Kaffeequalia und Nachbars Katze

Die Sankore Schriften

Ich gehöre zu den Menschen die Kaffee, weil ich ihn nicht mag, wenn überhaupt, nur mit viel Zucker trinken. Und da ich neulich schon über Zucker, Evolution und Konditionierung gebloggt habe, will ich heute was über den Kaffeegenuss schreiben. Was? Ausgerechnet DU, der keinen Kaffee mag, werden einige einwenden. DAS kann ja heiter werden. Ja, das wird es und ich möchte gleich vorwegsagen, dass ich zu diesem Artikel durch die Gedankenexperimente meines Nachbarbloggers Joachim Schulz von Quantenwelt angeregt worden bin. Bei mir wird allerdings keine Katze in eine Kiste gesperrt, ich komme also – und das ist für einen Neurogenetiker schon erstaunlich – ganz ohne Tierversuche aus. Ich erzähle euch nur von Daniel Dennetts Kaffeetestern Chase und Sanborn.

Qualia, Bewertung und Erinnerung

Es waren einmal zwei Kaffeetester, Chase und Sanborn, die für das Kaffeehaus Maxwell arbeiteten. Zusammen mit einem halben Dutzend anderer Kaffeetester bestand ihre Aufgabe darin, dafür zu sorgen, dass der Geschmack von Maxwell-Kaffee über die Jahre konstant blieb. Eines Tages ungefähr sechs Jahre, nachdem Chase bei Maxwell eingestellt worden war, gestand er Sanborn:

„Ich hasse es, das zuzugeben aber ich mag meine Arbeit hier nicht mehr. Als ich vor sechs Jahren bei Maxwell anfing, glaubte ich Maxwell-Kaffee sei der beste der Welt. Ich war stolz darauf, mit dafür verantwortlich zu sein, dass dieser Geschmack über die Jahre hinweg erhalten bleibt. Wir haben unsere Sache gut gemacht. Der Kaffee schmeckt heute noch genauso wie an dem Tag, an dem ich hier anfing. Aber weißt Du, ich mag ihn mittlerweile nicht mehr. Meine Geschmackspräferenzen haben sich verändert. Ich bin ein differenzierterer Kaffeetrinker geworden. Ich mag diesen Geschmack überhaupt nicht mehr.“

Sanborn fand diese Beichte äußerst interessant.

„Komisch, dass Du das sagst“, antwortete er, „mir ist nämlich etwas ganz Ähnliches passiert:

„Als ich hier anfing, kurz bevor du kamst, glaubte ich wie Du, dass Maxwell-Kaffee den besten Kaffeegeschmack der Welt hat, und jetzt geht es mir wie Dir: Ich mag den Kaffee, den wir machen, überhaupt nicht mehr. Aber meine Geschmackspräferenzen haben sich nicht verändert; mein Geschmacksapparat hat sich verändert. Ich fürchte, dass meine Geschmackszellen oder andere Teile meines Geschmackswahrnehmungsapparats sich verändert haben. Maxwell-Kaffee schmeckt für mich nicht mehr so wie früher. Würde er noch so schmecken, würde ich ihn ja noch mögen. Ich glaube nämlich noch immer, dass dieser Geschmack der beste der Welt ist. Ich behaupte nicht, dass wir unsere Arbeit nicht gut gemacht haben. Ihr anderen Kaffeetester seid euch alle einig, dass der Geschmack noch immer der gleiche ist, und auch ich muss zugeben, dass ich von einem Tag auf den anderen keinen Unterschied habe feststellen können. Deshalb muss es einzig und allein an mir liegen. Ich glaube, ich bin für den Job nicht mehr geeignet.“

Die Auswertung des Chase-Sanborn-Gedankenexperiments

Chase und Sanborn stimmen in mindestens einem Punkt überein: Beide mochten Maxwell-Kaffee früher und mögen ihn heute nicht mehr. Aber in einer anderen Hinsicht unterscheiden sie sich nach eigenen Angaben: Maxwell-Kaffee schmeckt für Chase noch genauso wie früher, für Sanborn hingegen nicht mehr.

Vielleicht befinden sich beide in genau der gleichen Lage und es gibt es keinen wirklichen Unterschied in der Entstehung ihres subjektiven Erlebens. Gibt es, insofern beide Behauptungen aufstellen, die von der Verlässlichkeit ihrer Erinnerungen abhängen, überhaupt eine Möglichkeit, diese Verlässlichkeit zu überprüfen? Können wir überhaupt eine Wissenschaft des Bewusstseins betreiben, wenn es diese Möglichkeit nicht gibt?

