Ein Gentechnik-Aktivist entschuldigt sich!

Mark Lynas ist Autor, Journalist und Vollblut-Umweltaktivist. In den neunziger Jahren half er dabei, gentechnisch veränderte Lebensmittel zu dämonisieren und die irrationalen Ängste in der Bevölkerung aufzubauen, mit denen wir es heute zu tun haben. Das war falsch, wie er heute weiß: „Als ein Umweltschützer und jemand, der glaubt, dass jedermann das Recht auf eine gesunde und nahrhafte Ernährung seiner Wahl hat, hätte ich keine kontraproduktiveren Weg einschlagen können.“[1] Mark Lynas sprach kürzich bei der Oxford Farming Conference über die Gründe, wegen der er noch bis 2008 Gentechnik auf dem Acker komplett ablehnte und entschuldigte sich vor versammeltem Publikum für diese Fehleinschätzung. Der Vortrag wurde aufgezeichnet und ist sehr sehenswert (bzw. lesenswert ist auch die deutsche Übersetzung).

 

Mark Lynas sprach am 3. Januar 2013 auf der Oxford Farming Conference (Video, Transkriptum und Diskussion hier in Lynas‘ Blog).

Wider den wissenschaftlichen Analphabetismus

Was ist passiert? Warum hat Lynas seine Meinung geändert? Er sagt: „Die Antwort ist ziemlich einfach. Ich habe die Wissenschaft entdeckt.“

Lynas hatte immer besonderes Interesse an der globalen Klimaveränderung und verfasste inzwischen zwei Bücher zu dem Thema, eines davon wurde sogar preisgekrönt. Er erlernte bei seinen Recherchen das Arbeiten mit wissenschaftlicher Literatur, wie etwa die formale Präsentation in Fachzeitschriften, das Peer Review. So zeigte sich, dass die Theorie der menschengemachte Klimaerwärmung von einem breiten wissenschaftlichen Konsens gestützt wird, ganz im Gegensatz zur Verteufelung der Gentechnik.

Zu seiner Überraschung wurden die Standpunkte, die er fast zwei Jahrzehnte zusammen mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wie Greenpeace, Friends of Earth und Co. lautstark vertrat, nicht von der Literatur getragen. Die sagte nämlich oft genau das Gegenteil von dem, was die selbsternannten Weltenretter behaupteten. Beispielsweise verbrauchen insektenresistente Feldfrüchte weniger Pestizide, und nicht etwa paradoxerweise mehr. So nützt Gentechnik auch direkt den Bauern, deren Kosten sinken und Erträge steigen, und nicht ausschließlich den großen Konzernen. In Indien und Brasilien wurden Gentechnik-Samen illegal ausgesät, weil sie so begehrt waren, es stimmt also nicht, dass niemand Gentechnik will. Die gefürchtete Terminator-Technologie, bei der die Samen der Gentech-Pflanzen steril sind, ist einfach nicht existent. Und auch was die Sicherheitsfragen angeht, gibt es keine wirklich offenen Fragen mehr: Gentechnik ist nicht etwa „unnatürlich“ und damit automatisch gefährlich, im Gegenteil ist „Natürlichkeit“ kein Grund, etwas abzulehnen, und es hat keinen einzigen Fall gegeben, bei dem eine Person durch den Verzehr von grüner Gentechnik zu Schaden gekommen wäre. 

Während die Umweltschutzbewegung also den wissenschaftlichen Konsens in Bezug auf die Klimabewegung unterstützt, lehnt sie ihn in der Biotechnologie ab. Diese Dissonanz ist Mark Lynas förmlich ins Gesicht gesprungen und er hatte die Größe, seine Fehler zuzugeben, seine Position zu überdenken und sie der Realität anzupassen. 

Wissenschaft spielt bei der Position der NGOs praktisch keine Rolle

Das alles ist aber für die institutionalisierten Umweltschützer kaum von Bedeutung, denn deren Standpunkt wird zentral vor allem durch zwei einfache Motive gestützt: Erstens, die Biotech-Industrie (verkörpert durch das Feindbild des US-Konzerns Monsanto) Milliarden an der Gentechnik, und das könne nicht gut sein. Zweitens, die Technologie an sich sei gefährlich, weil sie anders als Züchtung unnatürlich sei.

Die Realität ist natürlich etwas komplexer, aber dadurch weit weniger bequem. Das erste Argument appelliert an das Gefühl der Machtlosigkeit, das einen gegenüber multinationalen, gesichtslosen, profitorientierten Konzernen schnell überkommt. Jeder, der schon einmal schlecht von der deutschen Bahn behandelt wurde und sich darüber beschweren wollte, weiß, was ich meine. Dabei werden Seife und Autos auch von dieser Art von Industrie gebaut, und niemand ist deshalb gegen Hygiene oder das Rad. Allein die Profitorientiertheit oder Größe der Branche ist kein hinreichender Grund, etwas abzulehnen. Über Jahre hinweg wurden aus einem falschen Vorsichtsgedanken heraus riesige bürokratische Hürden aufgebaut und immer weiter erhöht, bis diese nur noch von großen Konzernen überwunden werden konnten. Zulassungsverfahren, die sich über zehn Jahre hinziehen und dabei viele Millionen kosten, schließen kleine und mittlere Unternehmen, sowie den öffentlichen Sektor völlig aus dem Spiel aus. Hier gibt es einige Parallelen zum Pharma-Sektor. Allerdings wäre im Bereich Biotechnologie – ganz im Gegensatz zu Pharma-Bereich – eine Deregulierung und Entbürokratisierung sinnvoll, um den Markt für die Kleinen zu öffnen und die Großen wie Monsanto zu schwächen. 

Das zweite Argument klassifiziert alles „natürliche“ als „gut“, und das passt eigentlich ganz gut zu den Umweltschutzorganisationen. Das Problem ist aber, dass man schon vor einigen Jahrhunderten erkannt hat, dass ein bereits existierender Zustand kein Maßstab für eine moralische Norm sein kann. Dieser Denkfehler hat sogar einen eigenen Namen bekommen: es ist der naturalistische Fehlschluss oder das Sein-Sollen-Problem. Es ist also ganz egal, ob Gentechnik natürlich ist, oder nicht: Letztendlich müssen wir die Vor- und Nachteile ganz individuell abwägen und entscheiden, ob wir damit damit Gutes tun können. Grundlage für diese Entscheidungen sind Erkenntnisse aus der Wissenschaft.

Infolge der übertriebenen Angst vor der Gentechnik gab es immer wieder „Feldbefreiungen“, bei denen auch aus öffentlichen Geldern finanzierte und nicht-kommerzielle Projekte sabotiert wurden, wertvolle Forschungsergebnisse gingen dabei verloren und sogar von tätlichen Übergriffen auf Wissenschaftler wurde berichtet. 

Dabei bieten bereits heute verfügbare Merkmale viele Umweltvorteile, vor allem eine Reduzierung der benötigten Ressourcen. Lynas sieht sie als Werkzeug, um das Problem der globalen Nahrungsmittelversorgung zu überwinden. 

Gibt es Hoffnung?

Die Opposition gegen Gentechnik ist also politisch und emotional motiviert, und basiert nicht auf den Befunden, die die Wissenschaft in den letzten Jahren produziert hat. Die Umweltschutzbewegung hat sich in ihrer Anti-Position festgefahren und wird ihre Probleme haben, aus ihrer wissenschaftsfeindlichen Haltung herauszufinden. In Deutschland gehen die Bündnis-Grünen mit der Angstmacherei auf Stimmenfang, allen voran MdB Harald Ebner, „Fraktionssprecher für Agrogentechnik“, der selbst einer Fäule-resistenten Kartoffel mit einem verpflanzten Wildkartoffelgen nichts abgewinnen kann

Man kann natürlich über diese Leute lachen, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass es gefährlich werden kann, wenn Personen mit antiwissenschaftlichen Ansichten in Schlüsselpositionen gelangen. In Südafrika war für lange Zeit eine Regierung an der Macht, die die Existenz von HIV/AIDS leugnete, infolgedessen starben sinnlos tausende Menschen. Wir mitteleuropäischen Wohlstandsmaden können es uns hier und heute leisten, gegen „Gene“ zu demonstrieren, teuer Bio zu essen, dessen höherer Landverbrauch zu Lasten der Wildnis und unserer endlichen irdischen Ressourcen geht.[2] In anderen Regionen der Welt sieht es anders aus. Unsere antiwissenschaftliche Position geht indirekt gegen diejenigen, denen es selbst an Essen fehlt. 

Wie geht es also weiter? An die NGOs und Aktivisten gerichtet, sagte Lynas: „Ihr könnt an euren Ansichten festhalten, aber diese sind nicht durch Wissenschaft gestützt“. Er spricht sich dafür aus, dass man mit den NGOs in einen Dialog tritt. Die Chance, dass die Organisationen ihre Position ändern, wäre vorhanden, bei ihm hätte es schließlich auch geklappt. Greenpeace sei schließlich nicht der Papst und müsse nicht 2000 Jahre lang dasselbe sagen, die verlorenen 15 Jahre wären schnell aufzuholen.

Ich bin weniger optimistisch, denn der Community-Aspekt unter den Umweltschützern spielt sicher eine nicht zu unterschätzende Rolle. Abweichler werden schnell als Ketzer gebrandmarkt, wie es Anti-Gentech-Aktivistin Dr. Vindana Shiva auch mit Mark Lynas tat und twitterte:

Wenn Mark Lynas sagt, Bauern sollten frei Gentech-Pflanzen anbauen können, die Bio-Betriebe kontaminieren könnten, dann ist das wie zu fordern, Vergewaltiger sollten frei vergewaltigen können. [3]

Das ist das Niveau, auf dem Aktivisten argumentieren. Ich habe wenig Hoffnung, dass sich diese Leute je überzeugen lassen oder Interesse haben, sich über die Fakten zu informieren. 

Links 

Anmerkungen

[1] Mark Lynas: „As an environmentalist, and someone who believes that everyone in this world has a right to a healthy and nutritious diet of their choosing, I could not have chosen a more counter-productive path. I now regret it completely.“

[2] Nach nochmaligem Lesen empfinde ich den Satz als missverständlich, er gibt nich wider, was ich meinte. Was gemeint war: Mit dem derzeitigen Stand der Bio-Landwirtschaft wird man kaum die gesamte Welt ernähren können. Wenn sich die Bio-Bewegung weiterhin stark an der Wissenschaft und vor allem an Ökologie und Biologie orientiert, kann sich das aber auch ändern. In jedem Fall wird sich die Landwirtschaft der Zukunft stärker am Biolandbau und weniger an einfachen chemischen Input/Output-Formeln orientieren müssen, um Umweltschäden zu minimieren. Momentan ist aber der Mehrbedarf an Land nicht weiter schlimm, denn in Europa haben wir mehr als genug brachliegende Flächen. Und nicht jede Bio-Feldfrucht hat einen höheren Flächenbedarf. Allerdings ist weder die Bio-Landwirtschaft noch Gentechnik ein Patentrezept, um die „ideale Landwirtschaftsform“ zu entwickeln, wird man sich irgendwo in der Mitte treffen müssen. 

[3] Vandana Shiva auf Twitter: „#MarkLynas saying farmers shd be free to grow #GMOs which can contaminate #organic farms is like saying #rapists shd have freedom to rape“ 

Martin Ballaschk ist Biologe, enthält Glutamat und ist auch noch stolz drauf! Er bloggt hier über Dinge, die ihn erstaunen, aufregen oder die er einfach für sich und seine Mitmenschen aufarbeiten möchte. Beruflich als Kommunikator an einem Berliner Forschungszentrum, hier privat.

46 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Motivation?

    Die Akribie und Recherchetiefe von Lynas in ‚Six Degrees‘ hat mir imponiert. Darf man davon ausgehen, dass die Konsequenzen der Gentechnik ähnlich gut untersucht wurden wie Klimafolgen und dass mehrere tausend Seiten starke Metaanalysen wie die IPCC Sachstandsberichte vorliegen?

