Kommt das Coronavirus aus dem Labor?

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Während der aktuellen Coronavirus-Epidemie ist ja die Theorie aufgetaucht, der neue Erreger hätte etwas mit dem neu eingerichteten Hochsicherheitslabor in Wuhan zu tun. Ich halte von der Geschichte nicht viel,[1] denn es gibt eine Reihe guter Argumente für einen natürlichen Ursprung des Erregers. So ganz abwegig ist die Vorstellung aber nicht, dass ein gefährliches Coronavirus aus einem Labor entkommt.

Zum einen ist das schon mal passiert, und zwar 2004 in Peking. Damals haben sich zwei Personen unabhängig voneinander in einem Labor mit dem SARS-Coronavirus infiziert und die Krankheit nach draußen getragen. Darauf basierte auch eine Warnung in einem Artikel von 2017, dass die größere Bedeutung von Hierarchie in China solche Labors möglicherweise besonders unsicher mache.[2]

Zum anderen ist es absolut möglich, einen Erreger im Labor gefährlicher zu machen. Das wird auch überall auf der Welt schon getan. Man bezeichnet diese Versuche als Gain-of-Function-Experimente, und untersucht damit zum Beispiel, was eine saisonale Grippe von der Vogelgrippe H5N1 unterscheidet, die mehr als die Hälfte aller Infizierten tötet, aber wenig ansteckend ist.

Viren ansteckender machen

Gain-of-Function-Experimente an potenziellen Pandemieviren sind sehr kontrovers. Nachdem 2011 zwei Arbeitsgruppen das H5N1-Virus gezielt viel ansteckender für Säugetiere gemacht hatten, wurde die Forschung dort ein paar Jahre lang gestoppt. Seit 2017 ist das Verbot mit einigen Einschränkungen aufgehoben.

Das Verfahren, einen gefährlichen Erreger deutlich ansteckender zu machen, ist erstaunlich simpel. Kaum ein Jahr, nachdem die Technik bei H5N1 vorgestellt wurde, hatte eine andere Arbeitsgruppe ein ähnliches Spiel mit dem H7N1-Vogelgrippevirus wiederholt.

Das erste Experiment einer Gruppe um Yoshihiro Kawaoka hatte zwei Stufen. In Schritt eins fügte die Arbeitsgruppe zufällige Mutationen in das Hämagglutinin-Protein des Virus ein, bis das Virenprotein an Moleküle in Säugetier-Atemwegen band statt in Vögeln. Dieses veränderte Protein baute die Gruppe in ein menschliches H1N1-Virus ein und infizierte Frettchen damit. Nach einigen Tagen hatten sich die Viren genug angepasst, um durch die Luft übertragen zu werden.

Eine zweite Gruppe aus den Niederlanden um Ron Fouchier ging ähnlich vor, nur dass sie die Mutationen gezielt einführten, und das auf Frettchen übertragene Virus war kein Hybrid, sondern das komplette H5N1. Die Versuche mit H7N1 ein Jahr später kamen ganz ohne genetische Veränderung aus Der Erreger wurde einfach so lange künstlich zwischen Frettchen übertragen, bis er gut genug angepasst war, um sich durch die Luft zu verbreiten.

Viren tödlicher machen

Derlei Spielchen kann man natürlich auch ohne Weiteres mit Coronaviren machen. In China muss man auch nicht mit Frettchen aufhören, sondern evolviert fröhlich in Affen weiter. Allerdings hat das Verfahren aus Biowaffen-Sicht den Nachteil, dass es nur das Ansteckungspotenzial erhöht. Viren werden dadurch nicht tödlicher, und es gibt Indizien dafür, dass sie dadurch sogar an Gefährlichkeit verlieren.[3]

Ein Virus gezielt gefährlicher zu machen, ist ein ganz anderes Paar Stiefel. Dafür kann man es nämlich nicht so einfach in Frettchen rumevolvieren lassen: Ansteckende Viren selektieren sich selbst, einfach dadurch, dass sie übertragen werden, tödliche nicht.

