Der Gotteshelm von Michael Persinger

Immer noch geistert die Erzählung vom Gotteshelm (manchmal auch Religionshelm genannt), mit dem der kanadische Neurologe Michael Persinger "per Knopfdruck" religiöse Erfahrungen erzeugt habe, durch Teile der Öffentlichkeit und einige Medien. Was hat es mit dem Gerät auf sich?

Der sog. Gotteshelm von Michael Persinger.

Die Geschichte ist aber auch zu schön: Ein Wissenschaftler habe in den 80er Jahren ein Gerät entwickelt, das mittels Magnetspulen bestimmte Gehirnregionen des Menschen anreizt – und damit, tata, religiöse Erfahrungen hervor ruft. Man nehme noch die Aussagen von Persinger hinzu, wonach dieses Experiment "belege", dass Religiosität "nur" durch "Mikroanfälle von Schläfenlappenepilepsie" hervor gerufen werde – und fertig ist der Schenkelklopfer für die religionsskeptische und wissenschaftsgläubige (vermeintlich aufgeklärte) Masse.

Nun ist gegen Popularisierung von Wissenschaft in Medien (und Blogs) nicht das Geringste einzuwenden. So ist es sicher auch Persinger zu verdanken, dass die so genannte "Neurotheologie" schnell populär wurde. Wenn aber Ergebnisse als vermeintlich wissenschaftlich vermarktet werden, dann sollte im Laufe der Jahre aber auch ein Minimum an kritischer Diskussion berichtet werden. Um nur einige wenige Einwände zu nennen:

1. Persinger betrieb die ersten Studien mit Studenten, die wussten, worum es geht und von ihm benotet wurden. Kein ideales Experimentdesign.

2. Er sperrte sich lange gegen unabhängige Kontrollstudien. Wo sich unabhängige Beobachter doch unter den Helm setzen durften, fielen die Ergebnisse sehr kontrovers aus. Beispielsweise berichtete die Religionskritikerin Susan Blackmore von "Ärger, Wut und Angst", Schwäche und Desorientierung – und riet dringend von der Helmnutzung ab.

3. Als ein Team um Pehr Granqvist an der Universität Uppsala schließlich das Konzept des Gotteshelmes in einer Doppelblindstudie überprüfte (und diese Studie in den Neuroscience Letters veröffentlichte) – stellte sich heraus, dass auch Probanden, deren Helm gar nicht "aktiviert" worden war, religiöse Erfahrungen berichteten! Hier lag also ein klassischer Placeboeffekt vor: In einer isolierten Umgebung, mit der gespannten Erwartung, dass "etwas" passieren konnte, passierte oft auch "etwas" – vom Gehirn selbst induziert.

4. Auch die philosophischen Aussagen von Michael Persinger wurden leider nur oberflächlich rezipiert. So mancher erfreute sich daran, dass Persinger das "God Concept" als eine "dumme", ggf. sogar gefährliche Illusion zu entlarven meinte. Nur wenige aber lasen sein Buch "Neuropsychological Bases of God Belief". Denn Persinger schloss aus seinem neurobiologischen Reduktionismus messerscharf, das ebenso das "Self Concept" – also die Vorstellung von Individualität, Willensfreiheit etc. -erledigt sei! Daher sei also nicht nur Gott, sondern auch der "Ich-Begriff" illusionär und schädlich, also aufzugeben, um die Zukunft der "Menschheit als Spezies" zu sichern. Sein Vorschlag für sein "wissenschaftliches" Menschenbild: "Wir müssen uns selbst sehen, jeder von uns, als das, was wir sind: biochemische Systeme, die Verhaltensmuster aufweisen." Kein Wunder, dass so mancher "diesen" Teil nicht lesen oder gar drucken wollte – Gott wollte man gerne widerlegt sehen, aber doch bitte nicht die eigene Würde und Individualität…

Verdienste von Persinger

Wie es sich gehört haben sich Persinger & Anhänger gegen die Kritik von Granqvist et al. gewehrt. Und genau so funktioniert Wissenschaft: Mit Rede und Gegenrede, Befunden und deren Überprüfung, Theorien und deren Kritik. Insofern hat Persinger dazu beigetragen, dass sich das Feld der neuro- und evolutionsbiologischen Forschungen zur Religiosität des Menschen entwickelt hat und viele darauf aufmerksam wurden. Kommende Generationen dürften den "Gotteshelm" als Kuriosität der Wissenschaftsgeschichte bestaunen, der aber auch ein neues Interesse markierte. Nach heutigem Wissensstand haben wir kein einzelnes "Gott-Modul" im Gehirn, sondern entstehen religiöse Deutungen und Erfahrungen im komplexen Wechselspiel verschiedenster Gehirnregionen, orchestriert vom präfrontalen Cortex (Stirnhirn). Epileptische Anfälle "können" also religiös erlebt und gedeutet werden, müssen es aber nicht – und sind keinesfalls die Quelle aller religiösen Erfahrung.

