ATT – Astronomischer Tausch- und Trödeltreff

Man sollte es nicht meinen, aber hinter diesem einfachen Namen verbirgt sich Deutschlands größte Astronomiemesse, die jährlich im Mai in Essen stattfindet und mehr als 2000 Besucher anzieht. Tatsächlich als ein kleiner Tausch- und Trödeltreff wurde der ATT aber 1983 vom Essener Verein für volkstümliche Astronomie, kurz VVA, ins Leben gerufen. Aus anfänglich nur eine Handvoll Ausstellern und gut 150 Besuchern wurde dann im Laufe der letzten 26 Jahre die Großveranstaltung als die man den ATT heute kennt. Seit 1990 findet das ganze in der Altendorfer Gesamtschule Bockmühle statt. Während die Stände anfangs gerade mal einen Teil der großen Schulmensa füllten, kommt man inzwischen mit der großen Halle nicht mehr aus. Weitere Räume und Gänge des Schulgebäudes werden jeweils für diesen einen Tag komplett in Beschlag genommen. Die Schule ist kein Messegelände und damit nicht unbedingt der optimale Ort für eine solche Veranstaltung, aber sie macht auch einen Teil des Flairs des Ganzen aus: Lange Parkplatzsuche, schlechte Luft, Gedränge und Geschiebe in den engen Gängen und lange Schlangen in der Cafeteria gehören zum ATT irgendwie dazu.

Auch am späten Nachmittag herrschte in der großen Halle noch Gedränge 

 Hinzu kommt: Der ATT ist eben doch mehr als eine Messe, auf der Hersteller Prototypen und Neuentwicklungen von amateur- und semiprofessionellen astronomischen Gerätschaften präsentieren oder Händler aus ganz Europa vieles aus ihrem Sortiment zu Messepreisen anbieten. Nach wie vor sind über die Hälfte der Stände von Astronomievereinen und Volkssternwarten aus ganz Deutschland besetzt, die sich dort präsentieren und deren Mitglieder das eine oder andere Gebrauchtteil zum privaten Verkauf anbieten. Schnäppchenjäger kommen also voll auf ihre Kosten. Die gelungene Mischung aus Astro-Flohmarkt und Messe, garniert mit einigen hochkarätigen Vorträgen ist es, die Jahr für Jahr aufs Neue Scharen Astronomieinteressierter aus Deutschland und seinen Nachbarländern anlockt. Zugegebenermaßen, in den letzten Jahren haben die Besucherzahlen etwas abgenommen – hohe Benzinpreise und die wachsende Konkurrenz durch die im September stattfindende Astromesse AME in Villingen-Schwenningen fordern ihren Tribut.

Nichtsdestotrotz, der diesjährige 25. ATT am 16. Mai gehörte für mich wie schon seit vielen Jahren für mich amateurastronomischen Pflichtprogramm. Auf dem ATT habe ich schon so manch günstige (Neu)erwerbung gemacht, und das sollte dieses Jahr nicht anders sein. Außerdem bietet der ATT die ultimative Gelegenheit, Bekannte aus ganz Deutschland zu treffen mit denen man sonst nur über das Internet zu tun hat oder neue Bekanntschaften zu machen. So stolperte ich dieses Jahr zufällig über Jan Hattenbach von den Himmelslichtern und traf erstmalig meinen Bloggerkollegen Stefan Taube vom Lichtecho am Stand vom Spektrum Verlag. Mit einer größeren Gruppe Bekannter vom Internetforum Astrotreff kehrte ich im Anschluß an den ATT zum dritten Mal in Folge in einen Borbecker Biergarten ein.

 
Astrotreffler aus Deutschland und der Schweiz treffen sich nach dem ATT zum gemütlichen Beisammensein

