Auf dem Weg zur Energiewende 2.0

Das größte Sonnenkraftwerk der Erde


Heute geht’s mal weg von der Grundlagenforschung runter in die „Niederungen der Technologie“, aber es ist ja nicht das schlechteste, wenn aus der Wissenschaft gesellschaftlich sinnvolle Anwendungen hervorgehen. Auch dieses Mal bleiben wir im großen Bereich von Klimaschutz und CO2. Die „German Energiewende“ ist hierzulande als Begriff geprägt worden. Deutschland gilt als eine führende Einstiegs-Nation beim Umstieg, und der Begriff ist längst zu einem „ideellen“ Exportschlager geworden, wenn es um erneuerbare Energiequellen geht.

Wie es großtechnisch gehen könnte, machen uns inzwischen andere Staaten wie Marokko vor, beispielsweise mit dem Kraftwerks-Komplex, den sie NOOR, also „Licht“, getauft haben. Am Rande der Wüste in Quarzazate gelegen, einem Ort höchster globaler Sonneneinstrahlung, sollen sie auf der Grundlage einer umfangreichen Strategie und einem Solarplan der marokkanischen Energiebehörde MASEN für einen eigenständigen Weg des arabischen Landes zur klimafreundlichen Energiegewinnung sorgen. Das Projekt wird mit maßgeblicher Kredithilfe der KfW aufgebaut: Deutschland ist mit 829 Mio. € der größte Einzel-Kreditgeber für dieses Kraftwerk der Superlative, das derzeit größte Kraftwerk für Solarenergie, das auf dem Globus entsteht. Es sind vier Einzelanlagen, deren Aufbau insgesamt 2,2 Mrd. Euro kostet und für 25 Jahre von der saudi-arabischen ACWA betrieben wird. Dann wird sie in die Hände des marokkanischen Staates übergeben.

NOOR I (in Betrieb): Solarthermisches Parabolrinnen-Kraftwerk für 160 MW (Investition 682 Mio. €)
NOOR II (in Betrieb): Solarthermisches Parabolrinnen-Kraftwerk für 200 MW (Investition 871 Mio. €)
NOOR III (in Aufbau): Solarturm-Kraftwerk für 150 MW (Investition 676 Mio. €)
NOOR IV (ausgeschrieben): PV-Anlage für 70 MW (Investition 70 Mio. €)

Die solarthermische Technologie von NOOR I bis III kommt aus Spanien, bei NOOR I und II waren daran traditionell starke deutsche Partner dieser Technologie als Unterauftragnehmer mit beteiligt. Beim Solarturm von NOOR III hat zuletzt jedoch ein chinesischer Zulieferer den Zuschlag erhalten. Konkurrenten mutmaßen Dumping – ob die Qualität wettbewerbsfähig ist, wird sich zeigen. Das macht gleichzeitig den Durchbruch der Erneuerbaren in China offensichtlich. Im Land der aufgehenden Sonne entstehen in einem Mega-Projekt an verschiedenen Orten im „Nirgendwo“ zwanzig unterschiedliche Riesen-Kraftwerke – von Wasser über Wind bis zur Sonne. Über Hochspannungs-Gleichstromtrassen wird der Strom von dort in die Ballungszentren geführt.

Auf der anderen Seite entwickeln sich aber weltweit auch die stark dezentralisierten Micro Grids erstaunlich schnell, die dank hochintelligenter Steuerung im Zentrum die Stromproduktion aus volatilen Quellen haben – im Einsatz als Back-Up-Lösungen für Ballungszentren, aber auch in Regionen mit unterentwickelter Infrastruktur oder auf Inselwelten wie Hawaii. Mehr dazu in dieser zweiten Reportage zum Themenpaket.

