Keine Spur mehr von ISON

Erwartet habe ich zwar nicht, noch etwas vom verblichenen Jahrhundertkometen C/2012 S1 ISON zu sehen, sind doch in den vergangenen Nächten etliche Astrofotografen mit ihren Versuchen gescheitert, die Staubwolke fotografisch nachzuweisen, die bislang nur aus dem All mit den Sonnenobservatorien SOHO und STEREO abgelichtet werden konnte. Die Inversionswetterlage (-1°C in gestern abend  Aachen, über +4°C auf den Höhen der Eifel) sorgte aber für eine exzellente Atmosphärentransparenz: noch nie habe ich das Zodiakallicht in einem deutschen Mittelgebirge so deutlich sehen können wie letzte Nacht.

Wenn es mir also möglich sein sollte, den Kometenrest abzulichten, dann jetzt! Weil die Wolke inzwischen recht große Ausmaße am Himmel angenommen haben sollte, verwendete ich eine kurze Brennweite (35mm). Auf der invertierten und stark kontrastgesteigerten Aufnahme sind Teile der Sternbilder Serpens Caput und Herkules zu sehen – aber nicht der Hauch einer Spur von ISON. Das dürfte es dann wohl gewesen endgültig sein – mit dem Jahrhundertkometen und mir.

Aufnahmedaten: Stack aus 5 Aufnahmen zu je 3 Minuten, 35mm, F/5,6, 1600ASA. Bild: Jan hattenbach

Aufnahmedaten: Stack aus 5 Aufnahmen zu je 3 Minuten, 35mm, F/5,6, 1600ASA. Bild: Jan hattenbach

Glücklicherweise bietet der Himmel ja noch so einiges mehr, so dass die 40km-Fahrt nicht völlig umsonst war: Jupiter zeigte seinen Großen Roten Fleck in einem derart leuchtenden Orange, dass ich über eine Stunde nicht vom Okular wegkam. Die Galaxien in den Sternbildern Jagdhunde und Großer Bär habe ich zwar schon oft gesehen, aber in so einer außergewöhnlich klaren Nacht darf ein Blick darauf nicht fehlen. Für Mars und Saturn am frühen Morgen reichte es dann nicht mehr, die Wind frischte nämlich auf einmal unangenehm auf und ruinierte damit die Luftruhe.

Einen wirklich schönen Anblick liefert aber der Komet C/2013 R1 Lovejoy, den ich heute morgen zum ersten Mal außerhalb der Lichtglocke Aachens sah. Mit bloßem Auge erkennbar, im Fernglas und im Teleskop geradezu beeindruckend. Eine würdige Entschädigung für ISON.

C/2013 R1 Lovejoy. Einzelaufnahme, 200mm, 4 Minuten, f/5,6, 800 ASA. Bild: Jan Hattenbach

C/2013 R1 Lovejoy. Einzelaufnahme, 200mm, 4 Minuten, f/5,6, 800 ASA. Bild: Jan Hattenbach

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Allgemeines Live-Blog ab dem 13. Dezember 2013 | Skyweek Zwei Punkt Null

  2. Kann mich nicht daran erinnern, dass es bei Hale-Bopp so ein Medienhype wie bei ISON gab. Na hoffentlich ist es den Medien und den Astrohändlern ein Lehre, nicht nur auf 1 Pferd zu setzen.

    Was erwartet uns 2014?
    – Jupiteropposition zu Beginn des Jahres
    – Marsopposition im April 2014
    – Ceres und Vesta im April in Opposition (nahezu im selben Himmelsabschnitt!)
    – Fernglas-Komet C/2012 K1 Panstarrs im Frühling in guter Beobachtungsposition
    – Mond bedeckt Saturn am 25.10.14 (schwierig nach Sonnenuntergang)

    … und diesmal gibts leider keien Finsternisse vom deutschen Sprachraum aus zu sehen.

  3. Hallo Jan,

    tja, so ist das leider mit ISON. Aber wie du selber zeigst ist Lovejoy ein mehr als adäquater Ersatz. Lovejoy gehört für mich zu den schönsten Kometen der letzten Jahre. Er ist selbst aus städtischer Umgebung ganz gut zu sehen
    http://www.fotowald.de/displayimage-34-5200.html#top_display_media
    auch wenn du aus der Eifel hier natürlich nochmal den Vogel abschießt. Ich bin gespannt auf die finale Version. Ach ja … dein letzter Teil der Fitswork Serie zum Kometenfotos bearbeiten fehlt immer noch. Ist wohl im ISON Hype untergegangen (wurde ja dann auch nicht mehr benötigt).

    André

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