Seriöse Astrologie

Ja, Sie lesen richtig. In der Überschrift steht „seriöse Astrologie“ nicht Astronomie. Also nicht was wir über die Sterne wissen, sondern was die Sterne angeblich über uns sagen. Wir wissen heute so viel über die Sterne, dass wir Astrologie getrost verwerfen können. Die Sterne haben keinen wesentlichen Einfluss auf unser Leben. Es sei denn, wir sind Astronomin und richten unser Leben bewusst danach aus, über Sterne zu forschen.

In einem Neujahrsinterview mit einem Astrologen1 las ich die Unterscheidung zwischen Unterhaltungs-Astrologie auf der einen Seite und seriöser Astrologie. Das Kriterium fand ich spannend: Unterhaltungs-Astrologie verwendet Kalendersprüche, die irgendwie auf alle2 zutreffen und von denen sich deshalb viele angesprochen fühlen. Seriöse Astrologie, so der Experte, setze sich hin und rechne. Da spiele nicht nur das Sternzeichen der Person eine Rolle, sondern die exakte Sternenkonstellation zur präzisen Geburtsminute bestimme das Schicksal eines Menschen.

Ein Wissenschaftsbild steckt dahinter, das Seriosität an komplexe Rechnungen fest macht. Seriös ist, was nicht jeder versteht. Was viel Wissen und Arbeit erfordert.

Auf die Physik übertragen hieße das: Seriös ist Himmels-Mechanik dann, wenn wir alle Einflüsse von Sonne, Planeten, Monde, Asteroiden und Meteoroiden modellieren und mit den vollständigen Feldgleichungen der allgemeinen Relativitätstheorie berechnen. Einfache Modelle nach den Keplerschen Gesetzen, die die wesentlichen Bahneigenschaften beschreiben, sind Unterhaltungs-Mechanik.

Ich lasse das mal so stehen und wünsche Ihnen ein glückliches und erfolgreiches 2017. Mit oder ohne Unterhaltungsastrologie.

Anmerkungen:
2. zumindest auf eine genügend große Untermenge aller Menschen

Veröffentlicht von

www.quantenwelt.de/

Joachim Schulz ist Gruppenleiter für Probenumgebung an der European XFEL GmbH in Schenefeld bei Hamburg. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann in der Quantenoptik, in der er die Wechselwirkung einzelner Atome mit Laserfeldern untersucht hat. Sie führte ihn unter anderem zur Atomphysik mit Synchrotronstrahlung und Clusterphysik mit Freie-Elektronen Lasern. Vier Jahre hat er am Centre for Free-Electron Laser Science (CFEL) in Hamburg Experimente zur kohärenten Röntgenbeugung an Biomolekülen geplant, aufgebaut und durchgeführt. In seiner Freizeit schreibt er zum Beispiel hier im Blog oder an seiner Homepage "Joachims Quantenwelt".

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ob „seriöse“ oder Unterhaltungs-Astrologie – was Astrologie von Astronomie unterscheidet ist, dass erstere, sowohl die sich seriös nennende als auch die unterhaltende, nach ‚Sinn‘ sucht, und Astronomie nach Erkenntnis und Wissen strebt. Nach einem Sinn seines Lebens oder gar des Universums sucht, wem die Orientierung im Leben fehlt und der, wie es mit dem Titel eines Kinderbuches von Tomi Ungerer heißt, der Meinung ist: “ Es muss im Leben mehr als alles geben“.

    Aber ob Astrologie (Esoterik), Religion, Ideologie – irgendeinen Sinn seines Lebens, eine Orientierung braucht jede(r), es kommt halt nur darauf an, wo man ihn sucht.

    Ihnen auch ein gutes, erfolgreiches neues Jahr – und lieber Erkenntnisgewinn statt (esoterischer) Suche nach Sinn, 😉

    • Weder Astronomie noch Astrologie beantworten die Sinnfrage. Allerdings ergibt sich aus Unsinn (Astrologie) niemals Sinn, selbst wenn der Unsinn seriös ermittelt wurde. Dies zu ihrer Aussage:

      was Astrologie von Astronomie unterscheidet ist, dass erstere, sowohl die sich seriös nennende als auch die unterhaltende, nach ‚Sinn‘ sucht

      Ich denke, jeder Mensch ist mit der Sinnfrage konfrontiert – und das in vielen Bereichen. Macht die Arbeit, die Beziehung, das Leben Sinn?
      Es wäre traurig, wenn die Sinnfrage nur mit Unsinn beantwortet werden könnte.

