Wie kann das Problem Teil der Lösung werden? Eine App als Helfer bei digitalem Stress

Stefanie Lahmer, Marco Schmidt, Michelle Berger & Lea Görl

Leider ein allgegenwärtiger Begleiter des Alltags: Stress

Das heutige Arbeits- und Privatleben wird zunehmend stressiger. Die Menschen leiden unter schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die durch akuten oder chronischen Stress verursacht werden und oft auf ungesunde Verhaltensweisen in der beschleunigten modernen Welt und Lebensweise zurückzuführen sind. Der vermehrte Einsatz von digitalen Technologien – nicht zuletzt getrieben durch die COVID-19-Pandemie – verstärkt das Stresspotential. Digitaler Stress – das ist Stress, der aus der Nutzung digitaler Technologien und Medien hervorgeht – trägt heute zu einem erhöhten Stresserleben bei und belastet viele Menschen. Aber wie muss die Nutzung digitaler Technologien und Medien gestaltet sein, damit sie Stress reduziert anstatt verursacht?

Ermöglicht durch immer leistungsfähigere Sensorik in modernen Smartphones zielen immer mehr Apps darauf ab, gesundes Verhalten zu fördern. Dazu motivieren sie den Nutzenden beispielsweise zu regelmäßiger körperlicher Aktivität, Rauchentwöhnung oder ausgewogener Ernährung. Auch für den Umgang mit Stress gibt es bereits einige Apps, die jedoch meist nur begrenzte Funktionalität bieten. In diesem Beitrag möchten wir den Entwurf einer App vorstellen, die Einzelpersonen in Echtzeit bei der Bewältigung des zunehmenden Stresses im Arbeits- und Privatleben unterstützt [1].

Wie kann Stressbewältigung unterstützt werden?

Aktuelle Literatur deutet darauf hin, dass Apps Individuen dabei unterstützen können, ihre Reaktionen auf Stress zu verändern, indem sie ein effektives Bewältigungsverhalten fördern. Verschiedene Studien haben bereits das Potenzial von Apps untersucht, den Stress des Nutzers zu ermitteln [2] und erste Anstrengungen unternommen, detaillierte Rückmeldungen zu potenziellen Stressursachen bereitzustellen. Darüber hinaus schlagen einige Forschende weitere Schritte zur Unterstützung der individuellen Stressbewältigung durch Sensordaten vor. Beispielsweise könnten Apps gezielte emotionale und verhaltensbezogene Strategien zur Stressbewältigung empfehlen (z. B. sich entspannen, Unterstützung suchen) oder automatisch technische Maßnahmen zur Vermeidung von Stresssituationen ausführen (z. B. Benachrichtigungen ausschalten, Gemeinschaftsaufgaben delegieren) [3].

Das Problem als Teil der Lösung

Wie funktioniert eine App, die ihre Nutzenden auf der Grundlage verschiedener Sensordaten bei der Stressbewältigung unterstützt? Durch die Kombination gezielter Empfehlungen und automatischer Maßnahmen haben wir eine App entworfen, welche die sensorischen Fähigkeiten des Smartphones nutzt, um die individuelle Stressbewältigung zu unterstützen, indem sie eine nachhaltige Verhaltensänderung ermöglicht und das Auftreten von Stress verhindert. Die App dient für den alltäglichen Gebrauch und nutzt verschiedene Sensordaten, um ihre Nutzer bei der Bewältigung des täglichen Stresses zu unterstützen.

Was kann die App?

Theoretisch formuliert, warnt die App den Nutzenden, basierend auf Sensordaten, vor erhöhtem Stress, liefert ein grundlegendes Verständnis dafür, warum er gerade gestresst ist, empfiehlt gezielte Bewältigungsstrategien (z. B. Spaziergang in der Sonne während des nächsten Termins), um effektives Bewältigungsverhalten zu fördern und zu trainieren, und führt automatisierte Aktionen (z. B. Push-Benachrichtigungen abschalten) aus, um die Stressbelastung zu reduzieren.

