Angst vor Technik macht mir Sorgen

Ein Weihnachtsartikel der Bloggerin Metamädchen, Überprüfe deine Feindbilder, zeigt sehr schön ein Problem, das aus irrationaler Angst vor Strahlung entsteht. Kürzlich habe ich begründet, warum WLAN-Strahlung nicht schädlich sein kann. Die Frequenzen, über die sich Smartphones, Tablets und Laptops mit den Telekommunikations-Providern verbinden, liegen in ganz ähnlichen Frequenzbereichen und sind damit ebenso unschädlich, wie die WLAN-Strahlung.

Dennoch sind Menschen besorgt und bekommen geradezu Angstzustände, wenn sie wissen, dass sie dieser Strahlung ausgesetzt sind. Ich kann nicht beurteilen, was die Kopfschmerzen die älteren Dame in dem Bericht verursacht. Es könnte eine direkte Wirkung des Nocebo-Effektes sein: Durch das wissen um einen vermuteten Schaden verursachte Symptome. Es könnte aber auch andere Gründe geben, warum sie im Zug häufig Kopfschmerzen bekommt. Die Verbindung mit den elektrischen Geräten wäre dann einfach ein Wahrnehmungseffekt.

Ich bin überzeugt, dass wir Ängste immer ernst nehmen sollten. Wenn es mir möglich ist, versuche ich meinen Mitmenschen kein Unbehagen zu bereiten. Dazu gehört auf Ängste Rücksicht zu nehmen, wenn sie mir bekannt sind oder ich mit ihnen rechnen kann1. Aber wenn sich die irrationale Angst vor Elektrosmog durchsetzen sollte und eventuell zu Handyverboten in öffentlichen Räumen führt, dann ist das ein Problem. Es schränkt die ein, die diese Technologie nutzen wollen oder müssen. Dieser Einschränkung stünde kein wirklicher Nutzen entgegen. Denn Anlass für das Unbehagen ist nicht die Strahlung sondern die falsche Wahrnehmung durch Angst. Die Angst ist zu bekämpfen, nicht die Strahlung.

Angst vor neuer Technik ist verbreitet. Sie ist nicht unbegründet. In der Zeit der Entdeckung der Radioaktivität2 hat übertriebene Fortschrittsgläubigkeit dafür gesorgt, dass radioaktive Strahlung unbedacht eingesetzt wurde3. Das darf aber heute nicht dazu führen, dass nachweislich unproblematische Techniken wegen diffuser Bedenken eingeschränkt werden.

 

Anmerkungen:
1. Ich würde keine Spinne sichtbar in öffentlichen Verkehrsmitteln transportieren.
2. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts
3. Bilder der Folgen sind Standardmaterial in Strahlenschutzkursen.
Joachim Schulz

Veröffentlicht von

www.quantenwelt.de/

Joachim Schulz ist Gruppenleiter für Probenumgebung an der European XFEL GmbH in Schenefeld bei Hamburg. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann in der Quantenoptik, in der er die Wechselwirkung einzelner Atome mit Laserfeldern untersucht hat. Sie führte ihn unter anderem zur Atomphysik mit Synchrotronstrahlung und Clusterphysik mit Freie-Elektronen Lasern. Vier Jahre hat er am Centre for Free-Electron Laser Science (CFEL) in Hamburg Experimente zur kohärenten Röntgenbeugung an Biomolekülen geplant, aufgebaut und durchgeführt. In seiner Freizeit schreibt er zum Beispiel hier im Blog oder an seiner Homepage "Joachims Quantenwelt".

