Früher war die Zukunft auch besser – Teil 3: Zukunft? Zukünfte! Zur Notwendigkeit von Zukunftsvisionen

Das Anthropozän-Konzept besteht aus mehreren konzeptionellen Teilansätzen. Neben der Beschreibung und Untersuchung des extremen Grads der Beeinflussung der Erde durch menschliche Aktivitäten (- der Mensch als „geologischer Faktor“ – ) sowie der eher geowissenschaftlichen Diskussion zur Definition des Anthropozäns (- Wo sollte geeigneterweise die Untergrenze für diese neue erdgeschichtliche Epoche gelegt werden? – ) bedingt die integrative Sichtweise des Anthropozäns weitere Arbeitsfelder: So geht die Umweltforschung wegen des gesamtsystemischen Ansatzes  des Anthropozäns (- Natursphären und Soziosphäre als interagierendes Gesamtsystem -) in eine neue, integrative „Unsweltforschung“ über. Ethisch-normative Verantwortungsaspekte (- Was ist unsere Verantwortung hinsichtlich zukünftiger Generationen? Wie ist dies erreichbar? -) bekommen im Anthropozän eine herausragende Bedeutung. Dies führt direkt in einen gesellschaftswissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Dialog und Diskurs, zu dessen Gelingen “Science Literacy”, also wissenschaftsbasierte Bildung und entsprechende Kommunikations- und Diskursfähigkeit essenziell sind (Abb. 1).

 

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Abb. 1: Die Arbeitsfelder der Anthropozänforschung (siehe Text)

Ein kurzer Rückblick auf Teil 1 und 2

Teil 1 dieser kleinen Reihe behandelte bereits einige gesellschaftliche Rahmenbedingungen hinsichtlich dieses notwendigen Diskurses. Empfindlichkeiten, aber auch Mutlosigkeiten und Verunsicherungen hinsichtlich der Rolle und Relevanz von Wissenschaften sind weit verbreitet, werden teilweise bewusst geschürt, sind aber vielfach auch selbstgeneriert und aus psychologischen Gründen plausibel. Selbstreflexion und generelle Bildung, Selbsterfahrung und Diskussion derartiger Schutz-, Abwehr und Verhinderungsmechanismen sollten zu einem wichtigen Teil der Kommunikation für ein zukunftsfähiges Anthropozän werden.

Teil 2 widmete sich der Frage, woher die Gesellschaft und das Individuum Erkenntnisse beziehen, um zukunftsrelevante Entscheidungen zu treffen und dazu notwendige Verhaltensänderungen dann auch konsequent vorzunehmen. In der Regel ist zwar unbestritten, dass Entscheidungen erkenntnisbasiert sein sollten, und eine Wissensgesellschaft diese Erkenntnisse daher auch kennen und kommunizieren muss. Hierbei muss sich die Wissenschaft jedoch bewusst sein, dass einer Wissensgesellschaft nicht synonym mit einer Wissenschaftsgesellschaft zu sehen ist. Im gesellschaftlichen Dialog müssen auch persönliche Erfahrungserkenntnis sowie persönliche Überzeugungserkenntnis mit berücksichtigt werden, denn auch bei genereller Akzeptanz von Wissenschaft führen gerade persönliche Erfahrungen bzw. Überzeugungen häufig zum selektiven Herauspicken gewünschter sowie zum Ausblenden ungewünschter Wissenschaftsergebnisse. Nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse kritisch zu hinterfragen – was ja im wissenschaftlichen System ständig geschieht und den Motor für den Fortschritt der Wissenschaften ausmacht -, sondern auch Erfahrungen und Überzeugungen immer wieder zu reflektieren und zu adaptieren, wird eine weitere Herausforderung für zukunftsfähiges gesellschaftliches Handeln darstellen (Abb. 2).

Abb. 2: Erkenntnisgewinn in der Wissensgesellschaft

Abb. 2: Erkenntnisgewinn in der Wissensgesellschaft

 

Die Zukunft im Nebel?

In Teil 3 dieser kleinen Reihe soll nun der Frage nachgegangen werden, warum denn Wege in ein zukunftsfähiges Anthropozän so schwer zu finden sind bzw. kaum begangen werden. Dass es im Business-as-Usual-Modus nicht wirklich weitergehen kann, ist sehr vielen zumindest latent bewusst. Auch dass „viele Wege nach Rom (aka „in ein zukunftsfähiges Anthropozän“) führen“ könnten, wird vielleicht noch akzeptiert, das Problem liegt aber eher hier: wie sieht diese Zukunft denn dann auch wirklich aus? Pfadfinder können auch in unwegsamem Gelände Wege finden, selbst wenn Umwege mit dabei sind. Gefundene Wege könnten ausgebaut, vielleicht sogar um alternative Wege oder gar Abkürzungen ergänzt werden. Aber wenn nicht klar ist, wo das Ziel liegt bzw. wie es aussieht, wer will dann neue Wege ins Unbekannte suchen und gehen? Nicht jeder ist eine Entdeckernatur und selbst große Entdecker hatten oft eine Vision (neuer westwärtiger Seeweg nach Indien), selbst wenn sich diese Vision dann als falsch herausstellte.