Auch die neuen Gentechnik-Werkzeuge wie CRISPR/Cas9 helfen nur bedingt.  Welche genetischen Eigenschaften nämlich bestimmte Viren so viel tödlicher machen als andere, ist noch größtenteils rätselhaft. Und damit gibt es auch keinen einfachen Weg, einen gewünschten Erreger ein maßgeschneidertes Killer-Upgrade mitzugeben.

Wobei, das ist nicht ganz richtig. Inzwischen weiß man für manche Virenfamilien immerhin, welche Gene ein harmloses Virus von einem tödlichen unterscheiden – selbst wenn man meist nur vage Vorstellungen davon hat, warum das so ist. Die besten Daten gibt es natürlich bei Influenza. Man kann zum Beispiel H5N1 in eine weit weniger gefährliche Variante verwandeln, indem man drei spezifische Gene austauscht. Und umgekehrt.

Der interessante Punkt ist natürlich, dass man dazu erst einmal ein Virus haben muss, das für Menschen sehr tödlich ist – und dann noch mit dem Erreger verwandt, den man upgraden will. Im Fall des Coronavirus wären das SARS und MERS. Aber erstens ist bei Coronaviren bisher nur sehr vage bekannt, welche Gene einVirus so gefährlich machen,[4] und zweitens würde eine entsprechende Manipulation nach etwa 30 Sekunden Datenbankrecherche auffallen. Das Genom von 2019-nCoV ist ja bekannt. Viele Arbeitsgruppen durchstöbern es auf mehr oder weniger qualifizierte Weise nach solchen Auffälligkeiten.

Spillover mit Ansage

Viren sind kompliziert und bis heute mysteriös – deswegen macht man solche Gain-of-function-Experimente. Dank der am Anfang beschriebenen Versuche an H5N1 zum Beispiel weiß man nun, dass das Virus sich an Menschen anpassen kann und dass dazu mehr nötig ist als eine bessere Bindung an menschliche Zellen. Temperatur spielt eine Rolle und daneben auch die molekulare Dynamik des Hämagglutinin-Moleküls.

Deswegen finde ich solche Versuche in einem gewissen Rahmen sinnvoll, auch wenn von den Experimenten eine Gefahr ausgeht. Man kann auch aus meiner Sicht nicht komplett ausschließen, dass das neue Coronavirus das Produkt einer gerichteten Evolution nach dem Muster der Frettchenketten von Fouchier und Kawaoka ist. Nur: Dieses Szenario ist weit hergeholt im Vergleich zu der Vermutung, dass der Erreger aus wilden Tieren kommt.

Die Coronavirus-Epidemie ist praktisch eine angekündigte Seuche. Allen war klar, dass es nicht bei SARS und MERS bleiben würde und dass früher oder später wieder so ein Fledermausvirus auftauchen würde. Tatsächlich gibt es Indizien dafür, dass ein sehr ähnlicher Erreger – oder mehrere – schon mal auf Menschen übergesprungen ist, sich aber nicht halten konnte: In einer Studie von 2018 fand eine chinesische Arbeitsgruppe Antikörper gegen SARS-ähnliche Viren bei sechs Personen in Südchina. Im Oktober 2019 haben internationale Organisationen das Szenario einer Coronavirus-Pandemie in einem großen Planspiel durchexerziert. Wir wussten, dass das Ding kommt. Jetzt ist es da.

