Zweigradziel überholt? Der Weltklimarat bietet keine neuen Lösungen für die 4°-Welt am Horizont

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Eigentlich sollte es der „Climate Solutions Report“ werden, doch der eben vorgelegte Sachstandsbericht des Weltklimarats zu den Perspektiven des Klimaschutzes zeichnet ein bedrückendes Bild. Die Welt ist auf einem Weg zu immer mehr Emissionen, von Entkoppelung des wirtschaftlichen Wachstums und des Verbrauchs fossiler Brennstoffe keine Spur. Wenn dies so weiter geht droht die 4°C Welt, genau gesagt eine Welt, die zwischen 3,7°C und 4,8°C wärmer ist als in der vorindustriellen Zeit. Das Zweigradziel der UN-Verhandlungen von Kopenhagen und Cancun ist kaum noch zu erreichen; der IPCC-Vorsitzende Pachauri spricht nur noch vorsichtig von einer Bestrebung („Aspiration“) der Staatengemeinschaft. Und die wird immer teurer. Die Kosten des Klimaschutzes werden in dauerhaften Konsumverlusten gemessen und betragen nach dem jetzt vorgelegten Bericht zwischen 3 und 11% – weitaus mehr als die noch vor fünf Jahren geschätzten 3 – 5,5%. Immer klarer zeichnet sich ab, dass Techniken nicht schnell genug zum Einsatz kommen und die Staatengemeinschaft nicht einig im Bestreben zum Handeln ist. Ambitionierte Ziele sind nur noch bei Nutzung von teuren Risikotechnologien wie CCS („Carbon Capture and Storage“) und anderen Formen der CO2-Verbringung zu schaffen. Da bleibt wenig Hoffnung.

Der Bericht des IPCC will eine Orientierung bieten, aber bietet eigentlich keine Antwort, außer dass es „sehr, sehr schwer“ werden wird, das Zweigradziel zu erreichen. In dem Bericht vor fünf Jahre war vom Zweigradziel noch kaum die Rede, weil es Ökonomen wie Lord Stern damals noch zu ambitioniert erschien. Jetzt ist es fast nicht mehr zu erreichen, weil die Weltgemeinschaft nach Kopenhagen handlungsunfähig geworden ist und sich ungebremst dem Nichtstun („Business as usual“) hingibt. Die Rechnung für die Kosten des Nichtstuns, also für eine 4°C Welt, will der IPCC aber nicht aufmachen. Denn das könnte heikel werden, weil ökonomisch schwer zu fassende Werte wie Menschenleben und Verlust von biologischer Vielfalt davon betroffen sein werden. Trotzdem weiß der Rat eins: Die Kosten wären höher als die Kosten des Klimaschutzes. Hier tut sich eine bedenkliche Lücke in der wissenschaftlichen Arbeit des IPCC auf: Die Folgen des Klimawandels – und mögliche Anpassungsstrategien – werden in Arbeitsgruppen streng von Fragen des Klimaschutzes getrennt. Die wichtige Integration dieser Themen erfolgt im wissenschaftlich weit weniger gestützten sog. Synthesebericht unter Leitung des Vorsitzenden. Die Forderung nach einem Sonderbericht des IPCC zu Klimaanpassung und Klimaschutz – „Adaptation“ und „Mitigation“ – hängt seit Jahren in der Entscheidungsschleife, aber wäre notwendiger denn je, denn die „Climate solutions“ für eine 4° Welt liefert der neue Sachstandsbericht der WG III nicht.

Reimund Schwarze ist Klimaexperte im Department Ökonomie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Als Professor für Volkswirtschaftslehre hält er Vorlesungen an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Seine Forschungsschwerpunkte sind ökonomische und juristische Untersuchungen zur Klimapolitik. Er beobachtete in den letzten Jahren die Klimakonferenzen der UNO und berichtete davon im UFZ-Klimablog.

