Eine Nova im Delphin

Gestern (am 14. 8.) nachmittag (MESZ) entdeckte ein japanischer Amateurastronom einen „neuen Stern“: Eine Nova im Sternbild Delphin. Sie war etwa 6,3mag hell, was gerade eben ausreicht, um sie mit freiem Auge unter dunklem Himmel zu erkennen. Gut möglich, dass die Nova heute abend noch etwas an Helligkeit zugelegt hat. Mit einem Fernglas und einer guten Aufsuchkarte sollte es aber kein Problem sein, die Nova zu finden – zumal das Sternbild Delphin abends ideal am Himmel steht.

Bei Sterne und Weltraum findet man weitere Informationen und eine Aufsuchhilfe. Eine weitere, detaillierte Karte hat Sky&Telescope veröffentlicht.

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UPDATE 23.08. 23:00: Dass es sich bei dem „Sternchen“ um etwas Außergewöhnliches handelt, beweist das Spektrum, das ich heute abend quick-and-dirty mit einem simplen Gitterspektrografen gemacht habe. Deutlich erkennbar sind die Emissions“knoten“ der beiden ersten Wasserstofflinien der Balmerserie. Zum Vergleich ein normales Sternspektrum (von Alpha Aquilae, Atair).

UPDATE 21.08. 08:50: Die Nova liegt nun bei etwa 5,4 mag, Tendenz weiter abnehmend. Gestern Abend konnte ich sie abermals fotografieren, mit bloßem Auge sichtbar war sie aufgrund des hellen Vollmonds allerdings nicht. Wie es weitergeht mit der Nova – dazu u. U. in Kürze ein neuer Blogpost!

UPDATE 19.8. 09:30: Die aktualisierte Helligkeitskurve zeigt nun seit mehr als zwei Tagen ein Verharren der Helligkeit bei etwa 5mag an. Unter diesen Umständen könnte die Nova noch ein paar Tage sichtbar sein, auf jeden Fall mit einem Fernglas.

UPDATE 17.8. 15:00: Die aktuelle AAVSO-Helligkeitskurve (hier abrufbar) zeigt: Die Nova hatte gestern mittag ihr Maximum mit einer Helligkeit von fast 4mag. Nun wird sie wieder schwächer. Heute abend kann man wohl zum letzten Mal versuchen, sie mit bloßem Auge zu sehen. Zwar ist die Helligkeitsabnahme so wie es aussieht nicht ganz so steil wie die Zunahme in den letzten Tagen, doch bei 5-5,5mag dürfte der nun sehr helle Mond schön gehörig stören.

Auch Sterne und Weltraum liefert laufend Updates zur aktuellen Entwicklung der Nova.

++++++++++Update 23:20: Die Nova ist im Laufe des 15. August tatsächlich heller geworden. Dieses Bild gelang mir eben (2 Minuten bei 100mm). Die Nova ist jetzt heller als der Stern HIP 100754 und erreicht damit die 5. Größenklasse.

Nachtrag 1:30 MESZ: Weitfeldaufnahme (70mm). Die Nova (Pfeil) war heute Nacht selbst unter Stadtrandhimmel mit bloßem Auge sichtbar. Beobachter schätzten ihre Helligkeit auf 5,0 – 5,1 mag.

Nachtrag 4:00 MESZ: Noch mal auf die Nova gehalten – mir scheint, sie ist im Vergleich zum Bild zuvor noch etwas heller geworden (Bilder sind nicht kalibriert, daher sind genaue Helligkeitsmessungen schwierig). Abwarten, was die Nova in den kommenden Tagen macht…

Nachtrag 16.8. 11:00: Der Eindruck trog nicht: Wie die Live-Helligkeitskurve der AAVSO zeigt, ist die Nova noch heller geworden und liegt nun bei 4,6mag.

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Aufsuchkarten: Ich habe mal die Position der Nova in drei Stellarium-Screeshots markiert:

Blickrichtung SO (gegen 21 Uhr MESZ), markiert ist das Sommerdreieck (sehr markant) und der Bereich der Sternbilder Pfeil und Delphin.

Zoom in die Sternbilder Pfeil und Delphin. Die Nova liegt innerhalb des roten Kastens (in ziemlich genauer verlängerung des „Pfeils“).

Nochmaliger Zoom. Mit einem Fernglas sollte die Nova gut sichtbar sein.