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[1] Es gibt dafür aber keinerlei konkrete Indizien, außer dass es ja irgendwie so sein könnte.
[2] Ich find die Argumentation ja nur mäßig plausibel. Biosicherheitsprobleme mit gefährlichen Erregern kommen auch anderswo immer mal wieder vor, ich erinnere mich spontan an die Milzbrand-Briefe von 2001 und die Pockenprobe, die vor ein paar Jahren in einem Kühlschrank aufgetaucht war.
[3] Man kann jetzt natürlich ausführlich drüber diskutieren, ob gerade die Eigenschaften des neuen Coronavirus auf eine solche gerichtete Evolution hindeuten. Aber solange keine guten Indizien gegen ein natürliches Spillover-Ereignis aus einem Tier sprechen, sind solche Spekulationen einfach nur Malen nach Zahlen.
[4] Beim SARS-CoV gibt es Hinweise darauf, dass die entscheidenden Gene gegen das Wirtsimmunsystem wirken, z.B. als Interferonantagonisten. Das wäre ein Ansatzpunkt. In einem solchen Szenario mit Genen aus völlig anderen Virusfamilien rumzuspielen, die völlig andere Zelltypen befallen, ist aus meiner Sicht wenig sinnvoll.

28 Kommentare

  1. Es gibt dafür aber keinerlei konkrete Indizien, außer dass es ja irgendwie so sein könnte.

    Das gilt allerdings auch in die Gegenrichtung.

    • Ockhams Rasiermesser legt aber eben die Herkunft aus einem Wildtier nahe.
      Konkrete Indizien, wie es war, gibt es für viele Fälle nicht – vielleicht wollen ja auch außerirdische uns dezent ausrotten, um unseren Planeten zu retten.
      Gibt dafür oder dagegen keine Indizien, aber Ockham würde diese Erklärung nicht kaufen.

  2. Zum Folgendenaus dem Artikel:

    Nr.1

    “…Man kann auch aus meiner Sicht nicht komplett ausschließen, dass das neue Coronavirus das Produkt einer gerichteten Evolution nach dem Muster der Frettchenketten von Fouchier und Kawaoka ist. Nur: Dieses Szenario ist weit hergeholt im Vergleich zu der Vermutung, dass der Erreger aus wilden Tieren kommt….”
    (Zitatende)

    Der Folgend verlinkte Artikel sieht das etwas kritischer:

    https://www.thelastamericanvagabond.com/top-news/bats-gene-editing-bioweapons-recent-darpa-experiments-raise-concerns-amid-coronavirus-outbreak/

    Nr.2

    “….Die Coronavirus-Epidemie ist praktisch eine angekündigte Seuche. Allen war klar, dass es nicht bei SARS und MERS bleiben würde und dass früher oder später wieder so ein Fledermausvirus auftauchen würde…..”
    (Zitatende)

    Sogar so klar , dass schon im jahr 2013 eine offizielle Gefährdungsprognose diesbezüglich erstellt wurde. Siehe die folgend verlinkte
    Bundstagsdrucksache 17/12051 ,Siebte Wahlperiode , Stand 10.12.2012

    https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwjFsY-ugbHnAhXIbFAKHR_4CB4QFjAAegQIAhAB&url=http%3A%2F%2Fdipbt.bundestag.de%2Fdip21%2Fbtd%2F17%2F120%2F1712051.pdf&usg=AOvVaw1_Y2IiwnDRgGDTnkgp_n0U

    • Also ganz ehrlich, der erste Artikel ist so ein konfuser Haufen Spekulation, dass ich nicht sicher bin, was der Künstler mir mit dem ganzen Riemen überhaupt mitteilen möchte. Außer dass weder Autor noch Protagonisten mehr als eine vage Vorstellung von Biotech haben.

  3. Vielen Dank für den starken, aufklärenden Blogpost! Habe ihn in meinem Diskussionsstrang zu einer vermeintlichen “Coronavirus-Verschwörung” mal gleich verlinkt und empfohlen:

    https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/digital-global-befeuert-die-ersten-verschwoerungsmythen-zum-coronavirus/

    Der menschlichen Psyche fällt es naturgemäß schwer, gravierende und bedrohliche Ereignisse als “zufällig” oder als Ergebnis menschlicher Fehler hinzunehmen. Eine Verursachung durch übelwollende Verschwörer erscheint vielen intutiv plausibel – daran “wollen” viele glauben.