Was heißt das jetzt konkret? Veranschaulichen wir die theoretische Formulierung anhand eines Beispiels: Frau Glück arbeitet als Projektmanagerin in einem mittelständischen Unternehmen. Es ist Donnerstag, ihre GPS-Daten zeigen auf ihren Arbeitsort, das Wetter ist schön, die Sonne scheint. Ihr Kalender ist voll mit Aufgaben und Terminen und lässt nur Platz für ein paar kurze Pausen. Im Laufe des Tages hat Frau Glück auf ihrem Smartphone viele Push-Benachrichtigungen von verschiedenen Apps erhalten. Unsere App erkennt ein erhöhtes Stressniveau und prüft die Sensordaten auf zum Beispiel ungewöhnlich hohe oder niedrige Werte, um eine potenzielle Stressquelle zu identifizieren. In unserem Beispiel sind hohe Werte bei den Umgebungsgeräusch- und Benachrichtigungssensoren vorhanden. Daraus lässt sich ableiten, dass Umgebungslärm und häufige Unterbrechungen Frau Glück möglicherweise belasten könnten.

Basierend auf weiteren Sensordaten, kann unsere App weitere Informationen zu Frau Glücks aktueller Situation sammeln. Der GPS-Sensor verweist auf den Arbeitsplatz und der Kalender zeigt an, dass Frau Glück den ganzen Tag über sehr beschäftigt ist. Anhand der von ihr bei der App-Installation angegebenen Daten weiß unsere App, für welche Besprechungen Frau Glück vor ihrem Laptop sitzen muss und für welche Besprechungen ein Telefonanruf ausreicht. Außerdem hat Frau Glück unsere App dazu berechtigt, Benachrichtigungen abzuschalten.

Auf der Grundlage dieser Informationen schlägt unsere App Bewältigungsstrategien und Aktionen vor, die in dieser Situation anwendbar sein könnten: Aufgrund des Arbeitsumfelds sind Bewältigungsstrategien wie Sport oder Schlafen möglicherweise unangemessen. Zwischen der aktuellen und der nächsten Besprechung kann Frau Glück jedoch ihren Standort innerhalb des Bürogebäudes wechseln oder draußen in der Sonne spazieren gehen, während sie an der nächsten Besprechung per Telefonkonferenz teilnimmt. Auf der Grundlage dieser Schlussfolgerung empfiehlt unsere App Frau Glück, sich in eine ruhige Umgebung zu begeben oder draußen spazieren zu gehen und schaltet automatisch die Benachrichtigungen ab.

Was bedeutet die App für die Praxis?

Die Einzelperson profitiert durch die Nutzung der App, indem sie in ihrem Alltag weniger Stress erfährt. Darüber hinaus sind Institutionen wie Krankenversicherungen oder Organisationen, deren Geschäftsmodell auf Gesundheitsförderung abzielt, daran interessiert, Menschen bei guter psychischer Gesundheit zu halten. Krankenversicherungen können beispielsweise Programme rund um den Einsatz der App anbieten, um gesundes Verhalten zu fördern. Arbeitgeber können die App einführen, um die Gesundheit und Produktivität ihrer Mitarbeiter zu verbessern.

Zukunftsmusik in der Forschung

Bei der App handelt sich um einen fortschrittlichen Ansatz zur Unterstützung der individuellen Stressbewältigung, der über die derzeitige Forschung hinausgeht, die sich entweder auf die Bereitstellung von Feedback zum Stressniveau des Nutzenden oder auf die Unterstützung von Bewältigungsaktivitäten ohne kontextbezogenes Wissen über die Stresswahrnehmung des Nutzenden und nutzerspezifische Hintergrundinformationen konzentriert.

