Fake News wirksam bekämpfen

Fake News sind die Internet-Variante der Gerüchte. Sie breiten sich über soziale Netze extrem schnell aus, werden immer wieder ausgestreut, und verändern sich ständig, um ihre Ausbreitung zu optimieren. Im besten Fall laufen sie sich tot, meist aber stiften sie mindestens Verwirrung. Im schlimmsten Fall vertiefen sie vorhandene Risse in der Gesellschaft bis zum Bürgerkrieg. Trotzdem weiß offenbar niemand so recht, wie man dagegen vorgehen soll.

Verfolgt man die gegenwärtige Diskussion, dann kann man den Eindruck gewinnen, dass viele Politiker regelrecht Angst vor der Wirkung von Fake News haben. Dabei gibt es seit vielen Jahrhunderten bewährte Methoden für den Umgang mit bösartig gestreuten Gerüchten. Allerdings muss ich gleich warnen: Ein Patentrezept ist nicht dabei.

Ein richtig hässliches Gerücht kann sich manchmal sehr lange halten, auch wenn es völlig absurd ist. Kaiser Nero wird auch nach fast 2000 Jahren noch immer für den großen Brand Roms verantwortlich gemacht. Die römischen Geschichtsschreiber Sueton und Cassius Dio haben dieses Gerücht aufgezeichnet und hielten es offenbar für authentisch. Aber der verhasste Imperator war höchstwahrscheinlich unschuldig – ebenso wie die damals beschuldigte apokalyptische Sekte der Christen. Im viel zu dicht bebauten Rom brachen ständig Feuer aus, und es war abzusehen, dass sich eines davon zur Katastrophe ausweiten würde.

Die französische Königin Marie Antoinette hat niemals gesagt: „Die Menschen haben kein Brot? Dann sollen sie doch Kuchen essen!“

Jean-Jacques Rousseau schrieb diesen bösen Satz schon lange vor ihrer Zeit einer ungenannten Prinzessin zu. Die vorrevolutionäre Gerüchteküche hat ihn der ungeliebten Regentin angehängt. Sie ist ihn bis heute nicht mehr losgeworden.

Stars und Sternchen sehen sich ständig üblen Gerüchten über ihr Privatleben ausgesetzt – und geraten oft genug noch in den Verdacht, sie selbst ausgestreut zu haben, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Was tun?

Wer Gerüchte bekämpfen will, sieht sich gleich mehreren Problemen gegenüber. Am besten wäre es natürlich, gleich bei Erscheinen einer Falschmeldung gegenzusteuern. Aber vielleicht verfängt das Gerücht ja nicht, und dann hätte man es mit dem Dementi erst richtig bekannt gemacht. Wartet man aber zu lange, hat es sich eventuell mit tausend Widerhaken festgekrallt und ist kaum noch zu stoppen. Andererseits könnte man natürlich zusehen, bis das Gerücht absurde Ausmaße angenommen hat, um es dann mit leichter Hand zu widerlegen. Dem Gerücht, ein Filmstar sei schwer krank, ist kaum beizukommen. Wenn es aber irgendwann heißt, er sei gestorben, reicht ein groß angekündigter Auftritt für die Widerlegung.

Bei politischen Gerüchten kommt eine weitere Schwierigkeit hinzu: Selbst eine vollständige und überzeugende Widerlegung reicht oft nicht aus, um die falsche Behauptung aus der Welt zu schaffen. Ein Beispiel:

Nehmen wir an, wir könnten mit einer Zeitmaschine in das Paris des Jahres 1788 zurückgehen, also in das Jahr vor der Revolution. Wir hören uns um und ein empörter Franzose erzählt uns, dass die herzlose Königin („l‘Autrichienne“ – „die Österreicherin“) dem hungernden Volk empfahl, Kuchen zu essen. Wir machen ihm klar, dass diese Erzählung wohl so nicht stimmt. Er antwortet uns: „Und wenn schon! Aber sie könnte es gesagt haben!

Gerüchte verbreiten sich dann, wenn sie Vorurteile bestätigen. Die Menschen tragen Geschichten über verhasste Herrscher oder Politiker auch dann weiter, wenn sie wissen, dass sie falsch sind. Hauptsache, sie passen ins Bild und den Zuhörern gefällt‘s. Bei einer Pew-Umfrage in den USA im Dezember letzten Jahres erklärten ein Viertel der Befragten, sie hätten auch falsche Gerüchte geteilt. Hier ist eine beträchtliche Gehässigkeit im Spiel, eine sehr unangenehme menschliche Eigenschaft, mit der man aber jederzeit rechnen muss.