Mir hat es auf jeden Fall Freude gemacht, neben vielen weiteren Arbeiten Persingers Gotteshelm in der Dissertation zum Thema "Neurotheologie" (erw. Neuauflage 2009) und gemeinsam mit dem Biologen Rüdiger Vaas in "Gott, Gene und Gehirn. Warum Glaube nützt. Die Evolution der Religiosität" zu behandeln.

Gewidmet ist dieser Beitrag dem Brainlog Menschen-Bilder von Stephan Schleim, der immer wieder moderne Neurowissenschaft und gute Philosophie zusammen bringt. 

Für Interessierte jetzt noch ein…

Veranstaltungshinweis – Evolutionäre Religionswissenschaft: 26.-28.11.2009, Universität Fribourg (Schweiz)

"Das Prinzip Evolution – Darwin und die Folgen für die Religionen und die Religionstheorie" (5. Religionsforum)

Das Religionsforum Fribourg will historische, theologische, sozial- und kulturwissenschaftliche Refl exionen über ausgewählte Themenkreise, die Religion und Kultur berühren, ins Gespräch bringen und vertiefen – nicht zuletzt als Beitrag zur Konflikt- und Friedensforschung. Indem sich das Religionsforum nicht nur an ein ausschliesslich akademisches Publikum richtet, trägt es zu einer gesellschaftlichen Sensibilisierung und zu einer in weiten Kreisen geführten öffentlichen Diskussion über Religion, Gesellschaft und Kultur bei.

Im Rahmen der Forumstagung freue ich mich auf Vortrag und Diskussion zu: "Gretchenfrage Religiosität. Empirische Befunde zu Reproduktionsvorteilen & Sexueller Selektion religiösen Verhaltens".

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

27 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für die schöne Zusammenfassung.

    Ärger, Wut, Angst, Schwäche, Desorientierung – das klingt doch schon ziemlich religiös… :-p Gnihihi…

    Ernsthaft, ich finde die Granqvist-Ergebnisse eigentlich am interessantesten, nicht nur im Bezug auf Religion. Denn sie zeigen, wie stark die Wahrnehmung äußerer Realität von der Erzeugung innerer Zustände abhängig ist.

    Das bestätigt im Grunde auch die immer wieder gemachte Beobachtung, dass Argumente in den meisten Fällen nutzlos sind, um andere Leute von irgendwas zu überzeugen. Es funktioniert nur dann, wenn der Gegenüber noch keine eigene Meinung und damit keine eigene Version der Wirklichkeit zu diesem Thema hat.

    (Aber das darf jetzt niemand Florian Freistetter erzählen…)

  2. Ich weiß jetzt nicht, ob durch den Gotteshelm genau die gleiche Schläfenlappen-Aktivität, wie bei der Meditation hervorgerufen wird. Aber das negative Erlebnis der Religionskritikerin Susan Blackmore lässt mich das fast vermuten. Die „Stimulation“ mit Meditation kann nämlich auch Stimmungen verstärken, d.h. wenn sich jemand nicht wohlfühlt und es nicht gelingt sich zu entspannen, kann Meditation durchaus auch sehr unangenehme Wahrnehmungen „kreieren“. Darum ist es bei der Meditation wichtig, die körperlichen und geistigen Spannungen loszulassen und sich in einen Zustand der „Leere“ zu versetzen. Man muss also aufhören über etwas nachzugrübeln und seine Gedanken betrachten ohne sie zu bewerten. Sehr schön beschrieben von Dr. Ulrich Ott in dem Video „Erforschung der Meditation“ von Prof. Wolf Singer:
    http://www.wissen.toppx.de/…-gewitter-im-gehirn/

    Über die philosophischen Aussagen von Michael Persinger kann man sich nur wundern. Natürlich wird über die Frage, ob wir einen freien Willen haben oder nicht, immer wieder einmal spekuliert. „…Persinger schloss messerscharf, das ebenso das „Self Concept“ – also die Vorstellung von Individualität, Willensfreiheit etc. – ebenso erledigt sei. Daher sei der „Ich-Begriff“ ebenso illusionär und schädlich, also aufzugeben…“. Nun, m.E. gibt es sowieso kein statisches „Ich“. Im Buddhismus wird dieses „Ich“ darum ja auch als Illusion angesehen, weil man davon ausgeht, dass das was wir als „Ich“ bezeichnen nicht in Stein gemeißelt ist, sondern sich im Laufe des Lebens, durch Umwelteinflüsse und neue Erfahrungen etc., ständig verändert. Den „Ich-Begriff“ müssen wir aber beibehalten, sonst könnte ich nicht mehr mitteilen, dass meine Person hier am schreiben ist. (-:

  3. @ Fischer

    Lieber Lars,

    danke für Deinen netten Kommentar!

