Die Koalitionsgespräche und das deutsche Emissionsbudget

Wir füllen die Atmosphäre mit CO2 wie eine Badewanne mit Wasser. Man kann nur eine begrenzte Wassermenge hineinlaufen lassen, bevor die Wanne überläuft. Je eher man den Hahn drosselt, desto länger kann man noch Wasser laufen lassen. So ähnlich ist es auch mit dem Deponieraum für CO2 in der Atmosphäre. Hier die wichtigsten Fakten zum deutschen Emissionsbudget. Wie viele Jahre reicht es noch?

Diese Woche beginnen die Koalitionsgespräche über die künftige Bundesregierung. Alle potenziellen Regierungspartner bekennen sich dazu, das Pariser Klimaschutzabkommen umzusetzen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, haben Bundestag und Bundesrat doch im September 2016 den Beitritt zu dem Abkommen einstimmig beschlossen. Aber was bedeutet das Pariser Abkommen konkret für unseren weiteren CO2-Ausstoß? Dringenden Handlungsbedarf ohne Aufschub, wie ein Blick auf die Zahlen zeigt.

Warum gibt es ein begrenztes Emissionsbudget?

Unsere CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und (zu einem kleinen Teil) aus Entwaldung sind die Hauptursache der globalen Erwärmung. CO2 ist ein langlebiges Treibhausgas – einmal in die Luft entlassen, verschwindet es nicht so leicht. Zumindest ein großer Teil davon nicht – so verhindern unsere Emissionen in diesem Jahrhundert wahrscheinlich sogar die nächste, in 50.000 Jahren fällige Eiszeit, weil selbst dann noch genug CO2 in der Atmosphäre übrig sein wird.

(Allerdings verteilt sich das CO2 auch auf Ozeane und Wälder, sodass die Atmosphäre eher wie eine löchrige kleinere Badewanne in einer größeren Wanne ist, deren Aufnahmefähigkeit aber ebenfalls begrenzt ist. Mehr zum Kohlenstoffkreislauf in diesem früheren Beitrag.)

Fakt ist aber: wer die globale Erwärmung begrenzen will, der kann nur noch eine begrenzte Gesamtmenge in die Luft pusten. Je größer diese ist, desto wärmer wird es auf der Erde. Im Pariser Abkommen wurde von fast allen Staaten der Erde (195 Stück) im Konsens beschlossen, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C zu begrenzen, wenn möglich sogar auf 1,5 °C. Dieses Ziel bedeutet automatisch eine begrenzte Restmenge an CO2-Emissionen.

Allerdings lässt sich diese nur ungenau beziffern. Erstens liegt das an der Spanne von 1,5 bis 2 °C Erwärmung, dem sogenannten Paris-Korridor. Da wir heute schon bei über 1 °C Erwärmung liegen, ist der verbleibende Spielraum irgendwo zwischen 0,5 und 1 °C – bereits ein Faktor 2. Dazu kommt: es gibt noch andere Treibhausgase sowie den kühlenden Effekt von Smog (Aerosolen) – wie wir damit umgehen beeinflusst natürlich,  wie viel Spielraum beim CO2 bleibt. Hinzu kommen die verbleibenden Unsicherheiten in der Reaktion des Klimasystems. So ist es nicht verwunderlich, dass die Spanne der mit dem Paris-Korridor kompatiblen Emissionsbudgets für CO2 zwischen 150 und 1050 Milliarden Tonnen (Gigatonnen, Gt) liegt (siehe dazu den Übersichtsartikel von Glen Peters).

Nehmen wir der Einfachheit halber die Mitte dieser Spanne, also 600 Gt, dann sehen mögliche Emissionsverläufe aus wie in den drei blauen Varianten in Abb. 1.

Abb. 1 Historischer Verlauf der globalen CO2-Emissionen sowie mögliche künftige Verläufe, die mit dem Paris-Korridor vereinbar sind. Die drei blauen Linien entsprechen einem Gesamtausstoß von 600 Gt CO2 ab 2016, die gestrichelte grüne Linie einem Ausstoß von 800 Gt. Die drei blauen Linien zeigen, wie sich zeitliche Verzögerung beim Klimaschutz auf den Kurvenverlauf und den Zeitpunkt der Nullemission auswirkt. Quelle: Figueres et al., Nature 2017 – deutsche Fassung durch Spiegel Online.

Diese Grafik schockiert erfahrungsgemäß viele mit der Materie nicht vertraute Laien – obwohl die Klimaforscher seit vielen Jahren eindringlich darauf hinweisen, dass die Zeit zum Abwenden einer Klimakatastrophe davon läuft. Wir müssen spätestens in 30 Jahren bei Nullemissionen sein – weltweit! Man kommt um diese Erkenntnis nur herum, wenn man

  • Anfangs rascher reduziert als in den Kurven angenommen (das wäre klug).
  • Mit negativen Emissionen rechnet – also damit, erst mehr CO2 in die Luft zu pusten, das man dann später aktiv wieder herausholt (dass dies je in nennenswertem Umfang möglich wird, bezweifle ich).
  • Ein erhebliches Risiko in Kauf nimmt, über 2 °C zu landen.

Wie groß ist das Budget für Deutschland?

Das weltweite Emissionsbudget ist also durch das Pariser Abkommen begrenzt – aber wie viel von diesem Kuchen steht Deutschland zu? Dazu sagt das Abkommen nichts. Dies ist auch keine Frage an Naturwissenschaftler – es ist eine Frage der Gerechtigkeit.

Das einfachste Gerechtigkeitsprinzip lautet: jeder Erdenbürger hat das gleiche Recht auf das Gemeingut Atmosphäre – keiner darf sie a priori mehr mit CO2 belasten als alle anderen. So kann man das globale Budget auf die Länder der Welt verteilen: nach Bevölkerungszahl. Genau das hat der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) gerade in einer aktuellen Stellungnahme getan. Da in Deutschland 1,1 Prozent der Weltbevölkerung zuhause ist, stünden uns von den oben angenommenen 600 Gt demnach 6,6 Gt zu. Der SRU hat sogar ein deutlich höheres Weltbudget von 850 Gt angenommen (was schon eine große Gefahr birgt, über 2 °C zu landen) und Deutschland daher 9,4 Gt zugebilligt. Die Zahl gilt ab Anfang 2015. Ziehen wir für 2015, 2016 und 2017 die jeweils emittierten 0,8 Gt ab, bleiben 7 Gt ab nächstem Jahr.

Diese 7 Gt sind aber noch in einer weiteren Hinsicht sehr großzügig gerechnet – denn dieses Budget beginnt erst jetzt zu zählen. Wir leben aber seit langem über unsere Verhältnisse: aktuell verursachen wir 2,2 Prozent der globalen CO2-Emissionen, also doppelt so viel, wie uns nach unserer Bevölkerungszahl zusteht (damit liegen wir auf Rang 6 aller Länder).

Nach den historischen Gesamtemissionen seit Beginn der Industrialisierung liegt Deutschland gar auf Rang 4 aller Länder, hinter den USA, China und Russland. Gerade Entwicklungsländer wie Indien bestehen aber in der internationalen Diskussion darauf, dass diese historische Verantwortung für CO2-Emissionen teilweise angerechnet wird – z.B. ab 1990, dem etablierten Referenzjahr der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. Diese Debatte will ich hier nicht vertiefen (siehe dazu das Budget-Gutachten des WBGU von 2009).  Ich will nur darauf hinweisen, dass die SRU-Annahme, dass Deutschland noch ein Anrecht auf den Ausstoß von 7 Milliarden Tonnen CO2 hat, schon sehr freundlich für uns gerechnet ist – viele andere Länder wären sicher nicht damit einverstanden, dass wir uns ein so großes Stück vom kleinen Restkuchen genehmigen wollen.

Was bedeutet das Budget für unsere Zukunft?

Abb. 2 zeigt, wie dieses Budget durch eine lineare Emissionsminderung in Deutschland eingehalten werden könnte. Die 7 Gt würden bei den jetzigen Emissionen (0,8 Gt jährlich) noch neun Jahre reichen (!), bei linearer Minderung also 18 Jahre. Im Jahr 2036 müssten wir auf null sein!

Dies ist aber keineswegs das Ziel der Bundesregierung, geschweige denn liegt es im aktuellen Trend (hellblau). Hier muss schon in den Koalitionsverhandlungen dringend nachgebessert werden. Dass wir jetzt schon 2036 auf Null sein müssen liegt an der ungenügenden Politik der letzten Bundesregierungen. Hätten wir früher reduziert, hätten wir noch viel mehr Spielräume – wie der grüne Pfad exemplarisch zeigt, der ab 1990 etwa gleich viel emittiert wie der blaue, aber noch Emissionen bis 2050 erlaubt hätte – hätten wir rechtzeitig diesen Weg eingeschlagen.

Abb. 2 Die deutschen CO2-Emissionen und Ziele. Die blauen Geraden zeigen Verläufe mit einem Budget von 7 Gt ab 2018, bei sofortiger linearer Minderung (durchgezogen) und bei Minderung erst ab 2022. Diese Linien habe ich mit freundlicher Genehmigung der Originalgrafik von Volker Quaschning zugefügt.   