Aber eins nach dem anderen. In diesem Jahr fand der ATT unmittelbar vor dem Internationalen Teleskoptreffen Vogelsberg, kurz ITV statt, ein weiterer rotmarkierter Eintrag in meinem Terminkalender. Da lag es nahe, die beiden Veranstaltungen miteinander zu verbinden. Mit einer Kollegin und Freundin war ich bereits am Donnerstag von Hamburg aus ins hessische Gedern aufgebrochen, wo wir uns zu einer stetig wachsenden Zahl von frühen Besuchern des Teleskoptreffens gesellten. Zu viert ging es dann am Samstag Morgen von dort aus nach Essen. Nachdem wir uns ohne Essener Stadtplan zum Schluß noch einmal gehörig verfahren hatten, konnten wir kurz nach zwölf endlich in die heiligen Hallen der Gesamtschule Bockmühle eintreten, besser spät als nie. Was ich kaufen wollte habe ich dann auch bekommen (angesichts meiner bevorstehenden Sonnenfinsternisreise eine Rolle neue Filterfolie für mein Teleskop), zusätzlich konnte ich angesichts eines 2"-Zenitspiegels für 20 Euro nicht nein sagen.

Semiprofessionelle Montierung von Astelco 

 An jeder Ecke traf man Bekannte, mit denen erstmal fleißig geplauscht und aktuelle Neuigkeiten ausgetauscht wurden, so blieb mir mal wieder keine Zeit für den Besuch der Vorträge. Stattdessen warf ich zwischendurch bewundernde Blicke auf die schmucke neue Montierung von Astro Systeme Austria und konnte angesichts ausgesprochen günstiger (aber dennoch natürlich nicht gerade kleiner) Messepreise bei William Optics gerade noch widerstehen, meinen Traum-Apo einfach mitzunehmen. Ein Besuch bei den Vereinskollegen von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie durfte natürlich nicht fehlen. Die Jungs und Mädels vom Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck, mit denen ich vor vielen Jahren das erste Mal den ATT besuchte, haben dagegen wie schon bei den letzten Malen die weite Anreise gescheut. Mit einem Lächeln schlenderte ich am Stand von Baader Planetarium in der großen Halle vorbei, wohlwissend daß die Zeiss- und Astro Physics Refraktoren des dort ausgestellten Teleskopwäldchens unverkäuflich sind. In unmittelbarer Nachbarschaft drängte sich wie üblich eine Menschentraube um die letzten Schnäppchen bei Teleskop-Service. Im Außenbereich zeigten Hα-Geräte von Lunt, Coronado und Wolfgang Lille was sie können.

Apo-Parade bei APM Telescopes

Am späten Nachmittag ebbten die Menschenmassen ab und nach Speis und Trank in besagtem Biergarten hieß es auch für uns vier ITVler wieder zurückzufahren. Das war er also, der 25. Astronomische Tausch- und Trödeltreff. Ich selber habe nur acht dieser 25 ATTs miterlebt, acht der "ad astra"-Begleithefte im Laufe der Jahre eingesammelt und von malerischen Postkarten, kleinen Gimmicks von Astromedia bis hin zu Meteoritenbruchstücken die verschiedensten Formen von Eintrittskarten erworben. Vor drei Jahren ging der VVA in der Walter-Hohmann-Sternwarte auf, die den ATT seitdem organisiert. Wünschen wir der WHS also gutes Gelingen bei der Organisation der nächsten 25 ATTs bis zum goldenen Jubiläum.

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Astronomin in vielerlei Hinsicht, so könnte man mich mit wenigen Worten beschreiben. Da ist zunächst einmal die Astrophysikerin, die an der Hamburger Sternwarte über die Aktivität von Sternen promoviert und dabei hauptsächlich mit den Röntgensatelliten Chandra und XMM-Newton gearbeitet hat, aber auch schon am Very Large Telescope in Chile beobachten durfte. Auslöser ihres beruflichen Werdegangs war ein engagierter Lehrer, dessen Astronomie-AG sie ab der 7. Klasse besuchte. Ungefähr zur selben Zeit erwachte auch die Hobbyastronomin, die anläßlich des Einschlags des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf den Jupiter begann, mit einem russischen Feldstecher vom Flohmarkt den Tanz der Jupitermonde zu verfolgen. Heutzutage freut sie sich über jede Gelegenheit, mit ihrem 16-zölligen Dobson tief im Odenwald fernab der Lichter der Rheinebene auf die Jagd nach Deep-Sky-Objekten zu gehen. Und da Amateurastronomen gesellige Wesen sind, treffe ich mich gerne mit Gleichgesinnten, zum Beispiel zum gemeinsamen Beobachten. Auch nach meinem Umzug von der Großstadt Hamburg in das schöne Universitätsstädtchen Heidelberg halte ich engen Kontakt zu meinen Vereinskameraden von der Hamburger Gesellschaft für volkstümliche Astronomie und dem Astronomieverein meiner Jugend, dem Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck. Seit einigen Jahren bin ich außerdem in dem Internetforum Astrotreff aktiv, wo ich Teil des Moderatorenteams bin. Um meine Faszination an der Astronomie an andere weitergeben zu können, besonders an Kinder und Jugendliche, habe ich mich seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert, habe populärwissenschaftliche Vorträge gehalten und Schülergruppen betreut, die in Hamburg das Institut besucht haben. Diese Leidenschaft habe ich nun zu meinem Beruf gemacht. Hier in Heidelberg arbeite ich in einem kleinen aber feinen Team am Haus der Astronomie. Hiermit lade ich Sie ein, lieber Leser, an all diesen Facetten meines Astronomendaseins teilzuhaben. Mal witzig, mal spannend oder nachdenklich, manchmal auch persönlich oder mit Aha-Effekt. Carolin Liefke