17 Kommentare

  1. Ja. Die Weltgemeinschaft hat versagt, weil sie eine Gemeinschaft von Konkurrenten ist, von denen jeder seine eigenen Ziele verfolgt. Gemeinsame Ziele gibt es für die 193 souveränen Staaten nur im Konses unter der Vorausseztung, dass überhaupt ein gemeinsames Ziel fomuliert und auf die Wege gebracht wurde. Ein Ziel gab und gibt es ja: Die Unterzeichnung unter einen alle Staaten bindenden Klimavertrag. Darauf hofften ja alle von Klimakonferenz zu Klimakonferenz.
    Doch selbst ohne Unterschrift unter einen bindenden Klimavertrag hätte die Weltgemeinschaft schon bei der Rio-Konferenz 1992 gemeinsame Forschungsanstrengungen auf den Weg bringen können mit dem Ziel nichtfossile Energien in einer Art Moon-Shot-Programm auf den Weg zu bringen. Diese Chance wurde vertan, obwohl die Idee doch naheliegend ist, denn eines steht schon lange fest: Auf Energie kann die Welt nicht verzichten, sie kann lediglich auf andere, nichtfossile Energien umsteigen und zudem Energien effizienter nutzen. Da die CO2-Emissionen aber laut Klimawissenschaft bis ins Jahre 2100 auf einen Viertel der heutigen Emissionen gesenkt werden müssen und die Weltbevölkerung und Weltwirtschaft bis zu diesem Zeitpunkt weiterwächst können Einsparungen allein nicht zum Ziel führen. Es braucht Ersatzenergien. Dass diese Ersatzenergien schon zur Verfügung stehen und nur noch eingesetzt werden müssen konnte zur Zeit der Rio-Konferenz niemand behaupten und kann sogar heute niemand überzeugt behaupten. Nicht umsonst liest man im obigen Beitrag: “Immer klarer zeichnet sich ab, dass Techniken nicht schnell genug zum Einsatz kommen”. Sie kommen aus verschiedenen Gründen nicht schnell genug zum Einsatz, unter anderem:
    Fehlende Entwicklungshöhe nichtfossiler Energien
    – Die Nukleartechnologie befindet sich noch auf fast gleichem Stand wie in den 70er , 80er Jahren mit Once-Through-Reaktoren mit hohem Brennstoffbedarf und ungelöstem Nachwärmeproblem.
    – Windfarmen haben bis jetzt nur auf dem Land überzeugt obwohl das offshore-Potenzial viel höher wäre. Heute wird geschätzt dass die offshore-Windtechnologie nicht vor 2020 (oder sptäter) in den rentablen Bereich kommt.
    – Photovoltaik wiederum überzeugt als Dachlösung nicht, solange es nicht Batterien gibt mit denen man überschüssige Erträge speichern und bei Bedarf wieder abrufen kann.
    – Photovoltaikanlagen als Solarfarmen dagegen werden in sonnenbegünstigten Gegenden bald rentabel werden. Hier gibt es aber das Problem der fehlenden Transmissionsleitungen um Überschüsse in weit entfernte Gegenden abführen zu können.
    – Carbon Capture und Storage wiederum hat neben technischen und ökonomischen Problemen auch noch das Problem, dass die Bevölkerung einer Entsorgung von CO2 im Untergrund zustimmen muss.
    Fehlende Einbindung von EE in ein Gesamtenergiesystem
    Wie schon angetönt brauchen viele nichtfossile Energien eine ganze Infrastruktur, damit sie etwas bewirken. Windfarmen müssen ihren Strom über Transmissionsleitungen an die Verbrauchszentren weiterleiten. Doch solche Transmissionsleitungen fehlen oder sind örtlichem Widerstand ausgesetzt. Für Solaranlagen gilt das gleiche. Letztlich geht es um ein Gesamtenergiesystem, nicht darum dass in Bayern möglichst viele Häuslebesitzer ein Solarpanel auf dem Dach haben. Bis heute besteht in den Staaten, die am stärksten auf Erneuerbare setzen wie Deutschland ein solches Gesamtsystem in Wirklichkeit aus 2 getrennten Systemen. Das eine liefert Strom, wenn die Sonne scheint oder der Wind bläst. Das andere ist weiterhin und sogar verstärkt fossil (Braunkohle) und wartet als Backupenergie auf seinen Einsatz
    Fehlende Marktorientierung
    Die nichtfossilen Energien sind noch nicht überzeugend in den Energiemarkt eingebunden. Die heute vorherrschenden Fördertariffe für die Einspeisung von EE-Strom nehmen keine Rücksicht auf den Strombedarf und keine Rücksicht auf die Standortverhältnisse.
    Ein Versagen der internationalen Zusammenarbeit
    Wir stünden heute wesentlich besser dran, wenn auf der Rio-Konferenz 1992 ein ambitioniertes Energieforschungsprogramm in die Wege geleitet worden wäre zu dem die besten Forscher aller Staaten ihren Beitrag geleistet hätten. Warum geschah das nicht? Warum ist auch heute die Zusammenarbeit zuwenig ausgebildet? Es hat woh viel mit dem Zustand der internationalen Staatengemeinschaft zu tun. Zudem gibt es auch Staaten mit grossen Vorräten an fossilen Energien, für die eine allzuschnelle Abkehr von den fossilen Energien ökonomisch verheerrend wäre. Es gab zudem zuwenig Innovation im Energiesektor weil es kaum nichtprivate Investitionen gab und es gibt auch heute noch zuwenig Bereitschaft die fossilen Energien im Boden zu lassen – und diese Bereitschaft fehlt nicht nur bei ein paar Grossfirmen, die Geld damit verdienen sondern bei ganzen Ländergruppen, die ihre ökonomische Gegenwart und Zukunft davon abhängig machen.

