Abgehängt: Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform

Seit Jahren hing ein Foto Helmut Schmidts aus dem Jahr 1940 auf einem Flur in einem Wohnheim der nach ihm benannten Bundeswehr-Universität in Hamburg. Es zeigte den populären ehemaligen Bundeskanzler als 21-Jährigen in Wehrmachtsuniform.

Als Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kürzlich in der Affäre des unter Terrorverdacht stehenden rechtsextremen Oberleutnants Franco A. Bundeswehreinrichtungen nach Andenken an die Wehrmacht durchsuchen ließ, wurde das Schmidt-Foto im Wohnheim-Flur verdächtig und seine Entfernung angeordnet. Ein Teil der Studenten protestierte, der Fall wurde öffentlich und seitdem ist die Debatte entfacht: Musste das Bild entfernt werden? Oder nicht?

Dabei ist aus der Entfernung gar keine Einschätzung der Situation möglich. Wir kennen das Foto, es wurde im Rahmen der Berichterstattung mehrfach abgebildet (es ziert übrigens auch den Umschlag einer Biografie aus dem Piper-Verlag: „Helmut Schmidt und der Scheißkrieg“) – aber wir kennen nicht die näheren Umstände seiner Präsentation im Wohnheim.

Auf den Kontext kommt es an …

Ein Bild allein ist nämlich noch gar nichts. Erst eine Bildunterschrift macht es wahlweise zum Beispiel zu einem Dokument des persönlichen Scheiterns oder des Triumphs. Erst ein bestimmter Ort und der Zusammenhang machen es zur Devotionalie. Es wäre also wichtig zu wissen: Hing das inkriminierte Bild im Wohnheimflur in der dunklen Ecke oder zentral an einer Wand? War es das einzige Bild oder eins unter vielen? Das macht einen entscheidenden Unterschied aus. In einer Reihe biografischer Fotos des früheren Bundeskanzlers etwa dürfte dieses Bild sogar auf keinen Fall fehlen – es wäre die Verleugnung der historischen Realität.

Wir wissen dazu nichts Genaues und können die Entscheidung es abzuhängen daher auch nicht beurteilen.

Bilderstürme

Bilder können mächtige Instrumente sein: Sie können manipulieren, als scheinbarer Beweis Zusammenhänge verfälschen oder Emotionen wecken, die dann in positive oder schädliche Bahnen gelenkt werden können. Nicht zuletzt können Bilder auch als einprägsame Symbole wirken. Wenn die Bilder nicht so mächtig wären, dann hätte es die vielen Bilderstürme im Lauf der Geschichte nicht gegeben: Während der Reformation wurden Heiligenbilder zerstört, die Französische Revolution beseitigte royalistische Statuen, Lenindenkmalen wurde nach 1990 der Kopf abgeschlagen, die Zerstörung der Buddha-Statuen von Bamiyan. All diese Situationen waren hochemotional. Der Akt der Zerstörung ist auch ein symbolischer Akt: Wer sich zuvor benachteiligt fühlte, dokumentiert nun seinen Sieg.

Spurlos verschwinden lassen

Im vorliegenden Fall wurde das Bild aber lediglich abgehängt, nicht zerstört. Und vermutlich war es auch kein öffentlich inszenierter Akt, mit dem das Bild von der Wand genommen wurde. Es war wohl einfach die Ausführung einer Anordnung: Alle sichtbaren Spuren der Wehrmacht in der Bundeswehr sind zu tilgen. Das klingt einfacher als es ist. Im Fall des Schmidt-Fotos muss man sich fragen: Was genau sollte hier eigentlich abgehängt werden?

a) ein Bild von Helmut Schmidt

b) ein Bild von einer Wehrmachtsuniform

c) ein Bild von Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform

Das eine ist untrennbar mit dem anderen verbunden und es zeigen sich die Probleme jeglichen Versuchs der historischen Bereinigung: Indem ich bestimmte Bilder verdamme, tilge ich zugleich die Erinnerung an historische Zusammenhänge. Es ist durchaus wichtig zu wissen, dass Helmut Schmidt in der Wehrmacht war. Schön wäre es zum Beispiel, wenn durch sein Foto in Uniform Neugier und Nachdenken geweckt würden: Wie hat er sich in der Wehrmacht verhalten, wie ist er später damit umgegangen? Dann wäre das beanstandete Bild ein wichtiges Bild.

Es ist gut und überfällig, dass die Bundeswehr jetzt anfängt, ihren „Traditionserlass“ kritisch zu prüfen und sich explizit von der Wehrmacht distanziert. Wenn Bilder von der Wehrmacht dann aber in einer Form tabuisiert werden, dass sie am Ende einfach nicht mehr vorkommen, dann behindert das auch die notwendige kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

 

Dieser Blog enthält Gedanken, die ich sonst nirgendwo unterbringe. Die aber rauswollen.

51 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Neben dem (Zitat)Bild von Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform gab es auch den Wehrmachtssoldaten Helmut Schmidt und der reiste nie nach Israel – denn die Israeli wussten genauso wie Helmut Schmidt, dass er ein Wehrmachtsoffizier gewesen war.
    Erst Helmut Kohl besuchte dann Israel. Und das mit der vermeintlichen Immunisierung durch die Gnade der späten Geburt. Doch die Israeli behandelten ihn trotzdem als personifizierten Skandal.

    • Doch die Israeli behandelten ihn trotzdem als personifizierten Skandal.

      Soso, Sie meinen die jüdischen Israeli, die Juden, woll?!
      Belege?

