Astronomen, ‘Oumuamua und … diese Zeitung (Update)

Wie eine angesehene und weithin respektierte deutsche Tageszeitung vermeldet, “mutmaßen Astronomen”, der unlängst entdeckte interstellare Asteroid ‘Oumuamua könnte ein interstellares “Raumschiff mit kaputter Steuerung” sein. (Update 15.12.2017 14:30): Inzwischen hat jemand in der Redaktion jener Zeitung den Artikel, den ich hier verlinkt habe, kräftig überarbeitet. Mein Artikel bezieht sich auf das, was noch wortwörtlich so wie hier zitiert drin stand, als ich meinen Artikel postete). 

Diese Aussage wird von besagter renommierter Zeitung (deren Namen mir immer wieder entfällt) Dr. Jason Wright untergeschoben. Dr. Wright ist Astronom am Institut für Astronomie und Astrophysik der Penn State University. Angeblich habe Dr. Wright in seinem Blog darüber spekuliert, ‘Oumuamua habe aufgrund seiner “kaputten Steuerung” angefangen zu schlingern und werde “irgendwann abstürzen”.

Nun lautet allerdings gleich der erste Satz in Wrights Blog-Artikel mit der Überschrift “Is 1I/’Oumuamua an Alien Spacecraft?“:

No, I don’t think there’s any reason to think it is

Ich bin schockiert. Schockiert! Hat nun ausgerechnet diese Zeitung sich da etwas aus den Fingern gesogen und Blödsinn verzapft?

Ich schlage vor, Sie lesen sich Dr. Wrights Blog-Artikel zum Thema selbst durch und bild … äh, machen sich dann Ihr eigenes Urteil.

Und natürlich – natürlich! – wurde wieder einmal der fundamentale Unterschied zwischen Lage- und Bahnsteuerung nicht verstanden. Damit hat allerdings die Presse generell ein Problem, quer durch die Bank.

 

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

      • @The Karl Bednarik:

        Sie müssen gar keine Impulse unterdrücken. ‘Oumuamua schreit geradezu nach unkonventionellen Interpretationen.

        Die Größe von 400 Metern folgt ja allein aus der Magnitude, und die Berechnung setzt eine einigermaßen zutreffende Kenntnis der Albedo voraus. Bei natürlichen Objekten sollte die Annahme bezüglich des Albedowerts auch zutreffen, besonders, wenn man die spektroskopische Analyse vorliegen hat.

        Sollte das Ojekt jedoch von jemandem hergestellt worden sein, könnte man sich auch vorstellen, dass die Albedo sehr viel niedriger liegt als bei natürlichen Objekten. Das könnte durch die konstruktive Auslegung erreicht werden und würde deswegen bei der spektroskopischen Analyse gar nicht auffallen.

        In diesem Fall läge die wirkliche Größe von ‘Oumuamua deutlich über dem heute berechneten Wert.

  1. “Angesehen”? Und “weithin respektiert”? Hörthört…
    Sicher hat ein Redakteur dieses “angesehenen” und “weithin
    respektierten” Bildungsblattes bereits mit dem Kommandanten dieses “Raumschiffes” gesprochen. Sie sprechen doch immer als
    Erste mit den Toten…

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