  2. everyone should trust sceptical science

    Anti-Science Positionen findet man heute erschreckenderweise selbst in Volksparteien – man denke an den typischen US-Republikaner, der Evolutionstheorie und Klimaforschung ablehnt. Dass Organisationen mit so breiter Unterstützung in der Bevölkerung wie Greenpeace Anti-Science-Positionen vertreten, scheint mir vor allem deshalb eine unheilvolle Entwicklung, weil es ähnlich wie bei den US-Republikanern bedeutet, dass Weltbilder und vorgefasste Meinungen über Wissen obsiegen und dass es ein Einigeln in kämpferische Positionen gibt, die sich gegen jeden Einwand immunisiert haben. Mit Konsequenzen beispielsweise, dass
    – es fast unmöglich wird in Europa Masern zum Verschwinden zu bringen, weil unbelehrbare Impfgegner das Verhindern
    – der Sieg der Republikaner in den USA auch einen Sieg über die Klimawissenschaft und gegen das Lehren der Evolutionstheorie an den Schulen bedeuten würde

    Anti-Science Positionen wie der Kreationismus, das Festhalten am heliozentrischen Weltbild, die Auffassung von Homosexualität und Gleichberechtigung der Geschlechter als Widernatürlichkeit waren schon immer in der Religion beheimatet und gehören heute – nach Korrekturen bei den „Kirchen“ – noch immer zu jeder Form des religiösen und weltanschaulichen Fundamentalismus.

    Das Vordringen von Anti-Science-Positionen bedroht heute aber auch die säkulare Gesellschaft nur schon weil es dann immer weniger gemeinsam von allen Mitgliedern der Gesellschaft vertretene Positionen gibt und eine Aufspaltung in „Glaubens-und Weltanschuungsgmeinschaften“ sogar innerhalb der säkularen Gesellschaft droht.

    Wer Anti-Science-Positionen einnimmt, lehnt nicht selten gar Wissenschaft und die wissenschaftliche Methode an und für sich ab und damit die Auffassung, dass Wissenschaft universelles Wissen schaffen kann. Doch genau in völligem Gegensatz zu Leuten, die Glauben über Wissen stellen, stellen Wissenschaftler und stellt ehrliche Wissenschaft nie Wissen über Wissen. Mit andern Worten: Das Wissen der (Natur-)Wissenschaft ist revidierbar. Was die Klimawissenschafter heute bezüglich Erderwärmung durch Treibhausgase behaupten, ist revidierbares Wissen und kein Credo, kein für immer festgeschriebenes Dogma.

    Anti-Science-Positionen sind somit Gift für eine liberale, säkulare Gesellschaft, denn sie bedeuten eine Verhärtung von (Noch-)Mitgliedern dieser Gesellschaft gegenüber einem von Wissen geleiteten Wandlungsprozess dieser Gesellschaft.

    Eine Pro-Science-Haltung passt dagegen viel besser zu einer säkularen, globalen Weltgemeinschaft, denn sie bedeutet, dass die Gesellschaft bereit ist, neues Wissen aufzunehmen und in gesellschaftliche Praxis umzusetzen.

    Wenn sich bedeutende Gruppen gegen die Universalität des Wissen und neuer Erkenntnisse stemmen, wird gemeinsamens globales Handeln gar unmöglich. Mit zuvielen Impfgegnern können Infektionskrankheiten nicht mehr ausgerottet werden, mit zuvielen Klimawandel-„leugnern“ ist globaler Klimaschutz – und damit Klimaschutz überhaupt – unmöglich und mit zuvielen Gegnern der Gleichstellung von Mann und Frau wird die Uno ihre entsprechenden Progamme in vielen Ländern einstellen müssen.

  3. Danke!

    Lieber Martin,

    vielen Dank für den sehr interessanten Blogpost! Auch bei mir schlagen in Fragen Gentechnik immer zwei Herzen in der Brust, mit einem Prä auf die Freiheit von Forschung und Lehre. Insbesondere die Gewaltbereitschaft einiger Anti-Gen-„Aktivisten“ finde ich verstörend.

    Meinen ersten Umweltschutz-Hype erlebte ich als Schulkind – das Waldsterben sei kaum noch aufzuhalten, uns allen drohe der Tod. Bis heute ärgert es mich, dass es in Deutschland kaum ernsthafte Studien und Debatten über diese Zeit gegeben hat.
    http://scilogs.spektrum.de/…tlich-aus-dem-waldsterben

    Die Stärke, die Mark Lynas gezeigt hat, seine eigenen Positionen zu überprüfen und ggf. auch zu revidieren, wäre m.E. in Umweltschutzkreisen bitter nötig, um einem fortschreitenden Vertrauensverlust entgegen zu wirken…

  4. @Martin Holzherr

    Sie schrieben: Anti-Science Positionen wie der Kreationismus, das Festhalten am heliozentrischen Weltbild, die Auffassung von Homosexualität und Gleichberechtigung der Geschlechter als Widernatürlichkeit waren schon immer in der Religion beheimatet und gehören heute – nach Korrekturen bei den „Kirchen“ – noch immer zu jeder Form des religiösen und weltanschaulichen Fundamentalismus.

    Bei aller Sympathie für Ihr Anliegen und der Ablehnung von Kreationismus, Klimawandelleugnung usw. darf ich doch darauf verweisen, dass beispielsweise die angebliche Unterlegenheit von Frauen (Sexismus), von Menschen dunkler Hautfarben (Rassismus), die Verherrlichung von Krieg und Gnadenlosigkeit (Sozialdarwinismus) oder auch die Rechtfertigung von Eugenik und Euthanasie quer durch das 20. Jahrhundert „im Namen der Wissenschaft“ betrieben wurde. Heute schämt man sich doch eher für jene, die sich in diesen Fragen nicht gegen den großen Konsens stemmten…

    Mit der Ersetzung von Religionen und Weltanschauungen durch die je gerade angesagten wissenschaftlichen Positionen hat die Menschheit – und haben die Wissenschaften! – keine guten Erfahrungen gemacht. M.E. bleibt es unverzichtbar, zwischen Wissenschaften und Weltanschauungen zu unterscheiden.

    Wie es der Blogger hier im Post m.E. richtig schrieb: Dieser Denkfehler hat sogar einen eigenen Namen bekommen: es ist der naturalistische Fehlschluss oder das Sein-Sollen-Problem. Es ist also ganz egal, ob Gentechnik natürlich ist, oder nicht: Letztendlich müssen wir die Vor- und Nachteile ganz individuell abwägen und entscheiden, ob wir damit damit Gutes tun können.

    Und das „Abwägen“ und die Frage nach dem „Guten“ sind Fragen etwa von Moral und Ethik, die die Kompetenz empirischer Wissenschaft überschreiten (müssen).

  5. Waldsterben @Michael Blume

    Du schreibst: „Bis heute ärgert es mich, dass es in Deutschland kaum ernsthafte Studien und Debatten über diese Zeit gegeben hat.“

    Das stimmt nicht ganz, das Thema Waldsterben hat sogar Eingang in die Schulbücher gefunden und wird als positives Beispiel für die Anstrengungen im Umweltschutz gesehen. Freilich war da auch Angst und Panikmache im Spiel, aber das hat letztlich mit dazu geführt, dass Maßnahmen gegen den sauren Regen und für eine bessere Luftqualität getroffen wurden. Die Politik setzte durch, dass Autos Katalysatoren bekamen, Benzin bleifrei wurde und die Industrie Filteranlagen einbauen musste.

    Die Wälder waren und sind nicht alle gleich stark betroffen. Bei uns hier im Bayrischen Wald waren besonders die Fichtenwälder, als reine Monokulturen, sehr stark geschädigt. Diese haben sich Inzwischen etwas erholt, dafür sind die Buchen, laut Waldzustandsbericht von 2011, stärker geschädigt. Grund zum Jubeln besteht also nicht!

    http://www.wald.de/…tandsbericht-2011/#more-2404

  6. @Michael Blume: Vorsicht mitWissenschaft

    Wissenschaftlichkeit sollte man nicht leichtfertig beanspruchen. Man tat und tut das aber immer wieder, wenn das angeblich Wissenschaftliche einem selber in den Kram passt, wofür das von ihnen gegebene Beispiel (Zitat)“ Rechtfertigung von Eugenik und Euthanasie quer durch das 20. Jahrhundert „im Namen der Wissenschaft“ steht.

    Glaube an die wissenschaftliche Methode und selbst eine Pro-Science-Haltung können nie – da gebe ich ihnen recht -(Zitat sinngemäss)“Religionen und Weltanschauungen ersetzen“.
    Ich bin nicht gegen Weltanschauungen, sondern bevorzuge vielmehr das tolerante, inklusive, andere Weltanschauungen akzeptierende Glaubenssystem des Humanismus und der Menschenrechte, das die Basis unserer säkularen, globalen Gesellschaft ist und das selbst in weiten Bereichen die UNO und ihre humanitären Institutionen durchdringt. Meine Behauptung: Man kann mit diesem (minimalen) Glaubenssystem allein auskommen und wenn man das tut ist man gut beraten, eine positive Einstellung zur Wissenschaft einzunehmen, denn sie ist eine der wenigen Quellen von universellem Wissen, die zu Handlungen von globaler Reichweite legitimiert.
    Wissen übersetzt sich aber nicht direkt in Handeln. Nur ein Glaubenssystem und eine Ehtik erlauben es, Wissen in die für die betroffenen Menschen richtigen Handlungen umzusetzen. Wenn es um Handlungen auf globaler Ebene geht, können nur die humanistischen, in den Menschenrechten zum Ausdruck kommenden Überzeugungen als Richtschnur dienen.

    Eine Anti-Science-Position liegt für mich nur dann vor,
    – wenn man die Erkenntnisse der Wissenschaft ignoriert oder bekämpft weil sie einem nicht in den Kram passen
    – man den Dialog mit der Wissenschaft scheut oder die Wissenschaft/die Wissenschaftler diffamiert
    – wenn man erwiesenermassen wissenschaftlich falsche und überholte Argumente verwendet
    – wenn man einem rationalen Diskurs aus dem Weg geht und mit diffusen oder irrationalen Ängsten operiert

    Greenpeace zeigt eine Anti-Science-Position in Bezug auf die Gentechnik, weil sie
    – immer wieder erwiesenermassen falsche Argumente gegen die Gentechnik aufbietet und weil
    – ihre Öffentlichkeitsarbeit auf dem Wecken von diffusen und irrationalen Ängsten beruht.

  7. Vertrauen in die Wissenschaft fassen

    Eine interessante Geschichte, vor allem weil Mark Lynas so anschaulich erzählt, was ihn dazu gebracht hat, Vertrauen in die Wissenschaft zu fassen – erst beim Thema Klimawandel und dann, als logische Weiterführung, auch beim Thema Gentechnik. „I did some reading“, wie er sagt.

    Evidenzbasierte Studien, das Prinzip des Peer Review, und das nachvollziehbare , daten-basierte und bedrohliche Szenario der Nahrungsmittel-und Wasserknappheit haben ihn überzeugt, Vertrauen in Wissenschaft und Biotechnologie zu fassen.

    Ich habe mir drüben auf meiner neuen Seite Gedanken über Wissenschaft und Pseudowissenschaft gemacht ( http://panagrellus.de/?p=126 ) und bin ganz am Ende zu dem Schluss gekommen, dass es viel mit der persönlichen Sozialisation zu tun hat, ob man der Wissenschaft vertraut oder nicht – Esoteriker und Anhänger der diversen Pseudowissenschaften und Verschwörungstheorien sind nicht nicht alle dumm und ungebildet.

    Auch bei Mark Lynas kam der Umschwung anscheinend dadurch, dass er selbst den Wert und die Glaubwürdigkeit der wissenschaftlichen Methode erfahren hat; nämlich bei seinen Recherchen zum Klimawandel. Von da war es dann nur noch ein kleiner Schritt , die gleichen Prinzipien auch beim Thema Gentechnik anzuwenden.

    Insofern teile ich schon ein wenig Lynas‘ Optimismus. Allerdings: Was mir persönlich, als Heimkehrer nach 5 Jahren in England , auch auffällt: In GB, der Heimat von Mark Lynas, ist das gesellschaftliche Klima wissenschaftsfreundlicher. Themen wie evidenzbasierte Politik und wissenschaftliche Herangehensweisen an alle möglichen Fragen kommen öfter und prominenter in den Medien vor als hier in D – mein ganz subjektiver Eindruck jetzt.

  8. @Mona

    Dann haben also die Regierungen Kohl den Wald gerettet? Hussah! 🙂

    Nein, ernsthaft: Selbstverständlich finde auch ich es toll, dass durch die Waldsterben-Debatten viele Schübe in der Umwelttechnologie (Autokatalysatoren, Entschwefelungsanlagen etc.) vorangekommen sind. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass auch in Ländern, in denen es weder die Hysterie noch die Maßnahmen gab, der Wald nicht gestorben ist.

