Bergstürze (Videos)

Videos über diverse Erdrutsche und Bergstürze habe ich hier ja schon ein paar mal eingestellt. Ich bin der Meinung, dass gerade diese bewegten Bilder uns sehr viel über diese doch sehr rasch ablaufende Geologie erzählen können. Und das auch noch vergleichsweise gefahrlos. Denn Erdrutsche sind oftmals in ihren Abmessungen und ihrem zeitlichen Ablauf her nur sehr schwer einzuschätzen.

Lange Minuten der Langeweile können sehr rasch in kurze Momente des Terrors übergehen, wenn einem klar wird, dass eventuell nicht nur ein paar Brocken herunterkommen, sondern die ganze Wand in Bewegung ist. Spätestens dann sollte man sich weiträumig vom Ort des Geschehens entfernt haben.

Die langsame Entwicklung eines Bergsturzes kann man auch gut im ersten Video sehen. Hier passiert erst einmal sehr wenig, außer einigen größeren Steinen ist nur wenig Bewegung zu bemerken. Und doch zeigen gerade diese kleineren Erdrutsche an, dass sich eigentlich der gesamte Hang langsam bewegt. Mir scheint es, dass diese episodischen kleineren Rutsche die Beobachter jedoch eher in falscher Sicherheit wiegen. Erst gegen Minute 2 wird das Ausmaß realisiert.
Die abgehende Felsmasse bleibt anfangs noch weitgehend im Verband und zerfällt anscheinend erst beim Aufprall auf den Highway in ihre Einzelteile. Vermutlich dient hier eine Schichtfläche oder eine andere Trennfuge als Gleitbahn. Oft ist bei diesen so genanten Schlipfstürzen Wasser als Gleitmittel im Spiel, aber es kann auch in die Gleitbahn eingedrungene Luft sein, so dass es auch bei ansonsten trockenen Bedingungen zum Abrutschen kommen kann. Während des Abrutschens können auf der Gleitbahn durch die Reibung enorme Temperaturen entstehen. Bei größeren Rutschungen können die Bergmassen ohne Probleme Geschwindigkeiten von 100 oder sogar 200 km/h erreichen und die Temperaturen an der Gleitfläche können das Gestein dort aufschmelzen. Für den Bergrutsch am Köfels ins Ötztal vor 8700 Jahren in Tirol sind 1700°C belegt, wobei sogar Gneis aufgeschmolzen wurde.

Dieser Bergsturz in dem Video ereignete sich am 18. Februar am Highway 14 nahe Elk City, Idaho. Glücklicherweise wurde niemand verletzt und die Arbeiter, die Gesteinsschutt eines vorherigen Abganges von der Straße beseitigen wollten, konnten sich rechtzeitig zurückziehen.

Gut zu erkennen sind auf dem Video auch die einzelnen Steinbrocken, die sich von der großen Masse lösen und zu Tal gehen, wobei sie beim abwärts rollen beschleunigen und weite strecken auch springend zurücklegen. Sie stellen eine nicht unerhebliche Gefahr für alles unterhalb dar, da sie sich nicht nur sehr schnell abwärts bewegen, sondern durch das springen auch schwer berechenbar sind. Im angloamerikanischen Raum werden sie anscheinend als „nasty dancing rocks“ bezeichnet. Ich finde das durchaus zutreffend.
Auf dem unteren Video von einem Ereignis im Glennwood Canyon, Colorado vom Februar 2016 ist das auch noch einmal sehr gut zu beobachten.

Via @bewitchedmind (oberes Video)
und
landslide blog (unteres Video)

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

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