Beispielsweise verbreitete sich in den USA vor der Präsidentschaftswahl das Gerücht, eine Pizzeria in Washington sei die Fassade eines Kinderschänderrings und die Clintons seien irgendwie darin verwickelt (Stichwort Pizzagate). Die Besitzer der Pizzeria, das Personal und Künstler, die dort aufgetreten waren, erhielten über E-Mail und soziale Netze hunderte wüste Drohungen. Irgendwann tauchte ein Bewaffneter in dem Restaurant auf, um „selber nachzusehen“, und gab zwei Schüsse ab. Das hört sich schon schlimm an, im Grunde ist aber auffällig, dass nicht noch mehr geschah. Offenbar glaubten selbst die meisten Clinton-Gegner nicht daran, dass die Geschichte echt war.1 Trotzdem hat sich die Geschichte verbreitet, weil unter den Anhänger der Republikaner offenbar ein blinder Hass auf die demokratische Kandidatin vorherrschte.

Was kann man also tun?

Allgemeine Maßnahmen gegen Gerüchte

  1. Analyse
    Woher kommt das Gerücht und worauf zielt es? Wer ist die Zielgruppe, und welche Botschaft soll transportiert werden?
    Ein Beispiel: Die vielen Gerüchte, dass Flüchtlinge in Deutschland zu hohe Leistungen erhielten, richten sich nicht so sehr gegen die Flüchtlinge, sondern mehr gegen die Regierung. Ihr wird unterstellt, sie bevorzugte eine fremde Gruppe gegenüber der eigenen. Das wird gefühlsmäßig als Verrat gewertet. Jede sinnvolle Antwort muss diese emotionale Komponente berücksichtigen.
  2. Beobachtung
    Verbreitet sich das Gerücht, wenn ja, wo? Verfängt es, wird es angepasst, wenn ja wie? Nur dann, wenn ein Gerücht auf fruchtbaren Boden fällt, muss man sich die Mühe machen, es zu widerlegen. Weil sich Gerüchte in digitalen Medien explosionsartig verbreiten, bleibt für die Beobachtung allerdings nicht viel Zeit.
  3. Zurückweisung und Widerlegung
    Nehmen wir an, ein Gerücht verbreitet sich rapide und ein Dementi wird unumgänglich. In diesem Fall gilt: Voll dagegenhalten! Eine lustlos hingeworfene halbe Zurückweisung geht immer nach hinten los! Das Dementi wiederholt nicht einfach das Gerücht, um es dann für falsch zu erklären, sondern es verbreitet eine eigene, in sich konsistente und logische Geschichte. Sie muss unbedingt richtig und nachprüfbar sein, darf aber durchaus Vorwürfe an die Erfinder und Verbreiter des Gerüchts enthalten. Die Analyse (1. Schritt) hat gezeigt, welche Vorurteile und Gefühle das Gerücht ausbeutet. An diesen Punkten muss das Dementi einhaken.

Das Ziel des Dementis

Das Dementi richtet sich an:

  • zuerst die eigenen Unterstützer,
  • dann an die Leute, die sich noch keine Meinung zu dem Thema gebildet haben,
  • und zuletzt an die Menschen, die das Gerücht verbreiten helfen.

Ein Gerücht verunsichert die eigenen Unterstützer, deshalb muss man ihnen Argumente liefern. Es versucht die Unentschiedenen auf seine Seite zu ziehen, was man mit einem überzeugenden Dementi verhindern will. Die Verbreiter des Gerüchts sind schwerer zu überzeugen, man kann im Allgemeinen ihre Meinung höchstens etwas erschüttern. Die Urheber des Gerüchts erreicht man in aller Regel überhaupt nicht.

Auf lange Sicht sollte man aber versuchen, die Vorurteile der Gegner aufzubrechen, um künftigen Gerüchten den Boden zu entziehen.