In einer Folgestudie wollen wir untersuchen, welche Bewältigungsstrategien und Empfehlungen in welchen Situationen besonders hilfreich sind. Des Weiteren möchten wir erforschen, welche Gamification-Elemente am besten geeignet sind, um Verhaltensänderungen im Bereich Stress zu motivieren, basierend auf individuellen Eigenschaften und Präferenzen.

Weitere Informationen sowie das Konzept der App finden sie im kürzlich erschienen zugehörigen Forschungsbeitrag [1].

Bitte zitieren als: Lahmer, Stefanie; Schmidt, Marco; Berger, Michelle; Görl, Lea (2022). Wie kann das Problem Teil der Lösung werden? Eine App als Helfer bei digitalem Stress 01.02.2022. Beitragsbild von freepik: Music vector created by pch.vector – www.freepik.com Online verfügbar unter: https://scilogs.spektrum.de/gesund-digital-leben/?p=792

Quellen:

[1] Schmidt, M., Berger, M., Görl, L., Lahmer, S., & Gimpel, H. (2022). Towards Designing a Mobile Stress Coping Assistant. 55th Hawaii International Conference on System Sciences 2022.

[2] Gimpel, H., Regal, C., & Schmidt, M. (2019). Life-integrated Stress Assessment. 27th European Conference on Information Systems 2019.

[3] Schmidt, M., Frank, L., & Gimpel, H. (2021). How Adolescents Cope with Technostress: A Mixed-Methods Approach. International Journal of Electronic Commerce25(2), 154-180.

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Veröffentlicht von

Stefanie Lahmer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kernkompetenzzentrum Finanz – und Informationsmanagement (fim). Sie forscht und bloggt zum Thema „Digital unterstütztes Stress-Coping“ im Rahmen des bayerischen Verbundprojekts „Gesunder Umgang mit digitalen Technologien und Medien“ (ForDigitHealth).

18 Kommentare

  1. Ja, im Prinzip ist es doch ganz einfach: ein persönlicher Assistent, der um alle wichtigen Dinge seiner Nutzerin 👤 weiss und der über ein gewisses Mass an Intelligenz und an an Eigenaktivität verfügt, der kann der Nutzerin 👤 ungemein helfen. Mit andern Worten ein digitaler Assistent 🤝🏿 ist im Idealfall so kompetent, hilfreich und einsatzbereit wie ein realer, humaner Assistent. Ein solcher Assistent weiss etwa sogar, dass die Nutzerin zuhause ein Kind 🧒, einen Hund 🐕 und ein Kindermädchen 🎮 hat und er organisiert selbstständig Termine ⏰ und Arrangements mit diesem persönlichen Umfeld ohne dass die Nutzerin bewusst daran denken muss. Er weiss um eingehende EMails, Nachrichten und bevorstehende Termine. Er kennt die Kontakte der Nutzerin nicht nur über die Kontaktdaten auf dem Smartphone, sondern auch über eine eigene Recherche im Internet.
    Etc, etc.
    Mit andern Worten der ideale digitale Assistent ist das allzeit einsatzbereite Faktotum 👀 👂 🦾 🧠 im Hintergrund, das für einen guten Ablauf und eine gute Atmosphäre 🤗 sorgt und das in einer Weise, dass man ihn/es fast gar nicht wahrnimmt.

    • Die ideale digitale Assistentin ist wie Samantha im Film „Her“. Zum Verlieben also. Nur dass sie anders als Samantha im richtigen Moment eine Reise 🧳 zu einem wunderbaren Ort bucht und dem Benutzer sagt: Das hast du dir verdient. Ich werde bei dir sein 🖤 .

  2. Erstmal eine Worterklärung. App ist die Abkürzung für Applikation. Das ist nichts anderes als ein Computerprogramm, ursprünglich die Bezeichnung von Java-Programmen. Heute verwendet für Programme, die von Smartphones gelesen werden können.
    Und das Smartphone soll also Stress verringern.
    Auch das Tablet soll mit so einem Programm stressfreier werden.

