Wissenschaftliches Fehlverhalten – In der Grauzone?

Spricht man mit Otto-Normalbürger (also im Allgemeinen Nicht-Wissenschaftlern) über das Thema Plagiate und Co, werden meist zwei Dinge deutlich: Zum einen ist die Öffentlichkeit des Themas mittlerweile überdrüssig. Kein Wunder, bedenkt man die Zahl der Fälle – wer stand da nicht alles am Pranger? Guttenberg, klar, dessen Name steht ja schließlich Pate für ein neues Verb, das es zwar bislang nicht in den Duden geschafft hat, das aber trotzdem jeder kennt. Dann die Stoiber-Tochter, nach der man eine der Webseiten benannt hat, mit deren Hilfe jedermann auf die Suche nach Geklautem in anderer Leute Veröffentlichungen gehen kann. Dann die Europapolitikerin mit dem Doppelnamen und ein Grieche, wie hieß der noch gleich? Danach war noch eine Reihe weiterer C-Klasse-Politiker dran, bis es schließlich mit Annette Schavan erneut ein Mitglied des Bundeskabinetts getroffen hat.

Zum anderen können die wenigsten die Empörung der wissenschaftlichen Gemeinschaft über die genannten Fälle nachvollziehen. Warum man denn wegen ein paar kopierter Textzeilen so einen Aufstand machen muß, bekommt man da zu hören, und ob als nächstes am Stuhl vom Papst gesägt wird, sollte sich herausstellen, daß er in der Grundschule einmal die Hausaufgaben von seinem besten Freund abgeschrieben hat.

Plagiate werden bei so einem Gedankengang leicht zur Lappalie heruntergespielt, zu etwas das „jeder irgendwann schonmal gemacht hat“. Plagiatoren wären damit sowas wie Schulschwänzer oder Falschparker, die aus der Sicht des Außenstehenden wie Schwerverbrecher behandelt werden. Nun sind Plagiate und Artverwandtes sicherlich nicht mit zum Beispiel einem Mord vergleichbar, aber wie soll man solche Fälle überhaupt beurteilen und einordnen?

Schon der Vergleich der Fälle Guttenberg und Schavan zeigt, daß hierbei nicht immer alles schwarz oder weiß ist und der Teufel im Detail steckt. Dreistes Plagiat, unvollständige Quellenangaben, Selbstzitat – wo sollte nun die Grenze gezogen werden zwischen echtem Fehlverhalten und harmloser Bagatelle? Gar nicht so einfach… Letztendlich, so sagt man sich, sollten die Konsequenzen angemessen sein. Wenn ein Politiker sein Amt verliert oder ein Geschäftsmann seinen Job, steht offensichtlich mehr auf dem Spiel als „nur“ der gute Ruf der jeweiligen Person. Und es geht nicht nur um Prominente, sondern um Jedermann.

Die Gretchenfrage dazu wäre, wie man es generell mit dem Diebstahl geistigen Eigentums hält. Und schaut man sich in den Weiten des Internets um, scheint es da mit der Moral oftmals nicht weit her zu sein. Da werden fleißig fremde Texte und Bilder kopiert und auf die eigene Webseite oder in sozialen Netzwerken eingestellt, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden die Leistung des Urhebers durch die Nennung seines Namens zu würdigen oder ihn gar um Erlaubnis zu bitten. Darauf angesprochen zeigt sich bei den Tätern selten auch nur eine Spur von Unrechtsbewußtsein.

Und im akademischen Bereich? Da pflanzt sich das natürlich fort. Studenten werden heutzutage in entsprechenden Lehrveranstaltungen zwar nochmal explizit auf die Problematik hingewiesen, der Ernst eines Plagiatsvorwurfs und Konsequenzen aufgezeigt, aber dies hält offensichtlich längst nicht alle davon ab. Zu verlockend scheint die Arbeitsersparnis – oder die Möglichkeit der Verschleierung von Wissenslücken – zu sein, insbesondere Copy-and-Paste aus dem Internet ist weiterhin gang und gäbe. Daß dem so ist, habe ich als Dozent an der Uni leider selbst erleben müssen, und Plagiatssoftware und Google helfen nur dabei, solche Fälle aufzudecken, nicht aber sie zu verhindern. Abgesehen von der persönlichen Enttäuschung schockiert mich dabei jedes Mal wieder insbesondere die Tatsache, daß ich es im Allgemeinen mit Lehramtsstudenten zu tun habe – jungen Leuten also, die in nicht allzu ferner Zukunft selbst Vorbilder für ihre Schüler sein sollen.