Bei gutem Wetter werde ich versuchen, die Nova zu sichten. Im Erfolgsfall poste ich hier ein paar Bilder (momentan ist der Himmel bei mir allerdings dicht…)

Viel Erfolg bei der Suche und Clear Skies! 

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Der Entdecker Koichi Itagaki

    Der Entdecker dieser Nova, Koichi Itagaki, ist schon ein bemerkenswerter Amateurastronom. Er betreibt sein eigenes, nicht unbeträchtliches Observatorium, hat 80 extragalaktische Supernovae entdeckt.

    Zudem hat er zwei Kometen entdeckt. Die eine Entdeckung wurde zu spät gemeldet, sie wurde drei anderen Astronomen zugeschrieben. Dumm gelaufen. Der zweite von ihm entdeckte Komet trägt seinen Namen: C/2009 E1 Itagaki. Ferner entdeckte er den 111 Jahre verlorenen Kometen 205P/Giacobini neu.

    Offenbar ist der Herr Itagaki also nicht nur einfach irgend ein Dahergelaufener. Meinem japanischen Kollegen war dieser Name jedenfalls wohlbekannt.

  2. „Was bitte ist ein „Dahergelaufener“?“ – wenn ich das nur wüsst‘! Jemand, dessen Privatobservatorium weniger als 4 Kuppeln zählt?

    Der Witz ist, dass Itagaki die Nova mit einer simplen DSLR und einem 50mm Normalobjektiv entdeckt hat(berichtet jedenfalls Interstellarum). Das hätte jeder Dahergelaufene (also auch jeder von uns) hingekriegt. Da braucht es kein Milliardenschweres Equipment, sondern einfach Glück und ein gutes Auge!

  3. Dahergelaufener

    Ein „Dahergelaufener“ ist ein unbekannter Amateurastronom, der mehr Glück als Verstand besitzt. 😉

    Nun zum Thema: Ich hatte gestern früh auch gleich nachgeschaut, als ich die Entdeckungdmeldung gelesen habe. Und tatsächlich war die Nova auch auf den Rohbildern meiner Milchstraßenaufnahme mit oben.

    http://blog.aschnabel.bplaced.net/…_Del_2013.gif

  4. Live-Helligkeitsplot – Nova bei 4,6mag

    Die Helligkeitsentwicklung lässt sich auch mit der Live-Helligkeitskurve der AAVSO verfolgen: http://www.aavso.org/…mag2=&mean=&vmean=

    Momentan liegt die Nova bereits bei 4,6mag. Sollte kein Problem sein, sie heute abend wiederzufinden, klaren Himmel vorausgesetzt (daran herrscht ja zur Zeit kein Mangel…)

  5. Wie die Nova tatsächlich entdeckt wurde

    Es wäre zwar mit Simpeltechnik gegangen, war aber nicht so: Itagaki fand die Nova Del 2013 laut dem Electronic Telegram No. 3628 der IAU „on an unfiltered CCD frame taken on Aug. 14.584 UT using a 0.18-m reflector, with confirming unfiltered images taken with a 0.60-m f/5.7 reflector on Aug. 14.750“.

  6. Entdeckungsumstände

    Hier steht es anders: http://www.oculum.de/…sonder/2013/3/Nova-del.asp Woher Interstelarum diese Infomation hat, weiß ich nicht, ob sie stimmt, auch nicht.

    An die CBET komme ich nicht dran, in der AAVSO Alert Notice steht „Discovery Magnitude: unfiltered CCD magnitude mag 6.8 using a
    0.18-m reflector“ was für micht nicht zwangsläufig heißt, dass die Nova mit diesem Gerät entdeckt wurde, nur, dass damit die Helligkeit gemessen wurde.

  7. Hi Jan,
    auf der Helligkeitskurve der AAVSO scheint die Magnitude seit etwa einem Tag konstant zu sein. Bedeutet das, daß wir erst ein Vormaximum gesehen haben und das Hauptmaximum noch zu erwarten ist? Wenn letzteres zutrifft, haben wir ja noch Hoffnung, daß die Nova 2-2,5mag erreicht, wenn man der Literatur glauben darf.
    Gruß,
    Ulli

  8. @Ulli

    Ja, die Helligkeit scheint tatsächlich momentan konstant zu sein. Ich glaube eher, dass das ein Plateau ist und die Helligkeit danach weiter abnimmt. Die nächsten Tage werden es zeigen…

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