Hier greift unser in Teil 1 behandeltes Reihenmotto „Die Zukunft war früher auch besser“ ganz besonders. Die Zukunft interessiert uns natürlich, denn nur dorthin geht es. Aber da wir im Nebel oft die Orientierung verlieren, denken wir lieber an vertrautere Zeiten und verklären diese ggf. sogar gerne unter Verzerrung aller Erkenntnisse über diese vergangenen Zeiten.
Genügt es nicht, Szenarien wie diejenigen der IPCC-Berichte zu studieren, um zu Pfadfindern zu werden, weg vom Business as usual (Abb. 3)? Natürlich sind solche Szenarien wissenschaftlich und gesellschaftspolitisch überaus wichtig, denn sie integrieren alles an unserem entsprechenden wissenschaftlichen Wissen, was zusammenfassbar und als Szenarien projizierbar ist. Aber außerhalb der Wissenschaften mögen diese Szenarien viele vielleicht eher verunsichern: so viele Striche auf einer Grafik, dann auch noch nebelige graugepunktete Unsicherheitsfelder? Doch, es gibt auch grüne Bereiche, aber die erscheinen so schwierig erreichbar, politisch nicht umsetzbar.  Vielleicht sind die Grafiken tatsächlich so beunruhigend, dass viele sogar aufbrechen würden, weg vom BAU, aber wohin? Nach allen Richtungen auseinanderrennen? Verlaufen wollen wir uns ja auch nicht, noch gar ggf. alleine.

Abb. 3: Die verschiedenen Szenarien des letzten IPCC-Berichts zur Klimaentwicklung. Viele Linien und eingefärbte Felder. Alles vorstellbar?

Abb. 3: Die verschiedenen Szenarien des letzten IPCC-Berichts zur Klimaentwicklung. Viele Linien und eingefärbte Felder. Alles vorstellbar?

Gerade auch Szenarienprojektionen über längere Zeiträume sind beeindruckend, meist allerdings auch sehr  bedrückend (z.B. Abb. 4). Möglicherweise sind sie, allein genommen, sogar kontraproduktiv, indem sie viele doch eher mutlos zurücklassen, als sie tatsächlich zum Aufbruch zu bewegen. Ist nicht alles schon zu spät? Oder doch etwas tun? Die potentielle to do-Liste ist lang: Die Zwei-Grad-Leitplanke einhalten? Georessourcen nicht verschwenden? Biodiversität schützen und ökosystemare Dienstleistungen weiterhin sicherstellen? Ein lebenswertes Alter ermöglichen? Globale Gerechtigkeit erreichen? D’accord, aber was bedeutet dies wirklich, wie sieht eine entsprechende Zukunft dann konkret aus? Bevor wir hier nicht umfassendere Vorstellungen zur möglichen Zukunft entwickeln, steht zu befürchten, dass eine eventuelle Aufbruchstimmung über kurz oder lang eher wieder in eine Verunsicherungsstimmung abgleitet und wir uns lieber wieder altvertrautem (- was leider in der Regel Business as Usual bedeutet -) zuwenden oder uns mit unzureichenden Feigenblatt-Aktivitäten zufrieden geben.

 

Abb. 4: die letzten 2000 Jahre sowie ein Business as Usual-Szenario des IPCC im selben Maßstab dargestellt.

Abb. 4: die letzten 2000 Jahre sowie ein Business as Usual-Szenario des IPCC im selben Maßstab dargestellt. Sehr beeindruckend, aber vielleicht auch frustrierend und mutlos machend?

Zukunftsvisionen stimmen doch eh nie!

 

Also, wie sieht eine nachhaltige, generationen- und global gerechte Zukunft dann aus? Gab es nicht schon zu oft Zukunftsvisionen, die so aber allesamt  nicht eingetreten sind? Die Zukunft kann man eh nicht wirklich vorhersagen, oder vielleicht doch?

Hier liegt ein weitverbreitetes Klischee vor. Ja, es stimmt natürlich, viele Zukunftsvisionen sind nicht eingetreten, erfreulicherweise. Wir haben keine nukleargetriebenen Autos, keine Außenstelle Mars und auch keine Welthauptstadt Germania. Aber vieles an in Technologie und Wissenschaft vorgedachten Visionen ist –  natürlich modifiziert- eben doch umgesetzt worden. Computer haben sich rasant verkleinert, die „Noosphäre“ Teilhard de Chardins ist als Internet manifest geworden, es gibt tatsächlich viele in etwa auch so vorhergesagte neue Produktionsabläufe, neue Werkstoffe, die Ausbreitung von Fortbewegungsmitteln, neue medizinische Untersuchungsverfahren, Weltraumreisen, um nur einiges zu nennen.  So hat z.B. Isaac Asimov vor 50 Jahren Vorhersagen gemacht, von denen viele heute tatsächlich eingetreten sind. Auch der Zukunftsdenker Robert Jungk hat viele Dinge bereits vor mehr als 30 Jahren vorausgedacht und recht behalten, und selbst die Vorhersagen des Club of Roms zu den Grenzen des Wachstums waren zwar im Detail nicht korrekt, in der generellen Aussage aber doch ziemlich genau.