Es gibt drei Möglichkeiten für Chase:

a)    Die Kaffeequalia von Chase sind konstant geblieben, während sich seine ästhetische Bewertung bezüglich dieser Qualia verändert hat. Dies scheint genau das zu sein, was er selbst glaubt und behauptet.
b)    Chase täuscht sich ganz einfach, wenn er glaubt, seine Qualia seien konstant geblieben. Sie haben sich im Laufe der Jahre nach und nach – und ohne dass er es bemerkt hat – verändert. Er befindet sich in der Situation, in der Sanborn sich zu befinden glaubt, weiß es aber nicht.
c)    Chase befindet sich irgendwo sich a) und b). Seine Qualia haben sich verschoben und seine ästhetischen Bewertungen haben sich auch verschoben.

Für Sanborn gibt es drei analoge Möglichkeiten:

a)    Sanborn hat recht. Während seine Qualia sich aufgrund einer Veränderung seines Wahrnehmungsapparates verschoben haben, ist seine ästhetische Bewertung gleich geblieben.
b)    Sanborns ästhetische Bewertung hat sich verändert, ohne dass er das gemerkt hat. Er hat aufgrund einer Art von Nostalgieeffekt verzerrte Erinnerungen an seine früheren Erlebnisse. Denkt an das Erlebnis, das ihr habt, wenn ihr zu einem Gegenstand aus eurer Kindheit zurückkehrt (z. B. eine Bank in einem Klassenzimmer) und ihn viel kleiner vorfindet als ihr ihn euch in eurer Erinnerung vorgestellt habt.
c)    Sanborns Zustand könnte wie bei Chase eine Kombination von a) und b) sein.

Natürlich können sowohl Chase als auch Sanborn sagen: „Ich weiß, was jetzt gerade in mir vorgeht.“ Aber wenn aus diesem vermeintlichen Wissen absolut nichts folgt, was für eine Unterscheidung, zwischen den oben vorgestellten Möglichkeiten in irgendeiner Weise relevant ist – was nützt dieses Wissen dann? Dennett meint es nützt gar nichts und ist eigentlich kein Wissen. Er glaubt, dass der Begriff Qualia, wie er in der Diskussion der Experten verwendet wird, die Bewusstseinsforschung nicht weiter bringt.

Damit kommen wir zum philosophischen Hintergrundproblem: Wie erfasst man phänomenale Zustände in ihrer Subjektivität? Gar nicht nach Dennett. Er begründet eine Heterophänomenologie. In der Heterophänomenologie gehören Erste-Person-Berichte als Berichte zum Gesamtdatensatz für die wissenschaftliche Erforschung des Bewusstseins. Sie haben aber keine besondere erkenntnistheoretische Autorität mehr. Sie werden als Berichte und aus der Dritte-Person-Perspektive ernst genommen und gehen als Rohdaten in die wissenschaftliche Theoriebildung ein.

Zu Gast im Cartesianischen Theater

Die meisten Hirnforscher würden jedoch Dennett widersprechen und einwenden, dass es nicht völlig unmöglich ist, phänomenale Zustände in ihrer Subjektivität zu erfassen, weil wir durch bildgebende Verfahren den Ort (das cartesianische Theater wie Dennett es spöttisch nennt) und den Zeitpunkt für phänomenales Erleben im Gehirn feststellen können, nicht für alle Bewusstseinszustände und nicht für alle Bewusstseinsebenen, aber für wenige. Wir sitzen im cartesianischen Theater, das Stück hat begonnen aber der Vorhang ist geschlossen. Der geschlossene Vorhang hat jedoch einige Löcher durch die wir Teile des Geschehens auf der Bühne für einen bestimmten Zeitraum beobachten können – auch wenn die Bühnenbeleuchtung nicht besonders gut ist.

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Abb.: Das Cartesianische Theater Heute würde man “Kopfkino” dazu sagen

Viele Neurobiologen glauben an eine abgeschwächte Form des cartesianischen  Materialismus und vermuten, dass bestimmte phänomenale Zustände durch die Aktivität bestimmter neuronaler Netzwerke in verschiedenen Bereichen des Gehirns repräsentiert werden. Das bedeutet man könnte vielleicht aufgrund der Muster auf den fMRT-Bildern sagen ob einer Versuchsperson der Kaffee schmeckt oder sie ihn widerlich findet. Dazu würde sich die Multivariate Pattern Analysis (MVPA, zu Deutsch: Multivariate Mustererkennung) eignen, eine computergesteuerte Methode der Mustererkennung. Ein kompliziertes Rechenverfahren verknüpft dabei geistige Vorgänge selbstständig mit komplexen Aktivitätsmustern im Gehirn. Weil die dabei verwendeten Algorithmen größere Strukturen und Kontraste der Erregungsverteilung einbeziehen, lassen sich damit zusammenhängende Muster besser identifizieren.