Mini-Netze und Mega-Kraftwerke


Doch zurück nach Quarzazate: Wenn alle vier Mega-Kraftwerke 2018 in Betrieb sind, wird die Stromproduktion etwa 10 Cent pro Kilowattstunde kosten. Die solarthermischen Kraftwerke allein liegen bei 12 Cent – im Vergleich zu den knapp 30 Cent pro Kilowattstunde in Andalusien vor zehn Jahren dennoch eine beachtliche Kostensenkung. Der Preisverfall bei PV ist noch gewaltiger. Hier kann man heute in sonnengünstigen Standorten Strom schon für unter 3 Cent produzieren. Dennoch sind die Technologien heute im großtechnischen Einsatz komplementär. Denn die Stromspeicherung für solche PV-Großanlagen in Batterien ist heute wirtschaftlich nicht machbar. Wie und ob überhaupt sich Großspeicher-Batterien schnell auf ein attraktives Preisniveau entwickeln lassen, darüber streiten sich heute die Geister. Solarthermische Kraftwerke haben zwar höheren Engineering-Aufwand, allerdings bringen sie den Vorteil, dass sie die Solarwärme dank Flüssigsalz großtechnisch mehrere Stunden gut speichern und so auch in die Nacht hinein Strom liefern können.

Wettbewerb der Technologien also – so wie Kohle-Kraftwerk gegen Kernkraftwerk? Nein – denn was wir gerade lernen: Die Logik der Ausschreibung nach Technologien verliert bei den Erneuerbaren irgendwie ihren Sinn. Der große Trend heißt: bedarfsgerechtes Hybrid-Kraftwerk – und meint: kombinierte Technologien sind derzeit die wirtschaftlich optimale Lösung. Ein PV-Kraftwerk, das den Spitzenbedarf an Strom tagsüber direkt und besonders kostengünstig erzeugt, ein solarthermisches Kraftwerk mit Speicherung auch für die zeitversetzte Erzeugung von Strom in die Nacht hinein – und dann darin integriert noch ein nachgeschaltetes konventionelles Kraftwerk, mit dem dann sogar die Ausfallsicherheit gewährleistet ist, die ein kommerzieller Energieversorger bieten will. All das selbstverständlich mit IT hochgerüstet und produktions- wie netzseitig digital gemanagt.

Im Labor beginnen Sonnenforscher des DLR jetzt schon an der zweiten Generation der Solarturm-Technologie zu experimentieren: noch höhere Wärmekonzentration, noch besserer Wirkungsgrad. Das öffnet ein ganz neues Feld für die Energieproduktion der Zukunft: Die sektorenübergreifenden Kraftwerke werden nicht mehr nur bedarfsgerecht Strom produzieren, sondern elektrische Energie auch für andere Wirtschaftsbereiche bereitstellen – in einem Gesamtsystem, das die Sektoren Wärme, Mobilität sowie industrielle Produktion bedient. Überschüssiger Strom muss weniger gespeichert werden, sondern kann dann für die Herstellung von Rohstoffen aus CO2, beispielsweise Kohlenstoff für die chemische Industrie, eingesetzt werden. Oder es wird dort Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff gespalten, vielleicht bald schon der Treibstoff für den Flugverkehr. Mit diesem übergreifenden Strommanagement reduzieren sich Spitzenlasten, die produktionstechnisch besonders teuer sind, letztlich ist also das Sektoren-Kraftwerk nicht nur wichtig für den Klimaschutz, sondern wahrscheinlich auch wirtschaftlich ein echter Bringer. Das gibt Hoffnung!

Denn trotz all dieser großen Anstrengungen und der wachsenden Zahl weltweiter Aktivitäten ist der „Outcome“ in Sachen Klimaschutz heute noch ernüchternd. Wir werden, sagte mir der Solarforscher Robert Pitz-Paal, Direktor des DLR-Institut für Solarforschung, in unserem Talk, das politisch gesetzte Klimaziel zur CO2-Reduzierung erst einmal nicht erreichen. Was also ist schief gelaufen? Oder Richtung Zukunft positiv gefragt: Haben wir schon etwas aus unseren Fehlern gelernt? Für den Forscher ist die Antwort die: Es reicht nicht, PV-Anlagen und Windräder aufzustellen. Wir müssen sektorenübergreifend denken – und da hinkt die Entwicklung noch hinterher. Mehr dazu wie auch über die Forschung mit dem neuen Sonnensimulator in meinen ausführlicheren Talks mit Pitz-Paal auf HYPERRAUM.TV: In „Sonnensimulator und Solarturm“ stehen Technologien im Mittelpunkt, während es im Bonus-Track „Energiewende 2.0“ mehr die politische Dimension geht.