29 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Angst gibt es im Übermass. Warum? Grundlage scheint mir Unsicherheit durch Unwissen zu sein. Diese Unsicherheit durch fehlendes Wissen gibt es schon im Tierreich. Eine Herde von Antilopen in der Savanne könnte während sie grast von einem Löwen beobachtet werden, der seiner Beute auflauert. Ein Mensch, der in eine neue Gruppe kommt könnte die Hinterlist dieser Gruppe erfahren anstatt Kooperation. Selbst die Leute, die das Land führen, könnten etwas anderes im Schilde führen als sie vorgeben.
    Die Angst vor der Handystrahlung ist am ehesten noch mit der Angst vor dem Vergiftet-Werden zu vergleichen. In den Geschichtsbüchern, Anekdoten und Märchen findet man viele Belege für die Angst vor dem Vergiftet-Werden – und einige Herrscher, Mächtige und auch weniger Mächtige wurden ja auch vergiftet.

    Wie bekämpft man soche Ängste:
    1) Es gibt ängstliche und weniger ängstliche Menschen – schon von Natur aus
    2) Es gibt Menschen, die zu angstlosen Bürgern erzogen worden – und es gibt andere
    3) Es gibt Menschen, die Angst zum Anlass nehmen sich zu vergewissern, dass es Grund oder eben keinen Grund dafür gibt

    Leider kann die Ratio, der Verstand also, nicht allein Ängste zum verschwinden bringen. Es gibt einige Beispiele dafür, hier eines: Kurt Gödel, einer der grössten Mathematiker und Logiker aller Zeiten. In der Wikipedia liest man zu seinen Ängsten: „Neben wenigen weiteren Bekanntschaften vereinsamte Gödel aber in den 1940er und 1950er Jahren aufgrund seiner fortschreitenden psychischen Krankheit – vorwiegend Paranoia, vor allem die Angst, durch Essen vergiftet zu werden – immer mehr. Adele musste ihm alles vorkosten.“
    Als seine Frau krank wurde, ass er nichts mehr und verhungerte buchstäblich.
    Nun ja, könnte man sagen, Gödel war ja schliesslich psychisch krank. Das ist schon so, nur ist der Grat zwischen Krankheit und Normalität in Bezug auf Ängste relativ schmal.

    • @ Herr Holzherr :

      Wie bekämpft man so[l]che Ängste:
      […]
      Leider kann die Ratio, der Verstand also, nicht allein Ängste zum verschwinden bringen.

      Die Ratio erlaubt es Ängste, die in der Regel einen Grund haben, nicht aus dem Nichts kommen, biologistisch betrachtet: von der Natur so vorgesehen sein könnten [1], zu bearbeiten.
      Die Kenntnis oder die Erkenntnis anderer könnte angefordert werden, wobei bestimmte Vertrauensverhältnisse benötigt werden, Naturwissenschaftlern könnte Vertrauen entgegengebracht werden, der Dialog, also auch das Betreiben eines wissenschaftsnahen WebLogs, könnte Vertrauen bilden.
      Vertrauen ist übrigens generell, auch im wirtschaftlichen Bereich, eine Art Schmiermittel.

      MFG
      Dr. W

      [1]
      Mini-Anekdote:
      Eine Katze hat Kleine, die sich optisch stark unterscheiden, ein Kleines, das so aussieht wie das Muttertier, ist besonders ängstlich oder vielleicht besser: vorsichtig, unterscheidet sich auffallend von den anderen.

      • Ja. Angst stellt sich automatisch ein, ist aber meist auf einen Gegenstand bezogen – und dann auch rational bewältigbar indem man das Gefährdungspotenzial durch diesen Gegenstand untersucht. Und genau hier sollte und darf man nicht nachgeben: Wenn sich herausstellt, dass ein Objekt unter den gegebenen Umständen keine Gefährdung darstellt, dann muss man auch keine Vorsichtsmassnahmen ergreifen. Wenn Handystrahlung nachweisbar DNA nicht verändert, ja gar nicht verändern kann, dann muss man der falschen Behauptung „Mobilfunkstrahlung kann die DNA von Zellen verändern“ entgegentreten. Heute findet man oft eine falsch kompromisslerische Haltung etwa in folgender Art: Nein, Handystrahlung kann DNA nicht verändern, aber man kann ja nicht vollkommen sicher sein, also müssen wir die erlaubten Strahlungswerte (SAR) auf möglichst tiefe Werte setzen.