        • @ Herr Holzherr und aus der Erinnerung :

          Es war ein zu erwartend schwieriger Besuch Helmut Kohls in Israel, der bundesdeutsche Kanzler wurde dort nicht als ‚personifizierter Skandal‘ begrüßt.
          Die politisch linke Presse der BRD behandelte Kohl als ‚personifizierten Skandal‘, so etwa wie heute Donald J. Trump bearbeitet wird, diese Presse konnte sich mit Kohls Wahlsieg nicht anfreunden und hegte noch die Hoffnung ihn desavouieren und aus dem Amt drängen zu können, ihn, die „Birne“, die so ungeschickt bis dumm sei.

          Andere Medien haben’s differenziert betrachtet, sicherlich auch israelische, interessant auch die Aussage Kohls zur ‚Gnade der späten Geburt‘, die einen wahren Kern hat, sich bis jetzt ins Gedächtnis vieler gebrannt hat, sozusagen.
          Helmut Kohl wollte versöhnen, so recht hat’s nicht geklappt und konnte wohl auch nicht klappen, er hätte sensibler sein müssen.

          MFG
          Dr. Webbaer

  2. „… notwendige kritische Auseinandersetzung …“

    Wenn diese, in der Not / Krise steckende, Welt- und „Werteordnung“ eine Wende zu wirklich-wahrhaftiger Vernunft machen würde, so dass der zeitgeistlich-reformistische KM keine „Auseinandersetzung“ im „Tanz um den heißen Brei“ inspiriert, dann wären solch Bilder wirklich nur eine Erinnerung an die Unmenschlichkeit des imperialistisch-faschistischen Kreislaufes von Ausbeutung und Unterdrückung, der nun im „freiheitlichen“ Wettbewerb …!

  3. Dabei ist aus der Entfernung gar keine Einschätzung der Situation möglich.

    Soso, ansonsten abär liegt womöglich schon eine konzertiert vorgetragene Abwertung der an sich unpolitischen Wehrmacht vor, wenn „mal eben so“ ein Bild von Oberleutnant Helmut Schmidt abgehangen wird.
    Nur zur Erinnerung: Der relevante Widerstand gegen den „Führer“ kam aus der Wehrmacht und zudem war die Teilnahme dort eine Pflichtveranstaltung.
    Von der Leyen arbeitet sich hier womöglich auftragsgemäß ab, um von der desaströsen bundesdeutschen Immigrationspolitik ein wenig abzulenken.
    Anscheinend konnte (und kann?) jeder mit falschen Angaben in der BRD Asylstatus erlangen.

    • Anscheinend konnte (und kann?) jeder mit falschen Angaben in der BRD Asylstatus erlangen.

      Asylbewerberstatus. Großer Unterschied.
      Die Aufgabe des BAM ist, letztlich viele zur Abschiebung freizugeben.
      Es erstaunt mich, dass ein Fall von „will in Syrien gelebt haben, kann aber kein Arabisch“ nicht sofort als leckere Möglichkeit gesehen wird, ein Verfahren schnell ans erwartete Ende zu bringen.
      Sabotage, „Dienst nach Vorschrift“ (wohl eher nicht)? Man wird sehen.

  4. Eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit kann nicht dadurch erreicht werden, dass man unliebsame Bilder abhängt oder vernichtet. Folgt man der momentanen Logik, dann müssten diverse Bilder auch aus Schulbüchern oder historischen Werken verschwinden. Es wird sogar darüber nachgedacht eine historische Rotkreuzflagge zu entfernen, weil sie den letzten Truppenverbandsplatz der Wehrmacht in der Endschlacht um Berlin zierte.

    Quelle: http://www.focus.de/politik/deutschland/altkanzler-in-wehrmachtsuniform-bundeswehr-foto-von-helmut-schmidt-entfernt_id_7125160.html

    Richard von Weizäcker sagte mal: „Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie wiederholt ihre Lehren“. Wie soll man aber Lehren aus der Geschichte ziehen, wenn man nichts über sie weiß?

  5. „Helmut Schmidt und der Scheißkrieg“ – Angesichts seiner Worte und Taten als Kanzler, kann sich da jemand vorstellen er hätte auch Scheiß Wettbewerb gesagt – oder konnte er auch nicht Ursache und Wirkung …??? 😉

  6. Es handelt sich hier um zwei Dinge. Das eine ist die Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit; dass die wichtig ist, steht außer Frage. Das andere ist der Kontext, in dem das gerade stattfindet – und den kann man nur als jämmerlich bezeichnen. Es ist so offensichtlich, dass von der Leyen damit aus politischem Kalkül heraus von sich ablenken will. Sie tut gerade so, als habe sie vor einem Monat ein Schnupperpraktikum bei der Bundeswehr angetreten und jetzt gemerkt, dass die da alle ganz schlimm sind. Dabei ist sie seit 2013 (!) Verteidigungsministerin. Wie kann sie als aktive, langjährige Amtsinhaberin der BW kollektiv das Misstrauen aussprechen und so tun, als stünde sie selbst über allem? Die Frau demonstriert gerade, was passiert, wenn man als Chefin auch den letzten Rest Vertrauen verspielt. Als Führungspersönlichkeit ist sie ein Totalausfall, und das ist bei einer so wichtigen Institution wie der BW fatal.

  7. Dr. Webbaer:
    ….an sich unpolitischen Wehrmacht…
    …Der relevante Widerstand gegen den „Führer“ kam aus der Wehrmacht…
    …Teilnahme dort eine Pflichtveranstaltung…

    Atemberaubend! Wusste gar nicht, dass der Überfall auf praktisch ganz Europa eine „relevante Widerstandshandlung“ war, dass Massaker „unpolitisch“ sind und die Durchsetzung der „Teilnahme an der Pflichtveranstaltung“ per Standrecht eine Bagatelle.

    Ganz ehrlich, in meinen Augen braucht es schon lange keine „konzertierte Aktion“ zur Abwertung der Wehrmacht mehr. Diese Institution zur Traditionsbildung/-pflege heranzuziehen verbietet sich.