Der jüngst eröffnete Sonnensimulator, mit dem wir der Entwicklung solcher sektorenübergreifenden Technologien zumindest forschend näher kommen, ist ein Beispiel dafür, dass Deutschland als Trendsetter bei der Energiewende auch weiter mit dabei ist. Aber der technologische Fokus allein reicht nicht. Genauso wichtig für die visionierte Zukunft wird eine nationale Grenzen sprengende Energieversorgungs-Wirtschaft sein. Da sind wir dann wieder bei dem großen Konzept von Desertec, Stromtransport zwischen Afrika und Europa, das vor etlichen Jahren öffentlichkeitswirksam vorgestellt wurde und dann irgendwie verpufft ist. Nicht nur wer zu spät kommt, den bestraft das Leben – manchmal kann man auch zu früh dran sein! Die Verfechter von Desertec sagen, es war trotzdem gut, denn unbestritten hat diese öffentlich geführte Debatte einen Beitrag dazu geleistet, die Energiewende weit in den arabischen und afrikanischen Raum hinein wirken zu lassen. Dort beginnt sie jetzt im großtechnischen Maßstab – und sicherlich ist es kein Zufall, dass sich gerade Marokko an die Front dieser Entwicklung stellt, jenes arabische Land, das selbst kein eigenes Erdöl besitzt und daher Energie bisher teuer importieren muss. Marokko setzt sich heute in die Lage, morgen autark zu werden – und künftig vielleicht sogar Energie Richtung Europa exportieren zu können.

Unbestritten, nach rund 25 Jahren Energiewende in Deutschland haben wir dazu gelernt. Aber ob das reicht? Auf die Frage, wo wir denn heute auf dem Weg in die Energiezukunft stehen, meinte ein Industrie-Verteter mir gegenüber ganz spontan. „Sagen wir mal, wir sind jetzt in der Pubertät angekommen!“ Hoffen wir also, dass wir schnell ins Erwachsenenalter übergehen, denn die Klimakatastrophe ist vielleicht schon da, und der nächste wirklich große „Quantensprung“ der Energieversorgung, das Kraftwerk mit Kernfusion – siehe auch die Reportage von HYPERRAUM.TV über die „Energie der Sterne“ -, wird noch einige Zeit auf sich warten lassen …

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Ich habe viele Jahre journalistisch im Bereich Wissenschaft und Technologie gearbeitet, später dann mit meiner kleinen Beratungsfirma als Medienexpertin. 2010 erfüllte ich mir meinen großen Traum und gründete den Spartensender HYPERRAUM.TV, für den ich eine medienrechtliche Rundfunklizenz erteilt bekam. Seither mache ich als One-Woman-Show mit meinem „alternativen TV-Sender“ gewollt nicht massentaugliches Fernseh-Programm. Als gelernte Wissenschaftshistorikern habe ich mich gänzlich der Zukunft verschrieben: Denn die Vergangenheit können wir nur erkennen, die Zukunft aber ist für uns gestaltbar. Wir sollten versuchen, nicht blind in sie hinein zu stolpern!

21 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Deutschland gilt als eine führende Einstiegs-Nation beim Umstieg,

    Aber nur innerhalb Deutschlands. 🙂 Ich habe nicht den Eindruck, daß eine nennenswerte Zahl von Leuten den deutschen Weg für sinnvoll hält.

    Hier kann man heute in sonnengünstigen Standorten Strom schon für unter 3 Cent produzieren. Dennoch sind die Technologien heute im großtechnischen Einsatz komplementär. Denn die Stromspeicherung für solche PV-Großanlagen in Batterien ist heute wirtschaftlich nicht machbar.

    Und genau das ist der Grund, warum bis heute niemand weiß, welchen Preis konstanter Solarstrom haben wird. Angaben wie „3 Cent“ sind irreführend, wenn die Produktion nur komplementär erfolgen kann bzw. wenn man noch Backup-Kraftwerke braucht, deren Kosten dann nicht den Stromproduktion zugeschlagen werden. Die 3 Cent sind nur ein Teilpreis.