    Ärger, Wut, Angst, Schwäche, Desorientierung – das klingt doch schon ziemlich religiös… :-p Gnihihi…

    Oh, da muss ich Dich leider enttäuschen! Wie Du ja inzwischen weißt, sind religiöse Menschen nicht nur durchschnittlich langlebiger und fruchtbarer als ihre säkularen Zeitgenossen – sondern auch noch durchschnittlich glücklicher!
    http://www.chronologs.de/…auben-und-gemeinschaft

    Ätsch! 😉

    Ernsthaft, ich finde die Granqvist-Ergebnisse eigentlich am interessantesten, nicht nur im Bezug auf Religion. Denn sie zeigen, wie stark die Wahrnehmung äußerer Realität von der Erzeugung innerer Zustände abhängig ist.

    Exakt. Mein Lieblings-Experiment dazu war ja von Azari: Lass Glaubende und Nichtglaubende die gleiche Tätigkeit ausführen – einen Psam lesen – und es kommen auch ganz unterschiedliche Gehirnbereiche zum Einsatz. Unsere Gehirne sind keine mechanischen Computer, die jeden Morgen neu hochgebootet werden, sondern sich ständig verändernde Netzwerke. Keine Religiosität ohne Biographie, sozusagen.

    Das bestätigt im Grunde auch die immer wieder gemachte Beobachtung, dass Argumente in den meisten Fällen nutzlos sind, um andere Leute von irgendwas zu überzeugen. Es funktioniert nur dann, wenn der Gegenüber noch keine eigene Meinung und damit keine eigene Version der Wirklichkeit zu diesem Thema hat.

    Genau. Der bzw. die Glaubende glaubt nicht an irgendeine abstrakte Hypothese, er oder sie macht (z.B. im Ritual oder im deutenden Betrachten des Geschehens) bestimmte Erfahrungen und teilt mit anderen Glaubenden bestimmte Erzählungen. So sind wir Menschen nun einmal (evolviert). 🙂

  4. @ Mona

    Die „Stimulation“ mit Meditation kann nämlich auch Stimmungen verstärken, d.h. wenn sich jemand nicht wohlfühlt und es nicht gelingt sich zu entspannen, kann Meditation durchaus auch sehr unangenehme Wahrnehmungen „kreieren“. Darum ist es bei der Meditation wichtig, die körperlichen und geistigen Spannungen loszulassen und sich in einen Zustand der „Leere“ zu versetzen.

    Zustimmung. Und das unterscheidet auch eine Meditation von einem Gebet – letzteres ist ein sozial erlebtes Geschehen, richtet sich „zu“ einem übernatürlichen Akteur.

    Was die Philosophie von Persinger angeht, so wundere ich mich immer wieder über vermeintlich rational argumentierende Leute, die meinen, mit der Hirnforschung die Existenz Gottes wegbeweisen zu können – aber dann doch irgendwie an der Existenz z.B. des Ich-Bewusstseins, der Menschenrechte u.ä. festhalten wollen. Da ist Persinger insofern konsequenter, als dass er einfach alles über Bord wirft, was er meint auf Gehirntätigkeit zurückführen zu können. Ich teile seine Argumentation nicht, aber sie ist immerhin konsequent.

  5. @Mona: ICH

    Bisher geht man davon aus, dass sich eine eigene Identität beim Kleinkind etwa im Alter von 1,5 Jahren entwickelt. Dies hängt zum einen mit der Reife durch Sprachentwicklung zusammen und auch mit einer anderen Eigen-/Selbstwahrnehmung: Das bekannte Experiment mit dem heimlich auf der Stirn angebrachten Farbpunkt. Setzt man das Kind vor einen Spiegel, dann reibt es ihn von der eigenen Stirn – und nicht vom Spiegelbild. > d.h. es erkennt sich selbst.
    Dieses Selbstbild ist es, was man üblicherweise als ´Ich´ bezeichnet – oder ´Repräsentationen der Innen- und Außenwelt im Gehirn´; wie es in der Fachsprache heißt.

    Dem steht aber entgegen, dass man sich im Rahmen der sogenannten ´Nahtod-Erfahrungen´ auch an Erlebnisse vor dieser Zeit erinnert (ab dem 6. Schwangerschaftsmonat) >> dies bedeutet, dass das Gehirn seine persönlichen Erinnerungen (den Lebenslauf) schon zu dem Zeitpunkt beginnend betrachtet, ab dem das episodische Gedächtnis eigene Erfahrungen abspeichert.

    => D.h. wenn das Gehirn selbst seine Erfahrungen und damit seine Identität ab dem 6. Schwangerschaftsmonat betrachtet, dann ist der bisherige ´Ich´-Begriff neu zu überdenken.