Das ist die entscheidende Eigenschaft eines begrenzten Budgets. Was wir heute ausgeben, können wir morgen nicht mehr ausgeben. Ein begrenztes Budget bestraft Abwarten wesentlich härter als ein festes Enddatum. Das begrenzte Budget aber ist – wie oben dargestellt – schlicht eine Folge der Langlebigkeit von CO2 in der Atmosphäre – eine Eigenschaft des Klimasystems, mit der wir nicht verhandeln können.

Nehmen wir an, die neue Regierung macht „Klimaschutz as usual“ und macht vier Jahre lang auf der hellblauen Trendlinie weiter. In diesen vier Jahren würden dann zusammen 3,2 Gt ausgestoßen, bleibt also ein Restbudget von 3,8 Gt. Bei den Emissionen von dann immer noch 0,79 Gt jährlich würde das noch knapp 5 Jahre reichen, bei linearer Reduktion also 10 Jahre, bis 2032 – siehe die gestrichelte Linie. Vier Jahre Zaudern der kommenden Bundesregierung würde also das Ende der fossilen Emissionen in Deutschland um vier Jahre vorverlegen.

Der SRU teilt das Budget von 9,4 Gt ab 2015 noch auf die einzelnen Sektoren auf: So sollen 3 Gt auf die Energiewirtschaft entfallen, davon maximal 2 Gt für die Kohleverstromung. Jährlich werden derzeit von den deutschen Kohlekraftwerken 0,25 Gt CO2 in die Luft geblasen. Bei den jetzigen Emissionen würde das Kohlebudget also höchstens noch 8 Jahre ab 2015 reichen, also 5 Jahre ab 2018, danach ist Schluss. Fangen wir dagegen sofort mit einer linearen Minderung an, reicht das Budget noch 10 Jahre bis zum Ende der Kohlekraft. Je später man mit dem Abschalten der Kohlekraftwerke beginnt, desto früher muss der Ausstieg beendet sein. Man vergleiche dazu Abb. 3 – Deutschland hat zwar viel erreicht mit der Energiewende, die Erneuerbaren erzeugen inzwischen mehr Strom als Braunkohle oder Steinkohle. Doch die Kohlekraftwerde laufen weiter, untergraben den Klimaschutz und füttern riesige Exportüberschüsse beim Strom. Jetzt muss die Kohleverstromung umso rascher auf null heruntergefahren werden.

Abb. 3 Entwicklung der Stromproduktion in Deutschland aus Erneuerbaren und Kohle. Quelle: SRU.

Fazit

Entweder nehmen wir das Pariser Abkommen ernst, oder wir reduzieren die Emissionen weiter so langsam wie bisher. Beides geht nicht.

Dass wir nun mit einem Wettlauf gegen die Zeit konfrontiert sind liegt daran, dass die rechtzeitigen Warnungen seitens der Wissenschaft zu lange ignoriert wurden. Schon 1965 warnte das offizielle wissenschaftliche Beratergremium von US-Präsident Lyndon B. Johnson vor einer bevorstehenden globalen Erwärmung durch unsere CO2-Emissionen, und den erwarteten Folgen wie dem Anstieg des Meeresspiegels. Spätestens nach dem ersten IPCC-Bericht von 1990 lagen die wesentlichen Fakten klar auf dem Tisch und wurden 1992 beim Erdgipfel in Rio mit dem Abschluss der Klimarahmenkonvention von den Regierungen auch anerkannt – und man hätte handeln müssen. Dass dies viel zu zögerlich geschah, liegt nicht zuletzt an einer ganzen Industrie der Verleugnung und Vertuschung, die hunderte Millionen Dollar in die Täuschung der Öffentlichkeit investiert hat, und deren Propaganda auch von einigen deutschen Medien und Politikern bis heute gerne verbreitet wird.

Die drei global wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen waren 2016, 2015 und 2014. Eisverlust und Meeresspiegelanstieg beschleunigen sich. Weltweit zeigt sich in diesem Jahr all das, wovor die Klimaforscher seit langem warnen: unerträgliche Hitzewellen (Lucifer in Europa; in Arizona konnten Flugzeuge nicht mehr starten, etc.), tödliche Waldbrände (Portugal, Spanien, Kanada, Kalifornien, Brasilien – sogar Grönland), verheerende Überflutungen nach Extremregen (Südasien, Peru, Italien, etc.), Bergstürze durch tauenden Permafrost und Eisrückgang,  Hungerkrisen durch Dürre (Südsudan, Somalia, Yemen…). Und Houston unter Wasser und verwüstete Karibikinseln durch eine nie dagewesene Hurrikansaison im Atlantik, zu der der Top-Tropensturmforscher der USA, Kerry Emanuel vom MIT, schrieb: Es ist Zeit, diese Hurrikankatastrophen nicht mehr „Naturkatastrophen“ zu nennen.  Letzte Woche tauchte gar erstmals ein Hurrikan der Kategorie 3 vor Europas Küsten auf, Ophelia – der zum Glück nicht, wie anfangs vorhergesagt, in Portugal an Land ging, sondern durch eine Hochdruckzone nach Norden abgedrängt wurde und sich daher über kälterem Meerwasser abschwächte, bevor er Irland traf. (Allerdings bescherten die heißen Südwinde östlich von Ophelia Portugal und Spanien erneute Brände mit Dutzenden Verletzten und Toten.)

Abwarten, Verleugnen, Verzögern sind schon lange keine verantwortbaren Optionen mehr.

Weblinks

Deutschlandfunk-Interview zum obigen Blog (Audio)

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

61 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, so sehe ich das auch. Deutschlands Weg zur Dekarbonisierung ist dabei besonders wichtig, hat sich doch Deutschland einen Ruf als Vorreiter einer Wende gemacht. Das Wort Wende macht aber nur Sinn, wenn sich danach vieles sehr rasch ändert. Wenn es das nicht tut und andere Länder gar zum Schluss kommen, ein industrialisiertes Land könne nicht so schnell von der Kohle und den anderen fossilen Rohstoffen wegkommen, dann wäre die Vorreiterrolle von Deutschland gar fatal.

  2. Seit der Energiewende, die global segensreich war indem sie die großskalige Solar- und Windindustrie erst ermöglicht hat bzw. 5-10 Jahre früher ermöglicht hat, ist hier nicht mehr viel passiert.

    Ursprünglich war ja die Versorgung durch Alternativenergie( schwankend), Atom (Grundlast) und Erdgas (flexibel) gedacht.

    Dann viel Atom weg, egal wie man sonst dazu steht, und durch Verwässerung der CO2-Zertifikatbörse viel Gas weg. So sitzen wir jetzt auf Kohle, Kohle und Kohle.

    Bei Speichertechnologie ist Deutschland auch kein Vorreiter mehr, es gibt hier nur kleine Forschungsprojekte – die Musik spielt jetzt in Asien.

    Billige Natrium- oder Alkali-Batterien aus reichlich vorhanden Rohstoffen, die Pumpspeicher ersetzen? Wird es demnächst geben, aber nicht Made in Germany.

    Quasi Eliminierung des CO2-Ausstoßes bis 2030 ist völlig utopisch – es fängt damit an, das man ab 2020 nur noch E-Autos verkaufen müßte, um die Flotte bis dahin ausgetauscht hat, nur noch CO2-freie Heizanlagen im privaten und technischem! Bereich installiert – die Kraftwerke sind hier noch das kleinste Übel, die könnte man in einem Kraftakt noch auf Gas umstellen (und dieses dann hoffentlich in 15 Jahren durch “Windgas” aus aller Welt ersetzen). Dies wäre auch der einzige realistische Weg für Heizungstechnik – nur müßten wir jetzt schon anfangen Infrastrukturentscheidungen und Milliardenpläne aufzusetzen. Was ich nicht glaube, die Stadtverwaltungen die ich kenne sind gerade komplett ausgelastet Wohnraum egal wie für Flüchtlinge zu organisieren, andere Planungen laufen hier “auf Sicht”. Für beides fehlt Verwaltungskapazität, so nimmt man das akutere Problem als erstes. Klima ist so ein Abstraktum für Amtsantrittsreden – habe ich zumindest das Gefühl.

    Ein Markt für überregionale grüne Energie ist noch nicht in Ansätzen vorhanden, da noch überhaupt keine Transportmöglichkeiten konzipiert sind.

    Meiner Meinung nach wird alles hier sehr viel langsamer gehen, auch wenn die Umstellung tatsächlich im Gang ist.

    Die Generation 2.0 der E-Autos ist in der Vorbereitung, auf Basis von Festkörper-Akkus. Diese wird, großtechnisch produziert, vermutlich benzingetriebene Autos auch preislich schlagen. Hier wird die Marktwirtschaft dann auch in politisch unwilligen Ländern eine Umstellung erzwingen – einfach weil ich ein Auto habe das quasi keine Reparaturen und Wartung am Antriebsstrang mehr benötigt. Aber das ist nur ein Aspekt.