        • @ Herr Holzherr :
          Nichts gegen Ihre Systematisierung, kurz hierzu:

          Wenn sich herausstellt, dass ein Objekt unter den gegebenen Umständen keine Gefährdung darstellt, dann muss man auch keine Vorsichtsmassnahmen ergreifen.

          Der Bürger oder abstrakt das erkennende Subjekt kann das Fehlen oder Vorhandensein einer ‚Gefährdung‘ heutzutage, die Welt soll ja komplexer geworden sein, früher ging es meist aber auch nicht, in der Regel nicht selbst feststellen.
          Insofern war Ihrem Kommentatorenfreund weiter oben das Fachwort ‚Vertrauen‘ wichtig.

          Ohne jetzt direkt eine Beziehung mit bestimmter politischer Entwicklung herstellen zu wollen: Vertrauen in Experten oder allgemein Bestimmende kann gar nicht erst entstehen oder abgebaut werden.

          MFG
          Dr. W

          • Sogar „Gebildete“ müssen Experten meist blind vertrauen, wenn sie wissenschafltichen Erkenntnissen folgen sollen, denn viele „Gebildete“ kennen zwar ihren Shakespeare oder Goethe, können aber nicht sagen was Beschleunigung, der 2. Hauptsatz der Thermodynamik oder Elektrizität ist.

            Deshalb hört man so oft das Argument, der Experte sei gekauft, seine Forschung sei von Interessengruppen finanziert, wenn jemand eine naturwissenschaftliche Erkenntnis in Zweifel zieht,, denn für ihn ist das Phänomen um das es geht ein Buch mit sieben Siegeln. Er kann keine eigenenen Argumente vorbringen und weiss – um auf das einführende Beispiel dieses Beitrags einzugehen – gar nicht was Handystrahlung ist, was diese Strahlung beispielsweise von radioaktiver Strahlung, von Licht oder Schall unterscheidet.

            Eine kritische und kundige Auseinandersetzung mit unserer technischen Umwelt – die gibt es schlicht darum nicht, weil das, was die ganze Welt am laufen hält – mindestens aber das Smartphone und den Bankomaten – kaum jemanden bekannt und vertraut ist , auch nicht dem belesenen, studierten und in alle Welt gereisten „Gebildeten“. Nur gerade eine Handvoll von Experten weiss Bescheid. Doch kann man diesen Experten vertrauen? Sind die nicht oft gekauft und von grossen am Umsatz interessierten Firmen finanziert. Das meint nicht nur der Hampel von der Strasse sondern auch der sich mit den Federn der Bildung Schmückende, und er bringt dieses „Argument“ auch darum, weil er vor so viel Expertenwissen (dem so wenig eigenes Wissen gegenübersteht) nicht einfach kapitulieren will.

          • @ Herr Holzherr :
            Ischt halt Veranstaltung, was durchaus nett gemeint ist, zur Bildung und zu Gebildeten, die Sie in Anführungszeichen bemühen, vielleicht eine knackige Aussage von Heisenberg (die davon ganz unabhängig und später vom Schreiber dieser Zeilen entwickelt worden ist):
            ‚Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn alles vergessen worden ist, was je gelernt.‘

            Nöh, Sie liegen schon richtig.

            MFG
            Dr. W

  2. Man darf nicht von einem Einzelfall auf die große Mehrheit schließen. Laut einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung gibt es zumindest unter Arbeitnehmern in Deutschland keinerlei Angst vor moderner Technik. Zwei Drittel (64 %) der Befragten verbinden mit moderner Technik und technischem Fortschritt positive Auswirkungen. Nur knapp 8 Prozent befürchten das Gegenteil.
    https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/wirtschaftliche-dynamik-und-beschaeftigung/projektnachrichten/deutsche-haben-keine-angst-vor-technischem-fortschritt/

    • Joachim Schulz

      Das wäre beruhigend. Aber bei diese Studie geht es ja explizit nur um „moderne Technik und technische Innovationen am Arbeitsplätz“. In meinem Artikel geht es dagegen um Technik im öffentlichen Raum. Ich glaube ja auch, dass viele dieser Technik positiv gegenüberstehen und sie gerne einsetzen. Aber es gibt eben auch einen wachsenden Widerstand gegen diese Geräte.