  6. @KRichard

    Es dürfte schwerfallen Erinnerungen an vorgeburtliche Erlebnisse, im Rahmen sog. Nahtod-Erfahrungen, nachzuweisen. Auch ist ja immer noch nicht geklärt, ob es sich hier um echte Wahrnehmungen oder bloß um Halluzinationen handelt. Hinzu kommt, dass Föten offensichtlich erst mit 30 Wochen ein Kurzzeitgedächtnis entwickelt haben.
    http://www.wissenschaft.de/…aft/news/305302.html

  7. @Mona: vorgeburtliche Erlebnisse

    Schauen Sie mal unter http://www.brainlogs.de > braincast > ´Neuro-Enhancement1-Video´(18.7.09) und bei ´Bewusstsein = Arbeitsgedächtnis?´(18.4.2009) nach.
    Dort habe ich Überlegungen vorgestellt, wie die sgenannten Nahtod-Erlebnisse(NTEs) als reine Gehirnaktivität zu interpretieren sind.

    Alle NTEs haben eine einheitliche Struktur (Kernelemente) und wären daher trotz individueller Inhalte einer systematischen Auswertung zugänglich. Leider haben Entwicklungspsychologen und Neurologen diese Systematik bisher ignoriert.
    Dadurch wurde eine riesige Chance vertan, um das Gedächtnis bzw. Bewusstsein aus einer anderen Sichtweise beser zu erforschen.

    Ein Wissenschaftler sollte nicht vermuten oder ignorieren – sondern prüfen. Ist meine Argumentation falsch, so könnte sie leicht wiederlegt werden. (Es war übrigens ein Theologe – Prof. Dr. Hans Küng – der immer davon überzeugt war, dass sich Nahtod-Erfahrungen eines Tages naturwissenschaftlich erklären lassen.)

    Wie Sie an dem obigen Text ´ICH´ gesehen haben, kommt man zu interessanten Schlussfolgerungen, wenn man berücksichtigt, dass ein Fetus ab dem 6. Schwangerschaftsmonat Erinnerungen speichern kann.
    Stimmt meine Argumentation über das Wesen von NTEs, dann müssen die Forschungsergebnisse zum Thema Kurzzeitgedächtnis (in 30. SSW) neu überdacht werden.

  8. Der Helm des Paulus

    Hallo Herr Dr. Blume,

    die ganze Zeit musste man nach heutiger Deutung des historischen Geschehens davon ausgehen, dass die Wende vom Saulus zum Paulus durch eine Art empileptischen Anfall verursacht wurde, den der Gründer des christlichen Glaubens nach einem Sturz vom Pferd kurz vor Damaskus hatte. (Wenn auch nicht so krass, ist es ähnlich bei vielen Theologen, die keine Denkwende bzw. ein neues Paradigma auswerten, sondern einen reisewütigen Wendepharisäer, bisher zu lesen.)

    Doch jetzt muss vermutet werden, er hat vielleicht einen antiken Gotteshelm auf.

    Aber nein, er war ja vorher schon tiefreligiös, verfolgte daher diesen absonderlichen neuen Glauben, der für Gesetzesgläubige und die vom Logos allen natürlichen Lebensfluss schwärmenden Griechen jetzt gleichermaßen galt.

    Was also soll der Helm bringen?

    Im Ernst: Natürlich kann es sein, dass der Gotteshelm ähnlich wie andere geistige Praktiken religöse Gefühle auslöst, zu irgenwelchen Gefühlen führt. Das kann ich nachvollziehen.

    Aber ob das die Natur des Glaubens ist? Führt die Diskussion über den Gotteshelm, auf die mich bereits Ihr Buch aufmerksam machte, nicht auf eine völlig falsche Spur? Verweist auf einen Gott im Kopf, der mögicherweiese eine persönlicher Religiösität hervorruft, die mit der gedanklich nachvollziehbaren natürlich-kosmischen Realität, dem universalen Sinn allen Seins nichts am Hut hat, sondern eher in die umgekehrte Richtung führt?

    Ja, mir ist klar, dass Religionswissenschaft mit der Glaubensgrundlage nichts am Hut hat. Doch verweist nicht der Hut auf eine Grundlage, die dann nur unser Kopf wäre?

    Gerhard Mentzel

    Den Gotteshelm will ich jedoch nicht völlig verneinen.

    Bildlich gesprochen: Möglicherweise hat Paulus doch eine Art Helm ausprobiert, dann nicht nur religiöse Gefühle entwickelt und gesponnen, sondern angefangen ganzheitlich zu denken, neue Fragen zu stellen.

  9. @Mona: Spiegelartikel

    Die sogenannten Nahtod-Erlebnisse (NTEs) wurden von Anfang an vorschnell als subjektive Sterbeerlebnisse eingestuft – obwohl viele Menschen dabei völlig unverletzt und gesund bei vollem Bewusstsein sind. (Eine Bekannte konnte während eines NTE sogar ein schwieriges Fahrmanöver mit dem Auto durchführen; unverletzt und ohne Kratzer.)
    Der Spiegel-Artikel zeigt, dass sich an dieser Denkweise nichts geändert hat. Und, obgleich zig-Tausende NTEs bekannt sind, wurden sie bisher noch nie systematisch und wissenschaftlich nach Inhalt und Struktur untersucht.
    Auf die Idee, dass es sich bei diesen NTEs nicht um Sterbeerlebnisse, sondern um normale Gehirnaktivitäten handelt, kam man bisher nicht!!!

