Parabelflug – Vorbereitungen

Es gibt (immer noch 😉 ) keine Anti-Schwerkraftmaschine. Daher muss man auf einen Trick zurückgreifen, um Versuche ohne den Einfluss der Gravitation durchführen zu können: Wenn ein Objekt fällt, ist es schwerelos. Das nutzt auch die Raumstation aus, die sozusagen um die Erde herum fällt. Es gibt außerdem Falltürme, bei denen Experimente in einem Vakuum fallen gelassen werden und in dieser Zeit schwerelos sind. Wenn nun aber der Experimentator mitkommen soll, kann auf einen Parabelflug zurückgegriffen werden. Dabei fliegt das Flugzeug in einer Parabel, so dass es für etwa 20 Sekunden schwerelos ist, und in dieser Zeit Experimente durchgeführt werden können.

Genau so etwas bereiten wir im Moment vor. Wir möchten schnelle Effekte in unseren komplexen Plasmen untersuchen, für deren Beobachtung wir eine Hochgeschwindigkeitskamera brauchen. Seit unser Experiment auf der Raumstation ist, hat sich die Technik weiterentwickelt, so dass die Kameras, die wir im Labor verwenden können, deutlich besser sind als die, die auf der Raumstation zur Verfügung stehen. Natürlich ist die Mikrogravitation auf so einem Flug viel weniger perfekt als auf der Raumstation, und 20 Sekunden reichen auch nur für die wirklich schnell auftretenden Effekte – aber die sollten hoffentlich zu sehen sein.

Die Vorbereitung ist aufwendig. Wir sind dabei, ein Rack zu konstruieren, in dem das Experiment sicher betrieben werden kann. Die Firma Novespace, die die Parabelflüge durchführt, ist sehr darum bemüht, dass die Experimente so sicher wie möglich sein sollen, so dass wir immer noch Änderungen durchführen müssen, zeigen, dass unsere Ausrüstung niemanden gefährdet, usw.

Aber nicht nur unser Experiment wird durchgecheckt, sondern auch wir. Alle, die mitfliegen wollen, müssen zum Fliegerarzt. Die medizinischen Anforderungen sind in etwa die wie für einen Privatflugschein – das Herz-Kreislaufsystem muss in Ordnung sein, es wird ein EKG durchgeführt, außerdem auf schwere Krankheiten wie Diabetes untersucht. Die Sehschärfe wird überprüft, eventuelle Farbenblindheit, ob man normal hören kann, die Koordination (mit geschlossenen Augen und ausgestreckten Armen zwei Mal im Kreis drehen oder mit einem Finger die Nasenspitze treffen). Insgesamt alles nicht so wild, ich war viel zu aufgeregt für die eigentlich recht harmlosen Untersuchungen.

Jetzt heißt es, den Experimentaufbau fertigzustellen und insbesondere alle Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Wenn alles klappt, nehmen wir dann im Februar am 13. Parabelflug des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) teil. 


Bild: Dr. Wessmann, 2006, unter der GPL – Lizenz

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Erhöht man die Spannung zwischen zwei Elektroden, die ein Gas umgeben, beginnt das Gas irgendwann zu leuchten: Freie Elektronen im Gas haben genug Energie, um die Gasteilchen zu ionisieren und noch mehr Elektronen aus den Atomen zu schlagen. Ein Plasma wurde gezündet, die Zündspannung ist erreicht. Gibt man nun noch zusätzlich Mikrometer große Teilchen in das Plasma, erhält man ein sogenanntes "Komplexes Plasma", mit dem ich mich zunächst als Doktorand und Post-Doc am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und nun an der University of California in Berkeley beschäftige. In diesem Blog möchte ich sowie ein wenig Einblick in den Alltag im Forschungsinstitut bieten, als auch über den (Plasma)-Rand hinaus blicken. Mierk Schwabe

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Neugieriger: Und? Was machst Du so?

    Schwabe: Ich untersuche komplexe Plasmen. Salopp gesagt sind es ionisierte Gasteilchen im Zusammenspiel mit kleinsten Teilchen.

    Neugieriger: Ah, das ist ja super interessant *hinter vor gehaltender Hand kichernd*

    Schwabe: Ja, letztens wurde ein Experiment auf der ISS durchgeführt, welches wir vom Boden aus begleiteten und demnächst experimentiere ich in einem Parabelflug.

    Neugieriger: Oh! *blasses Gesicht*

    😉

  2. Flugmedizin, heute und damals

    Die Flugmedizinische Untersuchung hat ja ganz schön nachgelassen (dafür wird jetzt mehr die Gerätschaft abgecheckt). Ich kann mich noch erinnern, ‘damals’ (2001) vor meinem ersten Parabelflug mussten wir extra nach Köln zum DLR Institut für Flugmedizin reisen und uns dort, neben einem Belastungs-EKG und ausgiebigen Seh-, Hör- und Lungenfunktionsuntersuchungen, ziemlich abenteuerlichen Tests unterziehen. Z.B. 15 Minuten in einer Unterdruckkammer bei simulierten 9000m Höhe verbringen, oder für einige Minuten Luft atmen, die nur einen Sauerstoffanteil von 6% hat (normal 21%). Das war eine interessante Erfahrung. Wir sollten dabei auf einem Zettel simple Rechenaufgaben lösen. Das Problem nach etwa 1-2 Minuten: Nicht die Rechenaufgabe, sondern die Überlegung, Moment, was war nochmal der Unterschied zwischen einer ‘5’ und einer ‘3’… 🙂 Nach wenigen Atemzügen normaler Luft ist aber das Hirn sofort wieder fit und man wundert sich, was man da auf den Zettel gekritzelt hat. Die Ärzte sagten übrigens, dass die Tests keine bleibenden Schäden hinterlassen würden. Hm… 😉

  3. DLR, Link

    Liebe Mierk,

    wir haben Deinen, wie ich finde, gelungenen Blog hier

    http://www.dlr.de/…t.aspx/tabid-1/86_read-15321/

    verlinkt. Über einen Link zurück freut sich

    die DLR Kommunikation.

    P.S.: Wir heissen “Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)”, nicht “Deutsches Luft- und Raumfahrtzentrum”.

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