Wie ernährt man sich “gesund”?

Heute mal ein Thema für wirklich alle: gesunde Ernährung! Oder anders herum betrachtet die elementare Frage: Was macht uns beim Essen krank? Das betrifft jeden Menschen – ist aber in der Wissenschaft bis heute ein recht umstrittenes Thema.

Die FAZ titelte am 23. September 2017 Low Fat: eine einzige fette Lüge – und nutzte das gleichzeitig zur Generalabrechnung mit allen Ernährungsexperten. Die hatten nämlich lange Zeit explizit vor dem Verzehr tierischer Fette gewarnt, doch inzwischen ist die fette Bedrohung aus den Ernährungsempfehlungen weltweit wieder verschwunden. Einen wie Dirk Haller, Direktor des Institute for Food & Health an der TU München, der sein ganzes Berufsleben mit der Grundlagenforschung mikrobiologischer Vorgänge im Darm verbracht hat, bringt so eine Veröffentlichung richtig auf Touren. Für ihn ist sie zudem beste Motivation dafür, als Ernährungswissenschaftler überhaupt keine öffentlichen Empfehlungen über die richtige Zusammensetzung unseres Speisezettels zu geben. Tatsächlich sind die Forscher selbst noch auf der Suche nach den richtigen Antworten – das schafft Platz für allerlei Meinungen, Spekulationen und Mutmaßungen. Das heute öffentlich vorgestellte Spektrum von selbsternannten oder anerkannten Experten reicht von Empfehlungen spezifischer, weil „besonders gesunder“ Nahrungsmittel-Zusammensetzung bis hin zur knallharten Aussage eines Dirk Haller. Er sagt pointiert, dass wir derzeit einfach „nichts darüber wissen“, was gesunde Ernährung ausmacht. Und das, obwohl Mikrobiologen und Immunforscher heute sämtliche unserer Darmbewohner in Stuhlproben detailliert gensequenzieren können. 1013 Bakterien kennen Sie inzwischen, ein ganzes Universum von Lebensformen, doch nur rund hundert sind wohl im menschlichen Körper mit einem relevanten Anteil vertreten – wenn auch in unterschiedlichen Zusammensetzungen. Denn kein Mikrobiom gleicht dem anderen – und es verändert sich auch über die Lebenszeit.

Während Mikrobiomforscher in die molekularen Mechanismen einzelner Bakterien unseres Verdauungstraktes blicken, stehen auf der gegenüber liegenden Seite des Spektrums forschender Arbeiten statistische Analysen. Wissenschaftler befragen in etlichen, sogar weltweit angelegten Studien viele hunderttausend Menschen, auch mehrfach über Jahre hinweg. Beispiel hierfür die europaweite Studie EPIC für European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. Sie wollen Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krankheiten aufdecken. Denn die große Zahl der Erhebungen erlaubt es, bestimmten Krankheiten statistisch relevante Muster der bakteriellen Zusammensetzung der Darmbakterien zuzuordnen. Die Forschung über Ernährung in einem gewaltigen Spagat also zwischen Statistik und molekularer Detailuntersuchungen. Alles das zusammen hat schon zu ersten kleinen Puzzlesteinen geführt, wie Ernährung, Krankheitsbilder und das menschliche Mikrobiom zusammenwirken. Dennoch ist Hallers Radikalität in der Aussage durchaus begründbar, denn alles, was wir bisher über solche Zusammenhänge von Nahrung und Gesundheit und damit also auch der Entstehung von Krankheit „wissen“, ist bestensfalls Stückwerk und im großen Bild eben ausschließlich korrelativ begründbar, also erkenntnis-theoretisch nur wahrscheinlichkeits-relevant. Damit aber bleiben solche Erkenntnisse für den echten Grundlagenforscher, eben so einen, wie es Haller ist, schlichtwegs ungenügend für eindeutige Empfehlungen. Erst wenn es möglich ist, die zugrunde liegenden Mechanismen zu erschließen und damit genau zu „verstehen“, wie sie funktionieren, ist für ihn die Zeit von Empfehlungen gekommen. Doch die Frage nach dem „warum“ bleibt vorläufig offen.

