AME 2016 in Villingen-Schwenningen

“AME” steht für “Astronomie Messe”, und zum nunmehr elften Male fand sie am vergangenen Samstag (am 10. September 2016) statt in der Messe Villingen-Schwenningen. Als süddeutsches Pendant zum Essener ATT (ATT 2013 oder ATT 2016) ist sie ein netter Treffpunkt für Amateurastronomen, und gute Gelegenheit, Gleichgesinnte, Hersteller, Händler, Verlage, Astroreiseveranstalter, Vertreter von Volkssternwarten oder Astro-Vereinen … zu treffen oder Vorträge zu hören.

Bilder 1-3: Auch in diesem Jahr ging es in den Messehallen Villingen-Schwenningens locker zu. Man darf (fast) alles anfassen. Und träumen ist ja immer erlaubt.

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Bilder 4 und 5: An diesem Stand durfte ich an meiner Kamera das brandneue AF-S NIKKOR 105 mm 1:1,4E ED testen; dies ist eine der Aufnahmen (bei f/4,5) mit dieser Traumoptik. Ich nutze auch heute noch den Urahnen dieses Objektivs, das MF 105 1:2,5; mein zweites Nikon-Objektiv überhaupt. Überrascht war ich, wie satt diese 1,4er-Superlinse in der Hand liegt, obwohl sie fast doppelt so viel auf die Waage bringt wie ihr Urvorgänger. Mich würden Astroaufnahmen mit dieser Linse interessieren… Die Nikon-Ingenieure bieten Fotografen mit dieser Linse eine extreme Möglichkeit, dem Zeitgeist sehr selektiver Schärfentiefe zu frönen (dafür sei Bild 5 ein Beispiel, das allerdings nicht mit dieser Superlinse aufgenommen ist).

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Bilder 6 und 7: Auch Stefan König, DER Meteoritenhändler aus Hattingen, war wieder zugegen. Jedes Mal, wenn man ihn trifft, hat er neue, besondere Stücke dabei. Diesmal waren es u.a. Stücke des Steinmeteoriten NWA 869 von 2000, dem inzwischen einige Geheimnisse entrungen werden konnten. Sehr wahrscheinlich ist dieser eisenarme L-Chondrit Teil eines größeren Asteroiden, der vor etwa 470 Millionen Jahren auseinanderbrach. Der verfestigte Staub auf der Oberfläche dieses Meteoriten lässt Rückschlüsse auf drei schwere Impakte zu: Vor 4,40, vor 2,21 und vor 1,79 Milliarden Jahren. Stefan König präsentierte u.a. wunderbare Dünnschliffe dieses Meteoriten, anhand derer selbst der Laie die Historie dieses Meteoriten erkennen kann.

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Bilder 8-10: Neben Spektrum der Wissenschaft auch auf der Messe: Oculum und Kosmos, die allesamt viel Lesestoff für Astronomen bieten. Auch ich hatte nach der Messe eine opulente Buchlast nach Hause zu transportieren. Den “Deep-Sky-Reiseführer” schätze ich schon seit seiner ersten Auflage.

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Bild 11: Astroreisen sind voll im Trend, und auf den beiden Astromessen ATT und AME zunehmend vertreten. Im Zeitalter der Lichtverschmutzung hat das immer auch ein wenig von “aus der Not eine Tugend machen”.

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Bilder 12 und 13: Anschauen, anfassen, vielleicht durchschauen – bei Astrooptiken jeder Größe und Bauart der beste Weg, sich ganz unvirtuell einen ersten eigenen Eindruck zu verschaffen.

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Bild 14: Gerade bei Ferngläsern ist es besonders sinnvoll, sich vor einer Kaufentscheidung von aller Theorie frei zu machen: Nicht jedes Fernglas “passt” auf jedes Fernglasnutzergesicht. Der eine schwärmt über den Einblick, der andere kann beim Blick durch das selbe Fernglas nicht viel erkennen.

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Bilder 15-19: DAS ist es, was eine Astromesse wie die AME oder den ATT ausmacht:

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Bild 20: Wer kennt das nicht: Man hat eine oder mehrere leistungsstarke Fernoptiken, erspäht beispielsweise auf einer Wanderung auf einem von einem Gebirgsbach umspülten Fels eine lustig wippende Wasseramsel (dieses Glück hatte ich im diesjährigen Sommerurlaub gleich mehrfach) – ABER, man hat kein Fernglas dabei, von einem Spektiv oder einem Refraktor plus schwerem Stativ ganz zu schweigen. All jene, die dieses Lied singen können (ich nehme an, dieser Chor wäre groß), dürfen ihre Stimmbänder fortan schonen: Celestron hat eine neue Baureihe mit zwei Spekiven entwickelt, die so extrem kompakt und leicht sind, dass man sie wirklich IMMER dabei haben kann. Es sind die beiden “Hummingbird” 7-22×50 ED und 9-27×56 ED.