      • Wenn Unsinn Menschen Sinn stiftet welches Recht haben wir Ihnen diesen Sinn zu zerstören.

        Das wichtigste ist des Menschens Glück und wenn er dazu Astrologie, Wahrsager oder Religion braucht, warum nicht.

  2. Gute Beobachtung: Seriös erscheint, was Wissen und Arbeit und gar einen eigenen „Kalkulus“ erfordert. Verstehen muss man das Seriöse nicht. Es genügt, wenn man daran glaubt und dafür zahlt.
    Mir scheint, das gilt nicht nur in der Astrologie, sondern für viele rein „geistigen“ Produkte. Wissen und Arbeit und ein magischer „Kalkulus“ genügen dort nicht, wo man ein konkretes Resultat erwartet. Wenn eine Brücke einbricht, kann sich der dafür verantwortliche Bauingenieur nicht damit herausreden, er habe sehr viel Arbeit in das Projekt hineingesteckt und unendlich viel gerechnet.

  3. Sorry, das Problem ist doch nicht die „seriöse“ Astrologie.

    Das Problem ist, WO dieses Interview erschienen ist. Nicht etwa im Kopp-Verlag oder in irgendwelchen bunten Blättchen die sich mit Promis, Blaublütern und Bachblüten beschäftigen, sondern es erschien beim ZDF! Bei einem Sender, der sich 3 Tage zuvor in einem großen Medien-Portal seiner Glaubhaftigkeit gerühmt hat!
    http://meedia.de/2016/12/28/trotz-luegenpresse-debatte-vertrauen-der-deutschen-in-klassische-medien-laut-zdf-umfrage-ungebrochen/

    DAS hätte im Artikel wesentlich deutlich herausgestellt werden sollen.

    • Ich bin mir da unsicher. Astrologie ist ja gesellschaftlich relevant und da macht es Sinn, dass Medien berichten. Und zumindest einige Frage sind ja durchaus kritisch:

      „Sie sprechen von seriöser Astrologie – allerdings haben die führenden amerikanischen Astrologen einen Wahlsieg für Hillary Clinton vorausgesagt. Was ist da schief gelaufen?“

      „Worauf fußen die Erkenntnisse der Astrologen?“

      Die Antworten auf diese Fragen sind durchaus entlarvend.

  4. Astrologie ist mega out, pfui Spinne!
    Wer da wagt, neue Wege zu gehen (danke Herr Schulz), den sollte man gleich ächten.
    Im Mittelalter gab es auch einen Mainstream, der behauptet hat, dass die Erde eine Scheibe sei. Wer etwas anderes behauptet hat, den hat man verbrannt.
    Leute zeigt, dass ihr etwas aus der Geschichte gelernt habt und gebt Herrn Schulz die Gelegenheit ein Beispiel für Seriosität durch komplexe Berechnungen zu zeigen.
    Dann können wir uns selbst ein Bild machen.

  5. Einfache Modelle nach den Keplerschen Gesetzen, die die wesentlichen Bahneigenschaften beschreiben, sind Unterhaltungs-Mechanik.

    🙂

    Schön gesagt. Wesentlich ist nicht, wie viel man rechnet, sondern wie belastbar die dahinter stehende Theorie ist, auf deren Basis gerechnet wird. Das verschwiegt der Herr „seriöse Astrologe“ allerdings – entweder absichtlich, um zu verschleiern, dass in punkto belastbare Theorie in seiner Zunft nicht viel zu holen ist. Oder aber, wahrscheinlicher, er weiß das gar nicht.

  6. Michael Khan,
    …..belastbare Astrologie,
    und der Stern zog ihnen voran und führte sie nach Bethlehem. Wie es die Sterndeuter vorausgesagt hatten. Das passt doch heute zum Dreikönigstag.
    Immerhin glauben etwa 60 % der Deutschen an das Neue Testament.

  7. Pingback: „ZDF heute“-Fake-News: Es gibt so etwas wie seriöse Astrologie @ gwup | die skeptiker

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