Hätte man Chase und Sanborn vom ersten Tag an jeden Tag beim Kaffee testen mit einem funktionellen Magnetresonanztomografen gescannt, hätte man dann zwischen den verschiedenen Möglichkeiten unterscheiden können? Wenn man z. B. die Aufnahmen von Chase und Sanborn vergleicht und sich die fMRT-Bilder von sechs Jahren im Zeitraffer anschaut sollte man prinzipiell sagen können ob sie a) verschiedene Wege zum gleichen Ziel b) gleiche Wege zum gleichen Ziel c) verschiedene Wege zu verschiedenen Zielen genommen haben. Allerdings glaube ich, dass sich so ein Versuchsaufbau in der Praxis nur sehr schwer durchführen lässt. aufgrund der Störfaktoren, der Datenmenge und der Empfindlichkeit der Geräte. Aber nehmen wir mal an es wäre durchführbar. Das negative Ergebnis eines solchen Experiments könnte doch ähnlich wie das Michelson-Morley-Experiment in der Mechanik (damit wollte man den Äther nachweisen) zu einer neuen verbesserten Theorie des Bewusstseins führen.

Weiterführende Links

Weißt du, was du denkst? Die Fallstricke geistiger Innenschau

Der Traum vom Gedankenlesen

Unterschätzte Komplexität Warum die Aussagekraft von Hirnscans beschränkt ist

Neuronale Grundlagen des Bewusstseins

Bildnachweis

Abb.“Das cartesianische Theater“

Author: Derivative work: Pbroks13, Original: Jennifer Garcia (Reverie)

Date: 10.12.2008

Creative Common Licence: CC-By-SA-2.5, 2.0, and 1.0

Description: A tiny person sits in a movie theater inside a human head, watching and hearing everything that is being experienced by the human being. An illustration of the Cartesian theater.

 

Joe Dramiga

Veröffentlicht von

Joe Dramiga ist Neurogenetiker und hat Biologie an der Universität Köln und am King’s College London studiert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Genexpression in einem Mausmodell für die Frontotemporale Demenz. Die Frontotemporale Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die sowohl Ähnlichkeit mit Alzheimer als auch mit Parkinson hat. Kontakt: jdramiga [at] googlemail [dot] com

14 Kommentare

  1. Hallo Joe,

    ohne auf die psychophysischen Aspekte deines Artikels einzugehen: Es ging mir wie dir, ich habe 40 Jahre lang fast keinen Kaffee getrunken, weil er mir nie geschmeckt hat und wenn, dann nur mit Zucker und Milch.

    Kürzlich habe ich zum ersten Mal richtig gute, sortenreine Spitzenkaffees getrunken (Australian Skybury, Tansania AB, Kenia AA usw.) und musste mir verwundert eingestehen, daß mir diese Kaffees sehr gut schmecken, allerdings immer noch nur mit Zucker und Milch.

    “Normalen” Kaffee mag ich jetzt allerdings fast noch weniger. 😉

  2. @ Joe

    Die Freundin mag Kaffee und hatte sich ihn gekauft.
    Da ich grundsätzlich neugierig und (meistens) bereit bin, meine Position zu überdenken, habe ich ihn probiert und war auf Anhieb begeistert. 🙂

    Falls du Kaffee auch nochmal eine Chance geben willst, wir haben ihr hierher: http://www.sonntagmorgen.com/…gins-reine-Sorten/

  3. Qualia links oben im Hirn?

    Hallo Joe!