  3. Zum globalen CO2-Budget (und damit auch zur “Untermenge” des deutschen Emissionsbudgets) gibt es laut diesem Vortrag “The terrestrial carbon cycle” von Glen Peters, Institute of Environmental Sciences von der Universität von Leiden, noch sehr viele Unbekannte und es besteht noch großer Forschungsbedarf:
    https://www.slideshare.net/GlenPeters_CICERO/the-terrestrial-carbon-cycle
    Auf Folie 2 finden sich, was ich in einem früheren Kommentar mal erfragte, die Ungenaugikeiten der Werte des Zyklus. Das Bild stammt aus dem AR5. Die Unsicherheitsfaktoren sind schon sehr hoch, wie leicht zu erkennen.
    Auf Folie 30 stellt Glen Peters die offenen Fragen vor und endet mit den Worten “Lots of science to be done!”. Interessanterweise sind es nach seiner Aussage auch die Einflüsse auf das Klima, wozu es noch viel zu forschen gibt: wie stark beeinflussen die Emssionen denn nun wirklich das Klima.
    Das war mir bisher nicht bekannt, dass die Grundsatzfrage aus Sicht der Wissenschaftler noch offen ist, das hörte ich bisher nur aus Skeptikerkreisen.

    • Eine gute Präsentation von Glen Peters! Auf dessen Zusammenfassung der Daten beruht ja auch meine Budgetgrafik (Abb. 1) und ich habe das intensiv mit ihm diskutiert. Welche Grundsatzfrage soll noch offen sein? Aus seiner Präsentation kann ich nicht erkennen, wie Sie zu diesem Schluss kommen oder seine Aussagen gar mit denen aus Skeptikerkreisen vergleichen?

      • Die Päsentation zeigt meiner Meinung nach auch gut, dass Co2-Abtrennung bislang noch große Unsicherheiten mit sich bringt. Dementsprechend ist es riskant, sich darauf zu verlassen.

        @Wolfgang Richter
        Entsprechend sollte man auch beachten, dass die Unsicherheiten in beide Richtungen gehen. Es könnte besser eintreten als die aktuelle mittlere Erwartung aber auch schlechter. Unsicherheit ist dabei eine normale Eigenschaft wissenschaftlicher Erkenntnis und wird von wissenschaftlicher Seite auch nicht verschwiegen.
        Es ist keine kluge Strategie, darauf zu vertrauen, dass es schon gut gehen wird und der bestmögliche Fall eintritt. Die Ergebnisse der Wissenschaft schließen den bestmöglichen Fall nicht aus, er ist aber nicht wahrscheinlich, wie man auch aus der Präsentation entnehmen kann.
        Dass weitere Forschung hilfreich ist, heißt nicht man sollte das Handeln verschieben. Wenn die weitere Forschung den jetzt als wahrscheinlichsten Fall erwarteten bestätigt, könnte man in einem Szenario gefangen sein in dem man gezwungen ist, radikal Emissionen zu reduzieren oder Maßnahmen zu ergreifen, die hohe Risiken und Unsicherheiten mit sich bringen: Geoengineering. Dies könnte weniger effektivund sicher sein als erhofft.

    • Glenn Peters in dem im Hauptartikel verlinkten Artikel:
      “The moral of the story

      The moral of the story is that there is not a single “carbon budget”. However, the core message of the ‘carbon budget’ concept is that emissions need to go to net-zero (otherwise, the budget continues to grow).

      Whether the remaining budget is 700, 800, or 900 billion tonnes CO2 is largely beside the point. Due to the uncertainty in future non-CO2 pathways, we simply do not know. Either way, emissions need to go to zero at an unprecedented rate.”

      Kein Zweifel, dass die Reduktion von CO2 so schnell wie möglich passieren muss.

  4. Es ist einfach nur erschreckend. Ich war heute zu einer Veranstaltung im sächsischen Landtag. Da ging es um Energiewende Jobwunder oder Jobkiller. Für mein 2-jaehriges Kind
    wird es unter der jetzigen Entwicklung wohl mal um Job “irgendwie überleben” gehen. Vielleicht hat es wenigstens der Herr Branson in seinem Weinkeller auf seiner Privatinsel waehrend des Hurrikans begriffen.

  5. > Entweder nehmen wir das Pariser Abkommen ernst, oder
    > wir reduzieren die Emissionen weiter so langsam wie
    > bisher. Beides geht nicht.
    >
    Das ist korrekt.

    Was Sie in Ihrem Artikel nicht erwaehnt haben: Welchen Wert
    haben die fossilen Brennstoffe, die noch im Boden liegen?
    Der RollingStone[sic] hat das mal schoen zusammengezaehlt:
    http://www.rollingstone.com/politics/news/global-warmings-terrifying-new-math-20120719?print=true
    Das entspricht Aberbillionen von Dollars. Wenn wir das
    Pariser Abkommen ernst naehmen, muessten die Foerderlaender
    de facto auf dieses Geld verzichten. Zum Wohle des
    grossen Ganzen.

    Damit ist die Sache hinreichend beantwortet.

    Auch gruene Aktivisten sehen das im Grunde ihres Herzens
    ein: man beschaeftigt sich mit harmlosen Aktivismus
    um Gluehbirne & Veggie-Day. Wenn’s um die eigene
    Wurscht geht, scheint die Sinnlosigkeit ernsthafter
    Anstrengung durch: ueberzogener Laermschutz vor Bahnausbau,
    Landschaftsschutz statt Windraedern oder allgemeiner
    Naturschutz statt Pumpspeicherkraftwerken.

    Der ach so selbstbewusst aktive Herrenmensch hat eine
    anderes Dilemma. Einmal zugeben, dass es ein Problem
    gibt, das der heilige Wettbewerb nicht loesen kann?
    Ein undenkbarer Praezedenzfall! Loesung: Es gibt ja gar
    kein Klimaproblem. Nur schlechtes Wetter. Und das kann
    der Markt richten.

    Trump wird gerne die Mentalitaet eines Siebenjaehrigen
    unterstellt. Wahrscheinlich deswegen ist er der
    einzig ehrliche bei diesem Thema. Die anderen
    wollen die peinliche Wahrheit lieber nicht erwaehnen.
    Und unterschreiben Abkommen, die sie natuerlich nicht
    ernsthaft einzuhalten gedenken.

    • @Hoimrdengr (Zitat)

      :Welchen Wert
      haben die fossilen Brennstoffe, die noch im Boden liegen? … Das entspricht Aberbillionen von Dollars.

      Rohstoffe sind nur etwas wert, wenn sie jemand kaufen will. Wenn es kostengünstigen Ersatz für die fossilen Brenn- und Treibstoffe gibt, dann will sie niemand mehr kaufen und sie werden wertlos. Allerdings kann man auf diesen Marktmechanismus nicht allein vertrauen, denn bei sinkender Nachfrage werden diese Rohstoffe billiger und damit attraktiver. Deshalb müssen Treibhausgasemissionen bepreist werden (carbon tax oder Emissionshandel). Es gibt hier tatsächlich ein Problem, was sich gut am Verhalten der Rohstoffbesitzer ablesen lässt. Beispiel: Norwegen ist emissionsmässig und in der Förderung der Elektromobilität vorbildlich, lebt aber zu einem nicht unbedeutenden von den Erdöl- und Erdgasvorkommen, die es besitzt und die es auch nicht so schnell aufgeben will.

      • > Rohstoffe sind nur etwas wert, wenn sie jemand kaufen will
        > Wenn es kostengünstigen Ersatz für die fossilen Brenn- und
        > Treibstoffe gibt, dann will sie niemand mehr kaufen und
        > sie werden wertlos

        Richtig. Leider: Subventionen und Zertifikate abgerechnet,
        gibt es immer noch keine billigeren & verlaesslicheren
        Quellen fuer grossflaechige Automobilitaet, Heizen &
        Prozessenergie.

        Und: Norweger sind nicht die einzigen. Justin Trudeau
        hatte dieses Fruehjahr einen Anfall von Ehrlichkeit:
        “No country would find 173bn barrels of oil in the
        ground and just leave them there.”
        http://www.theguardian.com/commentisfree/2017/apr/17/stop-swooning-justin-trudeau-man-disaster-planet

      • Zum Glück werden nicht mehr benötigte Rohstoffe nicht grenzenlos billig – die werden irgendwann wieder teurer.

        Ein Kohlemine muß in Betrieb gehalten werden – wenn die Nachfrage nicht mehr da ist werden die Schächte geflutet und die Förderanlagen abgebaut. Dann ist Schluß.

        Dasselbe mit Ölförderanlagen – die haben millionenschwere jährliche Wartungskosten, wegen ein bisschen Öl läßt die keiner bestehen. Und wenn z.B. nur noch 10% des heutigen Öls nachgefragt wird, werden diese Kosten auf jedes Barrel umgelegt. Es wird halt nur noch ein paar alte Bohrlöcher geben, die Öl für chemische Zwecke liefern – umweltpolitisch ist das dann irrelevant.

        Gut gesehen hat man den Effekt als im Jahr 2000 durch China der Kohlepreis in den Himmel schoß. Die meisten Ruhrgebietsminen waren schon geschlossen – man hätte liefern wollen, aber konnte nicht.

        Dafür werden andere Länder jetzt reich: Lithiumvorkommen sind wohl zur Zeit das neue Öl. Deutschland hat im Erzgebirge wohl auch ein paar Vorkommen.

  6. Mal schauen, ob wir das 3°C-Ziel halten können. Ich – ganz ehrlich – glaube es nicht.

    Was das 2°C-Ziel betrifft: Wenn wir unsere historischen Emissionen (gemessen nur am Rest-Verbleib rechnerisch “unseres” CO2s im Klimasystem) einbeziehen, müssten wir heute in Deutschland CO2 netto einfangen statt ausstoßen. Für uns ist der ethische, gerechte Weg zum 2°C-Ziel bereits jetzt verpasst.