    Der Wahn, übersinnliche (was für ein Wort) oder gar Gotteserfahrungen erforschen zu wollen führte dazu, dass wichtige Grundlagen nicht untersucht werden. Dabei sollte man in seriöser Forschungsarbeit erst einmal die neurobiologischen Grundlagen verstehen – bevor Schlussfolgerungen gezogen werden.

    Der ´Persinger-Gotteshelm´ ist ein abschreckendes Beispiel für solch eine technikverliebte, unqualifizierte Forschung.

    Wie schwer es ist, beim Thema NTEs mit Sachargumenten zu arbeiten, kann man bei brainlogs > braincast > ´Bewusstsein = Arbeitsgedächtnis?´(18.4.2009) nachlesen:
    Den Text ´Dem Sensenmann von der Schippe zu hopsen´ als Kommentar auf Sachargumente zu erhalten ist eine Denkweise, deren Wurzeln noch aus dem 15.Jhdt. stammen. Damals wurden Tod-Gestalten mit Sense, Schippe und Armbrust dargestellt. Oder als hässliche Furie mit Fledermausflügeln, die mit gespanntem Bogen auf feuerspeiendem
    Pferd ritt, am Gürtel eine Sense hängend.
    (Literaturtipp: David Herlihy: Der Schwarze Tod und die Verwandlung Europas, Wagenbach Verlag) (Bogenwaffen symbolisieren Fern-hin-Wirkung für plötzlich, unerwartet eintretende Ereignisse; wie Krankheit, Tod)

    Nahtod-Erfahrungen werden per Definition nur solche Erfahrungen genannt, welche durch ein subjektives Sterbeerlebnis (= Schlüsselreiz)ausgelöst werden: man hört, wie man von medizinischem Personal für Tod erklärt wird oder meint selbst, sterben zu müssen.
    Durch dieses Sterbeerlebnis kann man NTEs von Halluzinationen unterscheiden.

  10. Gotteshelm – Nahtoderfahrung…

    Der Gotteshelm scheint mir eher eine Konstruktion eines religiös Übereifrigen. Wenn einer zum Glauben kommt – normal ist das ein langer Weg, natürlich gibt es mehrere Wege und Religionen, das ist aber im Endergebnis auch jedem seine Sache. Und schließlich: Steter Tropfen höhlt den Stein. Ich habe mich auch schon mal gefragt: worin besteht der Unterschied zwischen Parteiversammlung und Kirche? Kirche findet öfter statt! Meine Quartiermutter in Nürnberg stellte mal in einer unserer Diskussionen fest, dass Religion recht interessant sein kann; in der Kirche hatte sie den Eindruck, dass der Pfarrer mehr oder weniger jeden Sonntag Dasselbe sagt – 1 Jahr später sah sie das allerdings schon positiver.
    Ein Bekannter machte mich auf eine Schrift aufmerksam, deren Inhalt auch hier steht:
    http://www.kreuz.net/article.5187.html – Werbung für Gott? Hier wird zwar Wissenschaft vorgegaukelt – hat aber nichts damit zu tun. Einige meiner Gedanken dazu: http://www.kreuz.net/article.6667.html
    Neben den Berichten in den Medien habe ich auch schon persönliche Berichte zum Nahtod gehört. In [HD] hat ein Bekannter sein Erlebnis mit verarbeitet. Hier spielte ein Engel eine Schlüsselrolle.
    Wohl meist ältere Wissenschaftler lehnen eher die Nahtoderlebnisse ab – und religiöse Gedanken wurden vom Verlag mir gegenüber als unwissenschaftlich bezeichnet.
    In G&G [GK] wurde ein interessantes Streitgespräch zwischen Niels Birbaumer und Michael Schröter-Kunhardt geführt.

    [HD] Heinisch, A.; Deistung, K.: Nahtoderfahrung und Reinkarnation. Magazin 2000plus, Spezial 15/260 2008, S. 62 – 67
    [GK] Gaschler, K.; Könneker, C.: Interview: Licht am Ende des Tunnels. G&G 3/2003, S. 54-57

  11. @Deistung: NTE-Deutung

    Theologen – wie Prof. Küng – lehnen Nahtoderfahrungen (NTEs) nicht ab, da sie real existieren; sondern nur die Deutung als Übersinnlich oder Jenseitserfahrung. Ihre Argumentation ist sehr realistisch und eindeutig: Der Tod ist unumkehrbar; d.h. wer von einer NTE berichten kann, war nie Tot.
    Durch diese Haltung sind Theologen deutlich wissenschaftlicher als manche Mediziner. Z.B. Läuft seit vorletztem Jahr ´The AWARE Study´ (AWAreness during REsusctation) dabei bringt man u.a. verdeckte Bilder an (wie im Spiegel-Artikel von @Mona erwähnt), um übersinnliche Fähigkeiten zu erforschen.

