Berlin: Astronomie im rbb – Archenhold-Sternwarte

Gestern, am 7. Januar war der Berlin-Brandenburger Fernsehsender rbb bei der Archenhold-Sternwarte zu Gast! Das freute mich natürlich sehr! DANKE Stefan Gotthold für den Hinweis via fb!!!

https://www.rbb-online.de/um4/archiv/20160107_1600.html

Ich habe mir wirklich den gesamten Beitrag angesehen! Schön gemacht!

Ich finde es großartig, dass nicht nur die jetzigen Macher, sondern auch die historischen Gallionsfiguren (F.S. Archenhold und D.B. Herrmann) des Hauses und auch die Hobby-Astros verschiedener Generation und Tätigkeiten zu Worte kamen. Super ist auch, dass der rbb sich in Berlin auch nach anderen Astros (egal, ob sie gerade da Asyl haben oder wirklich woanders arbeiten) umgeschaut hat und endlich die „Mauern in den Köpfen“ fallen!

Eine Sache ist mir aber im Beitrag aufgefallen: Die besten Leute werden von den Medien nicht dadurch gekennzeichnet, dass sie ihre Arbeit gut machen, sondern die eine fällt aufgrund der schwachen Frauenquote auf, der andere, weil er angeblich „so jung“ sei.

BTW: 33 ist nicht jung oder zu jung für so einen Job – auch 25 wäre es nicht: Bsp: Karl Schwarzschild durfte auch schon mit 28 eine Sternwarte leiten.

Was ich in dieser Gesellschaft noch nie verstanden habe: Was soll dieser moderne Wahn, Leute zu jung zu befinden?

Ist den modernen Medien, Lehrkräften, Schuldirektoren, Professorberufskommissionen und anderen Arbeitgebern etc. eigentlich klar, dass man Menschen maximal behindern kann, wenn man sie dauernd unter dem Vorwand, dass sie ja noch so klein, süß und daher schonungsbedürftig seien, von den wichtigen Dingen im Leben abhält? Sei es, dass man Kinder erst mit 7 einschult, weil sie mit 5 ode r6 ja noch zu jung seien oder dass man in der Grundschule noch keine Noten vergibt, weil die süßen Kleinen noch nicht so ernst behandelt (also nicht ernst genommen?) werden sollten … und es zieht sich herauf bis zu der Frage, ob jemand mit 25 oder 30 Jahren schon alt genug ist für wichtige Aufgaben wie eine Professur oder sonstige Leitungsposition.

Und dann wundert man sich, dass die besten Leute in die Wirtschaft abwandern, wo man nämlich bereits ab 18 nicht nur volljährig und voll geschäftsfähig ist, sondern auch ernst genommen wird und im Bedarfsfall sein eigenes Unternehmen gründen kann. Wer’s kann, der kann’s eifnach – das ist nicht altersabhängig, sondern eine Charakterfrage. Und warum sollte denn jeder Schnellläufer solange warten müssen bis auch die langsameren seines Jahrgangs endlich die entsprechende Reife erreicht haben?

Das wäre ja so, als würde man Merkur ausbremsen wollen, nur, weil Jupiter (der gewichtigste unter den Planeten) halt viel länger für einen Umlauf braucht. Jedem, der die Keplerschen Gesetze kennt, sollte jetzt klar sein, was ich meine.