    Peinlich genug, dass das jetzt erst aufs Tapet kommt, es war längst überfällig.

    • Herr Lars Behrens, nun, das Geschriebene war lange Zeit in der BRD politischer Konsens, was auch daran lag, dass viele Soldaten der Wehrmacht noch lebten, berichten konnten und den „Führer“ nicht mochten, gar hassten – und dass deren Berichte glaubhaft waren.
      Was Sie da ihm ersten Absatz Ihrer Nachricht machen, ist Polemik (anscheinend liegt absichtliches Falsch-Verstehen vor), denn A) die Wehrmacht war keine politische Institution B) die Teilnahme war pflichtig und C) der relevante Widerstand gegen den „Führer“ kam aus der Wehrmacht.
      Versetzen Sie sich mal in die Lage der frühen Dreißiger im Deutschen Reich, wären Sie wie Willy Brandt (oder Wehner (Hotel Lux) >:-> ) abgereist oder wären Sie in die nationalsozialistische Mühle geraten?
      Dr. Webbaer wäre sehr wahrscheinlich abgereist, allerdings in Abhängigkeit zu seinen Bindungen seinerzeit, also : „sehr wahrscheinlich“ (die Anführungszeichen meinen eine zusätzliche Abstraktionsebene, hypothetische Fragen sind eigentlich unbeantwortbar).
      Andere sind nicht abgereist, haben sie sich dadurch schuldig gemacht? Wie genau?

      MFG
      Dr. Webbaer (der den NS mit Zeitzeugen noch durchsprechen konnte, sich dem oft gehörten „Man muss dabei gewesen sein!“ nicht anschließen kann, um einzuschätzen, aber auch keine Kollektivschuld sieht, auch Wehrmachtsangehörige betreffend nicht)

      • A) aber sie wurde zur Durchsetzung politischer Ziele genutzt
        B) macht sie das besser? oder entschuldigt das irgendwas?
        C) wenn man überhaupt von relevantem Widerstand reden kann, dann kam er sicher nicht allein aus der Wehrmacht

        Mit Zeitzeugen hab ich selber zur Genüge geredet. Aber das ist natürlich überhaupt kein Kriterium.

        Vielleicht kann ja die Blog-Betreiberin mal was dazu sagen, so als Historikerin.

        • Hm. In meinem Beitrag geht es eigentlich nicht um eine Bewertung der Wehrmacht. Mir geht es um den Umgang mit historischen Dokumenten, insbesondere in Form von Bildern und insbesondere, wenn diese unliebsam geworden sind. Mir scheint, dass keiner der bisherigen Kommentatoren die Verbrechen der Wehrmacht verharmlosen möchte. Ob und wie der einzelne Soldat sich schuldig gemacht hat, ist meines Erachtens eine Frage, die pauschal gar nicht oder nur philosophisch beantwortet werden kann.

          • Liebe Frau Dr. Eva Bambach, Sie schrieben ‚Auf den Kontext kommt es an …‘ und explizit :

            Es wäre also wichtig zu wissen: Hing das inkriminierte Bild im Wohnheimflur in der dunklen Ecke oder zentral an einer Wand?

            Und hier kam es zu Gegenrede: Es geht primär darum, wie die Wehrmacht und die Zugehörigkeit zu ihr post festum, nunmehr wieder aus aufklärerischer Sicht, einzuschätzen ist.

            Aus dieser Einschätzung heraus kann dann geeigneter Kontext bereit gestellt werden; Kommentatorenkollege Lars Behrens liegt hier mit seiner von der Sicht Dr. Webbaers abweichenden Einschätzung schon richtig.

            Wäre die Wehrmacht i.p. Kollektivschuld ranzunehmen, wie bspw. nationalsozialistische Institution seinerzeit, der es freiwillig beizutreten galt, sähe der Kontext anders aus, hätte anders auszusehen.

            MFG
            Dr. Webbaer

            PS @ Herr Behrens :

            ad A) Wozu sonst?
            ad B) Wer zu Verbrechen gezwungen wird, darf unter Umständen als schuldlos gelten.
            ad C) ‚Relevant‘ war in dem Sinne gemeint, dass die Wehrmacht die NS-Führungsriege hätte ausschalten können, und nur sie.
            Allerdings ist diese Sicht sehr unsicher, von Stauffenberg konnte jedenfalls auf ein groß angelegtes Netzwerk bauen, womöglich hätte er und „sein Team“ aber nicht gewinnen können, weil doch zu schwach, aber immerhin, die Ehre Deutschlands hat er, neben anderen Widerständlern (auch aus dem politisch linken Spektrum) ein wenig gerettet.

  8. @Dr. Webbaer – Einigen wir uns so: Ihnen geht es primär um die Bewertung der Zugehörigkeit zur Wehrmacht. Mir geht es primär um den Umgang mit Bildern, die zeigen, was man lieber nicht sehen möchte.
    Ich erlebe es oft, dass in Ausstellungen oder Publikationen „vorsichtshalber“ Fotos weggelassen werden, die das Hakenkreuz zeigen. In Stadtmuseen zum Beispiel ist die Nazizeit dann zumindest visuell gar nicht vorhanden.

    • Liebe Frau Dr. Eva Bambach, Ihr Kommentatorenfreund einigt sich gerne, es bringt ja auch nichts dunkle Kapitel der Geschichte, gar per Verbot, auszublenden.
      Sie haben insofern nur so-o recht.
      MFG + danke für Ihre Arbeit + weiterhin viel Erfolg,
      Dr. Webbaer (der jetzt auch nicht „so richtig“ Deutscher ist, das Land nur wegen zweifachen Vorkommens ein wenig kennengelernt hat, dbzgl. qua Herkunft – ‚Mir scheint, dass keiner der bisherigen Kommentatoren die Verbrechen der Wehrmacht verharmlosen möchte.‘ – unbetroffen ist, auch nicht jüdisch, der abär schon eine gewisse Verklemmtheit erkennt, was das Damals betrifft, einer Verklemmtheit, der entgegengewirkt werden kann)

  9. @Eva Bambach

    Und mir geht es primär darum, dass wir uns immernoch im Faschismus bewegen und fast alle wollen das nicht sehen, nicht hören, nicht sprechen – Schuld- und Sündenbocksuche im „Tanz um das goldene Kalb“, wo Mensch immer nur in der Gesamtheit …!!!