Während man in den Geisteswissenschaften, wo das Verfassen von Texten eine zentrale Rolle spielt, in erster Linie mit dieser Art von Problemen zu tun hat, kommt in den experimentell geprägten Naturwissenschaften außerdem noch eine weitere Kategorie wissenschaftlichen Fehlverhaltens hinzu, nämlich die der Manipulation. Der Praktikumsversuch will partout nicht klappen, es ist spät, man will endlich nach Hause. Wie leicht ist es da, eine plausibel klingende Datenreihe niederzuschreiben, die man aber nie gemessen hat?

Wo das enden kann, wenn der Student dann bei seiner Abschlußarbeit unter Zeitdruck ist oder später Publikationen vorweisen muß, um bei der Bewerbung um eine Stelle aus der Masse herauszustechen, kann man sich leicht vorstellen. Auch hier gibt es feine Nuancen vom Weglassen einzelner vermeintlich unpassender Datenpunkte bis hin zur kompletten Fälschung. Letzteres ist mit Sicherheit selten, aber dennoch, soetwas gibt es. Zumindest in Wissenschaftlerkreisen bekannt ist der mittlerweile weit über 10 Jahre zurückliegende Fall des Physikers Jan Hendrik Schön, dessen Nachname so wunderbar zu dem paßt, was man ihm nachweisen konnte. Aber auch in anderen Fachgebieten kommt es zu solchen Vorkommnissen, und besonders wenn viel Geld im Spiel ist, sind die Motive der handelnden Personen einfach nachzuvollziehen.

Und die Lösung des Problems, oder besser gesagt der Probleme? Ein Patentrezept gibt es offenbar nicht außer weiterhin zu versuchen vorzubeugen und die Bedeutung wissenschaftlich korrekter Arbeitsweise während der Ausbildung noch stärker zu betonen. In dieser Hinsicht wäre die Behandlung „geringfügiger Fälle“ als Kavaliersdelikt aber eine schlechte Wahl.

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Astronomin in vielerlei Hinsicht, so könnte man mich mit wenigen Worten beschreiben. Da ist zunächst einmal die Astrophysikerin, die an der Hamburger Sternwarte über die Aktivität von Sternen promoviert und dabei hauptsächlich mit den Röntgensatelliten Chandra und XMM-Newton gearbeitet hat, aber auch schon am Very Large Telescope in Chile beobachten durfte. Auslöser ihres beruflichen Werdegangs war ein engagierter Lehrer, dessen Astronomie-AG sie ab der 7. Klasse besuchte. Ungefähr zur selben Zeit erwachte auch die Hobbyastronomin, die anläßlich des Einschlags des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf den Jupiter begann, mit einem russischen Feldstecher vom Flohmarkt den Tanz der Jupitermonde zu verfolgen. Heutzutage freut sie sich über jede Gelegenheit, mit ihrem 16-zölligen Dobson tief im Odenwald fernab der Lichter der Rheinebene auf die Jagd nach Deep-Sky-Objekten zu gehen. Und da Amateurastronomen gesellige Wesen sind, treffe ich mich gerne mit Gleichgesinnten, zum Beispiel zum gemeinsamen Beobachten. Auch nach meinem Umzug von der Großstadt Hamburg in das schöne Universitätsstädtchen Heidelberg halte ich engen Kontakt zu meinen Vereinskameraden von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie und dem Astronomieverein meiner Jugend, dem Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck. Seit einigen Jahren bin ich außerdem in dem Internetforum Astrotreff aktiv, wo ich Teil des Moderatorenteams bin. Um meine Faszination an der Astronomie an andere weitergeben zu können, besonders an Kinder und Jugendliche, habe ich mich seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert, habe populärwissenschaftliche Vorträge gehalten und Schülergruppen betreut, die in Hamburg das Institut besucht haben. Diese Leidenschaft habe ich nun zu meinem Beruf gemacht. Hier in Heidelberg arbeite ich in einem kleinen aber feinen Team am Haus der Astronomie. Hiermit lade ich Sie ein, lieber Leser, an all diesen Facetten meines Astronomendaseins teilzuhaben. Mal witzig, mal spannend oder nachdenklich, manchmal auch persönlich oder mit Aha-Effekt. Carolin Liefke

