Edgar Dahl freut sich auf die Hölle

BLOG: Vom Hai gebissen

Notizen aus dem Haifischbecken
Vom Hai gebissen

Man kennt das doch. Obwohl man sich jedes Jahr wieder sicher ist, dass man sich nächstes jahr mehr Zeit nimmt für Weihnachtsgeschenke, läuft es doch immer wieder auf Stress hinaus. Und dann steht man im Buchladen zwischen all den anderen Ahnungslosen und weiß nicht weiter. Da kann ich jetzt Abhilfe schaffen. Im Sommer traf ich mich mit Edgar Dahl, der nebenan regelmäßig unregelmäßig sein Blog Libertarian befüllt und mir in meinem Blog schon zu einigen Denkanstößen verholfen hat. Während dieses Treffens zückte er dann plötzlich ein Buch. Wer zur Hölle will schon in den Himmel? Eine sehr gute Frage, mit der ich mich allerdings noch nicht weiter beschäftigt habe. Zwischen zwei Nashörner passt eben nicht viel, erst recht kein vollständig neues Themengebiet. Aber ich hatte Ferien, also genügend Zeit und begann zu lesen.

Schon nach wenigen Seiten war ich ziemlich begeistert, ist die Lektüre doch keineswegs "schwäre Kost" wie ein ukrainischer Milchschnitten-Verdrücker zu sagen pflegt. Nun, worum geht es in diesem Buch? Richtig, um die Frage, wer eigentlich in den Himmel möchte. Nach einer kurzen Einleitung mit Gedanken über den möglichen Aufbau der Hölle nach Dante und einem Blick auf die eigene Kindheit in der DDR hat Edgar eine Reihe von Zitaten überzeugter Atheisten gesammelt, die aufgrund dieser Einstellung ganz bestimmt keinen Fuß in die Himmelstür bekommen. Die Reihe beginnt mit Douglas Adams, nach dessen Meinung es keinen Grund gäbe an einen Gott zu glauben. Allein er ist schon ein Argument für "unten", nicht nur, weil er in seinem Buch "Die Letzten ihrer Art" auch über Nashörner berichtet, sondern weil er insgesamt ein genialer Autor ist. Und im Hier und Jetzt kann ich ihn leider nicht mehr treffen. Etwas philosophischer wird es dann zum Beispiel bei Ralph Waldo Emerson: "Die religiösen Schriften des einen Zeitalters sind die Dichtung des anderen". Aber keine Sorge. Das wird dann schnell wieder ausgeglichen von geistigen Pragmatikern wie Lance Armstrong, der sich ebenfalls sicher ist: "Gäbe es einen Gott, dann hätte ich noch zwei Eier". Hervorragend, besser hätte ich das nicht formulieren können…

Am Ende stellt sich ja immer die nicht unwichtige Frage, an wen sich das Buch richtet. Nun, auf dem Titel steht, dass es ein Brevier sei für Ungläubige und alle, die es werden wollen. Das erscheint auf den ersten Blick etwas ernst. Vielmehr würde ich es allen empfehlen, die ein lockeres Buch zum Thema Religion/Atheismus suchen und keine analytische oder wie auch immer geartete Abhandlung suchen. Mit gerade mal etwas über 150 Seiten eignet es sich auch hervorragend als Bett-Lektüre, was aber nicht heißen soll, dass es eine Einschlafhilfe ist. Und mal ehrlich: wenn selbst ein Themen-Fremdling wie ich großen Spaß bei der Lektüre hatte, soll das was heißen. Also macht Euch nicht verrückt.

In diesem Sinne 


Edgar Dahls Blog und sein Artikel zum Buch.