Trotz dieses noch mangelhaften Wissens im Detail versuchen Ernährungsmediziner, Patienten schon im Heute bei Ernährungsfragen zu helfen. Dass Nahrung nicht nur das Überleben für den Organismus sichert, sondern im Erkrankungsfall auch unterstützen kann, ist eine Erkenntnis, für die die Gastroenteriologin Yurdagül Zopf vom Universitätsklinikum Erlangen – und als Professorin für Ernährungsmedizin dort auch forschend tätig – seit rund fünfzehn Jahren kämpft. Sie ist überzeugt, dass es genügend wissenschaftlich nachgewiesene Fakten gibt, um mit richtiger Ernährung therapeutische Erfolge zu erzielen. „Ernährung ist Medizin“, so konstatiert sie selbstbewusst – und entwickelt im Hector Center mit ihrem Team für fettleibige Zuckerkranke oder Menschen mit Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, aber auch für Krebspatienten detaillierte Ernährungspläne, die immer auch mit Bewegungstherapien gekoppelt sind. Die Tatsache, dass diese Therapien in der klinischen Praxis helfen, wiegt für sie im medizinischen Alltag natürlich schwerer als die weitgehend ungeklärte Frage des „warum das so ist“.

Für Zopf ist es ein bedeutsames Faktum, dass Ernährung auch und gerade in Verbindung mit Bewegung gesehen werden muss. Denn Muskelaufbau wirkt nach Ihrer Aussage im Krankheitsfall gegen Entzündung, unterstützt also die Therapie. So galt der Gewichtsverlust bei schweren Tumorerkrankungen bis vor kurzem noch als ein typisches Begleitsymptom dieser Krankheit. Für Zopf aber ist es auch dank nachgewiesener Behandlungserfolge klar, dass der Aufbau von Muskeln – also spezielle Bewegungstherapie in Kombination mit einem auf Eiweiß ausgerichteten Ernährungsplan – nicht nur den Organismus stabilisiert und so das Wohlbefinden des Patienten erhöht. Der Aufbau von Muskeln kann darüber hinaus, so sagt sie, sogar das Wachstum von Tumoren bremsen. Um solche Forschungen voran zu treiben, hat sie ein interdisziplinäres Team von 24 Mitarbeitern verschiedener Fachkompetenzen aufgebaut, darunter Mediziner wie Onkologen, aber auch Ernährungswissenschaftler, Physiotherapeuten und Sportwissenschaftler, die alle mit ihrem Spezialwissen zu den Therapien beitragen.

Mit dieser interdisziplinären Forschungsgruppe kämpft Zopf bei der Krebsbehandlung für ein ganzheitliches Therapiekonzept, lässt dafür aus Stammzellen ihrer Patienten im Labor Organoide heranwachsen und untersucht so in experimentellen Studien Veränderungen des individuellen Mikrobioms und mögliche Wirkungen von Nahrungsmittel-Bestandteilen auf ihre Patienten. Gerade im Bereich der Krebstbehandlung gibt es bei vielen Ärzten noch Ressentiments gegen diese ganzheitliche Methode, denn Onkologen sind bis heute weitgehend auf die direkten Formen der Tumortherapie – Chemo, Bestrahlung, Operation – fokussiert. „Das nützt aber nichts, wenn der Patient dabei stirbt. Der Körper des Patienten muss die Therapien auch tolerieren können“, sagt sie mir, und genau dafür müssten Patienten eben gleichzeitig ernährungs- und bewegungstherapeutisch behandelt werden. Das ist, das weiß natürlich gerade sie aus ihrer Erfahrung, „eine ganz neue Epoche der Therapie“ – und fügt gleichzeitig hinzu: „Wir sind da noch ganz am Anfang“. Das heißt: Es braucht noch viel Überzeugungsarbeit für das Abbauen von bestehenden Hürden bei Medizinern – und natürlich auch noch viel Forschung. Denn erst mit der Klärung, „warum“ eine Therapie funktioniert, erübrigt sich jede wissenschaftliche Diskussion darüber.