    In jedem Fall danke für diesen Blogbeitrag!

  7. Nach dieser sehr aufschlussreichen Darstellung unseres Budgetrahmens und der Gegenüberstellung der verschiedenen Szenarien müssen sich jetzt alle Beteiligten um Realismus und Ernsthaftigkeit bemühen. Wenn ich bedenke, dass die Photovoltaik vor 18 Jahren bei uns mit 0,02% angefangen hat und jetzt bei 7-8 % Anteil am Gesamtstrom liegt und außerdem neben Wind die billigste neu zu errichtende Stromerzeugungsart ist, dürfen wir für die Zukunft vieles erwarten. Mit der Digitalisierung und weiteren Erkenntnissen aus der Materialforschung sind Strukturbrüche möglich, so dass die “alten Energien” schneller als gedacht abgelöst werden können.
    Gespannt bin ich in diesem Zusammenhang auf das Ende Oktober in deutscher Übersetzung erscheinende Buch von Tony Seba “Saubere Revolution 2030”.
    Ich bin überzeugt und optimistisch, dass wir in den nächsten Jahren die eine oder andere Exponentialfunktion erleben werden, die vieles, was wir jetzt vorsichtig abwägen, rasch hinter sich lassen wird.

  8. Die politisch Verantwortlichen stehen vor dem Dilemma, dass bei jeder strengeren CO2-Minderungsvorgabe noch mehr Menschen kein Vertrauen mehr in die Energiewende setzen und als Antwort darauf AfD wählen könnten. Die entsprechende Trendentwicklung zeichnete sich bei der Bundestagswahl in den ostdeutschen Braunkohleregionen und bereits zuvor bei der Landtagswahl 2016 in Sachsen-Anhalt ab. Siehe hierzu die letzte Landkarte im folgenden Beitrag für Energy Post vom 10. Mai:

    http://energypost.eu/divestment-will-not-block-german-lignite/

  9. Die berichteten Daten wirken sehr solide, ihre Bewertung kommt mir aber übermäßig optimistisch vor. Eine kleine alternative “Prognose”. Ich gehe von den 7GT CO2 aus, die Deutschland noch ausstoßen darf. Ich rechne diese etwas herunter, auf 6 GT, da die Weltbevölkerung noch wächst. Ich gehe davon aus, dass in Deutschland zur Zeit 900MT pro Jahr ausgestossen werden. Ich gehe aber eher davon aus, dass diese einige Jahre lang allenfalls wenig sinken werden (der Ausbau der Solarenergie und des Biogases zeigen deutliche Bremsspuren, außerdem werden noch einige Kernkraftwerke abgeschaltet und es sind noch Kohlekraftwerke im Bau). So komme ich auf einen Wert von weniger als 7 Jahren, in dem Deutschland sein Budget aufbrauchen wird. Ich bin sehr gespannt, wie Herr Rahmstorf dann seine Kurven anpassen wird.

  10. Diese Grafik http://tinyurl.com/y94wm5jk des Bundesumweltministeriums hatte ich im Sinn. Zugegebenermaßen werden dort CO2-Äquivalente und nicht nur CO2 betrachtet. Vielleicht hätte ich 800 ansetzen sollen. Darauf kommt as aber nicht an. Man kann das uns zustehende Budget noch weiter herunterrechnen, wenn man bedenkt, dass etliche Länder sich an den Einsparungen nicht beteiligen werden. Die willigen Länder müssen also mehr leisten, was das 2 Grad Ziel angeht, und Deutschland wollte doch immer eine Vorreiterrolle spielen. Jedenfalls sieht es so aus, als ob die Budgets der meisten Länder in wenigen Jahren ausgeschöpft sind. Was dann?

      • Ich habe mich ebenfalls gewundert, weshalb sie von lediglich 800 Millionen Tonnen pro Jahr ausgehen. Ich weiß, dass sind die reinen CO2-Emissionen. Man kann sich natürlich zur Vereinfachung des Sachverhalts darauf beschränken, wie eben auch die historische Verantwortung außer acht gelassen wird. (Gut allerdings, dass sie darauf hingewiesen haben.)
        Aber letzlich zu verbachlässigen sind die weiteren 106 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente der anderen Gase nicht gerade, und in diesem Lichte besehen müssten die Reduktionsanstrengungen sogar noch größer sein.

        • Die 800 Millionen Tonnen für CO2 beruhen bereits auf Annahmen, wie stark die anderen Gase reduziert werden. Allerdings kann man diese anderen Gase (obwohl man sie in CO2-Äquivalente umrechnen kann – was aber nur für einen bestimmten Zeithorizont geht) nicht in ein Budget einbeziehen, weil sie nicht so langlebig in der Atmosphäre sind wie CO2. Wie im Beitrag erklärt ist ja gerade diese außerordentliche Langlebigkeit von CO2 der Grund, warum es vor allem auf die kumulativen CO2-Emissionen ankommt, und damit auf das Gesamtbudget.

  11. Einer muss es jetzt einmal aussprechen: Unter Klimaschutzaspekten war der vorzeitige deutsche Ausstieg aus der Kernenergie destruktiv. 2016 hatten wir rund 150.000.000 MWh Bruttostromerzeugung aus Braunkohle (23,2 % Gesamtanteil, dazu kommt ein Steinkohleanteil in Höhe von 17,2 %), den Ausstieg aus dieser Erzeugung schaffen wir ohne AKW bis 2050 nicht.

    Die deutschen AKW sind ziemlich sicher. Der Ausstieg aus der Kernkraft wäre längerfristig vollkommen okay gewesen, nicht zuletzt weil die Dinger als Neubauten durch das hohe Sicherheitsniveau (mehrfache Redundanzen etc.) völlig unwirtschaftlich geworden sind.

    Die Entsorgungsfrage ist nicht wirklich ein Argument, denn die Endlagerungsproblematik entsteht, wenn ein Land zum ersten Mal AKW in Betrieb nimmt. Würden die ab heute ein, zwei Jahrzehnte länger genutzt, käme nur relativ wenig Volumen dazu, auch produziert eine hochindustrialisierte Gesellschaft immer radioaktiven Klinik- und Forschungsmüll. Aus der Abfall-Zwickmühle kommen wir auf keinen Fall mehr raus!

    In meiner Einschätzung unterscheide ich mich vehement von Klimaskeptikern (und oft identischen AKW-Fans): Unsere CO2-Emissionen sind ein riesiges Menschheitsproblem. Die Entwicklung der Erneuerbaren ist eine ganz große Erfolgsstory, das war musterhaft gute Industriepolitik. Der Trend wird sicher noch einige Zeit weiterlaufen, ob wir aber wirklich auf 100 % Regenerative kommen halte ich für durchaus zweifelhaft.

    Was ist, wenn es ohne 20 bis 30 % fossile Back-up-Kapazität nicht geht? Einfach mit Wolkenkuckucksheimen technologischer Innovationen zu operieren – siehe weiter oben: „Strukturbrüche möglich“, „dürfen wir für die Zukunft vieles erwarten“, „schneller als gedacht abgelöst werden können“ – halte ich nicht für sehr sinnvoll.

    • “[…] nicht zuletzt weil die Dinger als Neubauten durch das hohe Sicherheitsniveau (mehrfache Redundanzen etc.) völlig unwirtschaftlich geworden sind.”

      Dem widerspreche ich, wenn man Erneuerbare als Grundlast-Energiequelle vergleicht. Dann kommen im Vergleich zur Atomkraft die Notwendigkeiten sehr umfangreichen Netz- und Speicherausbaus hinzu. Letztere sind derzeit kaum erschwinglich bzw. mit schwer vorstellbaren ökologischen Kosten verbunden – z.B. wären Pumpspeicher nötig in quasi jedem dafür geeigneten Mittelgebirgstal Deutschlands. Die derzeitige gesamte Speicherkapazität Deutschlands beträgt 40 GWh (0,144 PJ), davon der größte Anteil Pumpspeicher (Quelle: Wissenschaftlicher Dienst Bundestag 2016). Der deutsche Bruttoendenergiebedarf, der 2011 zu 85% fossil gedeckt wurde, beträgt recht genau 1 PJ pro Stunde. Das heißt derzeit können wir 8,6 Minuten unseres Bedarfs speichern. Und im Übrigen nicht innerhalb dieser kurzen Zeit abrufen. Das ist die Dimension unseres Speicherproblems!
      Natürlich kann man das Problem abfedern mit einem Technologiemix (wie Power to Gas), aber die Investitionskosten stellen die bisherige Energiewende um mehrere Größenordnungen in den Schatten.

      • Power to Gas ist das einzige Sinnvolle hier – auch in Bezug auf finanzierbarkeit. Das Leitungsnetz für Erdgas steht schon, es gibt Speicherkavernen, und eine Heizungs- und Kraftwerkinfrastruktur.
        Das ganze muß ausgebaut werden – aber das kann evolutionär geschehen und nicht auf der grünen Wiese, mit allen Verzögerungen (Verbandsklagen von Vogelschützern und Konservativen).
        Power2Gas-Konverter kann man als graue Fabrikhalle in Industriegebiete stellen – das kann man schnell hochziehen. Und die Kohlebrenner in Ballungszentren durch Erdgas/Wasserstoffbrenner zu ersetzen ist noch eine der einfacheren Investitionen, da man diese Technik von der Stange kaufen kann, für ca 1000 Euro / KW Leistung.

