Das war das Internationale Jahr der Astronomie

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…und auch tagsüber
Astronomers do it at Night

Langsam aber sicher neigt es sich dem Ende zu, 2009, das Jahr der Astronomie. Zeit also, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, ein Fazit zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu werfen.


Die Zahlen lesen sich beeindruckend: Mehr als 40 000 Veranstaltungen mit mindestens 2 Millionen Besuchern hat es im Rahmen des Jahrs der Astronomie in Deutschland gegeben, heißt es in der Pressemitteilung der deutschen IYA-Koordination. Die Veranstaltungszahl beinhaltet wohl die regulären Vorführungstermine, Vorträge und Beobachtungsabende von Sternwarten und Planetarien, die auch ohne das Internationale Jahr der Astronomie reguläres Programm dieser Einrichtungen gewesen wäre. Über 2000 Veranstaltungen haben Deutschlands Astronomen – Amateure wie Profis – aber zusätzlich im Rahmen des IYA auf die Beine gestellt, von der einfachen Gehwegbeobachtung bis hin zur großen Gala.

An vorderster Front des IYA standen die Amateure. Viele Menschen werden dank ihrer Unterstützung 2009 das erste Mal in ihrem Leben durch ein Teleskop geschaut haben. Aber auch größere Veranstaltungen wie Tage der offenen Tür an Sternwarten und wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen oder Ausstellungen lockten unzählige Besucher. Wenn der Funke der Begeisterung auch nur bei einem kleinen Teil überspringt, dann ist schon viel gewonnen. Nicht nur daß der faszinierte Blick eines Kindes an den Sternhimmel dazu führen kann, daß ein junger Mensch dann später einen Beruf in Naturwissenschaft und Technik ergreift, auch die Präsenz der Astronomie im Bewußtsein der Öffentlichkeit als solche zählt. Neuigkeiten aus der astronomischen Forschung wie die Entdeckung und Erforschung extrasolarer Planeten, Schwarzer Löcher oder des Ursprungs des Universums interessieren die Allgemeinheit. Die Leute wollen hautnah dabeisein und Astronomie erleben – selbst erleben. Mehr und mehr Großstädter werden sich bewußt, welchen Schatz ihnen die Lichtverschmutzung geraubt hat. In dieser Hinsicht ist das Internationale Jahr der Astronomie mit Sicherheit als Erfolg zu werten.

Und wie geht es nun weiter? Viele Veranstaltungen haben sich bewährt und werden im neuen Jahr wiederholt. Nicht nachlassen ist das Motto. Eine gewisse Routine wird sich aber dennoch mit Sicherheit einstellen, der Faktor des Besonderen schwinden. Andersherum gönnen sich viele Veranstalter aber auch eine Verschnaufpause, gerade wenn aufwendige Projekte von einer kleinen Truppe Engagierter organisiert und durchgeführt wurden mehr als wohlverdient. trotzdem gilt natürlich: Einen Gang zurückschalten ja, aber bitte nicht aufhören!

Auf der deutschen IYA-Webseite ist schon seit ein paar Wochen 2010. Man wird automatisch zum neuen Portal Astronomie in Deutschland weitergeleitet, das deutsche Astronomiewebseiten und -foren sowie Organisationen wie die Astronomische Gesellschaft (sozusagen der Verein der Profiastronomen), den Rat Deutscher Sternwarten (nein, gemeint sind nicht Volkssternwarten, sondern astrophysikalische Institute), den Rat Deutscher Planetarien und die Vereinigung der Sternfreunde verlinkt. Zu den Inhalten der alten Webseite muß man sich erst durchklicken, bleibt zu hoffen daß zumindest der Terminkalender mit der Veranstaltungsübersicht in das neue Portal umzieht.

