Ein langer Weg

Stille… herrschte nicht nur viel zu lange in diesem Blog, sondern war unter anderem auch das, was ich in meinem Urlaub in Tansania gesucht habe – was dann wieder die Stille im Blog erklärt. So wird meine Rückkehr zum Bloggen auch offtopic beginnen: mit einem kurzen Bericht über einen kleinen Teil meiner Erlebnisse in Afrika.

Wir waren also in Tansania. Dieses Land besteht aus zwei Teilen, Tanganjika auf dem Festland und den Inseln, die unter dem Namen Sansibar zusammengefasst sind. Wir haben den Norden Tanganjika besucht, die Serengeti und den Ngorongoro-Krater, und die Hauptinsel Sansibars.

Hier möchte ich, wenigstens vorerst, nur über einen Ort berichten, der mich besonders beeindruckt hat: die Olduvai-Schlucht. Diese Schlucht liegt am Rand der Serengeti und wird durch Regenwasser geformt, das aus der Serengeti abläuft [1]. Dabei werden Fossilien freigelegt, die Jahrmillionen im Gestein verborgen waren. Dies hat dazu geführt, dass viele Tierfossilien gefunden wurden, aber auch Millionen Jahre alte Steinwerkzeuge und Fossilien der Vorgänger der Menschen.

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Die Olvudai-Schlucht [3]

Besonders faszinierend fand ich aber etwas anderes: Die Spuren von drei Hominiden, die nach ihrem Fundort benannten "Laetoli-Fussabdrücke". Diese Fussabdrücke wurden vor 3.6 Millionen Jahren von drei Australopithecus afarensis in einer frischen Lage Asche aus dem nahen Vulkan Sadiman hinterlassen. Die Fußabdrücke wurden später durch einen erneuten Vulkanausbruch bedeckt und so erhalten, bis sie 1979 entdeckt wurden [2].

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Replik der Laetoli-Fussabdrücke [3]

Man kann sehr viel von diesen wenigen Abdrücken lernen: Der große Zeh ist beispielsweise neben den anderen Zehen angeordnet. Andere Primaten benötigen zum Klettern auf Bäume einen großen Zeh, der wie unser Daumen gegenüber angeordnet ist [2]. Auch besaßen die Australopithecus bereits ein Fußgewölbe, das die Kräfte beim aufrechten Gang besser abfangen kann [2]. Alles deutliche Zeichen, dass es sich tatsächlich um Vorgänger der Menschen handelte.

Und: Bei ihrem Gang über den dornigen Untergrund sind zwei der Vormenschen nebeneinander gelaufen und ein dritter dahinter, wobei er direkt in die Spuren des Vorgängers getreten ist [2]. Das zeugt schon deutlich von Intelligenz.

Mittlerweile sind die Abdrücke zu ihrem Schutz wieder mit Erde bedeckt und nur Repliken ausgestellt. Es ist allerdings ein neues Museum geplant, bei dem man die Originale unter einer Plexiglasabdeckung besuchen können soll — ein guter Grund, spätestens dann Tansania wieder zu besuchen.

So lange staune ich bei diesen Erinnerungen noch immer über den langen Weg, den die Menschheit bisher zurückgelegt hat. 

Fußabdrücke

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Olduvai-Schlucht
[2] Schautafeln im Olduvai-Museum
[3] Alle Bilder bis auf der Fußabdruck auf dem Mond aufgenommen von mir, teilweise im Olduvai-Museum. Mond-Fußabdruck: NASA

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Erhöht man die Spannung zwischen zwei Elektroden, die ein Gas umgeben, beginnt das Gas irgendwann zu leuchten: Freie Elektronen im Gas haben genug Energie, um die Gasteilchen zu ionisieren und noch mehr Elektronen aus den Atomen zu schlagen. Ein Plasma wurde gezündet, die Zündspannung ist erreicht. Gibt man nun noch zusätzlich Mikrometer große Teilchen in das Plasma, erhält man ein sogenanntes "Komplexes Plasma", mit dem ich mich zunächst als Doktorand und Post-Doc am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und nun an der University of California in Berkeley beschäftige. In diesem Blog möchte ich sowie ein wenig Einblick in den Alltag im Forschungsinstitut bieten, als auch über den (Plasma)-Rand hinaus blicken. Mierk Schwabe

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. schöner Vergleich…

    … mit den beiden Fußabdrücken!

    Auch habe ich selten Reiseberichte gelesen, deren Aussagen so schön mit Quellen belegt waren, wie du das gemacht hast 😉

  2. Kurios?

    Dass das US-Astronautencorps so lange ein Club weißer Männer blieb, finde ich nicht kurios. Die erste Astronautengeneration entstammte mehr oder weniger der Militär- und/oder Testpiloten, und das waren nun mal damals alles weiße Männer.

    Ja, die Russen haben aus politischen Gründen schon in der ersten Astronautengruppe eine Frau gehabt, aber nach den Erfahrungen mit Tereshkowa war es wohl nicht schwer für die Fraktion, die immer schon dagegen gewesen waren, sich durchzusetzen.

    Bemerkenswert ist auch, dass die Russen die ersten waren, die einen farbigen Astronauten ins Weltall schickten.

    Aber wie auch immer, das ist eher off-topic.

  3. Der Ngorongoro ist schon beeindruckend, und auch die Olduvai Schlucht sollte man mal gesehen haben. Und wie ich sehe, sind die Fußspuren ja mittlerweile besser ausgestellt. Als ich sie 2000 im Nationalmuseum besuchte, war das alles noch etwas lieblos.

  4. Langer Weg / lange Zeit

    “…über den langen Weg, den die Menschheit bisher zurückgelegt hat. “

    Naja, lang schon, aber schauen wir mal: 380.000km dividiert durch 3,5 Mio Jahre = ca. 100 Meter pro Jahr(!).
    Da ist jede Weinbergschnecke schneller! 😉

    Just kidding. Schöner Beitrag!

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