        Batterie-Kurzfristspeicher kann man auch gut überall bauen, wenn die Technik da ist, ohne allzulange Beantragungen. Pumpspeicherbau ist ja quasi unmöglich geworden. Davon abgesehen ist er in Deutschland eh nicht attraktiv, bzw. werden die vorhandenen Pumpspeicher bald geschlossen da die Betreiber für den gespeicherten Sprom Ökoumlage zahlen müssen, die sie beim Verkauf nicht zurückkriegen. Sie zählen als Endabnehmer.

        • Ja, Sie haben recht, Batteriespeicherung ist bereits billiger als ich dachte. Vor einigen Jahren lag der beste Preis noch bei 2€/kWh, nach meiner heutigen Recherche liegen derzeit die besten Lithiumsysteme bei ca. 0,42 € / kWh. Dazu kommen allerdings noch die Stromgestehungskosten, so dass für einen privaten Abnehmer der Preis für gespeicherten Strom sich mehr als verdoppeln würde. Das ist aber insgesamt schon so “billig”, dass ich da angesichts der Entwicklung langsam auch einen Silberstreifen am Horizont ausmache. Gut!

      • @Wizzy
        Ich glaub Sie sind auf die üblichen Skeptikerthesen reingefallen. Sie wollen mit Pumpspeichern (Strom) Deutschlands Bruttoendenergiebedarf (Kohle, Gas, Öl etc.) speichern. Wenn Sie alles machbare elektrifizieren, wäre ein Vergleich mit dem Endenergiebedarf etwas korrekter, da ein Großteil der Umwandlungsverluste entfallen. Dieser beträgt nur ein Drittel vom Bruttoenergiebedarf. Des Weiteren gehen Sie davon, dass Pumpspeicher jahreszeitliche Schwankungen ausgleichen sollen. Diese sollen aber nur kurzzeitige Schwankungen ausgleichen. Zudem gehen Sie davon aus, dass der gesamte tägliche Strom gespeichert werden muss. Es müssen aber nur die Spitzen verlagert werden. Für größere Schwankungen über einen größeren Zeitraum sind z.B. Gaskraftwerke zuständig.
        Sie überschätzen die Speicherthematik deutlich. Erst wenn einen Stromanteil von 60% erreicht haben, werden überhaupt erst Speichertechnologien in größerem Maßstab benötigt. Und Pumpspeicher werden dabei keine nennenswerte Rolle spielen.

        • Verzeihen Sie, wenn ich das völlig anders sehe. Beispielsweise entsprechen meine 1 PJ / h tatsächlich dem Netto-Endenergiebedarf (gemäß Bundesministerium für Wirtschaft Deutschland). Just check the numbers. Denn der Brutto-Endenergiebedarf ist im Gegensatz zum Primärenergiebedarf (den ich überhaupt nicht ins Spiel brachte) nur ~12% höher, das geht in meiner Rundung auf 1 PJ unter. Außerdem: Umwandlungsverluste werden bei Power to Gas to Electricity (Wirkungsgrad 2-stufig 30-44%) und der Notwendigkeit viel weiterer Energietransporte (z.B. von der Küste nach Bayern) bei Erneuerbaren Energien sogar beträchtlich höher. Der Primärenergiebedarf wird also auf hohem Niveau bleiben, was ich überhaupt nicht berücksichtigt habe.

          Ihre These, dass Speicherung kaum notwendig sei, wird in der Fachliteratur nicht geteilt, auch nicht von offen einsehbaren Reports der wissenschaftlichen Dienste der Behörden (z.B. https://www.nrel.gov/docs/fy16osti/66595.pdf). Power to Gas ist derzeit aufgrund der hohen Kosten nur als langsamer Energiebereitsteller wirtschaftlich (größere Preisschwankungen auf größeren Zeitskalen), daher wird PtG erst ab 60% Erneuerbaren (vielleicht) wirtschaftlicht. Davor braucht man aber sehr wohl eine große Kapazität kurzfristiger Energiebereitstellung, z.B. Gaskraftwerke. Will man die bei >60% Erneuerbaren dann auch abschaffen, braucht man Batterien, Pumpspeicher oder PtG stattdessen. Und zwar in aus heutiger Sicht gigantischen Ausmaßen. Alternativ ein Netz und überall leistungsfähige Erzeuger, die eine Fläche so groß wie Afrika und Europa (oder Europa und Teile Asiens) vereinen und wahrscheinlich höhere Herausforderungen bieten als Speicherung.

          Nach heutigen Technologiekosten gerechnet ist Nuklearenergie ein Schnäppchen dagegen. Aber hoffen wir mal dass die Speicher- und erneuerbaren Erzeugungskosten weiter stark sinken.

          • Vielen Dank für den Hinweis. Wie sie richtig gemerkt haben, meinte ich Nutzernergie. Wie sie von einem steigendem Energiebedarf bei zunehmender Elektrifizierung/Ausbau EEausgehen können, bleibt mir ein Rätsel. Aus “primärenergetischer” Sicht ist die Verbrennung immer mit hohen Verlusten verbunden, welche bei der direkten Wind/PV-Nutzung weitestgehend entfallen.
            Etliche Studien vom Fraunhofer Institut, Jülicher Forschungszentrum, BMWi, Öko-Institut, Agora usw. gehen von einem reduzierten Primärenergiebedarf in DE aufgrund der höheren Effizienzen aus. Dieselben Studien machen Aussagen zum Speicherbedarf. Warum beziehen Sie sich auf eine US-Studie beziehen ist mir ein Rätsel.
            RIchtig ist aber ihre Aussage, dass ab 60% hohe Speicherleistungen (viel GW) benötigen werden. Die benötigte Arbeit (Leistung x Zeit) ist aber im Verhältnis zum Gesamtenergiebedarf eher gering. So wie in Ihrer verlinkten Studie auch.
            Und auch zu den Kosten gibt es Studien. Diese haben z.B. gezeigt, dass bereits mit den heutigen Kosten und Techniken eine Versorgung mit EE und PtG/Batterien günstiger ist als Atomkraft (siehe Studie von Energy Brainpool). Wobei man fairerweise sagen muss, dass in Europa die Atomkraft mittlerweile die mit Abstand teuerste Energieform ist. Ich gehe wie Sie davon, dass PtG erst bei höheren EE-Anteil und gesunkenen Kosten in größerem Maßstab eingesetzt wird.
            Ich würde mich freuen, wenn Sie mir die Studien mitteilen würden, welche zu einem anderen Ergebnis kommen. Das wäre dann eine Neuigkeit für mich.

  12. Ich frage mich ehrlich gesagt nur, wie das technisch noch zu schaffen sein soll.
    Mir ist es aktuell schleierhaft, wie wir es schaffen sollen, den Verkehr und einen Teil der Wärme auf die Stromseite zu verlagern und parallel dazu noch aus Atrom- und Kohlekraft austreten sollen. Ich war absolut für den Ausstieg aus der Atomkraft, aber
    ob es im Sinne der CO2-Reduzierung so sinnvoll war, hinterfrage ich schon. Kohle- vs. Atomstrom ist für mich ein Pest- und Cholera-Dilemma.

    Deswegen halte ich die forcierung der Erneuerbaren Energien auch für absolut richtig, aber ohne eine effektive und sehr, sehr umfängliche Speicherung der Energie (Batterien, Power-to-X) können wir die Probleme nicht umfassend lösen. Der Fokus von Politik und Industrie sollte also eigentlich auf der Speicherung und der Netzrobustheit liegen. Auf den Bereich Power-to-Gas in Hinblick auf die in Zukunft verstärkte Wichtigkeit von Gaskraftwerken wird aus meiner Sich viel zu wenig Wert gelegt.

    Auch die Schiff- und Luftfahrt ist viel zu Träge, um auf absehbare Zeit auf fossile Kraftstoffe verzichten zu können. Für die Produktion von CO2-neutralem Kraftstoff braucht es ja wiederrum noch mehr Energie, aufgrund der schlechten Effizienz. Für mich führt, bei Btrachtung der im Artikel genannten Zahlen, deswegen mittlerweile auch kein Weg mehr an der aktiven Filterung von CO2 und anderen klimaschädlichen Gasen aus er Atmosphäre vorbei.

    Das soll nicht bedeuten, dass wir es nicht versuchen sollten. Aber ich hoffe wirklich inständig, dass sich die Wissenschafft, was die Auswirkungen von CO2 auf das Klima betrifft, doch ein wenig irrt und wir vielleicht etwas mehr Zeit haben als heute gedacht. Wahrscheinlich ist es aber eher andersrum.

    • Eine umfangreiche Speicherung ist erst ab ein Stromanteil von 60-80% erforderlich. Hierzu gehört aber das die verbleibenden kohlenstoffbasierten Kraftwerke hochflexibel sind (inkl. An-/Aus-Betrieb). Dazu gehören nicht Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke.
      PtG wird sehr wichtig werden. Vorerst ist es viel effizienter mit PV und Wind Kohlestrom zu ersetzen. PV und Wind kosten nun weniger als 5 ct/kWh, sind also marktreif.
      Was kosten die CO2-Filter, welche Technologien sind marktreif?

