. oder, oder, oder … Mal ehrlich: ob jemand erschossen oder erschlagen wurde, ist doch völlig egal! Der Mensch ist tot! Nur Juristen sehen das anders! Logisch. Sie leben ja auch davon!
      Was ich damit sagen will: die Masse der “Menschen” denkt wie Sie, Jochen! Sie bemerken nicht, dass der Countdown längst begonnen hat! Und zwar auf allen Gebieten (siehe oben). Bislang zu wenige Menschen (Paretoprinzip: 80/20) stemmen sich dagegen, werden ausgelacht, beleidigt, mundtot gemoppt! “Alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht!”. Stammt von G., nicht von mir! Die Abdankung des “modernen” Menschen ist vielleicht ein im Universum hinterlegter Code!? Wer weiß!

  6. Unser Noch-Sachsen-Ministerpraesident Tillich hat sich im Frühjahr massiv für eine deutschlandweite Pflichtversicherung gegen Elementarschaeden eingesetzt. Ich wüsste nicht, dass solches schon vor 20 Jahren ein Thema gewesen wäre. Ein Schelm, wer da einen Zusammenhang mit seinem Eintreten für die Braunkohlenverbrennung bis 2100 in Sachsen vermutet. Dass vielleicht die Anderen beim 3. Grossereignis in den nächsten 15 Jahren gut sächsisch sagen: Nu seht ma zu.

  7. Ich habe mir die unselige Maischberger Sendung vor einiger Zeit auf youtube angesehen und war in jeder Hinsicht peinlichst berührt. Wenn das der Stil ist, in dem in Deutschland überlebenswichtige Themen diskutiert werden, dann gute Nacht. Danke, dass Sie, Herr Rahmstorf, diese Sendung kritisch beleuchtet haben. Ich bin und bleibe froh, keine Glotze zu haben 🙁

  8. Was macht Kachelmann so wütend, dass auf er auf Gott anstatt auf die Mathematik und Physik zurückgreifen muss bei seiner Replik. In dieser (s.o. im Text vor den Literaturangaben) kommen an mindestens 10 Stellen hochreligiöse Elemente vor.
    Demgegenüber spricht Rahmstorf leicht polemisch von “markiger Rhetorik, Anzahl Fachpublikationen laut Web of Science: 0, private Wettervorhersagefirma, Geschäftsmodell”.
    Sind sich die Herren früher schon einmal begegnet oder ärgert Herrn Kachelmann das Wort “Geschäftsmodell” so sehr, dass er zur Ideologie-Keule greifen muss?

  9. @stephan Das Problem führt Herr Schellnhuber in “Selbstverbrennung” fachgerecht mit dem Begriff “Feuchtkugeltemperatur” vor Augen. Ich habe als Laie verstanden, dass ab einer bestimmten Kombination von Temperatur und Luftfeuchte der menschliche Körper seine auch in Ruhe abzuführende Abwaerme (allein das Gehirn 30 Watt) nicht mehr an die Umgebung abführen kann. Für die Saudis kann das in 50 Jahren bedeuten, bei bestimmten Wetterlagen nur noch in technisch gekühlten “Behältnissen” überleben zu können. Statt
    großkotzigem “Terraforming” auf dem Mars, was in die andere Richtung beim eigenen Zuhause. Nur wegen Gier und Geiz.

  10. Bei Kachelmanns Äußerungen finde ich nicht so sehr die fachlichen Aussagen problematisch, sondern vor allem das rhetorische Drumherum:

    “Ich verstehe daher auch Klimaforscher wie Stefan Rahmstorf nicht, warum sie immer wieder auf dieser Klaviatur im Panikorchester spielen.” (Spektrum-Interview)

    In seiner Replik vergleicht er dann die Klimatologie mit dogmatischer Religion. Kachelmann greift hier ein Vokabular und Vorwürfe auf, die praktisch ständig von den Leugner vorgetragen werden. Das ist nicht sachlich und er sollte mehr Distanz zum Sprachgebrauch der Leugner wahren, zumal er sehr prominent ist und ein großes Publikum erreicht. Mit dieser Rhetorik bleibt bei den meisten Leuten hängen: es ist nicht so schlimm, die Klimaforscher übertreiben, warten wir es erstmal ab, alles ist noch unklar.