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Bild 21: Schon vor der Messe hatte ich Händler-Ankündigungen dieser Fernoptik gelesen und dachte, “zumindest mal durchschauen schadet nix”. Als ich die kleinen Dinger vor mir hatte, wirkten sie noch winziger als erwartet. Als ich dann aber durchschaute, war ich blitzartig baff! Ein helles, plastisches und kontrastreiches Bild, scharf bis an den Rand (Zoom-Okulare sind freilich keine Weitwinkelokulare). Die Bildqualität selbst bei höheren Vergrößerungen und mit bewusst heftigen Hell-Dunkel-Kontrasten ist über den gesamten Zoombereich überragend; das 50er zeigt einen winzigen Farbfehler, das 56 keinen. Nicht im Ansatz hätte ich diesen hyperreduzierten Winzlingen eine solch hohe optische Leistung zugetraut.

Supernett war die Möglichkeit, das 56er auch mit einem 9-mm-Morpheus von Baader und einem 9-mm-Nagler zu testen, zwei Okularen mit einem scheinbaren Gesichtsfeld von 76 bzw. 82 Grad, die bei einer AP von 2,6 mm eine 22fache Vergrößerung ergeben, bei einem tatsächlichen Gesichtsfeld von 3,5° bzw. 3,7°. Man schwebt förmlich in diesem riesigen Gesichtsfeld, alles scheint zum Greifen nahe, und ich kann mir vorstellen, wie beeindruckend es sein muss, damit in die Welt hinaus oder natürlich in die Sterne zu schauen. Ich will nun hier nicht allzu sehr schwärmen, aber diese “optische Reise- und Wanderlösung” hat es mir wirklich angetan. Angemerkt sei: Ich besitze (noch) kein “Hummingbird” und bekomme auch kein Geld für meine lobenden Worte.

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Bilder 22-25: Schön zu sehen, dass auch einige Kinder auf Entdeckungsreise durch die Messehallen der AME 2016 waren (übrigens nicht nur Jungs).

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Bild 26: Am Messetag lachte die Sonne vom Himmel; perfekte Möglichkeiten der Sonnenbeobachtung. Die Firma LUNT Solar Systems hatte vor den Messehallen einige Solarteleskope mit H-Alpha-Filtern aufgebaut. Klar hoben sich am Sonnenrand zwei Protuberanzen ab, und eine Sonnenfleckengruppe war deutlich sichtbar. Hier am Okular eines Refraktors mit 60 mm Öffnung: Jan Hattenbach.

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Bild 27: Hier schaut er sich historische Instrumente an.

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Bilder 28 und 29: Jan Hattenbach und Tilmann Althaus von “Sterne und Weltraum” beim Blick in einen 10-Zoll-Dobson.

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Bilder 30 und 31: Eduard Peter von den Füssener Sternfreunden präsentiert hier die Standfestigkeit und Mobilität des aus Birke-Multiplex gefertigten “Füssener Astro-Stuhls”. Er ist sehr stabil, selbst auf unebenem Grunde standfest und als Liegestuhl nutzbar! Mich beeindrucken solche Entwicklungen, in denen (teils geniale!) Ideen und perfekte Handarbeit von Praktikern stecken.

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Bild 32: Leckereien am Augsburger/Füssener Stand.

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Alle Fotos in diesem Blogpost: Stefan Oldenburg

Die in diesem Blogpost präsentierten Fotos – ich nahm sie durchweg bei vorhandenem Licht und ohne Blitz auf – sind Teil eines Auftrags für “Sterne und Weltraum”. Von einigen der dargestellten Besucher habe ich daher die Genehmigung zum (eventuellen) Abdruck eingeholt, aber natürlich nicht von allen. Sollte jemand Anstoß an dem ein oder anderen Foto in diesem Blogpost nehmen, so bitte ich um Mitteilung, und ich werde das entsprechende Bild entfernen.

Clear Skies! Stefan Oldenburg

Blogpost: ATT 2013 in Essen
Blogpost: ATT 2016 in Essen

Astronomische Themen begeistern mich seit meiner Kindheit und ich freue mich, Zeuge des goldenen Zeitalters der Astronomie zu sein. Spannende Entdeckungen gibt es im Staccatotakt, aber erst im Erkunden unserer kosmischen Nachbarschaft mit den eigenen Augen liegt für mich die wirkliche Faszination dieser Wissenschaft. "Clear Skies" lautet der Gruß unter Amateurastronomen, verbunden mit dem Wunsch nach guten Beobachtungsbedingungen. Deshalb heißt dieser seit November 2007 bestehende Blog "Clear Skies".

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Tja, wattwillmanmachen?! Wer bekannt aus Funk & Fernsehen ist, muss halt immer damit rechnen, in der Öffentlichkeit abgelichtet zu werden. Denn: Diese Bilder bringen richtig Kohle!

      Danke für das Lob! 🙂

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