  13. Alle Maßnahmen die jetzt notwendig sind (wären), tun irgendjemanden weh! Landwirtschaft etc: Weniger Fleischexport, weniger Sojaimport, weniger Kunstdünger, weniger Holzeinschlag etc.
    Automobilindustrie, Ölindustrie etc: Tempolimit, kleinere, leistungsschwächere, sparsamere Autos, Elektroautos etc.
    Tourismus etc: Weniger Flug-, Schiffs- und Autoreisen, Besteuerung von “Urlaub”
    Energiewirtschaft: Weniger Stromexport ( vor allem Kohlestrom ), weniger Stromverbrauch etc.
    Gebäudetechnik: Verbot von neuen Öl-, Kohle- und Gasheizungen etc. etc.
    Wir sind Export”meister” und wollen Wachstum !! CO2 bedeutet Wohlstand !
    Ein Politiker, der in einer Demokratie jemanden “wehtut”, wird nicht mehr gewählt.
    Welcher Politiker hat den Mut zu “Blut, Tränen und Schweiß”-Entscheidungen?
    Der müsste quasi suzidgefährdet sein.
    Ich kenne aktuell keinen.

    • Daran erkennt man eben, welche Politiker verantwortungsvoll sind und echte Führungsqualitäten besitzen. Dazu gehört eben auch, unpopuläre Wahrheiten auszusprechen und unbeliebte Maßnahmen zu ergreifen.

    • @Straßenberger: Sie haben etwas wichtiges vergessen: erheblich weniger Autos! Warum argumentieren Sie eigentlich nicht andersrum, fast jedes Ihrer Beispiele würde z.B. meine Lebensqualität (und damit meinen Wohlstand!) erheblich steigern, das ergibt sich allein schon durch den Abbau erheblicher, gar nicht unbedingt klimarelevanter externer Kosten, die ich seit Jahren kompensationslos tragen muss.

      Und glauben Sie mir: Die fünf älteren Damen (alle ohne Auto, eine mit Rollator) im Haus schräg gegenüber empfinden das noch deutlicher. Denen gehen die sinnlos herumstehenden Blechkisten (im Schnitt 23 Stunden am Tag), die blockierten Wege, das andauernde grundlose Herumgefahre, das ständige Rasen und Belästigen, die latenten Aggressionen, der gesundheitsschädigende Lärm, Staub und Gestank, die stupide verzerrten Gesichter der “Piloten”, die zunichte gemachten städtebaulichen Möglichkeiten und vieles mehr noch viel stärker als mir auf die Nerven.

      Frage an unsere Klimaskeptiker und Jungfreiheits-Ideologen: Haben in unserem Land eigentlich auch ältere Damen irgendwelche Freiheitsrechte?

    • Oder den Umbau offensiv in die Hand zu nehmen. Es stecken ja auch unendlich viele wirtschaftliche Chancen in der Entwicklung und dem Einsatz der neuen Technologien. Deutschland, lass dich nicht abhängen, möchte man rufen.

  14. stefan Rahmstorf,
    der Wähler hat das letzte Wort. Und der scheint (noch) nicht einsichtig genug, um die Tragweite der Co2 Problematik zu erkennen.
    Die Zunahme von schwergewichtigen SuVs und der niedrige Benzinpreis sprechen eine klare Sprache. Die Zunahme der Flugreisen und Schiffsreisen ist geradezu besorgniserregend.
    Was können wir von den Entwicklungsländer erwarten? Wachstum!
    also die Zukunftsaussichten sind ernüchternd.

  15. Vielen Dank für die wie immer gut verständliche und aufrüttelnde Darstellung.

    Herr Prof. Dr. Rahmstorf, wie schätzen Sie die Gefahr durch vermehrte CO2 und vor allem Methan-Emissionen ein, wenn die 2 Grad-Grenze überschritten wird ?

    Tauender Permafrost in Sibirien, Alaska und Kanada führen zu verstärkter Zersetzung der aufgetauten Biomasse mit entsprechenden CO2- und Methanemissionen.
    Hinzu kommt dann noch das Methan, das wegen der Ozeanerwärmung aus den Methanhydrat freigesetzt wird.

    Meine Befürchtung ist, dass die Menschheit bei Überschreitung der 2 – Gradgrenze nicht mehr im drieverseat sitzt, sondern nur noch zuschauen kann, wie die dann sich selbst verstärkende globale Durchschnittstemperatur davon galoppiert.

    Gibt es entsprechende Studien ?

    • Herr Götzinger, Handlungsmöglichkeiten werden immer bestehen. Man wird aber auch darauf gefasst sein müssen, dass die Menschheit den Klimawandel nur dezimiert übersteht. Dem könnte man auch Positives abgewinnen, wenn es nicht mit soviel Elend verbunden wäre. Ihre Anregung, über das 2-Grad Ziel hinaus sich Gedanken zu machen, begrüße ich sehr.

    • Guten Abend Herr Prof. Dr. Rahmstorf.
      Könnten Sie Sie etwas zu der oben von mir aufgeworfenen Problematik tauender Permafrost – Methanhydrat – Methanemissionen als bestimmender Faktor der Klimaerwärmung sagen. (siehe oben)

      Gibt es entsprechende wissenschaftliche Studien ?

  16. Die PIK Klima Lobby hat wieder mal nichts besseres zu bieten, als schäbigen Klima Alarmismus.
    Liegt wohl auch an der Dummheit von Menschen, welche unter anderem über Jahre behauptet haben, die Himalaya Gletscher wären um 2035 quasi verschwunden.

    Diesen Klima Nazis sollte man sofort jeden Hahn abdrehen, aber noch werden diese Arschlöcher von Merkels Gnaden Irrsinn und links grün naiven Lobbys geschützt.

    Nicht mehr lange, aber bis dahin werden sie viel Schaden anrichten, den dann wieder Realisten zu bewältigen haben werden. Rahmstorf und Schellnhuber sind nichts weiter als naive Sklaven der AGW Industrie, vor AGW Wahn Zeiten unbeachtete Akademiker, auch wenn sie es selbst bislang noch nicht realisiert haben.

    Wer auf die Polemiken solcher Mainstream Forscher rein fällt, wird demnächst ganz böse erwachen.

    • Herr Lettner,

      es wäre für mich als Leser und Kommentator dieses Blogs schön, wenn Sie sachliche Argumente bringen würden, statt Polemik.

      Obwohl Sie Polemik ja Herrn Rahmstorf vorwerfen, veröffentlicht Herr Rahmstorf vorwiegend wissenschaftliche Studien – und davon eine Menge, die international zitiert und positiv rezipiert sind. Der AGW ist international im Meteorologiestudium ein Unterrichtsfach (zuweilen optional). Selbst die einfachsten Standardwerke der Atmosphärenphysik lassen keinen Zweifel am Treibhauseffekt durch CO2. Das ist Mainstream, ja, so wie Evolutionstheorie und Relativitätstheorie – also etabliertes Wissen ohne dass Zweifel daran in Fachkreisen irgendeinen Bestand hätten. Auch die reale Temperaturentwicklung steht im Einklang mit den Jahrzehnte-alten (damals noch wenig detaillierten) Prognosen.

      Die größten Unsicherheiten der Prognosen sind der zukünftige Ausstoß an Treibhausgasen und Faktoren wie Wolken und Aerosole – die Dominanz des Treibhauseffektes an sich wird nirgends bezweifelt.

      Auch die Sonnensystem- und Exoplanetenforschung (u.a. der ESA, NASA), und Paläoklimatologie bestätigen die herausragende Bedeutung der Treibhausgase.

      Angesichts der etablierten Theorie, worauf genau begründet sich also Ihre Kritik?

    • Beim Forumsthema “Wissenschaftler helfen Lesern, in der Berichterstattung zum Klima Fakten von Fiktion zu unterscheiden“ vom 25. Mai 2016 habe ich schon einmal die angemessene Antwort auf solche Beschimpfungen gegeben. Statt „Herbert und Krammhausen“ einfach “Markus Lettner” einsetzen:

      „Es handelt sich bei ´Herbert´ und ´Krammhausen um eine sog. ´Frustrations-Aggression.´ Auslöser sind kognitive Dissonanzen, die wiederum ihre Ursache in einem nicht mit der Realität kompatiblen Weltbild haben.

      Möglicherweise spielt ganz spezifisch auch eine Mutation auf dem X-Chromosom eine Rolle. Eine resultierende Fehlfunktion bei der Oxidation des Enzyms Monoamin führt zu aggressiven Ausbrüchen.

      Vor kurzem haben Verkehrspolizisten im SPIEGEL die deutsche Autobahn als ´offene Psychiatrie´ bezeichnet. Das Verhalten der beiden im Straßenverkehr könnte weiterführende Schlussfolgerungen erlauben (notwendige Informationen für eine verbesserte Ferndiagnose werden die mir vermutlich aber nicht liefern).“

      Es ist mir damals ein kleiner Fehler unterlaufen, das mit der „offenen Psychiatrie“ war aus der ZEIT (und nicht aus dem SPIEGEL). Gut, dass ich das jetzt endlich richtig stellen kann!

    • ACHTUNG Sarkasmus
      Herr Lettner ich danke Ihnen für den “äußerst sachlichen” Beitrag, der endlich alle Fakten offen darlegt und frei von Populismus und Kraftausdrücken ist
      ENDE Sarkasmus

      Zum Glück vergisst das Netz nie und ich kann meiner Tochter später zeigen, wie sich die Leugner des menschenverursachten Klimawandels auch 2017 noch aufgeführt haben.