  11. Die Panikmacherkeule und Religionskeule Kachelmanns haben meiner Meinung nach nicht viel mit der Realität zu tun. Die Schwampel (Jamaika, schwarz-gelb-grüne Koalition) ist auch über die Spree gegangen, weil die FDP bloooß nicht mehr als 5 Gi-gawatt Braunkohlestrom einsparen wollte. Da erscheint mir die Panik größer, aus der Kohle auszusteigen. Und die Religionskeule müsste eigentlich auch eher die treffen, die denken, sie seien wie Galileo, wenn sie die abgedroschendsten Pseudoskeptiker-*Argumente* nachbeten. Tschuldigung für diese Gegenpolemik auf Kachelmann. Den Klimawandel berstreitet er ja immerhin nicht.

  12. herrlich, völlig korrekte Zusammenfassung zu ihrer Person und die ihres drogensüchtigen Chefs!

    Heiliger Zorn der Gerechten … Hüter der Heiligen Klima-Inquisition … Hoheit über die Aufgeregtheit … unwissenschaftlich vortäuschend … völlig abseitig … Begeisterung bei den Klima-Ratzingers … einzelne Menschen bis zum Erbrechen zu agitieren … sich auf billigen Applaus aus den geschlossenen Reihen der Sturzbetroffenheit verlassen … selbstgewissen Verbissenheit … ideologischen Feind … heilige Inquisition des Klimas … religiöse Absolutheit … der kollektive Schaum vor dem Mund … leugnenden Verbrechers … steuergelderfinanzierten Erweckungsseminare … unerschrockenen Kämpfer gegen die verlorenen Seelen des Klimatheismus … Missionierung der mutmasslich menschenfressenden Leugner- und Skeptikerhorden … sachlich zu 95% mit den Rahmstörfern dieser Welt einig … Ausgrenzung, religiöse Überhöhung des eigenen Anliegens und Beharken von Leuten … Furor auf die Pachulkes und Tichys … heiligen Zorn.”

    • Heilige Mission einer Kreuzritterin, dass der Mensch jaaa nicht aufhören braucht zu kokeln mit Erdöl und Kohle. Und so mutig in sicherer anonymer Deckung Rufmord betreibend. In der Gewissheit, dass Klimaforscher des Teufels sind. Amen!

      Schaum vor dem Mund? Da macht macht ja wohl der pestenden Eminenz “christine” so schnell keiner was vor. Den EIKE-Sprech predigend. In vollendender Selbstüberhöhung, zu der Elite der in Wahrheit Wissenden gehörend, scheinbar gehirngewaschen im Trump-o-zän Religions- und Alarmismuskeulen in die Leere der Antifakten schwingend, die Lüge von der Klimalüge g l a u b e n d.

      Weiß ich nicht, ob es Sinn macht, darauf zu antworten. Wenn man über die Stöckchen springt, geht man den Trollinnen und Trollern auf dem Leim. Aufmerksamkeit. Soll ich in den Threads auf Zeit Online einfach das Feld den Pseudoskeptikern und Antigutmenschen überlassen? Wieviel CO2 sind meine Gegenpolemiken wert? Au Backe, jetzt kommt die Schuldkultkeule. 🙂

      Danke und Gruß
      Wolf

    • Ja, sehr geehrte Christine, Sie beweisen, die Ära des sachlichen Diskutierens steht definitiv durch Diskursteilnehmer wie Sie unter Anfechtung.

      Ansonsten dürfte es Ihnen leicht fallen, die Wissenschaft hinter der für die Menschheit sehr nachteilhaften menschenverursachten globalen Erwärmung inhaltlich anzufechten.