 

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Wissenschafts- und Agrarblogger seit 2009 – eher zufällig, denn als „Stadtkind“ habe ich zur Landwirtschaft keine direkten Berührungspunkte. Erste Artikel über Temple Grandin und ihre Forschungen zum Thema Tierwohl wurden im Blog dann allerdings meiner überwiegend ebenfalls nicht landwirtschaftlichen Leserschaft derart positiv aufgenommen, dass der Entschluss zu einer stärkeren Beschäftigung mit der Landwirtschaft gefallen war. Auch spätere Besuche bei Wiesenhof und darauf folgende Artikel konnten die Stimmung nicht trüben. Seit 2015 schreibe ich auch gelegentlich für das DLG-Blog agrarblogger.de, teile meine Erfahrung in der Kommunikation als Referent und trage nebenbei fleißig weitere Literatur zum Thema Tierwohl zusammen. Auf Twitter bin ich unter twitter.com/roterhai unterwegs.

14 Kommentare

  1. Brevier für Ungläubige?

    Es überrascht mich etwas, dass Atheisten glauben in die Hölle zu kommen. Ich war bisher immer der Meinung diese würden an gar nichts glauben, auch nicht an die Hölle. Wie erklärt sich das?

  2. Unklar ausgedrückt

    Hallo Mona,

    Danke für den Hinweis. Ich hätte vielleicht dazu schreiben sollen “nach Meinung der Kirche”. Dann wäre es wohl klarer gewesen. Es geht also nicht darum, dass Atheisten in Hölle kommen, obwohl sie nicht dran glauben, sondern darum, dass sie nach Meinung der Kirche dort hinkommen – und bei der Gelegenheit stellt Edgar dann auch gleich ein paar Bewohner vor^^

  3. Das wird dann schnell wieder ausgeglichen von geistigen Pragmatikern wie Lance Armstrong, der sich ebenfalls sicher ist: “Gäbe es einen Gott, dann hätte ich noch zwei Eier”. Hervorragend, besser hätte ich das nicht formulieren können…

    Ich würde ihn nicht als Pragmatiker bezeichnen, sondern als Tiefflieger. Weil es Krankheit gibt, gibt es also keinen Gott. Wie billig.

  4. @Martin: Tiefflieger

    Da kann man sicher geteilter Meinung sein. Mir ging es einfach darum, die Bandbreite der Zitate zu zeigen und dass es kein ausschließlich philosophisch verschwurbeltes Buch ist.

  5. Billig, reduziert oder nur kostenbewusst

    @Martin Huhn
    So billig finde ich das garnicht… positive Ereignisse und Gegebenheiten werden fast augenblicklich als gottgewollt oder auch gottgegeben klassifiziert.
    Aber wenns was schlechtes ist, dann war entweder der Mensch selbst schuld oder die Hölle, der Teufel etc.

    Wobei ich vergaß, es gibt ja noch die gerechte göttliche Strafe…
    vllt. ist er ja selbst Schuld… als Strafe für sein Doping, Ei ab.

  6. Kontext der Zitate

    @pulegon

    Guter Gedanke. Man sollte dabei auch nicht vergessen, dass diese Aussagen zwar so getätigt wurden, der Kontext aber nicht ganz unwichtig ist. Zum Beispiel fände ich seine Aussage in einem Interview nach einer Etappe durchaus in Ordnung. Für ein entspanntes Interview wäre das allerdings wirklich etwas platt – unter Freunden nach dem 5. Bier aber wieder ok. Du siehst, man kann hier eine ganze Analyse anfertigen – wenn man das möchte…

  7. @ pulegon

    In der Tat ist es genau umgekehrt. Wenn alles gut läuft, dann wird kaum von Gott geredet. Wenn etwas schreckliches passiert, dann kommt die Frage nach Gott. Aber es ist eigentlich keine Frage, sondern eine Anklage. Warum nur konnte Gott das zulassen? Warum hat er die Naturkatastrophe nicht verhindert? Warum mußte dieser Mensch sterben? etc. Und was steckt da für ein Gottesbild dahinter? Wenn es einem schlecht geht, dann soll Gott machen, ansonsten brauchen wir ihn nicht. Und wenn er uns nicht gehorcht und uns unsere Wünsche nicht erfüllt, dann gibt es ihn wohl nicht. Und das ist billig.