    • Die 3 Cent sind sinnvoll – es gibt Regionen, in denen PV-Anlagen ohne Speicherung, sondern ausschließlich stand alone oder aber im Verbund mit konventioneller Stromerzeugung eingesetzt werden. Dann gilt dieser Wert, und er macht auch in diesem Kontext Sinn. Die Komplementarität bezieht sich auf den Ansatz, ein gänzlich ausfallsicheres System – also mit Stromspeicherung – ausschließlich auf Erneuerbaren aufzubauen. Maße mir selbst nicht an, das zu wissen, es sagt der Solarexperte – und zwar vor allem im ersten Talk ziemlich genau vom Experten erläutert – und auch Experten aus der Industrie haben mir diesen Wert bestätigt. Es kommt immer darauf an, was das Ziel eines Systems ist – Ausfallsicherheit oder nicht.

  2. Susanne Päch schrieb (19. April 2017):
    > […] runter in die „Niederungen der Technologie“, aber es ist ja nicht das schlechteste […]

    In diesem Sinne — ein HTML-Tag-Darstellungs-Test:

    „10<sup>25</sup>“ wird dargestellt als: „1025“.

    „CO<sub>2</sub>“ wird dargestellt als: „CO2“.

    „10&<sup>25&</sup>“ wird dargestellt als: „10<sup>25</sup>“.

    • p.s.:

      „10<sup>25</sup>“ wird dargestellt als: „10<sup>25</sup>“,

      „10&amp;#60;sup&amp;#62;25&amp;#60;/sup&amp;#62;“ wird dargestellt als: „10<sup>25</sup>“,

    • Lieber Frank Wappler, danke für die Info, Hilfe wird immer gern genommen! Aber ich versteh’s leider nicht ganz. Bei mir im Beitrag auf der Online-Seite sehen die Hoch- bzw. Tiefstellungen – wie gesetzt – richtig aus? Bei Ihnen nicht? Aber da bin ich wirklich nicht firm, ich hab’s bisher normalerweise „ohne“ geschrieben, bei CO2 ist es ja fast schon Konvention, aber bei 1025 muss es halt sein, so bin ich auf die Suche gegangen. Also bitte gern noch etwas mehr technologische Nachhilfe … also falsch ist es so, wie ich es geschrieben habe: 1025 – und richtig wäre was genau? Auch im Internet kann die Leitung manchmal ziemlich lang sein … 🙂

      • Susanne Päch schrieb (19. April 2017 @ 14:14):
        > danke für die Info, Hilfe wird immer gern genommen!

        Eine sympathische Ausnahme!

        > Aber ich versteh’s leider nicht ganz. Bei mir im Beitrag auf der Online-Seite sehen die Hoch- bzw. Tiefstellungen – wie gesetzt – richtig aus?

        Die Hoch- bzw. Tiefstellungen in den SciLogs-Beiträgen sind (mir) als solche erkennbar und sehen sehr ordentlich aus;
        insbesondere die als Zehnerpotenz geschriebene Zahl „Zehn Quadrillionen“ in
        diesem Beitrag (wo ich eigentlich meinen HTML-Tag-Darstellungs-Test als Kommentar einreichen wollte, der versehentlich aber hier gelandet ist).

        In SciLogs-Kommentaren ist mir das Hoch- bzw. Tiefstellen von Exponenten bzw. Indices aber bisher leider nicht gelungen (was mich u.a. gelegentlich daran hindert, ansehnlich aus SciLogs-Beiträgen zu zitieren). Und offenbar geht’s mir nicht allein so, denn es gibt für die Formatierung von SciLogs-Kommentaren wohl (noch) keine Dokumentation außer durch gelegentliche selbst-dokumentierende Tests, wie oben.

        > bei [„Kohlendioxid“] ist es ja fast schon Konvention […] CO2 [zu schrieben]

        Sicher; aber trotzdem eine Gelegenheit, die Niederungen der SciLogs-Kommentar-Formattierungs-Technologie in ihren tiefsten Tief(-stellung-)en zu erkunden.