      Dass Ihnen das aber wiederum ohne grobe Fehler gelingt, halte ich für sehr unwahrscheinlich – aber bitte, versuchen Sie das Sachliche! Letztlich liegt eine Community aus tausenden Wissenschaftlern, die sich mit einem Thema wie diesem Zeit ihres Lebens beschäftigen, meistens doch viel richtiger als Laien. Die Unsicherheiten ihrer Prognosen (vgl. IPCC: CS 3°C+/-1.5°C) können sie meistens auch ganz gut einschätzen.

  13. viele Leute finden es etwas seltsam, wenn dieser Klimawandel plötzlich als größte Bedrohung der Menschheit herhalten muss. Auch wenn Kachelmann gegenständlich sicher etwas zu weit polemisiert, hat er im Grunde völlig recht. Vielen Menschen kommt dieser Klima Alarm wie eine religiöse Mantra vor und dass alles binnen einer Generation. In deutschsprachigen Medien war bis in die 80er Jahre von bedrohlicher Abkühlung zu lesen, heute ist es unerträglich heiß. Das kommt Menschen in meinem Alter etwas seltsam vor.
    Selbst wenn der Meeresspiegel in 100 Jahren um mehr als einen halben Meter ansteigen sollte, ist das keine wirkliche Bedrohung für die Menschheit. Es würde wohl viel kosten, dagegen anzuwerken, aber wie man Dämme und ähnliches baut ist ja nichts neues und bis zu einigen dm auch eine brauchbare Lösung. Sollte es wirklich sehr schnell wärmer werden, werden zukünftige Generationen mit Sicherheit nicht zusehen, wie Inseln und Küsten im Meer versinken. All diese “Drohungen” sind also sehr theoretischer Natur.

    So gäbe es, wie unlängst eine Harvard Studie nahe legt, sogar Aerosole, welche die Strahlungsimbalanz ausgleichen können und zwar zu überschaubaren Kosten von knapp 10. Milliarden Dollar pro Jahr. Klar, alles recht theoretisch und nur ein Beispiel, aber die Menschheit wird ganz sicher nicht zusehen, wie Land im Meer versinkt, weil es wegen CO2 Emissionen zu mild wurde. Gegen eine Lösung aus der fossilen Abhängigkeit hat auch kaum wer was und selbst die Ölindustrie investiert viel in erneuerbare Energieträger, man könnte die Sache tatsächlich viel unaufgeregter, vernünftiger angehen, damit sich am Ende nicht zu viele gegen diesen Alarmmismus wehren, was dann das wichtige Problem der E Versorgung gefährden könnte. Also, runter vom Gas, weniger sinnlose Untergangphrasen und vernünftig wie zielsicher in eine fossil freie E Zukunft in einigen Dekaden!

    • Plötzlich? Seit über 50 Jahren wird über die globale Erwärmung diskutiert – damals gab es den ersten offiziellen Expertenbericht dazu für den damaligen US-Präsidenten. Und vor 25 Jahren hat die Weltgemeinschaft beim Erdgipfel in Rio beschlossen, die globale Erwärmung zu stoppen (Klimarahmenkonvention). Das Problem ist wirklich nicht plötzlich über uns gekommen, sondern die Welt hat viel zu lange gezaudert, es anzupacken. Begrenzung der Erwärmung auf unter zwei Grad ist jetzt schon sehr schwierig geworden.

      • das ist nicht nachvollziehbar!
        Auch wenn es lange bekannt ist, das Treibhausgase wie CO2 das Klima etwas milder machen könnten, war und ist über die Feedbacks sehr wenig bekannt und ohne diese, ändert sich kaum was.
        Warum weichen sie meinem Ansatz so oberflächlich aus? Habe ich mich zu wenig klar ausgedrückt, oder geht es ihnen nur ums “Rechthaben”. Sind sie kritikfähig und wissenschaftlich interessiert, oder religiös, wie es Kachelmann auf den Punkt bringt?

        • @Monika: Ach so, “über die Feedbacks” von CO2 ist “sehr wenig bekannt”, aber über “Aerosole, welche die Strahlungsbilanz ausgleichen können und zwar zu überschaubaren Kosten” wissen Sie natürlich alles ganz genau.