Szenarien können genauso wenig wie Zukunftsvisionen die Zukunft tatsächlich im Detail beschreiben oder gar vorweg nehmen, aber sie helfen, über die Zukunft zu diskutieren, verschiedene Zukunftsoptionen zu „verhandeln“, Ängste abzubauen und aufgrund von konkreteren Vorstellung vielleicht dorthin, also in die Zukunft leichter aktiv aufzubrechen, auch wenn sich die Vorstellung, die Vision während der Reise bestimmt noch modifiziert.

Die aktuelle Zukunftsforschung basiert auf wissenschaftlichen Prinzipien und berücksichtigt bzw. differenziert sowohl wissenschaftlich basiertes Wissen, Meinungen, Vermutungen und Spekulation als auch konstante, neue gerichtete, neue ungerichtete und chaotische Szenarien (Abb. 5).

Abb. 5: Zukunftsmodell nach Pillkahn

Abb. 5: Zukunftsmodell nach Pillkahn (Wikimedia commons)

 

 

Die Darstellung von Zukunftsvisionen lag im ausgehenden 19. bzw. beginnenden 20. Jahrhundert voll im Zeitgeist. Abb. 6 zeigt Postkarten von Zukunftsvisionen, die in der dort bebilderten Weise nicht direkt eingetreten sind. Wir spielen heute kein Lufttennis mit individuellem Fluggerät und wir haben keine Flugtaxis, um den Straßenverkehr in Städten zu entlasten. Aber wir haben Drachen- und Gleitschirmfliegen als verbreiteten Sport entwickelt, viele Industriechefs von Sao Paulo, aber auch die Bundeskanzlerin fliegen mitten in Städten mit Hubschraubern von Termin zu Termin, und manche Städte, wie etwa Wuppertal haben tatsächlich Schwebebahnen und Gondelsysteme entwickelt, um den Straßenverkehr zu entlasten. Auch auf dem Wasser können wir uns mit individuellen Wassermopeds und Tretbooten fortbewegen, Glasbodenboote und auch kommerzielle Tauchbootfahrten gibt es ebenfalls. Nur mit dem automatisierten Nürnberger High-Tech-Trichter klappt es halt noch nicht so ganz.

 

Zukunfsvisionen auf Postkarten etwa um das Jahr 1900 (verschiedene Internetquellen)

Zukunfsvisionen auf Postkarten etwa um das Jahr 1900 (verschiedene Internetquellen)

 

Mögliche technische Mobilitätsvisionen, die der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung (WBGU) in seinem 2011-er Gutachten für das Jahr 2050 entwickelt hat und die im WBGU-Trafonsformationscomic auch grafisch umgesetzt wurden, sind zum einen ebenfalls mit den Postkartenvisionen des ausgehenden 19. Jahrhunderts kongruent – untermeerische Maglevbahnen als Transportmittel sowie individualisierter Personennahverkehr, der sich in die 3. Dimension erhebt (Abb. 7) -, andererseits sind die Visionen von 2011 für 2050 in Teilen sogar bereits umgesetzt, so gibt es Maglevbahnen bereits in Asien, wenn auch noch nicht untermeerisch, und die englische Stadt Milton Keynes führt gerade ein individualisiertes Personennahverkehrssystem ein, welches durchaus an die WBGU 2050-Vision erinnert, auch wenn es sich noch komplett auf dem Boden befindet.

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Abb. 7: Zukunftsszenarien aus dem Transformationsgutachten des WBGU 2011, umgesetzt im WBGU-Transformations-Comic (Hamann et al. 2013)

 

Zukunft? Zukünfte!

 

Wie aber könnten wissenschaftlich begründbare Visionen für die Zukunft aussehen, wie könnten sie entwickelt, erzählt, visualisiert, vielleicht sogar erfahrbar gemacht werden? Dies sind große Herausforderungen eigentlich für alle Wissenschaftsbereiche (Natur-, Technik-, Kultur-, Gesellschaft-, Geisteswissenschaften) sowie für deren Kommunikation. Die Herausforderungen umfassen insbesondere:

  1. Geeignete Darstellung der systemischen Vernetztheit aller Zukunftsbereiche.
  2. Herunterbrechen auf be- und verhandelbare sowie darstellbare menschenrelevante Teilbereiche (Wohnen, Arbeiten, Fortbewegen, Landwirtschaft und Essen, Freizeit, medizinische Versorgung, Kommunikation uvm.) unter Beibehaltung der systemischen Vernetzheit bei gleichzeitiger Veranschaulichung in geeigneter Weise.
  3. Statt konfliktbeladener Darstellung nur einer möglichen Zukunftsvision (z.B. „wir müssen alle suffizient leben, weniger ist mehr“ oder „wir vertrauen alle auf die Möglichkeiten der Technik und werden sowieso mal auf einen anderen Planeten auswandern, wenn es hier zu schlimm wird“) lieber die differenzierte Darstellung mehrerer potenzieller Zukunftspfade: Also statt einer Zukunft viele mögliche Zukünfte.
  4. Erfahrbarmachen dieser visionären Zukunftsbilder: durch neue Narrative, Visualisierungen, Ausprobieren (Stichwort Reallabore) und Partizipation bei der Umsetzung von Prototypen.
  5. Verhandelbarkeit der verschiedenen Zukunftspfade sowie die daraus ggf. generierte Einsicht, dass je nach Lebensbereich, Kulturraum und gesellschaftlicher Situation durchaus Mischungsverhältnisse vorstellbar und verhandelbar, ja sogar wahrscheinlich sind, wozu entsprechender Dialog und Diskurs innerhalb der Wissenschaften, zwischen Wissenschaften, Wirtschaft und Gesellschaft sowie auch zwischen Gesellschaft und Politik stattfinden muss.
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Abb. 8: Systemische Verortung möglicher Zukunftsthemen innerhalb des “Anthropozän-Kontikuums: Natur, Technik/Gesellschaft, Kultur (Leinfelder in prep.)

 

Zu 1) und 2): Abb. 8 zeigt, wie wichtige Zukunftsthemen innerhalb des „Anthropozän-Mischungsdreiecks“ (Neo-)Natur, Technik/Gesellschaft und Kultur räumlich verortet werden können, um entsprechende systemische Zusammenhänge aufzuzeigen. Von jedem Thema aus kann man sich spinnennetzartige Verwebungen vorstellen, um das Thema auszurollen und aufzuarbeiten.  So zeigt etwa Abb. 1 in unserem Teil 1 exemplarisch die Ressourcenabhängigkeit von annähernd allen Zukunftsbereichen.  Ein derartiges differenziertes Kontinuum ist nicht nur für systemische Forschungsansätze, sondern auch für Kommunikations- und Diskursansätze von Bedeutung. Auch visuelle Darstellungen, wie Filme, illustrierte Texte oder Ausstellungen könnten hier ansetzen.

Zu 3): Abb. 9 zeigt exemplarisch einige diskrete Entwicklungspfade rund ums Thema Essen, die mögliche Zukünfte darstellen könnten:

 

  • Wir sind uns relativ einig, dass Business as usual kein guter Weg ist (als Beispiel ist in Abb. 9 der BSE-Fall dargestellt).
  • Genügt es reaktiv zu antworten, wenn es zu Krisen kommt, also etwa gezielter Pestizideinsatz bei plötzlichem Massenauftreten eines Schädlings?
  • Oder ist der richtige Weg doch ein „weniger ist mehr“? Also möglichst hohe Selbstbeschränkung, Suffizienz? Vielleicht nur noch Nahrungsmittel aus dem ganz lokalen Umland? Radikal regionale Ernährungsgruppen sind auch in Deutschland im Aufwind. Bucheckern und Moose stehen dann allerdings auch auf dem Speiseplan. Oder Ernährung von Weggeworfenen? Für die Taste the Waste-Bewegung gibt es inzwischen bereits ein Kochbuch.
  • Oder hilft eine  Konsistenz-Zukunftsvision? Sind Beispiele aus einer kompletten Kreislaufwirtschaft auch beim Thema Ernährung am besten, um die die Zukunft vorstellbar zu machen? Vielleicht düngen wir urbane Landwirtschaftsgärten direkt mit Fäkalien? Oder wir kompostieren direkt innerhalb neuartiger Einbauküchen, die dazu bereits entwickelt werden. Dort können auch gleich Kräuter wachsen und die Selbstversorger-Zuchtanlage für Insektenlarven stehen, die es als Prototyp ebenfalls bereits gibt und die unseren Müll direkt kompostiert. Nach Rückkehr von einem vollen Arbeitstag muss keine Tiefkühlpizza aufgebacken werden, sondern wir bereiten uns vielleicht ein Insektenlarvenfrischfleischrisotto zu, gewürzt mit selbst in der Küche gezüchtetem Basilikum.
  • Oder birgt die Zukunft auch beim Thema Essen viele Hightech-Überraschungen? Vielleicht schmecken ja essbare Produkte aus dem 3D-Drucker oder der Biotech-Kunstfleischburger hervorragend, sehen gut aus und sind auch noch gesünder als alles, was wir bislang kannten? Selbst hier gibt es bereits ein Kochbuchprojekt.

 

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Abb. 9: Das Visionsfünfeck für fünf unterschiedliche Zukunftspfade beim Thema Essen sowie potentielle Mischverhältnisse (Kreise) (siehe Text). R. Leinfelder, in Vorb.)