17 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Gute Zusammenfassung

    Danke für den Text. Ich denke auch, dass in den Naturwissenschaften „geschönte“ Datenreihen das größere Problem sind. Ob jemand den einleitenden Text zur Promotion abgeschrieben hat, ist bei einer experimentellen Dokorarbeit in Astronomie oder Physik eher verzeihlich, weil darin nicht die wesentliche Leistung besteht, die zur Verleihung der Doktorwürde führt. Aber ein Betrug wäre es auch. Wie müsste man damit umgehen?

  2. Wörtliche Plagiate Zeichen von Faulheit

    Die in der Öffentlichkeit bekannt gewordenen Plagiate sind meist wortwörtliche Übernahmen von Textstellen ohne Kenntlichmachung der Originalarbeit. Wer so etwas macht, muss entweder sehr faul oder sprachlich handicapiert sein. Sprachlich handicapiert darum, weil er sich nicht in der Lage sieht den zu plagierenden Text so umzuschreiben, dass man ihn nicht mehr zurückverfolgen kann. Mit andern Worten: Solange man einen Plagiatsbegriff hat, der sich an der 1:1 Übernahme von Textstellen orientiert, solange bedeutet das Fehlen von Plagiaten keinesfalls, dass die Arbeit eine geistige Eigenleistung sein muss. Nicht umsonst gibt es ja professionelle Verfasser von Doktorarbeiten, die damit werben, ihre Arbeiten würden die gängige Plagiatssoftware anstandslos passieren.

    Die Frage „Dreistes Plagiat, unvollständige Quellenangaben, Selbstzitat – wo sollte nun die Grenze gezogen werden zwischen echtem Fehlverhalten und harmloser Bagatelle? Gar nicht so einfach…“ kann nur im Kontext beantwortet werden. Wie schwer ein Plagiat wiegt hängt letztlich vom Effekt des Plagiats und vom Anspruch der Arbeit ab, in der es auftaucht. Nimmt der Leser gerade die Plagiatsstellen als Kernelemente der Arbeit war, so ist das ein vernichtendes Urteil über die Arbeit. Und zwar gilt diese Aussage weitgehend unabhängig davon ob es sich um ein 1:1-Plagiat handelt oder um eine Umformulierung von etwas bereits publiziertem.

    Im Prinzip lässt sich die Bedeutung und damit Schwere von Plagiaten innerhalb einer Arbeit relativ einfach bestimmen, indem man die Hauptgedanken – wobei das auch aufbereitete und interpretierte Messergebnisse sein können – zusammenfasst. Kamen wesentliche Teile des Hauptergebnisses durch Plagiate – seien sie nun wörtlich oder auch nur gedanklich bestimmt – zustande, so ist die Arbeit „gestorben“.

  3. @Martin Holzherr

    Ich finde aber, dass das „umschreiben“/paraphrasieren problematisch ist, vor allem, wenn es nur verschleiern soll, dass man Ideen und Gedankengänge ausgeborgt hat. Hier muss man trotzdem zitieren. Oder?

    Sicher übernimmt jeder ab und an gefällige Formulierungen, das ist auch ok, denn was zählt, sind doch letztendlich die Inhalte.

    Ein übersetztes oder paraphrasiertes Plagiat bleibt ein Plagiat, es ist nur schwerer zu entdecken.

  4. Für mich ist ein Plagiat dann eines (und ein verwerfliches) wenn ich wesendliche Aussagen und solche Dinge im Zusammenhang des Textes so darstelle, dass unmissverständlich „ich“ als Urheber der Aussage dargestellt wird, wenn es doch aber eigendlich ein anderer gewesen.