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wir verfahren uns auch immer 😉

    Hallo Carolin, das ist ein schöner Satz, den ich so nur bestätigen kann: „Die gelungene Mischung aus Astro-Flohmarkt und Messe, garniert mit einigen hochkarätigen Vorträgen ist es, die Jahr für Jahr aufs Neue Scharen Astronomieinteressierter aus Deutschland und seinen Nachbarländern anlockt.“
    Allerdings glaube ich nicht, dass die AME in Villingen-Schwenningen eine echte Konkurrenz ist, denn dafür liegt sie räumlich und zeitlich zu weit weg. Ich finde es richtig klasse, dass die Astronomie zwei solche gutgelaunten Messen hat und man merkt auch, dass jede Messe eben aus einem anderem Nachbarland Zuspruch erfährt.

  2. ATT, HATT, ATH und AME

    Ich denke auch, dass die AME keine wirkliche Konkurrenz zum ATT darstellt – zu weit weg und außerdem im Herbst. Mir gefallen beide Messen, die AME ist längst nicht so groß wie der ATT, gemütlicher halt aber dennoch hochkarätig besetzt was Händler und Vorträge betrifft.

    Wer es etwas ruhiger mag, kann zumindest im Westen der Republik auch die ATH in Hückelhoven besuchen (meist im Februar) oder, ebenfalls im Pott, die HATT in Hattingen (meist November). Beide sind deutlich kleiner als ATT und AME, und dadurch familiärer, was ihren Reiz ausmacht.

    Der ATT ist aber wirklich ein Muss für jeden Amateurastronom!

  3. Messe und/oder Flohmarkt?

    Für mich als Nordlicht ist es schon zum ATT ziemlich weit – und die Fahrt zur AME steht schon gar nicht mehr zur Diskussion, wenn ich den Besuch dort nicht noch mit etwas anderem verbinden kann. Trotzdem glaube ich, daß die AME eine ernstzunehmende Konkurrenz für den ATT ist. Die AME wächst kontinuierlich, und ich kenne einige Amateurastronomen aus Süddeutschland, die nicht mehr zum ATT kommen seit es die AME gibt.

    Schauen wir einfach mal, wie sich die beiden Veranstaltungen entwickeln. Die AME hat derzeit (noch?) den stärkeren Messecharakter. Den ATT-typischen Flohmarkt, wie man ihn zum Beispiel auch auf den Norddeutschen Astrofototreffen (NAFT) hat, gibt es nicht.

  4. Ja, schauen wir einfach mal

    Ich als Südstaatler kann das gut verstehen, dass man lieber zur AME, als zum ATT fährt. Aber ich sehe die AME trotzdem als Bereicherung, denn viele Südstaatler würden ohne AME wohl gar keine Astromesse besuchen, zumindest nicht regelmäßig. Abgesehen davon haben viel mehr Besucher auf dem ATT ja gar keinen Platz 😉
    Ich bin sehr optimistisch, dass beide Messen auf Dauer nebeneinander bestehen können. Das Problem ist eher, wie man für genügend Nachwuchs bei den Astroneugierigen sorgt. Stirbt der Nachthimmel, sterben die Sternfreunde und damit auch beide Messen.

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