Diese Schnecke jagt kleine Shrimps

Dieses schräge Highlight aus der Weichtierwelt stülpte sich diese Woche durch mein Facebook-Feed: https://www.youtube.com/watch?v=RYKim1OHSYA

Was aussieht wie eine Kreuzung aus Bagger und Tausendfüßler, ist eine besonders bizarre Nacktschnecke. Dieses Vielfraß gehört zur Gattung Melibe: Die einzige Meeresnacktschnecke, die Jagd auf schwimmende Beute macht. Sie verspeißt dabei schon mal eine kleine Garnele: https://www.youtube.com/watch?v=VquL4JwwUas 
Die meisten Meeresnacktschnecken, so genannten Nacktkiemer, fressen liebend gerne andere Organismen, aber nur wenn sie so freundlich sind, sich nicht vom Fleck zu bewegen. Polypen von Korallen oder anderen festgewachsene Tierarten stehen bei ihnen auf dem Speiseplan. Diese Meeresschnecken sind bekannt für ihre wunderschöne Farbenvielfalt, schräge Symbiosen und brutales Paarungsverhalten. Viele Gründe also, um diese Tiergruppe im Auge (oder eher in der Tauchermaske ?) zu behalten. Im http://www.seaslugforum.net findet ihr jede Menge Information zur Nacktkiemer-Vielfalt.

Wahrscheinlich ist es im Video Melibe viridis zu sehen. Die Art ist im ganzen Indo-Pazifik verbeitet (Tiefeninformationen habe ich nicht gefunden) und seit neuestem auch im Mittelmeer. Die Tiere werden 14 cm lang, also noch kein Grund zur Panik. Melibes wichtigste Eigenschaft ist, dass sie keine Raspelzunge, die so genannte Radula, besitzt, die so charakteristisch für die Schnecken und Grundmerkmal aller Weichtiere ist. Aber wer braucht eine Reibe, wenn er ein ausstüplbares Maul und einen Saugrüssel besitzt! Wobei ich mich frage, wie diese Tiere ganze Garnelen verdauen können.

Einige buntere Nacktkiemer seht ihr in diesem faszinierenden Video:

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Mit einem Diplom in Biologie in der Tasche, einer halben Doktorarbeit und viele Ideen will ich meinen Senf dazugeben. Meine irrsinnige Begeisterung für Lebewesen und des Lebens Wesen, möchte ich weitervermitteln. Und das an JEDEN. Jeder soll wissen, wie unglaublich Grottenolme sind und warum auch Gliazellen unserer Aufmerksamkeit bedürfen, dass Ratten nicht nur ekelig sind und die heimische Topfpflanze vielleicht bald schon die Nachttischlampe ersetzt. In Tübingen habe ich studiert, in Bern der Forschung den Rücken gekehrt. In Berlin bin ich nun auf der Suche nach Alternativen im Feld der Biologie und Kommunikation. Ganz besonders nach meinem Geschmack sind verrückte, unglaubliche oder einfach nur lustige Geschichten aus Ökologie, Evolution, Medizin und Technik. Schmeckt euch der Senf? Sonst mischt doch mal mit! Mathilde Bessert-Nettelbeck

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