    Das Kopieren ganzer Absätze oder Textpassagen ist aber eine sonderbar mühelose Tat… einfallslos und dem Ereignis (Promotion, Habilitation) absolut nicht angemessen. Aber vielleicht gibt es didaktische Idealkonstruktionen, die es geradezu erfordern, dass man es nicht anders aussagt…? Ich würde das jedenfalls kenzeichnen und auf die Quelle verweisen. Das hat auch sonst einige Vorteile betreffend dem Verständnis des Werkes.

    Das Fehlen von Verweisen und Quellenangaben ist eigendlich ein eher nebensächlicher Formfehler. Das Ganze nur deswegen so heiss gekocht wird, weil hier Lebensleistung summiert wird – und die dann also unter Umständen eben fälschlich angerechnet wird.

    Ansonsten ist „Wissen“ derart ein doch eigendlich demokratisierter Gegenstand der Allgemeinheit.

    Georg Schramm hat mal in einer Laudatio über eine zu schreibende Weltethik philosophiert und zwischen den Zeilen durchscheinen lassen, dass Quellenangaben und Verweise betreffend der Gültigkeit der Aussagen völlig absurd sind, weil die ultimative Weltethik hier keinen Interpretationsspielraum liesse.
    Und so sei die „wahrheit“ von Wissen und Erkenntnis …und eben auch von Aussagen wenig bis gar nicht abhängig vom Urheber.

    Bildung – Wissen und Erkenntnis ist kein Wettlauf gegen die (Mit)Menschheit, sondern ein Wettlauf im Leben gegen seinen eigenen Tot. Das bestehen auf „es“ zuerst gesagt, gesehen, gefunden, veröffentlicht zu haben, ist in keiner Weise dem höheren Ziel der Wissenschaften (und auch sonst im Leben) entsprechend angemessen.

  5. Tieferliegende Ursachen?

    Aus meiner Sicht sind sowohl Fälschungs- als auch Plagiats-Problem abgeleitete Probleme – die Ursache liegt tiefer, sie werden also auch mit mehr Überwachung nicht verschwinden.

    Plagiate: Menschen machen nicht gern sinnlose Arbeit – wenn es aber die passenden Aussagen schon gibt, dann ist das Neuerfinden eine sinnlose Arbeit. Darum liegt das Problem für mich in den Anforderungen des standardisierten Wissenschaftsbetriebes. Wenn eben Studenten oder Doktoranden das Gefühl haben, nicht nach einer eigenen Idee oder Erklärung gefragt zu werden, sondern nur nach Wiedergabe des bereits Gedachten – wozu dann das Rad neu erfinden? Zumal ja in der Schule meist gelehrt wurde, dass eigene Formulierungen nicht ankommen (und das ggü. Studenten, ja sogar ggü. Wissenschaftlern nicht unbedingt anders ist).

    Fälschung: Menschen machen zwar vieles gern, wenn das Ergebnis offen sein darf – aber sie arbeiten ungern mit der angesprochenen Erfolgspflicht, das Problem liegt also in der falschen Motivation (siehe Martin Ballaschk).

    Beides führt auch dazu, dass die breite Öffentlichkeit das Problem nicht sehen kann – die Meisten haben eben nur Schule etc. erlebt und verstehen dann nicht, was an unsauberer Wiedergaben von Bekanntem problematisch sein soll. Dass dann auch Neues oft wenigstens unsauber wird, kann ihnen nicht ersichtlich sein.

    Insofern bringt wohl weitere Belehrung nicht viel (die bleibt eher als erhobener Zeigefinger hängen, nicht inhaltlich), sondern es müsste um wirkliches Umdenken gehen. Wir müssten bei Kindern in der Schule und auch bei Studenten die Neugier wecken und auch Neugier in den wissenschaftlichen Anfangsarbeiten fördern. Dazu braucht es aber gerade in vielen Geisteswissenschaften wieder ein Umdenken – Länge bringt eben nichts, sondern nur neue Gedanken. Und deren Darlegung kann dann so kurz sein, dass jedes Plagiat ausgeschlossen ist – weil es jeder überprüfen kann.

