Von Eulen, Galaxien und Sternhaufen

Am Dienstag war das Wetter unerwartet gut, weshalb ich mich dazu bewegt fühlte, auch mal wieder einen etwas weiteren Weg in Kauf zu nehmen, um einen dunklen Beobachtungsort fernab größerer Städte aufzusuchen. Diesmal ging es nach Frankenhausen im Odenwald.

Ein leichter Wind sorgte für relativ trockene Luft und man konnte regelrecht zusehen, wie der leichte Dunst der Dämmerung verschwand, sobald es dunkler wurde. Ich bereitete mich also besonders gut auf das Fotografieren vor, d.h. ich nordete die Montierung mittels der Scheinermethode besonders gewissenhaft ein und führte noch gleich eine sehr genaue Korrektur des periodischen Schneckenfehlers mit der Nachführungssteuerung durch.

 

Nun hieß es Warten auf die Dunkelheit.

Während dessen richtete ich das Teleskop auf Jupiter, der schon fast blendend hell am Himmel stand.

Mit der DMK 21AU618.AS konnte ich folgendes IR-RGB-Bild erstellen:

 

Jupiter am 11.3.2015

Der Große rote Fleck ist recht deutlich am rechten Rand von Jupiter sichtbar und schon im Begriff sich durch Jupiters Rotation von uns für heute zu verabschieden.

 

Etwas später konnten wir dann noch eine gegenseitige Mondbedeckung der Jupitermonde Europa und Io beobachten. Europa schob sich dabei für wenige Minuten direkt vor Io. Auch hiervon konnte ich Aufnahmen machen, die ich demnächst als Gif-Animation hier veröffentlichen möchte.

 

Nun konnte es richtig losgehen. Da mein erstes Deep-Sky- Ziel, der Orionnebel leider direkt hinter einem Windrad stand, musste ich ausweichen. Mein Ausweichziel waren die Objekte M108 und M97 im Großen Wagen – Eine Spiralgalaxie in annähernder Kantenstellung und den Eulennebel, ein planetarischer Nebel im Vordergrund, der noch zu unserer Galaxie gehört.

Beide Objekte stehen nicht weit entfernt vom Stern β-UMa, dem vorderen Stern des „Pfannenbodens“ des großen Wagens.

Bei niedriger Vergrößerung erscheinen Beide Objekte im selben Gesichtsfeld, als ob sie nahe beieinander stünden, in Wirklichkeit aber ist M108 aber 46 Millionen Lichtjahre von uns entfernt, während der Eulennebel M97 nur zwischen 400 und 12000 Lichtjahren von uns entfernt ist.

M108 erscheint im 8-Zoll-Teleskop als lang gestreckte Ellipse und zeigt ein wenig ungeordnete Struktur, vor allem, weil wir fast genau auf die Kante schauen. Sie ist für ihre Helligkeit von nur 9.9 Magnituden relativ auffällig und die beinahe Kantenstellung sorgt für eine große Flächenhelligkeit.

Der Eulennebel, welcher ebenfalls eine Helligkeit von 9.9 Magnituden besitzt, erschien mir aufgrund seiner geringeren Flächenhelligkeit etwas dunkler, aber immer noch prägnant.

Hier waren aber mehr Details sichtbar: Man konnte deutlich eine horizontale Verdunklung quer durch den planetarischen Nebel erkennen. Auf Bildern wird deutlich, dass diese Verdunklung in Wirklichkeit zwei Bereiche geringerer Strahlungsdichte sind. Sie sind auf eine bipolare Aushöhlung der inneren Gashülle zurückzuführen.

Mit einem Alter von ca. 6000 Jahren handelt es sich hierbei um einen relativ jungen planetarischen Nebel. Sein Durchmesser beträgt zwischen 2 und 4 Lichtjahren, je nach verwendeter Entfernungsangabe.

Der Zentralstern war bei meiner kurzen Beobachtung nicht zu sehen, er hat aber auch nur eine Helligkeit von ca. 16 Magnituden.