  10. Zur Wehrmacht: Sie wurde von Hitler in einen weltanschaulichen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion geschickt und alle Generäle haben das mitgemacht. Ein einfacher Soldat musste nicht unbedingt an den direkten Massenmorden teilnehmen, aber er war Teil dieser Vernichtungsmaschinerie, die auf die sowjetische Bevölkerung losgelassen wurde.
    Ein erfolgreicher Widerstand hätte am ehesten aus den Reihen der Wehrmacht kommen können, aber genau darin hat sie versagt. Solange die Eroberung gut lief, haben die Generäle und hohen Offiziere mitgemacht. Das Stauffenberg-Attentat kam viel zu spät.

    Georg Elser hätte 1939 fast Glück gehabt.

    „In einer Reihe biografischer Fotos des früheren Bundeskanzlers etwa dürfte dieses Bild sogar auf keinen Fall fehlen – es wäre die Verleugnung der historischen Realität.“

    Wenn man Helmut Schmidt als Kanzler gedenkt, dann muss das Foto ihn auch als Kanzler zeigen, nicht als Wehrmachtssoldaten.
    Ich finde das Bild nicht unproblematisch, denn die positive Eigenschaft von Schmidt, der gedacht werden sollte, ist seine Rolle als Politiker in der Bundesrepublik. Ein Foto von ihm als Politiker wäre im Wohnheim okay. Fotos an solchen Orten sind selten reine Dokumentationen, welche bloß die historische Wahrheit zeigen sollen. Sie dienen der Traditionsbildung, aber die Wehrmacht gehört ideell nicht zur Tradition der Bundeswehr.
    Das Problem ist ja, dass es faktisch natürlich irgendeine Kontinuität zur Nazizeit gibt, ganz einfach weil es viele Nazis und gewendete Nazis oder äußerlich etwas abgestaubte Nazis und Mitläufer in der BRD gab. Ohne die war es kaum möglich, den neuen Staat aufzubauen.

    „Auf den Vorwurf, alle hohen Offiziere hätten in der Wehrmacht gedient, antwortete Bundeskanzler Adenauer sinngemäß, die NATO nehme ihm keine 18-jährigen Generale ab.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Bundeswehr

    Das Foto von Schmidt in der Wehrmachtsuniform ist ein historisches Foto und sollte in entsprechenden Kontexten verwendet werden: historische-kritische Ausstellungen und Büchern etc.

  11. Der Artikel beschreibt es ganz treffend, auf den Zusammenhang kommt es an. Leider neigt unsere Zeit arg dazu, die Oberfläche zu schönen, das Verbannen aus dem Sichtbaren führt wohl eher zu jetzt-erst-recht – Reaktionen. Der zeitgleiche Anstieg des Rechtsextremismus spricht jetzt nicht wirklich dafür, daß diese Strategie wirksam ist, wenn das Ziel denn überhaupt der vernünftige Umgang mit Vergangenheit ist.
    Fast könnte man schon von einem eigenen Hang zu wiederkehrenden Bilderstürmchen sprechen, umgesetzt durch die Vertreter der „liberalen Demokratie“.

  12. @Paul Stefan

    „… denn die positive Eigenschaft von Schmidt …“

    Was ist denn positiv an leichtfertiger Anpassung zur massenhaft-manipulierbaren Bewusstseinsbetäubung, Verdrängung und Unterdrückung von heuchlerischen Realitäten und berechtigter Systemkritik???

  13. Paul Stefan,
    ……Wehrmacht,
    1939 wurde jeder wehrfähige Mann zur Wehrmacht eingezogen, ob er wollte oder nicht.
    Daraus kann man keine Schuld ableiten, außer bei denjenigen die das Verbrecherische durchschaut haben.
    Beim Offizierskorps sieht das schon anders aus. Es gab eine Tradition mit Ehrenkodex aus dem Kaiserdeutschland.
    Die wurde verraten, als die Armee auf Hitler vereidigt wurde. Das war der erste Sündenfall.
    Der zweite Sündenfall war die Waffen SS, die sich über das Vökerrecht hinweggesetzt hat, indem sie hinter der Front, die Gefangenen erschießen ließ.
    Der dritte Sündenfall war der Fanatismus, den Krieg bis zum Endsieg weiter führen zu wollen und die vollkommene Zerstörung Europas zuließ.
    Aus diesen Gründen kann man die Wehrmacht verbrecherisch nennen, muss es aber nicht.
    Dazwischen liegt eine Grauzone, die man mit Pragmatismus durchaus nutzen kann, um nicht in die Geschichtslosigkeit abzugleiten.
    Helmut Schmidt zählt zu den positiven Gestalten in diesem Zusammenhang, weil er die Kontinuität der geschichte verkörpert. Im Dritten Reich Hauptmann , in der Bundesrepublik Bundeskanzler. Etwas besseres kann man sich für den Wiederaufbau von Tradition doch gar nicht wünschen.