        > Auch im Internet kann die Leitung manchmal ziemlich lang sein … :)

        Bestimmt. Aber auch durchs Internet lässt sich wohl gelegentlich dazulernen &) …

        • .. ach so. Das ist natürlich ein anderes Problem. Ich bin ja selbst nur schnöder „Nutzer“ der SciLogs-Technologie, irgend welche Formatierungs-Vorgaben habe ich nicht und außerdem bin ich alles andere als html-firm … (halt ein Content-Futzi…). Ich will aber gern auf die Suche gehen bei Spektrum, da muss ja irgend jemand eine brauchbare Antwort haben, wie man in Kommentaren Hoch- bzw. Tiefstellungen korrekt umsetzen kann. Vielleicht kann ich also als „Problemlöser“ fungieren (dafür bin ich eigentlich geschätzt) … ich werde mich ins Zeug legen! Mal sehen, ob ich zu viel verspreche …

          • .. die Sache mit der Hoch-/Tiefstellung ist in Arbeit. Offensichtlich ein Bug!

          • Susanne Päch schrieb (19. April 2017 @ 18:54):
            > .. die Sache mit der Hoch-/Tiefstellung ist in Arbeit.

            Erstaunlich!, Danke!
            (Gut, dass ich den o.g. HTML-Tag-Darstellungs-Test hier eingereicht habe.
            (Gut, zunächst einmal, dass in diesem SciLog das Stichwort von den „Niederungen der Technologie“ an die gemeinen Rückmeldungs-Pedanten gereicht wurde, nicht wahr?.))

            Da möchte ich keinesfalls versäumen, an dieser Stelle nochmals öffentlich nach der schon oft und lange vermissten SciLogs-Kommentarvorschau zu fragen …

    • Bei mir wird CO2 sehr wohl mit „tiefergelegter“ 2 angezeigt, zumindest im Artikeltext (aber nicht notwendigerweise in Kommentaren). An dieser Stelle vorsichtshalber der Hinweis, dass bei den drei Stellen im Artikel, an denen Kohlendioxid erwähnt wird, nur die erste die sub-Tags verwendet. An den anderen beiden Stellen steht schlicht CO2 im Quelltext, da kann somit gar nichts anderes angezeigt werden.

      • In meinem obigen Kommentar sollte statt CO2 natürlich CO<sub>2</sub> stehen – da war ich jetzt selbst zu nachlässig beim Hinschreiben (und ich hoffe, dass es jetzt stimmt). Es bleibt aber dabei, dass es im Artikel tatsächlich funktioniert, wie ja Frank Wappler schon geschrieben hat, in Kommentaren dagegen nicht. Wie ja auch manches andere, z.B. das i-Tag für italics (und das Ausweichen auf blockquote ist nicht nur eine Zweckentfremdung, sondern sieht auch sehr hässlich aus).

        • … so, und ich habe, glaube ich, nun auch die letzten zwei noch falschen CO2 im Beitrag richtig formatiert. So viel Ordnung muss schon sein! Der Auslöser war bzw. ist übrigens nicht der Beitrag gewesen, sondern die Anzeige bzw. Nicht-Anzeige in den Kommentaren. Ich habe das bei Spektrum schon adressiert. Es scheint tatsächlich ein Bug zu sein, dass Hoch- bzw. Tieferstellung in den Kommentaren nicht möglich ist – oder nur unter bestimmten Fällen nicht? Wie auch immer: Das Problem wird jetzt gelöst.

    • Wenn ich mitspielen darf, möchte ich gerade einen provisorischen workaround vorschlagen und testen:

      Code: CO₂ → SciLogs-Format: CO₂

  3. „Auf dem Weg zur Energiewende 2.0“ bedeutet eigentlich „Auf dem Weg vom fossil-erneuerbaren zum rein erneuerbaren Energiesystem“. Davon sind wir noch weit entfernt. Die Realität kann man in Deutschland besichtigen: Es gibt im Jahr 2017 in Deutschland (fast) gleich viel fossile Kraftwerkskapazität wie 1990. Nur arbeiten im Jahr 2017 die Braunkohle-, Steinkohle- und Gaskraftwerke Deutschlands vor allem dann, wenn es gerade keinen Wind und keine Sonne hat. Doch irgendwann müssen diese fossilen Kraftwerke eingemottet werden und aller Strom muss nicht fossil erzeugt werden – ob nun die Sonne scheint oder nicht. Wenn das nicht passiert, kann das 2°C-Ziel nicht erreicht werden und auch das 4°C-Ziel wird dann verfehlt.