    Und da eben beginnt mein Unbehagen: Ob es um den Zustand des Waldes oder die Gentechnik geht – ich lasse mich durch wissenschaftliche Argumente sehr gerne überzeugen, aber nicht durch pseudo-wissenschaftliche Argumente manipulieren. Auch von Umweltverbänden würde ich die gleiche Bereitschaft zur Selbstkritik erwarten (oder besser: erhoffen), die Mark Lynas oben beispielhaft zeigt. Irren (auch im Sinne von: Irrtümlich übertreiben) halte ich für gar nicht schlimm, sondern für menschlich – wider besseren Wissens jedoch an Falschbehauptungen festzuhalten jedoch für empörend und Glaubwürdigkeit zerstörend.

    • Das Waldsterben ist ein interessantes Thema, da es heute 30 Jahr später sehr gut betrachten lässt.
      1993 wurde endgültig festgestellt das es dieses Waldsterben nie gegeben hat.
      Die trockenen Wälder konnten mit dem Wetter und dem natürlichen Prozess eines gesunden Baumes klar erklärt werden. Ein Baum wirft die Blätter oder Nadeln ab, bevor er ganz vertrocknet, das Blattwerk transpiriert und würde den Baum noch stärker belasten.

      1993 wurde in einer Studie belegt, der Wald stirbt nicht er wächst und das seit 1947.
      „Der Bund hat dem Überbringer damals Käuflichkeit durch die finnische Regierung vorgeworfen, nebenbei sei er auch noch mit einer Finnin verheiratet…“

      Die Entschwefelung war lange vorher beschlossen unter Helmut Schmidt

      Das Waldsterben ist ein sehr gutes Beispiel wie zwei Personen und dann die NGOs Millionen von Menschen zur Hysterie getrieben haben.
      Damalige Forscher die gegenteiliges Behaupten waren „gekauft“, der natürliche Vorgang der Wälder wurde völlig missachtet, niemand hörte auf Fachleute.

      Film von Miersch: Die Wahrheit über das Waldsterben
      http://www.youtube.com/watch?v=fY6yp9P9BCQ

  9. @Michael Blume

    „Dann haben also die Regierungen Kohl den Wald gerettet…“

    Ja, Umweltschützer sind halt auch Wähler. Die BRD hat sich danach international, vor allem aber innerhalb der EG, zu einem Vorreiter der Umweltpolitik entwickelt. Näheres siehe hier:
    http://www.bpb.de/…tem/40390/umweltpolitik?p=all

    „Fairerweise muss man aber auch sagen, dass auch in Ländern, in denen es weder die Hysterie noch die Maßnahmen gab, der Wald nicht gestorben ist.“

    Ich finde es nicht richtig, der damaligen Umweltbewegung Panikmache vorzuwerfen und zu behaupten die Maßnahmen gegen das Waldsterben seien unnötig gewesen. Außerdem weiß man ja nicht, wie sich die Sache ohne die oben erwähnten Maßnahmen entwickelt hätte. In Ländern mit sehr laschen Umweltvorschriften sind die Waldschäden z.T. exorbitant. In Bulgarien, Tschechien, Polen, Slowenien und der Ukraine sind, laut den Untersuchungsergebnissen der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (2005), 80-90% aller Bäume geschädigt.

  10. ‚Die Wissenschaft‘ weiß es (noch) nicht

    Wenn Mark Lynas und auch der Blogautor der Meinung sind, dass ‚die Wissenschaft‘ bezgl. der Unbedenklichkeit des Einsatzes von Gentechnologie bei der Lebensmittelproduktion eindeutig Entwarnung gegeben hätten, dann ist diese Einschätzung aus wissenschaftlicher Sicht verfrüht – auch deswegen, weil es an Langzeituntersuchungen mangelt.

    Hier ein, wie ich finde, sehr ausgewogener und informativer SZ-Artikel zum Thema:

    http://tinyurl.com/aq2lpq5

  11. @Gunnar Glitscher: Ausgewogene GV-Kritik

    Sind die Lanzeitwirkungen der Apfelsorte Topaz, – einer Apfelsorte, die 1984 durch konventionelle Kreuzung zwischen zwei andern Apfelsorten entstand -, untersucht worden und bekannt? Und wie steht es mit der Mikro-RNA der Apfelsorte Topaz und ihren Einfluss auf tierische und somit auch meine eigenen Gene?
    Ich frage nur darum weil es keinen prinzipiellen Unterschied zwischen genmanipulerten und anderswie herangezüchteten Arten gibt und man eine GV-Pflanze daran erkennt, welche Proteine sie herstellt genau so wie man einen Topaz-Apfel daran erkennt, welche Proteine er herstellt.
    Den von ihnen verlinkte Artikel aus der taz bezeichnen sie als ausgewogen und informativ, obwohl er keinerlei Links zu den behaupteten Einflüssen der pflanzlichen Mikro-RNA enthält.
    Ist er ausgewogen, weil er diffuse Ängste gegenüber der Gentechnik am Köcheln hält?

  12. Danke

    @alle:

    Danke für die Kommentare. Ich kann leider zum Waldsterben nichts sagen, das ist an mkr vorbeigegangen bzw. bin ich nicht alt genug, um davon etwas mitbekommen zu haben.

    @Gunnar Glitscher:

    Ich halte die Forderungen nach immer mehr und immer längeren Langzeitstudien überhaupt nicht für zielführend. Das ist schlicht ein Totschlagargument, was etwa auch von Impfgegnern bemüht wird.

    Amüsant finde ich an dem verlinkten Artikel vor allem die folgende Passage:

    Allein in Europa sind mittlerweile 45 Arten zugelassen, darunter 26 Maissorten. Sie kreuzen sich mit Wildpflanzen oder verändern das Artenspektrum der Schädlinge. Das Problem: Einmal ausgesetzt, lassen sie sich nicht mehr zurückholen.

    Was ist dazu zu sagen? In Europa wird kaum GM-Mais angebaut. Ich wüsste gern, von welchen wilden Pflanzen in Europa Auskreuzungem bekannt sind (wilder, winterharter Mais?), und wie die Veränderung des Artenspektrums der Schädlinge wohl aussieht, wenn ich massiv Insektizide einsetze.

    Die Rückholbarkeits-Apologetik nervt einfach nur noch. Das sind alles vage Bedenken, von denen noch nichts eingetreten ist. Mal wieder eine Phrase, die jede Diskussion im Keim ersticken soll. Immerhin behauptet die Autorin nicht, dass mit GM-Pollen flächendeckend nicht-GM-Anpflanzungen „kontaminiert“ würden.

  13. Auskreuzung mit Wildarten

    Dieses Argument habe ich ehrlich gesagt noch nie nachvollziehen können. Denn es trifft auf alle Kultursorten zu, auch herkömmlich gezüchtete. Wieso wäre es weniger (bis gar nicht) schlimm, wenn ein Raps sich in die Wildnis auskreuzt, der durch herkömmliche Züchtung eine Herbizidresistenz hat? Wieso wäre eine Resistenz gegen das gleiche Herbizid, nur weil sie transgen in den Raps eingebracht wurde, plötzlich gefährlich für das Ökosystem?

    Davon abgesehen sehe ich eh nur wenig Gefahr von Kultursorten. Die wurden und werden für ein Ziel produziert: Verwendbarkeit in der Landwirtschaft. Also hohe Ausbeute, große bunte Früchte, Resistenz gegen Stoffe die in der Natur nicht vorkommen. Alles Dinge, die die Pflanze Energie kosten und die damit auf Kosten anderer Faktoren gehen. Kultursorten sind per Definition schlechter an die Wildnis angepasst als Wildsorten.
    Oder anders formuliert: Hand hoch, wer hat schon mal ein Rudel wilde Pudel im Wald gesehen?

  14. @Martin Holzherr

    Egal wie man zur Gentechnik steht, eins sollte klar sein: Eine gentechnische Veränderung ist nicht mit der konventionellen Kreuzung von Pflanzen gleichzusetzen. Diese geht über die klassische Pflanzenzüchtung hinaus, da artfremde Eigenschaften künstlich in den Genpool der Pflanzen eingebracht werden. Auf einem Wissenschaftsblog sollte dieser Unterschied nicht wegdiskutiert werden, weil sich die Leute sonst verarscht fühlen. Nicht umsonst gibt es das Gentechnikgesetz, das Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland und der EU vorschreibt. Langzeitstudien wären m.E. ein seriöser Weg, „diffuse Ängste gegenüber der Gentechnik“ wirksam zu entkräften.

  15. Es gibt keine absolute Sicherheit

    @Mona:

    eins sollte klar sein: Eine gentechnische Veränderung ist nicht mit der konventionellen Kreuzung von Pflanzen gleichzusetzen. Diese geht über die klassische Pflanzenzüchtung hinaus, da artfremde Eigenschaften künstlich in den Genpool der Pflanzen eingebracht werden.

    Künstliche Selektion von vorhandenen oder durch Mutationen erzeugten Merkmalen kann man natürlich auch als „natürliche“ Züchtung bezeichnen, aber wohin führt das? Naturalistischer Fehlschluss, ick hör dir trapsen … Beides sind künstliche Verfahren.

    Ansonsten ist die Aussage in mehrerlei Hinsicht falsch: Niemand setzt Züchtung und Gentechnik gleich, wären sie denn identisch, müsste man ja schon begrifflich nicht zwischen ihnen unterscheiden. Dazu kommt, dass durch cis-Gentechnik (Stichwort Phytophtora-resistente Kartoffeln) Gene enger verwandter Arten miteinander kombiniert. Rekombination von phylogenetisch weit entfernten Genen ist kein kennzeichnendes Merkmal von Gentechnik.

    Fakt ist: die liebe Mutter Natur kümmert sich nicht um Artengrenzen, horizontaler Gentransfer zwischen entfernt verwandten Arten ist bei Eukaryoten vergleichsweise selten, aber definitiv vorhanden. Ergo kann horizontaler Gentransfer kaum als „künstlich“ bezeichnet werden.

    Auf einem Wissenschaftsblog sollte dieser Unterschied nicht wegdiskutiert werden, weil sich die Leute sonst verarscht fühlen.

    Ich will hier nichts wegdiskutieren, man sollte nur die Dinge beim Namen nennen dürfen. Wenn ich hier immer wieder die selben unschlüssigen Argumente lesen muss, fühle ich mich allerdings verarscht. Hatten wir die Diskussion nicht schon X mal hier auf dem Blog?

    Langzeitstudien wären m.E. ein seriöser Weg, „diffuse Ängste gegenüber der Gentechnik“ wirksam zu entkräften.

    Wie lang sollten diese Studien laufen? Vier Wochen? Vier Jahre? Vierzig Jahre? Die immer wiederkehrende Forderung nach immer löngeren Langzeittests ist ein Argument, mit dem man jede, aber auch wirklich jede Diskussion über Sicherheitsbedenken untergraben kann. Ich habe oben die Sicherheit von Impfstoffen als Beispiel gegeben, ein beliebtes Impfgegnergument ist es nämlich, dass die Langzeitauswirkungen nicht hinreichend bekannt wären. Niemand kann hundertprozentige Sicherheit garantieren, keine Langzeitstudie der Welt kann das.

    Wenn, dann sollte man konsequenterweise diese Studien auch für Züchtungen fordern. Denn was ist mit Clearfield-Pflanzen, die durch konventionelle herbizidresistent gemacht wurden? Was ist mit der konventionellen Kartoffel, die nach der Zulassung Giftwirkungen zeigte und vom Markt genommen werden musste (die hatte auch Volker Stollorz in dem Videointerview mit Marcus Anhäuser erwähnt, muss noch nach der Primärquelle suchen). Es gibt keine prinzipiellen Unterschiede zwischen rekombinanten und „natürlichen“ Organismen.

  16. @Mona: Gentechnik/Züchtung Gleiches Ziel

    Mit Gentechnik kann man mehr erreichen, weil Gene mit diesen Methoden freier kombinierbar sind. Das wollte man aber schon mit den klassischen Züchtungsverfahren, erreichte es aber aus prinzipiellen Gründen nicht und war auf langwierige schrittweise, weitgehend blinde Versuche angewiesen. Teilweise werden radioaktive Substanzen und chemische Mutagene in der konventionellen Züchtung eingesetzt. Das skandalisiert niemand weil es schon lange so gemacht wird.
    Fazit:Gentechnik erreicht mehr und erreicht schneller als konventionelle Züchtung etwas erreichen kann. Potenzielle Gefahren gehen von der einzelnen genetisch veränderten Pflanze aus und nicht von der Gentechnik an und für sich. Nur weil eine Pflanz konventionell gezüchtet wurde kann man nicht schließen, dass sie harmlos und ungefährlich ist

  17. Nochmal

    @Martin B.

