Kick it like Einstein: Vorreiter in Sachen Astronomie in Mittelamerika

Was mir spontan zu Honduras einfällt? Fussball. WM 1982 in Spanien. Ich verfolgte damals intensiv diese Weltmeisterschaft, die ja bei vielen vor allem wegen des Nichtangriffspakt von Gijon (siehe auch Post von Hussein Hamdan) in Erinnerung geblieben ist. Damals nahm Honduras zum bisher einzigen Male  an einer Fussball WM teil. Es gab zwar keinen Sieg, aber einen Achtungserfolg mit einem 1:1 im ersten Spiel gegen den favorisierten Gastgeber Spanien. Honduras ging früh in der 7. Minute in Führung, musste dann aber in der 65. Minuten den Ausgleich durch ein Elfmetergeschenk für die Iberer hinnehmen. Gegen Nordirland folgte ein weiteres 1:1 und die abschliessende Niederlage gegen Jugoslawien besiegelte das Aus in der Vorrunde der Mittelamerikaner.

Ich hatte bisher weder eine(n) Astrophysiker(in) aus diesem armen und politisch instabilen Land kennengelernt noch von einem Observatorium dort gehört. Bis zum Schreiben dieses Posts war Honduras deshalb für mich ein weisser Fleck auf meiner astronomischen Landkarte.  Aber es gibt ja Google… 

Es gibt tatsächlich ein Observatorium in Honduras, und zwar in der Haupstadt Tegucigalpa (Abb. 1). Diese Sternwarte, Oberservatorio Astronómico Centroamericano de Suyapa (OACS), beherbergt ein 42 cm Schmidt Cassegrain Teleskop, MEADE LX200, mit einer CCD Kamera (Abb. 2). Dieses Observatorium ist der Universidad Nacional Autónoma de Honduras angegliedert. An diesem Institut gibt es auch eine Reihe von Wissenschaftlern, die Forschungen wie zum Beispiel über Schwarze Löcher, Cepheiden und die Sonne durchführen. Eingeweiht wurde dieses Teleskop im Jahre 1997, während des VII UN/ESA Workshops Basic Space Science Workshop. Es ist das grösste Teleskop in Mittelamerika und wird von folgenden Ländern betrieben: Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua und Panama.

Abbildung1: Kuppel des ‘René Sagastume Castillo’ Teleskop in Tegucigalpa, Honduras (Quelle: OACS).

Einige Monate vor der Einweihung des Observatoriums  gab es am 22. November 1996, gegen 22:05, ein herausragendes astronomisches Ereignis. Ein heller Feuerball wurde über Honduras gesichtet. Etwa zeitgleich gab es Berichte von einem 50 m grossen Krater. Bei Nachforschungen stellte es sich jedoch heraus, dass dieser Krater durch einen Erdrutsch, einige Tage vor der Sichtung des Feuerballs, enstand. Meteoriten wurden nicht gefunden und die absolute Helligkeit des Ereignis schätzten J. Boriovicka und sein Team auf zwischen -18 und -20 mag [1]. 

 

Abbildung 2: Ausrüstung des Mittelamerikanischen Observatoriums – 42cm Schmidt Cassegrain Teleskop MEADE LX200 und CCD Kamera SBIG ST-5 (Quelle: OACS). 

Das OACS beteiligte sich im vergangenen Jahr auch am Jahr der Astronomie und führte eine Reihe von Veranstaltungen durch. Ich bin positiv überrascht zu erfahren, dass es in diesem armen Land Initiativen gibt die Wissenschaft wie am Beispiel Astronomie sehen, zu fördern.  

Abschliessend noch eine kurze Einschätzung zu den Aussichten Honduras bei dieser WM. Die Gruppe H mit dem Topfavoriten Spanien, Schweiz und Chile ist für die Mittelamerikaner ziemlich schwer. Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Honduras das Achtelfinale, zudem zumindestens der 2. Platz in dieser Gruppe nötig wäre,  erreicht. Schon ein Punktgewinn aus einem der drei Vorrundenspiele wäre für dieses fussballverrückte Land ein Riesenerfolg. Aber wer weiss, vielleicht gelingt ihnen ja doch die eine oder andere Überraschung. Genau das macht doch die Würze des Fussballs aus, dass manchmal David Goliath ein Bein stellt.

Bis zum nächsten Blog,

Euer Helmut Dannerbauer

 

Quelle:

[1]: Borovicka, J. et al., About a big fireball seen in Honduras, Proceedings of the International Conference held at Tatranska Lomnica, Slovakia, August 17-21, 1998. Astronomical Institute of the Slovak Academy of Sciences, 1999., p.139

Veröffentlicht von

Der promovierte Astrophysiker Helmut Dannerbauer – wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg – fokussiert sich in seinem Blog auf die Erforschung von Galaxien und deren Entwicklung im jungen Universum.

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  1. … und bis zum nächsten WM-Gewitter!

    Lieber Helmut,
    Dir und allen “Kick it”-Gewitterern ein großer Dank für die spannenden, Horizont erweiternden Forschungsreisen in die Länder der WM-Endrunde – und womöglich noch spannendere Spiele ab morgen!

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