Aber jetzt mal ehrlich: Muss ich das wirklich hier ausbuchstabieren? Die Kunst der Rhetorik ist mehr 2500 Jahre alt. Und doch habe ich gelegentlich den Eindruck, dass sie hierzulande (oder auch bei den Demokraten im US-Präsidentschaftswahlkampf) schlicht ignoriert wird.2

Fake News: Besonderheiten

  1. Schnell handeln
    Fake News sind grundsätzlich wie alle anderen Gerüchte zu behandeln. Aber sie verbreiten sich explosiv, mutieren schneller und treffen deshalb die Vorurteile der Zielgruppen genauer. Wenn Regierung und Parteien vor der Bundestagswahl Fake News besser bekämpfen wollen, dann müssen sie Arbeitsgruppen einrichten, die vor allen Dingen schnell arbeiten. Die meisten Fake News folgen bestimmten, immer gleichen Mustern (wie man z.B. bei hoaxmap.org sehen kann). Sinnvolle Reaktionen lassen deshalb sich gut vorbereiten. Die demokratischen Parteien sollten sich absprechen, wie sie mit Fake News umgehen. Das ist in ihrem eigenen Interesse.
  2. Quellen finden und Ausbreitungsmuster analysieren
    Klassische Gerüchte lassen sich normalerweise kaum zurückverfolgen. Viele Fake News haben dagegen einen genau bestimmbaren Anfangspunkt, ein Internet-Experte kann dann zurückverfolgen, wer für die Falschmeldung verantwortlich ist. Oder man stellt fest, dass der Fälscher seine Spuren professionell verwischt hat.
  3. Rechtsverstöße konsequent verfolgen
    Wenn Fake News gegen Gesetze verstoßen, also beispielsweise jemanden beleidigen, verleumden oder falsch beschuldigen, sollten die Urheber konsequent belangt werden. Damit steigt das persönliche Risiko für die Autoren. Wenn sie, wie im US-Präsidentschaftswahlkampf häufig geschehen, lediglich am Traffic verdienen wollen, werden sie dafür wohl kaum ein Gerichtsverfahren riskieren wollen. Und wenn sie im Ausland sitzen? Dann kann man Google oder Facebook durchaus verpflichten, die Auszahlung der Gewinne zu blockieren.
  4. Eingriffe in soziale Medien
    Maßnahmen auf der technischen Ebene bringen wenig. Nehmen wir Facebook als Beispiel. Das Unternehmen zieht es vor, sich nicht einzumischen, wenn sich Nutzer unterhalten. Aus eigenem Antrieb löscht es lediglich alles, was im entferntesten nach Pornografie oder Sexualität aussieht. Benutzer blockt es nach dem Prinzip des Scherbengerichts, also dann, wenn sich genügend andere Benutzer beschweren. Kritiker der türkischen Regierung sind zum Beispiel unerwünscht, weil sich regimetreue Türken fleißig über sie beklagen.
    Beleidigungen oder Verleumdungen verstoßen nicht Facebooks Prinzipien. Sie bleiben oft monatelang stehen, auch wenn sie nachweislich falsch sind. In Zukunft soll Facebook immerhin dazu gezwungen werden, auf entsprechende Beschwerden schneller zu reagieren.

Fake News sollen auf Facebook in Zukunft als „umstritten“ gekennzeichnet werden. Das wird aber wohl wenig Wirkung zeigen, schon weil Fake News schwer einzugrenzen sind. Soll man beispielsweise bei einem Zitat aus dem neuen Testament darauf hinweisen, dass nicht bewiesen ist, ob Jesus überhaupt gelebt hat?3

Ich plädiere eher dafür, die Nutzer von sozialen Medien regelmäßig daran zu erinnern, dass alle ihre Äußerungen ausgewertet werden, und dass strafbares Verhalten geahndet werden kann.4 Das entspricht der Wahrheit, und es kann nicht schaden, ab und zu darauf hinzuweisen. Viele Nutzer werden sich dann überlegen, ob sie offensichtlich falsche, oder grob beleidigende Äußerungen wirklich weiterleiten wollen.

Schlussbemerkung

Politiker sind gewählt, um ihre Wähler zu vertreten, nicht aber, um ihnen nachzulaufen. Ich erwarte von gewählten Vertretern, dass sie eigene Ideen entwickeln und überzeugend vortragen. Wer führt, muss aber die Sorgen, Ängste und Träume seiner Wähler kennen. Nur dann kann er sie ansprechen und mitnehmen. Das ist viel Arbeit. Letztlich ist sie aber notwendig, wenn man das Volk nicht den Rattenfängern überlassen will.

Anmerkungen

[1] Bei einer Umfrage im Dezember 2016 gaben 14% der Trump-Wähler an, sie glaubten die Geschichte, 54% glaubten sie nicht. Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Pizzagate_conspiracy_theory. Tatsächlich dürften es eher noch weniger Wähler gewesen sein, die diese Lüge geglaubt haben, aber sie freuten sich einfach, der verhassten Kandidatin der Gegenpartei diese ehrenrührige Geschichte anzuhängen.