Die deutschen IYA-Seiten – die alten wie die neuen – offenbaren meiner Meinung nach aber auch den größten Schwachpunkt der deutschen IYA-Aktivitäten: Das Ereignis "Internationales Jahr der Astronomie" ansich ist viel zu wenig aus dem Schatten hervorgetreten. Die deutschen Dachorganisationen blieben in der Öffentlichkeit farblos und wurden von den überregionalen Medien nur mit geringer Aufmerksamkeit bedacht. Das 40jährige Jubiläum der Mondlandung erhielt in Rundfunk und Fernsehen mehr Sendezeit als alle astronomischen Themen in diesem Jahr zusammen, auch die großen Tageszeitungen hielten sich vornehm zurück. Es war also den Veranstaltern selbst überlassen ihre Kontakte zur (lokalen) Presse zu nutzen und ihre Veranstaltungen zu bewerben anstatt einfach nur "auf den IYA-Zug aufspringen" zu können. Viele Besucher erfuhren so erst über eine Show im Planetarium oder einen Sternwartenbesuch, daß 2009 das Jahr der Astronomie ist, und suchten nicht umgekehrt nach Veranstaltungen in ihrer Nähe zum Jahr der Astronomie.

Ich persönlich hatte mir nicht nur in dieser Hinsicht vom Internationalen Jahr der Astronomie mehr erhofft. Meiner Meinung nach haben wir alle eine ganz besondere Chance nicht genügend genutzt, nämlich die, eine Brücke zu schlagen zwischen Amateuren und Profiastronomen. Für viele Hobbyastronomen leben die Wissenschaftler in ihren Forschungsinstituten noch immer in einer anderen Welt, und auch die Forschergemeinde weiß mit "den Sternguckern" wenig anzufangen. Dabei könnten beide Seiten von einer fruchtbaren Zusammenarbeit profitieren, und bei der Gelegenheit muß man gar nicht das immer wieder genannte Beispiel des unermüdlichen Veränderlichenbeobachters nennen. Nicht selten habe ich in letzter Zeit erlebt wie auch die Profis auf Techniken zurückgreifen, die in Amateurkreisen erdacht oder ausgefeilt wurden. Und nicht nur hier bietet sich ein Voneinander-Lernen an. Viele Amateure würden sich freuen mehr darüber zu erfahren und zu verstehen was sie da eigentlich mit ihren Teleskopen sehen oder auf den Chip ihrer Kamera gebannt haben. Eine schöne Himmelsaufnahme des "Kollegen" kann die letzte Würze einer Pressemitteilung oder Präsentation des Wissenschaftlers sein. Für 2010 wäre daher mehr Aufeinanderzugehen ein schöner Vorsatz für uns alle, finde ich.

Ich selber habe 2009 an so vielen astronomischen Veranstaltungen mitgewirkt wie lange nicht, sowohl auf Amateur- wie auch auf Profiseite. Mein Enthusiasmus ist alles andere als gedämpft, denn das Staunen eines Kindes beim Anblick der Saturnringe und angeregte Diskussionen über astronomische Themen aller Art entschädigen für so manch stressigen Tag den ich mit Organisation und Pressearbeit verbracht habe. Im neuen Jahr bin ich also auf jeden Fall wieder dabei.

2010 wird für mich ein aufregendes Jahr werden: Ich werde meine Promotion abschließen und dann meine Zelte hier in Hamburg abbrechen. Ich werde die Wissenschaft verlassen und stattdessen meine Passion für Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit zum Beruf machen, und zwar am Haus der Astronomie in Heidelberg.

