Fusion im Jahr 2100

BLOG: Zündspannung

Blick über den Plasmarand
Zündspannung

Was werden Schüler im Jahr 2100 über die Geschichte der Fusion lernen? Das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) hat jetzt einen Werbefilm für den geplanten Fusionsreaktor ITER ins Netz gestellt, das eine Vision dafür vorstellt. In dieser fiktiven Zukunft hat die Fusion das Energieproblem gelöst, stellt saubere, sichere und praktisch unbegrenzte Energie zur Verfügung. Zu sehen ist der Film auf der Webseite des IPP.
Schön wäre es ja…  ITER soll zum ersten Mal mehr Energie durch Fusion von Wasser zu Helium gewinnen, als z.B. für die Begrenzung des Plasmas benötigt wird. Probleme gibt es natürlich immer noch, z.B. wird das Material der Wand aktiviert und damit ebenfalls radioaktiv.  Im Vergleich mit heutigen Atomreaktoren wären Fusionsreaktoren von diesem Typ aber viel sicherer, da keine Kettenreaktion auftreten kann und auch keine Materialien erzeugt werden, die 10 000 von Jahren radioaktiv sind.  Bleibt zu hoffen, dass der Werbefilm von oben nicht zu optimistisch ist, denn Fusion als Energiequelle liegt ja bekanntermaßen  20 Jahre in der Zukunft… und das seit mehr als 50 Jahren. 😉

 

 

Mierk Schwabe

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Erhöht man die Spannung zwischen zwei Elektroden, die ein Gas umgeben, beginnt das Gas irgendwann zu leuchten: Freie Elektronen im Gas haben genug Energie, um die Gasteilchen zu ionisieren und noch mehr Elektronen aus den Atomen zu schlagen. Ein Plasma wurde gezündet, die Zündspannung ist erreicht. Gibt man nun noch zusätzlich Mikrometer große Teilchen in das Plasma, erhält man ein sogenanntes "Komplexes Plasma", mit dem ich mich zunächst als Doktorand und Post-Doc am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und nun an der University of California in Berkeley beschäftige. In diesem Blog möchte ich sowie ein wenig Einblick in den Alltag im Forschungsinstitut bieten, als auch über den (Plasma)-Rand hinaus blicken. Mierk Schwabe

5 Kommentare

  1. Stichwort radioaktiv:

    Ich bin, speziell was ITER angeht, nicht so optimistisch.

    Es ist ja nicht nur das Wandmaterial, das radioaktiv ist: ITER verbrennt Tritium. Für ein kommerzielles System nach dem ITER-Prinzip müsste man ständig größere Mengen radioaktives Gas lagern, und das dürfte recht kompliziert werden, wenn man bedenkt, wie leicht Wasserstoff überall durch diffundiert.

    Eine Gesundheitsgefahr dürfte davon zwar nicht ausgehen, aber wie selbst die Möglichkeit kleinster Mengen austretender Radioaktivität in der Öffentlichkeit aufgenommen wird, durften wir ja beim Theater um die letzte Leukämiestudie erleben…

    Man müsste also nach ITER noch mal das Konzept umstellen, wenn man kein erhebliches Akzeptanzproblem haben will.

  2. @Alf Köln: Hm, stimmt, da habe ich mich wohl an eine falsche “Fusionskonstante” erinnert… Wikipedia meint 30 – 40 Jahre, aber beim Googlen kommt man doch eher auf die 50 Jahre. Nun ja.

    @Fischer: Ja, das Tritium/Deuterium-Gemisch soll natürlich möglichst in einem geschlossenen Kreislauf verwendet werden. Zur Lagerung werden ja bereits Systeme erprobt, das sollte also lösbar sein, denke ich. Die Akzeptanz in der Bevölkerung könnte natürlich ein Problem sein, aber es werden ja auch noch immer “normale” Atomreaktoren gebaut, also sollte der sicherere ITER ja wohl auch möglich sein.

  3. Ich glaube mich zu erinnern, dass man in den 80gern die wirtschaftliche Fusion bereits für Mitte dieses Jahrhundert prognostizierte.

  4. Werbefilm

    meine Güte…. ich habe mir gerade mal den Film angeschaut und dachte zunächst noch, naja, gut, über Stellaratoren wird mal wieder nix gesagt, war ja klar. Schauspielerische Leistung auch net so toll, aber ist ja auch nur ‘n Werbefilm.
    Aber dann das Ende: Da beamt der Lehrer sich aus dem Klassenzimmer ‘raus mit der Bemerkung, nächstes mal lernen wir dann was über’s beamen. So ein Mist! Sollte wohl (hoffentlich) lustig gemeint sein, ist aber trotzdem großer Mist, weil es in einem potentiellen Lernfilm gezeigt ist, der vielleicht mal an Schulen gezeigt wird.

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