  8. Ich glaube, Ihr liegt beide nicht ganz falsch.

    Pulegon hat durchaus recht, da Gott gerne bei biotechnologischen Themen bemüht wird, also in dem Sinne, dass Tiere und Pflanzen gott-gegeben sind und wir uns daher aus der Erforschung dieser raushalten sollten.

    Auf der anderen Seite kommst Du ins Spiel Martin, denn sicherlich wird in Extremsituationen gerne Gott herangezogen, wenn sich Menschen anders nicht mehr zu helfen wissen…

  9. Hm …

    Ich habe den Text gelesen und die Kommentare und denke … hm … Hier wird einiges durcheinander geworfen, jedenfalls nach der Ordnung in meinem Hirn 😉 Ich versuche es mal der Reihe nach: Himmel, Hölle und ein rauschebärtiger alter Mann auf einer Wolke, der sagt: Ey, du Himmel. Du Hölle. Du erstmal zwei Jahre Fegefeuer, dann Himmel, sind naive Vorstellungen. Kirche und Glaube sind zwei verschiedene Baustellen. Die sollte man auseinander halten. Eine Kirche ist eine menschengemachte Organisation und funktioniert nach den Regeln des menschlichen Seins, inklusive Egoismus, Machtstreben und Dogmatismus.
    Glaube ist ein Lebensprinzip, etwas an dem sich jemand orientiert, der ihm Werte vermittelt, Wege zeigt, Halt gibt. Auch Atheismus ist eine Form des Glaubens.
    Schließlich gibt es Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir trotz aller Wissenschaften nicht verstehen. ABer sie sind da. In der Quantenphysik begegnen sich Naturwissenschaften, Esoterik und religiöse Philosophie.
    Im Neuen Testament steht, dass jeder das Göttliche in sich trägt. Vielleicht ist der Glaube und damit auch die Religionen dazu da, uns einen Rahmen zu geben, damit wir unseren Lebensweg finden und die Kraft und den Mut haben, ihn auch zu gehen.
    Das war jetzt lang. Sorry. Aber für die Ordnung in meinem Kopf nötig.
    Liebe Grüße

  10. Religion als Wegweiser

    Hallo Mayarosa,

    ebenfalls ein Willkommen in meinem Blog und Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Ich versuch mal ein wenig darauf einzugehen – soweit mir das möglich ist.
    Ich stimme Dir zB. voll und ganz zu, wenn Du schreibst, dass Glaube und Kirche getrennt werden sollten. Das kommt ziemlich genau so in einem Buch vor, dass ich mal in der Schule gelesen habe: “Hallo Mr. Gott, hier spricht Anna”.
    Das Argument, dass es für uns unerklärliche Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, ist etwas gewagt, was nicht nur daran liegt, dass es sehr stark an das berühmte Zitat aus Hamlet erinnert (http://de.wikipedia.org/wiki/Hamlet), also aus einer Zeit stammt, in der Wissenschaft nicht wirklich existierte – erst recht nicht so, wie wir sie heute kennen und sie praktiziert wird. Natürlich wissen wir nicht alles und können auch nicht alles erklären – mittlerweile aber schon sehr viel. Zu dem Punkt, dass Atheismus auch eine Art Glaube ist, enthalte ich mich mal argumentativ, weil das eben so gar nicht meine Baustelle ist…
    Zum Schluss denke ich durchaus, dass der Glaube bestimmten Menschen im Leben hilft, ihnen Kraft gibt.
    Vielleicht sollte ich nochmal betonen, dass das Buch keineswegs total ernst ist, sondern sehr gut mit einem Augenzwinkern gelesen werden kann. Es geht dabei gar nicht um Glauben an sich, sondern eher um die Menschen, die man nach Definition der Kirche in der Hölle antrifft, wenn man dort nach dem Tod einkehrt…

  11. Aktueller Hamlet

    Ich finde @Mayarosa hat recht, denn “Schließlich gibt es Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir trotz aller Wissenschaften nicht verstehen.” Oder anders ausgedrückt: Woher wissen wir denn, wie die Welt hinter unserem Erfahrungshorizont aussieht?

