Diese Woche: Tinnitus, der Bewegungsapparat und spät einsetzende Migräneaura

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Migräne aus der technischen Forschungsperspektive von Gehirnstimulatoren zu mobilen Gesundheitsdiensten.
Graue Substanz

Streifzug durch die aktuellen Veröffentlichungen mit drei Themen: Migräne und Tinnitus, Funktionsstörungen des Bewegungsapparats und spät einsetzende Migräneaura ohne Kopfschmerzen. 

Ohrgeräusche (»Tinnitus«) zählen zu den Vorboten einer Migräneattacke. Allerdings zeigt eine neue Studie, dass auch das gemeinsame Auftreten auf einer Kopfseite (»Lateralität«) und das zeitliche Zusammenspiel von Migräne und Tinnitus auch darüberhinaus für einen gemeinsamen pathophysiologischen Mechanismus sprechen. Fast 45% der in dieser Studie untersuchten Tinnitus-Patienten litten unter Migräne [1]. Dazu hier ein eigener Beitrag. – Übrigens sollten Betroffene einen Tinnitus immer vom Arzt abklären lassen, insbesondere ein einseitig reduziertes Hörvermögen.

Außerdem wurde diese Woche das Studienprotokoll einer geplanten klinischen Studie vorgestellt [2]. Darin wird die wissenschaftliche Fragestellung und Methodik zu Bewertung einer Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates bei Migräne vorgestellt. Die gleichen Autoren hatten schon vor vier Jahren in einem Übersichtsartikel die noch unzureichende Kenntnis in diesem Bereich angeführt [3].

Eine Fallstudie berichtet von einem 72-jährigen Mann mit wiederkehrenden Episoden visueller Aura, die jeweils etwa 20 Minuten dauerten. Der Mann litt seit 15 Jahren unter diesen Auren und nur bei dem ersten mal traten auch Kopfschmerzen auf [4]. Migräne beginnt in der Regel früher im Leben. Bei spätem Beginn der Migräne mit Aura ohne Kopfschmerzen sollte die Diagnose abgeklärt werden. Ärzte müssen andere anerkannte Ursachen solcher vorübergehenden neurologische Symptome in Betracht ziehen, wie eine Erkrankung der Blutgefäße des Gehirns.

 

Literatur

 

[1] Langguth B, Hund V, Busch V, Jürgens TP, Lainez JM, Landgrebe M, Schecklmann M. Tinnitus and Headache.
Biomed Res Int. 2015;2015:797416. Epub 2015 Oct 25. (Link open access)

[2] Chaibi A, Šaltytė Benth J, Tuchin PJ, Russell MB. Chiropractic spinal manipulative therapy for migraine: a study protocol of a single-blinded placebo-controlled randomised clinical trial.
BMJ Open. 2015 Nov 19;5(11):e008095. doi: 10.1136/bmjopen-2015-008095.

[3] Chaibi, A., Tuchin, P. J., & Russell, M. B. (2011). Manual therapies for migraine: a systematic review. The journal of headache and pain, 12(2), 127-133. (Link open access)

[4] Samanci B, Coban O, Baykan B. Late onset aura may herald cerebral amyloid angiopathy: A case report. Cephalalgia. 2015 Nov 26. (Link)

Markus A. Dahlem

Markus Dahlem forscht seit über 20 Jahren über Migräne, hat Gastpositionen an der HU Berlin und am Massachusetts General Hospital. Außerdem ist er Geschäftsführer und Mitgründer des Berliner eHealth-Startup Newsenselab, das die Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense entwickelt.

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