    Und gegen die Fälschungen könnte man effektiv vorgehen, wenn eben auch methodisch saubere Negativergebnisse für jede Qualifikation anerkannt und veröffentlich würden. Für die Wissenschaft sind sie (mindestens) genauso wichtig wie Positivergebnisse, sparen sie doch anderen entsprechende Versuche und decken teils Probleme der Theorien auf. Aber dazu müsste man auch die Publikationspolitik ändern (siehe Susanne M. Hoffmann).

    Jedenfalls langfristig scheint mir dann das Problem auch der Allgemeinheit vermittelbar, werden doch Neugier und Fehlertoleranz dann gerade über die Lehrer auch in der Schule ankommen – und wohl die meisten Schüler mit viel mehr Freude lernen…

  6. Eintragung in Ausweis

    Ein Patentrezept gibt es sehr wohl: Der Titel wird nicht mehr in den Ausweis aufgenommen. Und danach sehen wir weiter…

  7. @Martin B. Paraphrasen + Plagiate

    Ihrer Aussage (Zitat sinngemäss)„Letzendlich zählen die Inhalte“ stimme ich in jeder Hinsicht zu und das kommt auch in meinem Vorgänger-Kommentar zum Ausdruck wo ich schreibe:
    „Solange man einen Plagiatsbegriff hat, der sich an der 1:1 Übernahme von Textstellen orientiert, solange bedeutet das Fehlen von Plagiaten keinesfalls, dass die Arbeit eine geistige Eigenleistung sein muss.“
    Und der Wert einer Arbeit hängt entscheidend davon ab, wieviel geistige Eigenleistung durchscheint.

    Sprachlich machen viele einen Unterschied zwischen Plagiat und Paraphrase, wobei klar ist, dass auch eine Paraphrase den Originaltext referenzieren muss. Unmarkierte Paraphrasen zu entdecken kann für einen Fachfremden oder für Software allerdings schwierig sein, weswegen auch heute noch eine Arbeit ohne Eigenleistung nur bestehend aus einer geschickten Verwebung von Paraphrasen, ohne weiteres durch alle Kontrollen schlüpfen kann.

    Unter der Überschrift Übersetzung: Plagiat oder Paraphrase? liest man „In mehreren Fällen wurden nur ungefähre oder sinnverändernde Wiedergaben kurzer (2-4 Zeilen) Passagen als Übersetzungsplagiate gewertet.
    Ich möchte hiermit zur Diskussion stellen, ob das wirklich Plagiate sind oder nicht eher Paraphrasen.“

    Das wirft die Frage auf was ein Plagiat ist:
    Eine 1:1-Übernahme eines Textabschnitts ist sicher ein Plagiat, doch laut Wikipedia umfasst der Plagiatsbegriff mehr: „Ein Plagiat (über frz. plagiaire „Dieb geistigen Eigentums” aus lat. plagi?rius „Seelenverkäufer, Menschenräuber”) ist die Anmaßung fremder geistiger Leistungen.“

    Dieser Definition schliesst sich auch die Uni Magedeburg an:
    „Ein Plagiat ist die widerrechtliche Übernahme und Verbreitung von fremden Texten jeglicher Art und Form ohne Kennzeichnung der Quelle. Eine Hausarbeit komplett oder partiell zu kopieren, aber auch Textpassagen zu paraphrasieren sowie Argumente und Fakten zu übernehmen, ohne die Quellen im Einzelnen anzugeben, stellt z.B. ein solches Plagiat dar“

  8. Holzherr

    Das ist das Problem:
    Eine Doktorarbeit, die ausschliesslich aus eigener Erkenntnisleistung besteht, wird es überhaupt nicht geben können. Oder niemand verstehen können und somit durchrasseln.

  9. @chris : Eigenleistung entscheidend

    Einsteins 17 seitige Doktorarbeit Die Bestimmung der Moleküldimensionen, in der Einstein zeigt,
    dass man die Grösse der Moleküle des gelösten Stoffs in einer nicht dissoziierten verdünnten Lösung aus der inneren Reibung der Lösung und des reinen Lösungsmittels und aus der Diffusion des gelösten Stoffes im Lösungsmittel ermitteln kann“, greift auf viele bereits bestehende Verfahren (z.B: Talorreihenentwicklung) und Theorien zurück. Sie wurde aber nur darum akzeptiert, weil sie zu einem Ergebnis führte, das noch niemand so erbracht hatte. In diesem Fall war es eine theoretisch weiterführende Erklärung für etwas, was sich messen lässt.