    • @Bote17: Paul Stefan meint, Helmut Schmidt sollte von der heutigen Bundeswehr nicht als Soldat erinnert werden, denn (Zitat)den Wiederaufbau von Tradition kann es seiner Meinung nach nicht geben, war doch die Wehrmacht etwas, woran man in keiner Weise anknüpfen kann.
      Wenn sie schreiben (Zitat) Im Dritten Reich Hauptmann , in der Bundesrepublik Bundeskanzler. Etwas besseres kann man sich für den Wiederaufbau von Tradition doch gar nicht wünschen., so meinen sie damit wohl, dass ein Wehrmachtsoldat mit Stellung Hauptmann für seine weitere Karriere in der Bundesrepublik in keiner Weise kompromitiert ist – selbst wenn die Wehrmacht eine Nazi-Einrichtung war und dass es doch eine gute Wendung genommen hat, wenn er später Bundeskanzler wurde. So kann man es sehen. Ebenso gut kann man aber den Wehrmachtsoldaten Helmut Schmidt als Soldaten sehen, der nichts mit den heutigen Soldaten zu tun hat und darum auch nicht als Soldat erinnert werden sollte.

    • „Daraus kann man keine Schuld ableiten, außer bei denjenigen die das Verbrecherische durchschaut haben.“

      Nahezu jeder, der bereit war, etwas nachzudenken, konnte das Verbrecherische durchschauen, so blöd waren die Menschen damals doch nicht. Es gab schon vor dem Krieg eine Verschiebung von moralischen Maßstäben, die von vielen akzeptiert wurde, weil es einfacher war.
      Jan Philipp Reemtsma hat mal im Radio eine Geschichte eines Piloten erzählt. Zuerst hatte er ein schlechtes Gewissen, Bomben auf Städte und Dörfer abzuwerfen, dann hat er sich daran gewöhnt und es hat ihm Spaß gemacht.

      Es gibt noch einen weiteren Sündenfall, das war der Beginn des Weltkriegs überhaupt und noch einen Sündenfall, nämlich die Absicht des Überfalls auf Polen:

      „Sie zielte auf einen rassistischen Vernichtungskrieg zur Zerstörung des „jüdischen Bolschewismus“: Der gesamte europäische Teil der Sowjetunion sollte erobert, ihre politischen und militärischen Führungskräfte ermordet und große Teile der Zivilbevölkerung dezimiert und entrechtet werden. Mit dem Hungerplan, zu dem die Belagerung Leningrads gehörte, wurde der Hungertod vieler Millionen von Kriegsgefangenen und Zivilisten einkalkuliert, und nach dem „Generalplan Ost“ sollten großangelegte Vertreibungen folgen, um die eroberten Gebiete anschließend zu germanisieren. Außerdem wurden Einsatzgruppen aufgestellt und ausgebildet, die hinter der Front Massenmorde an Juden begehen sollten. Zu all dem erteilte das NS-Regime seit März 1941 völkerrechtswidrige Befehle, die die Wehrmachtführung ihrerseits übernahm und weitergab.“

      https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmen_Barbarossa

      Hier mal ein Beispiel eines Soldaten, der das guthieß:

      http://www.feldpost-archiv.de/07-09-heinz.shtml

      Es bestand nach dem Krieg wirklich kein Mangel an Kontinuität. Im Gegenteil, es war schwierig, unter so vielen „Ex“-Nazis, sich vom ihnen abzusetzen.

      Nein, die Wehrmacht war schuldig, sie war in die verbrecherischen Pläne Hitlers integriert. Über die Mitschuld der einzelnen Soldaten kann ich nicht urteilen, auch, weil ich ihre Taten nicht im Einzelfall kenne. Ich war nicht in diesem Dilemma, ich weiß nicht, was ich getan hätte. Aber einen generellen Persil-Schein würde ich nicht ausstellen.

      • Nein, die Wehrmacht war schuldig, sie war in die verbrecherischen Pläne Hitlers integriert.

        Schuld meint im Sinne der Ethik das Individuum, den schuldig Gewordenen, oder meinen Sie etwas anderes, Herr Stefan?
        Wollen Sie Institution oder gar Idee Schuld zusprechen, würden Sie dann bspw. einen Krieg gegen den Terror führen oder doch gegen Terroristen?

        Kann für Sie eine Idee schuldig sein?

        Zudem sind Sie mit Ihren Ideen zur Gesamtschuld der Wehrmacht sehr nahe an der Kollektivschuld, mit der anderswo schon gearbeitet wird, typischerweise in kollektivistischen Gesellschaftssystemen, nicht in aufklärerischen,
        MFG
        Dr. Webbaer (für den in diesem Helmut Schmidt Zusammenhang die Frage nach der Schuld der Wehrmacht entscheidend ist, nicht der Kontext (auch der Bild-Kontext, um den sich die werte hiesige Inhaltegeberin bemüht) Helmut Schmidt betreffend, dem ja wohl hier persönlich nichts Schlechtes nachgesagt wird)

  14. @Paul Stefan

    „… die das Verbrecherische durchschaut haben.“

    Das Verbrechen in der UnArt unseres „Zusammenlebens“ ist der GESCHÄFTSSINN und sein imperialistischer Lobbyismus, den wir nun im „gesunden“ Konkurrenzdenken des „freiheitlichen“ Wettbewerbs um … weiter bis zur nächsten logischen Eskalation zynisch und ignorant-arrogant ausleben – „Entwicklungshilfe“, Waffenhandel und Globalisierung von TITTITAINMENT!!!