    „Niemand setzt Züchtung und Gentechnik gleich, wären sie denn identisch, müsste man ja schon begrifflich nicht zwischen ihnen unterscheiden.“

    Ich hatte den Kommentar von @Martin Holzherr dahingehend verstanden, als er schrieb: „Ich frage nur darum weil es keinen prinzipiellen Unterschied zwischen genmanipulerten und anderswie herangezüchteten Arten gibt und man eine GV-Pflanze daran erkennt, welche Proteine sie herstellt genau so wie man einen Topaz-Apfel daran erkennt, welche Proteine er herstellt.“

    Züchtung und Gentechnik sind zwei verschiedene Verfahren, auch wenn sie das gleiche Ziel haben, das kann man doch nicht bestreiten.

    Zu den Langzeitstudien: Vereinzelt wurden solche ja bereits durchgeführt: http://www.biosicherheit.de/…v-lebensmittel.html

    Oder sind angedacht:
    http://www.biosicherheit.de/…terungsstudien.html

    @Martin Holzherr

    „Potenzielle Gefahren gehen von der einzelnen genetisch veränderten Pflanze aus und nicht von der Gentechnik an und für sich.“

    Sie müssen hier keine Eulen nach Athen tragen.

  18. Wissenschaft braucht Daten

    @Martin Holzherr
    Den SZ-Artikel (veröffentlicht also von der Süddeutschen Zeitung, nicht von der TAZ, wie von Ihnen falsch vermutet) betrachte ich als ausgewogen, da er auf beide Seiten der Genfood-Thematik eingeht und – im Gegensatz zum Blogbeitrag oben – bestehende (Rest-?) Risiken nicht unterschlägt.

    @Martin B.
    Die Naturwissenschaften leben von Daten. Warum Sie als Naturwissenschaftler gegen wissenschaftliche Langzeitstudien sind, die Daten zu Gesundheitsrisiken liefern können, oder eben auch Bedenken mindern könnten, könnten Sie bitte noch näher erklären?

    Zu den offensichtlich bestehenden Allergie-Risiken hier ein weiterer Link:

    Zitat:
    ‚Solche potenziell allergenen Epitope können die Wissenschaftler durch Sequenzvergleiche nicht identifizieren – ihr Risiko bleibt daher unerkannt.‘

    http://scinexx.de/dossier-detail-267-6.html

    Interessant sind auch die Verflechtungen zwischen Genfood-Lobby und Kontrollorganen.

    Dazu ein SZ-Artikel: ‚Wie eine Lobby die Kontrollbehörden unterwandert‘

    http://tinyurl.com/cxk5s4h

  19. @Mona:

    Du hast ja gar nichts zu meinem Vorwurf gesagt, du würdest einen naturalistischen Fehlschluss begehen. Wie stehst du dazu? Warum siehst du Selektion als natürlich an, Rekombination aber als künstlich? Warum sollte das ein Maßstab für die Akzeptanz sein?

    Züchtung und Gentechnik sind zwei verschiedene Verfahren, auch wenn sie das gleiche Ziel haben, das kann man doch nicht bestreiten.

    Ich verstehe nicht. Tut das jemand? Ich habe „prinzipiellen Unterschied zwischen genmanipulerten und anderswie herangezüchteten Arten“ so verstanden, dass etwa zwei sequenzidentische, aber mit unterschiedlich erzeugte Organismen keinen qualitativen Unterschied haben. Die Technologie zur Erzeugung ist halt eine andere, die Ergebnisse können sogar gleich sein.

    Zu den Langzeitstudien antworte ich gleich auch mal @Gunnar:

    Sicher sind Langzeitstudien angedacht, und auch sinnvoll. Ich trete hier nicht gegen Risikoforschung ein und unterschlage auch keine Risiken, die es unbestritten gibt. Nur wird für die Fundamentalisten unter den Gentechnik-Gegnern stets ein inakzeptables Restrisiko geben, mögen die Studien auf noch so lange Zeiträume angelegt sein. Und ein Restrisiko gibt es natürlich immer, auch bei konventionellen Verfahren. Für die Impfgegner sind die Erfahrungen über Jahrzehnte nichts wert – ein Restrisiko besteht schließlich immer noch. Wenn auch nach 20 Jahren Konsum und mehreren Billionen verzehrter Frankfood-Portionen keine Fälle von Gesungheitsschäden auftraten, ebben die Forderungen nach noch mehr Forschung nicht ab.

    Es erstaunt mich, dass ich solche Selbstverständlichkeit so explizit hier hinschreiben muss, aber es geht bei der Diskussion über die Risiken immer um eine Abwägung der konventionellen Verfahren vs. die neuartigen Verfahren. Konventionelle Verfahren, wo ganze Chromosomen miteinander kombiniert werden (Oat-Maize addition lines), ganze Genome (Triticale) oder Saatgut mit Mutagenen traktiert und anschließend selektiert wird, bis Herbizitoleranz hinten raus kommt (BASF Clearfield), bergen auch ein Restrisiko. Um diese Risiken abzuschätzen bzw. abzuwehren, gibt es das Zulassungsverfahren, bzw unabhängige Risikoforschung. Es ist absolut schwachsinnig, prinzipiell eine gesamte Technologie abzulehnen und eine andere, die ähnliche Risiken birgt, zu akzeptieren.

    Lobby-Verflechtungen sind natürlich sehr unerfreulich. Ich kann nichts über die Neutralität der BfR-Leute sagen. Andererseits war die Beeinflussung bisher nicht besonders erfolgreich, oder? Aber sollte ich Then mit seinem „Institut“ überhaupt ernst nehmen?

  20. Lynas und Wissenschaftlichkeit

    Nicht einmal zwischen EFSA und GM-Industrie besteht ein Einvernehmen darüber, mit welchen statistischen Methoden die charakteristischen Merkmale von GMOs hinsichtlich einer Risikobewertung zu erfassen und gegenüber natürlichen Variationen abzugrenzen sind. Siehe dazu etwa
    doi: 10.1186/1472-6750-11-15
    doi: 10.1186/1472-6750-12-13
    sowie weitere dort angegbene Referenzen.

    Bei ernsthaft wissenschaftl. Betrachtungsweise zeigt sich die Grüne Gentechnik nur in unterschiedlichen Nuancen von grau, aber ganz gewiss nicht in pechschwarz oder rosarot. Von einer solchen Einsicht scheint mir jedoch Mark Lynas noch einige Lichtjahre weit entfernt, und er hätte wohl noch viel zu lernen, wenn er wirklich die Wissenschaft entdecken will.

  21. Keine Strohpuppen widerlegen! @Martin B.

    „Du hast ja gar nichts zu meinem Vorwurf gesagt, du würdest einen naturalistischen Fehlschluss begehen. Wie stehst du dazu? Warum siehst du Selektion als natürlich an, Rekombination aber als künstlich? Warum sollte das ein Maßstab für die Akzeptanz sein?“

    Wieso soll ich auf Aussagen antworten, die ich so gar nicht gemacht habe? Wie bereits geschrieben, bezog ich mich lediglich auf den Kommentar von @Martin Holzherr. Das Wort „natürlich“ habe ich überhaupt nicht verwendet. Ich zitiere mich mal selbst: „Eine gentechnische Veränderung ist nicht mit der konventionellen Kreuzung von Pflanzen gleichzusetzen. Diese geht über die klassische Pflanzenzüchtung hinaus, da artfremde Eigenschaften künstlich in den Genpool der Pflanzen eingebracht werden“. Thats all! Falls Du Dich an dem Wort „künstlich“ aufhängen möchtest, so weiß ich keinen anderen Ausdruck für die „künstliche“ Rekombination der DNA. Außerdem liest man das überall so, auch in Schulbüchern.

  22. Ich hoffe, dass Herr Lynas seinen Weg zur Wissenschaftlichkeit weiter beschreiten wird.

    Sehr geschickt verstehen es die Profiteure der Gentechnik, die Auseinandersetzung möglichst auf der Ebene „Gentechnik: Ja/Nein“ abzuhandeln.

    Diese Diskussion kann man schon führen, nur nicht im Kontext von Gentechnik als Technologie. Hier ist die Frage ob wir unser Essen durch industrielle Landwirtschaft mit allen ihren Konsequenzen herstellen lassen wollen. Da gibt es zwischen Biozideinsatz und Gentechnik keinen Unterschied.

    Interessant wird es erst, wenn man sich die einzelnen konreten Umsetzungen ansieht. Entscheidend zur Beurteilung ist nicht die Frage, ob Gentechnik oder nicht, sondern welche Konsequenzen ein bestimmter genetisch gepimpter Organismus hat.

    Soweit ist Herr Lynas aber noch nicht ganz.

    Ich hoffe er bschäftigt sich auch noch tiefer mit der Frage wie „die Gentechnik“ dem Welthunger zu Leibe rücken wird. Wie sollen Ertragsteigerungen und Ausweitung der Anbauflächen plötzlich Gerechtigkeit und Frieden verbreiten oder das Bevölkerungswachstum umdrehen? Das würde mich interessieren. Da will ich die wissenschaftliche Evidenz mal sehen.

    Ganz schlüssig ist mir das Argument, die Gentechnik würde nicht nur Geld in die Kassen der Saatgutkonzerne, sondern auch in die der Bauern spülen auch nicht: klassischer Weise verändert eine technologische Innovation ausschliesslich die Angebotskurve, d.h. eine größere Menge des Gutes kann zu einem geringeren Preis hergestellt und verkauft werden. Das Ergebnis sind höhere Verkaufmengen zu geringeren Preisen. Das ist freilich mit einem deutlichen Gewinn verbunden – allerdings streifen diesem Gewinn die Konsumenten ein und zwar zu Lasten der Bauern. Wo ist hier die wissenschaftliche Evidenz, die das kleine 1×1 der Volkswirtschaft auf den Kopf stellt?

    Dass die Abkehr einer irrationalen Gentechnik-Verteufelung direkt zu einem Nachbeten qualitativ genauso jämmerlicher Argumente der bisherigen Gegenseite führt ist schockierend und ganz sicher keine Hinwendung zu einer wissenschaftlicheren Herangehensweise an das Thema.

  23. @Chrys

    „…aber ganz gewiss nicht in pechschwarz oder rosarot..“
    Na das wäre ja mal ein großer Schritt in die richtige Richtung.
    Den sehe ich aber nicht in der öffentlich wirksamen Debatte. NGOs wie Greenpeace schüren bewusst Ängste. Die Folge sind überzogene gesetzliche Hürden für grüne Gentechnik in der EU. Kleine innovative Unternehmen werden entmutigt und aus dem Markt gedrängt.
    Der Verbraucher wird pauschal vor Produkten aus der grünen Gentechnik ‚geschützt‘, obgleich einige davon mit weniger Pestiziden angebaut werden können als ‚konventionell‘ produzierte. Das ist vollkommen irrational. Sind wir uns da einig?

  24. @Mona

    Ja, ich habe mich auf das Wort „künstlich” einsgeschossen. Sorry, ich war mal wieder zu übereifrig.

    @alle

    Sicher darf man auch nicht Gentechnik ohne Wenn und Aber akzeptieren – eine Sicht in Grautönen wäre auf jeden Fall die passendere Alternative zu der derzeit betriebenen Schwarzmalerei.

    Vielleicht habe ich das oben im Artikel nicht herausgearbeitet, aber ich bin ebenfalls der Meinung, dass biotechnologisch und konventionell erzeugte Pflanzen auf jeden Fall bestimmte Prüfungen unterzogen werden sollten, um Risiken zu minimieren.

    @onebrick

    Zu Volkswirtschaft kann ich nichts sagen. Von Angebotskurven habe ich schlicht überhaupt keine Ahnung, weshalb ich mich zu solchen Fragen eigentlich auch zurückhalte. Ich habe hier schlicht wiedergegeben, was Lynas gesagt hat. Mag sein, dass ich oben im Artikel meine und Lynas‘ Position deutlicher hätte trennen sollen. Naiv betrachtet finde ich aber die globale Akzeptanz allerdings schon erstaunlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Bauern gv-Saaten kaufen, obwohl sie darin keinen Vorteil sehen. Es gibt ja schließlich keine GMO-Pflicht.