  10. „Dreistes Plagiat, unvollständige Quellenangaben, Selbstzitat“

    Teilweise fängt die Frage einer Wertung schon mit der Definition der Begriffe an, als Beispiel für Definitionsmöglichkeiten sei hier auf „unvollständige Quellenangaben“ verwiesen.

    Darunter kann man m. E. zwei Dinge verstehen:

    1) Es wird nicht an allen Stellen, an denen Fremdwissen verwendet wird, ein Quellenbeleg verwendet, die Quellenangaben sind also unvollständig. Meiner Meinung nach zumindest in größerem Umfang ein Plagiat.

    2) Bei der Quellenangabe, genauer gesagt dem Literaturnachweis, fehlt eine Information, sagen wir mal z. B. die Verlagsangabe oder die Seitenzahl. Meiner Meinung nach ist dies generell kein Plagiat, sondern ein Fehler, da ja klar wird, das man nicht selbst der Schöpfer des gesagten ist. Zudem gibt es keine einstimmige Meinung, was zu einer vollständigen Quellenangabe/Literaturangabe gehört, in der Physik sieht man häufig keine Seitenzahlen, in manchen Leitfäden findet man die Verlagsangabe optional, usw.

    Interessant wäre, was die Autorin des Artikels unter „unvollständige Quellenangaben“ versteht.

  11. @tom2

    Gemeint war schon ersteres, gerade im Sinne der Abstufung kann man natürlich aber auch zweites darunter verstehen, insbesondere natürlich wenn dies absichtlich gemacht wird. Denn daß dies die Suche nach den Quellen erschwert, ist ja klar und kann dementsprechend durchaus auch bewußt geschehen.

  12. @Carolin Liefke

    Wobei ich bei Definition 2 auch bei Vorsatz immer noch ein Problem hätte, dies als Plagiat zu bezeichnen, da die Definition auch dann nicht zum Wesen des Plagiats passst. Es kann aber sein, dass sich hieraus bei Vorsatz und in größerer Vorkommensmenge ein wissenschaftliches Fehlverhalten ableiten lässt, was aber auch wegen fehlender allgemeiner Standards für Literaturnachweise schwierig sein dürfte, so lange eine Quelle z. B. immer noch in angemessener Zeit (leider wieder eine Definitionssache) auffindbar ist.

  13. Kurzfristlösung Vorleben!

    Wenn man nicht ins Grundsätzliche gehen will, so kann man doch eine andere Praxis einführen und damit vorleben. Als abschreckendes Beispiel muss ich da immer an die Pädagogik-Professoren denken, die über gute Lehrmethoden predigen und selbst todlangweilig vortragen, also keine der von ihnen genannten Möglichkeiten nutzen. Wie soll dort das Prinzip bei den Studierenden aufgehen? Real bleibt das doch so nur als sinnloses Geschwätz hängen, was ja nicht mal für die ganz Großen relevant ist.

    Und wie sollen Allgemeinheit oder wissenschaftlich Interessierte ein Problembewusstsein für wissenschafliches Fehlverhalten entwickeln, wenn es Blogger einer der zwei größten deutschen Wissenschafts-Blog-Plattformen selbst nicht leben? Wenn sie sogar ausdrücklich einigen Grundprinzipien von Wissenschaft widersprechen? Wenn sie letzlich auch nur ihre Meinung als Dogma kundtun wollen – und nicht in ein Gespräch eintreten und sich daraus ergebende Einseitigkeiten oder Fehler dann auch zugeben? So ähnlich äußerte sich der Verlagsleiter Online von SciLogs im Namen aller Blogger dieses Portals!