Mehr zum Thema Ernährung und Bewegung auch im aktuellen Heft von Spektrum im Artikel Was unser Körpergewicht bestimmt.

Den Sprechertext zur Reportage gibt’s wie immer bei HYPERRAUM.TV.

Zwei Telefon-Interviews als Bonus-Tracks gibt es auf dem YouTube-Kanal von HYPERRAUM.TV – mit Prof. Dirk Haller zum Thema Machen Darmbakterien krank? und Hundert Bakterien steuern den Darm, ein Gespräch mit Prof. Michael Blaut, Abteilungsleiter Gastrointestinale Mikrobiologie am Institut für Ernährungsforschung.

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Ich habe viele Jahre journalistisch im Bereich Wissenschaft und Technologie gearbeitet, später dann mit meiner kleinen Beratungsfirma als Medienexpertin. 2010 erfüllte ich mir meinen großen Traum und gründete den Spartensender HYPERRAUM.TV, für den ich eine medienrechtliche Rundfunklizenz erteilt bekam. Seither mache ich als One-Woman-Show mit meinem „alternativen TV-Sender“ gewollt nicht massentaugliches Fernseh-Programm. Als gelernte Wissenschaftshistorikern habe ich mich gänzlich der Zukunft verschrieben: Denn die Vergangenheit können wir nur erkennen, die Zukunft aber ist für uns gestaltbar. Wir sollten versuchen, nicht blind in sie hinein zu stolpern!

14 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, wir wissen nichts darüber (Zitat), was gesunde Ernährung ausmacht und wenn schon können wir eher sagen, was falsche als was richtige Ernährung ist. Im Zusammenhang mit dem Übergewicht, von dem jetzt 66% aller US-Amerikaner und ähnlich viel Europäer betroffen sind, hat sich jedenfalls herausgestellt, dass die Nahrungsmittel mit einem hohen glykämischen Index (Nahrungsmittel die den Blutzuckerspiegel schneller ansteigen lassen) sich ungünstig auf das Hungergefühl und den Appetit auswirken und somit für Übergewichtige tabu sind. Das ist gerade das Thema eines Spektrum-der-Wissenschaft-Artikels vom November 2017.
    Ernährung kann natürlich Medizin sein – vor allem dann, wenn eine Mangelversorgung mit einem Vitamin oder Spurenstoff vorliegt. Doch das ist hier im Westen eher selten. Auch bei Unverträglichkeiten und Allergien muss die Ernährung unzweifelbar angepasst werden. Dass es aber darüber hinaus eine grundsätzlich gesündere Ernährung gibt scheint immer noch ungewiss. Zwar werden immer wieder die Vorzüge der mediterranen Diät hervorgehoben, welche vor allem Fische, Nüsse, Obst und Olivenöl beinhaltet, aber auch die Okinawa-Diät könnte ohne weiteres als gesund empfunden werden, denn auf Okinawa leben die Menschen besonders lange. Und gerade auf Okinawa konsumieren die Menschen relativ viel Schweinefleisch, jedenfalls mehr als in Japan durchschnittlich. (Zitat: Okinawans consumed: fewer total calories (1785 vs. 2068), less polyunsaturated fat (4.8% of calories vs. 8%), less rice (154g vs. 328g), significantly less wheat, barley and other grains (38g vs. 153g), less sugars (3g vs. 8g), more legumes (71g vs. 55g), significantly less fish (15g vs. 62g), significantly less meat and poultry (3g vs. 11g), less eggs (1g vs. 7g), less dairy (<1g vs. 8g), much more sweet potatoes (849g vs. 66g), less other potatoes (2g vs. 47g), less fruit (<1g vs. 44g), and no pickled vegetables (0g vs. 42g). In short, the Okinawans circa 1950 ate sweet potatoes for 849 grams of the 1262 grams of food that they consumed, which constituted 69% of their total calories)

    Die langlebigen Okinawaner ernähren sich also vor allem von Süsskartoffeln (69% der Kalorien), etwas was wir hier als einseitige Ernährung geisseln würden. Möglicherweise ist wichtiger, dass die Okinawaner ihr Leben lang dünn bleiben und ihr BMI immer an der unteren Grenze des Normalgewichts bleibt.