  15. Martin Holzerr,
    …….nicht kompromitiert,
    diese Denkweise , dass nur die moralisch Einwandfreien als Vorbild zu dienen haben , ist überzogen.
    Kein Mensch kann sich seine Eltern aussuchen.
    Kein Volk kann sich seine Geschichte heraussuchen, und das herausstreichen, was missraten ist.
    Zumal Helmut Schmidt später Rückrat gezeigt hat als es um die Anerkennung der Kriegsschuld an den Sinti und Roma ging. Er ist für die Sinti und Roma eingetreten und hat durchgesetzt, dass deren Rechte denen der Deutschen gleichzusetzen sind. Das ist etwas in Vergessenheit geraten.
    ……der Wehrmachtssoldat, der nichts mit den heutigen Soldaten zu tun hat,
    das ist genauso eine Wunschvorstellung. Die einzelnen Menschen ändern sich nicht, siehe die aktuellen Vorkommnisse in der Bundeswehr.
    Der Bundeswehrsoldat wird genau so auf einen Menschen schießen, wenn er als Feind bezeichnet wird, wie der Wehrmachtssoldat.
    Es muss also ein Mittelweg gefunden werden zwischen der ewigen Kriegsschuld und der Anerkennung der richtig verstandenen Tradition. Geschichte leugnen, das funktioniert nicht, wie das Beispiel DDR gezeigt hat. Die haben auch geleugnet, exNazis in ihren Reihen zu haben, die seien angeblich alle in den Westen in die Bundesrepublik gegangen.

  16. Paul Stefan,
    ……..Kriegsschuld,
    ich gehöre noch einer Generation an, die mit Kriegsteilnehmern zusammenlebt und zusammengelebt hat.
    Der kleine Landser hat keine Möglichkeit gehabt sich zu entziehen. Doch, einer meiner Verwandten hat desertiert und sich versteckt gehalten. Aber das war eine große Außnahme. Ein anderer Bekannter, Angehöriger der SS hat sich sogar gerühmt, die Russen mit seinem Panzer überfahren zu haben , um Munition zu sparen.
    Diese Denkweise war bis in die 70iger Jahre allgemein verbreitet. Russen und Juden sind Untermenschen, Zigeuner sind Diebe, Polacken sind nichts wert.
    Das war die Realität. Und das ist Teil unserer Geschichte. Ein Bild umzudrehen, weil Helmut Schmidt in Uniform zu sehen ist, das ist einfach zu billig.

  17. „Ein Bild umzudrehen, weil Helmut Schmidt in Uniform zu sehen ist, das ist einfach zu billig.“

    Wenn es nur dabei bliebe, wäre es wohl zu billig. Genauso billig wäre es, den einfachen Landser generell freizusprechen, bloß wohl er ein einfacher Landser war. Da müsste eigentlich jeder Landser selbst mit sich ins Gericht gehen. Das ist aber wahrscheinlich nicht passiert,

    Dem heutigen Publikum sollte man aber nicht mehr erzählen, dass die Wehrmacht unschuldig an den Verbrechen Hitlers war.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Verbrechen_der_Wehrmacht

    Selbstverständlich darf Geschichte nicht geleugnet werden. Bei dem Schmidt-Foto handelt es sich aber nicht um ein historisches Artefakt, das Original wird sich wahrscheinlich in einem Archiv befinden. Meistens kann man schon entscheiden, ob es bei einem Nazi-Relikt um nur um ein historisches Relikt oder Dokument handelt, oder ob es symbolisch mit einer Botschaft eingesetzt wird.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Verbrechen_der_Wehrmacht

    • Ich glaube, es war weder symbolisch gemeint noch historisch dokumentierend. Wenn man dem Link im Kommentar von @ajki folgt, dann sieht man, wie das Bild aufgehängt war. Ich würde Universitätspräsident Seidel folgen, der, wie man dem verlinkten Blog entnehmen kann, die Präsentation für eine gefährliche Gedankenlosigkeit hält.
      „Leutnant Helmut Schmidt“ war ein Soldat wie wir, das bedeutete das Bild wohl für die Studenten. Dass er Soldat der Wehrmacht war, wurde offensichtlich nicht thematisiert.

      • Ja, Gedankenlosigkeit kann es auch sein, wie hier anscheinend der Fall. Selbstverständlich ist das kein Riesenskandal, sondern eher ein Anlass, über die Thematik nachzudenken.
        Das Bild sollte man trotzdem abhängen.

      • „… gefährliche Gedankenlosigkeit …“

        Mensch, der immernoch nur seine genetisch-instinktive Bewusstseinsschwäche in Angst, Gewalt und „Individualbewusstsein“ pflegt, für die stumpf-, blöd- wie WAHNsinnigen Kreisläufe seiner systemrationalen Überproduktion von Kommunikationsmüll in allen DENKBAREN …losigkeiten, tut gut daran Angst vor seinem Schatten zu haben, es könnte ansonsten …!? 🙈🙉🙊😉

  18. „Von den blauen Bergen kommen wir, unsere Politiker und Fachidioten sind genauso blöd wie wir“ – interessant / spannend wäre es zu wissen, wer denn der nächste Sündenbock ist, „in diesem Plumpssackspiel“, denn, so wie es unverändert läuft, der nächste Krieg ist Programm!? Mahlzeit

  19. hto,
    ……nächster Sündenbock,
    da sprechen Sie ein heißes Eisen an, wie unser Dr. webbaer es formulieren würde.
    In einem so komplexen Wirtschafts/Kultursystem, wie dem unseren hat der einzelne Mensch kaum einen Einfluss.
    Wir sind die Nutznießer in diesem System und wir sind die Opfer , wenn etwas schief läuft.

    Sie haben vier Möglichkeiten.
    1. sie wandern aus , am besten nach Tibet und sagen :Das geht mich alles nichts mehr an.
    2. Sie bleiben in unserem Kulturkreis, tun ihr Bestes, und versuchen die Menschen auf die gesellschaftlichen Widersprüche aufmerksam zu machen, wie Sie das gerade tun.
    3. Sie ziehen die Lederjacke an, gründen eine Partei, und demonstrieren öffentlich für Frieden und Gerechtigkeit.
    4. Sie werden Mitglied in einer Partei und machen den langen Weg durch die Institutionen. Oder Sie reißen die Klappe auf und schreien, ich werde der nächste Bundeskanzler, wie das Herr Schulz gerade macht.
    Sehen Sie das nicht ironisch. Ich bin mir auch nicht wohl in meiner Haut.