  17. Über diesen Link sieht man sehr gut, daß wir in diesem Monat öfter um die 30% Strom exportieren. https://www.energy-charts.de/power_de.htm?source=conventional&month=10&year=2017
    Da können doch sehr viel Braunkohlekraftwerke und auch Kernkraftwerke abgeschaltet werden. Wenn man bedenkt, daß sehr viele GuD Kraftwerke garnicht angestellt werden.

    Hier zwei Statements von 2 Politikern aus dem Braunkohle Kreis Rhein Erft Kreis:

    http://radioerft.de/erft/re/1464367/news/rhein-erft-kreis

    http://radioerft.de/erft/re/1464550/news/rhein-erft-kreis

  18. Der Artikel macht ja unmissverständlich deutlich, dass es umso einfacher sein wird, die Erwärmung auf 1,5 – 2 Grad zu begrenzen, je eher wir in die konsequente Vermeidung von CO2 und Äquivalenten einsteigen. Dafür meinen herzlichsten Dank!

    Sie zählen aber auch eine Vielzahl von Wetterereignissen auf. Das finde ich etwas irritierend, da es meines Wissens keine eindeutigen Belege für den Zusammenhang einzelner Wetterereignisse mit der bisher stattgefundenen globalen Erwärmung um ca. 1 Grad gibt. Jedenfalls wird diese Ansicht allenthalben verbreitet. ES wir zwar auch verbreitet, dass es zu mehr Extremwetterereignissen kommen wird, jedoch kommen mir diese Aussagen eher ein Blick in die Glaskugel vor. Oder gibt es doch wissenschaftlich gut abgesicherte Belege für die Annahmen?

    • Ich habe bewusst Beispiele von Wetterereignissen ausgesucht, bei denen man davon ausgehen muss, dass sie durch die globale Erwärmung schlimmer und/oder häufiger werden. In den Links im Text zu diesen Wetterereignissen finden Sie meist mehr Info dazu. Es geht nicht darum, dass ein einzelnes Wetterereignis nachweislich durch die globale Erwärmung verursacht wurde – wegen der großen Zufallskomponente im Wetter wird man das kaum je belegen können. Genausowenig kann man belegen, dass ein einzelner Lungenkrebs durch Rauchen verursacht wurde und nicht ohnehin aufgetreten wäre, wenn die Person nicht geraucht hätte. Man kann nur zeigen, dass Raucher viel öfter Lungenkrebs bekommen. Trotzdem ist es natürlich sinnvoll nicht zu rauchen.

  19. Ein Grund dafür warum bis heute die großen Kohlekraftwerke weiterlaufen sind auch die wetterabhängigen Schwankungen der Energiebereitstellung bei EE. Diese wetterabhängigen Schwankungen lassen sich nicht von heute auf morgen beheben. Aber warum tut man dann nicht längst mehr bei der Stromabnehmerseite? Tankstellen ändern heute stündlich ihre Treibstoffpreise, ähnlich rasch ändern sich die Aktienwerte an der Börse. Warum geht das nicht auch beim Strom? Warum haben wir nicht längst in jedem Haushalt intelligente Strommanager? Jeder Bürger könnte dann selber entscheiden ob er teureren Strom zu jeder Zeit nutzen will oder ob er sparen möchte und den Strom dann nutzt wenn er am günstigsten ist? Dann könnte die Waschmaschine, der Trockner, die Aufladung des E-Mobils, u.v.m. automatisch starten wenn Strom im Überschuss im Netz ist und somit der Preis je kWh gering ist. Moderne Kühlschränke könnten lediglich in der Nacht Strom benötigen. Auch für viele Industriebetriebe gäbe es hier Potential. Da kann es sich vielleicht sogar lohnen, Strom privat zu speichern und später wieder ins Netz einzuspeisen. Ein Markt aus Angebot und Nachfrage von Strom könnte über kurzzeitig schwankende Strompreise mithelfen dass die Schwankungen zwischen Strombedarf und Strombereitstellung teilweise angeglichen werden. Hierdurch könnte auf weitere klimaschädliche Grundlastkraftwerke verzichtet werden. So lange die Strompreise aber unabhängig vom Stromangebot fix sind gibt es keine Anreize für solch intelligente Lösungen auf der Abnehmerseite. So meine Theorie als interessierter Laie. Gibt es belastbare Studien über die Wirksamkeit und die Potentiale eines solchen flächendeckenden flexiblen Strommarktes?

    • Lieber Herr Seifert,

      Sie wären verwundert, wie exakt sich die Produktion von fluktuierenden erneuerbaren Energien vorhersagen lässt. Dabei steigt die Vorhersagequalität an, je kürzer der zu prognostizierende Zeitraum ist. Genauere Aussagen finden Sie dazu bei der Bundesnetzagentur und den Übertragungsnetzbetreibern. Die Fluktuation lässt sich zwar nicht beheben, sie ist aber vorhersehbar und damit (eigentlich) kein Problem.

      Die Ursache ist m.E. auch nur sehr wenig technischer Natur. Die weitaus größte Anzahl der konventionellen Anlagen ließe sich technisch durchaus in sehr kurzen Zeiträumen herunter- und wieder herauf regeln. Was allerdings dagegen spricht, sind die ökonomischen Anreize. So ist es wegen der Verluste im Wirkungsgrad häufig ökonomisch sinnvoller, die Anlage trotz sehr geringer Preise für Strom durchlaufen zu lassen, anstatt diese Anlagen abzuriegeln. Im Ergebnis sehen wir einen Angebotsüberhang, der zu sehr niedrigen Preisen bei hoher Wind- und Sonnenstromerzeugung führt (übrigens vorwiegend im Day-Ahead Markt – wegen der Prognosengenauigkeit, wie oben erwähnt). Diese niedrigen Preise führen dann zu einer starken Nachfrage im Ausland, die froh sind, den deutschen Braunkohlenstrom zu derart niedrigen Preisen einkaufen zu können und zeitgleich das nationale CO2 Konto zu entlasten.

      Eine Lösung dieses hausgemachten Dilemmas wäre ein (idealerweise europaweit oder gar G20 weiter) CO2 Mindestpreis auf entsprechendem Niveau, so dass er den so dringend benötigten Fuel-Switch ökonomisch rechtfertigt.

      • Ein weiterer Grund dafür, dass die konventionellen Kraftwerke weiterlaufen, liegt darin begründet, dass ein fallender Börsenpreis für Strom zwar einerseits den aktuellen Ertrag mindert, andererseits aber auch die EEG-Umlage erhöht.

        Dieser Umstand läßt sich dann propagandistisch nutzen, um die Erneuerbaren Energien als Preistreiber zu diskreditieren. Getoppt wird diese Negativ-Image-Kampagne für die Erneuerbaren Energien noch, wenn guter deutscher Strom zu negativen Preisen an die Nachbarländer verscherbelt wird – so etwas mag der deutschen Neid-Michel schon gar nicht.

    • Dieser flexible Strommarkt existiert ja längst, nämlich an der Strombörse. Da werden die Preise meines Wissens viertelstündlich neu ermittelt. Dementsprechend werden auch Kraftwerke (v.a. in der Mittellast arbeitende Steinkohlekraftwerke) hoch und runter gefahren. Auch größere Industrieunternehmen mit höherem Strombedarf richten sich, soweit technisch möglich, längst nach diesen Preisschwankungen. Nur Kleinverbraucher wie Kleingewerbe und Privathaushalte sind davon bisher abgeschnitten. Es wäre gut, wenn sich das ändern würde, denn Lastverschiebungen sind die günstigsten Speicher. Aber neu erfunden werden muss solch ein flexibler Strommarkt nicht werden. Er existiert längst. Nur eben bisher nur für die Großen.

      • Aufgrund der noch vorhandenen Überkapazitäten sind die Preisunterschiede an der Stromböse sehr gering. Im Jahesmittel sich einen Vorteil von nur 1 ct/kWh zu erarbeiten, ist bereits sehr schwierig. Dafür müsste alles in die Nachtverschoben werden (Waschen, Spülen, Kochen usw.). Und dann spart man satte 1€/Monat und auch nur wenn man einen SmartMeter hat. Deshalb wird es noch nicht gemacht. Wenn 20 Kohlekraftwerke und die restlichen Atomkraftwerke raus sind, könnte es spannender werden.

      • Ich glaube, Sie reden von zwei ziemlich verschiedenen Strommärkten. Ich versuche mir die komplizierten Zusammenhänge derzeit modellhaft anhand einer mir dem Namen nach bekannten Person klarzumachen, die schon vor einigen Jahren das kleinste Energieversorgungsunternehmen (EVU) Deutschlands gegründet hat. Detailinformationen dazu habe ich nicht, bisher recherchiere ich nur ein bisschen im Internet herum:

        Also der hat einige Kunden in Furtwangen (Wohnblöcke, Handwerksbetriebe), deren Strom-Lastgang muss er exakt (stundenweise?) für den nächsten Tag prognostizieren. Den Bedarf versucht er mit eigenen Anlagen abzudecken (Stückholzkessel, ein/zwei BHKW`s, PV-Anlage), evtl. muss er jedoch Strom am Day-Ahead-Markt der EEX in Leipzig einkaufen, das kann er natürlich auch längerfristig am Terminmarkt machen. Der Preis bildet sich dort nach der „merit order“, die EEX ist ein „uniform-pricing“-Markt, da gibt es zuletzt nur einen Preis, nach dem alle Anbieter entlohnt werden.

