Iridium-Flare im Löwen

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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OK, ja. Schon wieder ein Iridium-Flare. Ich bin rückfällig geworden. Hier gefielen mir halt die Farben der Umgebung. Bei der visuellen Beobachtung des Flares kommt noch das beängstigend helle, kalte und blaue Licht des Flares hinzu. Man fürchtet fast, das Leuchten würde immer weiter zunehmen. Aber nach maximal 15 Sekunden ist schon nichts mehr zu sehen.

Farben hin oder her – wenn ich aus dem zweiten Obergeschoss auf die Straßenbeleuchtung hinunter schaue und dabei immer noch direkt in den Leuchtkörper hinein blicke, dann ist doch wohl offensichtlich, dass das nicht in Ordnung sein kann.

Was ist denn los mit meinen Mitbürgern? Wenn mal etwas Geld ausgegeben werden soll, um die Infrastruktur zu verbessern, oder um Leute für harte Arbeit anständig zu bezahlen, oder um ausreichend Leute anzustellen, damit die ihren Job auch vernünftig erledigen können, oder für Kultur, oder Bildung, oder – gar nicht auszudenken – gar für Wissenschaft, dann sind gleich immer alle auf den Barrikaden.

Was das schon wieder kostet! Am Ende gar noch Steuergelder!!

Wäre doch schön, wenn mal die Tatsache auf ähnliche Widerstände stieße, dass Nacht für Nacht, Jahr für Jahr, landauf wie landab Strom verschwendet wird, um Hausfassaden und Baumkronen auszuleuchten, und den Himmel gleich mit.

Zur Sache: Dieser Flare hatte eine Helligkeit von -7.1 mag und ist in dieser Aufnahme knapp oberhalb des Sterns γLeo (Algieba), einem Mehrfachstern mit einer Gesamthelligkeit von +2.0mag, Der Hauptstern des Systems hat zudem mindestens einen Planeten.

Flare von Iridium 22 am 7. Juni 2015 um 23:17 MESZ. Canon EOS 6D, Sigma EX DG 15 mm, f/2.8, ISO 800, 13 Sekunden
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Flare von Iridium 22 am 7. Juni 2015 um 23:17 MESZ. Canon EOS 6D, Sigma EX DG 15 mm, f/2.8, ISO 800, 13 Sekunden

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

19 Kommentare

  1. Tja, und sowas hier passiert leider auch immer zum falschen Zeitpunkt: http://www1.wdr.de/studio/dortmund/themadestages/strassenlaternen-ausgefallen102.html Der Himmel war leider bedeckt. Schade. Aber immerhin wissen jetzt alle Astronomen der Gegend, welchen Mitarbeiter bei weilchem Unternehmen sie bestechen müssen, um diesen traumhaften Zustand bei Bedarf wiederherzustellen. ^^

    Ich will demnächst mal versuchen, so einen Flare zu filmen. Mal gucken, ob USB-Okular und Software tatsächlich das tun, was ich mir da so vorstelle.

    • Es würde mich interessieren, was man mit einem USB-Okular erreichen kann. Ich habe mit solchen Geräten keine Erfahrung und immer nur gehört, dass die Dinger in punkto Rauschverhalten und Lichtempfindlichkeit eher als problematisch einzustufen sind, aber das käme auf einen Versuch an.

      • Falls mit dem USB-Okular* irgendwas halbwegs Brauchbares herauskommt, werde ich es auf Youtube einstellen und kann es dann gerne hier verlinken, wenn das OK ist. Ich muss allerdings vorausschicken, dass ich mich sowohl mit dem neuen Reiseteleskop als auch mit der Software (Debut Video Capture Software von NCH Software) erst noch vertraut machen muss. Meine ersten Experimente werden wahrscheinlich mehr über meine (Un)Fähigkeit aussagen als über die Technik an sich. 😉

        Für mich ist das eigentlich auch nur eine Notlösung, da ich derzeit über keine geeignete Kamera für Astrofotografie verfüge. So ein Okular ist zwar für Reisen sehr praktisch, mittel- bis langfristig möchte ich aber schon lieber eine passende Kamera haben.

        *Von Bresser. Die genauen Daten müsste ich nochmal nachsehen. Seit 2011 ist es hier im Mikro- statt im Teleskop im Einsatz.

        • Für so ein Flare ist eine handelsübliche DSLR wahrscheinlich ausreichend. Auf ein Teleskop muss man sie auch nicht unbedingt montieren, weil ein Flare sich über einen ziemlich großen Winkel am Himmel erstreckt, der das Sichtfeld eines Teleskops weit übersteigt. Eine DSLR mit einem einigermaßen lichtstarken Objektiv und einer hohen ISO-Zahl müsste einen Flare auch im Film-Modus schön zeigen – nicht wie oben in der Langzeitbelichtung als Leuchtspur, sondern in ihrem tatsächlichen Verlauf. Das muss ich demnächst mal ausprobieren.