  25. Transgene Soja,Mais,Baumwolle dominieren

    Wenn man anerkennt, dass Gentechnik und konventionelle Zuchtmethoden in Bezug auf den Anbau von Nutzpflanzen beide auf effizientere, resistentere und besser an die Standortbedingungen angepasste Pflanzen abzielen, so wird sich auf lange Zeit die Technik durchsetzen, die die besseren Resultate erzielt. Genau das passiert heute: Die Gentechnik als der konventionellen Pflanzenzüchtung überlegene Technik erlebt einen eigentlichen weltweiten Siegeszug – allerdings nicht in Deutschland und Europa, sondern in Brasilien, China und den USA. In Brasilien beispielsweise sind heute 90% der Soja-Anbaufläche mit gentechnisch veränderten Sorten bestellt und weltweit haben GVO-Sorten bei Soja einen Anteil von 80%. Baumwolle und Mais sind zwei weitere GV-Pflanzen, die die konventionell gezüchteten Sorten weitgehend verdrängt haben. GV-Baumwolle dominiert in Brasilien, den USA und Indien; GV-Mais in den USA, Brasilien und Kanada.
    Die Sicht der Gentechnik als beherrscht von einem gentechnisch-industriellen Komplex mit Profiteuren wie der Firma Monsanto ist übrigens weder für Brasilien noch für China zutreffend, denn dort verlieren Firmen wie Monsanto immer mehr an Einfluss und werden durch staatliche Akteuere ersetzt. Auch konventionell gezüchteteter Reis wird wohl in Kürze durch GV-Sorten, also transgenen Reis verdrängt werden, nimmt man als Masstab die Anstrengungen von staatlichen Instituten in China, auch wenn China kürzlich angekündigt hat auf den kommerziellen Einsatz von GV-Reis vorerst zu verzichten.

    Für transgene Nahrungsmittel spricht aber nicht nur der bessere Ertrag der oben erwähnten GV-Nutzpflanzen, sondern auch die viel strengeren Zulassungsverfahren im Vergleich zu konventionell gezüchteten Pflanzen. Die Einwände, die hier Gunnar Glitscher gegen transgene Pflanzen anführt wie die fehlenden Langzeitstudien oder das unbekannte Allergierisiko trifft wenn schon auf konventionell gezüchtete Pflanzen zu, nicht auch GV-Pflanzen, die meist viele Jahre geprüft werden, bevor sie zum Einsatz kommen. Das gilt auch dort, wo staatliche Akteure hinter den GV-Anstrengungen stehen. So liest man: „Im November 2009 wurde in China erstmals eine gentechnisch veränderte Reissorte zum kommerziellen Anbau zugelassen, nach über 20 Jahren Forschung und Freilandversuchen seit 1997“

  26. Das Problem ist, dass Monsanto das Saatgut patentiert hat. Weltweit! Selbst Kreuzungen mit Monsanto-Erb-Saatgut, bringen so Bauern auf der ganzen Welt in Zahlungszwang.
    Das darf nicht sein!
    Die Bauern wollen ihre eigene Saat ausstreuen, aber weil es von genmanipulierten Monsanto-Saatgut infiziert ist, dürfen Sie es nicht mehr verwenden, weil Monsanto das Patent drauf hat.
    Ich bin absolut keine Technik-Feind, von daher auch kein Gentechnik-Feind. Aber wie hier argumentiert wird, dass z.B. durch den Einsatz von Gentechnik weniger Pestizide angewendet werden müssen, ist der falsche Ansatz. Bio Lebensmittel sind nun mal einfach deutlich besser, eben gerade weil keine Pestizide verwendet werden. Und natürlich brauchen Sie auch mehr Agrarflächen und verursachen daher höhere Kosten. Aber die Qualität ist auch deutlich besser. Und sie schmecken auch deutlich besser. Ich kenne mich damit aus!
    Meiner Meinung nach, darf jeder essen was er will und von mir aus auch produzieren was er will, solange es niemand anderen beeinträchtigt. Aber bei der Gentechnik werden durch die Übertragung des Erb-Gutes, auf „nicht-gentechnisch-produzierte-Nahrungsmittel“ Grenzen überschritten. Das ist nicht kontrollierbar. Außerdem wurde wissenschaftlich erwiesen, dass gentechnisch produzierte Nahrungsmittel auch schädlich sein können.
    Meiner Auffassung bedarf es dringend:
    1. Kennzeichnungspflicht
    2. absolut 100%ige Abgrenzung zu Nichtübertragung auf natürliches Saatgut
    3. absolute Abgrenzung, wenn Gentechnik (gentechnisch produzierte Nahrungsmittel) als Tierfutter verwendet wurde und daher das Fleisch, die Milch, die Eier usw. auch indirekt gentechnisch sind.
    Der Verbraucher muss die Entscheidungsfreiheit behalten! Das ist die wichtigste Voraussetzung für eine Freigabe von neuen Technologien. Jeder muss für sich selber entscheiden können, ob er gentechnisch manipulierte Nahrung zu sich nehmen will oder nicht.
    Dies dürfte bei Gentechnik leider schwer zu bewerkstelligen sein.

  27. Hallo GvS,

    danke für deinen Kommentar.

    Das Problem ist, dass Monsanto das Saatgut patentiert hat. Weltweit!

    Ja und nein. Monsanto hat vor allem in den USA ein marktbeherrschende Stellung, aber weltweit sieht es anders aus. Wie Martin Holzherr weiter oben ausführte, werden viele GV-Pflanzen in staatlichen Einrichtungen entwickelt, wo kein Profitgedanke dahinter steht. Hier geht man mit Lizenzen und Patenten entsprechend freier um.

    Selbst Kreuzungen mit Monsanto-Erb-Saatgut, bringen so Bauern auf der ganzen Welt in Zahlungszwang.

    Davon wird zwar immer geredet, aber ich habe davon noch nie direkt gehört. Die Vermehrungsrechte für moderne Sorten – gentechnisch oder nicht – liegen in der Regel immer bei Saatgutentwickler.

    Die Bauern wollen ihre eigene Saat ausstreuen, aber weil es von genmanipulierten Monsanto-Saatgut infiziert ist, dürfen Sie es nicht mehr verwenden, weil Monsanto das Patent drauf hat.

    Das hat, wie gesagt, meines Wissens nur bedingt etwas mit Monsanto oder Biopatenten zu tun. Wenn ein Hersteller neue Sorten auf den Markt bringt, dann darf nur er die Saaten herstellen, bzw. darf man Nachbaulizenzen einholen. Das gilt auch für konventionelle Sorten, die werden idR auch fertig gebeizt, gereinigt, mit Keimgarantie usw. nachgekauft. Das ist bei modernen Hybridsorten nötig, weil die Pflanzen nur in bestimmten Generationen hohe Erträge zeigen, in der nachfolgenden oft nicht mehr (Heterosis-Effekt)

    Über die Sinnhaftigkeit des Sortenschutzes kann man aus Landwirt- und Verbrauchersicht sicher streiten, die Maßnahme soll aber den Saatgutherstellern ein „wiedereinbringen ihrer Invenstitionen“ sicherstellen. Saatgutentwicklung kostet eben viel Geld.

    Ich bin absolut keine Technik-Feind, von daher auch kein Gentechnik-Feind. Aber wie hier argumentiert wird, dass z.B. durch den Einsatz von Gentechnik weniger Pestizide angewendet werden müssen, ist der falsche Ansatz. Bio Lebensmittel sind nun mal einfach deutlich besser, eben gerade weil keine Pestizide verwendet werden.

    Das stimmt nicht. Im Biolandbau werden Pestizide wie zB Rotenon, Bt-Lösungen oder Kupfersulfat eingesetzt, da sie aus irgendwelchen Gründen als „natürlich“ gelten. Ein verantwortlicher Landwirt wird sich bemühen, möglichst wenig Pestizide zu verwenden.

    Und natürlich brauchen Sie auch mehr Agrarflächen und verursachen daher höhere Kosten.

    Es geht Lynas nicht um die Kosten, sondern um die Landflächen, die derzeit von Wildnis bedeckt sind und für Bio-Produktion urbar gemacht werden müssten. Theoretisch also Bio-Äcker auf Regenwald.

    Aber die Qualität ist auch deutlich besser. Und sie schmecken auch deutlich besser. Ich kenne mich damit aus!

    Meines Wissens wurden in Studien qualitativ keine bzw. kaum Unterschiede gefunden. Aber wenn du mehr weißt, bin ich offen für neue Erkenntnisse.

    Aber bei der Gentechnik werden durch die Übertragung des Erb-Gutes, auf „nicht-gentechnisch-produzierte-Nahrungsmittel“ Grenzen überschritten.

    Verunreinigungen mit anderen Sorten gibt es überall. Gene oder DNA sind nicht giftig. Warum ist das so ein Aufreger?

    Außerdem wurde wissenschaftlich erwiesen, dass gentechnisch produzierte Nahrungsmittel auch schädlich sein können.

    Ich hätte dafür gerne eine Quelle.

    Wäre mir neu, dass es an der Technologie an sich. Wenn man in eine Kartoffel ein Gen für Ricin kloniert, ist die Kartoffel natürlich giftig. Das liegt dann aber nicht an der Technologie, sondern am Gift.

    2. absolut 100%ige Abgrenzung zu Nichtübertragung auf natürliches Saatgut
    3. absolute Abgrenzung, wenn Gentechnik (gentechnisch produzierte Nahrungsmittel) als Tierfutter verwendet wurde und daher das Fleisch, die Milch, die Eier usw. auch indirekt gentechnisch sind.

    Nirgendwo sonst gibt es „absolute“ Grenzen, nicht einmal für Dioxin in Bio-Eiern.

    Der Verbraucher muss die Entscheidungsfreiheit behalten! Das ist die wichtigste Voraussetzung für eine Freigabe von neuen Technologien. Jeder muss für sich selber entscheiden können, ob er gentechnisch manipulierte Nahrung zu sich nehmen will oder nicht.
    Dies dürfte bei Gentechnik leider schwer zu bewerkstelligen sein.

    Ich habe nichts spezifisches gegen „Genfood“, kann es aber nirgendwo kaufen. Wo bleibt da die Verbraucher-Freiheit?

  28. Koscher, Halal, Gentechfrei

    Koscher, Halal, Gentechfrei
    @Gvs, Martin B.:
    Gentechfreier Food hat so viele rationale, gesundheitsbezogene Gründe für sich wie koscheres oder halal Essen. Solche Speisevorschriften gehören zu einem Glaubenssystem, dessen Begründungen man im Artikel Warum essen Muslime kein Schweinefleisch? nachlesen kann. Im 3.Buch Moses findet man (anschliessend an eine Simileprinzip-Begründung folgendes Gebot: (Zitat)„Unrein soll es [das Schwein] euch sein. Von ihrem Fleische sollt ihr nicht essen und ihr Aas nicht anrühren: Unrein sollen sie euch sein.“
    Eine heutiger, für mich überzeugender Nachvollzug dieser religiösen SpeiseGe- und Verbote wurde von Michael Blume so formuliert: „Demnach dienten Speisegebote vor allem der Signalisation von religiöser oder kultureller Zugehörigkeit. Sie markierten die Grenzen zwischen (je) „Wir“ und „Die“, die nur mit gegenseitiger Rücksichtnahme zu überwinden sind. Gerade auch aufwändige Speisegebote gelten als „kostspielige Signale“, mit denen sich Glaubende untereinander ihre verbindliche Zugehörigkeit signalisieren.“

    Wenn Deutschland und viele andere Länder Europas also gentechfreie Nahrung zelebrieren, so signalieren sie eine verschworene?, kostspielige und kostbare Gemeinschaftlichkeit, die sich vor fremden Einflüssen schützt und eine Abgrenzung zwischen die das Reinheitsgebot Befolgenden (gewissen Europäern) und unrein Lebenden, zulässt.

    Erstaunlich ist für mich nur, dass diese Gemeinschaft ganze Länder ohne Ausnahmen und Exsklaven umfasst. Nicht-Koscher Essen kann man dagegen sogar in Israel.

  29. Re: Komentare v. Martin B. und Holzherr

    Hallo Martin B. und Martin Holzherr,

    danke für eure umfassende Antwort.

    Ich will auf einiges eingehen, zuerst Martin B.