    Ich habe konkret Stress mit dem Anbieter meiner web-Seite.
    Die haben die Zugangsdaten geändert. Mein Webbaukasten kann diese Änderungen nicht mehr verarbeiten. Ich habe deshalb ein update für diesen Webbaukasten gekauft. Das funktioniert sehr gut. Was nicht funktioniert, ich muss etwa 10 000 Fotos von dem einen Programm auf das andere Programm übertragen. Das geht nicht per “Klick” weil das älter Programm noch in html 4 geschrieben ist, das neuere Programm in html 5.
    Hat das noch mit Stress zu tun ? Stress wird ja vom Ärger verursacht.
    Wenn man aber die Zusammenhänge versteht, dann ärgert man sich nicht mehr, man hat bei der vielen Arbeit keine Zeit mehr sich zu ärgern.
    Und jetzt soll mir jemand hier eine app anbieten, die mir meine Arbeit erleichtert !!

    • Danke für Ihren Kommentar. Das ist auf jeden Fall ein schönes Beispiel für digitalen Stress. Frustration und Ärger werden häufig als Symptom oder Auswirkung von stressigen Situationen gesehen. Zu verstehen, wie die Zusammenhänge sind, hilft bei der Bewertung der Situation. In vielen Fällen kann es in der Tat schon helfen, dass man das Problem und die Zusammenhänge besser einschätzen kann.

  3. Spannende Idee mit der App! Wäre es für die weitere Forschung nicht auch sinnvoll, zu erheben, wer überhaupt die potenzielle Zielgruppe einer solchen App ist? Unsere Studienerfahrungen zeigen, dass es stark von der Person, deren Nutzungsverhalten und Einstellung abhängt, ob eine App als hilfreich bewertet wird oder nicht, unabhängig von der Funktionalität der App selbst.

    Besonders, wenn Sie untersuchen, welche Bewältigungsstrategien und Maßnahmen am erfolgsversprechenden sind, wäre es ja sinnvoll, alljene auszuschließen, die bspw. einer App generell kritisch gegenüberstehen oder die Visualisierung und das Tracking schätzen, sich aber nicht von ihrem Handy Einschränkungen oder Regeln auferlegen lassen wollen.

    • @Lisa Waldburger: das beste wäre doch, wenn die Menschen, die eine solche App brauchen selber darauf stossen und dann entdecken dass sie ihnen hilft.
      Vielleicht sollte man sich vom Tamagotchi inspirieren lassen.
      Spielprinzip:

      Das Tamagotchi stellt ein virtuelles Küken dar, um das man sich vom Zeitpunkt des Schlüpfens an wie um ein echtes Haustier kümmern muss. Es hat Bedürfnisse wie schlafen, essen, trinken, Zuneigung und entwickelt auch eine eigene Persönlichkeit. Zu unterschiedlichen Zeitpunkten meldet sich das Tamagotchi und verlangt nach der Zuwendung des Besitzers.

      Das Antistress-Tamagotchi sollte durch einen Zauberspruch vom hilflosen Küken in ein hilfreiches, beschützendes Wesen umgewandelt werden können.
      Bei Bedarf kann es die Nutzerin in ein Küken zurückverwandeln.
      Idee: Die Benutzerin hat jederzeit die Kontrolle und weiss auch darum.

  4. Manfred Schoch,
    Ein Programm kann den Stress verringern, wenn es das richtige Programm ist. Wer sucht das richtige Programm heraus ?
    Das kann nur eine Person sein, wie es früher die Auskunft bei der Telekom war.
    Wir müssen also eine App kreieren, die uns mit einem Menschen verbindet, die Sachkenntnis hat.
    Wenn man über das web sucht, dann braucht man den richtigen Suchbegriff. Die Person, die sich meldet muss also hochqualifiziert sein und Phantasie haben zur Suche des Suchbegriffes. Wenn man Stress verringern will , dann ist der reale Mensch unverzichtbar !
    Anmerkung: Für Menschen, die an ihrem Computer verzweifeln, für die ist die Telefonseelsorge da. Es gab schon User, die haben ihr Laptop aus dem Fenster geworfen. (Hilft nur kurzfristig)