          Danke für die Auskunft, ich will schon alles immer klar ausgedrückt und wenig oberflächlich wissen!

        • >> das ist nicht nachvollziehbar! <> Warum weichen sie meinem Ansatz so oberflächlich aus? <> Sind sie kritikfähig und wissenschaftlich interessiert, oder religiös, wie es Kachelmann auf den Punkt bringt? <<

          Bisher haben Sie noch nichts gebracht, was von wissenschaftlichen Interesse sein könnte. Stattdessen schwingen auch Sie Religions- und Hysteriekeulen in die Leere der Antifakten. Vielleicht fangen Sie mal mit Selbstkritik an?

        • @Monika
          Warum weichen sie meinem Ansatz so oberflächlich aus? Habe ich mich zu wenig klar ausgedrückt, oder geht es ihnen nur ums “Rechthaben”.
          Sind sie kritikfähig und wissenschaftlich interessiert,….

          ———————————————————–
          Das ist Herr Rahmstorff ganz sicher beides.
          Wahrscheinlich hat er nur nicht recht verstanden, was genau Sie an ihm kritisieren?
          Ich verstehs nämlich auch nicht.
          Konkretisieren Sie doch bitte einmal ihren Vorwurf.
          MfG Frankfurter

        • Nochmal @ Monika, und zwar zu den Feedbacks: Ich dachte, dass andere, qualifiziertere Personen fachlich etwas dazu beitragen. Die Unsicherheiten bei den Feedbacks (Wasserdampf, Wolken!) werden vom IPCC durch die Spannweite von 1,5 bis 4,5 Grad projizierter Temperatursteigerung berücksichtigt. Es kann auch zu bösen Überraschungen kommen, dann geht das ganze System in Richtung fünf Grad. So oder so ähnlich lautete eine Antwort von Herrn Rahmstorf vor einigen Monaten in diesem Forum. Ich hoffe, ich habe das einigermaßen korrekt wiedergegeben.

          Vielleicht noch eine (methodologische) Anmerkung zu Ihrer mehrfach ungeschickten Verwendung des Begriffes “theoretisch.” Solche Studien sind immer theoretisch, was denn sonst? Es gibt gute und weniger gute Theorien, das ist der springende Punkt, eine zur Prognose verwendete bessere Theorie beschreibt die kommende Realität besser – nur wissen wir eben heute noch nicht sicher, welches die Bessere ist. Es ist ein Anliegen der Wissenschaftstheorie, Erkenntnisse über solche komplizierten Zusammenhänge zu gewinnen.

      • Das Wesentliche in Monikas Kommentar ist doch die Aufforderung zu mehr Unaufgeregtheit und mehr Offenheit für unterschiedliche Lösungen in der Energiepolitik. Und “die Weltgemeinschaft” hindert ja nichts daran, jederzeit vernünftige Beschlüsse zu fassen.

        Es ist schon bedenklich, dass ein Wissenschaftler wie Björn Lomborg, der den Anspruch hat, die beste Lösung für die Problematik zu suchen und dabei die Kosten-Nutzen-Relation, um die ja letzten Endes niemand herumkommt, in den Vordergrund stellt, von der Klimawissenschaft völlig an den Rand gedrängt wird. Ganz besonders gravierend ist das natürlich bei einem etablierten und anerkannten Klimawissenschaftler wie Lennart Bengtsson, der eine Tätigkeit als Berater bei einer von seinen bisherigen Kollegen abgelehnten Organisation aufnehmen wollte. Nach seinen eigenen Worten wurde er danach so massiv unter Druck gesetzt, dass er aus Sorge um seine Gesundheit und Sicherheit den Schritt wieder rückgängig machte. Da läuten doch bei jedem demokratisch gesinnten Menschen die Alarmglocken.