      • Ich bin mir nicht sicher, ob sich der Widerstand wirklich gegen die Geräte richtet oder ob das nur vorgeschoben ist. Vielleicht hätte die (einsame?) ältere Dame im Zug einfach nur einen Gesprächspartner gesucht und da sie keinen fand, weil all diese „rücksichtslosen Mitmenschen“ mit ihren technischen Geräten beschäftigt waren, schimpfte sie halt über die Technik um vielleicht auf diese Weise ein Gespräch in Gang zu bringen. Die „Technik im öffentlichen Raum“ führt natürlich schon dazu, dass sich die Menschen weniger miteinander unterhalten als früher. In der Chinesischen Stadt Chongqing eröffnete man sogar einen speziellen Gehweg für Handy-Nutzer, um Unfälle durch Leute zu vermeiden, die unterwegs auf ihr Smartphone starren.
        http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sms-beim-laufen-chinesische-stadt-eroeffnet-ersten-smartphone-gehweg-a-991667.html

        • Joachim Schulz

          Mir als Norddeutscher ist dieser Aspekt wohl zu fremd. Bei uns ist es auch so nicht üblich, die Mitreisenden anzusprechen. Allerdings spricht gegen diese Interpretation auch, dass die Dame darauf hinwies, man habe früher noch Bücher gelesen. Wer ein Buch liest ist ebenso unansprechbar wie wer auf dem Tablet ein Film sieht oder ein e-Book liest. Und wer statt zu lesen über das Smarphone Nachrichten an Freunde schickt und von ihnen empfängt, die oder der kommuniziert sogar.

          • „Mir als Norddeutscher ist dieser Aspekt wohl zu fremd. Bei uns ist es auch so nicht üblich, die Mitreisenden anzusprechen.“

            Seltsam nur, sobald die Norddeutschen in Bayern Urlaub machen oder hier studieren haben sie keine Hemmungen mehr jemanden anzusprechen. Man muss sich als Norddeutscher wohl schnell umgewöhnen, wenn man beispielsweise an der Passauer Uni mit über 90 verschiedenen Nationen studiert und zudem nur einen Katzensprung vom Ausland (Österreich und Tschechien) entfernt ist.

  3. Hallo Herr Schulz , die Angst ist ein Teil eines völlig normalen Evolutionsvorganges.

    Auf der Höhe des Kalten Krieges hatten die USA und die UDSSR ungefähr rund

    40.000 Atomare Sprengköpfe mit den enrsprechenden Transportsystemen.

    Aus der reinen Angst heraus, hat man keinen einzigen dieser Atomaren Sprengköpfe verwendet.

    So geshen ist die Angst ganz nützlich.

  4. Sollte man auf (unberechtigte?) Ängste eingehen und den Verängstigten entgegenkommen? Zum Beispiel indem man die SAR-Werte (Strahlungsenergie) von Mobilfunkgeräten auf sehr kleine Werte festlegt.
    Das ist die Kardinalfrage. Die Tendenz geht in diese Richtung. Damit öffnet man aber Ängsten und Verängstigten Tür und Tor und rechtfertigt letztlich Ängste, die keine Grundlage haben. Ein gutes Beispiel für die fatalen Auswirkungen, die dieses Entgegenkommen bewirken kann, ist gerade die Angst vor Radioaktivität. Alle Erkenntnisse sprechen dafür, dass die Grenzwerte, die heute für beruflich strahlenexponiertes Personal gelten, nämlich 20 milliSievert pro Jahr – also rund 10 Mal mehr als natürliche Strahlenxposition der Normalbevölkerung in Deutschland und dem umliegenden Europa – ebenso gut für die Gesamtbevölkerung gelten könnten, zumal es bewohnte Gegenden auf der Erde gibt wo die Anwohner mehr als 100 milliSievert pro Jahr aufnehmen – und das ohne dass diese „Verstrahlten“ irgendwelche Symptome zeigen würden.
    Fukushima und die Folgen zeigen überdeutlich wie fatal ungerechtfertigte viel zu niedrige Grenzwerte sich auswirken können: Die riesigen Evakuationszonen wie sie in Fukushima eingerichtet wurden, bedeuten ein schweres Schicksal für die Betroffenen, nämlich den Verlust der Heimat – und dieses Schicksal müsste man nach heutigen Erkenntnisse den meisten gar nicht zumuten.