    Letztlich geht es immer um das Gesamtenergiesystem und nicht um einzelne Solaranlagen oder Windkraftwerke. Die oben genannten hybriden Lösungen (PV + Solarthermisch + …?) gehen in die richtige Richtung, dürfen aber irgendwann keine fossilen Komponenten mehr enthalten.

    Es gibt viele Wege zum rein erneuerbaren Energiesystem wie etwa:
    1) rein dezentrale Energieversorgung mit Speicher in Form von Batterien für die Tagesschwankungen und Speicher in Form von synthetisch mit Strom erzeugtem Ergdas/Wasserstoff für die saisonalen Schwankungen.
    2) ein mit erneuerbaren Energien gespeistes grossregionales/globales Stromnetz, dass mit Hochspannungsgleichstromleitungen Strom über riesige Distanzen leitet und zwar immer zu den Orten, wo gerade der Strombedarf hoch ist.
    3) ein Energiesystem welches mit lokal erzeugtem erneuerbarem Strom und synthetischem Erdgas/Wasserstoff (EE-Gas) arbeitet, wobei das EE-Gas (erneuerbar erzeugte Gas) an den Orten der Erde erzeugt wird wo Wind- oder Solarkraft besonders billig ist. Das EE-Gas wird dann mittels Tankern in die ganze Welt verschifft.

    Mischformen sind möglich. Besonders interessant erscheint mir 3), denn dies wäre die Lösung welche am wenigsten Anpassung der bestehenden lokalen Energiesysteme erfordern würde. Die Gaskraftwerke Deutschlands würden dann einfach mit erneuerbar erzeugtem Erdgas betrieben anstatt mit fossil erzeugtem. Um 3) realistisch zu machen müsste allerdings an bestimmten Orten der Erde Strom zu deutlich weniger als 3 Cent pro Kilowattstunde erzeugt werden können, denn bei der Umwandlungskette Strom => erneuerbares Erdgas => Strom geht mindestens 60% der ursprünglich erzeugten Energie verloren.

    Heute sind wir von allen 3 Lösungen also von 1) rein dezentral 2) Transmission über tausende von Kilometern und 3) Strom + EE-Gas weit entfernt. Und zwar weit entfernt was die Kostenseite angeht, nicht unbedingt weit entfernt wenn es um die grundsätzliche Realisierung geht.
    Ein rein erneuerbares Energiesystem wird erst nach einer Reihe von technischen Durchbrüchen auch für die einkommensschwächeren Länder möglich sein. Wann diese Durchbrüche passieren und ob sie noch vor dem Jahr 2050, als vor der Deadline für das 2°C-Ziel erreicht werden, wissen wir heute nicht.

    • Anmerkung: Bei 2 Dollar-Cent pro Kilowattstunde Strom ist elektrisch erzeugtes Erdgas (Syngas) kostenmässig kompetitiv. Mit Solarpaneln in der Atacama-Wüste Chiles erzeugter Strom kostet heute 3 US-Cent, Tendenz fallend. Mit anderen Worten. In naher Zukunft ist vorstellbar, dass an besonders günstigen Wind-und Solarstandorten der erzeugte Strom so billig ist, dass damit auf synthetischem Weg so billig Wasserstoff oder Erdgas hergestellt werden können, dass sich die Verschiffung von dort in die ganze Welt rechnet. Damit ist eine nicht-fossile Zukunft ohne grossen industriellen Anpassungsbedarf möglich, denn es können bestehende Erdgaskraftwerke und Gasbrenner verwendet werden und für den Bedarf als Flugbenzin gibt es bereits erste Ansätze in der Chemie zur kostengünstigen Umwandlung von Erdgas in flüssige Kohlenwasserstoffe.

