Wellen in Neon
BLOG: Zündspannung

Das PK-3 Plus Experiment live mitgebloggt von Dr. Peter Huber:
Im Kontrollraum. Gerade läuft die Neon Prozedur. Mit Neon bei diesen Parametern droht das Plasma sehr leicht auszugehen. Um das zu verhindern, wollen wir versuchen, Plasmakontrolle einzustellen. Gerade spricht Andrey mit dem Kosmonauten, um ihn durch die entsprechenden Einstellungen zu führen. Wenn er schnell genug ist, ist die Plasmakontrolle an, bevor das Plasma in einen kritischen Zustand wechselt. Bis jetzt sieht es gut aus. Die Plasmakontolle läuft. Sieht gut aus.
Bei der Plasmakontrolle stellt der Experimentrechner automatisch die Plasmaleistung hoch, wenn das Plasma in einen kritischen Zustand gerät.
Jetzt gibt es doch wieder Probleme: die Prozedur läuft durch äußerst tiefen Druck. Plasma Off!
Äußerst ärgerlich. Die Prozedur heute funktioniert leider nicht. Um die Wellen beobachten zu können, die wir anregen wollen, benötigen wir relativ kritische Parameter. Aber das Plasma ist mit Neon heute zu instabil. Möglicherweise machen die Verunreinigungen, die sich mit den Jahren in der Kammer gesammelt haben, das Plasma vor allem mit Neon so viel empfindlicher. Leider hat der Kosmonaut keine Zeit mehr, zu versuchen, noch was zu retten.
Tja, es kann nicht immer alles bestens laufen. Dieses Experiment war einfach zu neu und unsere Erfahrung mit Neon nicht so weitreichend wie mit Argon. Gestern hatten wir eine automatische Prozedur, die sich wieder mit Kristallisation an Grenzflächen beschäftigt hat. Die hat wieder bestens geklappt. Alles in Allem können wir also schon zufrieden sein, wenn wir auch heute etwas enttäuscht sind.
Heute Abend wollen wir dem Ganzen zum trotz aber feiern. Es waren schließlich siebeneinhalb äußerst erfolgreiche Jahre. Bis jetzt war von Melancholie noch nichts zu spüren. Dazu war die Mission viel zu stressig. Allmählich kommt aber doch Nachdenklichkeit auf. Schon bei den gemeinsamen Abendessen im Hotelzimmer sind Hubertus Thomas und Tanja Hagl immer wieder in Erinnerungen geschwelgt. Schließlich ist das ganze Hubertus Kind und Tanja war auch von Anfang an als begleitende Ingenieurin dabei. Da kommen in den 15 Jahren, seit die Kooperation läuft, schon weit mehr als ein Jahr Gesamtzeit für jeden von beiden zusammen.
Aber jetzt ist es ja noch nicht vorbei. Morgen haben wir noch eine sehr interessante Prozedur vor uns und im Herbst ist schließlich noch ein Abschlußsymposium.
Das Nachfolgeexperiment wird dann nicht mehr von Koroljow aus, sondern von Toulouse aus betreut. Dann gibt es leider keine Moskaureisen mehr. Vorerst.