 

Derartige pfadartige zugespitzte und kategorisierte, d.h. auf bestimmte Lebensbereiche heruntergebrochene Zukunftsvisionen könnten helfen, unsere Möglichkeiten für Zukunftsgestaltung besser vorstellbar zu machen, besser kennenzulernen, vielleicht auch einmal selbst auszuprobieren, um dann insgesamt die gewünschten bzw. sinnvollen Formen innerhalb ihrer systemischen Bezüge besser be- und verhandeln zu können. Wie wir uns wirklich in der Zukunft ernähren, wird je nach persönlichen Vorlieben, kultureller Prägung sowie natürlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten weltweit vermutlich unterschiedlich sein. Insekten stellen in vielen afrikanischen und einigen asiatischen Ländern einen wesentlichen Bestandteil für proteinreiche Nahrung dar. Insekten sind auch ressourcen- und energietechnisch um ein vielfaches nachhaltiger als Säugetierfleisch. Außerdem sind sie auch noch eng mit Garnelen, Krebsen und Langusten verwandt, die viele von uns mit Genuss verspeisen. Tatsächlich empfiehlt die FAO eine verstärkte Nutzung von Insekten als Nahrungsmittel. Allerdings sind wir in unserem Kulturkreis von unserer Erziehung her so geprägt, dass Insekten als Schädlinge und Krankheitserreger angesehen werden und schon in frühester Kindheit mit dem Igitt-Faktor versehen werden. Dschungelcamps mit Insektenmutproben tun ihr möglichstes, diesen Ekel-Faktor auch zu konservieren. Es geht sicherlich nicht darum, dass wir in Zukunft alle Insekten als Hauptgericht essen sollten, aber warum nicht mal diskutieren, warum Insekten für manches eine Alternative sein könnte? Wenn wir sie nicht selbst essen, könnten sich Insekten zumindest für die Fischzucht besonders eignen, da ansonsten die klassische Aufzucht karnivorer Fische nicht nur keine Entlastung, sondern wegen der hohen Zufütterung sogar eine Verschärfung für die Überfischungsproblematik bedeutet und daher Zuchtfische auch keine Entlastung für den Fleischmarkt werden könnten. Dialog, Diskurs, Verhandlung, Ausprobieren. Dazu benötigen wir visualisierte, vielleicht sogar haptisch erfahrbare, erlebbare Zukünfte.

Abb. 10 versucht in ähnlicher Weise das Thema Wohnen in der Zukunft anzudenken und unterschiedliche Zukunftspfade mit konkreten Visualisierungsbeispielen zu erläutern, um Diskussionen anzuregen. Business as usual ist in vielen Megastätten schon aus sozialen Gründen kaum weiter zu tolerieren. Außerdem sind unsere heutigen Städte immer noch mit die größten Klimakiller und Ressourcenverbraucher. Was tun wir, falls der Meeresspiegel steigt? Sind schwimmende Städte als Reaktion eine Lösung, wie es Holland z.T. schon übt? Wie sähe ein Suffizienzszenario des Wohnens aus? Welche Vorteile bieten Cradle-to-Cradle-Konzepte, etwa das zerlegbare und wieder andersartig zusammensetzbare Wohn- oder Geschäftshaus? Oder bauen wir uns doch lieber solargespeiste Hightechmegastädte und lassen die Natur ansonsten möglichst weitgehend in Ruhe? Auch hier sind selbstverständlich wieder Mischungsverhältnisse möglich bzw. plausibel (siehe auch Abb. 11):

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Abb. 10: Das Visionsfünfeck für fünf unterschiedliche Zukunftspfade beim Thema Wohnen sowie potentielle Mischverhältnisse (Kreise) (siehe Text). R. Leinfelder, in Vorb.)

 

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Abb. 11: eine mögliche Zukunftsvisualisierung von Berlin als Mischung von High-Tech, Suffizienz- und Konsistensvisionen. (future city lab / IZT / BZ-Berlin

 

Hier kommen sogenannte Reallabore besonders ins Spiel (Abb. 12). Ausprobieren, wie die Zukunft gerade im Bereich Wohnen aussehen könnte, müsste doch erfahrbar gemacht werden können. Wie wäre es mit einem Wochenendwohnexperiment in einem 4-qm Hightech-Haus, was alles hat, was man braucht? Oder mit neuen Wohnformen mit Gemeinschaftsküche und Direktrecycling auf Zeit? Ausprobierende Beteiligung an Urban Gardening, sharing und joint-repair-Projekten? Versuchsweise Gruppenarbeiten in digitaler 3D-Vernetzung mit Kollegen aus Übersee? Urlaub in einem Hightech-Haus mit Ressourcenverbrauchsmessanlagen, automatisierten Einkäufen und Robotern als Arbeitsgehilfen?  Ausprobieren ist das eine, damit zusätzlich beizutragen, empirische Daten zu rationaler und emotionaler Akzeptanz sowie Machbarkeiten zu gewinne, das andere. Firmenkantinen, öffentliche Einrichtungen, Universitäten, ganze Stadtteile könnten zu datengenerierenden Reallaboren werden, um Prototypen zu entwickeln, auszuprobieren, zu beforschen, zu optimieren und ggf. dauerhaft zu implementieren.