  5. Diese App sollte auch mit Gesundheitsdaten die man zum Bsp. auch über dementsrechend entwickelte Künstl.Intelligenz(Smartwatch) erfassen kann.
    Sobald diese Daten von den vorher eingegebenen Normwerten(Gesundheitswerten) , die man auch mit dem jeweils zuständigen Arzt abklären kann, abweichen, könnte diese App reagieren und entsprechende
    Alternativen anbieten. Da jeder anders auf Stress reagiert , jeder Körper Stress anders verarbeitet , wäre ein individuelles ,medizinisch abgestimmtes Programm andenkbar. Die jeweilige Person sollte sich also persönlich angesprochen fühlen, was ja in dem Falle mit der” Rückkoppelung “zu dem jeweiligen Hausarzt der Fall wäre , und nicht durch irgendwelche allgemeinen Darstellungen.
    Medizinische Daten scheinen mir wichtig, da jeder anders auf Stress reagiert, Vorerkrankungen haben kann, Medikamente nimmt etc…Vielleicht könnte-mit der weiteren Entwicklung der künstl. Intelligenz späterhin sogar eine konstante Erfassung der medizinischen Werte durch den jeweils beratenden Arzt möglich sein.

  6. Golzower
    So eine Gesundheitsapp, die verursacht erst Stress. Dann schauen die “Halbkranken” jeden Tag auf die App, ob nicht von da Gefahr droht.
    Sie fahren doch auch nicht jeden Tag zum Tüv, ob nicht das Rad locker ist.

  7. Zu h Wied:
    Die Bevölkerung besteht ja nicht nur aus Hypochondern. Eine solche “Gesundheitsapp ” gehört wahrscheinlich die Zukunft. Erspart den oftmaligen Arztbesuch. Ein Geschäftsmodell mit guten Gewinnaussichten , auch für die Kassen . So könnte ihr Arzt- wenn sie zum TÜV fahren um ihr Rad zu kontrollieren- ihre Werte mal kurz per App durchchecken lassen: Blutwerte, Blutdruck, Harnsäure, Fettsäuren, Stresslevel, Herz etc…. alles okay..?!
    Gut, dann können sie das Rad selbst festziehen und müssen nicht zum TÜV…

  8. Golzower
    Gesundheitsapp sind dort angezeigt, wo sie nur Nutzen bringen. Bei Zuckerkranken, Epileptikern und Menschen nach überstandenem Herzinfarkt.

    Generell würde ich solche Apps nicht zulassen, weil die Gefahr des Mißbrauchs groß ist. Stellen Sie sich vor, 80 % der Bevölkerung benützt in der näheren Zukunft so eine App, und ein Hacker warnt , man solle zuhause bleiben, ein Virus hätte den Herzmuskel befallen. Nur als Beispiel.

    • Vielen Dank für den Kommentar. Die Sicherheitsmaßnahmen beim Bereitstellen einer solchen App sind äußerst relevant und sollten den höchsten Sicherheitsstandards entsprechen, sodass Hacker möglichst keine Chance für Angriffe haben. Grundsätzlich werden in unserer App keine Gesundheitsdaten verarbeitet, sondern Rückschlüsse auf Stress durch Analyse des Nutzungsverhaltens gezogen. Daher ist das genannte Missbrauchsrisiko im konkreten Fall nicht zu erwarten.

  9. Die wahre Antistress-App ist keine App, die Stress unter Kontrolle bringt, keine App, die den Anwender besser mit Stress umgehen lässt, sondern eine, die Stress gar nie aufkommen lässt. Eine solche Antistress-App ist also ein guter digitaler Freund, dem man alles anvertrauen kann und der niemandem etwas über einen verrät. Die ideale Antistress-App verzichtet auf personalisierte Werbung und verführt einen nicht zum Einkaufen. Sie – die ideale Antistress-App arbeitet immer im Interesse des Benutzers und nie im Interesse des Providers oder des Verkäufers der App.