  4. .. ich setze klar auf die Mischformen. Wir werden in Europa nicht zeitnah von einem zentralen zu einem völlig dezentralisierten System kommen können, davon bin ich persönlich überzeugt. Die Mischformen werden für einen längeren Zeitraum wirtschaftlich am günstigsten kommen. (Und nur mal so: Fernziel für die Großkraftwerke in Zentraleuropa wird die Kernfusion – meine Meinung! Aber das wird noch dauern …) Wie in meinem Beitrag schon geäußert: Aus meiner Sicht steht einem effizienten System aus erneuerbaren Energien in Europa auch und vielleicht vor allem die rein national strukturierte Betreiber-Landschaft im Weg. Warum macht Europa nicht Südländer von Spanien über Italien bis – ja, richtig! – Griechenland zu den EU-Energieproduzenten aus Sonnenlicht? Da hätten diese Länder ein ziemlich interessantes wirtschaftliches Asset. Und wir hätten von den Geldern, die wir so oder so in diese Regionen schießen, auch etwas. Aber dazu müsste man wohl die Netzbetreiber-Landschaft in Europa zuerst einmal vernünftig reguliert EU-weit harmonisieren. Das wäre mal ein relevantes Thema für die EU-Bürokraten – statt den Krümmungswinkel von Bananen zu berechnen oder den Dekolleté-Ausschnitt für Kellnerinnen zu regeln! (Ja, ich, weiß, ist unfair …)

    • Ja, die EU erhält nur dann eine wirkliche Bedeutung, wenn ihre Länder wichtige Dinge gemeinsam lösen und sich damit aber auch gegenseitig abhängig machen. Das setzt Vertrauen voraus (Vertrauen, dass die Südländer ihren Solarstrom liefern und die Antlantikanrainer ihren Windstrom) und die Bereitschaft die nationale Souveränität etwas zurückzunehmen.

  5. genau! Und in Sachen „Bereitschaft, die nationale Souveränität zurückzunehmen“ – lassen wir vorerst noch das Prinzip Hoffnung walten!

  6. Die deutsche Energiewende steht für den Ausstieg aus der Atomenergie und die Hinwendung zu den Erneuerbaren Energien.
    Aus klimapolitischer Sicht aber sollte es nicht unbedingt eine Energiewende, sondern vielmehr eine CO2-Wende geben und diese CO2-Wende wäre die Abkehr von allen CO2-emittierenden Technologien, also die Abkehr von Kohle, Öl, Erdgas und von industriellen Prozessen, die CO2 frei setzen wie es in der Zement- und Stahlherstellung passiert. Eine eigentliche CO2-Wende ist weder in Deutschland noch Europa geplant. Vielmehr soll es ein langsamer Abschied sein. So sollen in Deutschland die Kohlekraftwerke irgendwann nach 2040 stillgelegt werden wie der frühere Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel bekundete. In Europa gibt es zwar schon ein Instrument zur Verteuerung von CO2-Emissionen in Form des Emissionshandelssystem der EU, doch bis jetzt zeigt dieses System kaum Wirkung, denn CO2-Emissionen kosten mit diesem System so wenig, dass Kohlekraftwerke in Deutschland weiterhin profitabel bleiben.
    Noch schlimmer ist es aber in vielen anderen Teilen der Welt. Weder die USA unter Trump noch Russland und andere Ölstaaten wollen allzu schnell von Kohle und Erdöl weg. Selbst viele Klimawissenschaftler machen sich für Erdgas als Brückentechnologie stark. Doch die fosssile Brückentechnologie könnte eine Brücke in die 4 Grad Celsius Welt sein, also eine Welt in der die durchschnittlichen Temperaturen 4 Grad über den vorindustriellen liegen. In einer solchen Welt gäbe es in der Arktis kein Sommereis mehr, vor allem aber würden die grönländischen und antarktischen Eisschilde dann noch mehr dahinschmelzen als sie es heute schon tun und das für hunderte von Jahren – solange nämlich die CO2 Konzentrationen der Atmosphäre deutlich erhöht bleiben.
    Man kann also ruhig sagen, dass die Treibhausgasemissionen der nächsten 40 Jahre über das Klima der nächsten 400 Jahre entscheiden. Von daher sollte die Reduktion der CO2-Emissionen eine höhere Dringlichkeit haben als sie es heute hat.

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