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Abb. 12: Reallabore für Realexperimente, aus Schneidewind & Singer-Brodkowski 2013.

 

 

 

Fazit

 

Die Bauanleitung für die Zukunft können wir erst entwickeln, wenn wir nicht nur wissen, was grundsätzlich demnächst nicht mehr geht (fossiles CO2, übermäßiger Ressourcenverbrauch, Biodiversitätsverlust, grenzenloses klassisches Wachstum etc.), sondern auch, was geht, was interessant ist, sich gut anfühlt, Spaß macht, Kreativität fördert und eben auch vorstellbar und in Teilen ausprobierbar ist. Darum sind Zukunftsvisionen so wichtig, um Mut zu machen, sich von Ängsten zu lösen, vieles auszuprobieren und insgesamt maßgeblich am Transformationsprozess beteiligt zu sein (Abb. 13).

 

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Abb. 13: Die Bedeutung von Partizipation, Visualisierungen, Visionsentwicklung und Reallaboren für die Stabilisierung der Wertschöpfungskette Wissenschaft (vgl. Abb. 2, Teil 1 dieser Reihe).

 

Damit aber auch die systemischen Auswirkungen aller potenzieller Zukunftslösungen und –visionen mitbedacht werden, müssen auch die Generierung von Visionen sowie die Reallllabor- und Prototypenversuche wissenschaftlich mitkonzipiert, begleitet, gefördert und untersucht werden. Dies ist vielleicht die beste Möglichkeit, um wissenschaftliche, erfahrungsgenerierte, und überzeugungsbasierte Erkenntnisssteme zusammenzubringen und kongruent zu machen.  Partizipative Foresight-Prozesse, bei denen gesellschaftliche Gruppen nicht nur zur möglichen Akzeptanzbeschaffung, sondern zur Legitimierung, diskursiven Verhandlung, Prototypentwicklung, Optimierung und Implementierung eine tragende Rolle spielen, sind sicherlich ein besonders wichtiger Beitrag zur Entwicklung von Lösungen für ein zukunftsfähiges Anthropozän (z.B. Nikolova 2013, vgl. auch BMBF Foresight-Prozess). Ohne verbesserte Visualisierung von Zukunftsoptionen, die wiederum insbesondere auch im transdisziplinären Kontext mit der Gesellschaft erarbeitet werden, wird der Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation in ein zukunftsfähiges Anthropozän (sensu WBGU 2011, 2013) nicht funktionieren.  Oder mit anderen Worten: der tragikkomische Realphilosoph Karl Valentin sollte mit seinen Aussagen zur Zukunft besser nicht rechtbehalten. Partizipative, transdisziplinäre zukunfsrelevante Wissenschaften sollten auch helfen, der Gesellschaft den Mut zu geben, die Zukunft positiv anzunehmen, Mut für Teilhabe zu generieren und auch die Tragik der Allmende zu überwinden (Abb. 14)

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Abb. 14: Modifikation valentinesker zukunftsrelevanter Aussagen durch zukunftsorientierte, transdisziplinäre Wissenschaften. Hoffentlich…

 

 

Reinhold Leinfelder ist Geologe, Geobiologe und Paläontologe. Er ist Professor an der Freien Universität zu Berlin (Leiter der Arbeitsgruppe Geobiologie und Anthropozänforschung) sowie Principal Investigator des Basisprojekts "Die Anthropozän-Küche. Das Labor der Verknüpfung von Haus und Welt" am Exzellenzcluster "Bild-Wissen-Gestaltung" der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2012 ist er Mitglied der internationalen Anthropocene Working Group der International Stratigraphic Commission. Von 2006-2010 war er Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin, von 2008-2013 Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), von 2011-2014 Research Fellow und affiliate Carson Professor am Rachel Carson Center an der LMU, München, von 1. Sept. 2014 bis 15. Sept. 2016 Gründungsdirektor der Futurium gGmbH in Berlin. Seine Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen beim Anthropozän, Korallenriffen, neuen Methoden und Herausforderungen des Wissenstransfers und Museologie.

14 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Prognosen sind schwierig , vor allem , wenn sie die Zukunft betreffen…

    Das mit der Pfadfinder-Sache finde ich gar nicht so verkehrt , wohin wir mit eindeutigen Ideologien kommen , wissen wir ja und sehen es auch ganz aktuell.
    Vielleicht können nicht so wahrscheinliche Zukunftsvisionen zumindest teilwiese daran erkannt oder erahnt werden , daß ihre Befürworter die besondere Alternativlosigkeit ihrer Vision betonen und jeden heruntermachen , der das anders sieht , häufig sogar prophylaktisch , bevor Kritik überhaupt geäußert wurde.
    Ein Beispiel wäre der Mythos der totalen Digitalisierung der Welt , der in den letzten 20 Jahren massiv um sich gergriffen hat.

  2. Ich hab den Text einfach nicht lesen können. Etwas widerstrebt in mir. Ich nehme das als Zeichen, dass es in mir und für mich keine Zukunftsvision gibt. Lebe sowieso den Tag entlang und trage einen Sack voll Vergangenheit mit mir rum, der nicht gelöst ist.

