Zwei militärische Satelliten im Formationsflug

Beim Sichten des Bildmaterials meiner Beobachtung des Sternbilds Schwan in der Nacht vom 3. auf den 4. Juli stellte ich fest, dass mir nicht nur eine japanische Raketenoberstufe aufs Bild gelangt ist, bei der ich kurzzeitig einen militärischen Satelliten vermutete, sondern auch zwei wirkliche militärische Satelliten, die zudem besonders interessant sind, weil sie im Formationsflug fliegen.

Hier eine Kompositaufnahme (Version in 2592×1728 hier), entstanden aus drei Einzelbildern mit jeweils 15 Sekunden Belichtungszeit (nachgeführt). Die Satelliten durchqueren den Bildausschnitt von rechts nach links unten. Ich habe diese Objekte schnell identifizieren können: Das Objekt mit der US-Spacecom-Nummer 37391, Internationale Bezeichnung 2011-014-B, fliegt voraus und zeichnet die höhere der beiden Spuren im Bild. Sein Compadre  mit der US-Spacecom- Nummer 37386, Internationale Bezeichnung 2011-014A, folgt in geringem Abstand und mit leichtem Versatz. Der relative Abstand der Satelliten liegt zwischen 50 und 100 km.

Die zwei militärischen Aufklärungssatelliten NOSS 3-5A und B im Formationsflug durch den Schwan am 4.7.2014, 00:33-00:34 MESZ, Canon 600D mot Leica Summicron 50, Komposit aus drei EInzelaufnahmen, ISO 800, f2, jeweils 15 s Belichtungszeit

Credit: Michael Khan, Darmstadt / Die zwei militärischen Aufklärungssatelliten NOSS 3-5A und B im Formationsflug durch den Schwan am 4.7.2014, 00:33-00:34 MESZ, Canon 600D mit Leica Summicron 50, Komposit aus drei EInzelaufnahmen, ISO 800, f2, jeweils 15 s Belichtungszeit

Hier geht die Verwirrung auch schon los, denn heavens-above.com führt 37391 als „USA-229 DEB“, also ein Stück Weltraummüll, das beim Start des militärischen USA-229 angefallen ist, 37386 dagegen als den eigentlichen Satelliten USA-229. Bei calsky.com wird dagegen 37391 als militärischer Satellit USA-229 (NOSS-3 5(B)) bezeichnet, 37386 als militärischer Satellit USA-228 (NOSS-3 5(A)). Die sind auf Bahnen von 1000×1200 km, was deutlich höher ist als Radar- oder optische Spionagesatelliten, und einer Bahnneigung von 63.4 Grad. Diese sogenannte kritische Inklination stellt sicher, dass das Perigäum an derselben geographischen Breite verharrt.

Über einen Satelliten USA-228 finde ich anderswo keine Information, USA-229 dagegen wird in Wikipedia als mit derselben Rakete gestartetes Paar militärische Satelliten geführt. Vielleicht ist bei calsky.com die Bezeichnung USA-228 fehlerhaft, die Beschreibung erscheint mir aber zutreffend.

„NOSS “ steht für „US Navy Ocean Surveillance Satellites“. Es handelt sich um eine Reihe von SigInt-Satelliten, die Radar- und Funksignale von Schiffen auffangen und daraus Informationen ableiten. Betrieben werden die Satelliten dieser Serie vom US-Geheimdienst NRO (National Reconnaissance Office).

Dass ein Stück Weltraummüll, also ein Adapter oder gar eine Oberstufe, noch drei Jahre nach dem Start noch in einer so engen Formation mit dem Satelliten fliegen soll, bei dessen Start es ins Orbit gelangte, erscheint mir wenig plausibel. Zumal auch noch beide Objekte, wie man im BIld sieht, exakt dieselbe Helligkeit aufweisen, also dieselbe Größe, dieselbe Ausrichtung und dasselbe Reflexionsverhalten besitzen müssen und keines der Objekte Anzeichen von Rotation oder Taumeln zeigt. Besagte japanische Oberstufe, die erst 6 Wochen im Orbit ist, taumelte schon nach kurzer Zeit deutlich.

Ich denke, es ist angesichts der Aufnahme davon auszugehen, dass es sich hier wirklich um aktive Satelliten im gesteuerten Formationsflug handelt. Die Angaben von calsky sind also weitgehend zutreffend, bis auf die Bezeichnung „USA-228“ – es sei denn, ich habe da etwas falsch verstanden. Aber mit der korrekt angegebenen Katalognummer und der COSPAR-ID kommt man ja auch zum Ziel. Auch die Beschreibung zur COSPAR-ID 2011-014 auf calsky.com ist konsistent mit Informationenen anderer Quellen.

Tja, my friends. Ihr hört vielleicht alles mit, aber ich seh‘ euch auch. Wenn auch, zugegebenermaßen, zufällig.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Indeed, the 37391 object is not „debris“ – it is a satellite. Both objects together make up the NOSS 3-5 pair. The newer NOSS (NRO name „INTRUDER“) satellites always operate in pairs – the older ones of the 1990-ies operated in triplets.
    The reason Heavens-Above names one of them „debris“ is that the official US catalogue designates it as such. That is a ruse however, and the fact that the orbit of both objects is carefully maintained to keep the two together shows that. The pair bond is lost as soon as operational status is lost, after a few years of active operation.

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