          • Ich habe leider nur eine kleine PowerShot S100. Aber ausprobieren kann ich es ja mal. Für den 10. Juni ist ein -8.2-mag-Flare von Iridium 91 eingetragen. Allerdings für 00:41:50. Ob ich mich da überwinden kann, weiß ich noch nicht. 😉

          • Erster Test gestern Abend, allerdings mit der ISS, nicht mit einem Iridium-Flare. Bei ISO 10,000, Blende 2.8 und einer Belichtungszeit von 1/30 s (länger geht im Film-Modus natürlich nicht), war die ISS, immer noch heller als -1 mag, noch im Film zu erkennen. Sterne dagegen kaum, was auch nachvollziebar ist. Demnächst probiere ich es mal bei ISO 25,600. Das Rauschen muss man halt in Kauf nehmen.

          • So, zweiter Test gestern Abend, Film-Modus bei ISO 25600 1/30-Sekunde. Ich habe einfach gegen Mitternacht genau nach Süden Richtung Skorpion gezielt. Mit dem 15 mm-Fisheye, dessen größte Öffnung f/2.8 ist, war es immer noch grenzwertig. Also ein Leica Summicron mit f/2 drauf, d.h. doppelt so lichtstark. Damit waren Sterne bis hinter auf +4mag und dunkler abgebildet. Das reicht für einen schönen Iridium-Flare vor Sternenhintergrund.

            Das Rauschen war allerdings wirklich erheblich. Vielleicht kann man das in der Nachbearbeitung reduzieren. Gibt es dazu ein Werkzeug analog zur Bildbearbeitung Gimp? Lightworks erscheint mir etwas überdimensioniert.

          • Hm, kann man die Bildrate evtl. auf 15 pro Sekunde o. ä. einstellen und dafür die Belichtungszeit auf 1/15 s ändern? Das wäre dann zwar eher ein schneller Zeitraffer, vielleicht aber mal einen Versuch wert. Oder sind diese Werte in der Kamera nicht änderbar? (Ob meine Powershot das könnte, muss ich erst noch rausfinden. Die Webcam-Software kann es.)

            Gibt’s das gestrige Video irgendwo zu sehen? 🙂 Stefan Gotthold hat am Wochenende ebenfalls die ISS gefilmt und dafür sein Handy mit Periscope genutzt. Das Resultat in seinem Blog fand ich gar nicht so übel, aber da geht mit einer guten Kamera sicher auch noch mehr.

          • Das war auch meine erste Idee, aber laut Benutzerhandbuch ist 1/30 Sekunde die längste mögliche Belichtungszeit, die mit der EOS6D im Movie-Modus möglich ist. Die sind ja nicht blöd bei Canon – die wollen ja auch noch ihre Camcorder verkaufen können.

          • Thema Rauschreduzierung bei Videos: Da muss ich leider passen. Aber ich habe mal über beide Accounts auf Twitter gefragt und hoffe, da findet sich jemand.

          • Hmpf. Twitter. Ich hatte extra um Kommentare direkt hier gebeten, aber die Antworten gingen aus unerfindlichen Gründen alle an mich selbst. Nun ja.

            Ein Softwaretip war dabei: “Neat Video”. Zwar nicht ganz kostenlos, aber angeblich gibt es da auch eine Testversion. Ansonsten kamen leider nur Hinweise wie “Rauschen über die Prozessoreinstellungen regeln” oder “Kontrast erhöhen”. Ich gehe mal davon aus, dass diese Optoinen eh schon ausgeschöpft wurden. Stefan Gotthold (@gottie29) könnte aber durchaus noch mehr wissen. Er filmt ja regelmäßig Satelliten- und ISS-Überflüge und hat dazu auf dem ATT vor 10 Tagen auch einen Vortrag gehalten, den ich aber nicht angehört habe.

            Schade. Tut mir leid, dass bei meiner Anfrage nicht mehr heraus kam.

        • So, First Light hat gerade stattgefunden, und ich muss mich korrigieren: Das Okular ist ein VGA Digital-Okular von S*b*n.

          Am Mikroskop, mit minimaler Brennweite und separatem LED-Unter- und Auflicht, war bzw. ist es OK. Aber am Teleskop kann man es in der Tat schlichtweg in der Pfeife rauchen. Die Randunschärfe ist enorm. Dazu kommt, dass die Lichtempfindlichkeit nicht einmal ausreicht, um in der Abenddämmerung den ca. 5 km südwestlich gelegenen Fernmeldeturm der Stadt Schwerte gescheit abzulichten. Selbst ein freihändig(!) geschossenes Handyfoto bei mittelmäßigem Seeing mit dem Nexus 5 via OpenCamera (direkt durch das normale 10mm-Okular) war schärfer und besser ausgeleuchtet.