Nun war es an der Zeit, die Kamera ans Teleskop anzuschließen: Verwendet wurde wie immer eine serienmäßige Canon Eos 350d.

Durch das genaue Einnorden waren teilweise sogar Aufnahmen von 3 Minuten möglich, was mich sehr überraschte. Normalerweise gehe ich nicht über 90 Sekunden Belichtungszeit, da die Sterne sonst ohne Autoguiding schnell zu kurzen Strichspuren verschmieren und ich die Aufnahme wegschmeißen kann. Doch diesmal war eine Aufnahme zufällig fast 3 Minuten lang und sah dabei noch sehr gut aus, weshalb ich mich an eine längere Belichtungszeit getraut habe.

Insgesamt konnte ich letztendlich ca. 21 Minuten lang Photonen sammeln und in diesem Bild mit Deep Sky Stacker und Median Sigma Kappa Clipping als Stackingmethode vereinen:

 

Eulennebel M97 und M108 vom 11.3.2015 Belichtungszeit: 21 min 15 s

Eulennebel M97 und M108 vom 11.3.2015
Belichtungszeit: 21 min 15 s

 

Recht deutlich ist das Eulengesicht des Eulennebels sichtbar, in dessen Zentrum der Zentralstern genau zwischen den „Augen“ steht.

In M108 erkennt man deutliche Staubstrukturen, die den Blick auf weitere Sterne innerhalb dieser Galaxie verhindern.

 

Als nächstes war eigentlich eine Galaxiengruppe, das sogenannte „Leo-Tripplett“ geplant, welches schon recht hoch am Himmel stand. Doch einem Vereinskollegen fiel auf, dass die Sicht nach Süden bis fast zum Horizont hin sehr gut war. Ich entschloss mich kurzer Hand dazu doch einige Objekte zu beobachten, die sehr tief im Süden stehen und die ich von Zuhause aus aufgrund von Häusern nicht beobachten kann.

Unter diesen Objekten befand sich der offene Sternhaufen M46. Überlagert zu diesem Sternhaufen befindet sich noch der planetarische Nebel NGC 2438 im Vordergrund. Beide Objekte sind also nicht direkt physikalisch gekoppelt, denn der Sternhaufen ist ca. 5400 Lichtjahre und der planetarische Nebel nur 3000 Lichtjahre von uns entfernt ist.

 

Insgesamt belichtete ich für das folgende Bild ca. 8 Minuten lang, bis der Akku meiner Kamera den Geist aufgab.

M46 vom 11.3.2015 Belichtungszeit 8 min 9 s

M46 vom 11.3.2015
Belichtungszeit 8 min 9 s

 

Zu guter letzt beobachteten wir noch einige Galaxien im Virgohaufen.

Es war uns möglich, die Galaxien M84, M86 und eine weitere zu erkennen. Als wir das Bildfeld genauer betrachteten, fielen uns mehr und mehr Galaxien auf, insgesamt konnten wir am Ende acht Galaxien identifizieren, wir konnten also einen Großteil von Markarians Kette erkennen.

 

 

Und nun noch ein Hinweis: Am Freitag dem 20 März gibt es eine sehr prägnante Sonnenfinsternis und noch dazu sehen die Wetterprognosen gar nicht mal so schlecht aus. Beginn ist ca. 9:30 Uhr morgens und das Ende ist gegen 11:50. Das Maximum der Verfinsterung ist gegen 10:40 mit einer Verfinsterung der Sonne von ca. 74% im Raum um Frankfurt herum.

Wie immer noch der obligatorische Hinweis: Nicht ungeschützt direkt in die Sonne schauen!