    Ähnliches gilt auch für den Mobilfunk. Haarsträubende Behauptungen wie sie in sar-wert.info gemacht werden, wo von Problemen der Zellrefiung bis zu Veränderungen der Erbsustanz durch Mobilfunkstrahlung gefaselt wird, erhalten Auftrieb, wenn man Zugeständnisse macht und die SAR-Werte gutmeinend nach dem Vorsichtsprinzip (precautionary principle) auf unsinnig tiefe Werte absenkt.

    Empfehlung: Ängste müssen ernst genommen werden, auch Ängste wie die vor den Auswirkungen vor Mobilfunktstrahlung oder Ängste vor Überfremdung/Islamisiserung (Pediga). Ernst nehmen heisst aber nicht, etwas anzuerkennen was es gar nicht gibt. Das zu tun ist sogar grundfalsch.

    • Joachim Schulz

      Ja, das ist ein guter Punkt und vielleicht einen eigenen Artikel wert. Grenzwerte werden nach dem Vorsichtsprinzip gemacht: Lieber deutlich zu niedrig als etwas zu hoch. Das ist durchaus rational. Aber wenn dann Menschen rückschließen „Das ist über dem Grenzwert, also muss es gefährlich sein.“, dann wird es problematisch.

  5. Kritiklose Techinkfreundlichkeit macht mir mehr Sorgen. Ob der Mobilfunk gefährlich ist , kann ich nicht beurteilen , man stolpert immer mal wieder über Leute , die dies behaupten und nicht wie die reinen Irren wirken , genauso wie nicht immer so ganz klar ist , wer diese oder jene Studie finanziert, die Voreingenommenheit ist da wohl nicht nur einseitig zu finden.

    Was auch eher selten zu finden ist , ist die Frage nach der Verbindung mit anderen Umweltfaktoren.
    Einzelne Faktoren , die direkt nachweisbar schädigen , sind nicht so häufig und meist auf regelrechte Gifte zurückzuführen , aber wie steht es mit der Summe der Faktoren?

    • Joachim Schulz

      Gibt es denn heute noch eine Technik, die nicht ausgiebig kritisiert und auf mögliche schädliche Wirkung untersucht wird?

      Ich kann Ihnen versichern, dass mir die Handy-Industrie bisher ausschließlich Kosten verursacht hat. Es ist zwar üblich, Bloggern zu unterstellen, von allen möglichen Seiten bezahlt zu werden. Leider ist bei mir aber bisher noch kein Scheck angekommen.

      • @ Joachim Schulz

        Ups , das war wohl unglücklich formuliert , mitnichten wollte ich Ihnen unterstellen , bezahlt zu sein , es gibt solche Vorgänge , mehr wollte ich nicht sagen ,nicht jedoch auf ihre Person bezogen.
        Für den falschen Eindruck möchte ich mich hiermit entschuldigen , natürlich ist nicht jeder automatisch korrupt , der Handy-Strahlung für ungefährlich hält.

        Was die Kritik angeht , die kam meiner Beobachtung erst nach der Etablierung des Mobilfunks auf.
        Wenn Sie automatisch davon ausgehen , daß Kritik in ausreichendem Maße in allen Bereichen vorhanden ist und nur auf eine prinzipielle Technikfeindlichkeit abzielen , o.k. , mein Eindruck war der , daß fast alle Bedenken so ein bißchen in die Paranoia-Kiste gepackt wurden.