    • Das ist schade, der Text war gerade auch dazu gedacht, etwas Mut und Lust auf die Zukunft zu machen. Ohne Ihnen persönlich nahetreten zu wollen: Ist konstruktives Nachdenken über die Zukunft nicht vielleicht doch auch eine bescheidene Möglichkeit, Säcke der Vergangenheit ein bisschen besser zuzuschnüren und nach vorne zu sehen? Schön wär’s jedenfalls. Schöne Grüße R. Leinfelder

  3. Zukunftsvisionen sind vor allem Uto- und Dystopien, oft also nahe an Phantasiewelten. Menscheitsprobleme wie der Kampf um den Abbau endlicher Ressourcen (jetzt ausbuddeln, morgen gibts nichts mehr davon) und der weitgehend unbeabsichtigte Umbau der ganzen Erdoberfläche durch den ökonomische Ziele verfolgenden Menschen benötigen aber nicht in erster Linie Zukunftsvisionen und Wunschvorstellungen, sondern müssten im Gegenteil ingenieursmässig angegangen werden mit Phasen wie Problemanalyse, Forschung und Entwicklung und schliesslich Umsetzung. Genau das geschieht aber nicht oder viel zuwenig.
    Ein gutes Beispiel ist der anthropogene Klimawandel der seit meiner Jugend als potenzielles Problem bekannt ist und der spätestens mit der Rio-Konferenz 1992 den Status eines globalen von allen UNO-Mitgliedsstaaten anerkannten Problems erhalten hat. Doch Rio+20 hat dieses Problem zugleich verpolitisiert und es in den Bereich von Betroffenheitsritualen und moralischen Aufrufen portiert anstatt es als Problem einzugrenzen, das ingenierusmässig angegangen werden kann. Mit dem Resultat, dass wir heute noch nicht weiter sind. Was hätte dann in Rio de Janeiro beschlossen werden müssen damit wir heute weiter wären? Den meisten ist das klar: Man hätte sofort der Energieforschung die erste Priorität geben müssen und diese Forschung besipielsweise zuerst über eine geringe überall erhobene CO2-Abgabe (vielleicht 5 US-Dollar pro Tonne CO2) finanzieren müssen. Dann hätte man einen Plan aufstellen müssen wie man schrittweise vorgeht um das Energiesystem zu dekarbonisieren. All das ist nicht passiert. Statt dessen erwecken die Teilnehmer der immer wieder den Eindruck, der Ausstieg aus den fossilen Energien sei nur einen Frage des Willens, könnte eventuell sogar mit Klima-Meditation gelöst werden. Ja es ist eine Frage des Willens. Das stimmt zwar, der Wille ist aber nur der erste Schritt eines langen Weges. Diesen Weg hätte man schon lange beschreiten müssen. Es gibt keine Abkürzungen. Wünschen allein genügt nicht.

    • Nur ein kurzer Kommentar. Es ist v.a. ein popkulturelles Problem, dass Zukunftsvisionen oft als Utopien oder gar Dystopien wahrgenommen werden (Stichwort Science Fiction). Daneben sind dezidierte Zukunftsvorhersagen ein weiteres Problem, denn sie stammen, je nach Typ, vom esoterischen Wahrsager, Prophenten, Philosophen, Politiker oder auch Wissenschaftler. Das hat mit Zukunftsvisionen für das Anthropozän nichts zu tun. Wissenbasierte und wissenschaftsbegleitete, verhandelbare Visionen, die unter bestimmten Rahmenbedingungen (z.B. Ressourcenlage) entwickelt werden, sind so etwas wie mögliche Prototypen, die dann ggf. auch implementiert und aufskaliert werden könnten. Ihre positive Sicht auf den Ingenieur, dem nichts zu schwer ist, in allen Ehren, aber wenn es so einfach wäre, würden wir ja hier nicht diskutieren müssen, denn Problemanalyse, Forschung und Entwicklung haben wir durchaus, aber die Umsetzung kommt eben nicht von alleine, schon gar nicht in globalem Maßstab.

      • Das sehe ich ganz anders. Das eigentliche Problem liegt hier (Zitat)

        Ihre positive Sicht auf den Ingenieur, dem nichts zu schwer ist, in allen Ehren, aber wenn es so einfach wäre, würden wir ja hier nicht diskutieren müssen,

        Es stimmt überhaupt nicht, dass dem Ingenieuer nichts zu schwer ist. Im Gegenteil, der Ingenieur sagt nicht selten: So gehts nicht, machbar ist dagegen die Lösung xy. Doch heute dominiert Wunschdenken und das Publikum will das Unmögliche. Ein gutes Beispiel findet sich im ETH Zukunftsblog-Beitrag 50 shades of green: what determines our electricity future? wo der Autor Johan Lilliestam darüber berichtet, dass eine mögliche technische Lösung für das Energieproblem vom Publikum abgelehnt wird, weil es nicht seinen Wünschen entspricht.
        Freedom has no Price

        A few years back, I was staged in a podium discussion against Hermann Scheer, the guru of decentralised energy in Germany. I thought I was very clever when I presented some rough calculations about why his decentralised idea was way too expensive to be realistic. His reply to my numbers: “freedom has no price”. It goes without saying that I lost the debate.