Kevin Gräff

Veröffentlicht von

Ich bin 1992 geboren und besuchte bis zum Abitur das "Gymnasium Gernsheim". Dort war ich in den Leistungskursen Mathe und Physik. Zur Zeit studiere ich Physik an der Technischen Universität in Darmstadt. Ich interessiere mich schon sehr lange für allerlei Wissenschaften, was wohl auch die Studienfachwahl begründen dürfte. Seit Ende 2006 beschäftige ich mich aktiv mit der Astronomie, worauf bald die Mitgliedschaft bei der Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Weltraumtechnik Darmstadt folgte. Kevin Gräff

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für den lehrreichen Text und die Bilder! Es ist immer wieder erfreulich, wenn man durch einen Artikel auch mal etwas erfährt was man vorher noch nicht wusste. Das liegt vermutlich in erster Linie daran, dass ich mich bislang nicht mit der Deep-Sky-Fotografie beschäftigt habe.

    Am Freitag möchte ich ein paar Bilder von der Sonnenfinsternis machen. Leider soll die Bedeckung bei uns in Süddeutschland nur 67% erreichen. Die Wetterprognose ist allerdings recht gut. Da ich noch nie durch eine Sonnenschutzfolie fotografiert habe bin ich mir wegen der Belichtungszeit etc. etwas im Unklaren. Was gibt es dabei zu beachten?

    • Michael Khan

      Bei einer partiellen Sonnenfinsternis vereinfacht sich die Situation deswegen, weil Sie ja nie die um viele Größenordnungen dunklere Korona zu gesicht bekommen. Was Sie fotografieren werden, ist ein Ausschnitt der Sonnenoberfläche. Deren Flächenhelligkeit bleibt gleich (außer bei sehr tief stehender Sonne, was aber am 20.3. kein Thema ist).

      Das heißt, Sie können Testbilder im vorab machen und damit beurteilen, welche Kombination aus ISO-Wert, Blende und Belichtungszeit die besten Ergebnisse liefert. (Blende natürlich nur, wenn Sie ein Fotoobjektiv verwenden, nicht bei einem Teleskop). Diese Einstellung können Sie dann auch am 20.3. durchgängig beibehalten. Ich würde auch den manuellen Einstellmodus für die Belichtungszeit wählen, und (wenn es ein Kameraobjektiv ist) den Autofokus abschalten, und manuell mithilfe des Liveview-Bilds scharf stellen.

  2. Hallo Mona!
    Freut mich, dass der Artikel gefällt 😉

    Zur Sonnenschutzfolie:
    Ich verwende ja zumeist eine Eos 350d, die ist, wie andere digitale Spiegelreflexkameras in der Lage, die Helligkeit des Bildes zu messen und dementsprechend die Einstellungen wie Belichtungszeit, Isowert und Blende einzustellen (im Automatikmodus).
    Wenn man das manuell macht, würde ich sagen, dass man die Isozahl bei der Sonnenfotografie so niedrig wie möglich einstellen kann. Dadurch wird Rauschen vermieden. Freihandel mit einem Teleobjektiv mit 200 mm kann man dann bei recht kleiner Blende (so um die 20 rum) noch bis zu einer Tausendstel Sekunde belichten.
    Aber am Besten ist natürlich einfach ausprobieren.
    Die Sonnenfolie hat meistens noch einen ND-Wert, der angibt, um wie viele Blendendtufen der Filter das Bild abdunkelt. Da kann man auch schon mal grob abschätzen.

    Am Besten einfach die nächsten Tage schon mal ein Testfoto machen.

    CS
    Kevin Gräff

  3. @Michael Khan und Kevin Gräff:
    Vielen Dank für die Infos! Schau’n wir mal was sich davon am Freitag umsetzen lässt. Testbilder konnte ich auf die Schnelle keine mehr machen, weil sich das Wetter im Laufe des Tages stark verschlechterte und der Himmel nun fast vollständig bedeckt ist. Gestern in der Nacht war es noch weitgehend klar und man konnte anscheinend sogar einen Meteor beobachten. Tja, wenn ich das gewusst hätte. 🙂
    http://www.pnp.de/nachrichten/bayern/1619578_Offenbar-Meteor-ueber-Bayerns-Abendhimmel-verglueht-Video.html

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