  20. Eva Bambach,
    ……nicht thematisiert,
    darum geht es im Kern. Bilder abhängen sind das falsche Signal.
    Die Bundeswehr sucht nach Identität und findet sie nicht, weil ihr die Geschichte abhanden gekommen ist.
    Deshalb sollte Helmut Schmidt weiterhin in Wehrmachtsuniform an der Wand hängen, nicht um Zustimmung zu siganlisieren, sondern um zu zeigen, dass wir uns zur Vergangenheit bekennen.

    Stefan Schleim,
    …….Generalisierung,
    wer ist schuld, der KZ- Wächter oder die Politische Führung?
    In einem Staat trägt jeder Verantwortung, der eine mehr und der andere weniger.
    Man macht es sich zu leicht, wenn man sagt, die Wehrmacht war schuldig oder unschuldig. Das ist nur plakativ und hilft nicht im konkreten Fall.
    Und da man dem Einzelnen nicht nachweisen kann, worin seine Schuld besteht, sollte man nicht pauschal eine Armee kriminalisieren. Viele Offiziere haben im guten Glauben gehandelt und zu spät erkannt, dass sie der falschen Sache dienen.
    Also nochmal, wer sagt, die Hitlerarmee hat verbrecherisch gehandelt, der hat Recht.
    Wer sagt, nicht alle Soldaten und Offiziere waren Verbrecher, der hat auch recht.
    aus diesem Spannungsfeld kommen wir nicht heraus.
    Deshalb steht in der Bundesehr Nachholbedarf in Punkto Geschichte. Helmut Schmidt ist die geignete Person um die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen.

    • @ ‚Bote17‘ :

      Sie scheinen ja eine sehr vernünftige, eine sozusagen natur-vernünftige Person zu sein, nicht immer, aber immer öfter, wie die Vernunft so angelegt ist.
      Sie ist auch leichtsinnig, sie ist aber nie verklemmt.

      Hier haben Sie, wie einige finden, einen Punkt :

      Helmut Schmidt ist die geignete Person um die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen.

      Helmut Schmidt, wie auch Konrad Adenauer und Willy Brandt sind neben anderen diejenigen Persönlichkeiten, die die BRD seit 1949 stark gemacht haben, selbst Herbert *Hotel Lux* Wehner.

      Insofern haben streng internationalistische Kräfte, wie eben Wehner, moderatere wie Brandt und zeitweilig sozusagen in Mentalreservation gehende Kräfte wie Adenauer und Schmidt hier wichtige Arbeit geleistet.

      Die haben dann mal in schwieriger Zeit, zu bedenken bleibt, dass die (aufklärerische) Demokratie in Deutschland nicht originär entstand, auch wenn viele deutsche Philosophen der Aufklärung den Weg bereiteten, ihre Sache gemacht – und es muss dann auch nicht so-o genau hingeschaut werden.

      Ansonsten könnte bspw. auch Willy Brandt ein A-Tritt verpasst werden, es soll ja nicht so getan werden als ob Brandt zeit seines Lebens ein Demokrat gewesen ist.
      Helmut Schmidt womöglich schon, allerdings weiß dies heutzutage niemand mit Sicherheit.

      Auch bei Leutz, die „mal so eben“ in der NSDAP waren, muss die Guillotine auch nachträglich nicht eingestellt werden.
      Wernher von Braun könnte bspw. eine gewisse Menge pers-. Schuld abgetragen haben indem er einen Menschen zum Mond brachte und Oskar Schindler war ebenfalls in der NSDAP.

      Korrekt bleibt die Unterscheidung zwischen der Mitgliedschaft in der per se unpolitischen Wehrmacht und nationalsozialistischen Institutionen zu unterscheiden.
      Wer nationalsozialistischer Institution (freiwillig) beigetreten ist, hat sich schuldig gemacht.


      Opi Webbaer, dies nicht nur ganz am Rande notiert, hat i.p. Schuldfragen auch persönlich ein wenig zu handhaben, nämlich die Mitgliedschaften in sozialistischen Parteien des sog. Ostblocks einschätzend.
      Auch hier ist dies nicht einfach.
      Günter GraSS war mal so witzig die DDR als ‚kommode Diktatur‘ zu beschreiben, er lag damit nicht so-o falsch, auch wenn der an sich verbrecherische Marxismus-Leninismus beibehalten worden ist, Roter Terror und so.

      Es gilt, zeitgenössische und insbes. einstmals bestehende zivilisatorische mit einzurechnen, wenn verdammt oder Schuld zugesprochen werden soll.

      MFG
      Dr. Webbaer

      • Korrektur :

        *
        es soll ja nicht so getan werden als ob Brandt [Z]eit seines Lebens ein Demokrat gewesen ist

        **
        Wernher von Braun könnte bspw. eine gewisse Menge pers[]. Schuld abgetragen haben indem er einen Menschen zum Mond brachte

        ***
        Korrekt bleibt die Unterscheidung zwischen der Mitgliedschaft in der per se unpolitischen Wehrmacht und [in] nationalsozialistischen Institutionen [].

        ****
        Es gilt, zeitgenössische und insbes. einstmals bestehende zivilisatorische [Begebenheit] mit einzurechnen, wenn verdammt oder Schuld zugesprochen werden soll.

  21. „Und da man dem Einzelnen nicht nachweisen kann, worin seine Schuld besteht, sollte man nicht pauschal eine Armee kriminalisieren. “

    Die Führung der Wehrmacht hat von Hitler mehrere völkerrechtswidrige Befehl erhalten (siehe links oben). Sie hat sich also eindeutig schuldig gemacht. Der Nachweis einer Schuld an einer konkreten Tat eines Soldaten ist dann ein Ermittlungsproblem, kann aber keine Ausrede eines Täters vor seinem Gewissen sein.