    Der Mensch ist in seiner normalen, erfahrbaren Wirklichkeit gefangen, er kann die Welt außerhalb seines definierten Erfahrungshorizonts nicht sehen. Es geht ihm so, wie dem Frosch, der im Brunnen lebt und das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand beurteilt.

    Ob Gott nur innerhalb oder auch außerhalb unseres Bewusstseins existiert wissen wir nicht. Bereits im Alten Testament heißt es, dass man sich kein Bild von Gott machen dürfe, da er mit unserem Bewusstsein nicht erfasst werden könne. Demnach ist jede Vorstellung von Gott nur ein Bewusstseinskonstrukt. Also ist es auch legitim sich eine Hölle zu erfinden, die von einem Haufen “überzeugter Atheisten” bevölkert wird. Leider hat Herr Dahl die vielen Hexen vergessen, die die Kirche in die ewige Verdammnis geschickt hat. Ich bin sicher die hätten die Hölle noch um ein paar Grad heißer gemacht.

  12. Letal erhitzte Hexen

    Hallo Mona,

    Danke für Deinen Kommentar. Ich zitiere mal: “Der Mensch ist in seiner normalen, erfahrbaren Wirklichkeit gefangen, er kann die Welt außerhalb seines definierten Erfahrungshorizonts nicht sehen. Es geht ihm so, wie dem Frosch, der im Brunnen lebt und das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand beurteilt.”

    Ich bin fast geneigt, Dir etwas frech zu antworten: Gut, dann schaffen wir die Forschung einfach ab und konzentrieren uns nur noch darauf zu leben.
    Ist das erstrebenswert? Natürlich wissen wir trotz aller Wissenschaft nicht alles. Aber darum geht es doch auch gar nicht. Es geht darum, mehr zu wissen, immer ein bisschen mehr, vielleicht auch darum einfach mal auf die Schnauze zu fallen und es dann besser zu machen. Alles wissen zu wollen wäre vermessen, die Flinte ins Korn zu werfen ebenso.
    Und ich bin mir ziemlich sicher, dass Edgar all die von der Kirche bis zur Letalität erhitzten Hexen keineswegs vergessen hat. Vielmehr ging es darum, ein Spektrum bekannter, intellektueller oder auch prominenter “Mitbewohner” der Hölle aufzuzeigen, sollte man dort nach dem Tode einkehren…

  13. @Sören Schewe

    Ich fürchte wir reden hier ein bisschen aneinander vorbei. Natürlich kann keinem daran gelegen sein die Forschung abzuschaffen, aber viele Probleme, z.B. in der Umwelt, sind erst durch die “Moderne” entstanden und darum muss sogar noch mehr geforscht werden, als in der Vergangenheit.

    Vielleicht gelingt es ja dem Frosch im Brunnen eines Tages den Brunnenrand zu erklimmen, dann wissen wir mehr über die Dinge “zwischen Himmel und Erde”.

  14. Wissen in Häppchen

    Hallo Mona,

    es ist wohl tatsächlich so, dass wir aneinander vorbei regen. Meiner Meinung nach aber anders, als Du wiederum denkst. Ich bin vollkommen damit einverstanden, dass wir in Zukunft mehr forschen müssen.

    Du schreibst: “Vielleicht gelingt es ja dem Frosch im Brunnen eines Tages den Brunnenrand zu erklimmen, dann wissen wir mehr über die Dinge “zwischen Himmel und Erde”.”

    Aber genau das ist doch schon der Fall. Wir wissen jetzt – noch – im Jahre 2010 deutlich mehr als 1910 oder auch 1960. Und ich bin mir sicher, dass wir 2060 mehr wissen werden als jetzt. Die Menschheit ist also permanent dabei, die Dinge zwischen Himmel und Erde zu erforschen und mehr über sie zu lernen. Ich glaube nicht, dass es dort eine Art finalen Punkt gibt, an dem wir plötzlich alles wissen. Es sind die kleinen Schritte.
    Außerdem: wenn der Frosch seinen Brunnen verlassen hat, sieht er ja auch nicht sofort alles…

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