    • Ergänzung: Ein Gesundheitsrisiko trägt, wer ein metabolisches Syndrom zeigt und dieses ist bei Übergewichtigen häufiger zu finden als bei Normalgewichtigen, scheint aber wenig von der Art der Ernährung abzuhängen. Allerdings beeinflusst die Art der Ernährung auch das Übergewichtsrisiko. Ein metabolisches Syndrom liegt vor, wenn mindestens drei der Faktoren, zu grosser Bauchumfang, erhöhter Blutdruck, hohe Blutzuckerwerte, hohe Serumtrigliceridwerte und tiefe HDL-Werte vorliegen.

  2. MH.
    wir haben im Augenblick doch alle Kombinationen der Ernährung,
    1. Veganer
    2. Vegetarier
    3. gemischte Ernährung
    4. Vorzugweise Fleischesser.
    Gibt es da schon Analysen.
    Ich kann nur aus praktischer Erfahrung sagen, ein naher Bekannter von mir hat immer fett, fetter am fettesten gegessen und ist jetzt 97 bei klarem Verstande.

    • Ja, Veganer und Vegetarier haben seltener ein metabolisches Syndrom (oft tiefe Cholesterinwerte), leiden aber nicht selten an einer Unterversorgung mit Vitamin B12 oder Eisen. Eine britische Studie bei 10’000 Vegetarieren und Veganern zeigt ein deutlich erhöhtes Depressionsrisiko, je veganer desto grösser. Mit grosser Wahrscheinlichkeit ergibt sich das höhere Depressionsrisiko durch den häufigen B12-Mangel bei dieser Personengruppe.
      Ausgesprochene Fleischesser scheinen häufiger übergewichtig zu sein, sie erkranken auch häufiger an Herz-/Kreislaufkrankheiten und häufiger Konsum von rotem oder verarbeitetem (Wurst, etc) Fleisch scheint das Darmkrebsrisiko zu erhöhen.

  3. “Nichts essen nach 18:00!”
    Wurde lange emphohlen, war aber immer Quatsch, mittlerweilen kassiert.

    “Zucker ist schlecht!”
    Bislang noch mainstream, gerät aber stark ins Wanken.

    “Am besten fünfmal am Tag in kleinen Mahlzeiten essen!”
    Im Moment noch mainstream, glaube ich, bis vor kurzem auf jeden Fall.
    Völliger Blödsinn, wenn noch nicht revidiert, dann weg damit.

    Vielleicht sind die Ernährungswissenschaften einfach eins dieser Felder, wo sich gerne missionarische Vorstellungen tummeln. Es gibt durchaus seriöse Medienformate, in denen u.a. Wissenschaftler zu Wort kommen, die einfach nur Angebote machen wollen, ohne einem mit dem erhobenen Zeigefinger zu kommen. Die sind höchst willkommen, als Infomöglichkeit für den Laien, um dann eigene Entscheidungen zu treffen.
    Ansonsten empfiehlt sich das Hören aufs eigene Bauchgefühl, um die verschiedenen Missionare rauszufiltern, auch wenn die oft besonders lautstark sind.