    Das ist nicht nur gefährlich und kann beispielsweise zu Angriffen auf Ärzte, Impfteams und Forschende führen, sondern es vernebelt auch den Blick auf tatsächliche Ursachen zahlreicher Virenmutationen, wie schlechte hygienische Zustände und vor allem den Verzehr von Fleisch allzuvieler Wesen und Arten. Umso wichtiger bleibt Aufklärung…

  4. Wie hoch soll man denn die Wahrscheinlichkeit bewerten, dass auf dieser großen Welt ausgerechnet am Standort eines Biolabors ein Erreger auftaucht, wie er in diesem Labor erforscht wird, und dieser NICHTS mit dem lokalen Labor zu tun haben soll?

    • @Dhan

      Ich finde das eine berechtigte Frage. Vor allem, da auf dem Land deutlich mehr Menschen engen Kontakt mit Tieren haben als in der Stadt. Also kämen für einen zufälligen Ursprungsort eines Virus durchaus große Menschenmengen/Flächen in Betracht – allerdings könnte der reale nCoV-springt-auf-Menschen-Ursprung auch falsch zugeordnet sein, fand auf einem Bauernhof statt und wurde lediglich in Wuhan weiter verbreitet und entdeckt.

  5. 1.
    @ Dahn und zum Folgenden von ihm:

    “….Wie hoch soll man denn die Wahrscheinlichkeit bewerten, dass auf dieser großen Welt ausgerechnet am Standort eines Biolabors ein Erreger auftaucht, wie er in diesem Labor erforscht wird, und dieser NICHTS mit dem lokalen Labor zu tun haben soll?…” (Zitatende)

    Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand bewerte ich diese Aussage jetzt mal so:
    Voll ins Schwarze getroffen.
    Schon merkwürdig, wie manche ansonsten sich voll wissenschaftlich- rational Fühlende plötzlich auf die naheliegendste Logik (Ockhams razor) verzichten, wenn wenn sie wittern, dass es ihrer sonstigen politischen Argumentation irgendwie in die Quere kommen könnte. Und dann ist das (statistisch) Naheliegendste plötzlich “….nichts als reiner Zufall, das nur intuitiv plausibel ist, weil man daran glauben will”.
    Ich könnte jetzt zurückspekulieren und sagen , dass diejenigen auf Teufel komm raus einfach nicht daran glauben wollen.
    Oder aus irgendwelchen Gründen nicht daran glauben “dürfen”.

    Und dass gerade auch das wegen des Vernebelungseffekts und der Wutemotionen nach der Aufdeckung desselben ………….
    …”.nicht nur gefährlich” ist und dass das dann nicht nur “..beispielsweise zu Angriffen auf Ärzte, Impfteams und Forschende führen…” kann, sondern dass auch das letztendlich die Bekämpfung “… schlechter hygienische Zustände und vor allem den Verzehr von Fleisch allzuvieler Wesen und Arten….” konterkarriert.

    (-: (-: (;

  6. Falscher Ansatz. Sie gehen von vornherein vom Labor als Quelle des Virus aus. Richtig ist, unter den möglichen Quellen die wahrscheinlichen in einer Rangliste aufzustellen. Dann wird eine natürliche Quelle den weitaus höheren Rang gewinnen, weil man weiß, dass es zahlreiche davon gibt. Viren mutieren einfach sehr schnell.
    Für ein Labor als Ursache bräuchte es zusätzliche Hinweise, bevor die Wahrscheinlichkeit in die Nähe der möglichen natürlichen Ursachen käme.