    Die ideale Antistress-App ist also der ideale Freund, dem man auch sehr persönliche Dinge anvertrauen kann. Ein Freund, der sich in einen hinein fühlt, der einen immer besser kennenlernt und der einem hilft wo es nur geht.

    Diese Beschreibung zeigt: eine ideale Antistress-App verfügt über eine gewisse Intelligenz und auch über profundes Weltwissen. Sie weiss wie die Welt und wie der Anwender der App funktioniert. Sie verfügt also auch über psychologisches Wissen und über eine Theory of Mind (=Wissen/Ahnen, was der andere denkt).

    Die ideale Antistress-App kann wahrscheinlich nicht als reine Smartphone-Applikation realisiert werden. Besser wäre zusätzlich die Integration in smart Glasses, also in Brillen mit eingebauter Kamera, dann sähe und erlebte sie das gleiche wie der Benutzer. Und ja, die ideale Antistress-App darf auch so etwas wie Persönlichkeit zeigen, sie darf mitfühlend, erstaunt oder verwirrt auf Aktionen und Gedanken des Benutzers reagieren und sie darf und soll ihm Ratschläge geben.

    Es gibt da nur ein oder 2 Probleme: in gewissen Firmen etwa kommt es vor, dass bei einem Meeting alle Teilnehmenden vorher ihr Smartphone abgeben müssen. Das ist ein Problem. Denn so einen Antistress-Freund, den möchte/kann man doch nicht einfach so abschalten. Das wäre zu viel verlangt. Das würde (unerträglichen) Stress verursachen.

  10. Zu M. Holzherr
    Sie sagen es. Eine solche App ist zur Zeit wahrscheinlich noch Zukunftsvision aber ich bin überzeugt dass sehr bald die Entwicklung soweit sein wird dass man auch über solche Apps genaue Blutwerte, Leberwerte, Herzwerte etc. messen kann und die künstl. Intelligenz-in “Zusammenarbeit” mit entsprechend vernetzten Medizinern – hier positiv regulativ auf den Nutzer einwirkt . Viele Menschen die gesundheitsbewusst leben wollen., Kranke, Ältere könnten hiermit sachgerechte Unterstützung bekommen in dem ihnen dieser stets abrufbare “TÜV” ihres Körpers neue Sicherheiten vermittelt. Das “ausbalancieren” von Stress fällt meiner Ansicht nach leichter wenn man sich
    der körperlichen und organischen Reaktionen bewusst wird ,also agieren und reagieren kann.

    • @Golzower: sie haben wohl eher eine allgemeine Gesundheitsapp im Sinne, eine, die unter anderem auch das Stressniveau misst. Ich stimme ihnen zu, dass es ein solches ständiges Monitoring der „Vitalwerte“ irgendwann geben wird. Doch diese physischen Werte können den psychischen Zustand, oder um es altmodischer zu sagen, das Seelische, nicht erfassen – nicht einmal bruchstückhaft.