    • Herr Holzherr, Ihnen kann ich wie immer nur zustimmen: Damit die Energiewende ein Modell für die Welt wird, muss deren Kosten- und Marktorientierung weiter gestärkt werden. Auf den Klimaverhandlungen in Warschau im letzten Jahr gab es keine besser besuchte Veranstaltung als die zur Energiewende im deutschen Pavillion. Die vielen Vertreter hatten aber nur eine Frage an die Panelisten: Ist die Energiewende auch auf andere Länder übertragbar oder ein “Luxusmodell Deutschland”? Hier müssen wir nacharbeiten.

  2. Schon öfter habe ich das Argument gehört , daß die Erwärmung das Methan aus Meeren und Permafrostböden zu lösen beginnt und daß sich daraus eine Dynamik entwickeln könnte , die ab einer Erwärmung von ca. fünf Grad nicht mehr aufzuhalten wäre.
    Diese Freisetzung würde dann recht schnell zu einer Erwärmung von bis zu zehn Grad führen , was dann keine Kostenfrage mehr wäre , sondern schlicht und einfach ein doomsday-Szenario , also das Überleben der gesamten Spezies Mensch in Frage stellen würde.
    Stimmt das?
    Wenn ja , dann wären 4.8 Grad kein akzeptables Ziel , es müßte unter allen Umständen deutlich niedriger ausfallen.

    • Die Freisetzung von Methan aus dem Schmelzen der Permafrostböden und aus Methanhydraten am Meeresgrund sind nicht in einem Satz abzuhandeln. Während das erstere bereits angesichts der gallopierenden Erdewärmung in den nördlichen Polargebieten beobachtet werden kann (Phys.org, March 10 2014), ist das andere ein sehr langsamer natürlicher Prozess (http://www.eurekalert.org/pub_releases/2014-01/hcfo-mha010214.php) wie jüngste Ergebnisse von GEOMAR zeigen. Die Gefahr besteht darin, dass eine Weltbevölkerung oder Teile davon, die nicht auf ihren verschwenderischen Way of Life verzichten wollen, auf die irrwitzige Idee kommen, diese Methanhydrate als Energievorkommen zu nutzen. Das hätte natürlich verheerende Folgen! Aber auszuschließen ist auch das nicht!

  3. Hier tut sich eine bedenkliche Lücke in der wissenschaftlichen Arbeit des IPCC auf: Die Folgen des Klimawandels – und mögliche Anpassungsstrategien – werden in Arbeitsgruppen streng von Fragen des Klimaschutzes getrennt.

    Das dient wohl, aus Sicht des Schreiber dieser Zeilen: aus gutem Grund, der Systematisierung der Problematik.

    Letztlich gibt es zwei radikale Varianten [1]:
    1.) Die Folgen des [2] Klimawandels bestmöglich zu vermeiden suchen, indem die bekannten Emissionen weltweit und im Verbund gemindert werden.
    2.) Die Folgen des [2] Klimawandels in Kauf zu nehmen und in späterer Zeit das Bemühen darauf zu konzentrieren diese zu mindern, wobei auch heute noch nicht klar erkennbare Methoden des Geo-Engineerings zum Einsatz kommen könnten.

    Schließen Sie, Herr Schwarze, die zweite Variante, die sich vielleicht in Anbetracht der internationalen Uneinigkeit erzwingen wird, grundsätzlich als untauglich aus?