[2] Wer sich noch genauer damit befassen möchte, dem sei das Buch „Gerüchte“ des französischen Wirtschaftswissenschaftlers Jean-Noël Kapferer aus dem Jahr 1996 empfohlen. Es ist in Deutschland aber leider nur noch antiquarisch zu haben. Die französische Originalausgabe stammt aus dem Jahr 1994.

[3] Ein sehr guter Artikel zu diesem Thema ist schon im November 2016 im britischen Guardian erschienen.

[4] Nachzulesen z.B. in der Süddeutschen Zeitung: Facebook durchsucht Chat-Protokolle

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Vor allem sollte man eins: Erstmal cool bleiben.
    Punkt drei , „Rechtsverstöße“ , ist der wesentlichste Hinseis. Es sollte einfach so gehandelt werden wie bei der bisherigen Form der Gerüchteküche , prüfen , wo die rechtsstaatliche Grenzen überschritten werden und entsprechende Konsequenzen ziehen.
    Bestehende Gesetze (analog) anwenden , prüfen , wo neue zu schaffen sind. Einzelpersonen schützen , insbesondere dann , wenn sie zu den Angreifbaren gehören.
    Letztlich verbirgt sich hinter dem Thema ein anderes , das schon länger virulent ist , die Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit im Internet.

    Ansonsten ist Vertrauen in liberale Werte gefragt , man soll und darf nicht jeden Kleinquark mit Gesetzen regeln , die Erfahrung zeigt , daß sich so manches Müllphänomen mit der Zeit abschleift , sei es Polit-Poropaganda oder sei es ein kulturelles Phänomen wie die Mülltalks im Fernsehen , die sich mittlerweilen fast selber abgeschafft haben.

    Ganz wichtig ist es , über die Vorbilder von oben zu reden. In erheblichen Teilen der Medien gibt es seit Jahren eine Tendeziösität , die längst nichts mehr zu tun hat mit freiem Journalismus .
    Und viele Weltbilder , die heute von denen verbreitet werden , die sich für „liberale Demokraten“ halten , sind auch stark verwandt mit der ganz offenen Verzerrung dessen , was vernünftig sein könnte. Und sie sind ebenso interessengesteuert , daß das dann kopiert wird , ist wenig überraschend.

  2. Sehr viel wirkungsmächtiger als Fake News ist noch die allgemeine Themensetzung der Medien (Agenda-Setting). Wenn Medien über ein Thema immer wieder berichten, finden wir es wichtig; wenn sie über ein Thema wenig oder gar nicht berichten, kennen wir es überhaupt nicht. Wenn Themen von anderen Themen überlagert werden, nehmen wir sie gar nicht wahr.

    Durch die – wissenschaftlich noch nicht sehr gut verstandenen – Wirkungen der „Filter Bubble“ mag das komplizierter geworden sein, aber das grundsätzliche große Problem des Agenda-Settings gab es schon immer. Durch Social Media orientieren sich Leser heute stärker an anderen Lesern; Journalisten haben sich schon immer an Kollegen orientiert.

    Eine technische Lösung gibt es nicht. So sehr wir auch gegen Fake News ankämpfen mögen, die Gefahren von Agenda-Setting-Effekten werden wir nicht verhindern können.

    • Sehr viel wirkungsmächtiger als Fake News ist noch die allgemeine Themensetzung der Medien (Agenda-Setting). Wenn Medien über ein Thema immer wieder berichten, finden wir es wichtig; wenn sie über ein Thema wenig oder gar nicht berichten, kennen wir es überhaupt nicht.

      Das würde ich nicht unbedingt so sehen. Zunächst einmal sind wir nicht, wie in früheren Zeiten, auf Berichte in einer Tageszeitung und zwei Fernsehprogrammen angewiesen. Über Aggregatoren wie Google News lassen sich erstaunlich viele Themen finden. Ferner gibt es inzwischen Dutzende von Fernseh- und Rundfunkkanälen. Wenn Sie ein Thema interessiert, finden Sie auch Nachrichten dazu. Das Meinungsspektrum der Journalisten ist dabei erstaunlich breit.

  3. Ihrer Schlussbemerkung:

    ‚Besser als jede Umfrage erfährt man in den sozialen Medien, welche Probleme die Menschen bewegen …‘

    muss schärfstens widersprochen werden.