    • Diese Hinweise gibt es, z.B. dieses Paper aus 2015 das einen mit SARS-Eigenschaften modifizierten Fledermaus-Coronavirus beschreibt. Unter den Autoren zwei vom Key Laboratory of Special Pathogens and Biosafety, Wuhan Institute of Virology. Entsprechende Gain-Of-Function Forschung wurde dort also wohl betrieben.

      https://www.nature.com/articles/nm.3985

      Artikel über die Risiken dazu:
      https://www.nature.com/news/engineered-bat-virus-stirs-debate-over-risky-research-1.18787#/b1

      Halte es jetzt nicht für sehr abwegig zumindest in Betracht zu ziehen dass es dabei zu einer unbeabsichtigten Freisetzung gekommen sein könnte, da die ersten Menschen ja anscheinend direkt in Wuhan infiziert wurden, und nicht irgendwo sonst auf der Welt.

      • Nein, abwegig ist das ganz und gar nicht. Deswegen habe ich den Artikel ja auch geschrieben. Allerdings habe ich hier zwei Einwände: Zum einen handelt es sich beim aktuellen Erreger nicht um ein Hybridvirus im Sinne der beiden Veröffentlichungen, und zum anderen – siehe meine Antwort weiter oben – ist noch nicht klar, ob das Virus tatsächlich in Wuhan das erste mal aufgetreten ist.

        • Die Einwände zählen nicht wirklich. Das entsprechenden Paper ist von 2015, die Forschung dürfte mittlerweile deutlich weiter sein und auch weitere Methoden (siehe CRISPR/Cas9) zur Modifikation von Viren einsetzen. Man kann auch davon ausegehen dass nicht alles was erforscht wird veröffentlicht wird, allein schon aufgrund der Dual-Use-Problematik solcher Gain-Of-Function Forschung. Ansonsten gibt es natürlich keine direkten “Beweise” für ein erstmaliges Auftreten in Wuhan, dass Wuhan allerdings am stärksten betroffen ist sollte Beleg genug sein um mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit annehmen zu können dass der Erstausbruch in Wuhan oder der direkten Umgebung stattgefunden hat. Nochmals, wie Wahrscheinlich ist es dass ein Ereignis welches der Bund/Robert Koch Institut mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 mal alle 100 bis 1000 Jahre beziffert (http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/120/1712051.pdf Seite 56) genau dort auftritt wo die entsprechende Forschung dazu betrieben wird?

          • dass Wuhan allerdings am stärksten betroffen ist sollte Beleg genug sein um mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit annehmen zu können dass der Erstausbruch in Wuhan oder der direkten Umgebung stattgefunden hat.

            Ein Blick auf andere Seuchen zeigt relativ mühelos, dass man das gerade nicht annehmen kann. Ich glaube eher, diese Einlassung ist der Beleg dafür, dass hier jetzt nur noch auf Verdacht irgendwelche Argumente ohne vorherige Überprüfung eingeworfen werden. Ich bin damit aus dieser Diskussion raus. Ihr könnt gerne noch weiter diskutieren, die Kommentare bleiben offen.

            (sorry für die Verzögerungen beim Veröffentlichen der Kommentare. So viel zu tun, so wenig Zeit…)

  7. Zum Folgenden:

    “…. Dann wird eine natürliche Quelle den weitaus höheren Rang gewinnen, weil man weiß, dass es zahlreiche davon gibt. Viren mutieren einfach sehr schnell….” (Zitatende)

    Wo gibt es ” zahlreiche natürliche Quellen” ?? Nur in der Region Wuhan oder weltweit? Wäre letzteres der Fall , müsste es nach ihrer Darstellung schon weltweit ähnliche “Ausbrüche” aufgrund vorangegangener Mutationen bzw. Tier – mensch- Übergänge gegeben haben. Oder existieren alle natürlichen Quellen erst seit den letzten beiden Jahrzehnten?
    Eventuell ist Ihre These nur um Weniges weniger spekulativ, als die vom “Labor” (irgendeiner Art) als Ursprung des (neu-mutierten ) Virus.