    • Danke für obige immer wieder gehörte Aussagen, denn tatsächlich beschäftigen sich Menschen nicht nur physisch, sondern auch geistig ständig mit der richtigen Ernährung und sogar Ethik und Moral, aber auch Klugheit und Rat drehen sich um dieses Thema. Nun zu den Ratschlägen 1) “Nichts essen nach 18:00!”, 2) “Zucker ist schlecht!” und 3) “Am besten fünfmal am Tag in kleinen Mahlzeiten essen!”
      zu 1) Vor dem Schlafengehen wenig zu essen wird auch heute noch empfohlen, denn was so spät gegessen wird, wandelt sich in Fettpolster um
      zu 2) “Zucker ist schlecht!” wird heute mehr gesagt als je. Ja es werden sogar Verbote von zuckerhaltigen Getränken wie Coca Cola etc. gefordert. Tatsächlich scheinen stark zuckerhaltige Getränke und Nahrungsmittel die Fettleibigkeit zu fördern, denn die Sättigung durch stark Zuckerhaltiges ist nur kurz anhaltend und geht bald in den nächsten Hunger über
      zu 3) “Am besten fünfmal am Tag in kleinen Mahlzeiten essen!”. Das gilt zunehmend als falsch, denn Beobachtungen haben ergeben, dass längere Abstände zwischen den Mahlzeiten sich günstig auf den Stoffwechsel auswirken. Der Körper scheint regelrecht umzuschalten, wenn er kalorisch unterversorgt ist und zwar auf eine positive Art und Weise. Vorübergehend Hungern scheint gesund zu sein.

    • Gesünder Essen ist Teil des Bestrebens gesünder zu leben. Für ältere Semester geht das oft mit dem Wunsch länger, oder länger gesund zu leben einher. Der Healthy Life Expectancy Calculator berechnet die Lebenserwartung und die Erwartung der noch gesund verbrachten Lebensjahre aufgrund von Faktoren wie Alter, BMI, Ausbildung,Einkommen, Training,momentaner Gesundheit, Diabetes, Diät,Schlaf und Alkohohlkonsum.
      Ich habe den Test durchgeführt und die Empfehlung erhalten mich mehr körperlich zu betätigenund mehr zu schlafen um so je 19.6 Monate älter (zusammen also 39 Monate älter) zu werden.

  4. @Martin Holzherr

    39 Monate, na also, alles ganz einfach. Schlaf wird allerdings unterschätzt, da ist sicher was dran.

    Die Empfehlung “nicht nach 18:00” macht Sinn, wenn zusätzlich gegessen wird. Es stimmt, daß sich Essen nach 18:00 fast komplett auf die Hüften legt. Ist man aber z.B. ein Frühstücksmuffel und isst wenig bis nichts zu dieser Tageszeit, und sind die Kalorien insgesamt im grünen Bereich, nimmt man nicht zu, der Körper baut in der Früh dann wieder ab, was abends aufgebaut wurde.
    Es ist wahrscheinlich viel ungesünder, mit Kopflastigkeit gegen seinen Essrhythmus zu verstoßen, wenn dieser gerne nach 18:00 isst und insgesamt im Gleichgewicht bleibt, aus physischen und psychischen Gründen.

    Zucker ist im Übermaß natürlich schlecht, gefährdet sind z.B. Leute, die ständig Getränke mit Zucker konsumieren. Aber die teilweise Tendenz, Zucker auch in Maßen zu verteufeln, gerät meines Wissens nach ins Wanken.

    • @DH: Zustimmung zu “Es ist wahrscheinlich viel ungesünder gegen seinen Essrhythmus zu verstoßen”. Auch ich esse Mittags wenig und Abends viel und es fällt mir schwer dies zu ändern. Wenn man abnehmen will auch noch die Essenszeiten zu ändern ist wahrscheinlich unklug, denn allzuviel sollte man nicht aufs Mal ändern.

      Zum Zuckerkonsum: Nicht Zucker an und für sich ist schädlich (sonst dürfte man nicht einmal Orangensaft trinken), sondern es ist falsch, einen grossen Anteil des Kalorienzufuhrs über zuckerhaltige Speisen und Getränke zuzuführen, denn damit schwankt der Blutzuckerspiegel stark und es muss jeweils viel Insulin ausgeschüttet werden. Versuchsgruppen, die zuckerhaltige Snacks einnehmen, entwickeln schneller wieder Hunger als Versuchsgruppen, die die gleiche Kalorienmenge über nicht zuckerhaltige Speisen zuführen.