        Wenn man aber das Unmögliche verlangt, dann erhält man auch das Unmögliche, nämlich eine Situation mit der am Schluss niemand zufrieden sein. kann.
        Ideologien sind sowieso das grösste Problem, vor allem in Deutschland.

        • Bezüglich der Problematik von Ideologien gebe ich Ihnen grundsätzlich recht, und ja, da spricht natürlich auch Frustration aus Ihren Worten (bzw. der Geschichte zu Johan Lilienstam). Aber was kommt dann nach der Frustration? Nichts? Das kann es doch nicht gewesen sein. Also klar, not-in-my-backyard-Mentalitäten bei Stromtrassen, Pumpspeicherkraftwerken etc. kann Lösungen sehr verzögern. Aber es gibt nun mal keine Technokratie-Regierung in Deutschland, sondern eine Demokratie (was ich übrigens überaus begrüße). Konkret zu ihrem Beispiel: aus meiner Sicht ist die Lösung bei der Energiewende weder ausschließlich zentral noch ausschließlich dezentral, sondern eher ein zu verhandelnder Mix von Zentral, Dezentral und verbindendes Smartgrid. Also geht es eben doch um Legitimierung, Visionsvielfalt, Visualisierung, Vorstellbarmachen als notwendigen Vorlauf zu Umsetzungen. Und auf die Ingenieure und ihre Kreativität vertraue ich natürlich dennoch. Innovative Lösungen können Disruptionen hervorrufen und Dinge sehr schnell in Bewegung bringen. Ich weigere mich jedenfalls bislang, frustriert zu sein 😉

          • Damit bin ich nun voll einverstanden. Die Zukunft ist wünschbar aber kann doch ganz anders kommen, wobei man das auslösende Moment für die anders als erwartet sich realisierende Zukunft dann als Disruption bezeichnet. Wie die Zukunft aussieht, weiss man nämlich erst, wenn sie da ist. Das gilt sogar für so banale Dinge wie die Zukunft unserer Kommunikationsmittel. Nicht umsonst war Steve Jobs der Meinung, Kundenumfragen nach dem gewünschten Gadget seien sinnlos. Die Kunden wissen erst dann ob das neue Gadget sinnvoll ist, wenn sie es benutzen.
            Allerdings sind Entwicklungspfade, die anschliessend rückgängig gemacht werden müssen im Energiebereich sehr viel schmerzvoller als im Bereich der persönlichen Kommunikationsmittel. So weit eine Antizipation der Zukunft möglich ist, darf man sie nicht ausblenden.

  4. @ Martin Holzherr

    “Wie die Zukunft aussieht, weiss man nämlich erst, wenn sie da ist. ”

    Ich fürchte fast , daß das auch ein Stück weit unser Problem ist , daß sich zu wenig tut , hat wohl leider mit der Verfaßtheit des Menschen zu tun , der zumindest als Gemeinschaft häufig dann erst handelt , wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.
    Seltsamerweise nur als Gemeinschaft , die meisten Leute – gerade in Deutschland – handeln in Bezug auf ihr eigenes Leben schon wieder so vorausschauend , daß man von einem regelrechten Sicherheitswahn sprechen muß , wäre schön , wenn mal beim Thema Umwelt auf Nummer Sicher gegangen würde.

  5. Die Bauanleitung für die Zukunft können wir erst entwickeln, wenn wir nicht nur wissen, was grundsätzlich demnächst nicht mehr geht (fossiles CO2, übermäßiger Ressourcenverbrauch, Biodiversitätsverlust, grenzenloses klassisches Wachstum etc.), sondern auch, was geht, was interessant ist, sich gut anfühlt, Spaß macht, Kreativität fördert und eben auch vorstellbar und in Teilen ausprobierbar ist. Darum sind Zukunftsvisionen so wichtig, um Mut zu machen, sich von Ängsten zu lösen, vieles auszuprobieren und insgesamt maßgeblich am Transformationsprozess beteiligt zu sein (Abb. 13).

    Das für den Schreiber dieser Zeilen nicht oder nur sehr bedingt Zustimmungsfähige ist hier einmal fett markiert worden.

    Ein aus bestimmter Sicht ‘übermäßiger Ressorcenverbrauch’ wird wohl immer stattfinden, es werden dann andere Ressourcen sein, gegen deren Verbrauch sich einige stemmen werden; das ‘Wachtstum’ ist an sich ‘grenzenlos’, sozusagen ‘klassisch’ grenzenlos und ein bestimmter ‘Transformationsprozess’ wird sich später, im Ex Post, womöglich nicht aus der allgemeinen Transformation herauslösen lassen.

    ‘Visionen’ sind an sich oder aus sich heraus problematisch.

    MFG
    Dr. W

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