  8. Allerdings hat das Verfahren aus Biowaffen-Sicht den Nachteil, dass es nur das Ansteckungspotenzial erhöht. Viren werden dadurch nicht tödlicher, und es gibt Indizien dafür, dass sie dadurch sogar an Gefährlichkeit verlieren

    Bei einer Biowaffe geht es vorranig nicht darum, den Erreger möglichst tödlich zu machen. Sondern darum, eine möglichst lange Inkubationszeit zu haben. Erkrankte können später identifiziert und isoliert werden. Außerdem muß der Erreger leicht von Mensch zu Mensch übertragbar sein oder über einem Vektor (z. B. Mücken, Nagetiere…) bei dem viele Menschen in Kontakt kommen. Es soll ja auch das Gesundheitssystem, des Gegners geschwächt werden. Man muß ja nur mal schauen, wie schnell FFP2 oder FFP3 Masken ausverkauft waren und zu welchen Preisen diese noch zu bekommen sind.

    Bei SARS wurde auch schon vermutet, das dieser aus einem Biowaffenlabor entkommenwar, zumindestens gab es Paralellen zu einer Mutwilligen Freisetzung (siehe: BBK (2007), Biologische Gefahren I, S. 43)

  9. Naja, das Wuhan-Labor ist das einzige BSL-4-Labor in ganz China. Zudem wurde es extra errichtet, um SARS zu erforschen – und das ist verwandt dem nCoV.

    Wenn ich die (bestimmt zu stark vereinfachende) Prämisse aufstelle, dass ein natürliches neues CoVirus bei einem weltweit zufälligen humanen Erstwirt auftritt, so ist die Wahrscheinlichkeit dass dies zufällig an einem BSL-4-Standort geschieht, wie folgt:

    – Es gibt 35 Standorte mit BSL4-Labors weltweit.
    – Die durchschnittliche Zahl der Menschen in der Umgebung eines jeweiligen Standorts ist grob geschätzt je 7 Millionen (Wuhan und Tokio sind überdurchschnittlich große Standorte, und ich nehme die gesamten Metropolregionen).
    –> Macht zusammen also 35*7=245 Millionen Menschen nahe eines BSL-4-Standorts. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein neuer Virus einen Menschen zufällig nahe eines solchen Standorts befällt, schätze ich mit meinen Prämissen damit zu 245 Mio. /7500 Mio. = 3,3%.

    Allerdings hatten wir ja schon Krankheiten die abseits eines solchen Standortes aufgetreten sind (das heißt mehrere “Würfelwürfe”). Da ja ausgerechnet Sars in Wuhan erforscht wird, gestehe ich hier ziemlich einschränkend nur für Sars und Mers zu, zwei natürliche “Versuche” für gefährliche Coronaviren zu sein und nCoV sei nun der dritte Fall. Wäre dieser dritte Fall auch natürlich, steigt die Gesamt-Wahrscheinlichkeit auf 3 mal 3,3% = 9,9% für natürlichen Erstauftritt direkt in Wuhan. Dem gegenüber bleibt dann wohl der Austritt aus dem Labor mit einer Wahrscheinlichkeit von 90,1%.

    Vollkommen schlüssig ist das Ergebnis natürlich aufgrund der fragwürdigen Prämissen und der verbleibenden Wahrscheinlichkeit trotzdem nicht.
    Dies ist ja auch nur ein Diskussionsbeitrag, der Entgegnungen willkommen heißt.

    • Die spannende Frage ist bei dieser Rechnung ja, ob das Virus in Wuhan zum ersten mal bei Menschen aufgetreten ist. Das können wir an diesem Punkt weder in die eine noch in die andere Richtung entscheiden, und ich sehe gute Gründe, eine andere Herkunft in Betracht zu ziehen. Die ersten Infektionen scheinen ja schon im November aufgetreten zu sein, das heißt, es gibt quasi eine “dunkle Phase” zwischen Erstinfektion und Identifizierung, die locker mehrere Inkubationszeiten lang gewesen sein könnte. Vgl SARS, bei dem der wirklich erste bekannte Fall zuerst als “atypische Lungenentzündung” gar nicht auffiel. Und unidentifizierte Kranke infizieren sehr viele Leute in Kliniken, siehe wieder SARS.