    MFG
    Dr. W

    [1] die Subvarianten sollen hier nicht beleuchtet werden
    [2] als anthropogen verstandenen

    • Das ist doch Konsens: 1)+2) ihrer Optionen müssen beide umgesetzt werden, also Adaption und Mitigitation. Man muss aber immer auch das politische Umfeld betrachten in dem das globale Problem des Klimawandels angegangen wird – und das ist das System der souveränen Staaten, die sich in ihrer Zukunftsorientierung in Ländergruppen wie industrialisierte, Schwellen- und Entwicklungsländer gliedern lassen. Schwellen- und Entwicklungländer sind an möglichst hohem Wirtschaftswachstum interessiert und Industrieländer daran ihre Spitzenposition zu halten und auszubauen.
      Meiner Ansicht sollte man keine Handlungsoption von vorneweg ausschliessen, auch nicht das Geoengineering. Doch Geoengineering kann genauso auf Widerstand stossen wie Klimaschutzmassnahmen. Wiederum weil vom Geoengineering alle Staaten betroffen sind und dementsprechend alle zustimmen müssen. Gerade die einfachen und billigen Geoengineeringmassnahmen wie Sulfatinjektion in die Atmosphäre werden kaum Zustimmung von allen Ländern erhalten.

      • Herr Holzherr, Ihr Kommentatorenfreund wollte die Einordnung oder die Sicht einer beteiligten Kraft abfragen, die Extrem-Topoi betreffend.

        Dass es im internationalen sozialen Gerühre zu Bemühungen der genannten Art kommen wird, ist absehbar (vs. ‘müssen’), korrekt.

        Anleitend zu Frage war dieses Statement:
        ‘Hier tut sich eine bedenkliche Lücke in der wissenschaftlichen Arbeit des IPCC auf: Die Folgen des Klimawandels – und mögliche Anpassungsstrategien – werden in Arbeitsgruppen streng von Fragen des Klimaschutzes getrennt.’

        MFG
        Dr. W

    • Geo-Engineering ist als “CO2 removal” bereits jetzt im Massnahmenportfolio des IPCC systematisch enthalten, nur Solarstrahlungsmanagement wie Sonnenschilde und künstliche Wolkenbildung sind ausgeschlossen. Ich finde, ausschliessen sollte man als Wissenschaftler in dieser Lage gar nichts. Forschung muss tabulos möglich sein, kann aber – wie bei CCS zutage bringen, dass das weder technisch noch ökonomisch sinnvolle Optionen sind. Wir schulden nachfolgenden Generationen angesichts unseres Generationenversagens wenigstens eine frühzeitige Erkundung aller Optionen für zukünftiges Handeln.

      • Vielen Dank für Ihre Einschätzung. – Geo-Engineering hätte in einer “spieltheoretisch” [1] verfahrenen Situation den Vorteil des Single Point of Access, jedenfalls näherungsweise, was die Folgen-Minderung betrifft.

        MFG
        Dr. W

        [1] wenn sich Ihr Kommentatorenfreund recht erinnert, haben Sie in einem früheren Artikel die außerordentlich großen Schwierigkeiten beschrieben, die eine globale Interessenangleichung i.p. Klimalenkung per Emissionsregulierung mit sich bringt

  4. Selbst im Land des grünen Wahnsinns sind die CO2-Emisionen trotzt vergeudeteter 100Mia. für EE in etwa so hoch wie vor 10 Jahren. Wenn man mit den 100 Mia. alte Kohle-Kraftwerke mit < 30% Wirkungsgrad durch neue mit ca. 50%-Wirkungsgrad ersetzt hätte, hätte man CO2 mit verlässlicher und billiger Energie resourcenschonend gespart. Aber jedes Land bekommt in der Demokratie die Regierung, die es verdient.

  5. @adenosine
    Seufz,
    “grünen Wahnsinns”: Grüne seit 2005 nicht mehr in Regierung. Wenn dann schwarzer Wahnsinn.
    “vergeudeteter 100Mia. für EE”: Man kann Geld nicht vergeuden, es wechselt den Besitzer und hat natürlich Arbeit geschaffen. Gewinne von EON, RWE, Vattenfall und EnBW hätten dies bei weitem nicht in dem Maße.
    “so hoch wie vor 10 Jahren”: Ja, in den zehn Jahren aber noch das Wirtschaftswachstum abziehen.
    Zeigen sie mir mal ein aktuelles Kohlekraft werk mit < 30% Wirkungsgrad?
    "verlässlich und billig" ist genau die Denke, welche das Problem erzeugt.