  5. Ernährungsgewohnheiten,
    um von den Regeln wegzukommen. Wann frisst ein Hund oder Wolf?
    Wenn er Nahrung findet. Wann jagt er, wenn er Hunger hat.
    Darum geht es doch , Essen als Energiezufuhr. Nicht um des Genusses wegen, sondern als Energiezufuhr!
    Wer schwer arbeitet, der muss viele Kalorien zu sich nehmen. Und der wird auch nicht dick, der setzt Muskulatur an. Das ist der Idealfall.
    Wer jetzt eine sitzende Tätigkeit hat, der muss sich überlegen, wie habe ich einen langen Nahrungsgenuss , aber mit wenig Kalorien? Und da gibt es verschiedene Lösungen. Aber es gibt kein Patentrezept.
    Die Antwort auf die gesunde Ernährung muss also vielseitig ausfallen.
    Am besten man beobachtet sich selbst. Wenn ich abends gut und viel esse, schlafe ich durch bis zum nächsten Morgen.
    Wenn ich weiß, ich muss an diesem tage viel erledigen, dann frühstücke ich sehr ausführlich mit Cornflakes, Eier, Schinken, Speck, Kaffee, dass ich so satt bin, dass ich zu Mittag fast nichts essen muss.
    Habe ich morgens keinen Hunger, dann esse ich weniger und zu Mittag ausführlich. Man muss da flexibel werden. tiere machen es doch auch so, die fressen, wenn sie Hunger haben.

    • Essen als Antwort auf Hunger ist prinizipiell richtig. Doch wir sind eher in der Situation von Haushunden als in der Situation von frei lebenden Hunden und eher in Lage von Sesshaften als in der Lage von Jägern und Sammlern. Viele Haushunde – nicht alle – essen zuviel, nämlich alles was sie im Essenstopf finden. Und viele Menschen verhalten sich genau gleich.
      Behauptung: Die meisten Menschen kommen nicht um eine bewusste Ernährung herum und zu dieser bewussten Ernährung gehört auch die Beschränkung der Essmenge, der Quantität. Und das gleiche gilt für die meisten Haushunde.

  6. MH,
    Haushunde,
    also gut, schlüpfen wir in die Rolle des Haushundes. Wenn der die Wahl hat, entwickelt er sich zum Feinschmecker. Der frisst nicht mehr alles.
    Das sollten wir auch tun. Ich bezahle für ein bio-Huhn lieber den 4 fachen Preis, aber das schmeckt und hat wahrscheinlich weniger Arzneimittelrückstände.
    Die Antwort muss also lauten, bewusst einkaufen, mehr bezahlen für bessere Qualität. Dafür gibt es die lokalen Bauern, da kann man überprüfen, womit der düngt und ob der viel Pflanzenschutzmittel sprüht.