    Vorweg: Ich zähle mich auch nicht zu den Kaffeegenießern. Dennoch – man könnte hier alternativ eine bestimme Schokoladensorte heranziehen – stellt sich mir hauptsächlich eine Frage: Wird die Qualia nur durch ein bestimmten Bereich im Hirn, wie zum beispiel der “links oben”, repräsentiert?
    Nur dann wäre es möglich, dass der wahrgenommene Geschmack gleich bleibt, der Kaffeetester dem Getränk aber doch nach einer Weile ablehnend gegenüber steht.
    Was feststeht, ist, dass sich sowohl bei Chase als auch bei Sanborn etwas im Gehirn getan haben müsste, ansonsten hätten sie ihr Verhalten gegenüber einer Tasse frisch aufgebrühten Maxwell-Kaffees wohl kaum geändert. Nun führt der Geruch des einst so geliebten Heißgetränks nicht mehr zur jener motorischen Leistung, die sie die Hand ausstrecken und nach der Tasse greifen lässt. Es müssen sich also gewisse “Verschaltungen” geändert haben.

    Denkbar wäre nun, dass sich entweder neuronale Bereiche außerhalb der Qualia-Repräsentation verändert haben (im Falle von Chase), der erlebte Geschmack also gleich bleibt, die daraus resultierende Aktion sich aber verändert. Andererseits könnte sich auch innerhalb des Qualia-Bereiches im Hirn etwas ändern, sodass der erlebte Geschmack ein anderer ist (wie bei Sanborn)nun aber ebenfalls eine andere Reaktion auf den Kaffegenuss folgt, als ein paar Jahre zuvor.

    Ich muss zugeben, dass ich selbst eher skeptisch bin, wenn es darum geht, einem Hirnbereich eine bestimmte mentale Leistung zuzuordnen. Zu sagen “Hier, genau hier, links oben, sitzt das Bewusstsein”, ist natürlich ähnlich absurd – auch wenn es vielleicht angenehmer klingt, statt “links oben” lieber das Frontalhirn zu nennen.

    Fest steht, dass es nach obiger Überlegnung zwei Möglichkeiten gibt, wo sich die neuronalen verschaltungen ändern: Entweder im Qualia-bereich des Hirns oder eben außerhalb. Nur so wäre es möglich, dass die Qualia gleich bleibt, aber nicht das Verhalten bezüglich eines expliziten Reizes wie dem Anblick oder dem Geruch frischen Maxwell-Kaffees.

    Geht man davon aus, dass die Kaffee-Qualia vom Aufbau des gesamten Kortex – oder von noch weiteren Teilen des ZNS -abhängt, wofür ich letztlich eher plädieren würde, dann muss sich die Qualia verändern, damit sich auch das Verhalten ändert. Chase würde sich also täuschen (b), bei Sanborn hätte sich, wie angenommen, die Qualia verändert.

    Gruß

  4. Maxwell-Kaffee

    Nicht ganz ernst gemeint:
    Maxwell Kaffee war schon immer eine furchtbare Plörre. Und falls Joe Dramiga es bei Kaffee stets mit Maxwell versucht hat, könnte ich seine Abneigung sogar verstehen. Vielleicht versucht er es mal mit einem kleinen italienischen Espresso nach dem Essen oder einem frisch gebrühten deutschen Filterkaffee zum Kuchen. Falls nicht seine Synapsen durch Maxwell völlig falsch verdrahtet sind, müsste das nach einer kleinen Gewöhnungsphase zu eine erwünschten Anregung des Belohnungssystems führen.

    !Sachlich finde ich den Artikel aber hervorragend!

  5. Anfangszustand

    @Tom Um eine Veraenderung der neuronalen Verschaltungen feststellen zu koennen, muss man erstmal den Anfangszustand der Verschaltungen erfassen sozusagen als Referenz. Warum denkst Du,dass eine dritte Moeglichkeit – innerhalb UND ausserhalb des Qualiabereichs veraendern sich die Verschaltungen unwahrscheinlich ist?

  6. Geschmack und Lernen

    @DocP Noch ist bei mir ja noch nicht alles verloren ;-)Allerdings bin ich dieser Hinsicht fruehkindlich “hard-wired” und ihr duerft nicht all zuviel erwarten. Insofern muesste ich lernen Kaffee zu moegen. Das wird dann wie beim Fremdsprachen lernen. Und ihr wisst ja je spaeter man eine Fremdsprache lernt umso schwieriger wird es.

  7. Netzwerk ohne Grenzen

    @Joe:

    Das stimmt, es könnte sich natürlich auch in beiden “Bereichen” etwas verändert haben.
    Nur steht dann noch immer die Frage im Raum, ob sich solch ein “Qualia-Bereich” wirklich abgrenzen lässt. Mal ab von Praktischen, halte ich das auch theoretisch für schwierig, wenn nicht gar für unmöglich. Denn wird unsere bewusste Wahrnehmung nicht durch das gesamte Gehirn bestimmt?
    Wenn sich irgendwo im Geflecht der Neuronen etwas verändert, so hat das sicherlich Auswirkungen auf das gesamte System. Selbst unter der Annahme, dass es einen Qualia-Bereich gibt, würde dieser also mitbeinflusst, wenn sich in anderen Hirnbereichen etwas ändert.