      Ich denke was Menschen heute mehr denn je brauchen ist so etwas wie einen Freund/ eine Freundin, der man sich anvertrauen kann. Das war schon immer schwierig so jemanden zu haben. Heute aber im Zeitalter der Einsamkeit (40% der 20 bis 40-jährigen Japaner sind Singles) ist es besonders schwierig. Früher gab es Freunde und vielleicht Priester, denen man sich anvertrauen konnte. Heute haben Psychiater und Psychologen diese Rolle übernommen. Es fand also eine Professionalisierung statt. Doch ich denke, fast jede Person könnte in ihrem Leben davon profitieren, wenn sie sich bei Bedarf jemandem anvertrauen könnte ohne dafür zu bezahlen und ohne vom Hausarzt zugewiesen zu werden. Eine Antistress-App könnte bereits in diese Richtung vorspuren, sie könnte den Weg öffnen für einen Gegenpart, der Hilfe und Freunschaft anbietet. Allerdings setzt das einen smarten, einen intelligenten Helfer voraus. Ich denke aber, dass heutige, speziell trainierte KI-Programme bereits in der Lage sind, Gemütszustände und Stimmungen anhand der Stimme und anhand der Sprache und dem Verhalten zu erkennen. Sie sind nur noch zu wenig intelligent und smart, um als echter Freund und Helfer durchzugehen. Doch das ist nur eine Frage der Zeit.

      • Vielen Dank für die Kommentare. In beiden möglichen Szenarien der App-Nutzung, ob als allgemeine Gesundheitsapp oder als Freund:in, werden sensible Daten erhoben. Hierbei ist Datenschutz von höchster Priorität. Auch wenn es denkbar ist, dass dies in Zukunft möglich wird, ist es aktuell nicht Gegenstand unserer Forschung. Um die sichere Nutzung unserer App zu gewährleisten haben wir in unserem Forschungsprojekt ein eigenes Arbeitspaket erstellt, welches sich explizit dem Datenschutz sowie ethischen Fragestellungen widmet.

  11. Im Netz der Apps zu sein bedeutet, ein Leben aus 2. Hand zu führen.
    Eine Generation von Kindern wächst heran, die noch nicht mit dem Bauch im Schlamm gelegen hat, kein Küken berührt, von noch keiner Wanze gebissen, und keinen Menschen sterben gesehen hat.
    Unsere Kultur hat die Wirklichkeit ausgeblendet, Großfamilien gibt es kaum noch, der Single, der geborene Egoist ist auf dem Vormarsch.
    Und jetzt kommt die “Wellnessapp”, die uns diese Leere vergessen lassen soll.

    Die Zeit der “Stromsperren” kommt wieder, die unterirdisch verlegten Stromkabel sind sämtlich überaltert, wie die Wasserleitungen. Unser Abwasserleitung ist 80 Jahre alt. (Trotz monatlicher Grundgebühr)
    Die Elektroleitungen sind im Schnitt 70 Jahre alt, wenn sie nach dem 2. Weltkrieg erneuert wurden.

    Und als Höhepunkt kommt im Fernsehen die Werbung, wo ich ehrlich denke, bin ich überaltert oder sind jetzt alle blöde.

  12. Zu M. Holzherr
    “Zeitalter der Einsamkeit…”
    Ich bin in der DDR in einem Dorf aufgewachsen da stellte man abends die Stühle vor die Haustür und unterhielt sich -über die Straße- mit den Nachbarn. Wenn etwas fehlte half man sich gegenseitig und es herrschte ein Zusammenhalt wovon sie heute nicht mal mehr in der KIrche träumen . Sie können mit einer App einen solchen menschlichen Zusammenhalt nicht transportieren(transformieren) weil dieser heutige Zeitgeist, also der tägliche Existenzkampf , mehr und mehr Egoisten oder eitle Narzissten verlangt, klar. Eine App als “Freund” wäre ein Ratgeber in Sachen gesundheitlicher Prävention , ein “Placebo” möglicher guter Gefühle. Diese von ihnen beschriebene Vereinsamung ist rein gesellschaftlich bedingt und damit nicht mit einer App therapierbar, aber das ist auch zu viel verlangt, denn sie haben schon viel erreicht wenn die Menschen, zu mindestens körperlich irgendwie gesund bleiben und um nicht verheizt zu werden. Und wenn eine App Hilfe- und Freundschaft anbietet, so wie sie es sehen, dann besteht die Gefahr dass man damit wieder einmal Menschen manipulieren kann und ihnen irgendwelche
    Fake-Geisteswelten vorspinnt.

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