In diesem Sinne
Einen Guten Rutsch
oder falls man sich nicht mehr rechtzeitig liest
Ein Frohes Neues Jahr
 

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Astronomin in vielerlei Hinsicht, so könnte man mich mit wenigen Worten beschreiben. Da ist zunächst einmal die Astrophysikerin, die an der Hamburger Sternwarte über die Aktivität von Sternen promoviert und dabei hauptsächlich mit den Röntgensatelliten Chandra und XMM-Newton gearbeitet hat, aber auch schon am Very Large Telescope in Chile beobachten durfte. Auslöser ihres beruflichen Werdegangs war ein engagierter Lehrer, dessen Astronomie-AG sie ab der 7. Klasse besuchte. Ungefähr zur selben Zeit erwachte auch die Hobbyastronomin, die anläßlich des Einschlags des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf den Jupiter begann, mit einem russischen Feldstecher vom Flohmarkt den Tanz der Jupitermonde zu verfolgen. Heutzutage freut sie sich über jede Gelegenheit, mit ihrem 16-zölligen Dobson tief im Odenwald fernab der Lichter der Rheinebene auf die Jagd nach Deep-Sky-Objekten zu gehen. Und da Amateurastronomen gesellige Wesen sind, treffe ich mich gerne mit Gleichgesinnten, zum Beispiel zum gemeinsamen Beobachten. Auch nach meinem Umzug von der Großstadt Hamburg in das schöne Universitätsstädtchen Heidelberg halte ich engen Kontakt zu meinen Vereinskameraden von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie und dem Astronomieverein meiner Jugend, dem Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck. Seit einigen Jahren bin ich außerdem in dem Internetforum Astrotreff aktiv, wo ich Teil des Moderatorenteams bin. Um meine Faszination an der Astronomie an andere weitergeben zu können, besonders an Kinder und Jugendliche, habe ich mich seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert, habe populärwissenschaftliche Vorträge gehalten und Schülergruppen betreut, die in Hamburg das Institut besucht haben. Diese Leidenschaft habe ich nun zu meinem Beruf gemacht. Hier in Heidelberg arbeite ich in einem kleinen aber feinen Team am Haus der Astronomie. Hiermit lade ich Sie ein, lieber Leser, an all diesen Facetten meines Astronomendaseins teilzuhaben. Mal witzig, mal spannend oder nachdenklich, manchmal auch persönlich oder mit Aha-Effekt. Carolin Liefke

6 Kommentare

  1. Alles Gute

    Caro, das war ein schönes Schlußwort zum IYA.
    Leider hast Du Recht, wenn man wußte dass es das Jahr der Astronomie war und nach Aktivitäten suchte, fand man diese auch, aber es ist nicht genügend in das Bewußtsein der Öffentlichkeit gelangt. Schade!
    Für das Jahr 2010 und Deine großen Pläne wünsche ich Dir alles Gute und viel Glück.

  2. Gutes Resümee!

    Eine wirklich schöne Zusammenfassung des Astronomiejahres, der ich voll zustimme. Für die Sternwarte Aachen brachte das Jahr 2009 einen absoluten Besucherrekord in ihrer mehr als 70jährigen Geschichte. Das Besucherinteresse bei manchen Veranstaltungen war enorm – ebenso wie das Engagement der Amateurastronomen vor Ort. Auch die Zusammenarbeit mit den Profis hat bei uns gut geklappt, mehrfach konnten wir Physiker und Astronomen für Vorträge gewinnen, die allesamt gut besucht waren. Bei einem Vortrag uber die Donkle Materie platzte schließlich der Hörsaal aus allen Nähten – das hatten wir nicht erwartet!

    Allerdings muss ich dir auch in deiner Kritik zustimmen: Die Öffentlichkeitsarbeit lag einzig und allein bei den Akteuren vor Ort. So sehr ich die Arbeit des nationalen Komitees schätze, viel angekommen davon in der Öffentlichkeit ist davon nicht. Von einem Aufspringen auf dein IYA-Zug konnte deshalb keine Rede sein.

    Ich denke aber, dfass dies nicht die Schuld des Komittes war, das mit relativ begrenzten Mittel auskommen musste. Von der VdS habe ich mir mehr erhofft. Nach den Erfahrungen der Astronomietage der letzten Jahre waren wir aber vorbereitet und haben von dieser Seite gar nicht erst viel erwartet. Es ist auch schwer, so ein Thema in der überregionalen Presse im Wettstreit mit allen möglichen anderen Themen “am Leben” zu halten. Das gelingt auf lokaler Ebene leichter.