      Wer weiß, was uns die chinesischen Behörden nicht erzählen, das kommt dazu…

  10. Ergänzung: Die 90,1% meiner Abschätzung beinhalten nicht nur die Möglichkeit der Freisetzung aus dem Labor, sondern mit einigen % auch die Möglichkeit meines Kommentars @ Dhan, dass der wahre Erstauftritt nicht in Wuhan sondern auf dem Land passierte (bestimmt kommen zumindest einige Leute vom Land zum Markt in Wuhan für den Verkauf).

  11. …..Wer weiß, was uns die chinesischen Behörden nicht erzählen, das kommt dazu…“”
    (Zitatende)

    Gehört Lars Fischer jetzt auch zum Club der Verschwörungs- Vermuter? Das könnte mein ganzes bisheriges Weltbild über den Haufen werfen. (-: (-: (-; (-;

    • Ich denke, der Unterschied zwischen Verschwörungsfans und mir ist das Menschenbild. Verschwörungsfans gehen davon aus, dass Menschen total durchtrieben auf Jahre hinaus planen, tausende Fäden über alle Kontinente gespannt haben, ganze Regierungen wie Marionetten durch die Gegend tanzen lassen und natürlich für jede Eventualität Alternativpläne in der Tasche halten.
      Ich dagegen denke, sie würden es gerne. Aber es endet immer im Chaos, weil die Leute irgendwelche Kleinigkeiten übersehen, im falschen Moment besoffen sind, nicht auf die Landkarte gucken, mit ihren geheimen Plänen bei ihrer Geliebten angeben und allgemein ihren Arsch mit beiden Händen nur durch Zufall finden würden. “Verschwörungen” sind einfach irgendwelche Zufälle, durch die tatsächlich mal jemand von irgendwas profitiert, was er anleiert, oder einfach im richtigen Moment ein kleines bisschen weniger inkompetent ist als sonst. Es gibt unfassbar viel mehr seltsame Zufälle als tatsächliche Verschwörungen, und die Verschwörungen erkennt man normalerweise daran, dass sie in ner Blamage enden. Fidel Castro starb mit 90 im Bett.

  12. Mit Laboren gibt es immer wieder mal schräge Geschichten, siehe z.B. den Fall der 2005 irrtümlich verschickten H2N2-Viren (https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Versehentlich-gefaehrliches-Virus-verschickt-333826.html).

    Aber im Falle des neuen Corona-Virus spricht bisher ja wirklich nichts Konkretes für die “Laborthese”. Hier wird gerade über eine andere Spur berichtet, vielleicht ist das Pangolin schuld: http://scienceblogs.de/meertext/2020/02/07/coronavirus-die-rache-des-pangolins/

    Was ich mich frage: Was wäre, wenn so ein doch recht kontagiöses, aber nicht massiv auffälliges Virus statt in China in einer Armutsregion in Afrika auf den Menschen übergesprungen wäre, ohne funktionierenden Staat, ohne halbwegs intaktes Gesundheitswesen?

    • Mit etwas Pech werden wir das bald sehen. Anscheinend gibt es aus großen Bereichen Zentral- und Westafrikas bisher deswegen keine Fallmeldungen, weil es schlicht keine Testlabors gab (bisher zwei auf dem ganzen Kontinent). Das soll sich demnächst ändern.

  13. Nach wie vor bleibt der ziemlich seltsamen Widerspruch zwischen der behaupteten Harmlosigkit des Virus für mindestens drei Viertel der Bevölkerung in gut funktionierenden Staaten und dem enormen Aufwand der Chinesen, welcher sogar deren Volkswirtschaft in noch nicht überschaubarem Ausmaß schädigt.