    Ich behaupte ja immer, dass es sich bei NTEs um selbstbeobachte Gehirnaktivitäten handelt, bei denen das episodische Gedächtnis durchsucht wird und neubewertet ins Bewusstsein kommt.
    Auch das Erleben von Geistwesen läßt sich damit erklären.

    Aber zurück zum Thema Gehirn/Religiosität und Reproduktion; dem Spezialgebiet von Dr. Blume.
    Bei Nahtod-Erlebnissen erinnert man sich nicht an die stark emotionalen sexuellen Aktivitäten mit dem/der Partner(in) => d.h. für das Gehirn ist Sex wie Fahrrad fahren; eine körperliche Aktivität, die nicht im episodischen Gedächtnis abgespeichert ist (sondern vermutlich im prozeduralen Gedächtnis).

    Andererseits erinnert man sich bei NTEs aber an religiöse Heiligenfiguren oder Dämonen (wie im Tibetischen Totenbuch nachlesbar). => d.h. religiöse Skulpturen werden vom Gehirn als Bestandteil der eigenen persönlichen Erfahrungen betrachtet.

    Diese beiden NTE-Beobachtungen dürften von Interesse für die Erforschung der sozialen Beziehungen und von Religiosität sein.

  12. @KRichard: NTE-Deutung

    Als sich in den USA der erste Wissenschaftler zum Problem Nahtod äußerte – ging es ihm wie vielen Anderen mit einem neuen Thema: er wurde ausgelacht!
    In der Diskussion wurde von einer notwendigen Systhematisierung gesprochen – in [ZC] fand ich schon eine gute Übersicht. Es gibt auch eine Höllenerfahrung als Zwischenstufe. Völkerkundlich gibt es zwar Unterschiede im Erleben einer NTE – aber große Unterschiede soll es nicht geben. Versuche mit Gegenständen/Dokumenten, die die entweichende Seelen von oben sehen sollen, sind zunächst einleuchtend. Die Ergebnisse waren nicht wie erwartet. Wir denken – es müsste so sein – denken die Seelen auch so?
    Eine Dame beschrieb ihre gewollten Seelenausflüge [IL] – wie weit kann man so etwas nutzen?
    … religiöse Skulpturen… hatte Herr Heinisch in Form eines Engels. Das haben ja Wissenschaftler den Leuten versucht auszureden… Wie weit sie gekommen sind?
    In solchen Fällen fällt mir immer wieder Prof. Linke ein [GK]: „Viele deutsche Wissenschaftler fürchten, ihr Gesicht zu verlieren, wenn sie sich auf religiöse Fragestellungen einlassen.“
    Herr Richard, wenn Sie feststellen: „Ein Wissenschaftler sollte nicht vermuten oder ignorieren – sondern prüfen“, dann gebe ich ihnen Recht – aber die Praxis sieht leider oft anders aus. Dazu habe ich auch schon den Forscher J. Kirshving zitiert [WW]: „Stimmt die Theorie nicht mit den Daten überein, dann ändere die Theorie!“ Die Theorie des Urkontinents und der Plattenverschiebung des heute hochgeehrte Prof. A. Wegener brauchte 50 Jahre bis zur Anerkennung…
    [ZC] Zaleski, C.: Nah-Todeserlebnisse und Jenseitsvisionen. insel taschenbuch, Frankfurt/M 1993
    [IL] Ingrisch, L.: Unsterblichkeit. Protokolle aus dem Jenseits. Langen Müller, München 2003
    [GK] Gaschler, K.; Könneker, C.: Die Kopflastigkeit der Religion. Gehirn & Geist 02/2002, S. 14–17
    [WW] Pro7: Welt der Wunder. Sendung am 27.07.2003

  13. Gehirnströme/Nahtoderfahrungen

    Beides sind sicher Phänomene, die naturwissenschaftlicher Forschung zugänglich bleiben müssen; und sie sollten nicht zu schnell religiös vereinnahmt werden. Nach dem, was ich bisher mitbekam, gibt es da auch keine naturwissenschaftliche Denk- oder Forschungsblockade. Die entsprechenden Phänomene und Erfahrungen werden durchaus systematisch untersucht.
    Bei der Interpretation der Ergebnisse kommen natürlich unterschiedliche Bewertungen, Deutungen heraus: „Nur Biochemie“; oder direkter Hinweis auf einen Zugang zum Jenseits. Ist natürlich gut, wenn die Bewertungen nicht schon die Untersuchungen steuern. Na ja, es gibt ja heuristische Fragestellungen: Mal sehen, ob das, was ich vermute, dann auch herauskommt…

    Zur Religion:
    Es ist sicher falsch, in diesen Erfahrungen das Zentrum der Religion zu sehen. Als ob Gott am besten in außerordentlichen Seelenzuständen besser erfahrbar wäre als etwa im „Gerecht Reden und Gerecht Handeln“. Aber dass längst vor der heutigen systematischen Erforschung verschiedene Religionen solche Erfahrungen (als außerordentliche Besonderheiten) mit in ihre Vorstellungswelt eingebaut haben, ist wohl auch verständlich. Religionen sind ja u.a. auch: Interpretationen des Gesamt-Lebens-Zusammenhangs; und da wird man so ganz besondere Erfahrungen ja nicht gerade ausblenden wollen: Es darf schon auch mal Pastete sein; aber dann muss man wieder Schwarzbrot backen.

