Tag der offenen Tür an der Hamburger Sternwarte

Alle Jahre wieder – oder genauergesagt alle zwei Jahre – öffnet die Hamburger Sternwarte ihre Pforten für Besucher, die nicht nur einen Blick durch die Teleskope, sondern auch hinter die Kulissen des Forschungsinstituts werfen wollen. Und die Hamburger kommen auch immer gerne raus nach Bergedorf zu uns, jedesmal haben wir mehrere Tausend Besucher. Obwohl in dieser Hinsicht für uns Routine, war es in diesem Jahr natürlich auch eine Veranstaltung im Rahmen des Internationalen Jahrs der Astronomie und noch dazu zeitgleich "Open Uni", der allererste Tag der offenen Tür der gesamten Universität Hamburg.
So ein Tag der offenen Tür erfordert ja doch immer einiges an Vorbereitungszeit und Arbeit, besonders wenn man an einem kleinen Institut wie dem unsrigen die Aufgaben nicht wie am Max-Planck-Institut für Astronomie auf mehrere Hundert Leute verteilen kann. Aus Heidelberg hatte ich vor einem Monat einen sehr positiven Eindruck mitgenommen, und ich gehe mal davon aus, daß wir unseren geschätzten 2300 Besuchern am letzten Samstag einen ebensolchen vermitteln konnten.

Schon vor dem offiziellen Beginn strömten Menschenmassen auf das Gelände, zielstrebig in Richtung Großer Refraktor, wo man dann auch entsprechend lang anstehen mußte um reinzukommen. Auf die Hebebühne dürfen schließlich immer nur 20 Personen gleichzeitig.

Im Vorwege gab es viel zu tun: Organisieren, Programm zusammenstellen, Aufgaben verteilen, Koordination mit der Universität, Werbung und Pressearbeit, und wieder Organisieren. Ich selber war zuständig für das Kinderprogramm, und auch Rundfunk und Fernsehen schauten desöfteren für Interviews bei mir vorbei, unter anderem ein Grund, warum es in diesem Blog in den letzten Tagen und Wochen eher ruhig zugegangen ist.

Immer wieder beeindruckend, so ein neun Meter langes Teleskop. 

Familien mit Kindern machen üblicherweise einen Großteil der Besucher aus, also wollten wir dem potentiellen Astrophysiker-Nachwuchs natürlich möglichst viel bieten. Das Gebäude des 1m-Spiegelteleskops hatten wir speziell für die Kids reserviert. Im Innenraum lief Stellarium mit Hamburg-Panorama als Dauerschleife, so eine kleine Planetariumsshow ist nicht nur für die Kleinen immer wieder beeindruckend. So kann man auf einfachste Art und Weise den Sternhimmel zeigen, nach den Sternzeichen suchen, oder Tag und Nacht, die Jahreszeiten oder die Mondphasen erklären. Außerdem gab es ein Sonnensystemmodell, mehrere Erd- und Mondgloben und viele Bilder zu bewundern. Dank des guten Wetters konnten wir draußen basteln: So wird aus einem Bastelbogen schnell eine Sonnenuhr, ein Mond-Daumenkino oder eine Papierrakete, die mit einer Luftpumpe dann auf die Reise geschickt wurde. die ganz Kleinen konnten ihrer Phantasie freien Lauf lassen und die Planeten, einen Astronauten, das Space Shuttle oder die Internationale Raumstation malen.

Unter fachkundiger Anleitung unserer Raketenexperten Moritz Günther und Manja Baumgartner entstanden kleine Flugkörper aus Papier…

Das Highlight des Kinderprogramms waren die Wasserraketen. Stündlich haben wir die einfachen mit Luftdruck und Wasser getriebenen Raketen aus Plastikflaschen gestartet, die gerne mal 50m hoch fliegen können. Druck, Rückstoßprinzip, Wurfparabeln… das ist Physik live erlebt mit viel Spaß dabei.

… aber viel höher flogen die wasser- und luftgetriebenen Exemplare

Auch beim Vortragsprogramm kamen die Kinder nicht zu kurz, zweimal nahm ich Kinder und Eltern in einem überfüllten Klassenraum der Bergedorfer Montessori-Schule, die sich direkt auf unserem Sternwartengelände befindet, auf eine spannende Reise durch das Sonnensystem. Die restlichen Vorträge spannten den großen Bogen vom Kulturdenkmal Hamburger Sternwarte bis hin zu Dauerbrennern wie Dunkler Materie oder aktuellen astronomischen Forschungsergebnissen. Um das Forschungsinstitut als solches zu präsentieren wurde eines unserer Bürogebäude, die ehemalige Direktorenvilla, zu einer großen Postermeile mit zusätzlichen Projektionsräumen umgewandelt, wo die Besucher den Wissenschaftlern an der Sternwarte bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen konnten.