    Zu dem Problem, dass Monsanto das Saatgut patentiert hat, grundsätzlich:
    gegen Profit und das Bedürfnis wissenschaftliche Errungenschaften zu schützen, habe ich genauso wenig, wie gegen neue Technologien.
    Nur muss gewährleistet sein, dass es die anderen Saatgüter weiterhin „gentechnisch-rein“ geben können muss!
    Zu: „selbst Kreuzungen mit Monsanto-Erb-Saatgut, bringen so Bauern auf der ganzen Welt in Zahlungszwang, du sagst: „Davon wird zwar immer geredet, aber ich habe davon noch nie direkt gehört. Die Vermehrungsrechte für moderne Sorten – gentechnisch oder nicht – liegen in der Regel immer bei Saatgutentwickler.“
    Meiner Auffassung nach muss 100% gewährleistet sein, das die Rechte der Saatgutentwickler nicht auch Rechte an Kreuzungen erhält, die sich aus ungewollten Vermischungen ergeben. Ich bin kein Agrarwirt, aber Agrarwirte haben mir davon berichtet, dass dies wohl nicht möglich ist – den Gegenbeweis bitte ich zu führen!

    Ob Bio Lebensmittel deutlich besser sind, ist sicherlich auch persönliches Empfinden. Womöglich sind Nährwerte oder Schadstoffbelastungen sogar manchmal bei Untersuchungen nicht stark abweichend. Wobei das, was hierzulande als Bio gekennzeichnet werden darf, das war eine (faule) Kompromisslösung, die leider nicht das beinhaltet, was viele Verfechter der Bio-Produkte sich darunter vorstellen. Vergleiche mit „wahren“ Bioprodukten oder gar Demeter-Produkten usw. fallen allerdings deutlich anders aus. Wenn wir Salat bei unserem Bio-Bauern holen, dann sind das kräftige und saftige Riesen-Köpfe, die wochenlang frisch bleiben und nicht lapprige Häufchen-Elend, wie an der Frische-Theke beim Edeka (auch Bio). Analysen von Biologisch Dynamischen Landwirten, konnten darstellen, dass die Bioprodukte andere Strukturen haben und andere Ergebnisse ergeben als konventionell chemisch gedüngte und mit Pestiziden behandelte. Diese Untersuchungen sind unkonventionell, aber trotzdem erwähnenswert.
    Soeben habe ich einfach kurz gegoogelt, um hier ein wissenschaftliches Ergebnis anzugeben und habe auf Anhieb einen Vergleichstest von Möhren gefunden, Fazit: „Mit dem Ziel, die Marktsituation für den Verbraucher zu beschreiben, wurden Proben von Speisemöhren des Anbaujahres 1996 aus der biologisch-dynamischen und konventionellen landwirtschaftlichen Praxis gesammelt. Dabei zeichneten sich die biologisch-dynamischen Möhren durch weniger Weichfäule und Verdunkelung im Stresslagertest als die konventionellen aus und geringere Verluste nach 120-tägiger Lagerung unter Praxisbedingungen. Bei den Proben der biologisch-dynamischen Betriebe wurden höhere Trockensubstanzgehalte festgestellt sowie höhere Gehalte an Saccharose und Gesamtzucker; die Nitratwerte der DEMETER-Möhren lagen weit unter denjenigen der konventionellen.
    Mein eigene Wahrnehmung zu genau diesen „DEMETER-Möhren“ – geschmacklich unschlagbar!

    Zu mehr Agrarflächen:
    In Deutschland gibt es keine Regenwälder und en USA schmeissen sie Überproduktion ins Meer, In Reganwaldgebieten wie in Brasilien wird aus Zuckerrohr Biosprit gemacht. oder Palmöl in Malaysia.

    Weltweit bauen Landwirte (vor allem Kleinlandwirte) mit Hilfe von Mineraldünger und anderen Produkten der Chemieindustrie an. Ich kenne die Situation z.B. in Kolumbien. Mein Schwager ist Agrarwirt dort und hat folgende Beobachtung gemacht: Sie können sich das nur mit Hilfe von Krediten leisten. Insgesamt haben sie höhere Kosten – von Mehrertrag der das ausgleicht ist nicht die Rede.

    Zu, dass gentechnisch produzierte Nahrungsmittel auch schädlich sein können: ich habe nur aus Nachrichten in Erinnerung, das einige Forscher auf Tierversuche verweisen, in denen Gentechfutter die Organe geschädigt haben.
    Ich habe dazu aber keine Quelle.

    zu Martin Holzherr:
    Gentechnik gehört auch zu einem Glaubenssystem, also Koscher, Halal, Gentechfrei und Genmanipuliert! Ausserdem vegetarisch usw…..
    Und ich wüsste nicht, wem ich mit meiner Vorliebe für Biofood meine Zugehörigkeit signalisieren will. Oder wem Deutschland seine Zugehörigkeit, oder Europa.
    Und ich finde es auch etwas lächerlich, wenn Milch und Fleisch nicht zusammen kommen dürfen oder jemand nur Gentechnik essen will.
    Und ich würde auch nicht den Tisch verlassen, wenn ich bei meinem Gastgeber Genfood angeboten bekomme, sondern mich bedanken und mitessen. Aber wenn ich die Wahl habe, dann wähle ich Biodyn und diese Wahl will ich behalten – gentechnikfrei!

    Klar ist es Glaubens bzw. Wissensache. Denn das Gentechnik-Food in irgendeiner Weise gut oder besser ist, ist wissenschaftlich nicht bewiesen!
    Ob es für Landwirte am Ende sinnvoller und erträglicher ist, höhere Kosten für Gentechnik, Pestizide und Kunstdünger in Kauf zu nehmen oder besser biologisch-dynamisch hochwertiger anzubauen und (hier in Deutschland) teurer zu verkaufen?
    Also jedem seine Gentechnik, wie jedem sein Biofood! Nur ich finde wichtig, dass beide Welten das Recht haben dürfen ihre Art von Lebensmitteln zu erhalten (gentechnikfrei) und das kein Konzern wie Monsanto Kontrolle über Nahrungsmittel haben darf.

    Meine Schlussfolgerung ist: jeder soll essen und anbauen dürfen, was er will – nur ich bevorzuge eine Lebensweise die integral ist.
    Ich nehme auch keine Pillen um die Krankheitsanzeichen zu übertünchen, die mir mein Körper sendet, sondern achte auf diese Signale und betäube nicht den Kopfschmerz mit Schmerzmittel, sondern erspüre die Ursache und gehe an die Ursache des Problems – z.B. Nackenverspannungen.

    Bei Lebensmitteln vermeide ich Produkte, die in Ihre Einzelteile zerlegt sind. Ist doch völliger Quatsch, Weismehlprodukte zu essen und sich dann gegen die Verstopfung wieder die Weizenkleie als Ballaststoff zuzuführen. Und zusätzlich Nahrungsergänzer, die die fehlenden Vitamine und Spurenelemente wieder zuführen. Ich esse bevorzugt Produkte als Ganzes, die meinen Bedarf natürlich decken.
    Genauso stelle ich mir die Landwirtschaft vor, die meine Lebensmittel produziert. Keine Chemiedünger, statt dessen Humus aus den verrotten Teilen der Pflanzen und aus kompostiertem Mist. Funktioniert doch wunderbar, siehe Biodynlandwirtschaft.

    Und ich wehre mich gegen Gentechnik, solange nicht 100% gewährleistet ist, dass ich meine Lebensform (weitestgehende gentechnikfrei) weiter leben kann.

    Und die Biodynamischen Lebensmittel schmecken wirklich deutlich besser. 😉

  30. Glauben und Wissen @Martin Holzherr

    Sie schrieben: „Die Einwände, die hier Gunnar Glitscher gegen transgene Pflanzen anführt wie die fehlenden Langzeitstudien oder das unbekannte Allergierisiko trifft wenn schon auf konventionell gezüchtete Pflanzen zu, nicht auch GV-Pflanzen, die meist viele Jahre geprüft werden, bevor sie zum Einsatz kommen.“

    Äh…? Konventionell gezüchtete Pflanzen kennt man seit ungefähr 12.000 Jahren. Im 18. Jahrhunderts wurden bereits naturwissenschaftliche Institute gegründet, die sich der Zucht und dem Anbau von Nutzpflanzen widmeten. Über konventionell gezüchtete Pflanzen weiß man also ziemlich viel, was man von transgenen Pflanzen nicht immer behaupten kann.

    Werden gentechnisch veränderte Kulturpflanzen untersucht, so achtet man darauf, wie sie sich auf die biologische Vielfalt im Agrarsystem und in benachbarten Naturräumen auswirken. Dabei wird ihr ökologisches Risikopotenzial mit dem von nicht gentechnisch veränderten Pflanzen verglichen. Außerdem sollen Fütterungsstudien zur Pflicht werden (siehe meine beiden Links weiter oben), da man erforschen möchte, ob es eventuell gesundheitliche Risiken beim Verzehr gibt.

    Ihre Ansicht, dass Leute die gentechnikfreie Lebensmittel essen möchten einem Glaubenssystem anhingen ist doch ziemlich weit hergeholt. Das Erweckungserlebnis von Mark Lynas, wo er sich vom Saulus zum Paulus wandelte (oder umgekehrt), hat da schon eher mit Glauben zu tun. Finden Sie nicht? Wenn sich eingefleischte Fundamentalisten bekehren, sollte man immer misstrauisch sein.

  31. @RD

    Das meiste von dem, was Menschen tun, ist mehr oder weniger irrational. Und wenn die Faktenlage einigermassen undurchsichtig ist, dann spielt für öffentliche Entscheidungsfindung der Aspekt der Glaubwürdigkeit eine massgebliche Rolle. In puncto Glaubwürdigkeit dürfte sich in Deutschland die GM-Industrie aber auf einem Level befinden, der vergleichbar ist mit dem von, sagen wir, Kernkraftwerksbetreibern.

    Nicht die Gentechnik schlechthin hat primär ein Imageproblem, zumindest meiner Ansicht nach, sondern die Hersteller, die Grüne Gentechnik auf den Markt bringen wollen. Die Frage ist, ob und gegebenenfalls was die dagegen unternehmen werden. Man kann natürlich versuchen, mit Lobbyismus etwa bei der EU in Brussels seine Geschäftsinteressen durchzusetzen. Das funktioniert manchmal. Auf die Weise haben die Hersteller von Leuchtmitteln offenbar ihre famosen Energiesparlampen durchgesetzt, obwohl die eigentlich auch kein Schwein haben will. Als rational würde ich eine solche Strategie dann allerdings auch nicht bezeichnen.

  32. @Mona: Jede neue Pflanze ist ein Risiko

    Gentechnisch veränderte Pflanzen unterscheiden sich nicht prinzipiell von anderswie herangezüchteten Pflanzen – ausser dass das Potenzial für Veränderungen grundlegender Eigenschaften durch die Gentechnik grösser ist.
    Wie schon geschrieben gehen Risiken von einzelnen gentechnisch oder sonstwie herangezüchteten Pflanzen aus und nicht von der Technik an und für sich.
    Martin B. schrieb oben dazu:
    „Wenn, dann sollte man konsequenterweise diese Studien auch für Züchtungen fordern. Denn was ist mit Clearfield-Pflanzen, die durch konventionelle herbizidresistent gemacht wurden? Was ist mit der konventionellen Kartoffel, die nach der Zulassung Giftwirkungen zeigte und vom Markt genommen werden musste. Es gibt keine prinzipiellen Unterschiede zwischen rekombinanten und „natürlichen“ Organismen.“

    Mehr lässt sich eigentlich nicht dazu sagen. Die Sätze von ihnen: „Werden gentechnisch veränderte Kulturpflanzen untersucht, so achtet man darauf, wie sie sich auf die biologische Vielfalt im Agrarsystem und in benachbarten Naturräumen auswirken. Dabei wird ihr ökologisches Risikopotenzial mit dem von nicht gentechnisch veränderten Pflanzen verglichen.“ gehen eben genau von der falschen Voraussetzung aus, konventionell gezüchtete Pflanzen seien von vornherein unproblematisch. Das stimmt nicht. Jede neue Pflanze kann ihre Probleme haben und Probleme beim Konsumenten bewirken – inklusive Allergien, Unverträglichkeiten, Giftstoffe. Für all diese Probleme braucht es keine Gentechnik, die kann es schon mit konventionell gezüchteten neuen Pflanzen geben. Die Zulassungsverfahren für gentechnisch erzeugte Pflanzen sind um ein Vielfaches strenger als die für konventionell Gezüchtete. Deshalb sollte man mehr nicht weniger Sicherheit bei GenTech-Produkten erwarten, die es in den Markt geschafft haben.

  33. Forschung @Martin Holzherr

    Sie schreiben: „Die Sätze von ihnen: „Werden gentechnisch veränderte Kulturpflanzen untersucht, so achtet man darauf, wie sie sich auf die biologische Vielfalt im Agrarsystem und in benachbarten Naturräumen auswirken. Dabei wird ihr ökologisches Risikopotenzial mit dem von nicht gentechnisch veränderten Pflanzen verglichen.“ gehen eben genau von der falschen Voraussetzung aus…“.