        • Joachim Schulz

          „Wenn Sie automatisch davon ausgehen , daß Kritik in ausreichendem Maße in allen Bereichen vorhanden ist“
          Nein, davon gehe ich nicht aus. Deshalb frage ich Sie ja nach Beispielen. Für Mobilfunk und zum Beispiel Gentechnik oder Fracking ist Kritik jedenfalls in aller Munde. Und das ist ja auch richtig.

          Haben Sie meinen Artikel zuende gelesen? Im Letzten Absatz schrieb ich:
          „Angst vor neuer Technik ist verbreitet. Sie ist nicht unbegründet.“

          • Bei Gentechnik und Fracking stimme ich zu , anders bei Feinstaub , Chemie in der Landwirtschaft oder Dauerlärm , gerade Letzterer wurde erstaunlich lange heruntergespielt.
            Mich überrascht auch die Wahrnehmung einer verbreiteten Technikfeindlichkeit , das bißchen Skepsis gegenüber dem Mobilfunk ist doch noch lange keine grundsätzliche Angst vor der Technik insgesamt.

          • Joachim Schulz

            Es geht mir auch nicht um Technikfeindlichkeit sondern ganz explizit um die Angst, die einige Menschen vor neuen Technologien haben. Und wenn eine Frau sagt, das sie bald nicht mehr Zugfahren kann wegen des ganzen Elektrosmogs, dann ist das weit mehr als ein „bißchen Skepsis gegenüber dem Mobilfunk“. Ich würde das schon als grundsätzliche Angst sehen.

    • Es ist nicht nur die technikfeindlichkeit die mir Sorgen bereitet, sondern auch solche Kommentare – ohne den OP damit angreifen zu wollen!
      Es geht einfach um Aussagen wie „Ob der Mobilfunk gefährlich ist, kann ich nicht beurteilen…“. Warum können sie das nicht beurteilen? Gibt es nicht genug Studien dazu, dass sich im Prinzip jeder ein Urteil dazu bilden kann? Und ja, natürlich gibt es schlechte Studien, aber auch da muss man sich in der heutigen Zeit leider die Mühe machen, beurteilen zu lernen! Das Problem ist, dass man mit einer solchen Meinung so gut wie alles in Frage stellen kann.
      Allgemeine Relativitätstheorie? Kann man nichts zu sagen, man hat ja selber noch nie ein eigenes Exeriment dazu gemacht und man hört immer wieder von Leuten, die sagen, diese Theorie sei falsch!
      Nur 2,8% der Bevölkerung Sachsen sind Ausländer? Kann man nichts zu sagen, man hat ja selber noch nie alle gezählt!
      Jeder wird sehen, dass ich hier noch unzählige Beispiele aufführen könnte.
      Wie gesagt, diese Antowrt ist kein Angriff auf den Kommentator DH. Dessen Zeilen verdeutlichen nur sehr schön eine Problematik, über die ich selber oft nachdenke.
      Ich denke, man muss gerade in der heutigen Zeit einfach sehr oft Ockhams Rasiermesser benutzen oder auch ganz einfach pragmatisch sein: Was ist denn die einfachere Erklärung für einen bestimmten Sachverhalt?
      Ich könnte noch so viel mehr schreiben, aber mein Kommentar ist schon lang genug, und ich hoffe, er kann dem Einen oder Anderen ein paar Denkanstösse geben.

      • Machen Sie es mal ne Nummer kleiner , wenns geht . Mir ist durchaus bewußt , daß man in der heutigen Zeit lernen muß , zu beurteilen , danke verbindlichst für die erteilte Lektion.

        Ich bin mir einfach nicht sicher , ich neige eher zur Ungefährlichkeit , aber , wie Sie sagen , es gibt verschiedene Stimmen , und so manche der Warner klingt ebenso plausibel wie diejenigen , die von der Ungefährlichkeit ausgehen, so einfach ist das.