    Ich denke mir, dass aus diesen besonderen Erfahrungen in den diversen Religionen wohl das Bildmaterial für die diversen Jenseits-Vorstellungen gewonnen wurde. Aber dass gerade deshalb dieses Bildmaterial nicht in einem Umkehrschluss ein Beweis für die Richtigkeit dieser Vorstellungen sein kann.

  14. Administrator

    Dieser Beitrag – Uhrzeit 11:13 – kann gelöscht werden (doppelt):

    Klaus Deistung @KRichard: NTE-Deutung
    08.09.2009 | 11:13
    Ich hatte einen Fehler vermutet.

    Als sich in den USA der erste Wissenschaftler zum Problem Nahtod ….

    Ist erledigt. Herzliche Grüße, M.B.

  15. Entwicklung der Religiosität

    Dank dem Administrator M.B.
    Aus der NTE-Diskussion ergibt sich, dass wir noch lange nicht da sind, wo wir hin wollen, aber durch „Mehrgleisigkeit“ Wissen anhäufen, das wie bei einer mathematischen Näherung ein oder mehrere Schwerpunkte entstehen lässt.
    In der Einleitung wurde auf Manfred Spitzer über Gottes-Gene – Ein BR-Alpha-Kurzfilm hingewiesen. Danach hat sich die Religiosität in der Gemeinschaft entwickelt. Unser türkischer Reiseleiter – ein Geschichtslehrer – erzählte uns viele Geschichten von Zeus und seinen Mannen. Da fragte ich ihn mal: „Wo kommen all diese Geschichten her?“ – „Das hat sich so überliefert…“
    Die Bibel sagt das aber anders: Erst wurde der Mensch geschaffen – Homo sapiens, 1 Mo 1.26 auf S. 1 der Bibel (immer öfter wird die Zahl vor um 200.000 Jahren genannt) – und Gott sprach mit ihm. Die Menschen erfuhren die Religiosität „von oben“. Und so wird es auch in den historischen Schriften überliefert! Nun frage ich mich: Habe ich hier etwas falsch verstanden?
    Warum sollte Gott extra ein Gen im Laufe der Zeit/Evolution entstehen lassen? Entweder hat er es gleich „eingebaut“ (was ich nicht glaube) – oder er vertraut auf die Wirksamkeit der Gesetze/Gebote und die Effektivität einer religiösen Erziehung durch die Propheten/Priester – und die Gemeinschaft. Aber deren Anleitung kam auch von oben, vgl. Ez 1, 4-28 und Ez 40,4 vor über 2.500 Jahren. Es gab auch genug Engel, Jesus sprach von über 12 Legionen (um 75.000 Engel) – Mt 26,53 – als eine Rettungsmöglichkeit – die er aber nicht nutzen wollte und konnte.
    Natürlich macht sich eine Gen-Diskussion nicht schlecht – aber begründen? Dagegen ist es schon so, dass religiöse Menschen ruhiger, besinnlicher… leben. Dass sie mehr Kinder bekommen ist zwar für eine starke Religionsgemeinschaft gut – aber weltbevölkerungspolitisch eher kontraproduktiv.

  16. @ Blume

    Vielen Dank für die Blumen und die Widmung, lieber Michael.

    War es nicht auch so, dass manche der Versuchspersonen von Aliens berichteten anstatt von religiösen Erlebnissen?

    Was hältst du eigentlich von den Experimenten, die Walter Pahnke in den 1960er Jahren mit Psilocybin durchgeführt hat? Sind davon nicht manche sogar in einer Kirche während des Gottesdiensts gemacht worden? Über eine Neuauflage habe ich bei Telepolis einmal geschrieben. Zumindest scheinen diese Erlebnisse eine Menge Menschen nachhaltig zu beeindrucken.

  17. @ Castellio: religiöse Erfahrungen

    Als überzeugter Agnostiker frage ich mich natürlich immer wieder, wie ich denn an einen Gott (oder viele?) glauben könnte. Mir scheint hier nur die Möglichkeit zu bestehen, selbst so einschlägige religiöse Erfahrungen zu erleben, dass mir etwas Göttliches als wahrscheinlich existent erscheint.

  18. @ Stephan: Danke!