          Ich bezweifle, dass das USB-Okular irgendetwas außer dem Mond überhaupt auch nur registrieren würde. Die Maximalauflösung von 640 x 480 tut noch ihr Übriges dazu. Das ginge für Youtube-Videos von Flares oder intensiven Meteoritenschauern wohl noch halbwegs an – wenn da nicht auch tatsächlich noch ziemlich viel Rauschen wäre. Fazit: Dieses Ding bleibt im Mikroskop. Fürs Teleskop muss was Besseres her. Notfalls eine Halterung fürs Handy.

          (1) Spaßeshalber: http://ute-gerhardt.de/hades/fernmeldeturm_schwerte.jpg (unbearbeitet) Interessant der äußere Farbsaum. Der war mir beim direkten Blick durchs Teleskop gar nicht aufgefallen.

  2. Tolles, durch Farbgebung und Farbkontrast sowie Details wie den Kaminstumpf im Vordergrund irgendwie surreales Bild. Nach meinem Geschmack würde ich die übestrahlte, hellgelbe Strasse etwas nachdunkeln damit sie nicht zuviel Aufmerksamkeit erhält.

    • Hm. Ich finde eigentlich gerade den Kontrast zwischen der hellen Straße und dem dunklen Himmel reizvoll. Wenn, würde ich eher den Himmel etwas nachdunkeln. Da kann man mal sehen, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind. 🙂

      Generell muss ich aber sagen, dass ich auch unbearbeitete Fotos sehr interessant finde. Sie zeigen einem immerhin, welche Resultate man unter welchen Umständen erwarten darf. Als Neu-Anfänger (letztes Astrofoto: Hale-Bopp, April 1997, auf Kodak Ektachrome i.i.r.c.) finde ich das sehr hilfreich.

  3. Die vorgeschlagene Nachdunklung der Straße ist aus ästhetischer Sicht “nett” aber es behebt das Problem der Lichtverschmutzung nicht. Insbesondere bei der jetzt allfälligen Ersetzung der (Hg, Na)-Glühbirnen im Bereich der Straßen- und Gebäudebeleuchtung hatte ich auf intelligentere Lösungen gehofft. Das Gegenteil ist leider der Fall, unter dem Aspekt der “billigeren” (wg. geringerem Stromverbrauch) LED-Lampen werden seitens von Touristikmanagern, Sicherheitsfirmen, … Konzepte für Fassaden-, Denkmal-, Parkbeleuchtung umgesetzt die das Problem nur noch verschlimmern.

    Man sollte diesen Entscheidungsträgern mal einen Trip nach Irland spendieren, damit sie sehen können was einem Mitteleuropäer heutzutage völlig fremd ist, bspw. die Milchstraße.

    … oder in die Wüste, dann aber ohne Rückflug-Ticket.

    • Abgesehen von den surrealen Effekten, die sich aus der total überstrahlten Straße ergeben, ist es natürlich ein Unding nachts so eine Festbeleuchtung aufzufahren. Es liegt jedoch nicht immer nur an den sog. “Entscheidungsträgern”, wenn sich die Lichtverschmutzung immer störender bemerkbar macht. Mir gehen zunehmend die Bewegungsmelder an Privathäusern auf die Nerven, die oft so stark eingestellt sind, dass sie von einem vorbeifahrenden Auto ausgelöst werden können und dann zusätzlich zur normalen Straßenbeleuchtung ihr Licht in den Himmel stahlen.
      Kürzlich war ich in den österreichischen Bergen und wollte von dort ein paar schöne Astroaufnahmen mit nach Hause bringen. Leider sind auch die Bergbauernhöfe mit derartigen Superstrahlern ausgerüstet und versauen einem garantiert jedes Foto. Dafür gab es in einer Zeitschrift einen Artikel, der Urlaubsziele in Chile, Namibia und auf den Kanaren anpries, weil man dort noch uneingeschränkt die Sterne sehen kann. Wie es scheint wird der Anblick der Milchstraße immer mehr zu einem Luxusgut.

  4. ” Wie es scheint wird der Anblick der Milchstraße immer mehr zu einem Luxusgut. ”
    … und zu einer Glaubenssache.
    Wenn ich da oben “nur´n paar helle Punkte sehe, die auch immer woanders stehen”, dann ist definitiv alles, was ich von dem gesamten Universum erkennen kann, aus zweiter Hand (mal abgesehen von Sonne/Mond).

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