  6. Auf einigen Websites werden haarsträubende Dinge über den Mobilfunk verbreitet. Und viele der Leser können dem wohl kaum etwas entgegensetzen.Für sie ist das prima vista genauso plausibel wie irgend eine andere Behauptung.
    Health Effects of Radio Waves and Microwaves schreibt:

    – Every person is affected by electrical pollution, but some people are more sensitive, less resilient and therefore more susceptible to health problems associated with high frequency radio waves (this is known in the medical literature as „radio wave sickness“).
    – When initially high electrical pollution level was reduced to a safe level of under 30gsu (millivolt change per second of the higher, polluting frequencies), dramatic improvements in health have been observed in empirical research studies.
    – It has been theorized and illustrated with animal studies that electrical pollution affects so many people in so many different ways because the most prevalent detrimental body currents (radio frequencies) directly impair the immune system. It is believed that these radio frequencies use the bone marrow as their main conducting circuit within the body.

    Oder auf der Site sar-wert.info

    Die elektromagnetischen Schwingungen des Mobilfunks liegen im genau gleichen Frequenzbereich wie die natürlichen Zellschwingungen. Die Folge ist, das die Schwingungen von Außen die Körperzellen stressen. Ständig ablenkende Signale.

    Die Zellveränderung ist messbar. Es kommt zu Ladungsverschiebungen an der Zellmembran, zu Störungen im Ionenaustausch, zu Fehlreaktionen an den Neuronen und Nervenzellen.

    In Folge dieses Stresses kommt es zu Fehlfunktionen. Diese können sich Auswirken als:

    Probleme in der Zellreifung
    veränderte Fließeigenschaften des Blutes (Kreislaufprobleme)
    gestörter Säure-Basenhaushalt (Verdauungsprobleme)
    Erhöhung der freien Radikale (geschwächtes Immunsystem)
    Energiemangel in den Zellen
    veränderter Hormonhaushalt (gestörter Schlafrhythmus und Krebsabwehr)
    leichteres Eindringen von Umweltgiften in den Gehirnkreislauf
    Veränderung in der Erbsubstanz (Tumorrisiko)

    Ich behaupte: Solcher Websiten können die Haltung von Menschen zur „Handystrahlung“ beeinflussen und letztich sogar in Gesetzen, die Grenzwerte festlegen, ihren Niederschlag finden.

    • Bei diesen Webseiten stellt sich mir das Problem, dass der Inhalt bereits auf Schulniveau falsch ist. Wenn ich allerdings weiter nachdenke, stelle ich fest, dass jemand mit weniger naturwissenschaftlichen Kenntnissen als ich die Fehler vielleicht nicht so einfach erkennt. Da bleibt als Hilfe dagegen wohl nur, Ahnung zu haben im Sinne von Grundkenntnissen wie eine Zelle, Elektromagnetismus etc. funktioniert. Dann blickt man sofort durch den Quatsch durch.

      Mmh, ein gutes Argument fuer eine Grundbildung…

  7. Dieses Wochenende habe ich im Familienkreis exemplarisch erfahren wie Einstellungen zu Themen wie Genfood, Mobilfunkstrahlung oder auch zu den Gefahren der Radioaktivität weitergegeben werden: Über Stories nämlich. Ein Familienmitglied erzählte vom wachsenden Widerstand gegen Gentechnik in bestimmten Gebieten der USA (ja auch die US-Amerikaner werden nun genskeptisch und damit so vernünftig wie die Europäer) und machte sie an Erfahrungen fest mit beispielsweise Schmetterlingen, die auf Genfood-Feldern jämmerlich dahinstürben, wenn sie auch noch so wenig vom genmodifizierten Mais abbekämen. Weiter begründet wurde das Schmetterlingssterben in Genfood-Feldern nicht, sondern es wurde als sichtbares Zeichen, als Menetekel, das uns aufs Unheil hinweist, vorgetragen.