  14. „Gemeint war schon ersteres, gerade im Sinne der Abstufung kann man natürlich aber auch zweites darunter verstehen, insbesondere natürlich wenn dies absichtlich gemacht wird. Denn daß dies die Suche nach den Quellen erschwert, ist ja klar und kann dementsprechend durchaus auch bewußt geschehen.“

    Nach sorgfältiger Überlegung muss ich hierzu noch ergänzen, das ein „erschwertes Auffinden“ einer Quelle überhaupt nichts mit einem Plagiat zu tun hat, da auch in diesem Fall immer noch eine Fremdleistung als solche gekennzeichnet ist. Das das Auffinden möglicherweise länger dauern kann ist höchstens ärgerlich, und mag auch für eine gewisse Bequemlichkeit eines Lesers stehen, wenn er sich hierüber aufregt. Ein prüfungsrechtlicher Täuschungsversuch ist es m. E. nach nicht.

  15. @tom2

    Es geht ja eben nicht nur um Plagiate, sondern eigentlich um wissenschaftliches Fehlverhalten allgemein. Das schließt neben Manipulationen noch ganz andere Dinge ein, zum Beispiel (absichtliche) Vernichtung der Originaldaten, so daß niemand anderes sie mehr nutzen kann – und damit eine Überprüfung der Ergebnisse erschwert, schlechte oder nur oberflächliche Dokumentation dessen, was man eigentlich getan hat etc.

  16. Einverstanden, allerdings sollte man meiner Meinung nach nicht vergessen, das mit Sicherheit ein großer Teil unvollständiger Quellenangaben, oder Falschzitate, o.Ä. einfach Fehler (und keine Täuschung) sind, die aus Unachtsamkeit/Schlampigkeit/Stress entstehen, was jedem unterlaufen kann, vor allem wenn es Zeitdruck gibt. Man sollte wiss. Fehlverhalten nicht verharmlosen, aber dabei nicht das oben geschriebene vergessen.

  17. Fehlverhalten ist vielschichtig

    Es fängt beim simplen Plagiat im Studium an: Hier möchte ich einmal einen Fall aus meiner Zeit als Praktikumsbetreuer in der Uni darstellen: Studenten wollen den Versuch machen, im Vorgespräch stellen sie sich als total unvorbereitet heraus. Ich werfe sie raus, wir machen einige Zeit später einen neuen Termin: Doppelte Arbeit für mich, für die ein fehlgeschlagener Versuch, um die Vorbereitung herumzukommen. Konsequenzen für die beiden: Keine.
    Nach dem Versuch, bei dem sie sich einigermaßen geschlagen haben – war auch nur ein Versuch, bei dem man nach Rezept vorgeht und nicht viel vergurken kann, gabs dann Wochen später den Bericht: Der Text passte vom Stil her überhaupt nicht zusammen, Abbildungsnummern waren wild durcheinander, immer wieder ging die Zählung von vorne los.
    Also bin ich skeptisch geworden. Habe dann vier Quellen gefunden, die 1:1 kopiert waren mit samt grobpixeligen Abbildungen, Tippfehlern und allem. Der Versuch, die beiden Vögel ordentlich zur Schnecke zu machen war dann etwas frustrierend: Der Praktikumsleiter pellte sich da ein Ei drauf, und mir blieb nicht viel anderes übrige, als den Bericht vor den Augen der gesamten Arbeitsgruppe demonstrativ durch den Wolf zu drehen und den beiden statt dessen den Verhaltenskodex der DPG als Lektüre mitzugeben.
    So etwas konsequenzenloses führt dann zu der Einstellung „Probieren wir’s mal, schlimmstenfalls muss man dann doch selbst arbeiten…“
    Was Zitate angeht, sollte man finde ich nicht päpstlicher sein als der Papst – ein verschluderter Verlag, sei’s drum: Ein Paper in Nature wird man auch ohne die Angabe Macmillan Publishers klar zuordnen können. Dann bleibt noch die Grenze zwischen (fachlichem) Allgemeinwissen und zitierpflichtigen Quellen: muss jeder Spektroskopiker zwingend noch mal Fraunhofer zitieren?
    In solchen Fällen wird sicher keiner unterstellen, der Autor hätte selbst die Grundlagen der Spektroskopie neu entdeckt – und wenn doch selbst schuld, wenn er sich mit drei Jahren im Labor eine halbe Stunde in der Bibliothek erspart.

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