  6. @adenosine
    Ihre Lösung überzeugt mich nicht, da die externen Kosten der Kohlekraft recht hoch sind: und zwar durch die Krankheitsfälle der Luftverschmutzung zumal Filter nicht die Nukleation von Partikeln aus der Gasphase verhindern; selbst ohne Berücksichtigung des Klimawandels. Die neuesten Paper zum Thema gehen von 40-fach höherer Tödlichkeit pro TWh Kohlestrom (explizit ohne Klimawandelfolgen, aber inkl. Ressourcenabbau) gegenüber Atomstrom (inkl. großer Havarien und Abbau) aus.
    Meine Wunschlösung wäre aber nicht die Förderung von einzelnen Technologien, sondern stattdessen ein knapperer CO2-Zertifikathandel (oder -Steuern), damit der Markt die effizienteste Sparmethode findet. Auch wenn dann zweifellos unsere Stahlindustrie und Teile der chemischen Industrie komplett nach China wanderte (bei zunächst hohen nominalen Energiekosten), würde sich dabei zeigen dass dieses Vorgehen ungemein effizient in Bezug auf den Rückgang der Emissionen wäre.

    @Dr Heike Friesen
    Man kann Geld sehr wohl vergeuden, oder was würden Sie sagen wenn wir jetzt als Regierungsprojekt ein 200 km² großes Disneyland errichten würden – ohne dass nach Fertigstellung jemand es betreten dürfte? Oder eine 50x größere Cheopspyramide für den Prominenten Ihrer Wahl?
    Ich würde nebenbei behaupten, v.a. durch unsere überbordend komplizierte Bürokratie und Justiz werden unglaubliche Mengen Geld(=Arbeitszeit) vernichtet, die anderswo hundertmal sinnvoller eingesetzt wären.

      • Z.B. folgendes Science Brief gibt entsprechende Referenzen der Jahre 2010-2013 http://www.giss.nasa.gov/research/briefs/kharecha_02/

        Desweiteren:
        1) Markandya & Wilkinson (2007) “Electricity generation and health”, The Lancet vol. 370, Issue 9591, Pages 979–990, Elsevier

        2) ExternE National Implementation; Germany, ExternE—Externalities of Energy: nuclear. European Commission report EUR 16524, Vol 5EC, Brussels (1995) – Review-Studie des Stands bis 1995

        3) JE Berry, MR Holland, PR Watkiss, R Boyd, W Stephenson “Power generation and the environment—a UK perspective, vol 1”

        Nimmt man diese Daten zur Grundlage, ergibt eine einfache Überschlagsrechnung zusammen mit der Leistung aus http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kernreaktoren_in_Deutschland 140 TWh/yr, dass für den Fall dass statt den Kernkraftwerken Kohlekraftwerke in Deutschland abgeschaltet würden (es sind übrigens derzeit mehr als 20 neue Kohlekraftwerke in Deutschland in Planung), wir ca. 3400 Menschen pro Jahr (das wäre nur 20% des Stroms von Deutschland!) das Leben gerettet hätten und 31400 schwere Krankheiten (“Serious illness: Respiratory and cerebrovascular hospital admissions, congestive heart failure, and chronic bronchitis”), also Herz- und Lungenkrankheiten aufgrund der geringeren Luftverschmutzung weniger hätten. Würde man weltweit Kernkraftwerke statt Kohlekraftwerke einsetzen, entspräche dies einem Faktor von mehr als 100 und die Opfer von Tschernobyl, obere Abschätzungen mit Extrapolation bis 2050 (Nature Special Report: “Counting the dead”, 440, 982-983 (20 April 2006) | doi:10.1038/440982a; Published online 19 April 2006; Corrected 21 April 2006): Chernobyl deaths 4000 (scientific forum of the IAEA, only most affected areas) / 9000 (forum + future predictions) / 16000 (Cardis et al., impact on all European countries) / 30000-60000 (report commissioned by Green Party members of the European Parliament + predictions) nach verschiedenen Studien sind verglichen mit den medizinischen Folgen der Kohleverbrennung eines einzigen Jahres(!) zahlenmäßig weit geringer.

        Natürlich habe ich noch längst nicht alle Implikationen der Kernkraft (wohin mit dem Müll, verlorene Flächen Tschernobyls und Fukushimas) und der Kohlekraft (mit radioaktiven Isotopen angereicherte Kohleasche, in Deutschland teilweise ausgebracht als Dünger, sonst auf ungesicherten Deponien) hierbei berücksichtigt

        Grüße, Wizzy

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