  7. Bio bedeutet weitestgehenden Verzicht auf Pestizide und eine tiergerechtere Haltung. Bio-Kartoffeln sind aber zuerst einmal einfach Kartoffeln, geschmacklich lassen sie sich nicht von konventionell gezogenen Kartoffeln unterscheiden und das gilt auch für fast alle anderen Nahrungsmittel – ausser den verarbeiteten, denn im Biobereich werden auch weniger Konservierungsmittel, Pöckelstoffe und andere Zusatzstoffe verwendet.
    Gesund essen ist damit mit Sicherheit nicht der Unterschied zwischen biologischer versus konventioneller Ernährung.
    Wie der Beitrag hier schon erwähnt, lässt sich kaum sagen, was eine gesunde Ernährung ausmacht und sie an bestimmten Nahrungsmittelbestandteilen festzumachen im Sinne von, “wenn man das und das isst, dann wird man gesünder”, ist wahrscheinlich falsch. Wenn schon lassen sich Ernährungsfehler weit besser benennen. Vitamin-D-Mangel, Eisenmangel, Vitamin B12-Mangel sind gar nicht so selten und sie sind für Gesundheitseinschränkungen verantwortlich. Bei Föten und Kindern sowieso (B12-Mangel, Folsäuremangel beinträchtigen die neuronale Entwicklung), aber sogar bei Erwachsenen, wo ein B12-Mangel zu Depressionen oder gar zur Demenz führen kann. Bei 60% Übergewicht in der westlichen Bevölkerung und statistisch erwiesenem erhöhten Risiko von Übergewichtigen für diverse chronische Krankheiten und Krebs sollte eine Ernährungsberatung vor allem darauf ausgerichtet sein, Übergewicht weniger wahrscheinlich zu machen. Snacks mit einem hohen kalorischen Index wie etwa Gummibärchen, Süssgetränke, etc haben auf Appetit/Hunger und Blutzuckerspiegel ungünstige Auswirkungen, sie begünstigen Übergewicht. Man sollte sie deshalb meiden. Umgekehrt sind Nahrungsmittel mit einem hohen Ballaststoffanteil für Zuviel-Esser zu empfehlen, denn Untersuchungen zeigen, dass bei hohem Ballaststoffanteil, recht viel Kalorien den Darm passieren ohne vom Körper aufgenommen zu werden. Auch rohe Mandeln haben effektiv 30% weniger Kalorien als die gleiche Menge Mandelpulver oder Mandelsplitter. Der Zucker in einem Coca Cola dagegen wird vom Körper sehr effizient verstoffwechselt.
    Zudem kommt es auch auf die Essintervalle und Essmengen pro Mahlzeit an.
    Uralte Techniken wie vorübergehendes Fasten scheinen gemäss neueren Untersuchungen positive Wirkungen nicht nur auf das Körpergewicht sondern sogar auf die Stoffwechselgesundheit überhaupt zu haben. So verschwindet bei den meisten Typ2-Diabetikern der Diabetes während eines Fastens vorübergehend.
    Leichtes Untergewicht – ein mögliches Resultat von wiederkehrendem Fasten – scheint bei Labormäusen und -ratten die Alterung zu verlangsamen was sich in gesünderem Fell, grösserer Muskelkraft und jugendlicherem Verhalten zeigt. Sogar die Lebensdauer steigt etwas.
    Mit anderen Worten: Nicht was man genau ist, beeinflusst die Gesundheit am stärksten, Essverhalten und Körpergewicht haben weit mehr Einfluss. Slow Food ist besser als Fast Food und leichtes Untergewicht ist besser als hohes Übergewicht.

  8. MH,
    “Bio-Kartoffeln sind aber zuerst einmal einfach Kartoffeln, geschmacklich lassen sie sich nicht von konventionell gezogenen Kartoffeln unterscheiden und das gilt auch für fast alle anderen Nahrungsmittel”

    Da widerspreche ich vehement. Ein Bio Huhn schmeckt spürbar besser, das hängt damit zusammen, dass es besseres Futter bekommt, dass seine Muskulatur stärker ist und sie sehen es in der Pfanne. Beim Braten tritt deutlich weniger Wasser aus als bei nicht Biohühnern. Bei den Kartoffeln, da gebe ich Ihnen recht, da ist eine Unterscheidung nicht möglich.
    Was die Beschreibung betrifft, wenn man das und das isst oder weglässt, wird man gesünder. Das ist fundamental. Ich habe Zöliakie, die ich erst vor 5 Jahren festgestellt habe. Seitdem ich auf Weizenkleber Produkte verzichte, bin ich gesünder als vorher.
    Was das Körpergewicht betrifft, das ist ja nur ein Indikator für gesunde Lebensweise. Wenn sie Idealgewicht haben, dann haben sie vorher optimal gelebt und darauf kommt es doch an. Das Gewicht, das ist dann nur noch der Beweis dafür (meistens).

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