Susanne M. Hoffmann

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" [abgewandelt: John Miles, http://www.youtube.com/watch?v=egwARrX1ik8 ] Die Autorin studierte im Doppelstudium Physik und Wissenschaftsgeschichte und anschl. Medienwissenschaften, Physikdidaktik & Philosophische Anthropologie als Promotionsstudium. Sie ist seit 1998 freiberuflich als Astronomin und zeitweise auch als Dozentin für Physik tätig. Derzeit erforscht sie die Wurzeln der abendländischen Astronomie. Aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Frühere Arbeitsschwerpunkte waren * in Astrophysik: Stellarphysik; Mikrogravitationslinsen & Exoplaneten (1. Diplomarbeit); * in Technik- und Wissenschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (2. Diplomarbeit). * in Astronomie- und Physikdidaktik: Aufbau und Entwicklung einer überregionalen außerschulischen naturwissenschaftlichen Jugendarbeit in Deutschland und im Rahmen des internationalen Jugendaustausches [Mitbegründerin des Astronom. Sommerlagers (ASL), VdS-Jugendreferentin, Initiatorin und Gründerin der VEGA e.V., Begründerin der Berliner SpaceCamps, Gründerin von Astronomie+Raumfahrt-Austauschprogrammen mit Russland und Kasachstan, Zusammenstellung von Lehreinheiten online auf www.exopla.net , historische Methoden zur Vermessung der Welt nachvollziehbar auf Schulniveau] und gleichzeitig in Philosophie/ Medienwissenschaft: Lingua sine Limitibus - Sprachen der Populärdidaktik und transkulturelle Kommunikation (bildliche Sprachen und Visualisierungen, Astronomiekarawanen in Mauretanien, Hotelsternwarte in Portugal). * während Abitur und 2x Doppelstudium finanzierte sie sich als Freiberuflerin [siehe www.urania-uhura.de] durch Popularisierung der Wissenschaften in vielen Medien. In Zusammenarbeit mit einem Reiseveranstalter erhielt sie 2006 einen Tourismuspreis. Aktuell erforscht sie durch Analyse von Gestirnlisten in Keilschrift und Altgriechisch durch computergestützte Datenanalyse die Zusammenhänge der babylonischen mathematischen Astronomie mit der hellenistischen Astronomie.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Spitze! Da wird die Sternwarte in einem Atemzug mit der „Elisabeth Tessier von Potsdam“ gebracht und die Astrologie von einer Glaubensfrage zum „Diagnoseinstrument“ umgedeutet.

  2. Naja, immerhin das erste Mal seit vielleicht 20 Jahren, dass im deutschen Farbfernsehen mal Planetarien vorkommen. Dafür wurde natürlich auch der enge und direkte Zusammenhang zur Astrologie gut erklärt :-((. Wahrscheinlich wird dann auch bald Astrologie Unterrichtsfach, ist einfach zu wichtig. Übrigens interessant, dass wir vom Planetarium Frankfurt/Cottbus seit Wochen vorher mit dem RBB Telefon- und eMail-Kontakt hatten und darauf hingewiesen haben, dass nie über Planetarien berichtet wurde. Das wurde ja nun abgearbeitet, zumindest für Berlin …. über den Rest von Brandenburgs Planetarien braucht man ja nun nicht mehr zu berichten ….. selber Schuld, was wohnen wir auch auf dem flachen Land.

  3. naja, Planetarien wurden ein paar mal erwähnt; Bilder von unserer Berliner Baustelle gezeigt und einmal kurz (nur für Eingeweihte erkennbar) das Bedienpult vom ZKP II … aber ansonsten ging’s um STERNE, nicht um bestimmte „Tempel der Astronomie“ [wenn ich jetzt „Häuser“ geschrieben hätte, wäre es astrologisch doppeldeutig].

    Ein Astrologe trat auch auf – aber nicht IN der Sternwarte, sondern im Studio und dass man ihn IM Haus nicht haben wollte, wurde mehrfach gesagt und auf den Unterschied hingewiesen. Ich glaube, das haben sie moderat hingekriegt: Man kann etwas eben nur missbilligen, indem man es zeigt und beim Namen nennt… Das allein fand ich daran noch gar nicht schlimm.

    Dass hier der historische Zusammenhang richtig dargestellt worden wäre, wie manche Kommentatoren schreiben, kann ich als Naturwissenschaftshistorikerin beim besten Willen nicht erkennen. Es wurde nur (vom Moderator, glaub ich) erwähnt, dass es historisch gemeinsame Wurzeln hat und dennoch heute verschieden ist: weder Gründe, noch konkrete Aussagen, was genau die Unterschiede eigentlich sind. Das ist ja auch UNSERE Aufgabe in der täglichen Aufklärungsarbeit beim Publikum – ohne dass wir dabei gleich zu Missionaren mutieren müssen. 🙂

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