    Warum soll hier die Forschung nicht auf Nummer sicher gehen? Wissen Sie nicht, dass es vom BMBF geförderte Forschungsprogramme gibt, die genau das untersuchen?

  34. Noch was

    *Brauchen* wir gentechnisch veränderte Lebensmittel überhaupt? Das Argument dafür lautet oft: Ja, um Erträge zu steigern, um mehr Pestizid einsetzen zu können (Resistenz) ODER um weniger Pestizid einsetzen zu müssen UND um die hungernde Bevölkerung satt zu bekommen.

    So weit so gut. Aber: Ist dann Gentechnik nicht auch der Versuch, politische Probleme technisch zu lösen? (Der Autor benennt es sogar und weist auf den zentralen Punkt hin: Es gehe um „politische Motivation“, nicht um „wissenschaftliche“. Ganz genau, so ist es. Da, wo es um die Art des Lebens und Produzierens geht, werden politische Fragen bearbeitet, keine wissenschaftlichen, obwohl natürlich beide Welten nicht strikt voneinander getrennt sind. Wer diese zu wissenschaftlichen machen will, sich vielleicht den „Rat der Weisen“ vorstellt, der hat wohl noch nie die Simpsons-Folge gesehen, in der die „Nerds“ die Macht übernehmen und für die Zeitmessung das Dezimalsystem einführen – nach rein objektiven, wissenschaftlichen Erkenntnissen… 😉 Abgesehen davon taucht dieses Umdeuten sehr oft auf, etwa wenn ein soziales Problem wie „Armut“ zu einem moralischen Problem wie „Zügellosigkeit“ umgelabelt wird.)

    Beispiel „Hunger“, wofür gerne Bilder von nackten afrikanischen Kindern herangezogen werden, denen man doch nur helfen wolle. Diese Menschen hungern aus vielen Gründen. Nicht nur, weil Erträge zu gering sind und sie das „falsche“ Saatgut nutzen. Sondern weil sie in Kriegsgebieten leben, weil sie in Despotien leben, weil sie die Spätfolgen der Kolonialisierung erleiden (nach wie vor), weil sie oftmals gar nichts anbauen *können*, weil sie das, was sie anbauen, oft gar nicht (an uns) verkaufen können (Zucker, anyone?), weil wir Lebensmittel zum Autofahren verwenden und weil wir gleichzeitig Überproduktionen haben, die wir wegwerfen. Hilft Gentechnik diesen Menschen tatsächlich, *nachweisbar*?

    Ferner: Mehr Pestizide verwenden können. Mit Verlaub: Man darf doch auch über eine andere Art des Produzierens nachdenken, ohne gleich in Verdacht zu geraten, sich eine Kleingärtneridylle zu wünschen. Erträge steigern = mehr aus der Pflanze herausholen = mehr Material ausnutzen = Ressourcen noch stärker auslaugen. Zaubern kann Gentechnik auch nicht. Was an höheren Erträgen eingefahren wird, fehlt woanders, geht auf Kosten anderer Faktoren. Böden werden stärker ausgelaugt. Grundwasser wird stärker mit Pestiziden belastet (wenn ich „mehr sprühen darf“) oder insgesamt mehr verbraucht. Von weiter randständigen Phänomenen wie z.B. dem Arbeitsmarkt ganz zu schweigen (stärkere Verdichtung der Produktion, stärkere Konzentration in der Lebensmittelindustrie, mit der Folge von politischer Einflussnahme usw.).

    Zum Thema „horizontaler Gentransfer“: Ja, den gibt es, und ob eine Kartoffel ihre Resistenz gegen Fäulnis nun durch „natürliche“ Züchtung oder vermeintlich „unnatürliche“ Gentechnik erhält, ist zumindest vom Endergebnis egal. Mir ist das Konzept des Gentransfers zumindest halbwegs, aber eben nur halbwegs bekannt. Von daher ist das Folgende ggf. auch völlig falsch. Das, was ich darüber weiß, lässt mich aber schließen: Es gibt in der Natur auch sehr unwahrscheinlichen horizontalen Gentransfer, z.B. zwischen Fisch und Mais (finde die Quelle nicht, aber m.W. wurde mal der „Gefrierschutz“ einer Fischart zum Gefrierschutz für Mais nutzbar gemacht). Wenn dem so sein sollte, gibt es durchaus eine Differenzierung zwischen „natürlich“ (im Sinne von: „Hätte auch von alleine passieren können.“) und „unnatürlich“ (im Sinne von „Hätte aller Wahrscheinlichkeit nach nie von alleine passieren können.“).

    Ach ja, damit keiner die falschen Schlüsse zieht: Ich bin nicht technikfeindlich, wissenschaftsfeindlich oder „Feind“ der Gentechnik an sich. (Wer mit solchen In- und Exklusionen arbeitet, wird argumentativ ohnehin nicht weit kommen. Es würde sich glatt lohnen, den Beitrag linguistisch zu untersuchen, denn wer die Leerformel „selbsternannter Weltenretter“ benutzt, ist doch gar nicht mehr an Diskussion interessiert und wäre bei Maxeiner&Miersch oder Welt Online besser aufgehoben. Es muss wohl ein Weltrettungskomitee gegründet werden, das die hochoffiziell zugelassenen Weltretter „ernennt“. Sehr, äh, „deutsch“, diese Sicht.)

    Ich selbst bin Techniker, Skeptiker, Atheist. Wir brauchen Technik und Wissenschaft, um überleben zu können. Zu behaupten, „alles irrationale Bedenkenträger“ und „Es geht doch nicht anders!“ ist aber nicht richtig. Wir können durchaus entscheiden, wie wir leben und produzieren wollen, was wir mit Technik machen und was nicht. Wir können es mit Gentechnik tun. Wir können es auch ohne tun, ohne ins Mittelalter zurückzufallen. Wenn Menschen eine vermeintlich oder sogar tatsächlich sehr nützliche Technik ablehnen, auch wenn sie „aufgeklärt“ werden, ist es schon eine sehr überhebliche Position, das einfach so abzutun. Aber er ist halt lästig, der Pöbel, und er weiß nicht, was gut für ihn ist, hat „irrationale Ängste“. Und zu allem Übel darf er sich sogar noch politisch betätigen, wählen gehen und sich für das „Falsche“ entscheiden, statt auf Expertenurteile zu vertrauen… (Ok, das war unsachlich, aber es musste sein.)

  35. @slartibartfass:Wofür Gentech/Züchtung?

    Sie bringen einen oft gehörten Einwand der Art „Wofür braucht man..“.

    Im Zusammenhang mit Lösungen, die es schon gibt – wie das die Gentechnik ist oder das die konventionelle (?)Züchtung ist – zielt dieser Einwand meist darauf ab, eine andere Art der Lösung als Richtige vorzuschlagen. Dabei wird verkannt, dass wir in sehr vielen Bereichen „Doppellösungen“ und unterschiedliche, zum Teil alternative Herangehensweisen an ein Problem haben. Und Probleme haben oft viele Fazetten – auch das Hunger- und Anbauproblem.

    Um ein Beispiel zu geben für diese Art der Argumentation: „Wozu brauchen wir Personenkraftwagen, es gibt doch die Eisenbahn“. Oder mit vertauschten Rollen (Auto genügt).

    Sie haben schon recht „Zaubern kann Gentechnik“ nicht. Aber Zaubern kann auch jede andere Massnahme nicht.

    Mein Urteil: Man sollte keine Option, ob sie nun technisch oder politisch oder organisatorisch ist, aus fadenscheinigen Gründen ausschliessen. Man kann sich glücklich schätzen, wenn man die Qual der Wahl hat und nicht die Qual der Alternativlosigkeit.

  36. @slartibartfass: Hallo!?

    Beispiel „Hunger“, wofür gerne Bilder von nackten afrikanischen Kindern herangezogen werden, denen man doch nur helfen wolle. Diese Menschen hungern aus vielen Gründen. Nicht nur, weil Erträge zu gering sind und sie das „falsche“ Saatgut nutzen.

    Die Wortstellung ist falsch. Es muss richtig heißen:

    »Diese Menschen hungern aus vielen Gründen. Nur nicht, weil Erträge zu gering sind und sie das „falsche“ Saatgut nutzen.«

    http://www.bmz.de/…en/ursachen_hunger/index.html

    »Wer kein Geld oder keinen Zugang zu Produktions­mitteln hat, kann sich nicht selbst ernähren.«

  37. Antworten

    @GvS:

    Zu, dass gentechnisch produzierte Nahrungsmittel auch schädlich sein können: ich habe nur aus Nachrichten in Erinnerung, das einige Forscher auf Tierversuche verweisen, in denen Gentechfutter die Organe geschädigt haben.

    Das wurde weithin diskutiert und die Studie von Seralini et al. gilt nun als Vorzeige-Beispiel für schlechte Wissenschaft. Siehe zum Beispiel hier: http://www.medien-doktor.de/…is-%E2%80%93-krebs/

    Meine Schlussfolgerung ist: jeder soll essen und anbauen dürfen, was er will – nur ich bevorzuge eine Lebensweise die integral ist.

    Das sehe ich im Grunde genauso, und bin der Meinung, dass wir eine friedliche Koexistenz von Bio und Gentech, wie zB in Kanada und den USA praktiziert, anstreben sollten. Da klappt’s schließlich auch. Und sortenreines Saatgut kann man dort auch erzeugen, also gibt es wirksame Maßnahmen, um Vermischungen zu vermeiden. Wenn es mal Probleme mit Verunreinigungen oder Vermischungen gibt, müssen die Betroffenen eben miteinander reden. Eine 100% Gentechnikfreiheit kann man aber dann technisch praktisch nicht einhalten, deswegen muss man sich auf vernünftige Grenzwerte einigen. 0% ist kein vernünftiger Grenzwert.

    @Chrys:

    Nicht die Gentechnik schlechthin hat primär ein Imageproblem, zumindest meiner Ansicht nach, sondern die Hersteller, die Grüne Gentechnik auf den Markt bringen wollen.

    Exakt. Ich weiß nicht, ob die das selbst verbockt haben, etwa durchweg nur Erzeugemerkmale, teilweise mit eher zweifelhalterm Nutzen (Herbizidtoleranz) zu vermarkten. Ich kann schon verstehen, warum man als Konsument nichts von GV-Food hält: Keine Vorteile, unklare Nachteile.

    @ den Designer der Küste Norwegens:

    *Brauchen* wir gentechnisch veränderte Lebensmittel überhaupt?

    Gute Frage. Woher willst du wissen, ob wir es nicht brauchen?

    Was an höheren Erträgen eingefahren wird, fehlt woanders, geht auf Kosten anderer Faktoren. Böden werden stärker ausgelaugt. Grundwasser wird stärker mit Pestiziden belastet (wenn ich „mehr sprühen darf“) oder insgesamt mehr verbraucht. Von weiter randständigen Phänomenen wie z.B. dem Arbeitsmarkt ganz zu schweigen (stärkere Verdichtung der Produktion, stärkere Konzentration in der Lebensmittelindustrie, mit der Folge von politischer Einflussnahme usw.).

    Ich halte das für eine stark verkürzte und verzerrte Darstellung. Schau dir mal die Ideen von Prof. Pamela Ronald an, die Pflanzengenetikerin und zusammen mit ihrem Mann (Bio-Bauer) interessante Ideen für eine Symbiose von Gentechnik und biologischem Landbau hat.

    Zum Thema „horizontaler Gentransfer“: Ja, den gibt es, und ob eine Kartoffel ihre Resistenz gegen Fäulnis nun durch „natürliche“ Züchtung oder vermeintlich „unnatürliche“ Gentechnik erhält, ist zumindest vom Endergebnis egal.

    Exakt.

    […] gibt es durchaus eine Differenzierung zwischen „natürlich“ (im Sinne von: „Hätte auch von alleine passieren können.“) und „unnatürlich“ (im Sinne von „Hätte aller Wahrscheinlichkeit nach nie von alleine passieren können.“).

    Oben lesen: Irrelevant. Wurde beim Züchten von Blumenkohl darauf geachtet, ob dieser auch in freier Natur so hätte aussehen können?

    Es würde sich glatt lohnen, den Beitrag linguistisch zu untersuchen, denn wer die Leerformel „selbsternannter Weltenretter“ benutzt, ist doch gar nicht mehr an Diskussion interessiert

    Ich bin aus gutem Grund zu keiner Diskussion mit den „Weltenrettern“ bereit, weil ich da wenig mehr als „du bist ein gekauftes Monsanto-Schwein“ zu hören bekomme. Ich habe am Ende des Artikels eigentlich deutlich gemacht, dass ich keine Lust habe, mit Vergewaltigern verglichen zu werden, weil ich eine Technologie nicht pauschal ablehne.