    Tendenziell gibt es diese Art etwas als gefährlich zu brandmarken sogar in TV-Nachrichten. So wurde in den Schweizer Abendnachrichten (vor ein paar Jahren) über den Austritt von Strontium-90 aus dem Fukushima-Reaktor berichtet. Und schon im nachfolgenden Satz wurde Strontium als Konchengift und Auslöser von Knochenkrebs bezeichnet und damit eine Stimmung geschaffen, bei der es nicht mehr um Grenzwerte und relative Risiken geht sondern um eine grundsätzliche Gefährdung des Lebens wobei hier Strontium das Menetekel verkörperte.

    Unsere Gesellschaft ist eben immer noch eine Gesellschaft von Geschichtenerzählern. Die Geschichten verbreiten nicht nur Nachrichten sondern auch Stimmungen und der Wahrheitsgehalt oder die Relativität der Fakten in diesen Geschichten spielt nur eine untergeordnete Rollen.

    • Genmais als Schmetterlingskiller ist nicht nur eine gute Story für den Hausgebrauch, es gibt auch in seriösen Wissenschafsquellen Hinweise auf Studien dazu, die Genmais für schädliche Auswirkungen bei Insekten verantwortlich machen, so in Gen-Mais doch schädlich für Schmetterlinge?. Solche eine Meldung eines wissenschaftsnahen Portals kann durchaus die Quelle sein für die Stories die dann am Familientisch erzählt werden wobei am Familientisch das Fragezeichen, welches im Titel Gen-Mais doch schädlich für Schmetterlinge? noch vorkommt unter den Tisch fällt.

      Wenn man noch den Spiegel-Bericht Tod der Schmetterlinge von 2001 dazunimmt, erkennt man gut, dass auch 2015 noch Nachrichten aus dem Jahr 2001 rezykliert und neu aufgetischt werden können. Dort liest man

      Die Gentech-Skepsis schwappt über den Atlantik: Auch die Amerikaner wollen kein Genfood mehr essen. Der Boykott hat die US-Lebensmittelbranche in eine Krise gestürzt.

      Seit neuestem können Kartoffelpflanzen leuchten, wenn sie durstig sind.

      Die nordamerikanischen Bürger dagegen sind nicht nur Schlimmeres als schlechtes Essen gewohnt (Wirbelstürme, Überschwemmungen, Schneekatastrophen); sie sind auch leichter für neue Techniken zu begeistern. Entsprechend länger dauerte es, bis auch in den USA eine mächtige Verbraucher-Revolte losbrach.

      Übrigens wurde am Mittagstisch auch das mit den genmanipulierten leuchtenden Pflanzen koloportiert, so als hätte der Erzähler den Spiegelbericht von 2001 noch einmal gelesen – was ich mir aber nicht vorstellen kann.
      Jedenfalls können Nachrichten und Geschichten ein langes Leben haben. Inzwischen haben die meisten Schrifsteller den Glauben daran verloren, ihre Bücher könnten die Welt verändern. Doch Stories können die Welt wirklich verändern, denn im „Volk“ zirkulieren nicht Inhalte von Büchern sonden Stories.

  8. Deutschland ist Vorreiter eines Anti-Tech Fundamentalismus, der immer weiter um sich greift und möglicherweise zu einer Anti-Tech Bewegung und einem Ludditen-Terrorismus auswächst.
    Deutschland ist ein Vorreiter weil es hier bereits PolitikerInnnen gibt, die beispielsweise für Homöopathie eintreten oder die eine Endlösung für die Grüne Gentechnologie – nämlich ihre Verbannung auf unbestimmte Zeit – anstreben womit diese Technologie das gleiche Schicksal ereilen würde wie die Atomtechnologie. Werden aber immer mehr Technologien verhindert, werden immer mehr Forschungsfeldern mit politisch unkorrekten Forschungszielen die Gelder entzogen, so verabschiedet sich Deutschland von seiner Zukunft und wird zunehmend unfähig auf Probleme technisch adäquat zu reagieren.

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