    Viel Erfolg beim Abschluss deiner Promotion! Und viel Spaß bei deiner neuen, interessanten Aufgabe. Ich glaube, du bist genau die Richtige dafür!

  3. Der Kern des Kommunikationsproblems …

    Die Beobachtungen hier sind vollkommen korrekt: Auf lokaler Ebene wurde eine Unmenge geleistet, die lokalen Medien fuhren oft auf das IYA als Thema ab, und in der Summe der Vielzahl von Einzelveranstaltungen wurde das wesentliche Ziel des IYA auch hierzulande erreicht, die Freuden der Astronomie in breitere Kreise als üblich zu tragen.

    Dass das IYA aber nicht als ‘flächendeckendes’ Phänomen wahrgenommen wurde, liegt ziemlich eindeutig daran, dass es keinerlei Möglichkeit für eine große Werbekampagne zum Jahresbeginn gab, um die Idee in die Köpfe zu pflanzen – und daran ist m.E. in allererster Linie die Bundesregierung schuld, die sich ausgerechnet 2009 mit Inbrunst weigerte, das IYA als nationales Wissenschaftsjahr aufzugreifen und in der Weise (finanziell!) zu unterstützen wie z.B. das Jahr der Mathematik 2008, das mit einer großen Plakatkampagne etc. begann.

    Eine Mitschuld tragen aber auch die “großen” überregionalen Medien, die dem IYA mit einer kaum zu fassenden Ignoranz begegnet sind (von verstreuten löblichen Ausnahmen abgesehen): Das wurde besonders bei den “100 Stunden Astronomie” im April deutlich, die von Print wie Funk de facto boykottiert wurden, trotz einer wahren Flut von Vorabinformationen. Warum? Keine Ahnung, vielleicht weil kein konkretes Himmelsereignis wie eine SoFi die 100HA besimmte.

    Wer Lust hat, das “Vermächtnis” des IYA im Detail zu diskutieren, wird dazu übrigens auf einer Tagung des deutschen Komitees Ende März oder Anfang April Gelegenheit haben; der genaue Termin und der Ort werden noch bekannt gegeben. Und international wird die “legacy” des IYA am Rande der Abschlussfeierlichkeiten in Padua und auf einer Konferenz im März in Südafrika thematisiert werden; es werden jeweils auch deutsche IYA-Macher dabei sein und berichten können.

    Disclaimer: Ich bin zwar Mitglied des virtuellen Vorstands des deutschen IYA-Komitees (und gab Ende 2007 den Anstoss, dass sich überhaupt eins bildete), habe den Verlauf des IYA aber zugleich als Chronist auch ‘von außen’ verfolgt – hier habe ich den letzteren ‘Hut’ auf.

  4. Danke!

    Damit das nicht so aussieht, als stünde die Kritik im Vordergund:

    Ich denke, es ist auch mal angebracht, den Mitarbeitern des deutschen Komitees ein herzliches *Danke* für ihren Einsatz auszusprechen. Aus den bescheidenen Mitteln wurde doch Beachtliches gemacht. Das sollte Mut geben und auch dafür sorgen, dass auch nach dem IYA weiter an der astronomischen Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet wird!

  5. Termine 2010

    Moin Andreas,

    schimpf nicht mit dem armen Jost Jahn daß er etwas länger braucht die Seiten aufm neuesten Stand zu halten, der ist schwer beschäftigt 😉

    Hier gibts Infos: http://www.vds-astro.de/…-vds/astronomietag.html
    Immerhin ein Termin mit Mond im Ersten Viertel und Saturn dazu am Himmel.

    Wäre mal interessant zu wissen, ob sich weitere Initiativen für andere überregionale Veranstaltungen finden.

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