Postergalerie im Kaminzimmer der Direktorenvilla

Die großen Teleskope selber wollen natürlich auch präsentiert und vorgeführt werden, sowohl die historischen Geräte wie das fast 150 Jahre alte Äquatorial oder der Publikums-Renner, unser Großer Refraktor, wie auch die modernen Forschungsinstrumente, das Oskar-Lühning-Teleskop, mit 1,20m Durchmesser immerhin das zweitgrößte Teleskop Deutschlands, oder das vollautomatische Hamburger Robotische Teleskop, das demnächst nach Mexiko umziehen wird.

Christian Lippe führt das fernsteuerbare Oskar-Lühning-Teleskop und seine Infrarotkamera vor

Das Drumherum muß bei so einer Veranstaltung natürlich auch stimmen. Die Sternwartenmitarbeiter hatten fleißig Kuchen gestiftet, der zusammen mit Getränken und Bratwurst vom Grill verkauft wurde. Und wer wollte, konnte sich in unserem kleinen Shop auch mit Bechern, Regenschirmen, Taschen, Schürzen, T-Shirts, Pullovern oder Jacken mit Hamburger-Sternwarte-Motiv eindecken, oder auch Himmelsaufnahmen vom großen Schmidt-Spiegel mitnehmen, der ja derzeit auf dem Calar Alto sein Gnadenbrot fristet.

Der Radiosender NDR Info übertrug den ganzen Tag vom Gelände – teilweise live, teilweise in Mittschnitten – aus der Bibliothek, wo der Tag um 15 Uhr offiziell eröffnet wurde, wo aber auch Vorträge stattfanden und Prof. Peter Hauschild Fragen zu extrasolaren Planeten Rede und Antwort stand, aus der Kosmologie-Abteilung in der Direktorenvilla, wo mein Kollege Martin Wendt das Modell einer Gravitationslinse betreute, von den Teleskopen und vom Kinderprogramm. 

Axel Clasen zeigt die Sonne in seinem Teleskop

Zwischen den Kuppelgebäuden hatten die Amateurastronomen von unserem Förderverein und von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie ein kleines Teleskopwäldchen aufgebaut, so daß Groß und Klein tagsüber einen Blick auf die Sonne werfen konnten. Nach Sonnenuntergang ging es zielstrebig zu Saturn, der aber inzwischen schnell hinter den hochgewachsenen Bäumen im Parkgelände der Sternwarte verschwindet. Richtig dunkel wird es ja derzeit über Hamburg gar nicht, Mitternachtsdämmerung eben. Der Teleskoppark verwandelte sich trotzdem langsam in ein "Rotlichtviertel", und obwohl der Tag der offenen Tür um 23 Uhr offiziell beendet war, sah man nach Mitternacht noch immer Besucher um die Fernrohre und ihre Besitzer stehen.

Carolin Liefke

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Astronomin in vielerlei Hinsicht, so könnte man mich mit wenigen Worten beschreiben. Da ist zunächst einmal die Astrophysikerin, die an der Hamburger Sternwarte über die Aktivität von Sternen promoviert und dabei hauptsächlich mit den Röntgensatelliten Chandra und XMM-Newton gearbeitet hat, aber auch schon am Very Large Telescope in Chile beobachten durfte. Auslöser ihres beruflichen Werdegangs war ein engagierter Lehrer, dessen Astronomie-AG sie ab der 7. Klasse besuchte. Ungefähr zur selben Zeit erwachte auch die Hobbyastronomin, die anläßlich des Einschlags des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf den Jupiter begann, mit einem russischen Feldstecher vom Flohmarkt den Tanz der Jupitermonde zu verfolgen. Heutzutage freut sie sich über jede Gelegenheit, mit ihrem 16-zölligen Dobson tief im Odenwald fernab der Lichter der Rheinebene auf die Jagd nach Deep-Sky-Objekten zu gehen. Und da Amateurastronomen gesellige Wesen sind, treffe ich mich gerne mit Gleichgesinnten, zum Beispiel zum gemeinsamen Beobachten. Auch nach meinem Umzug von der Großstadt Hamburg in das schöne Universitätsstädtchen Heidelberg halte ich engen Kontakt zu meinen Vereinskameraden von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie und dem Astronomieverein meiner Jugend, dem Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck. Seit einigen Jahren bin ich außerdem in dem Internetforum Astrotreff aktiv, wo ich Teil des Moderatorenteams bin. Um meine Faszination an der Astronomie an andere weitergeben zu können, besonders an Kinder und Jugendliche, habe ich mich seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert, habe populärwissenschaftliche Vorträge gehalten und Schülergruppen betreut, die in Hamburg das Institut besucht haben. Diese Leidenschaft habe ich nun zu meinem Beruf gemacht. Hier in Heidelberg arbeite ich in einem kleinen aber feinen Team am Haus der Astronomie. Hiermit lade ich Sie ein, lieber Leser, an all diesen Facetten meines Astronomendaseins teilzuhaben. Mal witzig, mal spannend oder nachdenklich, manchmal auch persönlich oder mit Aha-Effekt. Carolin Liefke

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