Von den Freuden der Experimentalphysik…

BLOG: Zündspannung

Blick über den Plasmarand
Zündspannung

Ich konnte letzte Woche endlich wieder ins Labor, nachdem der andere Doktorand, der den Aufbau verwendet, jetzt eine kleine Experimentierpause macht.

Mein letztes Projekt war es gewesen, die Temperaturverteilung auf der Elektrode zu messen, die wir heizen, um zu sehen, ob sich diese gleichmäßig erwärmt oder nicht. Das hatte sich viel länger hingezogen als gedacht, denn es war verblüffend schwierig, die Platin-Sensoren so auf der Elektrode anzubringen, dass sie einerseits wieder gut abgehen (ich will die Elektrode ja weiterverwenden), andererseits aber mit einer vernünftigen Genauigkeit funktionieren. Das war wirklich Fummelarbeit, wer schon einmal mit Wärmeleitpaste gearbeitet hat, weiß vermutlich, was für ein Schmierkram das ist.

Na ja, und jetzt wollte ich also endlich wieder richtig Experimente mit unseren Komplexen Plasmen machen, nicht nur irgendwelche Temperaturen messen. Vor allem habe ich mich darauf gefreut, unser neues Datenerfassungssystem verwenden zu können. Wir verwenden für unsere Filmaufnahmen im Labor eine Hochgeschwindigkeitskamera, die bis zu 1000 Bilder pro Sekunde bei einer Auflösung von 1 MByte aufnehmen kann.

Das produziert natürlich eine riesige Datenmenge, die erst einmal irgendwie weggespeichert werden muss. Dafür haben wir ein System mit mehreren Festplatten gekauft, auf die gleichzeitig geschrieben wird. So können wir unsere 1 GByte pro Sekunde Daten für über eine halbe Stunde aufnehmen. Ein wirklich super System!

Was leider nicht so super ist, ist die mitgelieferte Software, die hat nämlich jede Menge Bugs. Der andere Doktorand im Labor hat schon viel Zeit in die Bug-Suche gesteckt, und die Firma, die uns das System verkauft hat, hat dann wenigstens immer sehr freundlich und hilfbereit versucht, die Fehler zu entfernen. Ein Problem ist, dass sie kein solches System bei sich selbst zu Testzwecken stehen hat, das wäre wohl zu teuer.

Ich habe also letzte Woche dann begeistert Daten aufgenommen, die Bilder von den vielen Festplatten als Einzelbilder auf unseren Server exportiert, das Programm geschlossen… und als ich es das nächste Mal versuchte zu starten, funktionierte nichts mehr. Es stellte sich heraus, dass irgendwie die Datei kaputt gegangen war, die die Dateistruktur speichert. Unsere Daten waren also auf dem System noch vorhanden, aber wir kamen nicht heran.

Bei mir war das nicht so schlimm, ich hatte ja den interessanten Teil schon exportiert, aber von meinem Kollegen waren noch Daten auf dem System, die er für seine Doktorarbeit verwenden wollte… Wir haben also – immer mit Hilfe der Firma – versucht, wieder an die Bilder zu kommen, bisher nur teilweise erfolgreich. Ich hoffe, dass die Firma das noch hinbekommt, kann ja nicht sein, dass wir nicht mehr an die gespeicherten Daten kommen, weil die Software nicht fehlerfrei ist. 

Nächste Woche wird weiter an dem Problem gearbeitet… Ich hoffe, dass ich dann auch noch dazu komme, mal wieder _richtige_ Experimente zu machen, und das nicht an solchen Problemen scheitert.

Mierk Schwabe

Veröffentlicht von

Erhöht man die Spannung zwischen zwei Elektroden, die ein Gas umgeben, beginnt das Gas irgendwann zu leuchten: Freie Elektronen im Gas haben genug Energie, um die Gasteilchen zu ionisieren und noch mehr Elektronen aus den Atomen zu schlagen. Ein Plasma wurde gezündet, die Zündspannung ist erreicht. Gibt man nun noch zusätzlich Mikrometer große Teilchen in das Plasma, erhält man ein sogenanntes "Komplexes Plasma", mit dem ich mich zunächst als Doktorand und Post-Doc am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und nun an der University of California in Berkeley beschäftige. In diesem Blog möchte ich sowie ein wenig Einblick in den Alltag im Forschungsinstitut bieten, als auch über den (Plasma)-Rand hinaus blicken. Mierk Schwabe

1 Kommentar

  1. Übel

    Diese “Geschichten” bei den Versuchen sind übel und nervend. Tröstlich ist es, wenn man sich umhört und es eigentlich fast jedem so erging. Scheint normal zu sein und irgendwie bekommt man es dann doch noch hin.

Schreibe einen Kommentar