    Kleiner Scherz am Rande: Ob das Virus etwa einem biorassistischen Labor einer nicht ganz grundgesetzkonformen Partei Mitteleuropas entstammt und so gentechnisch konstruiert wurde, dass nur bei Chinesen schwere Symptomen auftreten? Obwohl: Andererseits sind solche Parteien ja wiederum oft eher philo- chinesisch und russlandliebend veranlagt.
    Na dann bleibt wohl nur, dass das “neue Virus” halt selbst quasi “von Natur aus” rassistisch infiziert bzw. veranlagt ist und aus diesem Grunde bisher (!) fast alle hochentwickelten Staaten außer China weitgehend verschont hat.
    Fragen über Fragen.
    Ach ja : Ich überlege zur Zeit , ob ich zukünftig nach Vorbild der Infizeirtenmeldungen meiner Heimatzeitung und der ” Öffentlich Rechtlichen” meine Einkommensangaben auch mit “ÜBER” 400€ liegend angeben soll. Denn diese Über- Meldungen der Infiziertenzahlen liegen regelmäßig 10 -15 Prozent UNTER den aktuellen Zahlenangaben aus China.Das Ganze erinnert mich auch etwas an die Tarifprospekte der TK- Anbieter: Monatstarife AB 19,99€ bei einer (nicht garantierten ) MINDEST – Datenrate von……..

    (-: (-: (-; (-;

    • … und wo werden all die Mobiltelefone der Telefonanbieter hergestellt? Na?
      Du bist da was ganz großem auf der Spur! :-p

      Addendum: Aus meiner Sicht ist der Unterschied zwischen China und den “hochentwickelten” Staaten ist im Moment, dass China erstens die Kontrolle über die Ansteckungsketten verloren und zweitens jenseits der Küstenstädte nicht die medizinische Infrastruktur hat, um mit der Zahl der Infizierten klarzukommen. Die anderen Staaten betreiben ja erheblichen Aufwand, um jegliche Verbreitung außerhalb Chinas im Keim zu ersticken.
      Machen wir uns keine Illusionen: Wenn das nicht gelingt, wird es auch hierzulande unangenehm. Vielleicht nicht so unangenehm wie in China, aber sooo wahnsinnig gut ist unser Gesundheitssystem auf sowas auch nicht eingestellt.

      Die (kontraproduktive) Quarantäne halte ich für eine Panikreaktion. Aus meiner Sicht kann man daraus nicht auf die Existenz irgendwelcher “Geheiminformationen” schließen, die die Quarantäne rechtfertigen würden. Die Partei hat Angst, weil die Bevölkerung sauer ist, also holt sie den ganz großen Hammer raus, um wenigstens irgendwas zu tun. Siehe auch meine Sicht auf Verschwörungen.

  14. @ Lars Fischer am
    08.02.2020, um 11:17 Uhr :

    Ihr Wort in eines Gottes Ohr. Zur Not auch in das der Evolution. (-: (-:

  15. Ich denke das er aus einen Labor kommt und es uns nur anders Verkauft wird wegen Massenpanik…die Frage ist ja welches Tier oder Obst sollte dieses angeblich unbekannte Virus denn auf den Markt übertragen haben dadrüber wird nichts gesagt und warum nicht??? Weil der Coronavirus im Labor entstanden ist so einfach ist das.Es werden bestimmt noch viele Menschen daran sterben und nicht nur alte oder Immungeschwächte so wie man uns weiß machen will…ist schon traurig wie man von den Politikern bzg. der Gefahr belogen wird.

    • Laut einer aktuellen genetischen Studie (die hoffentlich in den nächsten Tagen öffentlich zugänglich sein wird) ist der Erreger vom Pangolin auf den Menschen übergesprungen. Die Tiere werden in China (illegal) für die Traditionelle Chinesische Medizin gehandelt.

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