Wieso eigentlich nicht!?!?

Als Hobbyastronom hat man immer eine Liste mit Objekten, die man besonders gerne beobachtet. Oftmals befinden sich auf diesen Listen Objekte des Messier-Katalogs. Dieser Katalog fasst viele helle und imposante Beobachtungsobjekte zusammen, aber eben nicht alle sehenswerten Objekte. Charles Messier erstellte diesen Katalog zwischen den Jahren 1764 und 1782 und fasste 103 Objekte zusammen. Später kamen noch die Objekte M104 bis M110 hinzu, die Charles Messier aus unbekannten Gründen nicht selbst hinzugefügt hatte, obwohl er sie nachweislich beobachtet und auch beschrieben hatte.

Ziel dieses Katalogs war aber nicht die Präsentation besonders gut beobachtbarer Objekte, sondern eher eine Auflistung von Objekten, die keine Kometen sind.  Im 18. Jahrhundert waren Nebel, Sternhaufen und Galaxien noch nicht von so zentraler Bedeutung in der Astronomie, wie heute. Das liegt zum Teil auch daran, dass die Auflösung der Teleskope noch nicht ausreichte, um diese Objekte zu unterscheiden und genauer zu untersuchen. Aus dieser Zeit stammen Beschreibungen von Kugelsternhaufen, die man noch als neblige Objekte interpretiert hat und Beschreibungen von Nebeln, in denen man plötzlich Sterne erkannte, obwohl keine da waren.

Was man aber wesentlich besser beobachten und messen konnte, sind Bewegungen wie die von Planeten, Kometen oder auch Asteroiden. Auf diesen Himmelskörpern lag folglich die meiste Aufmerksamkeit.

Etwas mehr als 100 Jahren nach Charles Messier veröffentlichte Johan Ludvig Emil Dreyer 1888 den New General Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars (NGC-Katalog) nach vielen Beobachtungen von Wilhelm Herschel. Dieser Katalog fasst unter anderem auch die meisten Objekte des Messier Katalogs sowie nur sehr schwer zu beobachtbare Objekte zusammen.

Aus den insgesamt 7840 aufgelisteten Objekten des NGC-Katalogs ein Beobachtungsobjekt auszusuchen grenzt schon fast an harter Arbeit, aber es lohnt sich.

So stieß ich am 14 Februar auf eine Galaxie, die oftmals gar nicht beachtet wird. UInd das obwohl sie recht hell erscheint, in der Winterzeit sehr hoch am Himmel steht und wie ich finde, auch nicht sonderlich schwer aufzusuchen ist. Es handelt sich hierbei um NGC2403, eine Balkenspiralgalaxie die wir fast direkt von ihrer Rotationsachse aus betrachten. Dadurch sind die Spiralarme besonders gut zu erkennen. Mit der bereits erwähnten hohen Helligkeit von ca. 8,2 Magnituden zählt sie sogar zu den hellsten Galaxien des Nordhimmels und ist bereits mit einem Fernglas zu erkennen.

Um NGC2403 zu finden, muss man beachten, dass in der direkten Umgebung der Galaxie kein hellerer Stern steht, der das Aufsuchen erleichtert. Man muss sich also eines kleinen Tricks namens Starhopping behelfen. Ich orientierte mich hierbei zunächst am Großen Wagen. Erweitert man dieses Sternbild auf den international anerkannten Großen Bären, so  findet man auf Sternkarten die beiden Sterne τUMa und π2UMa. Verbindet man die beiden Sterne mit einer gedachten Linie, so muss man das Teleskop von π2UMa nur noch eine Strecke von 1,5-mal der Verbindungslinie in Richtung kleinerer Rektaszension  verdrehen. Dann sollte sich bei einer Vergrößerung von 25x die gesuchte Galaxie im Gesichtsfeld befinden.

Folgende Aufnahme von NGC2403 hat eine Gesamtbelichtungszeit von 17 Minuten und 8 Sekunden bei einem Isowert von 1600 mit einer Canon Eos 7d Mark ii.

Credit: Kevin Gräff NGC 2403 – eine viel zu wenig gewürdigte Galaxie

Die Rohbilder (Lightframes, Darkframes, Flatfields und Biasframes) wurden mit Deep Sky Stacker addiert und mittels Fitswork wurde das Histogramm gestretcht. Die Feinabstimmung geschah mit Lightroom.

Beim Histogramm Stretching fällt auf, dass es recht schwierig ist, die Galaxie – besonders deren Randbereiche – gut vom Himmelshintergrund abzulösen. Das liegt an der Aufhellung des Himmels durch den aufgehenden Mond. Wenn man diese Störung berücksichtigt, so wird das Potential dieser Galaxie deutlich!  Es verwundert mich also umso mehr, wieso diese Galaxie so verkannt wird. Vielleicht liegt es auch einfach an dem unhandlichen Namen NGC2403, der nicht so einprägsam ist wie zum Beispiel Bodes Nebel oder der Orionnebel.

Also stellt sich die Frage:  „Wieso eigentlich nicht!?!?“

Der heutige internationale Tag der Astronomie kann auch zum Anlass genommen werden, den etwas unbekannteren Objekten mehr Aufmerksamkeit zu schenken, die oftmals nicht minder als Glanzlichter bezeichnet werden können.

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Ich bin 1992 geboren und besuchte bis zum Abitur das "Gymnasium Gernsheim". Dort war ich in den Leistungskursen Mathe und Physik. Zur Zeit studiere ich Physik an der Technischen Universität in Darmstadt. Ich interessiere mich schon sehr lange für allerlei Wissenschaften, was wohl auch die Studienfachwahl begründen dürfte. Seit Ende 2006 beschäftige ich mich aktiv mit der Astronomie, worauf bald die Mitgliedschaft bei der Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Weltraumtechnik Darmstadt folgte. Kevin Gräff

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