    Die Unterscheidung zwischen bewusster Ablehnung des Geschmacks(Qualia) und unbegründeter Abneigung dürfte dann gar nicht nötig sein.

  8. Abgrenzung und Regulation

    @ Tom Ich glaube nicht,dass unsere bewusste Wahrnehmung durch das gesamte Gehirn bestimmt wird. Ich denke, dass einige Regionen involviert sind aber nicht alle. Ich denke auch nicht, dass es so ist wie Du schreibst: “Wenn sich irgendwo im Geflecht der Neuronen etwas verändert, so hat das sicherlich Auswirkungen auf das gesamte System.” Von der Zellbiologie bis zur makroskopischen Anatomie haben die biomedizinischen Fachdisziplinen gezeigt,dass es in lebenden Systemen eine Kompartimentierung bzw. Lokalisierung physiologischer Funktionen gibt. Sei es in der Zelle die Mitochondrien, die Energie aus Sauerstoff gewinnen oder im Gehirn das Broca-Areal fuer die Sprachproduktion. Wenn alles mit allem reagiert und sich gegenseitig beeinflusst waeren wir glaube ich gar nicht in der Lage uns auf bestimmte Dinge zu konzentrieren z.B. ein Buch zu lesen waehrend ein Radio laeuft oder Dinge gleichzeitig zu tun wie Kartoffeln zu schaelen und gleichzeitg zu telefonieren. Es gibt nicht nur Abgrenzung sondern auch Regulation. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass das Bewusstsein eine emergente Eigenschaft des Gehirns ist.

  9. Chaotisches System?

    Hallo Joe!

    So wie ich das sehe, widerspricht die Tatsache, dass man vielleicht Areale für das Bewusstsein ausgemacht hat keineswegs der Annahme, dass auch Änderungen im Hirn außerhalb dieser Areale trotzdem Einfluss auf diese nehmen.
    In jedem Moment wirken unheimlich viele Reize auf uns ein und nur ein Bruchteil davon nehmen wir direkt bewusst wahr. Dennoch wirken auch die übrigen, unbewussten, Reize auf unser Bewusstsein. Dies kann mal mehr, mal weniger der Fall sein, was aber feststeht, ist, dass wir nicht in der Lage sind, all diese Einflüsse zu erfassen. In dem Sinne wäre das Gehirn wohl als chaotisches System zu bezeichnen, da die Prozesse eben nicht nachvollziehbar sind. Kausalität herrscht mit Sicherheit trotzdem.

    So gesehen kann es durchaus ein Qualia-Areal geben, dieses aber durchaus auch von den Verhältnissen im “übrigen” Hirn beeinflusst sein.

  10. Die Folgen der Heterophänomenologie auf das reale Alltagsleben angewandt, sind soziologisch wahrscheinlich nicht ganz unrelevant. Ich brauche doch demnach niemandem mehr so richtig zuhören, wenn einer von Befindlichkeiten redet.

  11. Ein schönes Gedankenexperiment, aber in Wirklichkeit ein Unding. Kaffeehersteller wie Maxwell bereiten ihre Mischungen aus Kaffeesorten vieler Länder und Anbauregionen. Wenn es irgendwo eine schlechte Ernte gibt und eine Sorte aus der gewöhnlichen Mischung dadurch ausfällt schmeckt man, weil diese Sorte nur einen kleinen Anteil in der Mischung hatte, kaum einen Unterschied. Aber dennoch gibt es diesen kleinen Unterschied und auch die anderen Sorten aus der Mischung schmecken jedes Jahr etwas anders. Obwohl man das Mischungsverhältnis etwas anpassen kann ist es unmöglich um den Geschmack einer bestimmten Mischung über Jahre 100% identisch zu halten.

    Der Kaffeegeschmack als konstanter Faktor in diesem Gedankenexperiment fällt dadurch aus, bzw. es ist nicht möglich um phänomenale Zustände in ihrer Subjektivität zu erfassen. Die, obwohl wahrscheinlich nur winzigen und kaum wahrnehmbaren, Unterschiede im Geschmack werden die Aktivität der neuralen Netzwerke beeinflussen und Messergebnisse verfälschen.

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