    Wie kann man sich eigentlich als Deutscher zur Vergangenheit bekennen, ohne gleichzeitig auch eine Kollektivschuld anzuerkennen? Vielleicht, indem man das freundlichere Wort „Verantwortung“ benutzt? Das deutsche Volk hat sich als staatlich verfasste Solidargemeinschaft nach dem Krieg nicht aufgelöst, insofern erbte es die „Guthaben“ (z.B. Stolz auf Goethe, Rentenansprüche aus der Nazizeit) und die Schulden (Wiedergutmachungen, Gebietsverlust, moralische Schuld).

    Die Abstufung an Schuld ist selbstverständlich sehr unterschiedlich. Ein KZ-Wächter trägt weniger Schuld als ein Lagerkommandant, aber noch immer deutlich mehr, als jemand, der kein KZ-Wächter war. Es wäre aber auch absurd, die Schuld präzise messen und vergleichen zu wollen. Ich möchte nur der Ansicht entgegentreten, der kleine KL-Wächter oder der einfache Landser wäre schuldlos, nur weil Befehle ausführen musste. Das ist eine Ausflucht. Bestenfalls waren sie Opfer und Täter zugleich und tragisch in einen verbrecherischen Krieg verstrickt.

    • Yup, sehr nett, dass Sie So Ihre Position auf den Punkt bringen :

      Wie kann man sich eigentlich als Deutscher zur Vergangenheit bekennen, ohne gleichzeitig auch eine Kollektivschuld anzuerkennen?

      Con dieser an Individuen gebundenen Schuld darf natürlich weggegangen werden, vielen Dank, dass Sie dies explizit getan haben.
      Ihre kollektivistische Sicht wird nun Dr. W nachvollziehbar,
      MFG + schönes Wochenende schon einmal,
      Dr. Webbaer

  22. Dr. webbaer,
    ……..Vorbilder,
    als Vorbild möchte ich auch Herbert Wehner nennen. Der zeichnete sich besonders durch seine differenzierte Betrachtungsweise aus. Er hat zum Beispiel erreicht, dass im Rahmen der Entnazifizierung ein Unterschied gemacht wurde zwischen der SS und der Waffen-SS.
    Die SS war sicher durch und durch undemokratisch und menschenverachtend. Die gefangenen SS-soldaten wurden auch sofort ohne Prozess erschossen.
    Die Waffen – SS, das waren Soldaten in der Wehrmacht, die 1,80m groß waren. Die waren ideologisch nicht geschult, die nannten sich nur so und waren ein Teil der Wehrmacht.
    Dieser Wehner war also kein Faschistenfresser, sondern hat sich bei den Allierten für eine differenzierte Betrachtung und Beurteilung der Situation eingesetzt. Und mit Erfolg.
    Nach solchen Leuten sollten Kasernen benannt werden.

  23. KOLLEKTIVSCHULD:
    Hitler ist an die Macht gespült worden, weil eine repräsentative Masse unzufrieden mit den wirtschaftlichen Verhältnissen war – in der heutigen „Demokratie“ sieht es nicht viel anders aus, bzw. das Bewusstsein der Wohlstands- und Gewohnheitsmenschen ist trotz „Aufklärung“ nicht besser, sogar schlechter, zur absurden Suppenkaspermentalität, für das „Individualbewusstsein“ in Hierarchie von und zu materialistischer „Absicherung“, gebildet/verblödet!!!

    Als Mensch mit Verstand von zweifelsfreier Umsetzung unserer Vernunftbegabung zu eindeutig menschenwürdigem Verantwortungsbewusstsein, kann ich mich nur schämen, angesichts von soviel konfusionierter Dummheit und leicht korrumpierbaren Verkommenheit, im geistigen Stillstand seit der „Vertreibung aus dem Paradies“!!!

  24. Paul stefan,
    …………….Rücksichten,
    Nach dem Markt sind alle Weiber klug, sagt der Volksmund.
    Wenn man historische Persönlichkeiten bewertet, muss man das aus der Sicht der damaligen Zeit tun.
    Und im Vergleich zu anderen Politikern der Nachkriegszeit ragt Herbert Wehner wie ein Leuchtturm heraus.

    Dr. webbaer,
    gut das sie das Godesberger Programm ansprechen. Das hat die Wende der SPD zur Volkspartei hin bewirkt.
    Aber in diesem Programm steckt auch der Kern zum Untergang des SPD.
    Weg vom Arbeiterimage, hin zur modernen Wirtschaftspartei.
    Dabei hat die SPD ihre Grundlage verraten, die unterpriviligierten Einkommensschichten.Die rekrutieren ihre Führungsschicht nicht mehr aus den Praktikern des Arbeitslebens, sondern sie betreiben Inzucht, indem die Gewerkschaftssekretäre, die nie an einem Arbeitsplatz gestanden und malocht haben, in die Führungsetage aufsteigt.
    Und das ist auch in der SPD so. Den fehlen die Köpfe, die noch wissen, wo dem Arbeiter der Schuh drückt.So sehr ich Schröder schätze, er hat sozialdemokratische Tradition missachtet.
    Und damit sind wir bei der Bundeswehr. Wenn man Traditionen missachtet und glaubt an ihre Stelle puren Rationalismus setzen zu können, dann wird man geschichtslos. Dann kann man zu Opfern von Demagogen werden, wie man sie bei der AfD und den Neonazis findet.
    Frau von der Leyen scheint noch nicht in dieser Richtung gedacht zu haben.

    Sie hat den gleichen Fehler gemacht wie die Gewerkschaften.

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