        Kommt es zu einer Mehrnachfrage seiner Kunden, wird ihm vom Übertragungsnetzbetreiber Regelenergie in Rechnung gestellt. Der Preis für Regelenergie bildet sich am bundesweiten Markt für Regelenergie, und zwar nach einem Ausschreibungs- und „Pay-as-bid“-Verfahren (es gibt zuletzt je nach abgegebenem Angebot verschiedene entlohnende Preise).

        Technisch würde das bei größeren Stromnachfrage-Abweichungen im Hochspannungsnetz etwa bedeuten: Diverse Großkraftwerke, die am Regelenergiemarkt teilnehmen, laufen etwas schneller (Primärregelung, Sekundenreserve), die Marktteilnehmer müssen immer eine gewisse Kapazität verfügbar halten, möglicherweise sind da auch die Pumpspeicher dabei. Bei dauerhafterer Überlastung greifen andere Mechanismen (Sekundärregelung), z.B. werden Gaskraftwerke angeworfen.

        Unter http://www.regelleistung.net gibt es eine aktuelle Anbieterliste, da ist z.B. auch ein großes Aluwerk dabei. Sollte an meiner Darstellung etwas unsicher oder gar falsch sein, bitte sofort korrigieren!

        • Den Clou an der Sache habe ich natürlich z.T. zu erwähnen vergessen. Nämlich, dass auch am Markt für Regelenergie die Preise kontinuierlich fallen bzw. gefallen sind. Nimmt man die Tatsache dazu, dass die Strom-Mittagsspitzen tendenziell immer stärker durch die Photovoltaik kompensiert werden, wird klar, dass sich das PSW Atdorf nicht mehr lohnt. Ohne Stromveredelung keine rentablen Pumpspeicher! Es ist wohl auch so, dass Biogasanlagen immer flexibler und bedarfsgerechter eingesetzt werden (können?).

          Bei der Photovoltaik gab es über die Jahre ihrer Entwicklung eine 20%-Erfahrungskurve, das ist jedenfalls mein Wissensstand. D.h. bei jeder Verdoppelung der Produktion sinken die Stückkosten (z.B. pro mit der Technologie produzierter Megawattstunde) um 20 %. Ein ähnlicher Effekt müsste sich auch bei den Batteriespeichern ergeben, mit der Erfahrungskurve kann man empirisch relevante Prognosen erstellen, solche “economies of scale” sind immer auch Bestandteil konzernstrategischer Planungs-Portfolio-Modelle.

          Zum Erfahrungskurvenkonzept siehe auch:

          https://de.wikipedia.org/wiki/Erfahrungskurve

        • “Sollte an meiner Darstellung etwas unsicher oder gar falsch sein, bitte sofort korrigieren!”

          ich würde gerne mehr darüber wissen, aber wenn ich ihren text lese, denke ich, sie wissen da mehr 😉

          trotzdem möchte ich einen aspekt beitragen: die stromanbieter sind zukünftig verpflichtet viertelstündige, präzise vorhersagen über ihren strombedarf ab zu geben. eine abweichung nach oben oder unten kostet geld.

          allein dies schon – fachliche fähigkeit, die man sich finanziell leisten kann – siebt jene aus, die zu klein sind. obwohl: wenn (mittel-)groß sein bedeutet, auch große, lokale, auf einen betrieb konzentrierte abnehmer zu haben, würde der wegfall dieses abnehmers auch immense folgen haben. klarer: ein stahlwerk als kunde wäre gefährlichlich.

          insofern ist also die notwendigkeit, zukünftig korrekte vorhersagen zu tätigen, eine hürde, welche die großen stromanbieter hilft, sich lästige (kleine) konkurrenz fern zu halten. und dies gerade dann, wenn man nicht nur strom verkauft, sondern auch produziert: wenn man die fehlprognose durch eigene kraftwerke kompensieren kann (durch mehr oder minderproduktion), muss man diese fehlprognose eben gerade nicht teuer bezahlen. und eine alternative wäre: man kompensiert es durch vorhandene speicherkapazität.

          von daher weiß ich noch nicht so recht, was ich davon halten soll, dass bessere prognosen verlangt werden: zum einen begünstigt es die großen der branche. zum anderen scheint es mir jene zu begünstigen, die eigene (ee) stromproduktion oder speichertechnik aufbauen.

          wie bereits gesagt: schwierig! vor allem wenn man, wie ich, nur rudementäre kenntnisse zu dieser sache hat…

          • Danke für die Informationen. Sehr viel mehr weiß ich vorläufig nicht, aber ich habe jetzt doch noch eine Website des von mir erwähnten EVU entdeckt:

            http://duffner-energieanlagen.de/

            Vielleicht schicke ich dem nächste Woche eine Mail (auch auf die Gefahr hin, dass der mich dann in einigen Aspekten korrigiert).

            Bürgerenergie! Bürgerstolz! Regionale Werte schaffen! Etwas mit eigenen Händen verbessern! Für viele sind das entscheidende Werte, die die Kernenergie nie bieten kann. Das sollte eigentlich nicht so schwer verständlich sein!

            Auch:
            http://www.wkv-ag.com/start.html
            und
            https://www.youtube.com/watch?v=93BzQxYUMBw

          • @Treverer. Also: Der Betreiber des angesprochenen EVU hat mir (innerhalb seines Blogs, kann man nachlesen) geantwortet. Er betreibt kein öffentliches Netz, beliefert nur seinen Kundenkreis. Die von mir angesprochenen Markttransaktionen (EEX, Day ahead, Regelenergie usw.) sind bei ihm nicht notwendig, trotzdem ist das Management seines Systems sehr kompliziert. Bei größeren EVU läuft das dann schon so wie von mir beschrieben ab.

  20. Wir können es ändern

    Danke, Herr Rahmstorf, für diese bedrückende und zugleich aufrüttelnde Analyse!
    Wir können und müssen uns entscheiden: Wollen wir unseren Kindern und Enkel eine Umwelt hinterlassen, die ihnen immer schwierigere Lebensgrundlagen beschert – oder wollen wir verantwortungsvoll die Energie-, Verkehrs- und Wärmewende vorantreiben? Die notwendigen Kenntnisse und auch Techniken stehen uns zur Verfügung. Und sie werden immer noch besser.
    Raimund Kamm

    • Hallo Herr Kamm,

      was Sie hier schreiben ist natürlich richtig. Die “aufrüttelnde Analyse” hatte ich allerdings schon vor über 30 Jahren als Schüler, als sich schon deutlich abzeichnete was heute passieren würde.
      Die wichtigsten davon für mich persönlich:
      1985 Hoimar von Dithfurt “So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen”
      1994 Al Gore “Wege zum Gleichgewicht” 1994
      2008 David MacKay “Without the hot Air” 2008

      Ich beziehe mich noch einmal auf unseren kleinen Dialog in Herrn Rahmstorfs letztem Beitrag,der nicht mehr kommentierbar ist. Sind sie inzwischen dazu gekommen David MacKays “without the hot air” zu lesen?
      Falls ja, dann müssten ihnen klar sein, dass man sich bei der Eindämmung des Klimawandels keinerlei Dogmen leisten kann. Ein Dogma ist etwas was man unter keinen Umständen hinterfragen darf, welches man aber dafür um so öfters unreflektiert, aber dafür laut und deutlich artikuliert unbeindruckt neuer Erkenntnisse wiederholt. Also zum Beispiel:
      Die Kohle- und Gasverbrennung sind nicht die Alternative zur Atomkraft. Sondern: Einsparen, Effizienz und Erneuerbare Energien
      Nein, so einfach ist es leider nicht, wie MacKay leicht nachvollziehbar vorrechnet. Es braucht vor allem gewaltige Paradigmenwechsel um uns aus der gemeinhin unterschätzten Abhängkeit von fossilen Energien zu befreien. Im Grunde genommen ist unser komplette Lebensstil in allen Bereichen zu hinterfragen. Er ist irrsinnig Ressourcenaufwendig. Dass man sich weltweit angesichts der brutalen Dynamik des Klimawandels den Luxus leisten kann, von heut auf Morgen aus der Kernkraft auszusteigen und gleichzeitig alle neuen diesbezüglichen technischen Entwicklungen zu ignorieren, ist völlig unklar, so wünschenswert es auch wäre. Die einzige von der Grössenordnung realistische nachhaltige Alternative, die MacKay sieht, wären riesige Projekte wie Desertec.
      mfG
      Ralph Dihlmann

  21. Ähem, hier mal von mir ein Argument pro Klimawandel:

    Ein internationales Forscherteam hat herausgefunden, dass das Klima eines Landes und die geographische Lage einen überraschenden Einfluss auf die Häufigkeit von Leberzirrhose haben. Bei jedem Anstieg der Temperatur um ein Grad Celsius nimmt das Risiko einer alkoholbedingten Leberzirrhose um 0.3 Prozent ab.

    Nähere Informationen: https://www.welt.de/kmpkt/article163948792/Deutschland-ist-schuld-wenn-du-zu-viel-Bier-trinkst.html#Comments

    So, ich muss jetzt den Bordeaux entkorken!