        • Lomborg wird nicht “an den Rand gedrängt”, sondern er beteiligt sich ja von sich aus nicht an einer normalen wissenschaftlichen Sachdiskussion, sondern geht mit zahlreichen offensichtlichen Falschbehauptungen an ein Laienpublikum und gilt deswegen in der Wissenschaft als unseriös. Ich habe schon mehrfach mit konkreten Beispielen seine irreführenden Behauptungen beanstandet, z.B. hier: http://www.realclimate.org/index.php/archives/2015/08/bjorn-lomborg-just-a-scientist-with-a-different-opinion/

        • Lomborg ist kein Wissenschaftler, sondern ein Lobbyist, der sich als Wissenschaftler ausgibt. Er “publiziert” fast ausschließlich über Zeitungen, hat hingegen in 20 Jahren kaum eine wissenschaftliche Publikation hinbekommen. Peer-Review vermeidet er fast gänzlich (würde ich bei seinen Argumenten an seiner Stelle auch tun), ab und an kriegt er mal einen Meinungsartikel in einer Fachzeitschrift publiziert. Wissenschaftlich zitiert werden seine Arbeiten fast überhaupt nicht. Bekannt ist er nur für seinen exorbitanten Sinn, auch in einem riesigen Bottich noch die eine Rosine herauspicken zu können, die seine eigene Position stützt, während er alles andere ausblendet und ignoriert.

          Powell hat Lomborg in seinem Buch “The Inquisition of climate science” auf Seite 85 treffend beschrieben: In Lomborgs Buch “The Sceptical Environmentalist” seien laut Kare Fog “110 actual errors ans 208 flaws, for a total of 318, or about one mistake per page” enthalten. 318 Fehler! Zum Vergleich: In Al Gores Buch und Film “An inconvenient Truth” seien “a total of two errors and twelfe flaws” enthalten, also insgesamt 14 Fehler.

          Wenn man dann sieht,d ass Klimaleugner Al Gore attackieren, weil er angeblich ja so falsch liegt, zugleich Björn Lomborg aber zugejubelt wird, weil der ja so ein guter Wissenschaftler sei (oder überhaupt ein Wissenschaftler), dann kann man nur noch fassungslos mit dem Kopf schütteln. Selbst wenn Lomborg ein echter Wissenschaftler wäre, der sich auch tatsächlich wissenschaftlich mit dem Thema Klimawandel und Klimaschutz auseinander setzen würde, wäre er immer noch ein Fachfremder. Was aber auch wieder gut passt, denn fast jeder vermeintliche Experte, der sich als Klimaleugner profiliert, ist fachfremd. Jüngstes prominentes Beispiel: Die in der Klimablogosphäre so berühmte Eisbärexpertin Susan Crockford, die nie zu Eisbären geforscht oder publiziert hat. https://www.theguardian.com/environment/climate-consensus-97-per-cent/2017/nov/29/new-study-uncovers-the-keystone-domino-strategy-of-climate-denial

      • In dem von Ihnen erwähnten Expertenbericht von 1965 wird übrigens ein Vorschlag zur Temperaturbegrenzung erwähnt, der ähnlich wie der von Monika angesprochene aus der Harvard-Studie auf der gezielten Vergrößerung der Albedo beruht: Es geht darum, ausgewählte Ozeanoberflächen mit reflektierenden Teichen zu versehen.

        Ein Mangel der Studie, der sich auch in den allermeisten heutigen Veröffentlichungen zum erhöhten Treibhauseffekt zeigt, ist die Vernachlässigung der Emissionen durch Entwaldung. Erwähnt wird zwar der CO2-Anteil, der wegen der Änderung der Landnutzung aus den Böden in die Atmosphäre abgegeben wird; aber dieser Anteil von dort vermuteten 5% ist weit entfernt von den tatsächlichen Emissionen, die vor allem auch durch Brandrodungen bis heute entstehen. Heutige Schätzungen gehen für die letzten 150 bis 200 Jahre von einem Gesamtanteil von einem Drittel aus.