    Die ‚Ergebnisse‘ auf Basis von Kommentaren aus sozialen Medien sind extrem schief. Keinesfalls handelt es sich dabei um Resultate repräsentativer Bevölkerungsbefragungen. Alte Menschen kommen so gut wie nicht zu Wort, da sie die sozialen Medien nicht oder nur in geringem Grade nutzen. Menschen, die der Sprache des sozialen Mediums nicht mächtig sind, ebenso nicht; also z.B. Ausländer und Migranten, die über keine oder nur geringe Sprachkenntnisse verfügen. Aber auch alle Berufstätigen, die keine Zeit zur Nutzung der sozialen Medien finden oder dieses nur sehr selektiv nutzen dürften bei einer Vielzahl von Themen unterrepräsentiert sein.
    Kurz: die ‚Antworter‘ in sozialen Medien stellen eine extrem verzerrte Stichprobe der Gesellschaft dar. Man erfährt zwar deren Probleme zur Genüge; über die Probleme der Gesamtgesellschaft erfährt man aber nichts oder nur in sehr verzehrter Weise.

    • Der Vergleich von Umfragen mit sozialen Medien ist sicherlich etwas unglücklich. Ich habe den Satz gestrichen. Andererseits geben Umfragen auch kein zuverlässiges Meinungsbild wieder. Ausländer oder Migranten sind in repräsentativen Umfragen mit einem so geringen Prozentsatz vertreten, dass ihre Meinung nicht zuverlässig erfasst wird. Ich wüsste auch von keiner Umfrage, die in mehreren Sprachen geführt wird. Die Wahlumfragen bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl und zur Brexit-Abstimmung gaben ein falsches Stimmungsbild. Ich hatte dazu auch einen Blog-Beitrag verfasst. In sozialen Medien äußern sich die Menschen ausführlicher als in Umfragen. Damit lässt sich ein genaueres Stimmungsbild erheben. Fragen wie
      „Ich finde es gut, dass Donald Trump seine Wahlkampfversprechen in die Tat umsetzt.“ aus dem aktuellen Deutschlandtrend der ARD sind reichlich sinnlos. Die Frage setzt voraus, dass Donald Trump seine Versprechen tatsächlich umsetzt. Bisher hat er aber lediglich einige Dekrete veröffentlicht, die die Grundlage dazu legen. Zum zweiten ist unklar, ob die Menschen es gut finden, dass ein Politiker seine Versprechen hält, oder ob sie seine Versprechen gut finden. Beide Urteile gehen in die Antwort ein, wobei unklar bleibt, was überwiegt.
      Der ARD-Deutschlandtrend wird von Infratest dimap erhoben, einem der erfahrensten Meinungsforschungsinstitute in Deutschland. Anderen passieren noch deutlich größere Fehler.

  4. Es stimmt, die Alternative ‚Repräsentaive Bevölkerungsumfrage‘ hat auch ihre Schwächen. Die Zeiten, in den repräsentaive Telefonumfragen relativ gute repräsentative Ergebnisse lieferten, zumindest für die deutsche/deutschsprechende Bevölkerung, sind lange vorbei. Heutzutage dürften Internetbefragungen die häufigste Form der ‚Bevölkerungsumfrage‘ sein. Aber diese haben erst recht ihre Tücken, vor allem auch, was ihre Repräsentativität angeht. Zumindest versuchen aber die Betreiber solcher Untersuchungen (meist Markt- und Meinungsforschungsinstitute) sich dem Ideal der Repräsentaivität durch verschiedene Maßnahmen anzunähern. Mehr oder weniger erfolgreich.

    Richtig ist auch, dass Bevölkerungsumfragen meist nur ‚an der Oberfläche kratzen‘, wenn sie als standardisierte Mehrthemenumfrage daherkommen.

    Dennoch: Wenn es um Repräsentativität geht, sind soziale Medien sicherlich die schlechtere Alternative. Und sehr leicht irreführend, wenn es um politische Schlussfolgerungen geht.

    Es wäre interessant zu sehen, wie die etablierte Meinungsforschung soziale Medien nutzen könnte, um ihrerseits die Repräsentativität – und natürlich auch die Qualität – ihrer Aussagen zu verbessern. Vielleicht gibt es so etwas ja schon.

  5. „… wirksam bekaempfen.“

    Aha, der „Frieden“ / das Fake des „freiheitlichen Zusammenlebens“ des „braven“ Buergers ist mal wieder bedroht???

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