    Lieber Stephan,

    bei Deinem Blog geht es mir immer wieder so, dass ich anders rauskomme, als ich reingelesen habe! Deswegen kam die Widmung von Herzen und ich freue mich schon, Deine Gedanken zum Karfreitags-Neuexperiment (das ich auch sehr interessant finde, gerade auch im Hinblick auf die berichteten Langzeitfolgen!) und zum Naturalismus zu lesen. Zu „religiösen Erfahrungen“ scheint es interessanterweise so zu sein, dass es tiefreligiöse Menschen gibt, die das gar nicht brauchen oder erst im Laufe ihres religiösen Lebens erfahren. Aus der Diss ist mir da ein Erklärungsansatz erwachsen, allerdings konnte und kann ich den nicht vertiefen, da mein Forschungsschwerpunkt ja dann ein anderer wurde. Aber vielleicht irgendwann mal… *träum*

    Zu Aliens: Am 14.10. gibt es hier einen ersten Beitrag über UFO-Glauben, der ggf. sogar eine kleine Serie werden wird. Vielleicht können wir uns ja auch in Zukunft hin und wieder trackbacken.

    Beste Grüße!

  19. @ Schleim

    „Mir scheint hier nur die Möglichkeit zu bestehen, selbst so einschlägige religiöse Erfahrungen zu erleben, dass mir etwas Göttliches als wahrscheinlich existent erscheint.“

    Oh, lieber Herr Schleim. Davon kann ich nur abraten. Denn dann werden Sie wohl noch zum „Seher“ und folgen Swedenborgs und Steiners Spuren…Nö! Hatten wir schon 🙂 „Selig sind, die nicht sehen und doch vertrauen“…Um diesem Unwort „Glauben“ mal den Garaus zu machen!

  20. @Stephan Schleim

    Entschuldigung – da war ja noch eine konkrete Frage an mich adressiert, längst überfällig.
    Wie an Gott/Götter glauben zu können? Damit meinten Sie doch wohl: Aufgrund welcher Gelegenheit(en) zu diesem Glauben *zu kommen *?
    An Ihrer Antwort „scheint hier nur die Möglichkeit zu bestehen, selbst so einschlägige religiöse Erfahrungen zu erleben…“ würde mich am meisten das „selbst …zu erleben“ stören. Das klingt mir ungeheuer individualistisch/neuzeitlich. Die allermeisten Menschen dieser Erde reden, handeln, beten… vor ihrem Gott ohne
    Bezug auf individuelle Erlebnisse. Die Erfahrungen des Gottesglaubens sind doch allermeist sozial vermittelt, sind gruppendynamisch zu interpretierende
    Phänomene. Auch das, was an religiöser Ekstase etwa bei Prozessionen, Gottesdiensten oder Ritualen geschieht.
    Mag allerdings sein, dass es vieles von dem bei den Vielen nicht gäbe, wenn es nicht auch die wenigen Einzelnen gäbe/gegeben hätte, die von ekstatischen
    oder anderen religiösen Seelenzuständen/Offenbarungen zu berichten wussten.
    Doch auch deren individuelle Erfahrungen – wie kommt es, dass etwa Trance, Visionen oder Traumbilder, Bild- oder Stimmen- Halluzinationen… dann als göttlich interpretiert werden? Der Deutungsrahmen, in den es von den Visioären eingeordnet wird, ist ja auch schon sozial, durch eine kulturelle Tradition vermittelt und kann jedenfalls nur so weitergegeben werden.

    Und zum anderen, „dass mir etwas Göttliches als wahrscheinlich existent erscheint“: Da treffen Sie wieder einen Hauptnerv meines Bemühens. Ich halte die
    Fixierung der Gottesfrage auf das „Existent/Nicht-Existent“ für eine typisch abendländische Sackgasse – eingebrockt, durch die mittelalterlichen Gottesbeweise, die heutzutage oft nur noch banalisiert verstanden werden (gibt’s jetzt den Teekessel Russels?) und zugespitzt durch die „Wette“ Blaise Pascal, der ja seine bekannte Sondererfahrung hatte. Die Fortsetzung möchte ich im „Plädoyer für MSS“ schreiben.

  21. @ Huhn

    Offenbar hatten die Leute damals schon Probleme mit der Kausalität -wurscht! Wie auch immer -die Mauern fielen. Was brachte eigentlich die Berliner Mauer zum Einsturz?
    War es das Neue Forum? War es die Abstimmung mit den Füßen? War es das marode System? War es die erwachte Mündigkeit derer, die sich von Betonköpfen nicht mehr regieren lassen wollten? War es alles zusammen? Wurscht! Die Mauer fiel!

  22. Gotteshelm

    Ich habe noch nicht vom Gotteshelm gehört, bis ich auf diesen Blog gestoßen bin, aber ich finde die Story echt gelungen.

    Ich musste einfach nen Blog dazu schreiben. Wenn der Helm wirklich funktioniert, möchte ich gerne mal wissen, was er über mich ausspuckt!

  23. Im Zusammenhang mit der Herkunft der Religionen verweise ich auf den von Ethnologen eingehend beschriebenen Cargo-Cult. Clips dazu findet der Interessent auf Youtube.

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