        Lustigerweise kann man die Irreführung auch in dem von den Vertretern des peruanischen Bauern und Bergführers im Gerichtsverfahren gegen RWE angegebenen Anteil erkennen, den man RWE zuschreibt: 0,47 Prozent, ein – wie die Anwältin meint – “erheblicher Anteil”. Da hat offensichtlich ein “Experte” die jährlichen CO2-Emissionen von RWE in Höhe von gut 160 Millionen Tonnen durch 35 Milliarden Tonnen dividiert. Das sind aber nur die Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und der kleine Anteil aus der Zementproduktion. Alle von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen zusammen dürften zur Zeit aber jährlich bei 55 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalenten liegen. Die Verwendung des richtigen Nenners führt zu rund 0,3%. Da wir schon dabei sind, stellt sich die Frage, warum der Kläger gerade RWE als Kontrahenten ausgewählt hat und nicht einen der größten Energiekonzerne der Welt, die in China, Russland und Saudi-Arabien ansässig sind; dort wäre der “erhebliche” Anteil noch deutlich erheblicher.

        • Es hängt natürlich immer auch vom Zeitraum ab, über den man die Emissionen als relevant betrachtet. Für die letzten 10 Jahre (2007-2016) kommt das international als DIE Quelle dazu angesehene Global Carbon Project auf 34,3 Gt aus fossilen Energien und Industrie, und 4,9 Gt aus Entwaldung und anderen Landnutzungsänderungen. Man kann natürlich debattieren, inwiefern man andere Treibhausgase außer CO2 noch mit berücksichtigen möchte. Bei der Klage geht es aber vor allem darum prinzipiell zu klären, ob für Schäden durch CO2-Ausstoß das Urheberprinzip gilt, und nicht um die ohnhin lächerlich kleine Summe.

          • Bei Aussagen über den anthropogenen Treibhauseffekt müssen natürlich alle Treibhausgase berücksichtigt werden, sowohl in Vergangenheit und Gegenwart als auch in Zukunftsszenarien. Und das Konzept der CO2-Äquivalenz in Verbindung mit einem Zeithorizont ermöglicht es ja in einfacher Weise, allein durch Massenangaben vergleichbare Aussagen zu allen Treibhausgasen zu machen, ob nun zu CO2, Methan, Lachgas oder zu den Gasen des erweiterten Montreal-Protokolls (“F-Gase”). Eine Reduktion der gegenwärtig 55 Milliarden Tonnen auf die 35 Milliarden aus fossilen Brennstoffen ist eine grobe Irreführung.

            Der peruanische Bauer und Bergführer hat selbstverständlich freie Wahl sowohl beim Prozessgegenstand als auch beim Prozessgegner. Im Beschluss des Oberlandesgerichts Hamm steht übrigens zum “Mitverursachungsanteil” von RWE: “Er beträgt bis heute 0,47%”. Diese Aussage allein enthält zwei gravierende Fehler: Dass es 0,3% heißen müsste, habe ich oben begründet. Aber bei der Temperaturerhöhung, unter der der Bauer laut Klage leidet, kommt es ja nicht auf den gegenwärtigen, sondern auf den gesamten, vor allem auch historischen Anteil von RWE an. (Das “bis” müsste in der Aussage sowieso gestrichen werden – der dritte Fehler.) Studien wie die von Ihnen erwähnte von 1965 könnten bei der Beurteilung helfen: Dort wird für die Zeit von 1885 bis 1940 locker von einem Temperaturanstieg von 0,5 Grad Celsius ausgegangen – bei sehr geringem CO2-Ausstoß.

            Meine Wertschätzung der deutschen Justiz ist aber ohnehin noch so groß, dass ich eher davon ausgehe, dass sich die Bearbeiter dort mit einem der lustigen Fälle, die häufig in juristischen Klausuren und Hausarbeiten während des Studiums zur Schärfung des juristischen Sachverstands vorkommen, auch mal in der beruflichen Praxis beschäftigen wollen. Dar Fall gibt ja zu allerhand Gedankenspielen Anlass. So könnten ja zum Beispiel alle 7 Milliarden Erdenbürger jeweils gegen die anderen 7 Milliarden wegen der durch ihren CO2-Ausstoß erlittenen Schäden klagen. Das ergäbe rund 50 Trillionen Gerichtsverfahren. Genial einfach wäre es dagegen, wenn der peruanische Bauer wegen des von ihm zu verantwortenden Treibhausgasausstoßes gegen sich selbst klagen würde. Oder aber – um den juristischen Sachverstand der “Weltöffentlichkeit” nicht zu sehr zu strapazieren – könnte er seine Kunden verklagen, die er beim Bergsteigen betreut; vor allem dann, wenn sie aus Übersee nach Peru geflogen sind. Ein markanter Gegner wäre auch die Fluggesellschaft, die solche Flüge durchführt. Als weitere regionale Variante böte sich auch an, dass er sich an eine Organisation vom Typ “BrazilWatch” wendet, die auf der Suche nach einem geeigneten Prozessgegner in seinem Nachbarland leicht fündig würde; nach dem abgewandelten Goethespruch: “Warum denn in die Ferne schweifen? Sieh, das Schlechte liegt so nah.”