    Aber er ist halt lästig, der Pöbel, und er weiß nicht, was gut für ihn ist, hat „irrationale Ängste“.

    Ich sage es nochmal so, dass auch du es verstehst, ok? Wenn behauptet wird, Gentechnik würde unweigerlich Krebs erzeugen, dann ist das nachprüfbar unwahr. Wenn mir so ein Greenpeace-Promoter was von Terminator-Saatgut in Argentinien erzählt, wie soll ich den denn noch ernst nehmen? Dann wird großartig immer etwas von unvorhergesehen Effekten abseits der eigentlichen Insertionsstelle erzählt, obwohl die transformierten Pflanzen stets rückgekreuzt werden. Ich finde es immer erstaunlich, wie viele Leute Anspruch auf „ihre Fakten“ behaupten, ihre eigenen unbelegten Lügen als unumstößliche Wahrheit darstellen.

  38. Hmm

    @Martin B.:

    Ich kann nicht entscheiden, ob wir Gentechnik wirklich brauchen. Keine Einzelperson kann das. Aber eine gesell. Debatte darüber, die auch ein „Nein“ als Ergebnis haben kann, muss möglich sein. Die oft herangezogenen Argumente „Mehr Ertrag“ und „Pestizidresistenz“ (das sind sicher nicht die einzigen, aber sie werden oft genannt) können etwa durchaus den Schluss zulassen, dass wir erst mal probieren sollten, anders zu wirtschaften, weil wir dadurch auch viele andere Probleme lösen könnten.

    Was den hor. Gentransfer angeht noch mal: Mir geht es nicht darum, ob ein gezüchteter Blumenkohl jemals in der Natur genau so aufgetaucht wäre, wie wir ihn gezüchtet haben. Von daher sind gentechnische „Abkürzungen“ bei der Zucht, die Gene für gewünschte Eigenschaften z.B. aus anderen Sorten oder verwandten Arten einschleusen in Ordnung. Nach meinem Dafürhalten macht es aber einen qualitativen Unterschied aus, wenn Eigenschaften aus sehr, sehr weit entfernten Arten eingeschleust werden, die weder „natürlich“ noch durch Zucht hätten eingeschleust werden können, einfach weil sich Fische und Tomaten eher selten begegnen und sich durch Zucht deren Eigenschaften nicht aufeinander übertragen lassen. Ich kann mich ja irren und vielleicht ist Gentransfer auch zwischen genetisch sehr, sehr, sehr weit entfernt verwandten und geographisch dauerhaft separierten Spezies häufig genug und/oder kein Problem. Nochmal: Es geht mir nicht um angeblich „unnatürliche“ Gentechnik (ist sie nicht), sondern um diese Wahrscheinlichkeit.

    Zum Thema „Monsantoschwein“: Ich reagiere allergisch, wenn jemand behauptet „Alle xy sind soundso.“ Das stimmt einfach nicht. Punkt. Zum anderen ist die „Verteidigung“ von Monsanto sehr einseitig. Richtig, Größe und Gewinn allein macht nicht automatisch verurteilenswert. Schließlich leben wir in kapitalistischen Gesellschaften, und da zählt nicht Moral, sondern Plusmachen. Dass auch noch Gebrauchswert abfällt, ist dabei reiner Zufall. Die Kritik entzündet sich aber an Monsanto, weil Monsanto selbst den geringen moralischen Standard, den man von Großkonzernen erwarten kann, noch locker unterläuft. Die sind so „nett“ wie Krauss Maffei, Ölkonzerne oder die Mafia. Quellen gibts dazu genug, selbst der Wikipedia-Eintrag dazu strotzt nur davon. Sicher alles gelogen und unaufgeklärt… Einerseits. Auch das könnte man zynisch hinnehmen und darauf verweisen, dass die Welt nun mal ungerecht ist. Andererseits verfügen Unternehmen wie eben Monsanto aber über eine riesige Macht und können zu einem großen Anteil bestimmen, was wir essen und wie wir anbauen, sie bestimmen also über das basalste menschliche Bedürfnis, ohne dazu irgendwie legitimiert zu sein und ohne sich in die Karten schauen zu lassen. Und *das* ist das Problem mit diesem Unternehmen.

  39. @slartbiartfass

    „Ich kann mich ja irren und vielleicht ist Gentransfer auch zwischen genetisch sehr, sehr, sehr weit entfernt verwandten und geographisch dauerhaft separierten Spezies häufig genug und/oder kein Problem.“

    Das sieht mir jetzt aber wieder nach einen naturalistischen Fehlschluss aus. Warum soll ein Gentransfer denn problematischer sein, nur weil er in der Natur nicht vorkommen kann. Der Unterschied zwischen einem künstlichen Gentransfer zwischen weit entfernten Arten und zufälliger Mutation ist im wesentlichen, dass man im ersten Fall weiß, welche neuen Proteine zu erwarten sind und wie diese sich auswirken könnten. Im zweiten Fall weiß man es nicht. Ich würde also zufällige Mutationen als riskanter einschätzen. Die sind aber in der Natur der Normalfall.


  40. Ich kann nicht entscheiden, ob wir Gentechnik wirklich brauchen. Keine Einzelperson kann das. Aber eine gesell. Debatte darüber, die auch ein „Nein“ als Ergebnis haben kann, muss möglich sein.

    Wie auch immer, hierzulande hat man sich eben dagegen entschieden, woanders dafür. Ohne, dass dort plötzlich alle tot umgefallen sind oder die Äcker von Wildpflanzen mit Transgenen überwachsen worden wären.

    Was den hor. Gentransfer angeht noch mal

    Was Joachim sagt.

    Zum Thema „Monsantoschwein“: Ich reagiere allergisch, wenn jemand behauptet „Alle xy sind soundso.“ Das stimmt einfach nicht. Punkt.

    Wer sind „xy“? Genetische Männer? Ich habe nie etwas in der Richtung behauptet.

    Zum anderen ist die „Verteidigung“ von Monsanto sehr einseitig. Richtig, Größe und Gewinn allein macht nicht automatisch verurteilenswert. […] Die sind so „nett“ wie Krauss Maffei, Ölkonzerne oder die Mafia. Quellen gibts dazu genug, selbst der Wikipedia-Eintrag dazu strotzt nur davon. Sicher alles gelogen und unaufgeklärt…

    Habe ich irgendwo Monsantos Geschäftspraktiken oder deren langweilige vermarkteten Merkmale verteidigt?

    Schau mal über deinen Schüsselrand: man kann auch eine differenzierte Haltung zu Gentechnik haben, ohne quasi-monopolistischen Saatgutherstellern um den Hals zu fallen. Es gibt genug staatliche bzw. non-profit Gentech-Projekte, die man gutheißen kann.

    Andererseits verfügen Unternehmen wie eben Monsanto aber über eine riesige Macht und können zu einem großen Anteil bestimmen, was wir essen und wie wir anbauen, sie bestimmen also über das basalste menschliche Bedürfnis, ohne dazu irgendwie legitimiert zu sein und ohne sich in die Karten schauen zu lassen. Und *das* ist das Problem mit diesem Unternehmen.

    m(

    Genau. Vor allem in Deutschland.

  41. @slartbiartfass:Innerdeutsche Diskussion

    Transgene Nutzpflanzen werden weltweit seit Jahrzehnten eingesetzt und einige wichtige Sorten dominieren inzwischen den Weltmarkt.
    Viele ihrer Argumente machen den Eindruck, als wäre Gentechnik etwas neues und müsste noch überdacht werden. Wenn sie schreiben
    „Ich kann nicht entscheiden, ob wir Gentechnik wirklich brauchen. Keine Einzelperson kann das.“ so muss man wissen, dass die Entscheidung an den meisten Orten diese Welt bereits gefallen ist und dass es hier also im Wesentlichen um eine innerdeutsche (oder allenfalls europäische) Diskussion geht.

    Wenn man das aber einmal weiss, relativieren sich viele der Argumente und die heraufbeschworenen Gefahren sind ja alles Gefahren in irgendeiner unbestimmten Zukunft – und sie betreffen die Menschen hier in Deutschland nicht einmal, denn hier wird sich betreffend Gentechnik in Kürze kaum etwas ändern.

    Man muss sich nur bewusst sein, dass Länder, die Gentechnikprodukte ablehnen einen Sonderweg gehen. Deutschland und ander Länder die keine GV-Produkte auf ihrem Teller haben wollen, haben sich so gesehen auf eine bestimmte Diät festgelegt und Speisevorschriften (vergleichbar mit koscher oder halal) erlassen.

  42. Die Kritik

    … der Anti-Gentechnik-Lobbyisten ist leider fast durchgehend sehr schwach.

    Aber die Gentechnik birgt sicherlich auch Risiken, die heute noch nicht erkannt sind.

    Insofern muss auch ein rational schlecht begründeter Einwand, der ohnehin eher verzögernd und nicht prohibitiv wirkt, im Sinne der Schwarmintelligenz so übel nicht wirken. Es spricht wenig gegen eine Entschleunigung beim Einsatz dieser Technologie.

    MFG
    Dr. W

  43. @Dr. Webbaer: Nur GV-Food wirdKritisiert

    Es scheint bei der Gentechnik-Kritik vor allem um das Essen von Gentech-Food und damit um Speisevorschriften zu gehen, denn andere Einsätze der Gentechnik werden kaum oder viel weniger kritisiert.

    Geplant oder bereits im Experimentierstadium sind beispielsweise genmodifizierte Energie-Pflanzen und Einwände dagegen habe ich nirgends publiziert gefunden. Craig Venter hat kürzlich genmodifizierte Algen für die Treibstoffproduktion vorgestellt und die Firma Joule Unlimited benutzt genmodifizierte Mikroben für die Treibstoffproduktion und man liest auf ihrer Homepage:
    „Joule is applying advanced genome engineering to develop a library of proprietary organisms, each one optimized for productivity according to the desired end product. Because the organisms are engineered to directly synthesize and secrete fuels, we will avoid costly steps such as large-scale biomass production and collection or other downstream refinement.“

    Kaum jemand scheint einen Einwand gegen Diesel und Benzin zu haben, das aus genmodifizierten Pflanzen oder Mikroben stammt.
    Mehr als 95% aller Genkritik richtet sich gegen GV-Nahrung. Das hat wohl mit der Bedeutung zu tun, die wir Nahrung geben. Solche Bedeutungsaufladungen von Nahrung zeigen sich auch bei Speisevorschriften im Islam und dem Judentum.

  44. Bedeutung der Nahrung @Martin Holzherr

    „Mehr als 95% aller Genkritik richtet sich gegen GV-Nahrung. Das hat wohl mit der Bedeutung zu tun, die wir Nahrung geben. Solche Bedeutungsaufladungen von Nahrung zeigen sich auch bei Speisevorschriften im Islam und dem Judentum.“

    Ohne Nahrung könnten wir nicht leben. Zudem sollten wir uns auch gesund ernähren und Spaß am Essen haben. Leider wird der moderne Mensch von allerlei Krankheiten geplagt, die auf ungesundes Essen zurückzuführen sind. Es ist also nicht egal was wir essen, das mögen zwar die „Erfinder“ der Speisevorschriften im Islam und Judentum auch erkannt haben, aber von einer wissenschaftlichen Betrachtungsweise waren sie weit entfernt, was man ihnen aber kaum zum Vorwurf machen kann. Heutzutage weiß man jedoch, wie eine gesunde Ernährung auszusehen hat. Hierbei gilt auch, dass naturbelassene Lebensmittel gesünder sind als Fastfood. Vielen Leuten ist die GV-Nahrung nicht geheuer, weil Sicherheitsrisiken nicht auszuschließen sind. Deshalb möchten sie am liebsten überhaupt keine gentechnisch veränderten Lebensmittel zu sich nehmen. Zudem hat die aggressive Vermarktungsstrategie bestimmter Firmen, die mit genveränderten Saatgut usw. handeln, viele Menschen doch ziemlich abgeschreckt.

  45. @ Mona, @ Martin Holzherr:

    Ich bin da auf Monas Seite. Dass wir unserem Essen zunehmend mehr Bedeutung zumessen, halte ich für eine gute Sache. Dass das durch die oben kritisierte Propaganda auch paranoide Züge annimmt, steht auf einem anderen Blatt.

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