Viel hilft viel? Drei populäre Irrtümer zum Thema Beleuchtung

BLOG: Himmelslichter

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Himmelslichter

Die umfangreiche Diskussion nach meinem Artikel zur vermeintlich effizienten Straßenbeleuchtung motiviert mich zu einem kleinen Nachtrag. Im letzten Artikel ging es um die Behauptung dreier Wissenschaftler, dass effizientere neuen Beleuchtungsmittel (vor allem LED) eben nicht zu Energieeinsparungen führen. Der Grund dafür ist ein typisches menschliches Verhalten, Einsparpotentiale nicht zum Sparen, sondern zum gesteigerten Konsum zu verwenden. Ein klassischer “Bumerang-Effekt”: Wenn Licht billiger wird, wird halt mehr beleuchtet.

Sparen werden neue Leuchten nur, wenn auch die Verschwendung von Licht eingedämmt werde, die zu immer höherer Lichtverschmutzung führt, so die Forscher.

Nun gibt es allerdings noch weitere Gründe, weswegen wir nicht mehr Licht, sondern besseres Licht brauchen. Leider widersprechen diese Gründe der populären Auffassung “Mehr Licht ist gut, mehr Licht schafft Sicherheit”, weswegen hier einmal mit drei populären Irrtümern aufgeräumt werden soll.

Irrtum Nr. 1: Hellere Straßen verhindern Unfälle. Demnach müssten zum Beispiel Belgiens Autobahnen zu den unfallärmsten der Welt zählen, denn die werden ja bekanntlich durchgehend beleuchtet (zumindest bis 2011 war das so). Auch sollten die Unfallzahlen zurückgehen, wenn einst “dunkle” Streckenabschnitte beleuchtet werden. Beides ist nicht der Fall: Wie Studien zeigen, nimmt die Unfallwahrscheinlichkeit sogar eher zu. Ein weiterer Bumerang-Effekt: Autofahrer meinen, auf einer “gut” ausgeleuchteten Straße schneller und unvorsichtiger fahren zu können. Ein weiteres Problem sind die Alleen von Lampenmasten, die im Falle eines Unfalls tödliche Folgen haben können. Nachtrag: Eine Erkenntnis, die sich langsam aber sicher durchsetzt.

Irrtum Nr. 2: Helleres Licht verbessert die Sicht. Falsch! Helleres Licht verbessert allenfalls die Sicht, wenn es das beleuchtet, was es beleuchten soll: die Straße, den Bürgersteig und was sich darauf befindet. Leider sind die meisten Lampen heutzutage so konstruiert, dass ein erheblicher Teil des Lichts zur Seite (und manchmal sogar nach oben) abgestrahlt wird. Durchaus mit Absicht: So lässt sich mit weniger Lampen in größerem Abstand auskommen. Allerdings sorgt das zur Seite gestrahlte Licht auch für eine erhebliche Blendung, was gerade im Straßenverkehr eine Gefahr sein kann. Dass blendend-helles Licht eben nicht die Sicht verbessert, zeigt dieses Beispiel, gefunden im Loss of the Night Blog. Sehen Sie die Person im oberen Bild?

Sehen Sie die Person im oberen Bild?
Credit: George Fleenor Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License

Irrtum Nr 3: Helle Straßenbeleuchtung verhindert Wohnungseinbrüche. Auch das stimmt nicht. Dass hell erleuchtete Straßen nicht mehr Sicherheit bedeuten, haben verschiedene umfangreiche Untersuchungen in England oder in den USA gezeigt. Das gilt auch für private Hausbeleuchtung: Schonmal daran gedacht, dass auch Einbrecher bei ihrer “Arbeit” Licht brauchen? Wenn das bereits vom Eigentümer selbst geliefert wird, brauchen sie es gar nicht mitzubringen, was gleich viel weniger auffällt. Viel wirksamer als Dauerbeleuchtung sind Bewegungsmelder, die das Licht dann einschalten, wenn ein Unbefugter sich dem Haus nähert. Wer schon mal von einem Bewegungsmelder überrascht wurde, weiß das. Übrigens finden die meisten Wohnungseinbrüche bei Tag statt.

Fazit: Wer Sicherheit will, braucht nicht mehr Licht, sondern besseres Licht. Besseres Licht heißt: Blendung vermeiden, nur so viel beleuchten wie nötig, Licht nur, wenn es gebraucht wird und wo es gebraucht wird. Zufällig genau die Forderungen, die die erwähnten Wissenschaftler zur Energieeinsparung empfehlen. Dass dabei auch noch die Lichtverschmutzung reduziert wird, darf als angenehmer Nebeneffekt betrachtet werden.

Weitere Beispiele guter und schlechter Beleuchtung gibt es im Loss of the Night Blog von Chris Kyba (englisch).

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

5 Kommentare

  1. Wenn man sich beim Bild mal vostellt, die Lampe sei eine Straßenlaterne und der Mann am Tor sei ein Kind am Straßenrand, dann bedarf es keiner weiteren Diskussion, um zu erkennen, warum zu viel Licht durch schlechte Straßenbeleuchtung die Verkehrssicherheit nicht verbessert, sondern verschlechtert.

    Case closed, würde ich mal sagen.

  2. Ad Irrtum Nr. 2:

    Helleres Licht verbessert die Sicht, wenn es nicht blendet. Das dürfte allgemein bekannt sein.

    Die beiden Bilder beweisen nur, dass bei Gegenlicht die Belichtungszeit kürzer und/oder die Blendenöffnung kleiner wird. Das führt dann zur Unterbelichtung in den Teilen des Bildes, auf die es eigentlich ankommt.

    Aber der Effekt ist natürlich ganz ähnlich, wenn Licht das Auge blendet. Insofern wollen wir mal nicht so kleinlich sein…

    • Genau das tut das Auge, ich vermute, der Fotograf hat genau das zu zeigen versucht. Eine längere Belichtungszeit im oberen Bild würde zwar den Hintergrund heller darstellen, allerdings wäre auch die Lampe stark überbelichtet. Das Bild gibt daher den visuellen Eindruck wieder, und genau darauf kommt es an.

  3. Den Effekt mit dem “mehr Licht” ist nicht unbedingt besser, erlebe ich, wenn ich morgens im Dunkeln zur Arbeit fahre. Seit in Aachen viele Ampeln mit neuer Beleuchtung (LEDs?) ausgestattet sind, blenden sie mich oft im Dunkeln und Fußgänger etc., die sich hinter der Ampel bewegen werden “überstrahlt”. Tagsüber sind die Ampelfarben dafür bei Rückensonne zwar besser zu erkennen, aber warum man nachts nicht eine Schaltung einbaut, die die Helligkeit herunterregelt, ist mir ein Rätsel. Kostengründe? Vielleicht bin ich ja überempfindlich.

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