      • Der im Expertenbericht von 1965 angegebene Anteil von “weniger als 5%” aus den Böden durch Änderung der Landnutzung beinhaltet offensichtlich doch einen relativ großen Anteil am anthropogenen Treibhauseffekt, auch wenn nur die Hälfte davon in der Atmosphäre verbleibt. Denn der Anteil bezieht sich auf den gesamten CO2-Gehalt der Atmosphäre, und zum betrachteten Zeitpunkt, den man wohl grob als “Mitte des 20. Jahrhunderts” annehmen kann, war der CO2-Anteil durch fossile Brennstoffe, wie man aus einer anderen Stelle des Berichts entnehmen kann, wohl etwa doppelt so hoch. So kommt man auf einen ungefähren Anteil von einem Drittel aus den Böden für den damaligen Zeitpunkt.

    • So etwa um 1990 habe ich mir das Buch „Mensch, Umwelt, Wissen“ vom ETH-Ökonomen Bruno Fritsch gekauft. Es gab damals schon viel klimatologischen Durchblick, die großen fachlichen Grundlinien sind unverändert geblieben, jedoch wissen wir heute sehr viel besser über die globalen Systemzusammenhänge im Detail Bescheid. Mit ausgefeilten Simulationsmodellen ist es möglich, explorative Klimaforschung (wie das der Herr Rahmstorf macht) zu betreiben.

      Der Klimawandel wird als Krisenverstärkungsmultiplikator in einer sowieso schon äußerst fragilen Welt wirken: dieses ganze interdependente Bündel möglicher negativer Auswirkungen schätze ich als ziemlich gefährlich ein.

      Bei uns in Baden Württemberg ist soeben der „Waldschadensbericht 2017“ erschienen. In den 80ern waren die Böden im Schwarzwald durch Industrieschadstoffe übersäuert, erhebliche Schäden am Wald waren die Folge, ich erinnere mich noch an die kahlen Flächen. Als mit der Rauchgasentschwefelung und dem Katalysator (letztlich erfolgreiche!) Gegenmaßnahmen diskutiert wurden, haben die heutigen Klimaskeptiker lautstark die ökonomische Deindustrialisierung Deutschlands prophezeit.

      „Erste Auswirkungen des Klimawandels machten sich in den Wäldern zu Beginn des neuen Jahrtausends bemerkbar“, heißt es im neuen Bericht. Buchen, Eichen und Kiefern geht es wieder schlechter, die Fichte ist unser dominierender Baum, sie mag es kühler und wird deshalb weitgehend verschwinden. Der notwendige Wald-Umbau wird 50 bis 100 Jahre dauern, zum Verlust des traditionellen Landschaftsbilds führen und erhebliche Kosten verursachen.

  14. Herr Professor, würden Sie bitte die Abb. 3, 4 und 5 Ihres Beitrages vom 20. Januar 2017 verlinken, so daß ich sie verschicken kann ?

  15. @Rahmstorf: Mir ist der methodologische Exkurs – siehe oben: „verschiedene Typen von Evidenz“ – positiv aufgefallen. Das ist aber leider noch zu wenig! Alle von Ihnen verwendeten Begriffe und postulierten Zusammenhänge sollten systematisch hinterfragt, problematisiert und weiter ausdifferenziert werden. Was kann man aus welchem Grund wie sicher wissen, wo sind die Erkenntnisgrenzen eines klimatologischen Erfahrungsobjekts?

    Eine ausgefeilte, methodologisch orientierte Darstellung der Klimaforschung würde die Fach-Kommunikation – interdisziplinär, aber auch mit Laien – verbessern und man könnte z.B. durch eine Kategorisierung möglicher Tricksereien all den Klimaskeptiker-Klamauk transparenter machen.

    Für mich ein Vorbild fachlicher Selbstreflexion aus der „Vogelperspektive“ (da macht uns Ökonomen keiner etwas vor): Adolf Wagner und seine „Kleine Meta-Makroökonomik“. Den Physikern haben Hermann Haken und Ilya Progogine mit „Synergetik“ und „Erforschung des Komplexen“ bereits eine gute Richtung gewiesen. Nun mal ran an die Buletten, liebe Klimaforscher!

    Das Popper-Kriterium ist zur Bestimmung des empirischen Gehalts von Theorien über komplexe Systeme wenig geeignet (das sehen manche Klimaskeptiker immer wieder falsch), die philosophisch orientierten Wissenschaftstheoretiker haben seither nicht viel Bemerkenswertes zustande gebracht. Wenn ich einen nützlichen Namen aus der Zunft herauspicken müsste, wäre das jedoch ganz sicher Wolfgang Stegmüller.

    Der „Ritter von Steißbein“, nicht ganz unbekannter Held der Physiker-Zunft, hat langfristig von seinen intensiven methodologischen Studien und Diskussionen erheblich profitiert: http://www.einstein-website.de/z_biography/olympia.html

  16. Danke für den erkenntnisreichen Artikel Herr Prof. Rahmstorf. Leider stellen sich immer wieder Leute wie Herr Kachelmann aus Selbstgeltungsgründen in den Mittelpunkt und verharmlosen damit den Klimawandel, der uns alle betrifft und angeht.

  17. Da bei Einigen der Ärger über die Physik in Zusammenhang mit dem Treibhauseffekt zu lachhaften Äußerungen führt, hier mal ein Witz – ein Prof. für Atmosphärenphysik behauptet allen Ernstes man wisse nicht, was der Treibhauseffekt ist. Deswegen hier statt zum Thema des Blogs ein Ausflug zum Schmunzeln – ggf. bitte ich den Leser um Entschuldigung.

    EIKE gibt sich gern als Plattform für alle Facetten zum Treibhauseffekt – wird aber diesem eigenen Anspruch nicht gerecht, indem Beiträge mit wissenschaftliche Positionen nicht freigeschaltet werden – höchstens es rutscht mal etwas durch.

    Nachdem ein Herr Dietze an Prof. Kramm (emeritierter Atmosphärenphysiker in Alaska) ein paar Fragen gerichtet hatte, die diesem unangenehm waren, kam zu diesen Fragen eine Antwort, die mit den Fragen nichts zu tun hatte. Hier dann der Blog nach meiner Antwort – ergänzt um den nicht freigeschalteten Beitrag:

    https://www.eike-klima-energie.eu/2017/11/26/rueckblick-ein-jahr-hemisphaerischer-stefan-boltzmann-ansatz/#comment-188534

    […]

  18. So dürfte mein Beitrag vom 9. Dezember, 0:03 Uhr, formal korrekt sein (Entschuldigung für den Aufwand):

    Mit dem RWE-Anteil von 0,47% ist offensichtlich doch der Anteil “seit Beginn der Industrialisierung” gemeint. Einige Medien hatten so berichtet, als beziehe sich die Angabe auf den gegenwärtigen Anteil, der zufälligerweise ungefähr gleich groß ist.

    Diese Quelle von 2013 ordnet RWE für die Zeit seit 1750 tatsächlich genau 0,47% zu.

    Andere Quellen legen nahe, dass die von mir angegebenen 0,3% auch für den RWE-Anteil seit 1750 bei Berücksichtigung aller Treibhausgase sogar noch deutlich zu hoch sind.

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